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Netzwerk Natur und Umwelt

Wo leben Eichhörnchen

Der BUND Naturschutz bittet um Mithilfe beim Zählen der Tiere

15. Mai 2021. Wo leben mehr Eichhörnchen - im Wald oder in der Stadt? So genau weiß das niemand. Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) will das mit Hilfe von engagierten „Bürgerforscher*innen“ ermitteln. Seit einem Jahr sammelt er Daten über die Eichhörnchen.Im April 2020 startete er das großangelegte Projekt „Eichhörnchen in Bayern“. Ehrenamtliche sollen helfen, Daten zu erfassen, um herauszufinden, wie es den Eichhörnchen geht und wie sie in unseren Städten, Dörfern und Wäldern zurechtkommen. Mehr als 70 Beobachtungen mit 77 Tieren wurden seit dem Projektstart aus Stadt und Landkreis Landshut gemeldet. Bayernweit waren es 10400 Meldungen mit rund 12500 Tieren. Das sind hoffnungsvolle Zahlen für ein Pilotprojekt, so der BN.

Die Teilnahme am Eichhörnchen-Zählprojekt sei ganz einfach: Jeder kann mitmachen und „Eichhörnchen-Forscher*in“ werden.

Eichhörnchen haben die Städte erobert

Die Nager gehören zu den beliebtesten Wildtieren. Trotzdem haben sie es zunehmend schwerer, gute Lebensräume zu finden. Der ursprüngliche Lebensraum des Eichhörnchens sind Wälder. Als sogenannte Kulturfolger sind sie auch in Städten und Gärten anzutreffen. Dort ernähren sie sich von energiereichen Baumsamen und -früchten, die jedoch erst ab einem gewissen Baumalter produziert werden. Im Siedlungsbereich profitieren die Baumkletterer von den traditionellen Streuobstwiesen und Pflanzungen von Walnussbäumen und Haselnusssträuchern.

Tipps für aktive Eichhörnchen-Hilfe

Die einfachste Hilfe ist: Alte Bäume stehen lassen! Diese bieten, besonders wenn Totholz vorhanden ist, auch für viele andere Tiere gute Lebensbedingungen. An nuss- und fruchttragenden Gehölzen, wie Haselnuss, Walnuss oder Buchen, Kastanien und Obstbäume können sich die sympathischen Nager mit genügend Vorräten eindecken. Regentonnen können zur Todesfalle werden! Aus diesem Grund sollte unbedingt ein Deckel oder ein stabiles Drahtnetz darüber angebracht werden. Als Tränke ist eine flache Schale geeignet. „Wilde Ecken“ in Gärten sind pflegeleicht und schaffen nicht nur für Eichhörnchen Lebensräume, sondern auch für Igel und Wildbienen. Dazu kann eine Fläche des Gartens als Wiese stehen bleiben und Laub und Geäst auf einem Haufen gesammelt werden. Dies ermöglicht es den Tieren, Material für ihren Nestbau zusammenzutragen.

Wo wurden Eichhörnchen gesehen?

Naturinteressierte können sich beim BUND Naturschutz melden, wann und wo sie Eichhörnchen gesehen haben. Schnell und einfach ist das möglich über die BN-Webseite www.bund-naturschutz.de, unter Suchbegriff „Eichhörnchen“ eingeben. Oder noch einfacher unter dieser Webseite die Smartphone-App „Eichhörnchen in Bayern“ verwenden. Die gibt es kostenfrei für Android und iOS Betriebssysteme zum Download. Eine erste Bilanz zum Projekt findet man unter https://www.bund-naturschutz.de/aktionen/eichhoernchen-beobachten-und-melden/ergebnisse-2020


Lebensraum schaffen für Schwarzkehlchen, Wiesenpieper und Waldbirkenmaus

„Hier im ehemals teilweise sogar ackerbaulich genutzten Wagenwassermoor werden bald Rinder – voraussichtlich „Rotes Höhenvieh“ - dafür sorgen, dass sich Borstgrasrasen mit Arnika und Silberdisteln entwickeln. Auch Hochstaudenfluren sollen gefördert werden, damit sich der Lebensraum für die seltene Waldbirkenmaus verbessert. Diese hat im Inneren Bayerischen Wald einen ihrer Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland. Auch Wiesenvögel wie Schwarzkehlchen und Wiesenpieper könnten im Schutz der Vegetation Nistplätze sowie reichlich Insekten und Spinnen für den Nachwuchs finden“, erläuterte Biologe und Projektleiter Tobias Windmaißer die Wirkung der Maßnahme im gut 5 ha großen Übergangsmoor-Gebiet bei Vorderfirmiansreuth. Die Vorsitzende der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut, Kathy Mühlebach-Sturm, war bei ihrem Besuch am 28. März 2021 vor Ort erfreut zu hören, dass die Spende der Kreisgruppe einen wesentlichen Teil des für die Beweidung des Wagenwassermoores notwendigen Aufwands abdeckt. So wird im Landkreis Freyung-Grafenau nahe der Grenze zu Tschechien die Entstehung eines wertvollen halboffenen Mosaik-Lebensraumes am „Grünen Band Europa“ finanziell ermöglicht. Das Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie durch den Bayerischen Naturschutzfonds.

Wie kam es dazu? In einem Bericht der Landshuter Zeitung hatte der Artenschutzbeauftragte der BN - Kreisgruppe, Johannes Selmansberger, darauf hingewiesen, dass Vogelfütterung vor allem in strengen Wintern durchaus ihren Nutzen habe, aber eben nur „die halbe Miete“ sei. Denn das seit einigen Jahrzehnten beobachtete Verschwinden unserer gefiederten Freunde stehe auch im Zusammenhang mit dem Verlust an Insektenmasse als wichtigste Nahrung von Jungvögeln. Wegen des Insektensterbens steht daher immer weniger Futter für die Vogeljungen zur Verfügung. Vögel und Insekten müssen unbedingt geschützt werden und zwar vorrangig durch Schutz ihrer Lebensräume. Selmansberger schlug daher vor, dass Leser einen Teil des für den Kauf von Vogelfutter vorgesehenen Geldes an die BN - Kreisgruppe Landshut spenden, die dieses für Naturschutzmaßnahmen am Grünen Band einsetzen würde. Die daraufhin eingegangenen Spenden von 510,- € wurden von der Kreisgruppe verdoppelt, so dass nun 1020,- € zu Gunsten der Entwicklung eines halboffenen Mosaik-Lebensraums für verschiedene seltene Tier- und Pflanzenarten überwiesen werden konnten.

Der BUND Naturschutz bedankt sich bei allen Spendern für ihren Beitrag zu dieser Aktion. Zu gegebener Zeit wird über die weitere Entwicklung im Projektbereich berichtet werden.

 


Internationaler Tag für die biologische Vielfalt

Der 22. Mai 2015 ist der "Internationale Tag für die biologische Vielfalt"

„Geh' hinaus und labe dich am Gesang der Vögel, am Tanzen der Schmetterlinge und an der Pracht der Blumen...

….und sorge dafür, dass auch deine Kinder und Enkelkinder noch die Vielfalt in der Natur erleben können!“

Der „Internationale Tag für die biologische Vielfalt“ wurde im Jahr 2000 durch die UNO eingeführt mit dem Ziel, weltweit ein Bewusstsein zu schaffen für die Notwendigkeit, die Vielfalt der Arten und Lebensräume zu erhalten: Wenn den Menschen bewusst wird, dass die biologische Vielfalt die Grundlage allen Lebens bildet – auch die der menschlichen Existenz, können die gesellschaftlichen Kräfte stark genug werden, um die in Rio de Janeiro 1992 verabschiedete  Biodiversitäts-Konvention  umzusetzen. Das damals genannte Ziel, den Biodiversitätsverlust (Verlust von Lebensräumen und Verlust der Arten) auf globaler, regionaler und nationaler Ebene bis zum Jahr 2010 zu stoppen, wurde nicht erreicht und der Zeitraum für die Zielerreichung wurde auf das Jahr 2020 ausgedehnt.

In Deutschland gibt es etwa 70.000 verschiedene Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen. Viele Zusammenhänge zwischen ihnen bzw. ihre aufeinander abgestimmten Lebenszyklen sind bis heute nicht bekannt. Werden ihre spezifischen Lebensräume zerstört, verschwinden sie leise und oft unbemerkt. Mit jeder Art, die ausstirbt, wird das feingewobene Lebensnetz der Natur instabiler. Die "Roten Listen der bedrohten Arten" sind zum Gradmesser des Verlustes geworden. Über 7.000 Tierarten gelten in Deutschland als gefährdet oder sind sogar vom Aussterben bedroht.

Um das Artensterben zu vermindern, wurde 1992 beschlossen, in der Europäischen Union ein Schutzgebietsnetz (Natura 2000) aufzubauen, welches dem Erhalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume dient.

Das Netz Natura 2000 besteht aus den Gebieten der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie. Die FFH-Gebiete werden auch als Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung bezeichnet. Die Vogelschutzgebiete werden als besondere Schutzgebiete bezeichnet. Für 1/5 der Säugetierarten (18) und 6,3 % der Farn- und Blütenpflanzen (259) hat Deutschland eine sehr hohe internationale Verantwortung.

Lesen Sie im Folgenden, welche Tiere bei uns in Bayern unseres Schutzes bedürfen und was Sie selbst zum Artenschutz beitragen können:

Amphibien

Amphibien sind die evolutionären Nachfahren der ersten Knochenfische und besiedelten vor etwa 416 bis 359 Millionen Jahren das Land vom Meer aus.

In Bayern kommen 20 verschiedene Amphibienarten vor. Davon sind 13 Arten im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt, das heißt, sie sind durch den Verlust ihrer spezifischen Lebensräume bedroht und nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.

Auch der König der Frösche, der lackgrüne Laubfrosch ist selten geworden und als gefährdet (Rote-Liste-3) eingestuft.  Den meisten Menschen ist er zwar bekannt als Froschkönig aus den Grimm'schen Märchen oder als Wetterfrosch. In freier Natur gesehen haben ihn aber wohl die Wenigsten! Die einstmals weit verbreitete Art ist heute in vielen Regionen Deutschlands selten geworden oder verschwunden, weil ihre Lebensraumansprüche in der modernen Kulturlandschaft kaum erfüllt werden. Mit etwas Glück können Sie ihn aber bei der alljährlich stattfindenden Abendexkursion zu Amphibienlebensräumen am 05. Juni 2015 sehen

Fledermäuse

Fledermäuse leiden in einem ganz besonderen Maße unter dem massiven Verlust kleinräumiger Strukturen wie Hecken, Gehölzsäume, Streuobstwiesen, naturnahe Gewässerverläufe und Kleingewässer mit breitem Uferrandstreifen, alte Baumbestände, Alleen und Solitärbäume im Siedlungsbereich. Auch viele als Wochenstuben genutzte Räume in Gebäuden gingen und gehen durch Sanierung und Ausbau verloren. Da verwundert es nicht, dass nur zwei der 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten als ungefährdet gelten.

Mit folgenden Maßnahmen kann den Flattertierchen geholfen werden:

   Erhaltung und Neuanlage von Hecken, Gehölzsäumen und Streuobstwiesen besonders zwischen Waldgebieten als verbindende Elemente von Teillebensräumen und zur Sicherung der Nahrungsgrundlage

   Naturnahe und -verträgliche Bearbeitung von Privat- und Obstgärten, die mit ihrem Blütenreichtum das Insektenvorkommen steigern

   Erhaltung naturnaher Gewässerverläufe, die die Landschaft erschließen mit möglichst breiten Gewässerrandstreifen mit Büschen, Baumgruppen und Einzelbäumen

   Pflege von Obstbaumgürteln in Siedlungsnähe

   Verzicht auf Insektizide und Herbizide im Gartenbau

   Förderung von Kleingewässern in Siedlungsbereichen und Parkanlagen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes

   Minimierung des Einsatzes von Insektiziden in privaten und öffentlichen Grünanlagen in Siedlungen um das Insektenangebot zu erhalten zu steigern und Vergiftungen zu verhindern

   Erhaltung von Baumbeständen im Siedlungsbereich zur Optimierung der Jagdgebiete

Vögel

In den vergangenen 30 Jahren hat Europa 421 Millionen Vögel verloren. Vogelschutzgebiete – als besondere Schutzgebiete unter natura 2000 eingerichtet – haben daher eine große Bedeutung für den Fortbestand der in Europa vorkommenden Vogelarten. Auch außerhalb der Schutzgebiete ist es grundsätzlich verboten, wildlebende Vogelarten zu töten oder zu fangen. Nester und Eier dürfen nicht zerstört, beschädigt oder entfernt werden, auch die Vögel selbst dürfen, besonders während ihrer Brut- und Aufzuchtzeit, weder gestört noch beunruhigt werden. Daher dürfen Bäume als mögliche Nistplätze von Vögeln nur im Zeitraum zwischen dem 01. Oktober und dem 28./29 Februar des Folgejahres geschnitten oder gefällt werden.

Besondere Rückgänge verzeichnet der LBV beim Mauersegler und erklärt den Negativrekord unter anderem mit der Tatsache, dass sich das Nahrungsangebot für diese als auch für Mehl- und Rauchschwalbe – alle sind reine Insektenfresser - durch den Einsatz hocheffektiver Pestizide in einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft dramatisch verringert.

Durch den Kauf biologisch erzeugter Lebensmitteln unterstützen Sie eine Landwirtschaft, die ohne Pestizide auskommt und so dazu beiträgt, das Netz des Lebens zu erhalten.

Reptilien

Schlangen, Eidechsen und Schildkröten werden Reptilien genannt. Sie bevölkern die Erde seit 300 Millionen Jahren. Heute - im sogenannten Anthropozän (das Zeitalter, in welchem der Mensch das Leben auf der Erde nachhaltig verändert) – sind Reptilien stark gefährdet. Elf von 14 Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Sie benötigen als Lebensraum Hecken, alte Mauern und Lesesteinhaufen.

So schreibt z.B. der Landesverband für Amphibien- und Reptilien-Schutz in Bayern e.V. 

Die Schlingnatter ist entsprechend Anhang IV der FFH-Richtlinie eine streng zu schützende Art. Sie ist in Bayern stark gefährdet (Rote-Liste 2). Als Ursache gilt die Zerstörung ihres Lebensraumes, direkt oder durch Intensivierung in der Landwirtschaft, Flur­bereini­gung, Düngung von Magerflächen, Beseitigung von Kleinstrukturen, Verbra­chung durch fehlende Pflege, Aufforstungen; Zerschneidung durch Straßenbau und die direkte Verfol­gung durch den Menschen infolge Verwechslung mit der Kreuzotter. Der Artenschutz erfolgt vor allem über Flächensicherung 

Wildbienen, Schmetterlinge, Heuschrecken

Auch Wildbienen, Schmetterlinge und Heuschrecken sind gefährdet durch das Verschwinden von Kleinstrukturen und durch die Verringerung des Nahrungsangebotes in der Monotonie von Maislandschaften und auf Feldern, die mit Herbiziden gespritzt wurden. Auch Wildbienen bestäuben Nutzpflanzen und sie sorgen ihrerseits für das Überleben bestimmter Wildpflanzen. Mehr zu Wildbienen unter 

Fazit: Artenschutz ist heutzutage vor allem Lebensraumschutz. FFH-Gebiete sind als Rückzugsräume gefährdeter Arten von gemeinschaftlicher Bedeutung. Deren Schutz darf nicht wegen Bauprojekten oder für den Straßenbau aufgegeben werden. Artenschutz findet aber auch im heimischen Garten statt. Der naturbewusste Gärtner verwendet torffreie Erde und kann durch umsichtiges Handeln in seinem Garten Lebensräume für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren schaffen.


28. März 2015: Ehrentag des Unkrauts – Wert der Wildkräuter

Der Ehrentag des Unkrauts wurde 2003 von Garten-Blogger eingeführt. Als Unkraut werden oft Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kultur-pflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, bezeichnet. Mit dem Wort „Unkraut“ bezeichnet man im allgemeinen Sprachgebrauch Pflanzen, die an der Stelle, an der sie aufgehen, unerwünscht sind. Dies können nebst Gräsern, Farne, Moose oder holzige Pflanzen auch Wildkräuter sein, deren Wert oft verkannt wird.

Wertvolle Wildkräuter

Meist  unerkannt und unbeachtet  wachsen bei uns die Wildkräuter an Orten,  die der Mensch der Natur übrig gelassen hat. Sie wagen es aber auch in kultivierten Bereichen zu wachsen, wo ihnen allerdings mit großem technischen Aufwand  und hohem Einsatz von Agrargiften  das Leben ziemlich schwer gemacht wird.  Wildkräuter sind Meister der Anpassung oder verschwinden langsam und leise von der Bildfläche. Mit jedem Jahr wird unsere natürliche Umgebung eintöniger und farbloser. Zwischendrin finden sich aber trotzdem immer wieder Inseln mit charmanten Wild-blumen und betörend riechenden Pflanzen, oder auch ganz einfachen Gewächsen,  die uns erahnen lassen, welchen Reichtum uns die Schöpfung geschenkt hat. Die Schönheit und der Duft einer artenreichen Wildblumenwiese ist ohnegleichen und erwärmt einen das Herz.

Der Wert der Wildkräuter ist unermesslich. Sie sind ein wichtiger Baustein im ganzen Gebilde des Lebens.  Fehlt auch nur ein Stein,  ist die gesamte Statik in Gefahr. Hier entwickelt sich ein Teufelskreislauf: Ohne die richtigen Pflanzen zum Anfliegen finden Schmetterlinge nicht mehr ausreichend Nahrung. Und deshalb haben es auch die Vögel immer schwerer bei der Futtersuche. Insekten zum Verfüttern sind für ihre Jungenaufzucht aber lebenswichtig. Manche Tierarten sind aufgrund besonderer Spezialisierung an bestimmte Pflanzen gebunden, werden also gefährdet, wenn diese fehlen.  Häufig werden gerade Wildkräuter, die man abschätzig als Unkraut bezeichnet, von  Wildbienen besonders geschätzt, beispielsweise Rote Taubnessel, Wilde Möhre, Bärenklau, Kratzdistel, Kornblume, Klatschmohn oder Natternkopf.  Heimische Wildkräuter fördern die ökologische Vielfalt und das Gleichgewicht der Natur.

Nicht nur die  Tierwelt - egal ob Insekt, Vogel, Nager oder Großwild -  braucht die Kräutervielfalt, auch wir Menschen haben uns seit jeher von dieser Pflanzenkost ernährt. Jede Kulturpflanze hat ihren Ursprung in einer Wildpflanze. Im Laufe der Zeit wurden spezifische Merkmale heraus-gehoben und weitergezüchtet. Dabei bleiben oft wichtige sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe oder auch Vitamine und Mineralstoffe auf der Strecke. Durch die zunehmend ausgelaugten Böden als Folge unserer intensiv bewirtschafteten und  auf Ertragsmaximierung ausgelegten  Agrarflächen verlieren diese einst wertvollen Pflanzenzüchtungen an Qualität. Tatsächlich sind hier die Wildkräuter wieder ganz stark im Kommen, als Ergänzung und Aufwertung unserer Ernährung. Die Einsatzmöglichkeiten sind unbegrenzt. Jetzt im Frühjahr schmecken  Rohkostsalate veredelt mit jungen Blättern der Knoblauchrauke, Barbarakraut, Spitzwegerich und Bärlauch. Oder eine feine Suppe mit Brennnessel, Franzosenkraut und Wiesenknopf. Oder grüne Spätzle mit Vogelmiere und einer cremigen Zwiebel-Kräutersoße aus Wildschnittlauch und Hirtentäschel. Als Abschluss bietet sich ein delikates Dessert  mit Waldmeister und Mädesüß, verziert mit Blüten von Gundermann und Gänseblümchen an.  Ein Festessen für Auge und Gaumen!

Berichte über Grüne Smoothies, Unkrautkochkurse und Wildkräuter-wanderungen sind häufig in der Tagespresse zu finden. Veranstaltungen vom Bund Naturschutz und anderen Organisationen finden regen Zuspruch und werden gerne angenommen, um das verloren gegangene Wissen wieder zu erlernen und anzuwenden. Das Thema Wildkräuter kommt immer wieder im Zusammenhang mit  Ereignisse vor wie z.B. bei einer 1200-Jahr-Feier in einer niederbayerischen Gemeinde bei der auch eine mittelalterlicher Kräuterführung angeboten wurde.

http://www.landshut.bund-naturschutz.de/ortsgruppen/holledauer-eck.html oder zu aktuellen Themen wie Wildkräuter im Garten. http://www.bund-naturschutz.de/themen/landwirtschaft/garten.html

In diesem Sinn ein Zitat von Vauvenarges: „Die Gaben der Natur sind nicht so selten , wie die Kunst sie zu genießen“

 

Ehrentag des Unkrauts - Gedanken und Definitionen

Alternativ: Beikraut oder Kulturpflanzenbegleiter, auch als Unholz, Ungras, Begleitwuchs usw. bezeichnet.  

Als Unkraut (in der Schweiz auch Jät) bezeichnet man Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, die dort nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotential des Bodens oder über Zuflug zur Entwicklung kommen.

Bezeichnungen

Dieselbe Art tritt oft auch als Nutzpflanze, Heilkraut, Zeigerpflanze usw. auf. Es kann sich um Kräuter, Gräser, Farne, Moose oder holzige Pflanzen handeln.

Die ökologische Landwirtschaft hat eine differenziertere Sichtweise auf die „Unkräuter“, die sie nicht ausschließlich als Schadpflanze, sondern auch als wesentlichen Bestandteil des Ökosystems sehen. Daher wird dort der negativ belegte Begriff „Unkraut“ abgelehnt und die neutrale Bezeichnung Beikraut bevorzugt.

Pflanzen werden in der Regel als Unkraut bezeichnet, wenn sie: unerwünscht sind, Giftwirkung haben (Herbstzeitlose in Heu) störend, Erschwerung der Bewirtschaftung, Verunreinigung wirtschaftlicher Schaden entstehen kann, Konkurrenz zu Kulturpflanzen ästhetischer Grund, die Freihaltung von Bewuchs stören unerwünschte Wildpflanzen, massenhafte Vermehrung, Samen, Wurzelbildung, Verdrängung spontan aufwachsender Kulturpflanzen durch Unkräuter können sich zu Beginn der Vegetationsperiode bis zu 100.000 keimfähige Samen auf einem Quadratmeter Ackerland befinden, während z.B. bei Sommergerste nur eine Saatgutmenge von 400 Samen pro qm gesät wird.

Nutzwert von Unkräutern

Unkräuter fördern die Bodengare, können der Erosion entgegenwirken, ermöglichen das Befahren (Weinberge). Wichtiges Gen-Reservoir; Kulturformen der Rübe, Feldsalat oder Roggen waren ursprünglich Unkräuter.

Unkräuter sind wichtige Heilpflanzen z. B. Kamille, Spitzwegerich und Ackerschachtelhalm. Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung ermöglichen sie Schlupfwespen, Raupenfliegen und anderen Nützlingen das Überleben auf dem Acker, solange keine befallenen Kulturpflanzen zur Verfügung stehen.

Naturschutzaspekte

Ein Drittel der etwa 270 Pflanzenarten, die ihr Hauptvorkommen in der Ackerunkraut- und kurzlebigen Ruderalvegetation haben, gelten als regional gefährdet oder ausgestorben. Ihr Erhalt in botanischen Gärten ist schwierig, da dabei fast zwangsläufig Pflanzen ausgelesen werden, denen wichtige (Unkraut-)Eigenschaften wie der Keimverzug fehlen.

Verschiedene Tiergruppen sind vom Rückgang der Unkräuter betroffen, da sich diese Tiere teilweise oder vollständig von Pollen, Nektar, Stängeln und Blättern, Wurzeln oder Samen der Unkräuter ernähren oder die Unkräuter als Habitat nutzen. Beispiel ist ein starker Rückgang von granivoren (Samen fressenden) Vogelarten.

Moderne Unkräuter - z. B. Riesen-Bärenklau

Zum einen sind sie eingeschleppt worden (wie beispielsweise der Riesen-Bärenklau), zum anderen planmäßig importiert (zum Beispiel Zierquitte, Essigbaum, drüsiges Springkraut oder späte Traubenkirsche).

Pflanzenschutzmittel (PSM) sind chemische oder biologische Wirkstoffe und Zubereitungen.

Die Geschichte des Pflanzenschutzes ist so alt wie die Geschichte des Ackerbaus. Die in der EU-25 eingesetzte Gesamtmenge an PSM-Wirkstoffen betrug im Jahr 2003 220 000 t: Frankreich (28%), Spanien und Italien (je 14%), Deutschland (11%) und Großbritannien (7%).

Erlaubte Tagesdosis von einigen Pflanzenschutzwirkstoffen: 0,0003 - 0,05 ADI (mg/(kg*d) Die tatsächlichen Konzentrationen in Nahrungsmitteln sind weitaus geringer, da Pflanzenschutzmittel vielfach schnell biologisch abgebaut werden und viele Agrarbetriebe keine Pflanzenschutzmittel einsetzen. Ein Dossier zu einem neuen Pflanzenschutzmittel umfasst heute etwa 30.000–50.000 Seiten und eine Zusammenfassung etwa 2000 Seiten.

Zulässigkeit, Risiken: oft eingesetzte Mittel, wie z.B. Round up mit dem Wirkstoff Glyphosat bergen trotzdem Gefahren. Es gelangen nur 10–50 % der Pflanzenschutzmittel an den Bestimmungsort.

Gründe für eine unerwünschte Emission sind vor allem: Abdrift, Abfluss über Oberflächenabfluss (Run-off) und Auswaschung (Leaching) (= das Versickerung von Pflanzenschutzmitteln in tiefere Bodenschichten). Verdampfung während der Ausbringung, insbesondere bei Pestiziden mit niedrigem Siedepunkt, wie z.B. Clomazone. Verdunstung Winderosion Wiederverflüchtigung früher deponierter Pflanzenschutzmittel

Herbizide, dazu gehört Glyphosat, wurden inzwischen im Urin von Mensch und Tier nachgewiesen Eine mögliche Erklärung hierfür sind Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Getreide, das zur Erzielung einer hohen Erntetrockenheit gezielt mit Glyphosat totgespritzt wird

Auswirkungen auf die Biodiversität: Möglicherweise sind Pflanzenschutzmittel eine wichtige Ursache des Rückgangs von Amphibien. Die Verwendung von Neonicotinoiden beeinträchtigt Honigbienen.

Quellenhinweis: BUND Naturschutz, Google, Internet


Wer stoppt das stille Artensterben?

Landshut 22.03.2016: BN-Vortrag von Dr. Christine Margraf über den galoppierenden Artenrückgang in der Feldflur

Die moderne industriell betriebene Landwirtschaft ist der Hauptverursacher dafür, dass die Feldflur immer leerer und stiller wird: kaum mehr Vögel, Schmetterlinge und Blütenpflanzen. Dies untermauerte Dr. Christine Margraf, die Leiterin der BN-Fachabteilung München, am 22. März 2016 eindrucksvoll in ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe „Heimatlandschaft in Gefahr“ der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe vor zahlreichen interessierten Zuhörern im Gasthof zur Insel in Landshut.

Dabei war es jahrhundertelang gerade die traditionelle Landwirtschaft, die eine vielfältige und artenreiche Landschaft hervorbrachte, war doch Mitteleuropa ursprünglich ein Waldland: so waren etwa noch im 6. Jahrhundert 90 Prozent des Landes mit Wald bedeckt. Heute wird etwa die Hälfte der Fläche in Deutschland und auch in Bayern landwirtschaftlich genutzt, jedoch in einer Art und Weise, die alles andere als naturverträglich ist, stellte Christine Margraf fest. Anhand von Vorher-nachher-Aufnahmen veranschaulichte die Referentin, wie eintönig und ausgeräumt die Feldflur in den letzten 50 bis 100 Jahren geworden sei: der kleinräumige Strukturreichtum ist fast verschwunden und für Hase, Rebhuhn und Kiebitz gibt es kaum noch Überlebensmöglichkeiten.

Und, so betonte Margraf, trotz des schon lange bestehenden Biodiversitätsprogramms der EU konnten beim Artenschwund die Negativtrends nicht gestoppt werden, im Gegenteil, in den letzten Jahren haben sie sich – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – noch verstärkt. Bei jeder Aktualisierung wird die Rote Liste der gefährdeten Arten länger und desaströser. Margraf nannte dies ein Armutszeugnis ohnegleichen. So seien beispielsweise 56 Prozent der Tagfalter bedroht und knapp fünf Prozent bereits ausgestorben. Und bei den Kriechtieren sind gar 70 Prozent  bedroht. Viele naturbewusste  Menschen bemerken die Abwärtsentwicklung auch bei den Vögeln, gerade auch bei den – einstmals – häufigen „Allerweltsarten“: überall ein massiver, ungebremster Niedergang! So seien beispielsweise die Kiebitzbestände seit den 90er Jahren um gut 60 Prozent zurückgegangen.

Als schrecklich bezeichnete die Referentin die Erkenntnis einer NABU-Studie, nach der bei den Insekten die reine Biomasse in nur 15 Jahren um bis zu 80 Prozent abgenommen hat. Es zeige sich auch immer mehr, wie sehr zahlreiche Tiere unter den massiv ausgebrachten Giften, allgemein verharmlosend „Pflanzenschutzmittel“ genannt, leiden, so beispielsweise Amphibien mit ihrer empfindlichen Haut und Feldhasen (Auswirkungen auf die Spermienfruchtbarkeit). Auch innerhalb der Landwirtschaft sei bei Tieren und Pflanzen, so die Diplom-Biologin, eine enorme genetische Verarmung eingetreten: so seien seit 1990 drei Viertel der Nutzpflanzensorten verloren gegangen.

Weiterhin erwähnte Margraf die jahrzehntelang mit deutscher Gründlichkeit betriebene „Flurbereinigung“, die das Landschaftsbild radikal verändert habe. So sind 95 Prozent der Moore Bayerns zerstört oder degradiert worden, eine Tatsache, die auch unter dem Gesichtspunkt der Klimawirksamkeit (CO2-Speicherung) höchst bedenklich sei. In den letzten zehn Jahren habe sich das Gesicht der Landschaft auch dadurch stark verändert, dass immer mehr Grünland umgebrochen wurde – und meist in riesige Maisfelder verwandelt wurde. Und selbst das Grünland, das noch besteht, wird oft durch bis zu sechsmaliges Mähen und intensives Düngen entwertet. Dort lassen sich gerade noch dürftige 15 Arten zählen.

Anhand von aussagekräftigen Diagrammen illustrierte Margraf, dass im Landkreis Landshut die Massentierhaltung (Schwein und Rind) eine landschaftsunverträgliche Dichte erreicht habe – mit den bekannten Folgen für das Trinkwasser, welches zunehmend nitratbelastet ist. Die nötigen Futtermittelimporte richten zudem in den Anbauländern, insbesondere Brasilien und Argentinien, große Schäden an, indem die dortige Biodiversität zerstört wird. Angesichts all dieser Probleme plädierte die Referentin für eine schrittweise Rückkehr zu einer Art Kreislaufwirtschaft – weg vom unendlichen Wachstum und  weg von der Billigproduktion, die auch für die Landwirte in die Sackgasse führt. Nur sieben Prozent der bayerischen Bauern betreiben Ökolandbau. Auch diese Zahl müsse verdoppelt werden.

Trotz dieser düsteren Gesamtsituation ließ Margraf immer wieder ihren Grundoptimismus aufscheinen und die Zuversicht, dass man durchaus etwas bewirken kann, wenn Landnutzer und Umweltschützer gemeinsam an einem Strang ziehen und beharrlich kämpfen.