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Netzwerk Natur und Umwelt

Natternkopf, Hexenkraut und Venusbad

Landshut 05.08.2017. Unter dem Motto „Natur kennen lernen, erleben und schätzen“ veranstaltete die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe einen informativen und unterhaltsamen Spaziergang durch die „Ochsenau“ im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut“. Zahlreiche Teilnehmer fanden sich bei den „Sieben Linden“ am westlichen Eingang zum Naturschutzgebiet ein, um an Hand vieler Geschichten und Beispiele zu erfahren, dass Pflanzen nicht nur für Botaniker interessant sind, sondern seit jeher auch in der Volksmythologie, in diversen Märchen und in allerlei Bräuchen eine bedeutende Rolle spielen. Im Rahmen des gemütlichen Spaziergangs durch die Wiesen und Wälder am Fuße der Isarleite verfolgten die Zuhörer mit großem Interesse die detaillierten, teils auch witzig-launigen Ausführungen des Landschaftsökologen Berthold Riedel.

Zu Beginn der Veranstaltung bot es sich an, den Treffpunkt bei den Jubiläumslinden zum Anlass zu nehmen, zunächst auf die Linde einzugehen, dem Baum, zu dem es wohl am meisten Sagen, Geschichten und Bräuche gibt. Sei es als Dorflinde, Tanzlinde, Gerichtslinde oder Gedenklinde, diese Baumart spielte seit jeher als Baum der Mütterlichkeit, der Gerechtigkeit und der Liebe eine große Rolle in der Mythologie und im Brauchtum. Die Linde war in der vorchristlichen Zeit grundsätzlich den weiblichen Gottheiten geweiht, während die Eiche stets im Zeichen männlichen Götter stand. Kein Wunder! Denn die Menschen hatten die Erfahrung gemacht, dass in Eichen häufig der Blitz einschlug, in Linden dagegen so gut wie nie. Daher holten sich die Menschen seit jeher lieber die Linde in die Mitte des Dorfes oder als Hausbaum in den Hof.

Danach führte der Spaziergang zunächst durch die artenreichen Wiesen der „Ochsenau“ und Berthold Riedel erzählte interessante Geschichten zu einigen Kräutern, die es am Wegesrand zu entdecken gab. Beispielsweise glaubte man früher, dass der blau blühende Natternkopf, dessen Blütenstempel der gespaltenen Zunge einer Schlange gleicht, Schlangen abwehren und gegen Schlangenbisse helfen könne. Weil er so kratzbürstig aussieht, wurde er außerdem zur Abschreckung von Ratten genutzt. Dazu musste die Zauberpflanze zur Sommersonnenwende geschnitten und in der Vorratskammer ausgestreut werden. Dabei war aber zu beachten, dass auf dem Heimweg auf keinen Fall ein Bach überquert werden durfte. Denn damit wäre die Wirkung verloren gegangen.

Ähnlich zum Schmunzeln waren auch Riedels Ausführungen zur Bedeutung von Pflanzen als Liebesorakel oder im Liebesbrauchtum. Mancherorts glaubten die Mädchen in vergangenen Zeiten, sie würden beim Auflegen von Schafgarbenblättern auf die Augenlider nachts von ihrem künftigen Bräutigam träumen. Es gab auch den Brauch, dass Mädchen in der Johannisnacht Zweige des Johanniskrautes ins Wasser stellten. Blühten sie auf, gab es noch im gleichen Jahr Hochzeit. Verwelkte das Kraut, ging das Mädchen mit hoher Wahrscheinlichkeit für die nächste Zeit leer aus. Aus den Blüten des Johanniskrauts konnte außerdem geschlossen werden, ob der Auserwählte auch tatsächlich treu ist. So pressten misstrauische Mädchen in der Johannisnacht die Johanniskrautblüten auf ein weißes Tuch. Bei Rotfärbung konnten sie sich der Treue sicher sein, bei Farblosigkeit war der Grund zum Zweifel vielleicht durchaus berechtigt.

Der entspannte Spaziergang führte schließlich in den Wald an der Isarleite, wo es das Hexenkraut zu entdecken gab. Berthold Riedel erläuterte, dass der wissenschaftliche Name Circaea auf Circe, die berühmte Zauberin der griechischen Mythologie, zurückgehe. Raffinierte Frauen nutzten in früheren Zeiten die frischen Blüten des Großen Hexenkrautes, um anziehender auf Männer zu wirken beziehungsweise um sie damit zu „bezirzen“.

Im weiteren Verlauf durch den Hangwald gab es Wissenswertes vor allem auch über Bäume und Sträucher zu erfahren. Darunter auch zu ihrer historischen Nutzung. Beispielsweise wurden aus dem Holz des Pfaffenhütchens früher Spindeln zum Spinnen hergestellt. Der Feldahorn, mancherorts auch Maßholder genannt, stellte eine bedeutende Bereicherung des Speisezettels dar, indem die Blätter durch milchsaure Gärung haltbar gemacht und ähnlich wie Sauerkraut verspeist wurden. Auch dass die Bezeichnung „hahnebüchen“ oder im Bayerischen „haglbuachan“ auf die Hainbuche zurückgeht, war für viele der Spaziergänger eine neue Erkenntnis. Die Hainbuche beziehngsweise Hagebuche, die übrigens mit der „echten“ Buche nicht einmal verwandt ist, verfügt über ein besonders hartes und zähes Holz.

Berthold Riedel wartete auf unterhaltsame Weise noch mit einigen weiteren Geschichten und Informationen auf. Er erläuterte zum Beispiel, warum sich auf den Blättern des Frauenmantels vermeintlich Tautropfen sammeln und warum das Regenwasser, das sich am Blattgrund der Wilden Karde oft tagelang hält, in der römischen Mythologie als Venusbad bezeichnet wurde. Nach gut zwei Stunden endete der heiter-vergnügliche Spaziergang. Den Teilnehmern wurde vor Augen geführt, welche Bedeutung den heimischen Bäumen, Sträuchern und Kräutern in der Kulturgeschichte zukommt und wie wenig davon heute noch bekannt ist.

Botanische Exkursion des Bund Naturschutz in die Isarleite bei Hüttenkofen – zusammen mit dem Naturwissenschaftlichen Verein

Hüttenkofen 29.05.2017. Am Treffpunkt in Landshut stand eine kleine Gruppe von 6 Personen, um eine Fahrgemeinschaft nach Hüttenkofen zu bilden. Dort angekommen war die Überraschung groß: Vor der Kirche in Hüttenkofen wartete schon eine große Anzahl Personen auf Dieter Nuhn, der die Exkursion leitete. Herr Nuhn erklärte der jetzt auf knapp vierzig Personen angewachsenen Gruppe vor dem Aufbruch zur Magerrasenfläche, dass er spontan gezwungen sei, eine kleine Programmänderung zu machen. Die Führung würde nun durch zwei verschieden Naturräume führen. Zum einen auf die angekündigte Magerrasenfläche und zum anderen in die Isarhangleite. Ursache für die Programmänderung war, dass ursprünglich mit in die Führung eingeplante Feldraine und Flächen entlang der Feldwege schon gemäht wurden. Was sehr schade war, weil deshalb auf diesen Flächen nichts botanisch Interessantes mehr zu sehen war und darüber hinaus der Lebens- und Nahrungsraum der dort lebenden Insekten zerstört war.

Glücklicherweise gibt es in der Umgebung von Hüttenkofen noch eine Fläche, die nie intensiv landwirtschaftlich genutzt wurde. Der Eigentümer, ein hiesiger Landwirt, hatte den Exkursionsteilnehmern erlaubt, diesen Bereich zu betreten. In die betreffende Magerrasen-fläche führt ein selten benutzter Feldweg. Alle waren stets auf der Hut, um keine Pflanzen zu zertreten. Der Exkursionsleiter erklärte den Teilnehmern   detailreich den Aufbau und die Unterscheidungsmerkmale verschiedener dort wachsender Kräuter und Blumen. Sehr oft musste Herr Nuhn bemerken, dass diese oder jene Pflanze hier vor Jahren noch in sehr großer Zahl blühend zu sehen war, während er heute nur noch auf ein paar wenige Exemplare zeigen konnte. Den Teilnehmern wurde bald klar, welch große Verluste an heimischen Pflanzenarten mittlerweile allenthalben zu beklagen sind. Diese Verarmung der Pflanzenwelt bedingt wiederum einen Rückgang bei den Insekten, Kleintieren und Vögeln.

Umso mehr freute es die Teilnehmer, hier dieses artenreiche Stück Kulturlandschaft erleben zu können.

Zur Entstehung von Magerrasen:

Magerrasen als Pflanzengesellschaft nährstoffarmer Standorte gehen in Mitteleuropa auf die Tätigkeit des Menschen zurück. Entstanden sind sie zumeist durch Beweidung ursprünglich bewaldeter Flächen. Da Weidetiere (vor allem Ziegen und Schafe) die jungen Bäume und Sträucher verbeißen, öffnet sich der beweidete Hutewald immer mehr, es entstehen Lichtungen, bis schließlich die Holzgewächse ganz verschwinden und ein Magerrasen zurückbleibt. Magerrasen waren deshalb typisch für die von allen Dorfbewohnern gemeinsam genutzten Teile der Gemarkung, die Allmende (regional auch „Mark“, „Hute“, „Heide“ usw. genannt). Unter den heutigen Bedingungen der Landwirtschaft ist die Bewirtschaftung von Magerrasen nicht mehr rentabel. Sie werden im Kataster häufig als „Ödland“ oder „Unland“ bezeichnet. Die früher existierenden Magerrasen sind deshalb bis auf geringe Reste entweder durch Düngung melioriert oder aufgeforstet worden.

Magerrasen sind durch extensive landwirtschaftliche Nutzung (einschürige Mähwiesen oder Schafweiden) auf nährstoffarmen Flächen entstandene (oder zumindest stark geförderte) Ökosysteme, bei denen in der vorindustriellen Landwirtschaft nur eine extensive Landnutzung stattfand. Typisch für Magerrasen war die Wanderschäferei, für die große Weideflächen gebraucht wurden. Entsprechend sind sie auch heute dauerhaft nur durch Nutzung (oder als Ersatz durch angepasste Pflege) zu erhalten. Wird die Nutzung dauerhaft eingestellt, verbrachen sie und viele der besonderen Tier- und Pflanzenarten gehen verloren.1)

Von der Wanderung über die sonnendurchfluteten Magerrasen ging es nun wieder zurück nach Hüttenkofen und in den schattigen Mischwald der Isarhangleite. Vielstimmiges Vogelgezwitscher begleitete die Wanderer. Der Weg hinunter zur Isar führte zum Teil durch einen alten Hohlweg, an dem Pflanzen wachsen, die lichten Wald lieben. Der Exkursionsleiter wusste alle möglichen Fragen zu den Pflanzen am Wegesrand zu beantworten. An einer besonderen Stelle im Wald berichtete er, dass hier einmal mehr als 50Frauenschuh-Exemplare -eine seltene Orchideenart-  einen optimalen Lebensraum hatten. Dieser wurde jedoch von Menschenhand unwiederbringlich zerstört. Unverständnis machte sich unter den Teilnehmern ob dieses Frevels –ob er aus Unkenntnis oder Übereifer begangen war - breit. Leider haben noch immer nicht alle Menschen erkannt: “Die Natur hat ein Daseinsrecht aus sich selbst heraus“.

Die Exkursion endete mit einem botanischen Highlight am Isardamm: mehrere Blütenstände des Helmknabenkrauts standen in der spät nachmittäglichen Sonne.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedankten sich beim Exkursionsleiter, Herrn Nuhn, mit einem herzlichen Applaus und erkundigten sich, wann und wo die nächste Führung stattfinden würde.

Über diesen Link https://flic.kr/s/aHskVTBqkG  finden Sie Bilder der Exkursion und von einigen Pflanzen, die bei der Führung zu sehen waren.

Fotos: H. Inkoferer

1) Quelle Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Magerrasen

Von der Linde bis zur Wegwarte

Landshut 11.08.2016. Bund Naturschutz veranstaltete unterhaltsame naturmythologische Wanderung im Landshuter Naturschutzgebiet

Pflanzen sind nicht nur für den naturwissenschaftlich arbeitenden Botaniker interessant, sondern spielen auch in der Volksmythologie, in diversen Märchen und in allerlei Bräuchen eine bedeutende Rolle. Auch heuer wieder veranstaltete der Bund Naturschutz (BN) einen gemütlichen Spaziergang durch die Ochsenau – den unteren Teil des Naturschutzgebiets „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“. Zahlreiche Teilnehmer waren am Sonntag, 24. Juli 2016, der Einladung gefolgt und lauschten den detaillierten, teils auch witzig-launigen Ausführungen von Berthold Riedel zu diversen Kräutern, Sträuchern und Bäumen am Wegesrand.

Bei den sieben, noch relativ jungen Jubiläumslinden, die die BN-Kreisgruppe anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Naturschutzgebietes pflanzte, begann die Veranstaltung und es bot sich an, zunächst auf die Baumart einzugehen, zu der es am meisten Sagen, Geschichten und Bräuche gibt: die Linde. Die Menschen holten sie sich als Dorflinde in die Ortschaften und vielerorts war der Dorfplatz mit der Linde ein beliebter Treffpunkt. Und das nicht nur, wenn man sich, so wie der Referent in seiner Jugend, mit Sieglinde, Gerlinde, Dietlinde oder Linda treffen wollte. Der Baum galt früher aber auch als Sinnbild für die Gerechtigkeit und die Wahrheitsfindung und daher wurden viele Gerichtsverhandlungen unter Linden abgehalten. Der Name dieser für ihr weiches Holz bekannten Baumart spiegelt sich auch in Begriffen wie „Linderung“ oder „Lindwurm“ wider. Auch in der bayerischen Mundart spricht man beispielsweise von einem zu „linden“ Betonmörtel, wenn zu viel Wasser dazugegeben wurde.

Am Wegesrand inmitten der artenreichen Wiesen des Naturschutzgebiets gab es anschließend zahlreiche Kräuter zu entdecken, so wie die Wegwarte, die im Volksglauben einiger Gegenden eine verwunschene Jungfrau darstellte, die mit ihren blauen Augen am Wegesrand auf ihren Retter und zukünftigen Bräutigam wartete. Interessant war für viele Teilnehmer auch die namensgebende Mohrenblüte, die sich in der Mitte mancher Blüten der Wilden Möhre befindet. Darüber hinaus erzählte der Landschaftsökologe Wissenswertes zum Natternkopf, dessen Blütenstempel der gespaltenen Zunge einer Schlange gleicht und der folglich nach altem Glauben Schlangen abwehren und gegen Schlangenbisse helfen sollte. Besonders amüsant waren die Ausführungen des Referenten zur Bedeutung von Pflanzen als Liebesorakel oder im Liebesbrauchtum. Mancherorts glaubten die Mädchen früher, sie würden beim Auflegen von Schafgarbenblättern auf die Augenlider nachts von ihrem künftigen Bräutigam träumen. Die Ursache dieser Vermutung liegt wohl an der Form der Schafgarbenblätter, die durchaus an menschliche Wimpern erinnern. Ein Kleeblatt, im Schuh getragen, würde die Angebetete eher auf den schüchternen Burschen aufmerksam machen, der es nicht wagte, sie anzusprechen. Mädchen wiederum legten insgeheim Kleeblätter in die Schuhe ihres Wunschkandidaten, in der Hoffnung, dass er ihnen treu bliebe.

Die entspannte Wanderung führte schließlich in den Wald an der Isarleite und es gab viele interessante Geschichten über Bäume und Sträucher. Darunter auch zu ihrer historische Nutzung: so wurde beispielswiese aus den Zapfen der Schwarzerle früher Tinte gewonnen und ihre Rinde zum Schwarzfärben von Leder verwendet. Interessant war für die Teilnehmer auch zu erfahren, wieso gerade der Bergahorn beim Bau von Saiteninstrumenten eine so große Rolle spielt und dass er als „Weiß-Ahorn“ zu edlen Tischplatten verarbeitet wird. Ebenso, dass er wegen seines zuckerhaltigen Safts früher regelrecht „gemolken“ wurde und die Blätter des Feld-Ahorns, milchsauer vergoren, eine Bereicherung des Speisezettels darstellten.

Im Laufe der entspannten Wanderung erfuhren die Spaziergänger auch, dass die allgemein hohe Wertschätzung des Schwarzen Holunders auf eine vorchristliche weibliche Gottheit zurückgeht, die im Hollerbusch wohnte und die die Menschen vor Unheil bewahrte: ihr wurde später als Frau Holle im Märchen ein Denkmal gesetzt. In einigen Gegenden hat sich der Respekt vor dem Strauch, der an keinem Anwesen fehlen sollte, bis heute gehalten und man zieht beim Vorübergehen ehrfürchtig seinen Hut. Zu vielen weiteren Bäumen, Sträuchern und Kräutern gab es noch bemerkenswerte Geschichten. Nach gut zwei Stunden endete die heiter-vergnügliche Wanderung. Sie machte den Teilnehmern bewusst, dass in Pflanzen – und seien sie auch noch so unscheinbar – ein großer Anteil Kulturgeschichte steckt.

Sagenumwobene Bäume und Sträucher

26.07.2015. BN organisierte naturmythologischen Spaziergang mit Berthold Riedelim Landshuter Naturschutzgebiet

In diesem Jahr stand der „naturmythologische Spaziergang“ im Zeichen des Aktionsjahrs „Waldnaturschutz 2015“. Zu der Veranstaltung am Sonntag, 26. Juli 2015, hatten neben dem Bund Naturschutz (BN) auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und die Waldbesitzervereinigung Landshut (WBV) eingeladen. Im Mittelpunkt standen daher vor allem die Bäume, Sträucher und Kräuter des Waldes. Dass Pflanzen nicht nur naturwissenschaftlich-nüchtern durch die Brille des Botanikers betrachtet werden können, sondern auch in der Volksmythologie, in diversen Märchen und in allerlei Bräuchen eine bedeutende Rolle spielen, zeigte Berthold Riedel bei der Führung durch den unteren Teil (Ochsenau) des Naturschutzgebietes „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“. Bei idealem Wetter waren an die 50 Teilnehmer der Einladung gefolgt und lauschten den detaillierten, teils auch witzig-launigen Ausführungen zu diversen Gehölzen und Gewächsen am Wegesrand.

Der gemütliche Spaziergang begann unter den noch jungen, vom Bund Naturschutz gepflanzten sieben Linden und es bot sich an, mit der Linde zu beginnen. Riedel erläuterte , dass sie im Volksglauben für das Weiche, Sanfte, Mütterliche stehe, was durch die herzförmigen Blätter, den angenehm süßlichen Duft der Blüten und die weit ausladende, schützende Baumkrone unterstützt werde. Da der Baum früher auch für die Gerechtigkeit und die Wahrheitsfindung stand, wurden viele Gerichtsverhandlungen unter Linden abgehalten. Als Dorflinde holten sie die Menschen in die Ortschaften und vielerorts war der Dorfplatz mit der Linde ein beliebter Treffpunkt. In einigen Dörfern Frankens wurden die Dorflinden – teils mit mehreren Etagen im Astwerk – als Tanzlinden gezogen. Bis heute werden unter und auf(!) der Tanzlinde Feste gefeiert. Im Gegensatz zur Linde steht die harte, männliche Eiche, der Baum der Kämpfer und Sieger. Sie war bei den Germanen dem für Blitz und Donner zuständigen Gott Donar geweiht, während die Linde für die Göttin Freya, die Göttin der Liebe stand.

Eine große Rolle als fast schon heiliger Baum spielt in den nördlichen Ländern die Birke, einer der wenigen Laubbäume, der starke Kälte verträgt. Wenn die Birke nach langem Winter ihre zarten, hellgrünen Blätter entfaltete, seien in heidnischen Zeiten ausgelassene Frühlingsfeste gefeiert worden. Auch der Maibaum war früher vielerorts eine Birke. Berthold Riedel ging aber auch auf weniger „sagenumwobene“ Bäume ein, wie zum Beispiel die Ulmenarten. Während der Rüster, wie das edle Möbelholz der Ulme genannt wird, durchaus bekannt ist, hat der Baum bei uns im Brauchtum oder in Märchen kaum eine Bedeutung. Bei den alten Griechen galt die Ulme jedoch als Baum der Trauer und sie legten Totenhaine mit Ulmen an.

Interessant war für die Teilnehmer im Laufe der entspannten Wanderung, dass die allgemein hohe Wertschätzung des Schwarzen Holunders auf eine vorchristliche weibliche Gottheit zurückgeht, die im Hollerbusch wohnte und die die Menschen vor Unheil bewahrte: ihr wurde später als Frau Holle im Märchen ein Denkmal gesetzt. In vielen Gegenden hat sich der Respekt vor dem Strauch, der an keinem Anwesen fehlen sollte, bis heute gehalten und man zieht beim Vorübergehen ehrfürchtig den Hut. Zu vielen weiteren Bäumen, Sträuchern und Kräutern gab es bemerkenswerte Geschichten. Besonders amüsant waren die Ausführungen des Referenten zur Bedeutung von Pflanzen als Liebesorakel oder im Liebesbrauchtum. Mancherorts glaubten die Mädchen früher, sie würden beim Auflegen von Schafgarbenblättern auf die Augenlider nachts von ihrem künftigen Bräutigam träumen. Oder sie könnten aus der Farbe des ausgepressten Pflanzensafts aus dem Johanniskraut auf die Treue ihres Angebeteten schließen. Die Haselnuss, ein altes Fruchtbarkeitssymbol, wiederum war der Heiligen Hildegard von Bingen als Zeichen der Wolllust stets ein Dorn im Auge. Es gab des Spruch: viele Haselnüsse, viele uneheliche Kinder.

Im Unterwuchs des Waldes wurden die Teilnehmer schließlich auf das Hexenkraut aufmerksam. Riedel erläuterte, dass der wissenschaftliche Name Circaea auf Circe, die berühmte Zauberin der griechischen Mythologie, zurückgehe. Frauen nutzten die frischen Blüten des Großen Hexenkrautes, um anziehender auf Männer zu wirken beziehungsweise um sie damit zu „bezirzen“. Eine Teilnehmerin konnte diese Wirkung sogar aus eigener Erfahrung bestätigen. Nach etwa 2 Stunden endete die heiter-vergnügliche Wanderung. Sie schärfte den Blick und auch die anderen Sinne und machte den Teilnehmern bewusst, dass in Pflanzen – und seien sie auch noch so unscheinbar – ein großer Anteil Kulturgeschichte steckt.

Seltene Flora am Alpini-Steig

Landshut 27.06.2015. Bei leichtem Regen trafen sich am 27. Juni 2015 dreizehn Teilnehmer in Landshut um mit Fahrgemeinschaften zur Exkursion ins Tal der Schwarzen Laaber bei Eilsbrunn aufzubrechen. Die Botanische Führung wurde von der BN-Kreisgruppe Landshut in Zusammenarbeit mit dem Naturwissenschaftlichen Verein angeboten, unter der Leitung  von Herrn Dieter Nuhn.  Lisa Voit vom Bund Naturschutz und Dr. Xaver Menhofer vom Naturwissenschaftlichen Verein hießen die Teilnehmer willkommen. Dieter  Nuhn hatte  eine vierseitige Liste erstellt, die so gut wie alle (192!) Pflanzen enthielt, die bei der Juni-Exkursion auf dem "Vorderen Alpinen Steig“ zu sehen sind.  

Die Schwarzle Laaber durchbricht bei Schönhofen die Felsformationen des Weißen Jura. Diese Felskalke sind vor etwa 150 Millionen Jahren als Schwamm und Korallenriffe entstanden. Vor ca. 25 Millionen Jahren setzten Erosion und Verkalkung ein und bildeten die heute bis zu 40 Meter hohen Felsen. Dort finden sich  die grössten Kalkmagerrasen-Komplexe in der Umgebung von Regensburg. Der Alpine Steig besteht aus dem "Vorderen Alpinen Steig“ zwischen Eilsbrunn und Schönhofen und dem „Hinteren Alpinen Steig“ zwischen Schönhofen und Untereinbuch.

Die großen Flächen des Alpinen Steiges, dessen Vegetation seine Entstehung der extensiven Beweidung durch Rinder und Ziegen, aber auch durch Schafe, verdankt, werden von Enzian-Schillergras-Rasen (Gentiano-Koelerietum) eingenommen, die oft vom Kalk-Blaugras dominiert sind.

Die Beweidung wurde in den 1960er Jahren eingestellt, aber ab 1980  wieder aufgenommen. Zusätzlich  werden Entbuschungs-maßnahmen durchgeführt, um den Lebensraum der seltenen Pflanzen zu erhalten.Gleich zu Beginn der Wanderung,  schon von der Straße aus, konnten die Teilnehmer den Samenstand des Kelch-Steinkrauts, einer Rarität, sehen.

Von der höchsten Stelle der Führung aus hatte die Gruppe einen wunderbaren Blick über die Trockenrasenhänge, das Tal der Schwarzen Laaber und darüber hinaus. Die Regenwolken meinten es gut mit uns, und hielten größtenteils ihre Fracht an Regen zurück. 

Hier exemplarisch die Namen einiger Pflanzen, die die Teilnehmer bewundern konnten: Ohrlöffel-Lichtnelke, Igelsame, Blutrote Ständelwurz, Berghaarstrang, Berggamander, Kleine Wachsblume, Gelbe Sommerwurz, Ästige Graslilie.

Nach gut drei Stunden, die beim Bestaunen der  außergewöhnlichen Blumenvielfalt wie im Fluge vergingen, kehrte man zum Ausgangspunkt der Führung zurück. Rundum zufrieden und hungrig wurde dann in einer Gastwirtschaft Einkehr gehalten. Mit schönen Eindrücken aus einer ungewöhnlich artenreichen und  naturbelassenen Landschaft kehrte man nach Landshut zurück.

BN-Mitglied Heinrich Inkoferer hat diese Exkursion fotografisch festgehalten und zeigt seine Bilder gerne unter https://www.flickr.com/photos/114961713@N07/sets/72157654777629878/with/18617173223/

Die Spuren der Sporen

Pilzkundliche BN-Exkursion mit Alfred Hussong bei Oberaichbach

Pilze sind ein schwieriges, aber auch ein faszinierendes Gebiet. Sie sind weder Pflanzen noch Tiere, sondern bilden ein eigenes Reich. Ihre Spuren finden sich fast überall, nicht nur im Wald, wo sie im Naturkreislauf eine zentrale Bedeutung haben als „Aufzehrer“ und „Materialumwandler“. Eine kleine Teilgruppe davon, die Ständerpilze sind zudem oft auch einfach schön. Davon konnten sich kürzlich die zahlreichen Teilnehmer einer Bund-Naturschutz-Exkursion überzeugen, die erstmals der ausgewiesene Experte und Pilzsachverständige Alfred Hussong leitete.

Bevor man zu dem lichten Hangwald bei Oberaichbach wanderte, sprachen Helmut Auer vom Bund Naturschutz und Alfred Hussong einleitende Worte. Die Teilnehmer erhielten ein Übersichtsblatt mit den Namen der in diesem Gebiet zu erwartenden Arten sowie einer Systematik der Pilze allgemein. Diese beschränkte sich auf Ständerpilze (Basidiomycetes) und Schlauchpilze (Ascomycetes), zwei Gruppen, die hinreichend umfangreich sind.

Das Wetter war, wie schon in den Wochen zuvor, kühl und sehr feucht, was sich in üppigem Pilzwachstum niederschlug. Der Exkursionsleiter konnte kaum mehr als zehn Schritte gehen, und schon wurden ihm diverse Pilze entgegengereckt, die es einzuordnen und zu bestimmen galt. Vor allem die Kinder suchten mit Feuereifer das Gelände ab, so das Hussong stellenweise kaum mit dem Erklären nachkam. Es wurde fotografiert und in Bestimmungsbüchern geblättert. Allerdings bieten solche Bücher oft keine ausreichende Sicherheit. Hussong verdeutlichte, dass man den ganzen Pilz mit Stiel und Knolle nach mehreren Kriterien begutachten muss, teils sogar mittels Lupe oder Mikroskop. Ein wichtiges Merkmal kann die Farbe des Sporenstaubes sein. Eine Spore ist nur ein Hundertstel Millimeter groß, und ein einziger Pilz kann Millionen davon hervorbringen. Obwohl unter den Teilnehmern nicht wenige Kenner und etliche mit großen Sammelkörben dabei waren, war man sich bei der Bestimmung oft unsicher. Zudem gibt es immer noch neue Erkenntnisse, so dass die Angaben in alten Büchern teils mit Vorsicht zu genießen sind. Ein Beispiel: der lebhaft goldgelbe Grünling galt jahrzehntelang als unproblematischer Speisepilz, bis Berichte über Vergiftungen in Frankreich für Verunsicherungen sorgten. Ähnliches gilt für den Kahlen Krempling, den Hussong ebenfalls vorzeigen konnte. Neben zahlreichen giftigen beziehungsweise ungenießbaren Pilzen, wie beispielsweise dem nach Kartoffelkeller riechenden Knollenblätterpilz, trug man nicht wenige genießbare Schwammerl zusammen, etwa Maronen, Ziegenlippen und Rotfußröhrlinge. Nicht mit Röhren, sondern mit Stoppeln an der Hutunterseite versehen ist der stattliche Semmelstoppelpilz, der dem menschlichen Magen ebenfalls bekommt.

Hussong ließ die Teilnehmer immer wieder Pilzteile schmecken (und ausspucken) oder „rieb sie ihnen unter die Nase“. Dabei wurde allen bewusst, wie schwierig es ist, Gerüche zu versprachlichen beziehungsweise ein einhelliges Urteil zu fällen. Der wichtigste Sinn blieb trotz alledem der Gesichtssinn, nicht nur zum Erspähen der oft getarnten Objekte, sondern auch zur Feststellung von Verfärbungen beim Anschneiden. Wie wenig verlässlich allerdings der optische Aspekt sein kann, führte Hussong anhand einer Anzahl von Hohlfußröhrlingen vor, die unweit einer Lärchengruppe wuchsen: Ihre Hutfarbe variiert von leuchtendgelb bis hin zu intensiv braun gesprenkelt. Und auch die Form ändert sich je nach Standort und Entfaltungsstadium, wie man am teils kugeligen, teils schirmartig flachen Fliegenpilz begutachten konnte.

Nach zweieinhalb Stunden endete die Waldwanderung, und vielen Teilnehmern eröffnete sich ein – wenn auch nur kleiner – Blick in eine ebenso wunderbare wie fragile Welt, in ein Betätigungsfeld, das schier unerschöpflich bleibt.

Raritäten mitten in der Stadt

Dieter Nuhn zeigte bei BN-Exkursion im Hofgarten botanische Besonderheiten

Eine botanische Exkursion – veranstaltet vom Bund Naturschutz und vom Naturwissenschaftlichen Verein – führte durch den Landshuter Hofgarten. Den relativ späten Zeitpunkt für die Exkursion gegen Ende Mai habe er bewusst gewählt, erklärte Exkursionsleiter Dieter Nuhn eingangs den zahlreichen Teilnehmern. Zwar seien viele Blumen bereits verblüht, die botanischen Besonderheiten dieses naturnahen Parks ließen sich zu dieser Zeit jedoch besonders gut zeigen. Der Botaniker ging dabei nicht nur auf seltene Pflanzen ein, sondern schärfte bei den Teilnehmern auch den Blick für bemerkenswerte Veränderungen in der Flora. So wies er unter anderem darauf hin, dass sich das Bingelkraut, ein Wolfsmilchgewächs, im Hofgarten immer mehr ausbreite. Der Bestand der Türkenbundlilie habe sich hingegen gegenüber den Vorjahren verkleinert.                              

Besonderer Artenreichtum konnte auf einem Konglomerat – einem Sedimentgestein aus Kies und Geröll – beobachtet werden. Es zeichnet sich durch Nährstoffarmut und Kalkhaltigkeit aus, und bietet im konkret gezeigten Fall der Mauerraute, dem Lungenkraut, dem Wald-Habichtskraut, dem Nickenden Perlgras und der Eibe Platz . Über den Kleinen Baldrian wusste der Referent zu berichten, dass er durch das Indische Springkraut – einen Neophyten („Einwanderer“) – zunehmend verdrängt werde. Der seltene Aronstab kommt im Hofgarten seit etwa zehn Jahren vor. Ein großer Bestand sei in diesem Jahr jedoch durch Holzarbeiten leider zerstört worden, so Nuhn. Auf einer sonnigen Wiese zeigte der Pflanzenspezialist den Knöllchen-Steinbrech, eine Pflanze, die im Isartal häufig auftritt, schon im Vils- oder Rottal jedoch selten vorkommt. Eine echte Rarität konnte mit dem Braunen Storchenschnabel bestaunt werden. Diese Blütenpflanze komme nämlich nur im Landshuter Raum vor, informierte Nuhn. Als weitere Rarität konnte er den Exkursionsteilnehmern einen blühenden Orchideen-Bestand von Weißen Waldvögelein zeigen. Eine Besonderheit im Hofgarten ist auch die Kreuzung aus der Echten Nelkenwurz und der Bachnelkenwurz. Bärlauch, Wiesen-Bärenklau, Schlangenknöterich und Mädesüß sind Pflanzen, die feuchte Standorte lieben. Sie waren im Laufe der Exkursion auf einer Wiese unterhalb des Parkplatzes am Hofgarten zu entdecken.

Die Exkursion, die am Skulpturenmuseum ihren Anfang nahm, endete innerhalb der Mauer der Burg Trausnitz. Diese bietet einen eigenen Lebensraum. In den Mauerritzen wächst das hellviolett blühende Zimbelkraut. Nicht nutzbare Wiesenflächen innerhalb der Befestigung geben Salbei, Wiesen-Labkraut und Margerite Raum. Unscheinbar gab sich das Glaskraut am Wegesrand zur Burg, dabei ist diese Pflanze eine botanische Besonderheit. Normalerweise kommt sie nur in Südeuropa vor, im Raum Landshut gibt es nur zwei Standorte davon. Das Glaskraut wurde hier aber bereits im Jahr 1877 kartiert, führte Nuhn aus. Als letzte Rarität zeigte der Botaniker an der Burgmauer die Telekie (Telekia speciosa), eine „Einwanderin“ aus dem Kaukasus.

Wo Natur noch Natur sein darf

Landshut 26.07.2016. Exkursion zu Wildbienen und Tagfalter im Landshuter Naturschutzgebiet

Der Bund Naturschutz (BN) organisierte eine Exkursion zu Tagfalter- und Wildbienenlebensräumen im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ und auf angrenzenden, vom BN gepachteten Wiesenflächen. Über 30 interessierte Naturfreunde nahmen an der Exkursion teil, die unter der Führung von Erwin Scheuchl (Wildbienen) und Wolfgang Willner (Tagfalter) stand. Ausgehend vom Parkplatz Hauslehen bei Lernpoint im Süden des Naturschutzgebiets ging es zu ungenutzten beziehungsweise beweideten Flächen, wo Wolfgang Willner auf eine ganze Anzahl von Schmetterlingen, unter anderen Graszünsler, Schornsteinfeger, Ochsenauge und Schachbrettfalter, aufmerksam machen konnte. Generell gelte aber das Jahr 2016 bisher als sehr schlechtes Falterjahr, erklärte der Schmetterlingskundler und Naturfotograf. Weniger auffällig sind Wildbienen, deren Größe von knapp drei Millimetern bis fast drei Zentimetern reicht. Das Naturschutzgebiet zeichne sich durch das Vorkommen zahlreicher, sogar sehr seltener Wildbienenarten aus, informierte Erwin Scheuchl. Viele dieser Arten kommen auf Rohbodenflächen vor. Sie leben meist solitär (lediglich ein Weibchen pro Nest) und nisten je nach Art ober- beziehungsweise unterirdisch. Die notwendigen Lebensräume werden jedoch in erster Linie durch den gravierenden Rückgang an geeigneten Nahrungsquellen und den Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten rar. So sei es für in der Erde nistende Wildbienen kaum möglich, beispielsweise auf intensiv genutzten, dicht bewachsenen Wiesenflächen ihre Brutröhren zu errichten. Und bezüglich der Nahrungsquellen könne ein Großteil der heimischen Wildbienen nur ein relativ enges Spektrum an Nahrungsquellen nutzen. So ist etwa die Grobpunktierte Kleesandbiene, die während der Exkursion zu beobachten war, ganz auf kleinblütige Schmetterlingsblütler spezialisiert. Wo keine derartigen Pflanzen wie Hopfen- oder Hornklee vorkommen, fehlt dieser Bienenart die Existenzgrundlage, gab der Wildbienenspezialist zu bedenken. Abgesehen von wetterbedingten Schwankungen (feuchtes Frühjahr 2016, trockenes Jahr 2015, heiße Sommer) sei festzustellen, dass in den letzten Jahren ein starker Rückgang von Falter- und Wildbienenarten zu verzeichnen war, betonten die Referenten. Die Ursache sei unter anderem der starke Rückgang von blühenden Nahrungspflanzen in der Feldflur. Der hohe Stickstoffeintrag über die Luft durch den zunehmenden Verkehr sowie durch die landwirtschaftliche Düngung und die intensive Bewirtschaftung führen zu nährstoffreichen Böden, auf denen die auf magere Böden angewiesenen Blühpflanzen verdrängt werden. Auch der Klimawandel mache sich bemerkbar, indem beispielsweise wärmeliebende Falter und Wildbienenarten immer weiter nach Norden wandern oder einige südliche Arten in Bayern zuwandern. Der Rückgang der Insektenvielfalt habe auch einen dramatischen Rückgang vieler Vogelarten zur Folge, da die Nahrungsquellen für sie immer weniger würden. Umso wichtiger für die Artenvielfalt seien deshalb Landschaften wie das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“, wo die Natur noch Natur sein darf und natürliche Lebensräume für zum Teil seltene und bedrohte Pflanzen und Tiere, so auch für Schmetterlinge und Wildbienen, vorhanden sind und erhalten werden, betonten Erwin Scheuchl und Wolfgang Willner, die vor kurzem ein 900-seitiges „Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas“ erarbeitet haben

Quelle: Landshuter Zeitung vom 26.07.2016

Orientierung in der Schwammerlschwemme

Pilzkundliche Wanderung des Bundes Naturschutz mit Alfred Hussong

Pilze sind merkwürdige Wesen, weder richtige Pflanzen noch Tiere, noch richtig greifbar. Wenn man etwas zu wissen glaubt, wird es schon wieder in Zweifel gezogen, und je mehr man weiß, desto vorsichtiger wird man. Bei herrlich sonnigem Wetter ging es am 3. Oktober 2014 zur alljährlichen Pilzexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe in einen Wald bei Oberaichbach, wobei die zahlreichen Teilnehmer fast über die allgegenwärtigen Schwammerl stolperten und der Exkursionsleiter kaum mit dem Erklären nachkam.

Alfred Hussong gilt in Bayern als hervorragender Experte im mykologischen Bereich, und er parierte souverän die unablässig auf ihn einprasselnden Fragen und Bestimmungswünsche. Er gab einen Überblick über die Systematik, wie Röhren-, Lamellen- und Nichtblätterpilze, verwies auf wichtige Merkmale wie Farbe, Beschaffenheit oder Geruch und beschrieb die einzigartige Symbiose, die viele Pilze mit Bäumen eingehen – zum beiderseitigen Vorteil. Dabei streute er immer wieder allgemeine Tipps ein, etwa den, von weißen Pilzen beim Sammeln die Finger zu lassen; ebenso von ganz jungen (die ihre typischen Merkmale noch nicht so ausgeprägt haben) und auch von den alten, die ohnehin meist arg zerfressen sind. Anfassen könne man Schwammerl im übrigen immer, da es bei diesen keine Kontaktgifte gebe. Auch auf den Schutzstatus und überhaupt die ungemein große Bedeutung im Naturhaushalt kam Hussong zu sprechen: Ohne Pilze würde das organische Material nicht mehr zerlegt und zersetzt und wir würden im „Abfall“ regelrecht ersticken.

Natürlich wurden etliche genießbare Pilze gefunden, vor allem von den eifrigen ausschwärmenden Kindern. Als Beispiele seien genannt die düstere Totentrompete, die gern bei Buchen wächst, der heuer ganz häufige, sehr dekorative Violette Lacktrichterling, der allerdings eventuell mit dem Rettichhelmling verwechselt werden könnte oder die Riesenschirmlinge, die jedoch im Jugendstadium noch ganz anders aussehen und von giftigen Doppelgängern nicht klar zu unterscheiden sind. Ein guter Speisepilz, so Hussong, sei auch der mehrfach gefundene Trompetenpfifferling, der stets gesellig auftritt und auf der Hutunterseite adrige Leisten aufweist. Auch ein kleineres Exemplar der Krausen Glucke wurde vorgeführt, die oft die Stümpfe alter Kiefern befällt. Am Beispiel des Stockschwämmchens, das öfter in riesiger Anzahl wächst, verdeutlichte der Pilzfachmann, wie gefährlich es werden kann, wenn man zu sicher oder zu nachlässig ist und nicht genau die arttypischen Merkmale „abklopft“: An gleicher Stelle könnte auch der täuschend ähnliche Gifthäubling vorkommen, der nur am Stiel unwesentlich anders aussieht als das genießbare Stockschwämmchen und der außerdem mehlartig riecht.

In diesem Jahr, so der Pilzexperte, habe es Giftnotrufe in noch nie gekannter Häufigkeit gegeben, was natürlich mit der Schwammerlfülle und der langen Saison zusammenhängt. Nahrungssuche oder gar Gier auf gut gefüllte Körbe sollten freilich ohnehin nicht im Vordergrund stehen, eher schon die Freude und das Staunen über die unfassbare Vielgestaltigkeit dieser Organismen. Sie lässt erahnen, wie vielfältig die Natur auch in anderen Bereichen früher einmal war und was alles gedeihen könnte, wenn der Mensch es zuließe. Mehrere Exkursionsteilnehmer indes wirkten etwas überfordert angesichts der schieren Masse an unterschiedlichen und doch ähnlich daherkommenden Fundstücke, aber Hussong erwies sich als „Türöffner“ für dieses Riesenreich, indem er Struktur und Orientierung zu geben versuchte. Wer will, kann selber weitergehen und sich – Schritt für Schritt – eine neue Welt erschließen.

In die Wunderwelt der Pilze

Pilzkundliche Exkursion des Bundes Naturschutz mit Alfred Hussong

Geisenhausen. Pilze sind ein ebenso kompliziertes wie faszinierendes Betätigungsfeld. Weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren gehörig, bilden sie ihr eigenes Reich. Ihre Spuren – und ihre Sporen – finden sich fast überall, nicht nur im Wald, wo sie als Materialabräumer dafür sorgen, dass nicht alles im „Abfall“ erstickt. Eine kleine Teilgruppe davon, die Ständerpilze – erkennbar an Hut und Stiel – bestechen oft durch ihre aparte Schönheit. Davon konnten sich die rund 60 erschienenen Teilnehmer einer naturkundlichen Bund-Naturschutz-Exkursion überzeugen, die unter der Leitung des staatlichen Pilzsachverständigen Alfred Hussong am 3. Oktober 2012 einen Wald bei Geisenhausen durchstreiften.

Zu Beginn gab Hussong einen groben Überblick über die unfassbare Vielfalt der Pilze und teilte sie in Gruppen ein. Viele Arten lassen sich nur mittels Lupe, über das Sporenpulver und mit viel Erfahrung bestimmen, und je mehr man über Pilze weiß, desto vorsichtiger und demütiger wird man. Knapp zehntausend Großpilzarten gibt es in Mitteleuropa, und noch immer werden welche neu entdeckt. Während insbesondere die Kinder unermüdlich ausschwärmten und unterschiedlichste Schwammerl herbeitrugen, erläuterte Hussong sachkundig und anschaulich deren Besonderheiten und ordnete sie in der Systematik ein, zum Beispiel zu den Röhrlingen, zu den Täublingen, zu den Schirmpilzen und zu weiteren Arten. Zur – oft nur annähernden – Bestimmung gilt es, alle Sinne einzusetzen, zumal der optische Eindruck (Größe, Farbe und Form) je nach Reifestadium und Standort sehr wandelbar sein kann. Man muss tasten und reiben, riechen, schmecken (und ausspucken). Von vielen sammelbaren, schmackhaften Pilzen gibt es ungenießbare oder giftige Doppelgänger und wer etwas in den Sammelkorb legt, das er nicht ganz sicher ansprechen kann, spiele sozusagen Russisches Roulette. Der Mykologe Hussong präsentierte auch zwei der gefährlichsten heimischen Giftpilze, den Grünen Knollenblätterpilz sowie den Spitzgebuckelten Raukopf. Bei letzterem treten die Vergiftungserscheinungen erst nach einer Latenzzeit von zwei Wochen auf, dann freilich ist es zu spät: die Schädigung der Nieren ist dann zu weit fortgeschritten...  

Obwohl viele Teilnehmer aufgrund der enormen Kenntnisse des Exkursionsleiters hinsichtlich Genießbarkeit auch der „dubiosesten“ Lamellenpilze ihre Körbchen leidlich füllen konnten, stand dies nicht im Vordergrund der Wanderung. Es ging bei der Exkursion vielmehr um intensive Naturerfahrung, Sinnesschulung und Horizonterweiterung. Ein Raunen und Staunen erzeugte Hussong etwa, als er einen dickschaligen Kartoffelbovist aufschnitt und der tiefschwarze Kern zutage trat oder als das „Hexenei“, der Stinkmorchel, nach dem Aufschneiden sein seltsames olivgrün-weißes Inneres preisgab. Weniger spektakulär, aber durchaus schön unter der Lupe war der dezente Rote Pustelpilz, der etwa so klein wie ein Mohnsamen an morschen Zweigen haftet. Und eindrucksvoll intensiv präsentierte sich ein zerriebener Gelber Knollenblätterpilz mit seinem geradezu nostalgischen Geruch nach Kartoffelkeller.  

Nach knapp zweieinhalb Stunden im sonnendurchfluteten Wald endete die Exkursion, und manch einer stand unter dem Bann dieser bizarren Lebewesen und erkannte, dass das allzu menschliche Kriterium „ungenießbar beziehungsweise wohlschmeckend“ unendlich dürftig ist und der Wunderwelt der Pilze mitnichten gerecht wird.

Die großen Abräumer

Pilzkundliche Exkursion – Ehrung Rudolf Boesmiller

Als hervorragender Kenner der Materie leitet Rudolf Boesmiller seit 22 Jahren die stets im Herbst stattfindende Pilzexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe – heuer am 10. Oktober zum letzten Mal. Stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer dankte vor Exkursionsbeginn Rudolf Boesmiller für seine langjährige Tätigkeit für den Bund Naturschutz und ehrte ihn für seine Verdienste um die Pilzkunde mit der BN-Linde-Kachel. Gleichzeitig stellte er den zukünftigen Leiter der pilzkundlichen Exkursionen, Alfred Hussong aus Niederaichbach, vor. Boesmiller hatte sich für die diesjährige Exkursion einen Hangwald südlich von Landshut ausgesucht, im Vorfeld die Gegend erkundigt und die zu erwartenden Arten auf einem Informationsblatt aufgelistet, zusammen mit der Systematik dieser rätselhaften Organismen.

Die zahlreichen Teilnehmer hatten also, als sie durchs herbstliche Gelände streiften, die lateinischen Pilznamen vor sich, und daneben jeweils die weniger aussagekräftigen deutschen. Boesmiller erklärte, dass man durch die lateinischen Namen sogleich die Gattungszugehörigkeit und damit die Verwandtschaften erkennt. Die deutschen Namen seien zwar leichter zugänglich und teilweise amüsant, dafür aber auch sperrig oder sogar irreführend. Pilze richten sich nämlich nicht nach den ihnen zugeteilten Namen, sie machen sozusagen, was sie wollen und variieren enorm in Aussehen, Form und Farbe. Daher sei auch die Bestimmung in vielen Fällen viel komplizierter als vom Laien vermutet, der sich gern einfach auf eine Abbildung aus dem Pilzbuch stützen möchte. Man müsse aber bereits den Fundstandort genau begutachten, ferner den ganzen Pilz und nicht nur den Hut mitnehmen und eventuell über einige Tage das Sporenpulver auf einem Papier sammeln und die exakte Farbe vergleichen. Neben den vier Sinnen Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten seien oft genug auch Lupe und Mikroskop erforderlich, um sich im Riesenreich der Pilze halbwegs zurechtzufinden. Wer etwas in seinen Korb legt und verzehrt, was er nicht ganz sicher kennt, darf nicht dem Pilz die Schuld geben. Dieser übernimmt keinerlei Verantwortung für Unverträglichkeit und Giftigkeit, betonte Boesmiller.

Systematisch werden Pilze in niedere und höhere Pilze gegliedert, und letztere wiederum unter anderem in Schlauchpilze (Ascomycetes) sowie Ständerpilze (Basiomycetes). Allein diese beiden Gruppen umfassen weltweit über 30000 Arten. Die Basiomycetes bilden die höchstentwickelte – und auch bei Menschen beliebteste – Gruppe. Hierzu gehören die „klassischen Schwammerl“ mit auffälliger, oft sehr dekorativer Fruchtkörperbildung. Vom wesentlichen Teil der Pilze, dem Myzel, sieht man freilich nichts. Unterirdisch verteilen sich die Pilzfäden, zum Teil in einem riesigen Geflecht, das Hunderte von Jahren alt werden kann. Bei der Begutachtung eines Hallimasches an einem Baumstumpf erklärte der Exkursionsleiter, dass ein in den USA beheimateter Hallimasch das vermutlich größte und mit 1500 Jahren das älteste Lebewesen auf unserem Planeten ist. Winzig klein und unscheinbar sind hingegen viele Ascomycetes, beispielsweise der auf vermodernden Zweigen häufige zinnoberrote Pustelpilz (Nectria cinnabarina), der unter der Lupe betrachtet einer Himbeere ähnelt.

Die ureigenste Aufgabe der Pilze besteht darin, Holz zu „fressen“, organisches Material wieder dem ewigen Kreislauf zuzuführen. Sie sind also in Wald und Flur die großen Abräumer, ohne sie würde alles im Abfall ersticken. Unerlässlich ist hierbei natürlich die Feuchtigkeit. Deshalb ist in einem so trockenen Spätsommer wie heuer bis Anfang Oktober die Speisepilzausbeute sehr dürftig, wie rasch festgestellt wurde: Trotz vieler Augen und gesenkter Köpfe wurde nur ein einziger Maronenpilz gefunden. Speisepilzsuche beziehungsweise die sehr menschlichen Merkmale „giftig, ungenießbar, essbar, wohlschmeckend“ standen allerdings ohnehin nicht im Mittelpunkt der pilzkundlichen Exkursion. Begeisterung für diese wundersamen und faszinierenden Organismen muss nicht durch den Magen gehen, und naturwissenschaftliches Interesse hat wenig mit Verwertbarkeit in Kochtopf und Pfanne zu tun.