Zur Startseite

Netzwerk Natur und Umwelt

Für die Wildbienen aktiv

Kindergartenkinder und Bund Naturschutz bauen Wildbienen-„Hotel“

In der Kinderinsel Landshut-Auloh tut sich so manches in Bezug auf Naturvielfalt. Verschiedenste Sträucher bieten Lebensraum und Nahrung für einheimische Wildbienen und andere Insekten. Wildblumen und Kräuter sollen heuer als Nahrung angesät werden. Was noch fehlt, ist ein sogenanntes Wildbienen-Hotel, welches für jede Art eigene Brutkammern anbieten soll.

Das sollte sich ändern, und so nahm Miriam Merz, Leiterin des Kindergartens, mit dem BUND Naturschutz Kontakt auf. Nach einigen Vorgesprächen besuchte Erwin Scheuchl, europaweit bekannter Wildbienenspezialist aus Landshut, und Brigitte Englbrecht, BN-Geschäftsstellenleiterin die Kinderinsel. Es war kaltes Wetter, aber das hielt die Kinder und einige Mütter nicht ab, im Garten am Wildbienen-„Hotel“ zu arbeiten. Unter Anleitung des Spezialisten waren die Kinder mit den Erwachsenen eifrig bei der Arbeit.

Für Erwin Scheuchl ist es sehr wichtig, dass immer die richtigen Materialien verwendet werden, damit ein Wildbienen-„Hotel“ auch von den Insekten angenommen wird. Wichtig sei, dass nur Hartholz verwendet werde, in welchem die Löcher von zwei bis zehn Millimeter Durchmesser gebohrt werden. Bohrmehl und Holzfasern seien dabei immer gut zu entfernen. Es können Baumstämme, dicke Äste oder ähnliches verwendet werden. Man könne auch hole Pflanzenstängel mit einer Länge von acht bis 20 Zentimeter bündeln, und auch markhaltige Pflanzenstängel wie von Holunder, Himbeere, Rose werden von etlichen Bienenarten als Nistmöglichkeit angenommen. Möglich sei auch, Ziegel aus gebranntem oder luftgetrocknetem Lehm zu verwenden. Man soll drei bis neun Millimeter breite Löcher bohren, oder noch besser bereits vor dem Brennen bzw. Trocknen mit einer Stricknadel oder einem ähnlichen Gegenstand einstechen. Sehr wichtig, so Scheuchl, sei es, dass beim Bohren und bei den Pflanzenstängeln immer die Rückseite verschlossen sei. Das heißt also, nie ganz durchbohren und die Knoten der Stengel sollen sich am hinteren Ende befinden.

Die Kinder halfen beim Fertigen der Materialien und stapelten sie in einen vorgefertigten Rahmen. Die Ziegel mussten aus Mangel an Steinbohrern vorerst ohne Löcher eingepasst werden. Die eingeplanten zwei Stunden waren im Nu vorbei, und Miriam Merz bemerkte, dass das „Hotel“ in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter gefüllt werden solle. So sei noch Platz für mit Sand vermischten Lehm, der – ebenso mit Löchern versehen – denjenigen Bienenarten eine Heimstätte bietet, die bevorzugt in Steilwänden und Abbruchkanten nisten <s> -</s> und in die Ziegel sollen natürlich auch noch die fehlenden Nistlöcher gebohrt werden.

Wildbienen aus dem Mittelmeergebiet

Landshut 03.08.2017. Die diesjährige insektenkundliche Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe führte in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“, bei der Tagfalterspezialist Wolfgang Willner und Wildbienenkundler Erwin Scheuchl den Teilnehmern die spannende Lebensweise dieser Insektengruppen nahebrachten. Gleich am Treffpunkt wurden die dort vor einigen Jahren aufgestellten Nisthilfen, bestehend aus mit Bohrungen versehenen Baumscheiben, inspiziert. Zahlreiche Bohrlöcher waren von Wildbienen und Grabwespen mit Lehm verschlossen worden, um die dahinter befindlichen Brutzellen vor Parasiten und Fressfeinden zu schützen. In den Brutzellen entwickeln sich die Nachkommen dieser Insekten vom Ei über Larve und Puppe zum fertigen Insekt. Da einige der Teilnehmer sich beklagten, dass sie in ihrem Garten Nisthilfen aufgestellt hätten, diese aber nicht besiedelt würden, erläuterte Scheuchl die Faktoren, die für den Bau von funktionstüchtigen Nisthilfen wichtig sind. Im Handel erhältliche Nisthilfen würden häufig aus ungeeigneten Materialien und ohne jegliche Kenntnis der Biologie der „Mieter“ gefertigt, so dass der Frust oft vorprogrammiert sei. Das Faltblatt „BN-Ökotipp Wildbienen“ helfe hier weiter, so Scheuchl.

Einen der häufigsten Falter im Gebiet, den Braunen Waldvoge,l konnten die Exkursionsteilnehmer beobachten. Auch auf Schachbrettfalter, Kleinen Kohlweißling, Admiral und das Große Ochsenauge machte Schmetterlingsexperte Wolfgang Willner aufmerksam. Sehr viel seltener waren der Hauhechel-Bläuling oder der Zitronenfalter zu finden. An den für Wildbienen aufbereiteten Offenbodenbereichen war eine Besonderheit in größerer Anzahl zu entdecken, der Deutsche Sandlaufkäfer, eine Rarität der heimischen Laufkäfer, die im Naturschutzgebiet direkt von den Biotopverbesserungsmaßnahmen für Wildbienen profitieren. Neben der intensiven Landbewirtschaftung führe auch die warme und trockene Witterung im Zuge des Klimawandels gebietsweise zu vielen, zum großen Teil negativen Veränderungen im Auftreten von Schmetterlingen und deren Nahrungsgrundlagen, den Pflanzen, gab Willner zu bedenken.

Im weiteren Verlauf der Exkursion konnten etliche Wildbienenarten gesichtet werden, viele von ihnen extreme Spezialisten, wie die Knautien-Sandbiene, deren einzige Nahrungsgrundlage der Pollen von Knautien und Skabiosen ist, oder die Glockenblumen-Scherenbiene, die ausschließlich auf Glockenblumen sammelt. Einen der Gründe für den extremen Rückgang der heimischen Artenvielfalt konnten die Teilnehmer sozusagen am Wegrand beobachten: Wo vor einigen Jahren noch blütenreiche Säume standen, war nun fast alles von Gras überwuchert und nur wenige Blüten waren zu sehen. Selbst in Naturschutzgebieten, die wie der ehemalige Standortübungsplatz optimal gepflegt werden, bewirke der starke Stickstoffeintrag aus der Luft eine fortschreitende Überdüngung des Bodens, so dass am Ende nur noch stickstoffliebende Pflanzen wie Gräser überleben können. Artenreiche Lebensgesellschaften brauchen jedoch nährstoffarme Böden, so Erwin Scheuchl.

Gegen Ende der Exkursion führten die Referenten die Teilnehmer zu einem ganz besonderen Areal: Hier hat sich die erst seit 2009 in Bayern aufgetauchte Langlebige Schmalbiene angesiedelt. Anders als die meisten anderen Wildbienen lebt sie in Staaten, aber im Gegensatz zu den anderen sozialen Wildbienen, deren Nestgemeinschaft nur ein Jahr lang existiert, wird die Königin der Langlebigen Schmalbiene fünf bis sechs Jahre alt. Ihr Staat umfasst im ersten Jahr kaum ein Dutzend Tiere, wächst aber Jahr um Jahr, bis er im fünften Jahr über fünfhundert zählt. Erst in diesem Stadium werden auch Männchen produziert. Die Art stammt aus dem Mittelmeergebiet und hat ihren jahreszeitlichen Rhythmus beibehalten: Sie fliegt nur im Frühjahr und zieht sich im Frühsommer, wenn im Süden alles vertrocknet, in das Nest zurück, wo sie bis zum nächsten Frühjahr bleibt. Da sie im Landshuter Naturschutzgebiet optimale Lebensbedingungen vorfindet, fliegt sie im Frühjahr dort zu Zehntausenden herum – ein Naturschauspiel, das in Bayern sonst nur noch an der Donau bei Pleinting zu bewundern ist.

Wildbienen brauchen Hilfe

Bund Naturschutz stellt neues Faltblatt zum Schutz der Wildbienen vor

Landshut. „Wildbienen – unersetzlich und stark bedroht“ heißt der Titel eines neuen Faltblattes, das die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut herausgebracht hat. Der Text des 12-seitigen „Ökotipp Wildbienen“ wurde von dem Landshuter Wildbienenkundler Erwin Scheuchl verfasst. Die Fotos von Wildbienenarten stammen von dem Autor und von Johannes Selmansberger aus Vilsheim. Der Wildbienenfachmann informiert in der Broschüre umfassend über die Lebensweise der heimischen Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, und hebt ihre enorme Bedeutung für den Naturhaushalt hervor. So bestäuben einige Wildbienenarten und Hummeln Blüten noch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, wenn Honigbienen den Stock schon längst nicht mehr verlassen. Auch auf die Gefährdung dieser Hautflügler weist Erwin Scheuchl hin. In Bayern waren knapp 520 Arten heimisch, 40 davon sind bereits verschwunden. Insgesamt sind 64 Prozent aller Wildbienenarten in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten in Bayern aufgeführt. Eine Ursache dafür sei die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung, heißt es in der Broschüre.

Insbesondere der Mangel an geeigneten Nistplätzen mache den Wildbienen zu schaffen. Deshalb wird im „Ökotipp Wildbienen“ in Wort und Bild erklärt, wie Nisthilfen verschiedenster Bauweisen wildbienengerecht selbst gebaut und in Hausgärten und auf Balkonen aufgestellt werden können. Wildbienenschutz bedeute in erster Linie jedoch Schutz ihrer Lebensräume. Neben klimatischen Gegebenheiten stellen Wildbienen an ihr Habitat zwei Hauptbedingungen: Es muss geeignete Nistplätze und ein ausreichendes Angebot an Futterpflanzen enthalten, informiert Scheuchl.

Paul Riederer, Artenschutzbeauftragter der BN-Kreisgruppe, erinnert daran, dass auf  Initiative der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe geeignete Lebensräume für viele, zum Teil sehr seltene Wildbienenarten durch die Ausweisung des ehemaligen Landshuter Truppenübungsplatzes als Naturschutzgebiet erhalten und geschaffen worden seien. Das Naturschutzgebiet habe deshalb als Wildbienen-Habitat sogar landesweite Bedeutung.

Den „Ökotipp Wildbienen“ gibt es kostenlos in der Geschäftsstelle der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut, Altstadt 105 (Nähe Narrenbrunnen); geöffnet Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17 Uhr.

Waldameisen – Fleißige Nützlinge im Wald (2019)

Naturkundliche Exkursion von Bund Naturschutz und Volkshochschule

Vilsbiburg, 5.5.2019: Eine naturkundliche Exkursion zum Thema „Waldameisen“ veranstalteten gemeinsam der Bund Naturschutz und die Volkshochschule Vilsbiburg. Referent Hartmut Mehner von der Ameisenschutzwarte führte die Teilnehmer zu einem Nesthügel der Großen Roten Waldameise im Frauenholz bei Vilsbiburg.

Waldameisen gehören wie die Honigbienen zu den Staaten bildenden Insekten, so Mehner. Sie leben in einer Gemeinschaft, für die eine umfangreiche Arbeitsteilung kennzeichnend sei. Die Hauptmasse im Waldameisenstaat werde von den Arbeiterinnen gebildet, dabei handele es sich um ungeflügelte, nicht begattungsfähige Weibchen, so der Ameisenspezialist. Das mehr oder weniger große oberirdische kuppelartige Nest und der unterirdische, bis über einem Meter tiefe Nestbereich mit den Brutkammern bieten, je nach Art, manchmal mehr als einer Million Waldameisen Schutz vor Feinden und Witterungsunbilden. Hartmut Mehner schätzte die Anzahl der Tiere dieses Ameisenvolks auf mehrere Hunderttausend, die sich untereinander an einem typischen Geruch erkennen und deren Revier sich bis zu 100 Metern um das Nest erstreckt. Im Nesthügel der Großen Roten Waldameise lebt nur eine Königin, bei anderen Arten können es bis zu Einhundert sein. Auch bauen nicht alle Waldameisenarten derartige Nesthügel, manche leben als Baumbewohner im Holz, andere nisten unter Steinen oder bauen reine Erdnester. Das Nahrungsspektrum der hügelbauenden Waldameisen, so der Experte, umfasse in Mischwaldbeständen etwa 2/3 Honigtau und 1/3 Insekten. Den Honigtau gewännen die Waldameisen von den verschiedenen Rinden-und Blattläusen auf Bäumen, die aus den Leitungsbahnen der Bäume hochwertigen Siebröhrensaft saugen, und überschüssigen Zucker in Form von Tröpfchen wieder ausscheiden. Daneben erbeuten die Waldameisen als Jägerinnen eine große Zahl von Schadinsekten und leisten damit einen wichtigen  Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung für die Forstwirtschaft, zudem verbreiten sie weit über 100 Pflanzenarten in unseren Wäldern, wie Veilchen, Taubnessel, Buschwindröschen und viele andere ,was die gesamte Biodiversität  positiv beeinflusse, so der Ameisenfachmann. Fast alle Waldameisenarten, stehen seit vielen Jahren unter strengem Schutz. Trotzdem seien die Waldameisen in weiten Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes stark dezimiert worden, gab Mehner zu bedenken. Die Ursachen für den Bestandsrückgang seien vielfältig. Infolge ihrer stationären Dauernester seien die Waldameisen massiven Eingriffen in ihren Lebensraum ausgeliefert. Neben Naturkatastrophen gefährde in erster Linie der Mensch durch Baumaßnahmen und Forstarbeiten sowie durch den Eintrag von Pestiziden die Lebensräume und Lebensgrundlagen der Waldameisen.

Bei einem kurzen Rundgang konnten auch noch zwei weiter Arten von Waldameisen gefunden werden, die Kleine Rote Waldameise und die Blutrote Raubameise.

 

Auch Libellen werden immer weniger

Wörth/Isar 16.07.2017. Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schätzen“ organisierte die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe am Sonntag, 16. Juli, eine naturkundliche Exkursion zu Lebensräumen heimischer Libellenarten in der Wörther Au. Bei idealem Sonnenwetter führte der Libellenexperte Herwig Leinsinger die Teilnehmer an den Mühlbach, zu einem Kiesweiher sowie an die Isar und erläuterte die Merkmale, die Biologie und die Gefährdung dieser großartigen Flugkünstler.

In Deutschland gibt es derzeit 81 verschiedene Libellenarten, davon 74 in Bayern, so der Referent. Leider stelle man fest, dass unter dem Einsatz von Pestiziden in der intensiven Landbewirtschaftung nicht nur Bienen, Schmetterlinge und weitere Insektenarten leiden, sondern auch die Libellen. Ihnen werde dadurch regelrecht die Nahrungsgrundlage entzogen, da sie sich von Insekten ernähren. Die Anzahl der Individuen je Libellenart sinke deutlich, stellte der Libellenkundler fest. Um so mehr freuten sich die interessierten Teilnehmer, dass während der Exkursion einige Arten dieser „fliegenden Edelsteine“ zu sehen waren. Während am Mühlbach ein Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle zu bewundern war, konnten an einem Weiher mehrere blaue Kleinlibellen, wie die Federlibelle, die Hufeisen-Azurjungfer und die Gemeine Becherjungfer beobachtet werden. Auch auf die Große Pechlibelle konnte Leinsinger aufmerksam machen. Eine Besonderheit, die Polarazurjungfer, wurde entdeckt. Sie hat sich erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit bei uns, aus Westeuropa  kommend, ausgebreitet, informierte der Referent.                                                                    

Der Libellenexperte wusste auch über die Biologie der Libellen Interessantes zu berichten: So legen die meisten Libellen ihre Eier im Sommer am oder im Gewässer ab und sterben vor dem Winter. Nicht so die Winterlibellen, sie überleben den Winter, sie pflanzen sich im Frühjahr fort und sterben im Sommer. Es gebe auch Libellenarten, denen der Klimawandel zu schaffen mache, so Leinsinger. Die Braune Mosaikjungfer und das Große Granatauge seien solche Arten. Da sie kühlere Temperaturen bevorzugen, nehmen sie derzeit wegen des Temperaturanstiegs im Bestand ab, oder ziehen sich in höher gelegene Gewässer und Moore zurück. Von der Erwärmung und den durch Kiesabbau entstandenen Gewässern hingegen profitiert das Kleine Granatauge, welches auf den Algenwatten zahlreich beobachtet werden konnte. Diese Libellenart habe ihren Namen von den großen roten Augen links und rechts vom Kopf, informierte der Libellenexperte. Im weiteren Verlauf der Exkursion waren eine Blutrote Heidelibelle, mehrere Gebänderte Prachtlibellen, die Große und Kleine Königslibelle sowie eine frisch geschlüpfte Kleine Binsenjungfer zu bewundern. Die kleine Binsenjungfer ist eine im Landkreis Landshut sehr seltene, stark gefährdete Art. An der Isar schließlich konnte Leinsinger die Exkursionsteilnehmer auf die Frühe Heidelibelle, die Kleine Königslibelle und die Kleine Zangenlibelle im Flug aufmerksam machen. Die Kleine Zangenlibelle, eine ursprünglich stark gefährdete Art, gehöre zu den wenigen Arten, deren Bestände in den letzten 30 Jahren erfreulicherweise deutlich zugenommen haben. Grund dafür ist auch die Verbesserung der Gewässergüte in einigen unserer Fließgewässer. Ein Beispiel, das zeigt, dass durch entsprechende Maßnahmen im Artenschutz viel erreicht werden kann., so der Libellenkundler.

Waldameisen – fleißige Nützlinge im Wald (2017)

Weihbüchl 07.05.2017. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schätzen“ der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe fand am Sonntag, 7. Mai 2017, eine Exkursion zum Thema „Waldameisen“ statt. In Weihbüchl bei Landshut konnte Klaus Wiedmann von der BN-Kreisgruppe neben einer Gruppe Naturinteressierter den Ameisenspezialisten Hartmut Mehner von der Ameisenschutzwarte als Referenten begrüssen. Zur Einführung erklärte der Ameisenspezialist, dass die Waldameisen, wie die Honigbienen, zu den staatenbildenden Insekten gehörten. Alle hügelbauenden Waldameisen, außer der Blutroten Raubameise, zählen in Deutschland zu den besonders geschützten Arten.

Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten die Exkursionsteilnehmer einen Ameisenhügel der Kahlrückigen Waldameise am Waldrand des Weihbücheler Holzes. In Deutschland gibt es etwa hundert Ameisenarten, während die Gruppe der hügelbauenden Waldameisen im Landkreis Landshut nur mit vier Arten vertreten sei, so der Ameisenfachmann. Den Kern des Waldameisennestes bilde sehr häufig ein Baumstrunk. Nach unten erstrecke sich das Nest manchmal zwei Meter tief durch die Humusschicht in den Mineralboden hinein. Bis zu einer Million Arbeiterinnen leben im Nest der Kahlrückigen Waldameise und es bestehe eine ausgeprägte Arbeitsteilung, erklärte Hartmut Mehner. Die einen seien für die Brutpflege zuständig, andere für den ständigen Nestumbau, um eine konstante Innentemperatur zu erhalten. Wieder andere durchstreiften die Umgebung des Nestes in einem Umkreis bis zu 100 Meter, um in den Baumkronen Honigtau zu sammeln, den saftsaugende Blatt- und Rindenläuse absondern. Wieder andere Arbeiterinnen erbeuten als Jägerinnen Insekten, Raupen und andere Kleintiere. Dabei mache der Honigtau zwei Drittel, die Insektenbeute ein Drittel der Nahrung aus, erläuterte der Fachmann. Die Ameisenköniginnen hätten die Aufgabe, Eier zu legen. Bei der Kahlrückigen Waldameise könnten bis zu 100 Königinnen in einem Nest leben. Würden es zu viele, so ziehe ein Teil des Ameisenstaates aus und bilde in der Nähe ein Tochternest, informierte Mehner.

Im Frühjahr legen die Königinnen ihre ersten Eier, aus denen sich durch besonderes Futter die geflügelten Geschlechtstiere entwickeln. Die Weibchen entstehen aus befruchteten Eiern, die Männchen aus unbefruchteten. Bei der Begattung erhalten die Weibchen einen Samenvorrat, der für ihr gesamtes Leben ausreicht – bis zu 25 Jahre. Die Männchen sterben nach der Begattung, die Weibchen brechen ihre Flügel ab und ziehen sich in den unterirdischen Bereich des Nestes zurück, wo sie täglich bis zum Herbst bis zu 30 Eier legen, aus denen ausschließlich Arbeiterinnen werden, erklärte der Referent. Mehner erläuterte weiter, dass die Waldameisen durch das Vertilgen von zahlreichen Schadinsekten einen wichtigen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung für die Forstwirtschaft leisteten und deshalb schon seit 200 Jahren geschützt seien.

Klaus Wiedmann, Fachbeirat für Wald bei der BN-Kreisgruppe, wies darauf hin, dass die vielfältige Vernetzung der Waldameisen mit der Pflanzen- und Tierwelt des Waldes diese Tiergruppe zu einem wichtigen Schlüsselglied im Ökosystem Wald mache. In Zeiten des Klimawandels werde dabei vor allem deutlich, dass ein Waldumbau, weg von eintönigen Fichtenmonokulturen hin zu einem ökologisch stabilen Mischwald, die große Herausforderung unserer Zeit sei.

Fleißige Insekten schützen den Wald

Bund Naturschutz organisierte Exkursion zu Waldameisenvölkern

Unter dem Motto „Leben und Schutz der Waldameisen“ veranstaltete die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe in Zusammenarbeit mit der Ameisenschutzwarte Bayern eine naturkundliche Wanderung in ein Waldgebiet bei Weihbüchl. In diesem Mischwald gibt es noch Vorkommen verschiedener Waldameisenarten. Michael Püls, der Vorsitzende der Kreisgruppe Landshut/Dingolfing der Ameisenschutzwarte, führte zahlreiche Interessierte zu Waldameisenvölkern. Diese Insekten seien ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems Wald und für das ökologische Gleichgewicht extrem wichtig, da sie aufgrund ihres Jagdverhaltens die Anzahl der Schadinsekten begrenzen, informierte der Ameisenspezialist. Die fleißigen Krabbler schützen den Wald vor übermäßigem Insektenfraß und tragen so zur Gesunderhaltung der Wälder bei. Große Waldameisenvölker erbeuten an einem Tag bis zu 100 000 Schadinsekten und verfüttern diese an ihre Brut. Das wirke einer Massenvermehrung von beispielsweise Borkenkäfern effektiv entgegen, stellte Püls fest.

Neben Insekten besteht die Nahrung der Ameisen noch aus Honigtau. Weiter werden auch größere Tierleichen, ausfließende Baumsäfte und Pflanzenteile verzehrt.  Den Bedarf an Honigtau decken die Ameisen durch Besuche bei den Rindenläusen ab. Ameisen, so Püls, tragen stark zu einer Verbesserung des Bodens bei. Durch den Nestbau komme es immer wieder zu einer Durchlüftung. Außerdem verwenden sie alles, was für sie transportabel ist, als Baumaterial. Sie tragen sehr viele Samen in das Nest und in den näheren Nestbereich. Durch diese Samenverschleppung wachsen in ameisenreichen Wäldern wesentlich mehr blühende Pflanzen, als in anderen Waldgebieten. Davon profitieren wiederum viele Insekten, vor allem Schwebfliegen, Schlupfwespen oder Solitärbienen. Die Waldameisen leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Der Referent ging auch auf die Biologie der Waldameisen ein: Den Winter verbringen die Ameisen im Nest, das manchmal bis zu zwei Meter tief in den Boden reicht. Wenn die Temperatur unter Plus fünf Grad absinkt, begeben sich die Ameisen in eine Kältestarre und warten auf das kommende Frühjahr. Ende Februar, Anfang März, wenn die Sonne den Schnee von der Nestkuppel weg schmilzt, erwachen die hier überwinterten Arbeiterinnen und begeben sich an die Oberfläche zur ersten, der so genannten kleinen Sonnung. Diese Arbeiterinnen wecken dann das gesamte restliche Ameisenvolk.  Man kann dann nach etwa 14 Tagen um  die Mittagszeit das ganze Volk bei der zweiten, der großen Sonnung antreffen. Von diesem Tag an beginnt die Königin mit der Eiablage. Aus diesen ersten Eiern  entwickeln sich die geflügelten Geschlechtstiere, Männchen und Weibchen. Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen die Geschlechtstiere. Anfang Mai findet der Hochzeitsflug statt. Die Königin legt täglich 30 bis 50 Eier, und das über eine Zeit von mehr als 20 Jahren. Von Mai bis Ende August ist Hochsaison in den Nestern. Die Arbeiterinnen, welche bis zu sechs Jahre alt werden können, seien mit der Brutpflege, dem Nestausbau und vor allem mit der Nahrungsbeschaffung beschäftigt. Eine Arbeiterin kann mehr als das Zwanzigfache ihres eigenen Körpergewichtes über Strecken von bis zu 70 Meter transportieren, berichtete Michael Püls.

Nach Aussagen des Ameisenkundlers gibt es in der Region Landshut derzeit nur noch etwa 70 verschiedene Ameisenarten.  Bei der Erhebung des Ameisenbestandes vor 120 Jahren habe man in Deutschland noch 480 Arten festgestellt. Dieser extreme Schwund sei vor allem auf die Ausräumung der Fluren durch die intensive Nutzung zurückzuführen, gab Püls zu bedenken. Eine wichtige Hilfe für die Ameisen wäre die verstärkte Vernetzung ihrer Lebensräume über weitere Strecken hinweg. Ein Verzicht auf großflächige Rodungen könne das Sterben ganzer Völker verhindern. Rücksichtname bei Waldwegebau, Straßenbau und Flurbereinigung wäre von nöten, meinte der Referent. Eine lebhafte Diskussion schloss sich seinen Ausführungen an.

Heuschrecken – musizierende Insekten

Zahlreiche Naturinteressierte trafen sich im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“, um bei einer Exkursion in das Gebiet Wissenswertes zur Artenvielfalt und Lebensweise der heimischen Heuschrecken – der „musizierenden Insekten“ – zu erfahren. Diese naturkundliche Exkursion unter Leitung des Biologen Christian Kainz wurde in diesem Jahr zum ersten Mal vom Bund Naturschutz im Rahmen seines umfangreichen Umweltbildungsprogramms „Natur kennen lernen, erleben und schützen“ durchgeführt.  

Zu Beginn der Exkursion erklärte der Referent, dass in Bayern nur etwa 70 Heuschreckenarten vorkommen, was verglichen mit anderen Insektenordnungen sehr wenig sei. Jedoch sei die Individuendichte der Heuschrecken auf geeigneten Magerstandorten oft enorm hoch. Bei einem Spaziergang durch eine wenig gedüngte Wiese könne man bei jedem Schritt mehrere Heuschrecken springen sehen. Zusätzlich würden sich Heuschrecken neben ihrer enormen Sprungkraft durch ihre Fähigkeit auszeichnen, Laute zu erzeugen. Dabei seien die Längen der einzeln Töne, die Variationen innerhalb einer Tonsequenz sowie die Tonhöhen so typisch für eine Art, dass das „Musizieren“ meist  ein viel besseres Bestimmungsmerkmal als beispielsweise die Körperfärbung darstelle, so Kainz.

Anhand zweier Modelle erklärte der Biologe die wesentlichen Merkmale der zwei großen Heuschreckengruppen, der Kurzfühlerschrecken einerseits und der Langfühlerschrecken andererseits. Bei der ersten Gruppe sind die Fühler – wie bereits der Name sagt – kürzer als der Körper, außerdem befinden sich die Hörorgane bei den Kurzfühlerschrecken an den Seiten des Hinterleibs. Laute werden durch Reiben der Hinterbeine an den Flügeln erzeugt. Hingegen besitzen die Langfühlerschrecken lange Fühler, die Hörorgane befinden sich an den vorderen Schienbeinen und die Lauterzeugung erfolgt durch Gegeneinanderreiben der Vorderflügel.

Bei der Exkursion konnten gleich mehrere Arten an Kurzfühlerschrecken beobachtet werden: Der Gemeine Grashüpfer ist eine der häufigsten heimischen Heuschreckenarten und auf praktisch allen Grünlandstandorten anzutreffen. Der Braune Grashüpfer sowie der Nachtigall-Grashüpfer hingegen bevorzugen nährstoffarme Standorte, wie sie im Naturschutzgebiet zahlreich vorkommen. Der nur wenige Millimeter langen Langfühler-Dornschrecke fehlt die Fähigkeit zur Lauterzeugung, dementsprechend schwer ist die Boden bewohnende, gut getarnte Art zu entdecken. Sie lebt vorwiegend in Sandgruben, Steinbrüchen und auf vegetationsarmen Trockenrasen. Bei der Exkursion konnte sie an trockenen Hügeln im oberen Teil des Naturschutzgebietes aufgespürt werden.

Ein auffälliger Vertreter der Langfühlerschrecken ist die Feldgrille, deren markantes „Kri kri kri“ an hei゚en Sommertagen im Naturschutzgebiet weit hörbar ist. Nachdem Grillen im Gegensatz zu anderen Heuschreckenarten nicht in Form von Eiern sondern als Larven überwintern, sind sie die einzigen Heuschrecken, deren Laute man bereits im Frühjahr ab Mitte Mai hören kann. Der Biologe konnte während der Exkursion weitere Arten an Langfühlerschrecken mit den Händen fangen und den Teilnehmern die jeweiligen markanten Merkmale zeigen. So zeichnet sich die häufige Gewöhnliche Strauchschrecke durch einen leuchtend gelb bis grünlich gefärbten Bauch aus, während Roesels Beißschrecke am Rand des Halsschildes eines breiten, hell gelb gefärbten  Saum besitzt. In der Laubstreu am Waldrand konnten auch die kleinen flinken Waldgrillen beobachtet werden. Nachdem diese Art erst in der Abenddämmerung zu musizieren beginnt, demonstrierte Christian Kainz  zum Abschluss der Exkursion den an Morsezeichen erinnernden Gesang der Waldgrille mithilfe eines mitgebrachten MP3-Players. Beim Rückweg durch das Naturschutzgebiet zum Ausgangspunkt der Exkursion wurden nochmals alle Augen und Ohren aufgesperrt, um vielleicht doch noch das im Naturschutzgebiet häufig vorkommende Große Heupferd – eine unserer größten Heuschreckenarten – zu entdecken, doch leider entzog sich dieses prachtvolle Insekt an diesem Tag den Blicken der Exkursionsteilnehmer.

Nachtfalterbeobachtung

Altdorf 04.07.2017. Es ist schon Tradition, dass Insektenkundler auf Einladung der Kreisgruppe des BUND Naturschutz einmal im Jahr ihre „Leuchttürme“ im Seligenthaler Klosterholz bei Gstaudach zur öffentlichen Nachtfalterbeobachtung aufstellen. Die beiden Experten Wolfgang Willner, Naturfotograf und Buchautor, und Heinrich Vogel, ehemaliger Biologielehrer, waren aus Moosburg gekommen.

Zu  abendlicher Stunde erwarteten sie zusammen mit den teilnehmenden Erwachsenen und Kindern den Anflug der nachtaktiven Schmetterlinge. Kaum war es dunkel geworden, trafen die Teilnehmer als erstes auf viele durch das Unterholz schwebende Lichtpunkte, die Glühwürmchen.  Dies sind kleine Käfer, die ihre Partner mit Hilfe von fluoreszierenden Körpersegmenten anlocken. Die beiden an verschiedenen Stellen im Wald aufgestellten, zylinderförmigen und mit Schwarzlicht beleuchteten Gazevorhänge hatten nach kurzer Zeit viele verschiedene Falter angelockt. Die Teilnehmer konnten eine kleine Auswahl der ca. 3500 bei uns vorkommenden Nachtfalterarten bewundern. Verschiedenste weiße, braune, grün-silbern schimmernde, ockerfarbene, gepunktete, gefleckte und gescheckte Falter fanden sich ein. Zünsler, Eulen, Bären, Spanner und Spinner gaben sich ein Stelldichein. Die Schmetterlingskundler wussten zu berichten, dass manche Nachtfalterarten Organe besitzen, mit deren Hilfe sie Ultraschalllaute wahrnehmen können. Dies hilft ihnen, jagenden Fledermäusen auszuweichen. Die Begeisterung war groß, als sich z. B. eine wunderschöne Roseneule (s. Bild) einfand.

Leider, so die beiden Schmetterlingskundler, sei festzustellen, dass sich in den letzten Jahren immer weniger Individuen und Arten an den Leuchtzelten einfänden. Dies ist wohl auf den allgegenwärtigen massiven Pestizideinsatz, die zurückgehende Wildpflanzenvielfalt und die Verarmung an verschiedenen Landschaftselementen zurückzuführen. Nachtfalter in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien sind Teil der Nahrungsgrundlage von Vögeln und Fledermäusen. Ihre Abnahme hinterlässt Lücken in der Nahrungspyramide der Wildtiere. Mit einer Vielfalt an heimischen Pflanzen und dem Verzicht auf den Einsatz von Chemie lässt sich auch im Garten sehr viel für das Überleben der bedrohten „Nachtschwärmer“ tun.

Bilder der abendlichen Exkursion sind hierzu finden sowie weitere Bilder ausgewählter Nachtfalter sind auf den Webseiten dieser Homepage.

„Abenteuer Faltertage“

Bund Naturschutz ruft zur Schmetterlingszählung auf

Auch im Jahr 2013 rufen der BUND Naturschutz in Bayern (BN) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unter dem Motto „Abenteuer Faltertage“ dazu auf, heimische Schmetterlinge zu beobachten und zu zählen. Ob Erwachsene, Kinder oder Schüler  – alle sind dazu eingeladen. Die Zählsaison geht bis zum 31. Oktober. Höhepunkte der Zählungen sind das Pfingstwochenende 18. bis 20. Mai sowie das Wochenende 31 August/1. September. Gezählt werden kann aber auch an anderen Tagen im eigenen Garten, in Parkanlagen oder in der freien Natur. Mit der Zählung will der BUND möglichst viele Informationen über die Verbreitung und zum Schutz der Schmetterlinge in Deutschland sammeln.

Es sollen zehn leicht bestimmbare Schmetterlingsarten gezählt werden: Schwalbenschwanz, Tagpfauenauge, Distelfalter, Admiral, Aurorafalter, Landkärtchen, Trauermantel, Kleiner Fuchs, Schachbrettfalter und Zitronenfalter. Gezählt wird mit einem Zählfaltblatt, das die Beobachtungen über einige leichte Fragen systematisch erfasst. Auf dem Faltblatt befinden sich auch die Abbildungen der gesuchten Tagfalter-Arten. Das Faltblatt kann in der Geschäftsstelle der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut, Altstadt 105 (geöffnet Dienstag, Mittwoch, Donnerstag jeweils von 14.30 bis 17 Uhr, Telefon 0871/23748) abgeholt werden. Dort gibt es auch die kostenlose Broschüre „Schmetterlinge schützen“. Das Faltblatt steht außerdem im Internet unter www.bund.net/faltertage zum Herunterladen bereit.

Die Zählergebnisse können bis spätestens 7. November an BUND e. V., „Abenteuer Faltertage“, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin gesandt, bei der BN-Geschäftsstelle abgegeben oder über www.bund.net/faltertage direkt online eingegeben werden. Am Jahresende veröffentlicht der BUND die Ergebnisse der Falterzählung im Internet.

Am Samstag, 30. Juni, veranstaltet die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe unter der Leitung von Helmut Kolbeck eine insektenkundliche Fahrrad-Exkursion zu Schmetterlingslebensräumen in der Oberen Isarau. Treffen ist um 9.30 Uhr in Landshut/Klötzlmüllerviertel, an der Holzbrücke bei den Heimgärten am Ende der Klötzlmüllerstraße.

Freiheit für Falter & Co.!

Jetzt Dachfenster öffnen – Kellerschächte kontrollieren  

Endlich ist der Frühling angekommen. Mit den jetzt spürbar steigenden Temperaturen und vermehrtem Sonnenschein erwachen nach der langen Ruhepause die Lebensgeister von Schmetterlin­gen aber auch von Marienkäfern und Flor­fliegen, die während der Wintermonate auf Dachböden und unbeheizten Räumen Unterschlupf suchten. Diese „Untermieter“ wollen jetzt in die freie Natur. Bleiben nun aber Fenster und Dachluken noch längere Zeit geschlossen, bedeutet dies häufig den Tod für die Falter, die dem Licht entgegenfliegen und dabei immer wieder an die Glasschei­ben stoßen. Viele Schmetterlinge sterben dann an Er­schöpfung. Um das zu vermeiden, bittet Artenschutzbeauftragter Paul Riederer von der Bund-Natur­schutz-Kreisgruppe alle Hausbesitzer, jetzt bei sonnigem, warmem Wet­ter täglich wenigstens für einige Stunden die Dach­fenster zu öffnen.                                                                                                 

Ebenso erinnert Paul Riederer daran, jetzt auch die Kellerschächte nach hineingefallenen und dort überwinterten Tieren zu kon­trollieren. Dies trifft vor allem für Kröten, Frösche, Molche und Blindschleichen zu. Diese können sich aus eigener Kraft aus ihrem „Gefängnis“ nicht befreien und brauchen die Hilfe der menschlichen Hand, um in die Freiheit zu ge­langen. 

Den Tieren Freiheit gewähren!

Dachböden und unbeheizte Räume dienten Schmetterlingen aber auch den sehr nützlichen Marienkäfern und Florfliegen während der kalten Wintermonate als Unterschlupf. Mit jetzt spürbar steigenden Temperaturen und vermehrtem Sonnenschein erwachen nach der langen Ruhepause die Lebensgeister dieser Insekten wieder. Sie wollen jetzt in die freie Natur. Bleiben nun aber Fenster und Dachluken noch längere Zeit geschlossen, bedeutet dies häufig den Tod für die Falter, die dem Licht entgegenfliegen und dabei immer wieder an die Glasscheiben stoßen. Viele Schmetterlinge sterben dann an Erschöpfung. Um das zu vermeiden, bittet der Bund Naturschutz (BN) alle Hausbesitzer, bei sonnigem, warmem Wetter täglich wenigstens für einige Stunden die Dachfenster zumindest einen Spalt weit zu öffnen.
Ebenso erinnert der Bund Naturschutz daran, jetzt auch die Kellerschächte nach hineingefallenen und dort überwinterten Tieren zu kontrollieren. Dies trifft vor allem für Kröten, Frösche, Molche und Blindschleichen zu. Diese können sich aus eigener Kraft aus ihrem „Gefängnis“ nicht befreien und brauchen die Hilfe der menschlichen Hand, um in die Freiheit zu gelangen.
Was Gartenbesitzer für einen aktiven Schmetterlingsschutz tun können, beschreibt das Infoblatt „Schmetterlingshege im Garten“, das neben weiteren Infoblättern in der Geschäftsstelle der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut (Altstadt 105, Nähe Narrenbrunnen, geöffnet Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 14.30 bis 17 Uhr) kostenlos erhältlich ist.

Hornissen-Berater klären über die Insekten auf und versetzen im Ausnahmefall ihre Nester

Bericht aus der Landshuter Zeitung vom 20.8.2019


Bericht aus der Landshuter Zeitung vom 20.8.2019


Hornissen – wo und wie leben sie?

Infostand der BN-Kreisgruppe in der Landshuter Altstadt

Trotz des sehr stürmischen Wetters fanden sich am Samstag, 8. Oktober, zahlreiche Besucher am Infostand der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe vor dem Landshuter Rathaus ein, um sich über das Leben und den Schutz der Hornissen zu informieren. BN-Hornissenspezialist Johannes Selmansberger verstand es, in verständlicher Weise Biologie, Lebensweise, Vorkommen und Gefährlichkeit der Hornissen zu vermitteln sowie das Verhalten gegenüber diesen nützlichen Großinsekten zu erklären. Hornissennester, Nistkästen, Infoblätter und eine Bildtafel ergänzten seine Erklärungen, die bei den Standbesuchern großen Anklang fanden. Ein besonderes Highligh waren – besonders für die Kinder der Landshuter BN-Kindergruppe „Wirbelwind“ – lebende Hornissen, die der Hornissenfachmann auf seiner Hand zur Schau stellte.

Die BN-Kreisgruppe wies an ihrem Stand aber auch auf den Schutz des Isarauwaldes und des Tales Josaphat hin und sammelte Unterschriften gegen einen geplanten Straßenbau durch den Auwald im Westen von Landshut und gegen eine weitere Bebauung des schönen Tals südöstlich der Heilig-Blut-Kirche im Stadtteil Hofberg. Beide Gebiete sind artenreiche Naturräume und wertvolle Naherholungsgebiete.


Hornissen in falsch konstruierten Rollokästen

„Alle Jahre das selbe Spiel“, klagt der Hornissenexperte Johannes Selmansberger von der Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut: Die Leute rufen an und suchen Rat, weil sich Hornissen im Rollokasten eingenistet haben. Dann kommt die übliche Frage:“ Was können sie uns raten? Glauben sie, dass wir die Hornissen lassen können?“ Und immer kommt vom Hornissenexperten die selbe Antwort: „Natürlich nicht“. Hornissen leiden an Nistplatzmangel, weil natürliche Nistplätze, hohle Bäume, nicht mehr vorhanden sind. Auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen scheinen oft Rollokästen ein geeignetes Quartier zu sein. Aber gerade diese Behausung ist problematisch. Zum einen sind diese Behausungen zu klein, deshalb nagen die Insekten die Isolation in den Kästen ab. Es entsteht ein Bauschaden. Zum Anderen ist es auch den Leuten, die tolerant gegenüber Hornissen sind, nicht zuzumuten, dass sie in einem Zimmer mit erheblichen Geruchsbelästigungen wohnen. Die Ausscheidungen der Hornissen und die Reste der zerkauten Insekten bilden über die Monate ein Gemisch, dass erheblich stinkt, so Selmansberger. Auch ist es schon vorgekommen, dass die Hornissen den Deckel des Rollokastens durchgebissen haben und in der Wohnung geflogen sind. Weniger problematisch ist es, erklärt der Naturschützer, wenn sich Hornissen im Dachboden einnisten. Hier kann mit einer dicken Schicht aus Zeitungspapier , die man unter das Nest legt, helfen. Die Ausscheidungen fallen auf die ausgelegte „Windel“ und von Zeit zu Zeit können die alten Schichten aus Zeitungspapier durch neue ersetzt werden. Damit ist das Geruchsproblem auf ein erträgliches Maß reduziert.. Dies ist aber in Rollokästen nicht möglich. Beim öffnen der Deckels wird die Person, die Störungen am Nest verursacht, sofort von den sonst so friedlichen Insekten, angegriffen. Verärgert über die Fehlkonstruktionen der Rollokastenbauer ist der Naturschützer auch deshalb, weil bei neuen Rollokästen diese Schutz vor Besiedlung immer noch nicht eingebaut wird. Zwischenzeitlich ist man zwar in der Lage Insektengitter zu integrieren, die , die winzigen Stechmücken aussperren, aber die dicken Brummer können sich immer noch im Rollokasten ansiedeln. In diesem Jahr musste bei einem Neubau die Ziegel bei einem noch unverputzten Haus wieder aus der Wand gestemmt werden um an das Hornissennest zu gelangen. Selmansberger ärgert sich zunehmend über die schlechte Konstruktion der neuen Rollokästen. Es wäre überhaupt kein Problem hornissensichere Rollokästen zu konstruieren und herzustellen, so der Naturschützer. Mit einer Bürste, die die Öffnung zwischen Rollo und Kasten abschließt würde das Problem kostengünstig gelöst. Es hätte auch noch einen zusätzlichen wärme dämmenden Effekt. „Es ist absolut unverständlich“, so der Hornissenexperte, „dass sich hier die Rollokastenbauer keine Gedanken machen“. Der Druck muss anscheinend vom Verbraucher kommen. Diese fehlerhaft konstruierten Kästen verursachen beim Hausbesitzer Bauschäden und Kosten.

Die massive Aufklärungsarbeit der Medien und der Naturschutzverbände und Naturschutzbehörden zeigt deutliche Wirkung. Immer mehr Menschen erkennen den Wert der imposanten Insekten und wollen unter keinen Umständen, dass den Tieren etwas zustößt. Bei Umsetzaktionen wird Johannes Selmansberger öfters darauf hingewiesen, dass es für die Betroffenen wichtig ist, dass die Tiere den natürlichen Lebenszyklus mit der Bildung der Jungköniginnen in Hochsommer durchlaufen können. Das Nest muss also fachgerecht Umgesetzt werden. Gerade die beengten Rollokästen mit den Stangen zum Aufrollen des Rollos bereiten beim Ausbauen des Nestes erhebliche Probleme. Erschwert wird die Versetzung der Nester durch die halb Mauerstarken Rollokästen, die vom Inneren eines Raumes nicht mehr zugängig sind. Hier muss von außen, der Rollo ausgebaut werden. Häufig zerbrechen beim Ausbau die Brutwaben und das Nest muss zusammengeklebt werden. In diesen Fällen sterben immer auch ein Teil der Larven ab. Umsetzaktionen sind immer ein massiver Eingriff in en Hornissenstaat und sollten, wenn möglich, vermieden werden. Die ist fast immer möglich wenn sich Hornissen auf dem Dachboden, in einem hohlen Baum oder in einem Vogelnistkasten niedergelassen haben.

Hornissen – wie und wo leben sie?

Bund Naturschutz informierte über die Biologie der Großinsekten

Großes Besucherinteresse fand Johannes Selmansberger am 11. Oktober 2014 in der Landshuter Altstadt mit seinen interessanten Informationen über das Leben in einem Hornissenstaat. Im Rahmen der Umweltbildungsreihe „Natur kennen ler­nen, erleben und schützen“ der Bund-Natur­schutz-Kreisgruppe erläuterte der BN-Hornissenspezia­list die Biolo­gie, Lebens­weise, angebliche Gefährlichkeit und den Nutzen dieser Großinsek­ten. Er wies auf den Umgang mit Hornissen hin und  zeigte Möglichkeiten zu ihrem Schutz, wie beispielsweise spezielle Nistkästen,. Auch stellte er kunstvoll von den Tieren gebaute Hornissennester vor, wobei sogar ein Motorradhelm als Nistplatz genutzt wurde. Viele Fragen zum Vorkommen und zu Auswirkungen von Hornissen in Gebäuden, unter anderem auf Speichern, in Dachdämmungen und Rollokästen, konnte Selmansberger beantworten und dazu Ratschläge erteilen. Paul Riederer, der stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, stellte erfreut fest, dass sich die Einstellung der Menschen gegenüber den Hornissen durch intensive Aufklärungsarbeit in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt habe. Die meisten Nester würden nun bis zum Absterben des Hornissenvolkes im Spätherbst an Ort und Stelle von den Hausbesitzern geduldet. Sterben doch alle Arbeiterinnen bis Ende Oktober ab und die jungen Königinnen verlassen das Nest, um im nächsten Jahr einen neuen Staat zu gründen. Das alte Nest werde dazu jedoch nicht mehr genutzt, informierte Johannes Selmansberger.

Auf dem Infostand lagen auch Informationsschriften und Unterschriftslisten gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU auf, nachdem dieses Abkommen negative Auswirkungen auf den Umwelt-, Arten- und Naturschutz haben wird. Auch dieses brisante Thema fand viel Zuspruch von Passanten.

Ins Reich der Falter und Wildbienen

Insektenkundliche Exkursion der BN-Kreisgruppe im Landshuter Naturschutzgebiet

Landshut 12.07.2015. Bei schönstem „Falter- und Bienenwetter“ fanden sich am 12. Juli Erwachsene und Kinder im Landshuter Naturschutzgebiet ein, um bei der naturkundlichen Exkursion „Wildbienen und Tagfalter beobachten“ dabei zu sein. Die Exkursion veranstaltete der Bund Naturschutz (BN) im Rahmen seiner Umweltbildungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schützen“. Erwin Scheuchl, Wildbienenspezialist, und Wolfgang Willner, ein Schmetterlingskenner, führten auf der Entdeckertour zu Lebensräumen der kleinen, aber sehr interessanten Tiere. Die Kinder unterstützten Willner und Scheuchl, indem sie Falter und Wildbienen mit Becherlupen fingen und zu den Experten zum Bestimmen brachten.

Scheuchl erklärte, dass es in Deutschland etwa 600 verschiedene Wildbienenarten gebe, und jede Art stelle für sich andere Ansprüche. Sie unterscheiden sich von den Honigbienen vollends, da sie nur selten wie diese einen Staat bilden und Honig produzieren. Im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ seien bisher knapp 190 Wildbienenarten nachgewiesen worden. Mit dem Kescher fing Scheuchl im Laufe der Exkursion einzelne Tiere ein, die sich jeweils sehr unterschieden. Eine von den vier hier existierenden Arten der Scherenbiene hat nur eine Größe von rund fünf Millimeter, während die Knautiensandbiene dreimal so groß ist. Diese hat als gut erkennbares Merkmal einen roten Hinterleib, wobei es aber auch welche mit einem schwarzen Hinterleib gebe. Wie ihr Name schon sagt, versorgt sie ihre Nachkommen ausschließlich mit Pollen der Witwenblume (Knautie). Die Natternbiene sei ebenso ein Spezialist, sie ernährt sich und ihre Brut nur von Pollen und Nektar des Natternkopfes. Sie gehört zu den Bauchsammlern, die den gesammelten Pollen in einer Haarbürste am Bauch und nicht wie die meisten anderen Bienenarten an den Hinterbeinen transportiert. Die Große Harzbiene errichtet ihre Brutzellen aus Blattstücken, die sie auf der Innenseite mit Harz überzieht. Daher komme auch ihr Name. Diese Wildbienenart hat im Landshuter Naturschutzgebiet eines der größten Vorkommen in Südbayern, betonte Scheuchl.

Zwischendurch hatte sich eine Gruppe um Wolfgang Willner gebildet. Der Tagfalter mit dem Namen Ochsenauge machte sich besonders bemerkbar, da sich mehrere Falter zur Freude der Teilnehmer immer wieder auf Armen und Schultern niederließen. Von den 30 im Naturschutzgebiet vorkommenden Tagfalterarten konnte Willner neun Arten zeigen. Einmal flatterte ein Schachbrettfalter in der Luft, einmal konnte der dunkle Schornsteinfeger bewundert werden. Drei Arten von Bläulingen fing Willner mit dem Kescher ein: den Himmelblauen Bläuling, der seinen Namen von seiner Farbe hat, den Silbergrünen Bläuling, der nur im Hochsommer fliegt, und den Kurzschwänzigen Bläuling, den es bis vor sechs Jahren noch nicht bei uns beobachtete werden konnte. Diese Falterart profitiere jedoch von der Klimaerwärmung, führte Willner aus. Der ebenfalls beobachtete Dickkopffalter mit seinem verhältnismäßig dicken Vorderkörper liebt Witwenblumen und Thymian und gehört zu den Tagfalterarten, während die Braune Tageule zu den tagaktiven Nachtfaltern gehöre. Alle diese Falter seien auf den Blumenreichtum, wie es ihn im Naturschutzgebiet gibt, als Nahrungsquelle angewiesen, stellte Willner fest. Am Ende der Exkursion führte Erwin Scheuchl noch zu einer Rohbodenfläche, die extra für Wildbienen zum Anlegen ihrer Brutröhren geschaffen wurde. Dieses Angebot wurde von den Insekten auch reichlich angenommen, wie die Exkursionsteilnehmer feststellen konnten.

Lautlose Luftkünstler

Wörth 20.07.2015. BN-Exkursion mit Herwig Leinsinger zu Libellen in der Wörther Isarau

Bei sehr heißem Wetter fand die diesjährige Libellenexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe statt. Der Libellen-Experte Herwig Leinsinger führte die Teilnehmer an einen Bach, mehrere Weiher sowie am Schluss an die Isar und erläuterte die Merkmale, die Biologie und die Gefährdungen dieser großartigen Flugkünstler.

Anfangs zeigte Leinsinger zwei mitgebrachte Insektenkästen vor, in denen er die verschiedensten Exuvien, also die leeren Puppenhüllen der geschlüpften Tiere gesammelt und beschriftet hatte. 81 heimische Arten gibt es, von denen etliche Probleme mit dem nunmehr wärmeren Klima haben, andere – wie die knallrote Feuerlibelle – aber auch davon profitieren. Bei den Libellen unterscheidet man zwei große Gruppen, die Groß- sowie die Kleinlibellen, erkennbar an der (Nicht)Symmetrie von Vorder- und Hinterflügeln sowie an der Anordnung der Augen: Bei den Großlibellen sind diese meist „zusammengewachsen“, bei den Kleinlibellen weit voneinander getrennt.

Immer wieder sah man unscheinbar-zarte, hell oder intensivblaue Tiere mit stäbchenartigem Hinterleib in der Ufervegetation. Als Laie könnte man meinen, es handle sich immer um die gleiche Art. Jedoch gibt es über 20 ähnlich aussehende Arten, darunter die sehr häufige Federliebelle – so genannt wegen ihrer federartig verbreiteten Borsten an den Beinen. Dies kann man freilich nur erkennen, wenn man die Tierchen mit einem Kescher fängt und genau inspiziert, insbesondere das Muster der Hinterleibsegmente. So wurde beispielsweise eine Große Pechlibelle gefangen (und wieder freigelassen), die vermutlich häufigste Libellenart in Mitteleuropa. Akrobatisch elegant flogen auch mehrere Großlibellen weiträumig umher, darunter die Gemeine Keiljungfer, die in den 70er Jahren nicht weit vom Aussterben entfernt war und mittlerweile wieder häufiger geworden ist, da sich die Qualität unserer Fließgewässer seitdem merklich verbessert habe, berichtete der Libellenkundler.

Leinsinger stellte mit leichtem Erstaunen fest, dass wegen der enormen Hitze während der Exkursion (deutlich über 30 Grad) sogar die beobachteten Libellen, ansonsten ausgesprochene Sonnentiere, gelegentlich im Schattenbereich ruhten. Libellen sind, sowohl als Larven wie auch als erwachsene Tiere (Imago) räuberisch lebend. Sie überwintern entweder als Larve oder als Ei. Ihre Entwicklung zum flugfähigen Insekt dauert, je nach Art oder abhängig von den äußeren Bedingungen, einige Monate bis hin zu fünf Jahren. Die Eier werden meist an Pflanzen im Uferbereich oder auf Schwimmpflanzen gelegt. An einem größeren Weiher unweit der Isar ließen sich auf ausgedehnten Algenteppichen zahlreiche Tiere beobachten, die immer wieder elegant oder ungestüm aufflogen. Libellen können auch helikopterartig in der Luft stehen oder gar rückwärts fliegen. Besonders beeindruckend sind hier die sogenannten Flussjungfern, von denen übrigens alle fünf Arten an der Isar unterhalb von Landshut vertreten sind. Überhaupt, so der Exkursionsleiter, sei Deutschland ein Überlappungsgebiet von west- und südosteuropäischen Arten und somit ein “Hotspot“ für Libellen, woraus sich eine Verantwortung für den Schutz dieser faszinierenden Wesen ableitet.

Überraschender Fund im Naturschutzgebiet

BN-Exkursion: Gemeine Sichelschrecke erstmals im Raum Landshut entdeckt

Der Bund Naturschutz (BN) hat am Sonntag, 10. August 2014 im Rahmen seines Bildungsprogramms eine Heuschrecken-Exkursion im Naturschutzgebiet (NSG) „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ durchgeführt. Dabei machten die Teilnehmer eine unerwartete Entdeckung: Sie trafen auf eine Heuschreckenart, die bisher nur in Nordbayern und im Donaugebiet gesichtet worden ist.

Da Heuschrecken ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, sei an diesem hochsommerlichen Tag durchaus mit zahlreichen Arten und Individuen zu rechnen, meinte Exkursionsleiter Christian Kainz eingangs der Exkursion und ergänzte, dass im Naturschutzgebiet rund 20 von 70 in Deutschland bekannten Heuschreckenarten vorkommen. Unter den Insekten zeichnen sich Heuschrecken, so der Biologe weiter, vor allem dadurch aus, dass sie je nach Art unterschiedliche, recht variantenreiche Laute erzeugen können. Er wies die Teilnehmer an, sich beim Spaziergang ruhig zu verhalten und aufmerksam auf die von Heuschrecken erzeugten „Gesänge“ zu hören. So könne man gezielt verschiedene Arten fangen und sie genauer betrachten.

Die Lauterzeugung werde bei der Gruppe der räuberisch lebenden Langfühlerschrecken durch das Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt, während die vegan sich ernährende Gruppe der Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln reiben und auf diese Weise zirpen, informierte Christian Kainz. Auch hören die Heuschrecken nicht mit „Ohren“ am Kopf, sondern die Hörorgane befinden sich bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während sie bei den Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind. Heuschrecken gehören mit ihrem in Kopf, Brust und Hinterleib eingeschnittenen Körper zu den Insekten. Sie können mit ihren muskulösen Hinterbeinen weite Sprünge machen und diese Sprünge teilweise mit den Flügeln unterstützen. Von den einheimischen Arten sei aber nur beim Grünen Heupferd die Flugfähigkeit gut ausgebildet, berichtete der Exkursionsleiter, als ein Heupferd eben ihre Flugkünste vor den Augen der Teilnehmer vorführte.

Das von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe initiierte Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ ist mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft und warmen, trockenen, vegetationslosen Stellen ein geeigneter Lebensraum für zahlreiche Heuschreckenarten, erläuterte Kainz. So konnten im weiteren Verlauf der Exkursion der Braune Grashüpfer, der Heidegrashüpfer und der Nachtigallgrashüpfer, aber auch der Warzenbeißer und schließlich an einer abgebrochenen Hangkante die bestens getarnte Westliche Beißschrecke gesichtet und bewundert werden. Ebenda fanden die Teilnehmer gegen Ende des erlebnisreichen Spaziergangs auch eine hellgrüne Heuschrecke mit überaus langen Flügeln. Es handelte sich dabei um die Gemeine Sichelschrecke, was laut Christian Kainz als kleine Sensation zu werten sei, da diese Heuschreckenart bisher nur aus Nordbayern und dem Donaugebiet (bis Regensburg) bekannt sei.

„Fliegende Edelsteine“ bewundert

BN-Exkursion mit Herwig Leinsinger zu Libellen-Lebensräumen in der Wörther Au

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur erleben und schützen“ organisierte die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe am 12. Juli 2014 eine naturkundliche Exkursion zu Lebensräumen heimi­scher, zum Teil seltener Libellenarten in der Wörther Au. Trotz regnerischen Wetters konnten die Exkursionsteilnehmer unter Führung von Herwig Leinsinger eine Reihe verschiedener Libellenarten bewundern. Während der Wanderung erklärte der Libellenkundler auch die Lebensweise und Lebensräume der „fliegenden Edelsteine“.

Am Mühlbach zeigte sich eine der schönsten heimischen Libellenarten, die Gebänderte Prachtlibelle. Dunkelblau schillernde Flügel und eine breite Flügelbinde zeichnen das Männchen aus, die Flügel des Weibchens sind dagegen grünlich gefärbt. Prachtlibellen brauchen als Lebensraum sauerstoffreiche Fließgewässer mit bachbegleitendem Uferbe­wuchs. Am Ufer eines Teiches saßen Gemeine Becherjungfern zahlreich auf hohen Grashalmen. Während bei dieser Libellenart das Männchen einen schönen hellblauen Körper aufweist, sind die Weibchen etwas blasser und schwer zu bestimmen. Sie besiedeln gerne Stillgewässertypen, jedoch auch langsam fließende Gewässer, informierte Leinsinger.

Auch die Federlibelle zeigte sich. Sie lebt gerne an pflanzenreichen, stehenden und langsam fließenden Gewässern, erklärte der Libellenkundler. Sie gehört in Bayern noch zu den häufiger vorkommenden Libellenarten, –  genauso wie die Große Pechlibelle, die sich ebenfalls den interessierten Exkursionsteilnehmern präsentierte. Diese Art stelle nur geringe Ansprüche an die Beschaffenheit ihrer Fortpflanzungsgewässer, sagte Leinsinger, der schließlich noch auf den Großen Blaupfeil aufmerksam machen konnte. Diese Libellenart liebe flaches Wasser mit vegetationsarmen Sand- oder Kiesufern. Der Hinterleib des Männchens leuchtet himmelblau, die Farbe des hintersten Körpersegments ist schwarz.

Leinsinger wies erfreut darauf hin, dass alle fünf Keiljungfern-Arten wieder an der Isar im Landkreis Landshut anzutreffen seien. Das seien die Gemeine, die Grüne, die Westliche und die Asiatische Keiljungfer sowie die Kleine Zangenlibelle. Dies sei vor allem auf die Wasserqualität zurückzuführen, die sich in den letzten Jahren verbessert habe. Die Asiatische Keiljungfer war in Westdeutschland sogar schon ausgestorben. Die Westliche Keiljungfer sei erst in den letzten Jahrzehnten nach Mitteleuropa eingewandert und die Grüne Keiljungfer gelte europaweit als stark gefährdet. Man bezeichne die Keiljungfern auch als Flußjungfern, so der Libellenexperte.

Während der Exkursion erläuterte Herwig Leinsinger auch die Biologie der Libellen. Er schilderte das Paarungsverhalten, die Eiablage und die Entwicklung der Larven. Die Eier werden meist an Pflanzen im Uferbereich oder auf Schwimmpflanzen abgelegt. Die Larven leben räuberisch im Wasserbewuchs, auf dem Grund oder eingegraben im Bodensubstrat. Die Verwandlung von der Larve zum flugfähigen Tier vollzieht sich meist an einem Pflanzenhalm. Gut dreieinhalb Stunden nach Beginn des Schlupfaktes sei der Körper der Libelle ausgeformt. Aber meist erst am nächsten Tag erhebt sie sich zu ihrem ersten Flug. Am Pflanzenstengel bleibt die leere Larvenhülle (Exuvie) zurück, anhand derer man feststellen könne, welche Libellenart aus ihr geschlüpft sei, wusste Leinsinger zu berichten. Libellen fliegen erst ab einer Körpertemperatur von 30 Grad, erklärte der Libellenkundler. Dann sei ihre Muskulatur warm genug, um sich in die Lüfte zu erheben. So sei es nicht verwunderlich, dass alle „fliegenden Edelsteine“, die an diesem sonnenarmen Exkursionstag entdeckten wurden, ruhig auf Grashalmen an ihren Wasserlebensräumen saßen und die Teilnehmer Zeit hatten, diese farbenprächtigen Tiere zu bestaunen.

Waldameisen – Nützlinge des Waldes

Naturkundliche Wanderung führte zu Ameisennestern im Weihbüchler Holz

„Waldameisen – Nützlinge des Waldes“ hieß das Thema einer naturkundlichen Wanderung, die von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Ameisenschutzwarte am 6. Mai 2012 durchgeführt wurde. Ameisenexperte Hartmut Mehner führte die Exkursionsteilnehmer im Weihbüchler Holz zu Nestern von zwei verschiedenen Ameisenarten: der Kleinen Roten Waldameise und der Blutroten Raubameise.  Mehner berichtete von der Lebensweise und den Lebensgrundlagen der Waldameisen sowie von ihrem enormen Nutzen für einen gesunden Wald, für die Imkerei, für die Verbreitung von Waldblumensamen und als Nahrungsgrundlage für Grün- und Schwarzspecht.

Die auffälligen Nesthügel machen die Waldbesucher auf Waldameisen aufmerksam. Doch nicht alle Ameisen im Wald errichten derartige Nesthügel, informierte Mehner. Manche Arten leben als Baumbewohner im Holz, andere nisten unter Steinen oder bauen reine Erdnester. Waldameisen gehören wie die Honigbienen zu den Staaten bildenden Insekten. Sie leben in einer Gemeinschaft, für die eine umfangreiche Arbeitsteilung kennzeichnend sei. Die Hauptmasse im Waldameisentaat werde von den Arbeiterinnen gebildet, dabei handele es sich um ungeflügelte, nicht begattungsfähige Weibchen, so der Ameisenspezialist. Das mehr oder weniger große oberirdische kuppelartige Nest und der unterirdische, bis über einem Meter tiefe Nestbereich mit den Brutkammern bieten, je nach Art, manchmal mehr als einer Million Waldameisen Schutz vor Feinden und Witterungsunbilden. Der Nesthügel gewähre außerdem die erforderlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen für die Brutaufzucht. So können die Hügel bauenden Waldameisen, wie beispielsweise die Rote Waldameise, das Klima in ihrem Nest durch verschiedene bauliche Maßnahmen regulieren, erklärte Mehner.

Alle Waldameisenarten, außer der Blutroten Raubameise, stehen seit über 200 Jahren unter strengem Schutz. Trotzdem seien die Waldameisen in weiten Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes stark dezimiert worden, gab Mehner zu bedenken. Die Ursachen für den Bestandsrückgang seien vielfältig. Infolge ihrer stationären Dauernester seien die Waldameisen massiven Eingriffen in ihren Lebensraum ausgeliefert. Neben Naturkatastrophen gefährde in erster Linie der Mensch durch Baumaßnahmen und Forstarbeiten sowie durch den Eintrag von Pestiziden die Lebensräume und Lebensgrundlagen der Waldameisen. Waldameisen seien jedoch nicht nur ein wichtiges Schlüsselglied im Ökosystem Wald, sondern der Waldbesucher könne sich an dem faszinierendem Gebilde eines Nesthügels, dessen mehrere Kubikmeter Material die Arbeiterinnen Nadel für Nadel und Erdkrümel für Erdkrümel herbeigeschleppt haben, und an dem emsige Treiben der Waldameisen rund um das Nest erfreuen, stellte Hartmut Mehner abschließend fest.

Von Beißschrecken und Warzenbeißern

Bund Naturschutz-Exkursion in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“

Kürzlich fanden sich zahlreiche Naturinteressierte im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ ein, um Wissenswertes zu Vorkommen und Lebensweise heimischer Heuschreckenarten zu erfahren. Die Exkursion im Rahmen des Bund Naturschutz Bildungsprogramms wurde vom Biologen Christian Kainz geleitet.

Nachdem der ursprüngliche Termin für die diesjährige Heuschreckenexkursion des Bund Naturschutz aufgrund schlechter Witterung verschoben werden musste, blitzte am Ausweichtermin pünktlich vor Exkursionsbeginn die Sonne hinter den Wolken hervor. Nachdem die meisten Heuschreckenarten ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, konnten die Exkursionsteilnehmer zahlreiche Arten aufspüren und bewundern.

Gleich beim Treffpunkt am Eingang des Naturschutzgebietes durften die Teilnehmer versuchen, einige Heuschrecken mit den bloßen Händen zu fangen. Der Referent erklärte anhand der gefangenen Individuen den Körperbau dieser faszinierenden Tiergruppe. Neben den typischen Insektenmerkmalen wie den sechs Beinen sowie der Gliederung in Kopf, Rumpf und Hinterleib fielen bei den Heuschrecken hauptsächlich die muskulösen Hinterbeine mit enormer Sprungkraft auf. Daneben seien vor allem die komplexen und variantenreichen Gesänge einzigartig unter den Insekten. Der Biologe Christian Kainz erklärte hierzu die unterschiedliche Lauterzeugung bei den Langfühler- und Kurzfühlerschrecken: Während bei den Langfühlerschrecken das Zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt wird, reiben die Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln. Damit die Laute der Heuschrecken, die der Partnerfindung und Revierabgrenzung dienen, auch gehört werden können, sind natürlich entsprechende Hörorgane nötig. Diese sitzen bei bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während die „Ohren“ der Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind.

Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ bietet mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft, sowie mit den immer wieder vorkommenden fast vegetationslosen Stellen, aber auch durch die etwas feuchteren Mulden, das Gebüsch und die Waldbereiche hervorragende Lebensbedingungen für zahlreiche Heuschreckenarten. Beim Aufspüren und Einfangen der Heuschrecken waren vor allem die Kinder unter den Exkursionsteilnehmern dem Referenten Kainz eine große Hilfe. So konnte der Biologe neben häufigen Arten wie dem Gemeinen Grashüpfer und Roesels Beißschrecke heuer auch das prachtvolle Grüne Heupferd zeigen und Interessantes zu dessen Lebensweise erläutern.

Die Westliche Beißschrecke wird in der Roten Liste der Gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt. Diese äußerst agile und mit seiner bräunlichen Färbung gut getarnte Art erreicht im Landshuter Bereich seine südliche Verbreitungsgrenze und ist auf nährstoffarmes, extensiv bewirtschaftetes Weide- und Grasland angewiesen. Hier leistet das Naturschutzgebiet einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Arten in Bayern.

Als überregional gefährdete Heuschreckenart fand man auch in diesem Jahr den Warzenbeißer, einen wunderschön gezeichneten Vertreter der Laubheuschrecken mit gedrungenem Körperbau. Man ließ früher von dieser Heuschrecke Warzen abbeißen und durch den dabei von dem Insekt abgegebenen Darmsaft verätzen. Der Überlieferung nach soll dieses heutzutage etwas seltsam anmutende Hausmittel recht gut gegen Warzen geholfen haben.

Zum Abschluss der Exkursion durften die teilnehmenden Kinder noch zu einem kleinen Sprungwettbewerb gegen die Heuschrecken antreten, bevor sich die Gruppe auf den Rückweg zum Ausgangspunkt machte.

Schillernde Kunstflieger bestaunt

Herwig Leinsinger führte bei BN-Exkursion in die Biologie der Libellen ein

Zu Libellen-Lebensräumen in der Isarau bei Ergolding führte am 10. Juli eine naturkundliche Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. An einem Weiher und an der Isar hatten die Exkursionsteilnehmer Gelegenheit, die schillernden Kunstflieger unter der kundigen Führung von Herwig Leinsinger zu beobachten und Einblick in deren Lebenswelt zu erhalten.

Von den 80 in Deutschland vorkommenden Libellenarten, gibt es 75 in Bayern. Weltweit existieren rund 4000 Arten. Libellen leben seit 280 Millionen Jahren fast unverändert auf unserem blauen Planeten, das heißt, dass sie sich verändernden Umweltbedingungen gut anpassen können. Durch die Klimaerwärmung ändert sich allerdings die Artenzusammensetzung der in Niederbayern auftretenden Arten, informierte Leinsinger. So wurde die Feuerlibelle, die mit ihrem feuerroten Körper ihrem Namen alle Ehre macht, in Bayern erstmals 1991 gesichtet. Durch das wärmere Klima und weil sie gerne neue Teiche, die durch den Kiesabbau entstehen, besiedelt, sei sie unterdessen bei uns häufig anzutreffen. Auch das kleine Granatauge, so der Libellenkundler, profitiere von der Erwärmung während sein großer Bruder, das große Granatauge, in seinem Bestand  gefährdet sei.

In Kiesabbaugewässern kann sich eine sehr libellenreiche Fauna entwickeln. Viele, vor allem seltenere Arten vertragen sich aber nicht mit einem höheren Fischbesatz, gab Leinsinger zu bedenken. Die Biologie der Libellen ansprechend, wies er darauf hin, dass Libellen als Larven in stehenden und fließenden Gewässern aufwachsen. Als Wasserwesen atmen sie durch Kiemen, welche sich bei den Kleinlibellen außerhalb und bei den Großlibellen innerhalb des Körpers befinden. Ist ihre Entwicklungszeit, die beispielsweise bei der Quelljungfer fünf Jahre dauern kann, beendet, schlüpfen die Libellen aus ihrer Larve und sind fortan Luftlebewesen, deren Lebenszeit auf wenige Wochen beschränkt ist. Libellen ernähren sich ausschließlich räuberisch, nicht selten auch kannibalisch.

Während der Wanderung konnten die Teilnehmer Libellenarten wie Vierfleck, Blutrote Heidelibelle, Großer Blaupfeil, Azurjungfer, Südlicher Blaupfeil und die Große Pechlibelle bestaunen. An den Wasserpflanzen als auch am Ufer der Isar wurden außerdem viele Exuvien, die Schlupfhäute der Libellen, gefunden. Der Libellenkundige kann auch an den Exuvien erkennen, welche Libelle daraus geschlüpft ist.

Eine Wanderung der besonderen Art

BN-Exkursion zu Faltern und Wildbienen am Hochwasserdamm bei Bruckberg

Zahlreiche Interessierte begleiteten die beiden Insektenkundler Helmut Kolbeck und Erwin Scheuchl auf einer Wanderung der besonderen Art am 8. Mai 2010 in die obere Isarau südlich von Bruckberg. Obwohl es bei dieser von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisierten Exkursion nur teilweise sonnig und etwas windig-kühl war, wurden viele Insekten aufgespürt, was auch daran liegt, dass diese Tiergruppe so ungemein zahlreich und allgegenwärtig ist. Im gemütlichen Schlendern, den Kopf meist leicht abwärts gerichtet, ging es am nördlichen Isardamm entlang – auf der Suche nach Kleintieren, die nur selten so auffällig sind wie die dicke Erdhummel und der leuchtende Zitronenfalter. Kolbeck erklärte Vieles zu Tag- und Nachtfaltern, insbesondere auch zu Kleinschmetterlingen, die oft sehr dekorativ und interessant, aber eben auch winzig klein sind. Schon deswegen sind sie gegen Wind oder Regen sehr anfällig und bleiben in der Vegetation verborgen.

Auch tagfliegende Nachtfalter wurden identifiziert, wie der schmucke, häufige Gitterspanner, der gelbliche Heidespanner und die Braune Tageule. Von letzterer wurde sogar ein Pärchen bei der Begattung gefunden. Während Falter Saugrüssel besitzen und damit oft sehr spezifisch Blüten bestäuben, gibt es noch ein paar Urmottenarten, die kauende Mundwerkzeuge haben und damit Blütenpollen fressen. Viel auffälliger sind natürlich die „großen Tiere“ wie Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs, die im Falterstadium – oft in ungeheizten Innenräumen – überwintern. Es wurde darauf hingewiesen, dass der bislang so häufige, allbekannte Kleine Fuchs seit wenigen Jahren richtig selten geworden ist, was möglicherweise mit dem Klimawandel zusammenhängt. Die Ursachen von Populationsschwankungen sind freilich oft sehr komplex. Wie die beiden Exkursionsleiter erläuterten, gibt es häufig Parasiten, zum Beispiel Wespen oder Fliegen, die die Raupen oder Puppen „anstechen“ und stark dezimieren können. Die Kuckuckshummel – der Name deutet es bereits an – schmarotzt etwa bei der Erdhummel und nimmt sogar deren Nestgeruch an.
Hummeln fliegen schon bei kühleren Temperaturen, wogegen die meisten anderen Insekten mindestens 17 Grad brauchen, um aktiv zu werden.                               

Scheuchl zeigte diverse Wildbienen vor, die im Gegensatz zur Honigbiene meist einzeln oder in lockeren Wohngemeinschaften leben. Ihre Eier legen sie in selbst gegrabene Erdlöcher, in Totholz oder auch in verlassene Schneckenhäuser. Mehr als 500 verschiedene Wildbienen gibt es in Deutschland, und weil die Honigbiene in den letzten Jahren in ihren Beständen besorgniserregend zurückgeht, werden die anderen Arten als Bestäuber immer bedeutsamer. So fliegt zum Beispiel die Rote Mauerbiene bereits bei niedrigeren Temperaturen als ihre domestizierte Verwandte und ist auch insgesamt fleißiger und effektiver als diese. Natürlich brauchen Insekten ganz bestimmte Nahrungs- und Nektarpflanzen; eine blütenarme, monotone Kultursteppe wird gemieden oder höchstens durchflogen. Gerade die Hochwasserdämme sind als sekundäre Halbtrockenlebensräume sehr wertvoll, auch als Wanderachsen im Sinne des Biotopverbunds. Eine geplante Dammerhöhung würde fast zwangsläufig viel an seltener Flora und Fauna zerstören. Sollte sie wirklich nötig sein, müsste sie behutsam durchgeführt werden – hier waren sich alle Exkursionsteilnehmer einig.

Unbekannte Welt der Waldameisen

Mit dem Bund Naturschutz auf Exkursion ins Reich der Nutzinsekten

Mehr als 40 Interessierte beteiligten sich an einer Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe ins Reich der Waldameisen. Unter der Führung von Michael Püls, einem Fachmann der Ameisenschutzwarte, ging es in einen Wald bei Weihbüchl, um Ameisenvölker zu besuchen. Im Schatten einer mächtigen Tanne wurde das erste Nest entdeckt. Ameisen bauen diese Hügel im Laufe mehrerer Jahre im Wald meist um einen alten Baumstumpf. Dazu schleppen sie Fichtennadeln, Holzästchen und oft auch Harzklümpchen herbei, um dieses Kunstwerk zu errichten. Dieser Hügel ist die Wohnung für das Volk der Waldameisen.  Nester sind unterschiedlich groß. Nester im Schatten sind größer als Nester in der Sonne oder am Waldrand. Das Nest wird alleine von den Arbeiterinnen gebaut, welche bis zu sechs Jahre alt werden können.

Königinnen befinden sich im Nest und sind mit der Eiablage beschäftigt. Sie sind viel größer als die Arbeiterinnen, besonders groß ist der Hinterleib der Königin. Darin sitzen die Eierstöcke und auch eine Samenblase ist dort vorhanden. Königinnen werden bis 25 Jahre alt. „Für Insekten ist das eine große Besonderheit, kaum ein anderes Insekt erreicht dieses Alter“, bemerkte der Ameisenexperte. Männchen gibt es nur im Frühjahr. Sie haben Flügel und sterben nach dem Begatten der Königinnen ab.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass ein Volk der Kahlrückigen Waldameise in einem Mischwald von April bis Oktober 10 Millionen verschiedener Insekten erbeutet. Darunter sind viele pflanzenfressende und forstschädliche Arten wie Kiefernspanner, Frostspanner und dergleichen. Wo Waldameisen heimisch sind, sind Schädlingsmassenvermehrungen unwahrscheinlicher. Außerdem wird von den Waldameisen bis zu 200 Liter von Blattläusen produzierter Honigtau ins Nest eingetragen. Ameisen sind aber  auch selbst ein begehrtes Nahrungsmittel für eine Vielzahl von Tieren. Besonders Grün- und Grauspecht ernähren sich von den kleinen Krabblern. Der seltene Wendehals lebe nahezu ausschließlich von Ameisen, so Püls.

Es sei eine ständige Abnahme von Waldameisennestern zu beobachten, stellte der Ameisenschützer fest. Dazu tragen sicher bei die unbeabsichtigte Nestzerstörung bei Forstarbeiten, besonders durch das Fällen, Rücken und Lagern von Stammholz. Auch Kahlschläge mit folgendem Reinanbau von Douglasie seien negativ zu beurteilen. Durch Straßen- und Siedlungsbau bedrohte Nester müssen durch geschulte Fachleute der Ameisenschutzwarte umgesiedelt werden. Schon Hunderte von Nestern konnten so vor der Vernichtung bewahrt werden, informierte Püls.

Andrea Attenberger vom Bund Naturschutz bedankte sich schließlich bei den Besuchern, unter ihnen zahlreiche Kinder, für das Interesse und beim Referenten für seine Ausführungen, die sicherlich dazu beitrugen, mehr Verständnis für die Waldameisen wachzurufen.

Im Reich des Warzenbeißers

Bund Naturschutz-Exkursion in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“

Bei traumhaftem Sonnenschein fanden sich kürzlich zahlreiche Naturinteressierte im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut“ ein, um Wissenswertes zu Vorkommen und Lebensweise heimischer Heuschreckenarten zu erfahren. Die Exkursion fand im Rahmen des Umweltbildungsprogramms des Bundes Naturschutz (BN) statt und wurde wurde von dem Biologen Christian Kainz geleitet.

Gleich beim Treffpunkt am Eingang des Naturschutzgebietes konnte der Referent anhand der zahlreich umherhüpfenden und lautstark musizierenden Heuschrecken den Körperbau dieser faszinierenden Tiergruppe erklären. Neben den muskulösen Hinterbeinen mit enormer Sprungkraft seien vor allem die komplexen und variantenreichen Gesänge einzigartig unter den Insekten. Anhand mit der Hand gefangener Individuen konnte der Biologe die Unterschiede von Langfühler- und Kurzfühlerschrecken erklären.Während bei den Langfühlerschrecken das Zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt wird, reiben die Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln. Damit die Laute der Heuschrecken, die der Partnerfindung und Revierabgrenzung dienen, auch gehört werden können, sind natürlich entsprechende Hörorgane nötig. Diese sitzen bei bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während die „Ohren“ der Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind.

Nachdem die meisten Heuschreckenarten ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, konnten die Exkursionsteilnehmer an dem heißen Exkursionstag viele Arten aufspüren und bewundern. Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ bietet mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft, sowie mit den immer wieder vorkommenden fast vegetationslosen Stellen, aber auch durch die etwas feuchteren Mulden, das Gebüsch und die Waldbereiche hervorragende Lebensbedingungen für zahlreiche Heuschreckenarten. Beim Aufspüren und Einfangen der Heuschrecken waren vor allem die Kinder unter den Exkursionsteilnehmern dem Referenten Kainz eine große Hilfe. So konnte er neben häufigen Arten wie dem Gemeinen Grashüpfer und Roesels Beißschrecke auch anspruchsvollere Arten wie den Braunen Grashüpfer und den Nachtigall-Grashüpfer zeigen und Interessantes zu deren Lebensweise erläutern.

Die Westliche Beißschrecke wird in der Roten Liste der Gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt. Diese äußerst agile und mit seiner bräunlichen Färbung gut getarnte Art erreicht im Landshuter Bereich seine südliche Verbreitungsgrenze und ist wie der Warzenbeißer auf nährstoffarmes, extensiv bewirtschaftetes Weide- und Grasland angewiesen. Hier leistet das Naturschutzgebiet einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Arten in Bayern.

Als überregional gefährdete Heuschreckenart fand man schon bald den Warzenbeißer, einen wunderschön gezeichneten Vertreter der Laubheuschrecken mit gedrungenem Körperbau. Dass der Warzenbeißer mit seinen kräftigen Kiefern durchaus im Stande ist, die menschliche Haut zu durchdringen, konnte eine Exkursionsteilnehmerin auf etwas schmerzhafte Weise erfahren. Von dieser Fähigkeit zu Beißen zeugt auch der Name „Warzenbeißer“: Man ließ früher von dieser Heuschrecke Warzen abbeißen und durch den dabei von dem Insekt abgegebenen Darmsaft verätzen. Der Überlieferung nach soll dieses heutzutage etwas seltsam anmutende Hausmittel recht gut gegen Warzen geholfen haben.

(2010)

Libellen – „fliegende Edelsteine“

BN-Exkursion mit Herwig Leinsinger zu Libellen-Lebensräumen in der Wörther Au

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur erleben und schützen“ organisierte die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe am 11. Juli eine naturkundliche Exkursion zu Lebensräumen heimi­scher, zum Teil seltener Libel­lenarten in der Wörther Au. Während der Wanderung machte der Libellenkundler Herwig Lein­singer die zahlreichen Exkursionsteilnehmer auf eine Reihe verschiedener Li­bellenarten aufmerksam, er er­klärte die Lebensweise und Lebensräume der „fliegenden Edelsteine“ und wies auf die Gefährdungen der Libellen hin, die schon seit rund 300 Millionen Jahren auf der Erde leben.

Am Mühlbach zeigte sich eine der schönsten heimischen Libellenarten, die Gebänderte Prachtlibelle. Dun­kelblau schillernde Flügel und eine breite Flügel­binde zeichnen das Männchen aus, die Flügel des Weibchens sind dagegen grünlich ge­färbt. Prachtlibellen brauchen als Lebensraum sauer­stoffreiche Fließgewässer mit bachbe­gleitendem Uferbe­wuchs. Werde dieser Uferbewuchs aus welchen Gründen auch immer regelmäßig beseitigt, stelle dies eine große Gefährdung für diese schöne Libellenart dar, gab Herwig Leinsinger zu bedenken. Er wies auch auf weitere Libellenarten hin, denen der Mühlbach als Lebensraum dient. Es sind dies die Gemeine Keiljungfer und die Kleine Zangenlibelle. Während die Zangenlibelle stark gefährdet sei, habe sich die Gemeine Keiljungfer in Bayern durch die Verbesserung der Wasserqualität wieder gut erholt. Vor wenigen Jahren wurde diese Libelle noch zu einer „vom Aussterben bedrohten“ Art gezählt.

Allgemein konnten bei der diesjährigen Exkursion nicht allzu viele Libellenarten beobachtet werden, seien doch, so Leinsinger, wegen der häufigen Regenfälle die „Frühlingslibellen“ frühzeitig gestorben und die „Sommerlibellen“ noch nicht geschlüpft. Dennoch konnten sich die Exkursionsteilnehmer an einem Kiesweiher über mehrere „fliegende Edelsteine“ erfreuen. Arten wie Gemeine Pechlibelle, Becher-Azurjungfer, Große Heidelibelle und Federlibelle sowie die größte heimische Libellenart, die Große Königslibelle, schwirr­ten durch die Luft oder schwebten wie Hub­schrauber über der großen Wasserflä­che. Auch das Kleine Granatauge zeigte sich. Das Auf­tauchen in nördlichen Brei­ten dieser ursprünglich nur im Mittelmeerraum vorkommenden Art werde von Bio­logen auf die allge­meine Klimaerwärmung zu­rückgeführt. In diesem Zusammenhang wies der Referent auch darauf hin, dass Libellen weite Strecken zurücklegen können.

Leinsinger erklärte, dass einige Libel­lenarten keine großen Ansprü­che an ihren Lebens­raum stellen und daher noch relativ häufig an Gewässern, wie beispielsweise an Kiesweihern, anzutreffen sind. Werden sol­che Weiher allerdings zu reinen Fischgewässern umfunk­tioniert und mit angelsportlich interessanten Raubfischarten überbesetzt, erhöht sich der Feinddruck auf die Libellenlarven über das natürliche Maß hinaus und der Bestand werde wesentlich dezimiert. Einige Arten wiederum brauchen als Lebensraum Gewässer mit reichlicher Schwimm­blatt-Vegetation. Werden diese beseitigt, beispielsweise durch den Besatz von Graskarpfen aus Ostasien, gehen diese Libellenarten unweigerlich verloren, mahnte der Libellenkundler.

Während der Exkursion erläuterte Herwig Leinsinger auch ausführlich die Biologie der Libellen. Er schilderte das Paa­rungsverhalten, die Eiablage, die Entwicklung der Larven sowie die Verwandlung und den Schlupfvorgang der Libel­len: Die Entwicklung vom Ei über die Larve zum flugfähigen Insekt dauert je nach Art einige Wochen bis zu fünf Jahren. Die Eier werden meist an Pflanzen im Uferbereich oder auf Schwimmpflanzen abgelegt. Die Larven leben räuberisch im Wasser­bewuchs, auf dem Grund oder eingegraben im Bodensub­strat. Die Verwandlung von der Larve zum flugfähigen Tier vollzieht sich meist an einem Pflanzenhalm. Gut dreieinhalb Stunden nach Beginn des Schlupfaktes ist der Körper der Libelle ausgeformt. Aber meist erst am nächsten Tag erhebt sie sich zu ihrem ersten Flug. Am Pflanzenstengel bleibt die leere Larvenhülle (Exuvie) zurück, anhand derer man fest­stellen könne, welche Libellenart aus ihr geschlüpft ist. Leinsinger versicherte abschließend, dass alle Libellen für Menschen völlig harmlos seien, da sie weder stechen noch beißen. Sie seien sogar sehr nützlich, fangen sie als räuberische Insekten doch meist lästige andere Insekten.

 

Artenreiche Hochwasserdämme

Bei naturkundlicher BN-Exkursion Schmetterlinge und Wildbienen entdeckt

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur erleben“ veranstaltete die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz eine insektenkundliche Exkursion zu Falter- und Wildbienenlebensräumen in der Oberen Isarau. Geleitet wurde die Exkursion von Helmut Kolbeck und Erwin Scheuchl. Eingangs berichtete Scheuchl Wissenswertes über die Wildbienen. Anders als die Kulturbienen machen sie keinen Honig und viele von ihnen leben solitär. Nur Hummeln und Furchenbienen bilden einjährige Staaten. Über 500 Arten von Wildbienen gibt es in Bayern, davon stehen zwei Drittel auf der Roten Liste, 40 Arten sind bereits ausgestorben oder verschollen. Bedroht sei der Lebensraum für Wildbienen vor allem aus zwei Gründen: Zum einen, so Scheuchl,  fehlt es ihnen in der intensiv genutzten Landschaft an der Vielfalt unter den Blütenpflanzen. Damit werde den Wildbienen ihre Nahrungsquelle entzogen. Zum anderen gebe es immer weniger Nistplätze für die Wildbienen. Bodenbrütende Arten brauchen eine lückige Vegetation, oberirdisch brütende Arten brauchen Totholz oder Mauerspalten. Das Reinlichkeitsbestreben vieler Menschen lasse das weder in der freien Natur noch im eigenen Garten zu.

Helmut Kolbeck führte die Exkursionsteilnehmer zunächst auf einen Feldweg abseits des Auwaldes, um ihnen dort ein Naturschauspiel zu zeigen, das am Tag darauf vielen Menschen im Landkreis Landshut auffallen sollte: große Schwärme von Distelfaltern, die vom Mittelmeerraum kommend durch Bayern zogen, um sich irgendwo in Mitteleuropa einen Platz für die Fortpflanzung zu suchen. Auf einem Hochwasserdamm machte Scheuchl auf die Kuckuckshummel, einen Brutschmarotzer bei der Ackerhummel, aufmerksam. Die Kuckuckshummel dringt im Frühjahr in das Nest der Wirtshummel ein. Die Ackerhummel-Arbeiterinnen versuchen, den Schmarotzer zu vertreiben. Wenn es der Kuckuckshummel aber gelingt, so lange im Nest zu bleiben, bis sie den Nestgeruch angenommen hat, bleibt sie von da an unbehelligt und kann ihren Nachwuchs von den Wirtshummeln aufziehen lassen, informierte der Bienenspezialist. Auch die Wespenbienen seien Schmarotzer. Ihr Wirt ist meist eine Sandbienenart. Etwa die Hälfte der Wespenbienenarten sei auf eine einzige Wirtsbienenart spezialisiert. Auch dieses Beispiel zeige deutlich, wie wichtig Artenvielfalt ist: Wo eine Art fehlt, verschwinden in der Folge auch die Arten, die in Abhängigkeit von ihr lebten, gab Scheuchl zu verstehen.

Neben Wildbienen konnten während der Exkursion auch immer wieder Schmetterlinge  beobachtet werden, so die Gammaeule. Sie ist ein Nachtfalter, der auch tagaktiv ist, und seinen Namen von einer charakteristischen Zeichnung der Vorderflügel hat, die dem Buchstaben Gamma aus dem griechischen Alphabet ähnelt. Die Gammaeule ist ein Wanderfalter, das heißt, dass sie jedes Jahr nach Deutschland einwandert. Mit dem Zitronenfalter und dem Aurorafalter wurden auch noch zwei Vertreter aus der Familie der Weißlinge gesichtet.

Die Hochwasserdämme wurden einst künstlich aufgeschüttet und waren nur schütter bewachsen. Dies bot unter den Faltern vor allem den Bläulingen einen guten Lebensraum. Im Laufe der Zeit nahm die Vegetation zu, die Böden wurden nährstoffreicher. Für Spezialisten wie die Bläulinge bedeutet dies, dass sie ihren Lebensraum verlieren, gab Schmetterlingsspezialist Kolbeck zu bedenken. Um den Artenreichtum auf den Dämmen zu erhalten, wäre es wünschenswert, dass sie nur in kleinen Abschnitten gemäht werden und die Mahd abtransportiert wird. Brache und Mahd sollten sich abwechseln, um die Hochwasserdämme als attraktive Futter- und Nistplätze für Falter und Wildbienen zu sichern. Derzeit sei aus Gründen des Hochwasserschutzes jedoch eine Erhöhung der Dämme in Planung. Um die vorhandene  Artenvielfalt zu erhalten, dürften die Aufschüttungen nicht großflächig erfolgen. Das vorhandene Pflanzenpotential in den obersten Schichten müsste gesichert und abschnittsweise  wieder aufgetragen werden. Nachteilig wäre es für die hier vorkommende einzigartige Flora und damit auch für die auf den Hochwasserdämmen festgestellten über 110 Wildbienen- und einige hundert Schmetterlingsarten, die Maßnahme in kurzer Zeit großflächig durchzuführen. Dies würde das Vorhandene zerstören und gleichzeitig einer neuen Besiedelung schlechte Chancen einräumen, stellten Scheuchl und Kolbeck fest.