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Übereinstimmung beim Vogelschutz - Forstleute und Naturschützer diskutierten Managementplan für EU-Vogelschutzgebiet

Das EU-Vogelschutzgebiet „Vogelfreistätte Mittlere Isarstauseen“ umfasst den Echinger und den Moosburger Stausee, einen Teil der Isar sowie rund 250 Hektar Auwald in der Bruckberger Au. Für dieses gesamte Gebiet erstellte die Regierung von Niederbayern einen so genannten Managementplan. Auf dem Areal der beiden Stauseen hat der Vogelschutz absoluten Vorrang. Hier ist beispielsweise die Jagd auf Wasservögel ganzjährig untersagt. Um für die Vögel auch im Auwald die Schutzbedingungen zu verbessern, fand kürzlich von Forstleuten und Naturschützern eine gemeinsame Ortsbegehung in der Bruckberger Au statt. Im wesentlichen wurden Inhalte des Managementplan-Entwurfes zur forstlichen Nutzung des Auwaldes von Vertretern der Behörden vorgestellt und gemeinsam mit den Natur- und Vogelschützern diskutiert.                                                   

An dem Ortstermin nahmen von Seiten der forstlichen Grundbesitzer teil Dr. Alfred Fuchs (Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Freising), Horst Draack und Thomas Peter (Revierförster, Forstbetrieb Freising), H. Barthels (Forstverwaltung der Stadt München) und als Vertreter der Forstbehörden Lothar Zillner (AfL Landshut) und Peter Hirschfelder (AfL Landau/Isar). Den Natur- und Vogelschutz vertraten Dr. Franz Leibl und Wolfgang Lorenz (Sachgebiet Fachfragen Naturschutz, Regierung von Niederbayern), Carolin Seethaler (Untere Naturschutzbehörde, Landratsamt Landshut), Christian Brummer (Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Landshut) sowie Paul Riederer und Klaus Wiedmann (Bund Naturschutz, Kreisgruppe Landshut).

Es wurden verschiedene Stellen im Auwald aufgesucht. Dabei wurde von Seiten der Naturschützer festgestellt, dass die Bestände derzeit aus vogelkundlicher Sicht einen zu geringen Anteil stark dimensionierter Alt- und Biotopbäume aufweisen. Da diese Bestände seit über 30 Jahren nicht genutzt wurden, komme als Erklärung hierfür nur das außergewöhnlich geringe Wachstum der Laubbäume infrage, welches eine Folge ungünstiger Standortbedingungen ist, gab Forstbetriebsleiter Dr. Fuchs zu verstehen. Aus diesem Grund werde auch künftig äußerst zurückhaltend genutzt, so dass sich auch in den kommenden Jahrzehnten Alt- und Biotopbäume sowie Totholz anreichern können. Dr. Fuchs sicherte zu, die besonders wertvollen Altholzbestände mit mächtigen und seltenen Schwarzpappeln bei einer künftigen Fortschreibung der Forsteinrichtungspläne auch formell möglichst vollständig aus der Nutzung zu nehmen.

Dr. Franz Leibl, der Leiter des Sachgebiets Fachfragen Naturschutz bei der Regierung von Niederbayern, regte an, bei der Vergabe von Jagderlaubnisscheinen durch die Bayerische Staatsforstverwaltung auch im Auwald die Jagd auf Federwild herauszunehmen. Da dies im fraglichen Gebiet ohnehin vom Forstbetrieb Freising so gehandhabt wird, war man sich allgemein darüber einig, den Managementplan entsprechend zu ergänzen. Der Forstbetrieb ist ebenfalls bereit, Holzarbeiten durch Selbstwerber im Vogelschutzgebiet soweit wie möglich auf die Zeiten außerhalb der Vogelbrutzeiten vom 15. März bis 15. August zu beschränken. In diesem Zusammenhang wies LBV-Kreisgruppenvorsitzender Christian Brummer auf die Bedeutung des Auwaldes als Lebensraum sogar für seltene und bedrohte Vogelarten, wie Wespenbussard, Grauspecht und Halsbandschnäpper, hin. Der Umbau standortfremder  Nadelholzbestände, die im Besitz der Bayerischen Staatsforsten und der Stadt München sind, soll nach Ansicht aller Teilnehmer fortgesetzt werden. Dieses Vorhaben bedürfe aber speziell bei den noch schwach entwickelten Kiefernbeständen noch längerer Zeiträume.

Paul Riederer, stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender, schlug vor, den Auwald wieder mehr zu vernässen. Wasserausleitungen aus der Isar bei Hochwasser würden sich hier anbieten. Damit könnten die ökologischen Bedingungen im Auwald für Wald, Flora und Fauna wesentlich verbessert werden. Wolfgang Lorenz, der bei der Regierung von Niederbayern für die Natura 2000-Gebiete zuständig ist, informierte, dass im Rahmen des Managementplans diesbezüglich mit dem Wasserwirtschaftsamt Gespräche geführt werden. Am Ende des Treffens zeigten sich alle Teilnehmer über die gemeinsam erarbeiteten Festlegungen zum Managementplan, die sowohl dem Bestand des Auwaldes als auch dem Schutz der Vögel nützen werden, sehr zufrieden.