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Netzwerk Natur und Umwelt

Kulturlandschaft Landshut erleben - Wanderungen in die Zeit

Seit vielen Jahren veranstaltet die Kreisgruppe Landshut des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) gemeinsam mit dem Verein für Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut e.V. (arLan) heimatkundliche Wanderungen. Die bisher durchgeführten, viel besuchten Exkursionen unter der Leitung von Werner Hübner (arLan) und Paul Riederer (BN) führten durch die geschichtliche Vergangenheit der Stadt und des Landkreises Landshut. Auf diese Weise sind 14 erlebnisreiche Routen entstanden, welche zu eindrucksvollen Wanderungen zu historischen Schätzen in der niederbayerischen Kulturlandschaft einladen.

Von vielen Teilnehmern wurde der Wunsch geäußert, die Fülle der Informationen nicht nur mündlich bei den Wanderungen zu übermitteln, sondern auch in schriftlicher Form festzuhalten und weiterzugeben.

Die BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut hat diesem Wunsch mit Herausgabe einer heimatkundlichen Dokumentation gerne entsprochen, um interessierte Menschen mit Natur- und Kulturschätzen ihrer Heimat vertraut zu machen, ihre Heimatliebe zu stärken und damit mehr Verständnis zu schaffen für den Schutz von Landschaften mit ihren Pflanzen und Tieren, Kultur- und Bodendenkmälern. Das ist das verbindende Band von Naturschützern und Freunden der Archäologie.

In einem kleinen Buch mit zahlreichen Bildern und Wanderrouten hat der bekannte Landshuter Heimatforscher Werner Hübner vierzehn spannende Wanderungen in und um Landshut beschrieben, die zu Hügelgräbern, Burgställen, “Schwedischen” Schanzen und vielen weiteren kultur- und kunstgeschichtlichen Zielen führen.

Das im Jahre 2009 vom BUND Naturschutz aufgelegte Buch „Wanderungen in die Zeit“ ist leider bereits vergriffen und da derzeit keine weitere Auflage geplant ist, stellen wir mit freundlicher Genehmigung des Autors, Herrn Werner Hübner, dieses Dokument nunmehr als PDF-Datei zur Verfügung.

Die „Wanderungen in die Zeit“ mögen bei vielen Menschen das Wissen über die Geschichte ihrer niederbayerischen Heimat bereichern und die Liebe zur Natur und deren Schutz wecken und verstärken. Den Spuren des Autors nachzugehen über Äcker und Wiesen, in den Wäldern und auf den Höhen des Isartales und dabei vielleicht neue zu entdecken, das kann bei diesen Wanderungen versucht werden.

Das Buch ist nicht mehr erhältlich, daher hat uns Werner Hübner erlaubt, das gesamte Buch als PDF-Datei auf unserer Website zu PDF-Datei öffnenveröffentlichen.

 

(Mit freundlicher Genehmigung des Verein für Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut e.V. (arLan) www.arlan.de)

„ Mit Kindern und Märchen in der Natur“

Eine Einladung vom Naturerleben ins Erzählen zu kommen und vom Erzählen ins Naturerleben

Zu aller Anfang aber steht die eigene Freude am und Lust zum Erzählen und die Kinder bekommen Lust selbst zu erzählen – eine schöne Förderung der Sprachentwicklung.

Märchenabend in der Natur -  Sa.  12. Mai,  18.00 Uhr: „Vom Zaunkönig und der Birkennase“ Märchen von Vögeln und Bäumen; eine liebevolle Erzähl-Begegnung mit den neu erwachenden Kräften der Natur für Kinder ab 5 Jahre und Erwachsene Diese Veranstaltung war auch für Familien offen.

Tagesseminar So 13. Mai,  9.00 – 17.00 Uhr „Das Schatzkästchen des Hirtenjungen“ Mit Kindern und Märchen in der Natur; Fortbildungstag für Erwachsene, die mit Kindern arbeiten oder zusammen sind

„Die Kraft des Märchenerzählens liegt in den inneren Bildern, die in Hörern wie Erzählern gleichermaßen zum Leben erweckt werden. Kinder haben einen unmittelbaren Zugang zu dieser Märchenwelt. Figuren, mit denen sie sich identifizieren können, stärken sie in ihrer Haltung zur Welt. Gleichzeitig bieten sie Werte zur Orientierung und lehren Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Oder aber Ängste können durchstanden und verarbeitet, Freude erlebt oder auch herzlich gelacht werden. Wenn Kinder Geschichten lauschen, ermöglicht ihnen dies symbolisches Erleben und den Umgang mit inneren Bildern. Sie laden ein die Symbolkraft der umgebenden Natur intensiver wahrzunehmen und zu erleben.“

Auf den Spuren der letzten Eiszeit

Bund Naturschutz erkundete Landschaftsrelikte des Salzachgletschers

Unter dem Motto „Eiszeitliche Landschaftsrelikte“ unternahm die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im Rahmen ihres Umweltbildungsprogramms eine geologische Exkursion nach Oberösterreich in das Gebiet des eiszeitlichen Salzachgletschers. Die Teilnehmer wurden vom Exkursionsleiter Dr. Albert Ulbig an einem Aussichtspunkt auf dem Hochufer über der Inn-Salzach-Mündung begrüßt. Anhand einer geologischen Karte erläuterte der Geologe die frühere Ausdehnung des Gletschers vor 15 000 Jahren und die Lage der Terrassen von Inn und Salzach, auf denen das Gletscherschmelzwasser damals abfloss. Die Fahrt ging weiter über landwirtschaftlich genutzte Moränenhügel älterer Eiszeiten in die Endmoränen der letzten Vereisung im Oberen Weilhardtforst. In einer kleinen Waldkiesgrube erklärte Dr. Ulbig das „Innenleben“ eines Endmoränenwalls. Das Schmelzwasser schüttete am Eisrand einen Schotterwall auf, der mit großen Felsblöcken durchsetzt ist.

Eine kurze Mittagsrast gab es dann am Holzöster See. Hier lagen mehrere hundert Meter Eis des Salzachgletschers und schürften Mulden aus den Tertiärschichten, in denen heute kleine Seen und Moore liegen. Auf einem Bretterweg konnten die Exkursionsteilnehmer ein Stück weit in die moorige Verlandungszone des Sees vordringen. Der nächste Halt bot eine herrliche Aussicht über das Zungenbecken des Gletschers und die Berchtesgadener Alpen. In dieser und einer weiteren Kiesgrube waren lehmige Grundmoränen und vom Eis gestauchte Schotterschichten aufgeschlossen. In Schmelzwasserseen, die das Eis am Ende der Eiszeit aufstaute, entstanden feingeschichtete Seetone, die im Alpenvorland zur Ziegelherstellung genutzt werden.

Den Abschluss der beeindruckenden Exkursion bildete eine kurze Wanderung entlang der Salzach bei Burghausen. Im Durchbruchstal der Salzach durch die Altmoränen liegt eine imposante, fast 100 Meter hohe Steilwand, die von Schottern des Jungtertiärs und der Eiszeiten aufgebaut wurde.

Naturkundlich-archäologische Spurensuche

Bund Naturschutz und Museen der Stadt führten auf den Hofberg, Sallmannsberg und Moniberg

Landshut. Rund 70 Exkursionsteilnehmer waren es, die sich am Sonntag, 7. August 2011, bei strömendem Regen zur naturkundlich-archäologischen Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe zusammen mit den Museen der Stadt Landshut aufmachten. Paul Riederer, stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender, und Isabella Denk, Archäologin bei den Museen der Stadt Landshut, erläuterten allerhand Wissenswertes während der mehr als dreistündigen Wanderung.

Ein kleiner Museumsbesuch stand zu Beginn der Exkursion auf dem Programm: Isabella Denk führte die Teilnehmer durch die Ausstellung „handfest abgehoben. Eine archäologische Expedition“ der Museen der Stadt Landshut in der Stadtresidenz.  Im Mittelpunkt stand dabei die Topografie des Isartales sowie des angrenzenden Hügellandes und damit verbunden die Siedlungsräume von der Steinzeit bis ins Mittelalter.

Pünktlich zur Wanderung machte der Regen eine Pause. Vorbei an einem Nagelfluh-Vorkommen an der sogenannten Teufelsbrücke im Hofgarten, wanderten die Teilnehmer auf den Hofberg bis zur Kirche Heiligblut. Der Nagelfluh - von kalkhaltigem Wasser zementierter Schotter -, auch Herrgottsbeton genannt, tritt an den Abbrüchen der Isarhangleite häufiger an die Oberfläche. Von der Kirche Heilig-Blut mit ihren markanten Rundtürmen ging es hinab ins Tal Josaphat, das für mehr als 400 Franzosen nach den napoleonischen Kriegen die letzte Ruhestätte wurde. Paul Riederer verwies auf die aktuelle Diskussion um eine Bebauung des Talrandes und um die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet. 

Vorbei an weidenden Ziegen und nach einem Anstieg durch lichten Buchenwald auf den Sallmannsberg erklärte Isabella Denk die vorgeschichtliche Besiedelung auf dem Berg. Die älteste Siedlung auf dem Landshuter Stadtgebiet, die mehr als 7500 Jahre alt ist, wurde zu Beginn der 1980er Jahre im Rahmen des Bentonitabbaus gefunden. Heute ist die ehemalige Ausgrabungsfläche ein Biotop: „Wie man sieht, schließen sich Archäologie und Naturschutz nicht aus“, resümierte Riederer. Am nördlichen Teil des Sallmannsberges begaben sich die Exkursionsteilnehmer schließlich auf die Spur des ehemaligen Burgstalls Parn, der auch auf der in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Karte Apians Erwähnung findet. Riederer zitierte auch Pfarrer Dietl, im 19. Jahrhundert Professor für Ästhetik an der Landshuter Universität, der den Blick von Sallmannsberg ins Isartal pries und den Ort als den schönsten Bayerns bezeichnete. Ein nicht minder schönen Blick eröffnete sich den Wanderern anschließend von der Carossahöhe, wo sich vor mehr als 3000 Jahren eine Siedlung befand, auf die man bei einer Anlage eines Bierkellers am Höglberg 1823 gestoßen war.

Ferne Spuren eines nahen Volkes

Die Kelten im Isartal – Vortrag von Werner Hübner beim Bund Naturschutz

Hochintelligent, künstlerisch begabt, tapfer und wanderungsfreudig waren sie, die weithin bewunderten, ja gefürchteten Kelten vor zwei- bis dreitausend Jahren – ein in vielerlei Hinsicht rätselhaftes Volk, das in großen Teilen Europas heimisch war. Im Isartal sowie im benachbarten Hügelland gibt es zahlreiche Spuren davon, und diesen geht Werner Hübner von der Archäologischen Gesellschaft schon seit über sechs Jahrzehnten nach. Sein reiches Wissen gab er bei einem vom Bund Naturschutz veranstalteten Vortrag im vollbesetzten Saal des Gasthofes „Zur Insel“ an die Besucher weiter.

Hübner drehte die Zeit zunächst 2800 Jahre zurück, in die Spätbronzezeit. Die Kelten lernten damals, mit Eisen umzugehen, sie schmiedeten Waffen, Schmuck und Geräte. Auch der Handel mit Salz und mit Bernstein blühte in dieser auch „Hallstattzeit“ genannten Epoche. Bei Niedererlbach westlich von Landshut entdeckte man ein prächtiges Bernsteincollier, von dem der Referent ein Foto zeigte. Gegen 400 v. Chr. setzten weitgreifende Wanderungen ein: in die Poebene, nach Rom, in den Balkan bis hin in die Türkei, sowie nach Spanien und Portugal. Merkwürdigerweise wurden die Kelten dann gegen 250 v. Chr. von den Römern wieder in ihre ehemalige Heimat nördlich der Alpen zurückgedrängt. Und zweihundert Jahre später wanderten sie nach Westen ab. Über die Gründe dieser „Ruhelosigkeit“ lässt sich nur spekulieren.

Wie Hübner anhand von Dias veranschaulichte, stößt man vielerorts um Landshut auf uralte Hügelgräber. In den frühen Gräbern wurden die Toten – zusammen mit ihren Frauen, Sklaven und Haustieren – verbrannt, später wurden sie als Körper bestattet, wobei ihnen für die Reise ins Jenseits Speisen, Schmuck, Geräte und Bekleidung mitgegeben wurden. Man glaubte also an ein Weiteleben nach dem Tode. In größerer Zahl findet man links und rechts des Isartales auch die geheimnisvollen Viereckschanzen, zum Beispiel bei Niedererlbach oder bei Ast. Dienten sie zur Verteidigung (wogegen ihre Lage spricht), oder waren es Versammlungsplätze für religiöse oder sportliche Feste oder für Gerichtsverhandlungen? Man weiß es nicht, wie so vieles über die Kelten, weil diese ja nichts niederschrieben und die Berichte anderer, vor allem der Römer, mit Vorsicht zu genießen sind.

So muss man die Bodenfunde interpretieren, die man mittels Luftbildarchäologie oder bei Baumaßnahmen gemacht hat. Man fand ganze Dörfer, so bei Altdorf unweit der heutigen Frauenkirche, ja ganze Städte mit vielen Tausenden von Bewohnern, so bei Manching oder bei Weltenburg. Diese „moderne“, dichtgedrängte Lebensweise mit Reihenhaussiedlungen, zum Beispiel in Landshut am Hascherkeller, hatten die Kelten auf ihrer Wanderung in den Mittelmeerraum kennen gelernt. Von dort brachten sie auch Handel, Handwerk, Künste und Geldwesen mit in den Norden, wo sie später wieder siedelten.

Der Referent illustrierte seine kenntnisreichen Ausführungen mit Lichtbildern, die Luftbildaufnahmen, nachgefertigte Modelle sowie reale Fundstücke zeigten. So gelang es ihm, den Zuhörern dieses außergewöhnliche Volk, dessen Wirken zeitlich so fern und örtlich so nah war, anschaulich näher zubringen und Interesse auch an „eigenfüßigen“ Spaziergängen zu Keltenstätten zu wecken. Mit dem entsprechenden Wissen ausgestattet, sieht man auch in unserer vom modernen Menschen teils grausig entstellten Landschaft noch Spuren einer alten, versunkenen Kultur, die starke Faszination ausübt.

Seltene Flora der Sand-Kiefernwälder

Botanische BN-Exkursion mit Erich Haubold zu den Abensberger Dünen

Es sei schon ein kleines Wunder, dass diese Abensberger Flugsanddecken und Sanddünen, in der Eiszeit von vor zwei Millionen bis etwa 10 000 Jahren angeweht, in dem relativ kleinen Bereich im Landkreis Kelheim von Neustadt im Westen bis Bachl im Osten, von Sandharlanden im Norden bis nach Elsendorf im Süden mit ihrer ganz speziellen Vegetation bis heute so gut erkennbar erhalten geblieben ist. Man erkennt sie an den vielen Spargelfeldern. Die zahlreichen Teilnehmer der von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut organisierten und vom Forstmann und Botaniker Erich Haubold geleiteten botanischen Exkursion konnten schon gleich zu Anfang an einem lichten Waldrand einige Exemplare des wunderschön zierlichen, nadelfein beblätterten, etwa ein Meter großen wilden Spargels ausmachen. Der Spargel wurde zwischen 1500 und 1800 aus Griechenland nach Bayern eingeführt. In die Flora der Sand-Kiefernwälder hinüber führte dann gleich die am Waldrand stehende, sehr seltene Sand-Grasnelke. Diese gibt es in Ostbayern nur mehr an wenigen Punkten der Abensberger Sande und des Jura. Sie ist nach den Roten Listen für Bayern eine stark gefährdete Pflanze.

Das Hauptziel der Exkursion waren die Wintergrün-Sand-Kiefernwälder von Offenstetten und des Dürnbucher-Forsts bei Siegenburg. Sie stellen Relikte nacheiszeitlich aus den Steppen Ost-Südost-Europas eingewanderter Kiefernwälder dar. Ihre Vegetation hat sich bei uns da entwickelt, wo sie in einer ganz speziellen Situation unter dünneren Flugsanddecken den kalkreichen Unterboden des Jura mit den Wurzeln erreichen. Beim Durchstreifen dieses Waldtyps fand die neugierige Exkursionsrunde dann Zug um Zug die örtlichen Kennarten und bestimmte sie zusammen mit Erich Haubold auch sofort: das Nickende, das Grünliche und das Einblütige Wintergrün, die Frühlings-Küchenschelle, den Regensburger Geißklee, den Berg-Haarstrang, die Rotbraune Stendelwurz, den Sand-Thymian, das Kleine Filzkraut und natürlich eine Reihe von Blumen und Stauden, die allgemeiner verbreitet sind. Ja, das machte sichtlich Spass, zumal eine Reihe dieser Arten für die Naturfreunde in Ostbayern nur noch in den Blumenbüchern zu finden und zu bewundern ist.

Bei aller Freude am aktuellen Finden und an der Ästhetik der Kiefernwälder mußte natürlich auch die prekäre Situation ihrer bedrohten Arten angesprochen werden. Sie sind in den Jahrzehnten immer weniger geworden, sie sind gefährdet, stellte Haubold fest. So mußte in der Roten Liste Bayern die Kiefern- Steppenwaldgesellschaft als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft werden. Dies sei dadurch begründet, dass alle mageren, das heißt von Natur aus stickstoffarmen Pflanzengesellschaften infolge der aktuell immer noch hohen Stickstoff-Immisionen aus der Luft ihre Existenzgrundlage verlieren und aus unserer Landschaft verschwinden. Da war es natürlich erfreulich, dass der Exkursionsleiter an mehreren Stellen darauf hinweisen konnte, das in den Wäldern der Abensberger Sande Maßnahmen laufen, die den Artenschwund zumindest einschränken sollen. So führt der Verein zur Sicherung ökologisch wertvoller Flächen im Landkreis Kelheim Artenhilfsmaßnahmen zur Erhaltung ausgewählter stark gefährdeter Arten auf Sanden durch. Die Blumenfreunde trafen an einigen Stellen der Sand-Kiefernwälder auf neu ausgepflanzte Gruppen von Frühlings-Küchenschellen. Damit die Artenhilfsmaßnahmen von Dauer erfolgreich sind, müssen die hohen Stickstoff-Immissionen verringert werden und da sei die Politik gefordert, betonte Haubold.

Großartige Kleinodien am Bodensee

Naturschützer auf naturkundlicher und kulturhistorischer Exkursion

Zum größten See im deutschsprachigen Raum, an den drei Länder grenzen, führte die traditionelle – wiederum von Paul Riederer organisierte – Zweitagesexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, die gespickt war mit naturkundlichen wie auch kulturhistorischen Informationen. Das Gebiet um den beeindruckend großen, markant geformten See ist zwar – wohl wegen des angenehm milden Klimas – sehr dicht besiedelt, dennoch gibt es vielerorts noch ökologische Glanzlichter, die einen spüren ließen, wie unsere Landschaft vor hundert Jahren aussah.

Am nordwestlichen Finger, dem Überlinger See, liegt das Naturschutzgebiet Sipplinger Steilufer. Dort unternahm man die erste Wanderung durch Halbtrockenrasen, Steppenheiden und lichte Wälder. Fast alle paar Schritte konnte der ausnehmend kenntnisreiche Exkursionsleiter Johannes Enzler hier botanische Details erklären und Insekten von großer Schönheit erklären. Anschließend wurde der Mindelsee angesteuert, ein kleines, aber feines Gewässer zwischen den beiden Nordwestarmen des Bodensees, das eingebettet ist in den vielfältig gegliederten Bodanrück. Dieses Natura 2000-Gebiet weist eine deutschlandweit fast unerreichte Artendichte auf, weil hier unterschiedliche Lebensräume aufeinandertreffen. Vor allem um die Ried- und Streuwiesen kümmert sich das nahegelegene BUND-Naturschutzzentrum Möggingen, auf dessen Dach – direkt neben einer Photovoltaikanlage – passenderweise ein Storchenpaar brütet.

Beeindruckend ist auch der Weitblick über den Bodensee von einem Ausichtsturm auf der Halbinsel Mettnau, einem Naturschutzgebiet mit ausgedehnten Schilfröhrichtzonen. Hier ließen sich verschiedene Wasservögel beobachten und bestimmen. Überhaupt stellt der Bodensee ein ungemein wertvolles Brut- und Rastgebiet für Wasservögel dar, ein wahres Eldorado für Vogelkundler. Und an Land erspäht man immer wieder den seltenen Roten Milan mit seinem tief gegabelten Schwanz am Himmel. Die letzte Station am ersten Tag war der Hegau bei Singen, der dominiert wird von dem ehemaligen Vulkankegel Hohentwiel. Dieser knapp 700 Meter hohe Phonolith wird gekrönt von einer gigantischen Festungsruine. Dieser geradezu magische Ort – einer der sonnenreichsten Deutschlands – ist schon seit 9000 Jahren besiedelt. Im Mittelalter wurde die Burg stetig erweitert, und unter Napoleon wurde sie geschleift, was ihrer Anziehungskraft auf Touristen freilich keinen Abbruch tat. Auf dem Fußpfad durch das Naturschutzgebiet hinunter nach Singen erzählte Johannes Enzler Interessantes zu Wein- und Obstbau, der im Bodenseegebiet ja landschaftsprägend ist.

Am nächsten Morgen fuhr der Reisebus über einen Straßendamm auf die berühmte Insel Reichenau, die wie ein langgezogener Tropfen im Untersee liegt. Dieses ungewöhnlich fruchtbare, klimatisch verwöhnte Fleckchen Erde blickt auf eine über 1300 Jahre lange Siedlungsgeschichte zurück und enthält einige herausragende Stätten christlicher Kunst. Die Exkursionsteilnehmer besichtigten vor allem das Münster St. Maria und St. Markus, eine Gründung des Abtes und Wanderbischofs Pirmin, der im achten Jahrhundert auf der Reichenau lebte. Es war einst einer der kulturellen Mittelpunkte des Abendlandes. Um 1000 erreichte hier die Buchmalerei spektakulären Glanz. Um die Kirche herum wachsen einige althergebrachte Kulturpflanzen, wie etwa der Lein. Ein weiteres Kleinod ist der schon seit dem neunten Jahrhundert bestehende Klosterkräutergarten, in dem man ausgiebig schauen, riechen, reiben und schmecken konnte.

Nach einer Wanderung zu den Sibirischen Schwertlilien im Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried bei Konstanz fuhren die Landshuter Naturschützer auf der Schweizer Seite den See entlang nach Südosten.  Bei St. Margarethen teilt sich der von Süden kommende Rhein in den alten, westwärts in den Bodensee strebenden Rhein und den geradewegs noch Norden verlaufenden Rheinkanal. Dieser wurde vor über hundert Jahren durchgestochen, und seitdem wird das meiste Rheinwasser in die Fußacher Bucht geführt. Mit dieser „Rheinvorstreckung“ wollte man ein weiteres Verlanden der alten Rheinmündung stoppen.  Als Abschluss des Exkursionsprogramms erkundete man noch auf einer Wanderung ein Teilgebiet des österreichischen Naturschutzgebiets Vorarlberge Rheindelta, wo es nochmals reichlich „Material“ zum Fachsimpeln gab. Nach einer gemütlichen Einkehr in einem sonnigen Biergarten traten die Naturschützer, körperlich und informationsmäßig reichlich gesättigt, die Heimfahrt an.

Dauerhafte Zeugnisse vergänglichen Ruhms

Werner Hübner führte „Zeit-Wanderer“ zu Resten der Burg derer vom Boxberg

Dichtes Unterholz, Sträucher und Brennesseln erwarten den, der bei Geberskirchen (Gemeinde Furth) die Stelle sucht, an der einst die Burg der Herren vom Boxberg stand. Mächtige Adelige waren sie, erzählte Werner Hübner von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern, der Geschichts- und Naturfreunde sicher in und vor allem auch wieder aus dem tiefen Wald herausführte: Die Boxberger waren Partner von Herzögen und Bischöfen, eines „deutschen Papstes“ sogar – und dennoch blieb nichts von ihrem Ruhm als diese mächtigen Wälle, Gräben und Plateaus in einem Wald an der Grenze von zwei Gemeinden und vielen Jahrhunderten.  

Sie haben eine treue Fan-Gemeinde, Werner Hübner, ein Mann der ersten Stunde bei der Archäologie-Gesellschaft ebenso wie beim Verein Arlan (Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut) und Paul Riederer, Urgestein des Bundes Naturschutz (BN): Wenn sie zur jährlichen „Wanderung in die Zeit“ rufen, heuer übrigens zum 19. Mal, dann können sie sicher sein, dass ihnen viele folgen – fast 100 Teilnehmer waren es auch diesmal.

Es waren Plätze, die auch unter Geschichtsfreunden weniger bekannt sind, zu denen Hübner und Riederer die Zeit-Wanderer in diesem Jahr führten: zu den beeindruckenden Überresten der Burg der Herren vom Boxberg, zu einem 2600 Jahre alten Grabhügelfeld in einem Wald im Norden von Geberskirchen und zu einer mächtigen, uralten Wallanlage auf dem Plattenberg über dem kleinen Ort Punzenhofen bei Schatzhofen: An einem Nachmittag wurden Jahrtausende der Menschheitsgeschichte durcheilt.

Wie ein riesiger stumpfer Kegel türmt sich noch heute jener Hügel auf im Wald zwischen Furth und Bruckberg, auf dem einst der Bergfried in den Himmel ragte - so nannte man den höchsten Turm einer Burg, der bei einem Überfall oft zur letzten Bastion der Ritter wurde. Auf einem nahen Plateau, trotz dichtem Bewuchs noch heute deutlich erkennbar, lagen die Haupt- und Wirtschaftsgebäude der Burg der Boxberger. Einflussreich und mächtig waren sie, ihre Unterschriften stehen auf 900 Jahre alten Urkunden neben denen von Bischöfen, von bayerischen Herzögen und Pfalzgrafen.

Wenig weiß man von ihren Taten, weil sie weitgehend der Aufmerksamkeit der Chronisten entgingen - jener Vorgänger der Journalisten und Publizisten von heute. Aber es ist bekannt, dass die Bischöfe von Eichstätt Besitztümer hatten, die an die der Boxberger grenzten. Einer dieser Bischöfe, Rotperg, wurde in den 1050er Jahren als Viktor II. sogar Papst in Rom.

Sicher sind auch Boxberger einst mit den Kaisern nach Italien gezogen, wo ein einheimischer Chronist beim Anblick eines Ritterheeres einmal ins Schwärmen geriet: „Vorzüglich bewaffnet und wie angegossen auf ihren Pferden, das schönste Volk, das je die Lombardei betrat, bis auf den letzten Mann Deutsche, mannhafte Ritter von hoher Gestalt, noch im Jünglingsalter, unerschrockenen Mutes.“ Nicht immer wurden deutsche Heere so freudig begrüßt.

Letztmals taucht im Jahr 1257 die Burg Boxberg in einer Urkunde auf. Die Boxberger gingen, so wird vermutet, an den Herzogshof in Landshut. Ihre alte Burg verfiel, ihr Ruhm geriet in Vergessenheit und die Burgruine diente noch lange als Steinbruch für Leute aus der Umgebung: Um 1490 soll etwa das romanische Kirchlein von Geberskirchen mit Steinen aus der Ruine um- und ausgebaut worden sein.

 Ein Großteil der Aktivität des Menschen auf Erden besteht darin, seinesgleichen zu erschlagen oder wenigstens zu unterwerfen und zu malträtieren: Weil das so war (und auch heute weltweit vielerorts so ist), finden sich in der Landschaft so viele Wehranlagen - wie die Wälle von Punzenhofen, dessen Name wohl von lateinisch „pons“ (Brücke) herrührt und an seine Bedeutung als Ort an einem Übergang des Further Bachs erinnert.

Ein steiler, bogenförmig verlaufender Wall und ein einst tiefer Graben riegelten hier einen Gelände-Sporn ab: Alles deutet nach den Worten Werner Hübners darauf hin, dass sich hier Niederbayern in den furchtbaren Jahren zwischen von etwa 900 bis 955 mit ihrem Hab und Gut verschanzten - damals, als Reiterhorden der heidnischen Ungarn das christliche Abendland brandschatzten. Von Kaiser Otto II. im Jahr 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg vernichtend geschlagen, wurden sie langsam friedlicher, ließen sich taufen und in die europäische Staatenwelt integrieren.

Was Heimatforscher wie Hübner längst vermuteten, wurde durch einen archäologischen Fund untermauert: Ein bronzenes Rasiermesser, gut 3000 Jahre alt, belegt, dass die Verteidigungsanlage schon viel länger bestanden hat und im 10. nachchristlichen Jahrhundert nur reaktiviert wurde.

Die Epoche um 1000 vor Christus, die Urnenfelderzeit, war ebenfalls eine Zeit von Kriegen und Gewalt, in der - ausgelöst durch Klima-Veränderungen - ganze Reiche und Völker untergingen. Anders als die namenlose Wallanlage von Punzenhofen wurde eine der ungezählten Festungen, um die damals gekämpft wurde, Troja in der heutigen Türkei, weltberühmt - weil ein großartiger Erzähler ihre Geschichte schilderte. Der ebenfalls weltberühmte Mann, Heinrich Schliemann, der sie 3000 Jahre danach ausgrub, brachte es auf den schlichten Nenner: „Kein Troja ohne Homer.“

Veranstaltet wurde die „Wanderung in die Zeit“ vom Bund Naturschutz und der Archäologischen Gesellschaft.

Elmar Stöttner

Wanderungen in die Zeit

Auf Spurensuche durch die historische Kulturlandschaft von Stadt und Landkreis Landshut

Der Bund Naturschutz in Bayern e. V., Kreisgruppe Landshut, und die Gesellschaft für Archäologie in Bayern e. V. veranstalten in Zusammenarbeit mit dem Verein für Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut e. V. (arLan) seit vielen Jahren heimatkundliche Wanderungen. Die bisher durchgeführten, viel besuchten Exkursionen unter der Leitung von Werner Hübner und Paul Riederer führten durch die geschichtliche Vergangenheit der Stadt und des Landkreises Landshut. Auf diese Weise sind 14 erlebnisreiche Routen zu den eindruckvollsten historischen Schätzen der Kulturlandschaft entstanden und jetzt in einer kleinen, gebundenen Dokumentation zusammengefasst worden.

Die Broschüre gibt es in der BN-Geschäftsstelle Landshut, Altstadt 105, geöffnet Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17.00 Uhr, in den Buchhandlungen Dietl, Herrngasse 375, Landshut und Pustet, Landshut, Altstadt sowie Koj, Vilsbiburg, Obere Stadt 32

Der Preis beträgt € 4,50.

Weitere Buchhandlungen folgen.

>> Zum Deckblatt 

Der nachfolgende Link führt beispielhaft auf eine Innenseite der Broschüre mit Landkarte zur dort beschriebenen Wanderung Nr. 12. (Kartengrundlage: Topographische Karte 1:50000; Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Nr. 4385/08) >> Zur Wanderung Nr. 12 (Auszug)

Grenzenloses Naturerlebnis

9./10.6.2018

Exkursion des BUND Naturschutz in den Bayerischen Wald

Kulturlandschaftsmuseum Haidmühle, Buchberger Leite, Naturschutzgebiet Großer Pfahl, gläserner Wald, Wanderung am Flursteig in den Bischofsreuter Waldhufen, Führung auf dem Industriesteig, Picknick mit Naturschützern am Grünen Band, das alles gehörte ins Programm der diesjährigen 2-Tage-Exkursion der BN – Kreisgruppe Landshut. Als erstes Ziel am frühen Samstagmorgen wurde das Naturschutzgebiet „Großer Pfahl“ anvisiert. Diplomgeologin Doris Haas von der Umweltstation Viechtach entführte die knapp 50 Teilnehmer in die geologischen Zeiträume, in denen der Pfahl – heute als 120m breiter und 30m hoher Fels aus der Landschaft aufragend – in einer während 50 Millionen Jahren wirksamen Störungszone der Erdplatten entstanden war. Nebst dem eindrücklichen Geotop fand man am feuchten Hang den unter Schutz stehenden Bärlapp. Auch er ein Zeuge jener Zeit, wenn auch mit etwa 20cm in Miniaturformat, erreichte er doch vor 300 Millionen Jahren eine Höhe bis zu 50m. Den interessanten Ausführungen von Frau Haas zu Natur, Kultur und Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart im ehemaligen Quarzabbaugebiet hätten die Exkursionsteilnehmer gerne länger zugehört, hätte da nicht die Abfahrtszeit der Regentalbahn die Zeit des Aufenthaltes beschränkt. Die erst vor knapp zwei Jahren im Probebetrieb wieder eröffnete Bahnstrecke führt von Viechtach nach Gotteszell und bis Teisnach durch die unberührte Naturschönheit des Flüsschens „Schwarzer Regen“, ein naturbelassenes Bachtal, nicht ohne Grund auch „Bayrisch Kanada“ genannt. Ab Gotteszell ging die Fahrt weiter mit dem Bus zum Picknick im „Gläsernen Wald“ bei der Burgruine Weißenstein. Nach der Kaffeepause in Ringelai war eine Wanderung durch die Buchberger Leite angesagt. Elmar Hartl, ehemals Gymnasiallehrer und aktiv in der BN - Kreisgruppe Freyung, begleitete die Gruppe und löste gleich zu Beginn Rufe des Erstaunens aus, als die Wandernden, herkommend vom Carbidwerk durch einen unbeleuchteten Tunnel völlig unerwartet im lauschigen Bachtal der Wolfsteiner Ohe standen. Steile Felsriegel und urwüchsige Wälder prägen dieses Naturschauspiel von Wasser und Wildnis. Während der Wanderung erfuhren die Teilnehmer so manche Details zur Geologie, Natur und Geschichte des Tals und wie es vor Verbauung durch Anlagen der Wassernutzung verschont werden konnte. - Der zweite Exkursionstag war ganz der Gemeinde Haidmühle gewidmet, die vom BUND Naturschutz im November 2016 als 1. Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet worden war. Die Gemeinde hatte sich um die Wiederbewirtschaftung von extensiv bewirtschafteten Berg- und Feuchtwiesen verdient gemacht. Im Jahr 2000 meldete die Gemeinde 45% des Gemeindegebiets als Natura-2000-Gebiet und gründete den „Förderverein zur Erhaltung der Kulturlandschaft Bischofsreuter Waldhufen“. In diesem kümmern sich seitdem örtliche Landwirte mit großem persönlichen Einsatz um die Erhaltung artenreicher, bunter Bergwiesen oder waldfreier, nasser Moorflächen. Koordiniert wird dies durch das Büro FNL - Landschaftsplanung aus München unterstützt durch die Regierung von Nieder-bayern. Herr Obermeier - seit 20 Jahren als Koordinator und Berater im Bereich der Bischofsreuter Waldhufen tätig - begeisterte die Gruppe mit seinem profunden Wissen und seinem Engagement. Die Wanderung über den Flursteig begann am Ortsausgang von Bischofsreut. Beginnend mit der nun wieder beweideten Wacholderweide, wo die schon fast verblühte Arnika das Bild bestimmte, erschloss sich den Wanderern über den Flursteig schnell die hohe faunistische und botanische Bedeutsamkeit dieser Mittelgebirgslandschaft mit Feuerfalter, Katzenpfötchen, Weißzüngel, Waldhyazinthe u.v.m.. Nach der Mittagspause führte Sem Sellner die Reisegruppe auf dem Industriesteig zu frühindustriellen Unternehmungen in Haidmühle, allesamt bestimmt durch Wasserkraft, Holz und Torf. Selbst die Schwerindustrie verarbeitete hier in der Mitte des 19. Jahrhunderts Roheisen zu landwirtschaftlichen Gerätschaften und Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Eisenbahn in den Grenzort. An diesem heißen Sommertag war man nach der sehr interessanten Führung dann doch froh, sich beim Grenzpicknick der BN - Kreisgruppe Freyung/Grafenau im Schatten von Pavillons aufhalten und mit Getränken und Speisen laben zu können. Nach der Erfrischung war als letzter Programmpunkt ein Spaziergang mit Grundstückswart Dipl. Biol. Karel Kleijn durch das Moor an der kalten Donau angesagt. Der ehemalige Todesstreifen ist ein Refugium für viele Pflanzen und Tiere, welches dank der Bildung des „Grünen Bandes Europas“ nach der Grenzöffnung als solches erhalten blieb. Nach diesem zweitägigen „Reinschmecken“ in die Landschaft des südöstlichen Teiles des Bayerischen Waldes war man sich einig, dass man das Gesehene und Erlebte bei einem weitere Besuch vertiefen möchte.

Eine Burg sicherte wichtigen Isarübergang

24.04.2015. Zahlreiche Teilnehmer bei „Wanderung in die Zeit“ von Bund Naturschutz und Archäologischen Verein

Der Burgstall Straßburg war diesmal das Thema der archäologischen Wanderung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und des Archäologischen Vereins (ArLan), die als „Wanderung in die Zeit“ seit vielen Jahren traditionell an Christi Himmelfahrt stattfindet. Die Archäologin Dr. Isabella Denk sollte die Exkursion leiten; sie musste aber aus unvorhergesehenen Gründen absagen. ArLan-Vorsitzender Peter Geldner übernahm deshalb ihren Part. Von der Gretlmühle aus, wo stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer im Namen der Veranstalter die rund 50 Exkursionsteilnehmer begrüßte, ging es auf die Anhöhe der Isarleite zum Gelände der ehemaligen Burganlage bei Frauenberg.

Die Führung zur Straßburg sollte den Teilnehmern einen Eindruck über die Bedeutung dieser dem Bischof von Regensburg gehörenden Burganlage vermitteln. Wann die Anlage errichtet wurde, sei nicht bekannt, führte Peter Geldner aus. Man könne aber davon ausgehen, dass sie von großer strategischer Wichtigkeit sowohl für den Regensburger Bischof wie auch für den Wittelsbacher Herzog war. So sei auch ihre Zerstörung durch Ludwig den Kelheimer im Jahre 1203, also einem Jahr vor der Gründung von Landshut, zu verstehen. Worin bestand aber der Wert dieser Anlage? Zweifelsfrei in einem zu ihr führenden, heute nicht mehr existierenden Isarübergang, der allerdings auch nach der Vernichtung der Burg weiter existierte und genutzt wurde. Seit wann dieser Übergang bestand, lasse sich nur vermuten. Es gebe aber einige deutliche Hinweise, so Geldner, aus welchen man seine Existenz ableiten könne.

So sei  das Gebiet um Frauenberg ein uraltes Siedlungsgebiet, dessen Ursprung bis in die Jungsteinzeit archäologisch nachgewiesen ist. Auch Spuren der Kelten seien in den Äckern nahe der Straßburg zu finden. Um das Jahr 170 nach Christus wurde unter dem römischen Kaiser Marcus Aurelius eine vom Brenner kommende römische Militärstraße gebaut, die nach Erachtens des Referenten unmittelbar oder in der Nähe der Straßburg verlaufen sei. Dafür sprächen zum einen einige Funde aus der römischen Kaiserzeit auf dem Gelände der Straßburg. Einen weiteren deutlichen Hinweis habe man im  Jahre 2000 durch Professor Dr. Bender bekommen, der bei Ohu einen von Norden nach Süden verlaufenden römischen Straßendamm archäologisch nachweisen konnte. Damit könne man eine direkte, die Isar querende Verbindung zwischen Ohu und der Straßburg ansetzen, versicherte Geldner.

Nach Auffassung des Referenten sei dieser Übergang  aber nach dem Abzug der Römer nicht verschwunden, dafür spräche auch der sogenannte Erhardistein bei der Kirche von Frauenberg. Mit diesem Stein soll der Heilige auf der Flucht vor den Bauern von Altheim die Isar gequert haben. Auch hieraus könne man, so Geldner, den Hinweis auf eine Brücke und damit eine Wegführung herauslesen. Die Wertigkeit dieser Straßentrasse für den Bischof von Regensburg lasse sich auch aus der Größe der Straßburg als Schutzburg des Isarübergangs ableiten. Sie umfasste ein Areal von rund 40 000 Quadratmetern. Die Burganlage ist also um etwa 30 Prozent größer als das Gelände der Burg Trausnitz. Mit der Zerstörung der bischöflichen Burg habe die Wegführung vielleicht an Bedeutung eingebüßt, sie ging aber nicht verloren. Dafür gebe es deutliche Hinweise aus den Jahren 1229/1230 sowie unter anderem aus dem Jahr 1355, betonte der Exkusionsleiter.

Geldner erinnerte auch an die Geschichte von Otto dem Faulen, einem Sohn des Kaisers Ludwig der Bayer, dessen Liaison mit der Tochter des Gretlmüllers auf der Isarbrücke einen für beide tödlichen Ausgang fand.  Auch gab er kurze Hinweise auf die der Straßburg benachbarten Burgställe Sterneck und Neudeck, auf das beeindruckende Bodendenkmal der Schaumburg und auf das imposante Kellergewölbe der ehemaligen Burg Wolfstein, auf welcher der letzte Stauferkaiser Konradin geboren wurde. Am Schluss der heimatkundlichen Wanderung wies der Referent noch darauf hin, dass sich das besondere Interesse des Archäologischen Vereins ArLan darauf konzentriere, die Spuren der angesprochenen Trasse der römischen Militärstraße zwischen Brenner und Regensburg zu finden, bei der die Straßburg eine Schlüsselrolle spielen dürfte.

Kiesgrube als geologisches Lehrbuch

Dr. Johannes Hartmann bot bei BN-Exkursion interessante Einblicke in die Erdgeschichte

Eine geologische Exkursion, organisiert von der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz und der Ortsgruppe „Holledauer Eck“, führte am 27. September 2014 in das Kieswerk der Firma Eichstetter in Furth. Helga Schiemann von der Ortsgruppe begrüßte die Teilnehmer und den Referenten. Der diplomierte Geologe und Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Ergoldsbach, Dr. Johannes Hartmann, zeigte den zahlreichen Teilnehmern die erd- und landschaftsgeschichtliche Entwicklung des Tertiären Hügellandes nördlich von Landshut auf.

Anhand einer geologischen Karte erklärte Dr. Johannes Hartmann vor dem Rundgang durch die Kiesgrube die Entstehung, die Schichtfolge und die Gerölle der „Oberen Süßwassermolasse“. Die damalige  Landschaft hatte einen steppen- und savannenähnlichen Charakter. Das Klima war zum Zeitpunkt der Entstehung vor etwa fünf bis 16 Millionen Jahren dementsprechend wärmer als  heute, die Tier- und Pflanzenwelt sehr exotisch. Einige Fossilienfunde der Familie Eichstetter untermauerten dies eindrucksvoll. So wurden in einer nunmehr bereits rekultivierten Kiesgrube in Furth Backen- und Stoßzähne eines Urelefanten gefunden.

Beim anschließenden Rundgang durch die Kiesgrube erklärte der Referent an den hohen aufgebrochenen Kieswänden die Entstehung der einzelnen Erd- und Gesteinsschichten. Die Hauptmenge der Gerölle  des Hügellandes besteht aus Quarzen, ein wichtiger Unterschied zu den heutigen Schottern der Isar, die überwiegend Kalksteingerölle enthalten. Auffällig sind die  roten Sandsteine des alpinen Buntsandsteins und die roten Kieselkalke aus den Juraschichten der Alpen. Kleine helle Kalk- und Dolomitgerölle stammen aus den Nördlichen Kalkalpen, wie die charakteristischen Fossilien in den Geröllen des Wettersteinkalks zeigen. Daneben findet man auch Gneise aus den Zentralalpen. Niederbayern sei gekennzeichnet durch drei geologische Einheiten: im Osten  die böhmische Masse, im Nordosten das süddeutsche Schichtstufenland und im Südwesten mit dem Raum Landshut der nordalpine Molassetrog. Dieser Molassetrog ist seiner Entstehung nach ein Teil der Alpen, so Dr. Hartmann.

Vor etwa 40 Millionen Jahren seien durch den Schub der afrikanischen Platte auf die europäische Platte die Alpen zuerst zum Hügelgebiet und schließlich zum Hochgebirge herausgehoben worden. Zugleich sei jedoch das nördliche Vorfeld in die Tiefe gesunken. Es habe sich hier ein Trog gebildet, in dem sich im Laufe von Jahrmillionen der Abtragungsschutt des aufsteigenden Gebirges, die Molasse (lateinisch: molare = mahlen) sammelte, so Dr. Hartmann zur Entstehung des Tertiären Hügellandes, das von den Alpen bis zur Donau reicht.

Die sehr interessierten Teilnehmer stellten viele Fragen an Dr. Hartmann und genossen an dem sonnigen Herbsttag neben der hervorragenden Erklärung auch den eindrucksvollen Blick von der Kiesgrube über Furth und das „Further Tal“.

7500 Jahre Heimatgeschichte erwandert

170 Teilnehmer bei archäologischer Wanderung von Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, Museen und ArLan

Einen Besucherrekord verzeichnete heuer die archäologische Exkursion von Bund Naturschutz, Arlan und den Museen der Stadt Landshut. 170 Archäologiebegeisterte nahmen an der rund dreistündigen archäologischen „Wanderung in die Zeit“ rund um Mirskofen am 17. Mai 2012 teil, die von der Archäologin Isabella Denk geleitet wurde.

Die Spuren der Vergangenheit rund um Mirskofen war diesmal das Thema der archäologischen Wanderung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und des Archäologischen Vereins (ArLan), die als „Wanderung in die Zeit“ seit vielen Jahren traditionell an Christi Himmelfahrt stattfindet. Isabella Denk, Archäologin bei den Museen der Stadt Landshut leitete die Wanderung. Vom Dorfplatz aus, wo stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer im Namen der Veranstalter die Exkursionsteilnehmer begrüßte, ging es bergauf auf die Hänge, die bereits vor 7500 Jahren die ersten Siedler urbar machten. Die fruchtbaren Lösshänge zwischen Essenbach und Altdorf waren nicht nur zur Steinzeit eine begehrte Siedlungslage, wie Isabella Denk erklärte, es finden sich auch Spuren der Bronze- und Eisenzeit . Der Weg, der die Wanderer dorthin führte, wird Taferlweg genannt, ein alter Weg von Mirskofen nach Weihenstephan. Johann Pollinger, ein Lehrer, der sich vor mehr als 100 Jahren in Landshut und Umgebung um archäologische und volkskundliche Belange sehr verdient gemacht hat, beschreibt in seinem 1908 erschienen Buch „Aus Landshut und Umgebung“ bereits diesen Weg.

Dieser Weg durchschneidet auch eine archäologische Neuentdeckung: Eine so genannte Kreisgrabenanlage aus dem fünften vorchristlichen Jahrtausend. Sie war im Rahmen einer geomagnetischen Prospektion gefunden worden. Bei diesem Verfahren machen sich die Archäologen das Erdmagnetfeld zu Nutze. Jeder Bodeneingriff verändert das Gefüge des Magnetfeldes und wird dadurch sichtbar gemacht. Die Datierung war durch Scherbenfunde und vergleichbare Anlagen wie beispielsweise bei Viecht möglich. Welchen Zweck die von einem doppelten Graben umgebene ellipsenförmige Anlage mit einem Durchmesser von rund 85 Metern hatte, ist unklar. Die Deutungen liegen zwischen Viehpferch und kultischem Kalenderbau, sagte die Archäologin.

Am Rande des Waldes, der auch Taxau genannt wird, verwies Paul Riederer mit Blick auf Reaktor und Kühlturm von AKW Isar II auf die zeitlichen Relationen: Während heute einerseits die 7500 Jahre seit dem Beginn der Jungsteinzeit als sehr langer Zeitraum empfunden werde, produziere die Menschheit andererseits für kurzfristige Stromerzeugung hochradioaktiven Atommüll, der wegen seiner Gefährlichkeit mehr als eine Million Jahre sicher gelagert werden müsse und tausende nachkommende Generationen belasten werde.

Entlang an den Votivtafeln, die von den Mirskofenern nach wie vor entlang des Taferlweges an den Bäumen aufgehängt werden, führte dieser zu einer Kreuzung des alten Weges von Gut Holzen nach Gaunkofen. Just an dieser Kreuzung befinden sich eine Marienkapelle sowie ein Hügelgrab. Es ist der imposanteste einer ganzen Reihe von Tumuli entlang des Weges der auf einem Höhenrücken verläuft. Isabella Denk betonte, dass es sicherlich kein Zufall sei, dass sich die Kapelle direkt neben einer derartigen vorgeschichtlichen Bestattung befindet. Hügelgräber, die sowohl in die mittlere Bronzezeit (um 1500 v. Chr.) als auch in die frühe Eisenzeit (etwa 850-450 v. Chr.) datieren können, seien markante Orte, die oft lange im kulturellen Gedächtnis der Bevölkerung einen Platz inne hätten.

Der Weg führte den Höhenrücken hinab zur Altheimer Kapelle am Steinberg, wo einige Teilnehmer ein Marienlied anstimmten. Das Holzener Tälchen öffnet sich großzügig am Waldrand. Von dort wanderten die Exkursionsteilnehmer einen verwachsenen Weg entlang auf Höhe einer in der topografischen Karte eingezeichneten Schwedenschanze, die jedoch vermutlich mittelalterlichen Ursprungs ist. Es hatte sich dabei wohl um einen Turm gehandelt. Interessanterweise wurde dieser an den Rande eine Hügelgräberfeldes gebaut.

Als letztes archäologisches Bodendenkmal der rund dreistündigen Wanderung wurde das Altheimer Erdwerk besucht, der wohl berühmteste Fundorte der Region aus dem vierten vorchristlichen Jahrtausend. Obertägig ist von der Anlage jedoch nichts mehr zu sehen. Isabella Denk zeigte ein Luftbild des Erdwerks von Klaus Leidorf und erläuterte dabei das Prinzip der Luftbildarchäologie. 1911 war die Anlage, deren Funktion bis heute ungeklärt ist, von Ökonomierat Münsterer entdeckt worden, dem beim Pflügen dunkle Verfärbungen und Scherben aufgefallen waren. Er meldete den Fund wiederum Johann Pollinger. Diese erlebte die darauffolgenden Ausgrabungen 1914/15 jedoch nicht mehr. Die Anlage machten wohl vor allem aufgrund der zerstückelten menschlichen Skelette in den drei Umfassungsgräben Schlagzeilen. Und schließlich wurde aufgrund dieses Fundorts der Begriff der „Altheimer Kultur“ geprägt. Damit werden Gemeinschaften, die zu dieser Periode der Steinzeit zwischen Inn und Lech lebten, bezeichnet. Das Altheimer Erdwerk war die erste Anlage dieser Zeit, die entdeckt wurde, mittlerweile kamen immer weitere Fundorte hinzu, die zwar ein Lebensbild dieser Epoche zeichnen lassen, die Funktion dieser Anlagen bleibt aber nach wie vor unklar, so die Archäologin. Paul Riederer machte am Schluss der „Wanderung in die Zeit“ zugleich mit Dankesworten an Isabella Denk für die gewährten sehr interessanten Einblicke in die Heimatgeschichte darauf aufmerksam, dass in der aktuellen Archäologieausstellung der Museen der Stadt Landshut in der Stadtresidenz dem Altheimer Erdwerk ein Raum mit Funden von der ersten Ausgrabung gewidmet sei.