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Newsletter / Naturschutznachrichten

Naturschmankerl im Landkreis (1) - Die Schröger-Mostbirne in Tiefenbach

Mit diesem Artikel startete die Landshuter Zeitung in Zusammenarbeit mit unserem Verband, mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Landshut, Kreisgruppe Landshut des Landesbunds für Vogelschutz, sowie der "Landshuter Bauminitiative", die Serie "Naturschmankerl im Landkreis" über lokale Naturdenkmäler.

Die "Schröger Mostbirne" ist in der LBV-Großbaumkartierung „Landshuts Giganten“ mit einem Stammumfang von 358 cm erfasst (2020). Die geschätzten 130 Lebensjahre entsprechen auch dem Alter des benachbarten Anwesens.

Die Landshuter Zeitung berichtete in der Reihe "Naturschmankerl im Landkreis" am 2.4.2021.


An einer westexponierten Hangkante in unmittelbarer Nähe zur Bina und der weiter östlich auf der fast 500 m hohen Hügelkuppe gelegenen Wallfahrtskirche St. Salvator liegt das sogenannte „Schandlfilz“.

Die Landshuter Zeitung stellte diesess Naturdenkmal in der Reihe "Naturschmankerl im Landkreis" am 17.4.2021 vor.

 


Südlich der katholischen Pfarrkirche St. Johann Baptist in unmittelbarer Nähe zum Echinger Stausee steht eine mächtige Stiel-Eiche, die heute im Besitz der Grafenfamilie Preysing Lichtenegg-Moos ist.

Die Landshuter Zeitung berichtete am 30.4.2021 in der Reihe "Naturschmankerl im Landkreis" darüber.

Luftbilder: Klaus Leidorf www.leidorf.de


Zwei Lindenbäume, eine in Gessendorf und eine bei Tannlohe stehen in der Gemeinde Vilsheim, die als Naturdenkmäler ausgewiesen wurden. Die Gessendorfer Linde ist mit Sicherheit eine der schönsten Linden im Landkreis Landshut.

Die zweite Baumpersönlichkeit steht auf dem Weg von Kapfing nach Tannlohe.

Die Landshuter Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 15. Mai 2021.


Zwischen Schatzhofen und Niedermünchen zweigt im Weiler Geberskirchen an der Staatsstraße 2049 nach Süden ein kleiner Feldweg ab. Nach gut 400 m bergauf wartet inmitten einer Wiese eine mächtige Eiche mit ausladender Krone auf den staunenden Gast. Wegen des Hausnamens „Koaser“ für die Besitzerfamilie Grassl ist sie seit 1993 als Koaser Eiche ein Naturdenkmal und soll schon 300 Jahre alt sein. Dass sie bis heute weithin sichtbar in der Feldflur steht, ist ihrem bereits vor hundert Jahren so mächtigen Wuchs zu verdanken. Ein Großonkel der Familie wollte in der Notzeit der 1920er Jahre für die Beheizung der Münchner Stadtwohnung den Baum umhauen.
Doch er unterschätzte die Kraft des Baumes, dessen lateinischer Artname „robur“ bereits auf seine stabile Stärke hinweist. 1772 dichtete Johann Wilhelm Gleim:

„Haue, du Mann, mit dem Beil nicht um die Mutter der Eichel. Haue die Fichte vom
Stamm, oder die Esche, du Mann! Schone die Eiche, denn sieh: die Eiche, sagen die alten
Wahrheitsliebenden, die haben die Väter ernährt!“

Nachdem der Verwandte bereits etliche Wurzeln mit einem Beil gekappt hatte, ging ihm Gottseidank die Luft aus und er suchte sich einen handlicheren Baum in der Nähe. In den damaligen Notzeiten war das Thema Naturschutz nicht aktuell. Leistungsfähige Motorsägen anscheinend auch noch nicht.

Um 1980 spannte der damalige Besitzer Hans Grassl ein Metallseil um den Baum, um damit einen meterlangen Riss im Hauptstamm zu stoppen und ein Auseinanderbrechen zu verhindern – heute ist ein Rest dieser Aktion noch anhand des Wulstes in ca. 4 m Höhe gut erkennbar. Der einst nur Handbreit große Spalt ist heute noch angewachsen, aber vielleicht durch Seilverspannungen in zwei Etagen nach der Unterschutzstellung dauerhaft
gestoppt.

2003 schlug ein gewaltiger Blitz ein, der ca. ein Drittel der Krone und einen mächtigen Ast flach legte. Die damaligen Wunden verwittern langsam zu brösligem Holzmehl. Trotzdem hat die Stiel-Eiche heute mit gut 20 m Höhe immer noch einen Durchmesser von 27 m und einen stattlichen Stammumfang von 630 cm. Deshalb ist sie auch in der LBV-Liste der Baumgiganten unter der Nr. 492 geführt und hat seit der Messung von 2014 immerhin fast
einen halben Meter Umfang zugelegt.

Zum 75. Geburtstag bekam Hans Grassl 2009 von seinen Freunden auch eine Holzbank gestiftet, die an der Südseite zum Rasten und Blick Richtung Further Bachtal einlädt. Ende Juni haben rund 50 Freunde und Bekannte aus Obersüßbach die letzten Jahre auch regelmäßig ein Eichenfest zu Füßen der Koaser Eiche gefeiert. Es wäre schön, wenn diese Tradition nach zwei Jahren Pause heuer wieder aufleben könnte – so Corona und die aktuellen Verordnungen es erlauben...

Text und Foto: Helmut Wartner, veröffentlicht von der Landshuter Zeitung am 1. März 2021


Naturschmankerl im Landkreis (6) - Die Donatus-Linde in Vilsbiburg

In Sichtweite der Wallfahrtskirche Maria Hilf steht direkt neben einem rege frequentierten Feldweg der Rest eines einst stolzen Naturdenkmals in der Feldflur: die Donatus-Linde. Benannt nach einem römischen Heerführer erblickte sie vor rund 200 Jahren das Licht der Welt. Noch 2014 erfasste der damalige Baumkontrolleur den Baum mit folgenden Daten:
mäßige Vitalität, Stammumfang 478 cm, Höhe 19,5 m und Kronenradien zwischen 6,2 und
10,8 m.

Schon damals wütete der gefährliche Brandkrustenpilz, der mit seinem geschlossenen Faulherd die Standfestigkeit erheblich einschränkte und deshalb zu drastischen Maßnahmen zwang: die Einkürzung der Krone um 30 % und Erneuerung der z.T. gerissenen Hohltauseile. Und zu den Zukunftschancen vermerkt der Gutachter:
befristet, Verbleibedauer: max. 8-10 Jahre.

Zwei Jahre später konstatierte eine Pressemitteilung des Landratsamtes: „Paradoxerweise sieht man einem Baum aus der Distanz nicht an, dass er von dem Pilz befallen ist...Die Schädigung des Wurzelwerks führt über kurz oder lang dazu, dass der Baum...von einem starken Wind umgeworfen werden kann.“

Doch warum kam es überhaupt zu diesem Pilzbefall? Hier äußert der Kreisgartenfachberater des Landratsamtes eine plausible Vermutung: “Der Grund für den Befall dürften...Verletzungen der Wurzeln der Linde sein, die ihr vor Jahrzehnten beim Bau einer Wasserleitung zugefügt worden sind.“ Da fragt sich der erstaunte Betrachter: warum in aller Welt mußte die Wasserleitung direkt neben dem Baum verlaufen, die noch heute an zwei Schieberkappen nebst Hinweistafel in Stammnähe und großzügigen Asphalteinfassungen erkennbar ist? Immerhin zwingen diese den ackernden Landwirt zu einem Minimalabstand bei der Feldbewirtschaftung. Die logische Folge ist: „Aufgrund detaillierter Ergebnisse...muß die Krone..der Linde zu 70 % abgesägt werden, so daß ..nur noch ein Torso übrig bleiben wird.“

Doch der alte Baum scheint angesichts der munteren Stockausschläge gegenüber der Ruhebank durchaus noch Lebensgeister zu besitzen. Vielleicht wurmt es ihn, dass die Stadt ihm den Status als Naturdenkmal aus dem Jahr 1950 inzwischen aberkannt hat.
Oder die gegenüber 2016 gepflanzte mit 5 m halb so hohe geschwisterliche Winter-Linde des SPD-Ortsverbandes weckt ihren sportlichen Ehrgeiz? Auch die Feuerwehr Vilsbiburg errichtete 2019 zur 150-Jahr-Feier ein Granit-Marterl an diesem heiligen Ort nahe der Wallfahrtskirche, an dem zahlreiche Vögel und Fledermausarten ihre Schlaf- , Ruhe- und Brutplätze im morschen Gebälk der Donatus-Linde finden. Und so dem Namensgeber als „dem von Gott Geschenkten“ alle Ehre machen. Dieses Naturschmankerl zeigt exemplarisch, dass auch alles geschützte Leben endlich ist und es unsere Aufgabe ist,
ständig für angemessenen Nachwuchs und fachliche Begleitung zu sorgen.

Oder wie der alte bairische Spruch sagt: von nix kommt nix.

Text und Foto: Helmut Wartner, veröffentlicht von der Vilsbiburger Zeitung am 29. Mai 2021


Naturschmankerl im Landkreis (7) - Die ehemaligen Torfstiche in Unterwattenbach

Torfabbau verbindet man heutzutage mit Ländern wie Belarus und den baltischen Staaten. Weniger bekannt ist dagegen, dass früher auch in den Niedermooren des Isartals umfangreich Torf abgebaut, getrocknet und als Heizmaterial verwendet wurde. In mühseliger Handarbeit und teilweise noch bis in die 1970er Jahre hinein.

Ein kleiner Teil dieser ehemaligen Torfstiche steht seit Anfang der 1990er Jahre als flächenhaftes Naturdenkmal unter Schutz. Dieses Gebiet liegt in der Gemeinde Essenbach im Bereich des Unterwattenbacher Isarmooses und umfasst etwa 12.000 Quadratmeter. Gut die Hälfte davon wurde abgetorft und weist deshalb gegenüber den angrenzenden Flächen ein niedrigeres Niveau auf. In dem weitgehend entwässerten Niedermoor sind diese Bereiche also etwas näher am Grundwasser und aus naturschutzfachlicher Sicht deshalb besonders wertvoll. Eigentümer des Naturdenkmals ist seit Anfang der 1970er Jahre der Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Das kleine Schutzgebiet zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt unterschiedlicher Lebensraumtypen aus. Neben gehölzfreien Schilf-Hochstaudenbereichen fnden sich hier auch verschilfte Moorbirkenkomplexe sowie Silberweidenbestände mit teilweise mächtigen Großbäumen. Die nicht abgetorften Teilflächen sind überwiegend durch Grau- und Schwarzerlen dominiert, zusätzlich wird das Gebiet durch mehrere Kleingewässer aufgewertet.

Die Schilf- und Hochstaudenflächen des Naturdenkmals werden durch regelmäßige Mahd im Spätherbst offen gehalten. Für überwinternde Tiere stets Teilbereiche bleiben unbearbeitet. Da der Standort nicht mit schweren Maschinen befahren werden soll, müssen diese Arbeiten in Handarbeit durchgeführt werden. In den Gehölzbereichen und einem kleinen Teil der ehemaligen Torfstiche fnden dagegen keinerlei Pfegemaßnahmen statt, hier soll sich die Natur frei entwickeln.

Aufgrund des vergleichsweise feuchten Milieus und der vorhandenen Kleingewässer ist dieses Schutzgebiet ein attraktiver Lebensraum für Ringelnattern und mehrere Amphibienarten. Und während in den Schilflächen Teichrohrsänger und die winzigen Zwergmäuse ihre Nester an die Halme heften ist den Sommer über aus dem Kronenbereich der Silberweiden weithin der Gesang des Pirols zu hören. Wesentlich weniger auffällig und nur schwer zu entdecken sind dagegen Wasserrallen und Waldschnepfen, die auf dem Durchzug hier regelmäßig rasten. Und damit all diese Arten hier wirklich ein Rückzugsgebiet haben, ist das Betreten des Gebiets zwischen Mitte März und Anfang November nicht gestattet.

Fotos und Text: Christian Brummer, veröffentlicht in der Landshuter Zeitung vom 3. Juni 2021


Bucher Graben – die Perle der Altdorfer Natur
Landwirtschaftliche Strukturen prägen die Gegend um Altdorf. Jedoch hat sich nordwestlich des Ortsteiles Eugenbach ein Naturjuwel erhalten – das ist der Bucher Graben.

Nach der Quelle bei dem Weiler Kollmann fließt der Bach begradigt am Waldrand durch Äcker und Wiesen, bis er im Gemeindegebiet Altdorf natürlich mäandrierend ein größeres Waldgebiet durchquert. Gerade diese Strecke ist für die Wasserqualität und die darin lebenden Tiere so wertvoll. Bei der letzten Kartierung wurde eine große Anzahl von Bachmuscheln und eine Vielzahl gesunder Steinkrebse festgestellt. Deutschlandweit sind aufgrund der schlechten Gewässerqualität 95 % dieser Muschelart ausgestorben und gesunde Steinkrebse sind durch das Auftreten der hochansteckenden, amerikanischen Krebspest deutschlandweit höchst selten geworden. Beide Tierarten sind durch die Naturschutzgesetze streng geschützt. 2003 erhält der Bucher Graben – gerade wegen dieser beiden Tierarten – den Schutzstatus nach den Richtlinien der EU Natura 2000 als FFH-Gebiet.

Aber nicht nur das Gewässer ist wertvoll – auch im angrenzenden Uferbereich findet man botanische Raritäten. So wächst hier der Wolfseisenhut. Genauso kann man den großblütigen Fingerhut sehen. Im Frühjahr findet man den Waldgoldstern. Der aufmerksame Wanderer entdeckt an der Pflanze der Tollkirsche nicht nur die Blüte, sondern auch die wunderschön glänzende Frucht zur gleichen Zeit. Der absolute botanische Höhepunkt ist der im Frühsommer blühende Türkenbund, genauso wie es an einem etwas verborgenen Standort den blauen Kreuzenzian gibt. Seit 2003 hat sich im Bach
im Bach ein Biber angesiedelt, der auf seine Weise seinen Lebensraum spektakulär umgestaltet.

Um das Herzstück der Altdorfer Natur zu erwandern, empfiehlt der Naturschützer und Bachpate Helmut Böhm den Rundweg Nr. 1 des Bay. Waldvereins- ideal für Spaziergänger und Wanderer, die Ruhe erleben und Naturschönheiten genießen wollen. Eine Wegbeschreibung befindet sich gegenüber dem Altdorfer Rathaus, wo der Rundweg beginnt und auch beendet werden kann. Man sollte ungefähr einen halben Tag für diese Naturwanderung einplanen. Außerdem bietet der Bund Naturschutz, Ortsgruppe Altdorf, nach Beendigung der Corona-Einschränkungen geführte Touren an. Diese werden jeweils rechtzeitig in der Landshuter Zeitung angekündigt.

Die Landshuter Zeitung druckte diese Würdigung in ihrer Ausgabe vom 5. Juni 2021 ab.


Naturschmankerl im Landkreis (9) Der Femischberg in Oberroning

Naturschmankerl im Landkreis (...) Der Femischberg in Oberroning, Stadt Rottenburg

Rund 6 km nordöstlich der Stadt Rottenburg liegt am Rand der Hallertau einer der ältesten Orte im Landkreis: Roning - heute Oberroning - das bereits 760 urkundlich erwähnt ist. Die einst mächtigen Grafen von Roning herrschten zwischen Laaber und Isar und konnten sich „Am Femischberg“ zu Beginn des 10. Jahrhunderts auf zwei Plateaus eine Burg mit Graben und auf dem westlich gelegenen höheren Teil einen Bergfried ca. 40 m hoch über dem Roninger Bach leisten. Die Anlage wurde allerdings bereits 1203 zerstört, nachdem sie mangels männlicher Nachfolger erst an die Grafen von Moosburg und nach deren Aussterben von diesen an die mit Erben gesegneten Wittelsbacher gefallen war.

Beim Bau der 10 km Luftlinie entfernten Klosterkirche Mallersdorf wurde die Burgruine als Steinbruch genutzt und leistete so noch wertvolle Dienste im Sinne des Material-Recyclings. Jahrhundertelang war die mächtige Erhebung unbewaldet und diente lange als Viehweide. Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute das 1838 gegründete Kloster Oberroning ein zur Sommerfrische genutztes Holzsalettl mit malerischem Klosterblick für die Klosteroberen auf dem Hochplateau des einstigen Bergfrieds. Und nach dessen Abbruch bot die Fläche neben dem Platz unterhalb der Erhebung den Schülern der „Knabenvolksschule“ bis in die 1960er-Jahre Platz für Ballspiele. 1985 beschloß der Kreistag die Ausweisung als Naturdenkmal und beschreibt es wie folgt: “Der Venusberg in Oberroning ist eine tertiäre Hangstufe, die mit einem naturnahen landschaftstypischen Bestand aus Tannen und Buchen bewachsen ist.“ Inzwischen führt es das Landesamt für Denkmalpflege auch als Bodendenkmal „Mittelalterlicher Burgstall“ mit der Erfassungsnummer D-2-7238- 0107.

Das Wort „Femisch“ deutet vielleicht auch auf die vorchristliche Bedeutung des Ortes als mythischem Thingplatz hin, auf dem in grauer Vorzeit auch einmal Recht gesprochen werden konnte. Heute finden sich am Femischberg – die in der Literatur oft genannten Varianten und Eindeutschungsversuche Venets- oder Venusberg sind bei den Einheimischen verpönt – eine Mischung aus Rotbuchen, Eichen, Eschen, Weißbuchen und wenigen Lärchen. Tannen allerdings fehlen völlig. Im Frühling leuchten in malerischen Tuffs Schneeglöckerl, Buschwindröschen, Lungenkraut, Immergrün und Duftveilchen aus dem trockenen Laub der Vorjahre. Die Hänge und das Hochplateau überwuchert allmählich bodendeckender Efeu.

Die örtliche katholische Landjugend hat 1975 dort erstmals ein Kreuz aufgestellt, das am Karfreitag 2010 dank einer Stiftung der Zimmerei Johann Stockmeier ersetzt werden konnte. Ein sympathischer franzikanischer Sonnenkranz bildet dabei das Zentrum anstatt eines gemarterten Jesus. Der ist dafür ausgiebig auf dem auf schlichten Eichenstelen montierten 14-teiligen Kreuzweg zu betrachten, der die Besucher auf einem geschwungenen Pfad durch den Laubwaldbestand bis zum Gipfel führt. Die heute als naturdenkmalwürdig geschützte Vegetation entstand durch natürliche Entwicklung nach Aufgabe der Beweidung. Sie wird sich durch den fortschreitenden Klimawandel weiter umbauen und entwickeln. Coronabedingt mußte der traditionelle Karfreitagskreuzweg leider schon im 2. Jahr in Folge ausfallen...

Text: Helmut Wartner, Foto: Berd-Jochen Lindner-Haag

Veröffentlicht von der Landshuter Zeitung am 12. Juni 2021


Naturschmankerl im Landkreis (10) Dorflinden in Bruckberg

Dorflinden wurden früher gern als wichtiger Platz der dörflichen Gemeinschaft an zentralen Ortsstellen gepflanzt. Die weit in der Geschichte zurückreichende kulturelle Bedeutung des Baumes läßt sich in Beschreibungen als Baumheiligtum, Tanz-, Gerichts-, Kirchen-, Hof- oder Freiheitslinde finden. Die menschheitsbegleitende Linde steht in Liedern, Sagen, Legenden und Dichtungen für Heimat, Frieden, Harmonie, Vertrautheit, Liebe und Freude. Als Haus- und Hofbaum galt die Linde als ein Symbol des Lebens und bedeutete Schutz und Glück für die dort wohnenden Familien.

Die Edlkofener Dorflinde wurde vermutlich 1727 bei der Einweihung der heute noch stehenden Kapelle gepflanzt und war Mittelpunkt des Dorfes. Unter dem Lindenbaum am sogenannten ‚Milchbankerl‘ sammelten die Einheimischen die Milch, ratschten nebenbei und tauschten Neuigkeiten aus. So ein Kommunikationspunkt funktionierte oft schneller als manche moderne digitale Technik. Zum damaligen Zeitpunkt existierten 20 Höfe in Edlkofen, dessen Bewohner zusammen mit dem Pfarrer Schredl aus Gündlkofen den Bau der Kapelle beim Bischof Johann Franz Eckher von Karpfing und Lichteneck beantragten. Bis zum Ende der sechziger Jahre war die große Dorflinde mit ihrer mächtigen Baumkrone unter dem schattenspendenden Laubdach ein willkommener Ruhepunkt. Nach ihrer Fällung wurde vor ca. 40 Jahren ein neuer Lindenbaum an gleicher Stelle gepflanzt.

Ungefähr auf gleicher Höhe, aber südlich der Eisenbahnlinie Moosburg - Landshut an der Mühlenstraße entlang in Richtung Isarauen, findet der Wanderer ein mehr als 250 Jahre altes Naturdenkmal – die Sommer-Linde mit dem botanischen
Namen Tilia platyphyllos. Der mächtige Baum ist ca. 25 m hoch und durch seinen Durchmesser von gut 1m auch in der Liste der regionalen Baumgiganten des LBV (Landesbund für Vogelschutz) erfaßt .

Bäume erzählen Geschichten. Dieser starke Lindenbaum begleitet die Menschen schon seit mehreren Generationen. Er hat z.B. einen Brand am 18. Oktober 1952 überlebt, obwohl das Feuer alle Äste schwarz verkohlt hinterließ. Jährlich wird die Linde durch den Baumkletterer Max gepflegt. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, besonders wenn im Frühjahr das frische Lindengrün der jungen, herzförmigen Blätter in der Sonne leuchtet.

Während der Blütezeit dieser Linde im Juni finden nektarsammelnde Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle. Der Lindenblütentee hilft bei Erkältungen - das Schwitzen mobilisiert die Entgiftung des Körpers und aktiviert das Immunsystem. Schnitz- arbeiten aus dem begehrten, weichen Lindenholz finden sich in vielen Kirchen. Linden können mehrere hundert Jahre alt werden. Machen wir uns die enorme Bedeutung der Bäume für die Erde, das Klima und für jeden Einzelnen wieder bewußt. Entdecken wir die Naturschönheiten in unserer Heimat und bewahren sie durch unsere Wertschätzung für zukünftige Generationen - genau wie der Dichter es beschreibt. „Alt wie ein Baum möchte ich werden, alt wie ein Baum mit einer Krone, die weit... über Felder zeigt.“

Text und Foto: Dagmar Michel und Vitus Lechner

In der Landshuter Zeitung veröffentlicht am 19. Juni 2021


Naturschmankerl im Landkreis (11) Die Eichen am Semmelmeier-Weiher in Geisenhausen

Wenn man von Landshut aus auf der B 299 Richtung Vilsbiburg an Geisenhausen im Südosten bei Kilometer 15 schon fast vorbeigefahren ist, kann man rechts in die Vilsbiburger Straße einbiegen und kommt nach ein paar hundert Metern ans Freibad. Nördlich vorgelagert liegt der sogenannte Semmelmeier-Weiher. Er diente dieser einst berühmten Geisenhausener Brauerei als Eisweiher zur Kühlung der Fässer bis weit bis zum letzten Altbier in den Spätsommer hinein. Angeblich hat vor ca. 150 Jahren ein gewisser Simon Lorenzer, Spross der 1686 aus dem Friaul eingewanderten Familie de Laurentis dort ein paar Eichen pflanzen lassen, als er in die Familie einheiratete. Sie werden unter der Nr. 2489 als Naturdenkmal mit Höhen von 15 bis 28 m und bis zu 9 m Kronenbreite am Landratsamt geführt.

Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hatte der Weiher auch noch eine Insel und war für die Jugend ein erfrischendes naturnahes Freizeitvergnügen. Oberhalb mündete ein Graben in einem Sumpfgebiet , der vom südlich gelegenen Bäckerloch entspringt - einem der wenigen Nordhänge im Gemeindegebiet, der in schneereichen Wintern zum Skifahren einlädt. Dort wurde sogar schon einmal erfolglos nach Öl gebohrt, weil im nahen Velden bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts über 5 Türme auch Öl gefördert wurde. In diesem Sumpfloch errichtete die Gemeinde 1972 ihr Freibad und verrohrte den Graben unterhalb der Schwimmbecken Richtung Weiher.

Bei Starkregenereignissen, die sich im Zuge des Klimawandels in den letzten Jahre bereits gehäuft haben, wird dann die Beckenlandschaft mit flüssigem fruchtbarem Boden aus den großflächigen Äckern oberhalb überschwemmt, u.a. weil gliedernden Hecken und Wiesenstreifen fehlen. Und die örtliche Feuerwehr muß mit leistungsstarken Pumpen zur Schadensbeseitigung anrücken. Das zeigt exemplarisch, wie die einseitige Optimierung der einstigen Kulturlandschaft zugunsten der ständigen Ertragssteigerung zu teuren und manchmal irreparablen Folgeschäden für alle Steuerzahler führt. So ging zum Beispiel auch nach Jahren prompt eine weitere stattliche Eiche im Freibadgelände ein, weil sie um über einen Meter verfüllt wurde. Statt einer grußzügigem Mulde um den Kronenbereich wollten die Planer eine ebene Liegefläche zu erreichen.

Von den am 26. Juni 1958 als Naturdenkmal ausgewiesenen fünf Eichen am Weiher stehen inzwischen nur noch drei. Und eigentlich erfüllt lediglich nur noch ein Baum mit einem Stammumfang von fast 5 m das Kriterium für eine Ausweisung. Die Bodenversiegelung im Zuge der Freibaderschließung hat sich eindeutig lebensverkürzend auf die ehemaligen Kollegen ausgewirkt. So können auch einstige Naturschmankerl allmählich verloren gehen...

Wenigstens können die Besucherinnen und Besucher des regional sehr beliebten Bades mit seiner großzügigen parkartiger Freifläche bei angenehmen Temperaturen baden. Dank der von der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz in Bayern über ein Bürgerbegehren im Jahr 2002 durchgesetzten Solarheizung am benachbarten Wiesenhang. Hoffentlich auch heuer – so Corona es zuläßt.

Helmut Wartner

In der Landshuter Zeitung veröffentlicht am 26. Juni 2021


Naturschmankerl im Landkreis (12) Die Weihmichler Wirtslinden in Oberndorf

In der Ortschaft Oberndorf steht rund 700 m nördlich der Bundesstraße 299 Richtung Neustadt a.d. Donau und ebenso weit östlich von Edenland eine Lindengruppe, die im Datenblatt an der Unteren Naturschutzbehörde aus dem Jahr 2014 als „Kapellenlinden Oberfeld“ mit der Nr. 15 geführt werden. Die drei Stammumfänge addieren sich zur stolzen Größe von 590 cm bei einer Höhe von 22 m und Kronenbreite von 16 m. Im Jahr der Ausweisung als Naturdenkmal Ende 1937 wurde der Umfang noch mit 470 cm, eine Höhe von 25 m und das Alter mit 200 Jahren angegeben. Und weiter heißt es:“In 1 Meter Stamm- Höhe dreigabelig; in 6 m Höhe hohl.“ Vor Ort jedoch zeigt sich: Es waren einst drei Linden. Das reale Alter ist eher mit ca. 150 Jahren zu beziffern, wie die Zählung von Jahresringen der inzwischen abgebrochenen 3. Linde gezeigt hat, die jedoch wie ihre zwei Schwestern mit einen sehr vitalen Stockausschlag zeigt, das sie noch genug Vitalität für ein erneutes Leben hat.

Der Lokaldichter Josef Winter, ein Chronist von Dorfgeschichten, Überlieferungen und Brauchtum kennt zur Linde auch eine Legende. So weiß er auch Einiges zu den einst drei Wirtslinden zu erzählen. Die stehen außerhalb von Weihmichl, oben auf der Höhe, wo die alten Wege nach Edenland, Oberndorf und Zell abzweigten. Sie sind eine ein mächtige alte Baumgruppe, die anzeigt: Hier ist der Platz, wo man die Richtung ändert. Bei einem Sturm im Jahr 2009 brach eine der drei Linden ab. Die Kapelle, die sich in den Schutz des Baumes duckt, wurde dadurch jedoch zum Glück nicht beschädigt. So wie es auch Bäumen heute oft hilft, wenn zu ihren Füßen ein Feldkreuz oder eine Kapelle steht.

Die Kapelle, so berichtet Josef Winter, wurde wohl im Jahre 1858 im Auftrag von Katharina Weinzierl errichtet und dabei auch drei Junge Linden gepflanzt. Die Stifterin war die Witwe des Dorfwirts Stefan Weinzierl. Nach dessen Tod soll im Dorf einer seiner Vorfahren „umgegangen“ sein. Diesem „Weizn“ ein Ende und der Seele Ruhe zu bereiten, sollte eine geweihte Kapelle helfen. Da zu der Zeit gerade der Weihmichler Kirchturm erhöht wurde, erbauten die damit beschäftigten Maurersleute auch gleich die von Katharina Weinzierl gewünschte Kapelle. Der damalige Dorfpfarrer Matthias Högl weihte das kleine Bauwerk ein. Jetzt sei sie eine Marienkapelle.

Denn einst verehrten die Germanen in der Linde Freya, die Göttin der Liebe und des Glücks, der Fruchtbarkeit und des guten Hausstandes. Als das Christentum immer mehr Fuß fasste, zerstörte man die alten Statuen der Freya- oder Gerichtslinden und ersetzte sie durch ein Marienbild. Aus den alten Freya-Linden waren Marien-Linden geworden – so überlebten sie in christlicher Zeit als Baumheiligtümer. Und in diesem besonderen Fall sogar dank der oft zurecht kritisierten Flurbereinigung.

Denn das Naturdenkmal und die Kapelle erhielten in den 1980er Jahren ein eigenes Grundstück mit separater Flurnummer, die auf einen neuen Eigentümer überging. Die alten Wege wurden durch neue maschinengerechtere ersetzt. Aber dennoch gibt es bei den Linden noch immer eine Wegkreuzung. Viele Gläubige aus dem ganzen Landkreis kommen auch heute noch auf dem Weihmichler Rosenkranzweg immer zur „Weihmichler Wirtslinde“, um in ihrem Schatten zu beten.

Der Ehrenvorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern, der inzwischen hochbetagte Hubert Weinzierl, schrieb im Geleitwort zu seinem Gedichtband „Lindenzeit“ (1991) passend dazu:

„So wie „Heimat“ kein geographischer Begriff, sondern eher ein religiöser Zustand ist, so wie die „Zeit“ nichts Messbares, sondern ein qualitativer Vorgang, und so wie der Naturschutz keine Wissenschaft, sondern eher eine Denkweise, genauso ist „Linde“ für mich eher ein Geheimnis als ein Baum.“

Text: Lisa Voit und Helmut Wartner, Fotos: Heinrich Inkoferer

Der Artikel wurde in der Landshuter Zeitung am 3. Juli 2021 veröffentlicht.



Früher floss die Isar ungezügelt dahin - davon zeugt der Götzbachgraben bei Niederaichbach.

Die Landshuter Zeitung berichtete in der Reihe "Naturschmankerl im Landkreis" am 6.8.2021.

weitere Berichte über die Naturschmankerl werden im nächsten Newsletter gezeigt.