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NATURA 2000 FEIERT 25. JUBILÄUM

Seltener Brutvogel: das Blaukehlchen.
(Foto: Naneder)

BN-Kreisgruppe legte Grundsteine für Schutzgebiete in der Region

Das weltweit größte Naturschutzprojekt zum Erhalt der biologischen Vielfalt, Natura 2000, feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Im Landkreis Landshut und der Stadt gibt es derzeit zehn Vogelschutz- und FFH-Gebiete, die die Natura 2000 - Richtlinien erfüllen. Einen Grundstein hierfür hat die Bund Naturschutz-Kreisgruppe gelegt, und zwar schon bevor Natura 2000 ins Leben gerufen wurde. 1982 war die BN-Kreisgruppe maßgeblich an der Ausweisung des Naturschutzgebietes „Vogelfreistätte Mittlere Isarstauseen“, die im Hinblick auf das europäische Wasservogelmonitoring international bedeutsam ist, beteiligt. „Allerdings hat es noch bis 1994 gedauert, bis auf Initiative des BN die reichlich paradoxe Wasservogeljagd in diesem Vogelschutzgebiet endgültig untersagt wurde“, erinnert sich Paul Riederer, BN-Ehrenvorsitzender. Noch früher, nämlich Ende der1960er Jahre, hatte Paul Riederer das Isarmoos bei Mettenbach und Grießenbach auf dem Radar. Durchregelmäßige Begehungen und Kartierungen wurde ihm bewusst, welchen ökologischen Wert das Gebiet hat, das damals hauptsächlich aus Wiesen, auch Streuwiesen, bestand. Insbesondere die Vogelwelt hatte es dem Landshuter Naturschützer angetan. „Neben mehreren Brachvogel-und Kiebitzpaaren brüteten dort Wiesenweihe, Sumpfohreule, Bekassine, Wachtelkönig, Wachtel, Grauammer und Wiesenpieper“, erzählt Ehrenvorsitzender Riederer. Anfang der 70er Jahre veränderte sich das Landschaftsbild. Durch den verstärkten Umbruch von Grün- zu Ackerland und die Errichtung eines Modellflugplatzes im Mettenbacher Moos im Jahr 1971 verschwanden jedoch außer Brachvogel und Kiebitz die genannten Vogelarten. Ein Grund für den BN hier aktiv zu werden. So setzten sich die Naturschützer zunächst dafür ein, dass der Modellflugplatz an einen anderen Ort im Landkreis verlegt wurde. Des Weiteren machte der BN immer wieder bei den zuständigen Behörden auf Auffüllungen mit Mineralboden im Moos aufmerksam. Mitte der 1980er Jahre machte sich die Kreisgruppe für ein umfassendes Schutzkonzept für das Mettenbacher und Grießenbacher Moos stark. „Mit der Ausweisung des Isarmooses als FFH-Gebiet wurde die BN-Forderung verwirklicht“, freut sich Paul Riederer über den Erfolg des jahrelangen Engagements. Um den Bürgern das einzigartige Ökosystem nahe zu bringen, bietet der BN ebenfalls seit 25 Jahren am 1.Mai eine naturkundliche Exkursion ins Isarmoos an. Als Naturschutzverband wird der BN bei Ausweisungen von FFH-Gebieten gehört, ist aber auch selbst Eigentümer einiger Flächen. Im FFH-Gebiet Tal der Großen Vils besitzt der BN beispielsweise ein landkreisweit bedeutsames Feuchtgebiet. Der im Jahr 2001 auf Initiative des BN von der Regierung von Niederbayern als Naturschutzgebiet ausgewiesene ehemalige Standortübungsplatz Landshut und zwei direkt an das Naturschutzgebiet anschließende, im Landkreis Landshut gelegene Landschaftsschutzgebiete stellen ein rund 500 Hektar großes BayernNetz-Natur-Projekt dar, dessen Träger die Kreisgruppe ist. 14 Hektar wertvoller Wiesenflächen hat der Naturschutzverband dort gepachtet.

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Den wenigsten Autofahrern, die vielleicht täglich auf der A92 zwischen Dingolfing und Landshut unterwegs sind, dürfte bewusst sein, dass sie an einem bedeutenden europäischen Naturschutzgebiet vorbei brausen. Das Mettenbacher und Grießenbacher Moos ist eines von zehn FFH- und Vogelschutzgebieten in der Region Landshut. Die Flächen wurden in den vergangenen25 Jahren im Rahmen des europäischen Schutzprojektes Natura 2000, dem weltweit größten Naturschutzprojekt zum Erhalt der biologischen Vielfalt, ausgewiesen. Höchste Zeit, einem dieser einzigartigen Lebensräume kurz vor Ende des Jubiläumsjahres einen Besuch abzustatten. Den Anstoß für ihren heutigen Schutzstatus gab in vielen Fällen die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Landshut.

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Quelle: Landshuter Zeitung vom 10. November 2017 - Sandra Löw

25. April: Internationaler Tag des Baumes

Feldahorn "Baum des Jahres 2015"
Buche

Der "Tag des Baumes" wurde in Deutschland erstmals am 25. April 1952 begangen. Bundespräsident Theodor Heuss und der Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bundesminister Robert Lehr, pflanzten im Bonner Hofgarten einen Ahorn. Der Feldahorn ist Baum des Jahres 2015.

"Gedanken zum internationalen Tag des Baumes"

Bäume sind die höchsten, mächtigsten und ältesten Lebewesen der Erde. Alle alten Kulturen dieses Planeten verehrten und verehren immer noch "IHREN BAUM". Im europäischen Raum waren dies vor allem die Birke, Esche, Eiche und Eibe. Bäume und Menschen lebten immer schon in einer symbiotischen Beziehung. Durch die Jahrtausende boten Bäume den Menschen Schutz vor Kälte und Hitze. Sie versorgten sie durch ihre vielen eßbaren Früchte, Blätter, Blüten und Wurzeln mit Nahrung. Sie gaben Holz für Werkzeuge, Waffen und Spielsachen, nicht zu vergessen Material für Häuser, Zäune, Schiffe und Brücken. Am bedeutendsten aber war, dass Bäume den Brennstoff für das Feuer lieferten, das vor Jahrtausenden zum Motor der menschlichen Zivilisation wurde.

Bäume sind unsere engsten Verbündeten

Unsere Vorfahren wussten um das Gleichgewicht des Lebens: Man gibt und man nimmt.

So feierten sie die Kräfte der Natur mit Gaben, Gesängen, Gebeten und Segenssprüchen und gaben ihr so wieder etwas zurück in die Welt, als deren natürlicher Teil sie sich fühlten. Viele Kulturen sahen und sehen noch immer die ganze Schöpfung von Geist beseelt und alle Lebewesen als heilig.

Auch wenn wir uns im 21. Jahrhundert mit solch einem Gedankengut schwer tun, sollten wir wenigstens die Leistungen, die ein Baum uns bringt, achten.

Hier als Beispiel die Buche: Etwa 100 Jahre alt, 20 Meter hoch, 12 Meter Kronendurchmesser. Mit ihren  600.000 Blättern verzehnfacht sie ihre 120 Quadratmeter Standfläche auf etwa 1.200 qm Blattfläche. Durch die Lufträume des Schwammgewebes entsteht eine Zelloberfläche für den Gasaustausch von etwa 15.000 qm. An einem sonnigen Tag verarbeitet dieser Baum 9.400 Liter = 18 kg Kohlendyoxid. Das ist der durchschnittliche Kohlendyoxidanfall von 2 ½ Einfamilienhäusern. Bei einem Gehalt von 0,03 % Kohlendyoxid in der Luft müssen etwa 36.000 cbm Luft durch diese Blätter strömen mitsamt den enthaltenen Bakterien, Staub und anderen schädlichen Stoffen. Gleichzeitig wird die Luft angefeuchtet und gekühlt, denn etwa 400 l Wasser verbraucht und verdunstet der Baum an demselben Tag. Die 13 kg Sauerstoff, die dabei vom Baum durch die Fotosynthese als Abfallprodukt gebildet werden, decken den Bedarf von etwa 10 Menschen. Wenn dieser Baum gefällt wird, so müßte man etwa 2.000 junge Bäume mit einem Kronenvolumen von 1 cbm pflanzen, wollte man ihn vollwertig ersetzen.

Trotz unseres Wissens um den Wert und um die Bedeutung der Bäume und der Wälder für die Biodiversität, für die Artenvielfalt und für das Klima, schreitet die Abholzung des Regenwaldes Jahr für Jahr fort und es werden jährlich 13 Millionen ha Wald vernichtet.

Bäume sind Lebewesen. Alte Bäume sind Heimstatt und Nahrungsquelle für Myriaden von Pilzen, Pflanzen, kleinen und größeren Tieren. Es wird Zeit, dass wir den Bäumen als Lebewesen mit Ehrfurcht begegnen und spüren, dass das achtlose Fällen von Bäumen uns einen Teil unserer Seele raubt.

Wir sollten den Umgang mit Bäumen neu überdenken – und dies nicht nur am Internationalen Tag des Baumes. Jeder Mensch  sollte in seinem Leben einen Baum pflanzen, denn:

"Einen Baum zu pflanzen ist Symbol des Glaubens an die Zukunft und verantwortungsvolles Handeln für nachfolgenden Generationen."

28. März 2015: Ehrentag des Unkrauts – Wert der Wildkräuter

Wildblumen als Kräuterwiese

Der Ehrentag des Unkrauts wurde 2003 von Garten-Blogger eingeführt. Als Unkraut werden oft Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kultur-pflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, bezeichnet. Mit dem Wort „Unkraut“ bezeichnet man im allgemeinen Sprachgebrauch Pflanzen, die an der Stelle, an der sie aufgehen, unerwünscht sind. Dies können nebst Gräsern, Farne, Moose oder holzige Pflanzen auch Wildkräuter sein, deren Wert oft verkannt wird.

Wertvolle Wildkräuter

Meist  unerkannt und unbeachtet  wachsen bei uns die Wildkräuter an Orten,  die der Mensch der Natur übrig gelassen hat. Sie wagen es aber auch in kultivierten Bereichen zu wachsen, wo ihnen allerdings mit großem technischen Aufwand  und hohem Einsatz von Agrargiften  das Leben ziemlich schwer gemacht wird.  Wildkräuter sind Meister der Anpassung oder verschwinden langsam und leise von der Bildfläche. Mit jedem Jahr wird unsere natürliche Umgebung eintöniger und farbloser. Zwischendrin finden sich aber trotzdem immer wieder Inseln mit charmanten Wild-blumen und betörend riechenden Pflanzen, oder auch ganz einfachen Gewächsen,  die uns erahnen lassen, welchen Reichtum uns die Schöpfung geschenkt hat. Die Schönheit und der Duft einer artenreichen Wildblumenwiese ist ohnegleichen und erwärmt einen das Herz.

Der Wert der Wildkräuter ist unermesslich. Sie sind ein wichtiger Baustein im ganzen Gebilde des Lebens.  Fehlt auch nur ein Stein,  ist die gesamte Statik in Gefahr. Hier entwickelt sich ein Teufelskreislauf: Ohne die richtigen Pflanzen zum Anfliegen finden Schmetterlinge nicht mehr ausreichend Nahrung. Und deshalb haben es auch die Vögel immer schwerer bei der Futtersuche. Insekten zum Verfüttern sind für ihre Jungenaufzucht aber lebenswichtig. Manche Tierarten sind aufgrund besonderer Spezialisierung an bestimmte Pflanzen gebunden, werden also gefährdet, wenn diese fehlen.  Häufig werden gerade Wildkräuter, die man abschätzig als Unkraut bezeichnet, von  Wildbienen besonders geschätzt, beispielsweise Rote Taubnessel, Wilde Möhre, Bärenklau, Kratzdistel, Kornblume, Klatschmohn oder Natternkopf.  Heimische Wildkräuter fördern die ökologische Vielfalt und das Gleichgewicht der Natur.

Nicht nur die  Tierwelt - egal ob Insekt, Vogel, Nager oder Großwild -  braucht die Kräutervielfalt, auch wir Menschen haben uns seit jeher von dieser Pflanzenkost ernährt. Jede Kulturpflanze hat ihren Ursprung in einer Wildpflanze. Im Laufe der Zeit wurden spezifische Merkmale heraus-gehoben und weitergezüchtet. Dabei bleiben oft wichtige sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe oder auch Vitamine und Mineralstoffe auf der Strecke. Durch die zunehmend ausgelaugten Böden als Folge unserer intensiv bewirtschafteten und  auf Ertragsmaximierung ausgelegten  Agrarflächen verlieren diese einst wertvollen Pflanzenzüchtungen an Qualität. Tatsächlich sind hier die Wildkräuter wieder ganz stark im Kommen, als Ergänzung und Aufwertung unserer Ernährung. Die Einsatzmöglichkeiten sind unbegrenzt. Jetzt im Frühjahr schmecken  Rohkostsalate veredelt mit jungen Blättern der Knoblauchrauke, Barbarakraut, Spitzwegerich und Bärlauch. Oder eine feine Suppe mit Brennnessel, Franzosenkraut und Wiesenknopf. Oder grüne Spätzle mit Vogelmiere und einer cremigen Zwiebel-Kräutersoße aus Wildschnittlauch und Hirtentäschel. Als Abschluss bietet sich ein delikates Dessert  mit Waldmeister und Mädesüß, verziert mit Blüten von Gundermann und Gänseblümchen an.  Ein Festessen für Auge und Gaumen!

Berichte über Grüne Smoothies, Unkrautkochkurse und Wildkräuter-wanderungen sind häufig in der Tagespresse zu finden. Veranstaltungen vom Bund Naturschutz und anderen Organisationen finden regen Zuspruch und werden gerne angenommen, um das verloren gegangene Wissen wieder zu erlernen und anzuwenden. Das Thema Wildkräuter kommt immer wieder im Zusammenhang mit  Ereignisse vor wie z.B. bei einer 1200-Jahr-Feier in einer niederbayerischen Gemeinde bei der auch eine mittelalterlicher Kräuterführung angeboten wurde.

http://www.landshut.bund-naturschutz.de/ortsgruppen/holledauer-eck.html oder zu aktuellen Themen wie Wildkräuter im Garten. http://www.bund-naturschutz.de/themen/landwirtschaft/garten.html

In diesem Sinn ein Zitat von Vauvenarges: „Die Gaben der Natur sind nicht so selten , wie die Kunst sie zu genießen“

 

Ehrentag des Unkrauts - Gedanken und Definitionen

Alternativ: Beikraut oder Kulturpflanzenbegleiter, auch als Unholz, Ungras, Begleitwuchs usw. bezeichnet.  

Als Unkraut (in der Schweiz auch Jät) bezeichnet man Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, die dort nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotential des Bodens oder über Zuflug zur Entwicklung kommen.

Bezeichnungen

Dieselbe Art tritt oft auch als Nutzpflanze, Heilkraut, Zeigerpflanze usw. auf. Es kann sich um Kräuter, Gräser, Farne, Moose oder holzige Pflanzen handeln.

Die ökologische Landwirtschaft hat eine differenziertere Sichtweise auf die „Unkräuter“, die sie nicht ausschließlich als Schadpflanze, sondern auch als wesentlichen Bestandteil des Ökosystems sehen. Daher wird dort der negativ belegte Begriff „Unkraut“ abgelehnt und die neutrale Bezeichnung Beikraut bevorzugt.

Pflanzen werden in der Regel als Unkraut bezeichnet, wenn sie: unerwünscht sind, Giftwirkung haben (Herbstzeitlose in Heu) störend, Erschwerung der Bewirtschaftung, Verunreinigung wirtschaftlicher Schaden entstehen kann, Konkurrenz zu Kulturpflanzen ästhetischer Grund, die Freihaltung von Bewuchs stören unerwünschte Wildpflanzen, massenhafte Vermehrung, Samen, Wurzelbildung, Verdrängung spontan aufwachsender Kulturpflanzen durch Unkräuter können sich zu Beginn der Vegetationsperiode bis zu 100.000 keimfähige Samen auf einem Quadratmeter Ackerland befinden, während z.B. bei Sommergerste nur eine Saatgutmenge von 400 Samen pro qm gesät wird.

Nutzwert von Unkräutern

Unkräuter fördern die Bodengare, können der Erosion entgegenwirken, ermöglichen das Befahren (Weinberge). Wichtiges Gen-Reservoir; Kulturformen der Rübe, Feldsalat oder Roggen waren ursprünglich Unkräuter.

Unkräuter sind wichtige Heilpflanzen z. B. Kamille, Spitzwegerich und Ackerschachtelhalm. Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung ermöglichen sie Schlupfwespen, Raupenfliegen und anderen Nützlingen das Überleben auf dem Acker, solange keine befallenen Kulturpflanzen zur Verfügung stehen.

Naturschutzaspekte

Ein Drittel der etwa 270 Pflanzenarten, die ihr Hauptvorkommen in der Ackerunkraut- und kurzlebigen Ruderalvegetation haben, gelten als regional gefährdet oder ausgestorben. Ihr Erhalt in botanischen Gärten ist schwierig, da dabei fast zwangsläufig Pflanzen ausgelesen werden, denen wichtige (Unkraut-)Eigenschaften wie der Keimverzug fehlen.

Verschiedene Tiergruppen sind vom Rückgang der Unkräuter betroffen, da sich diese Tiere teilweise oder vollständig von Pollen, Nektar, Stängeln und Blättern, Wurzeln oder Samen der Unkräuter ernähren oder die Unkräuter als Habitat nutzen. Beispiel ist ein starker Rückgang von granivoren (Samen fressenden) Vogelarten.

Moderne Unkräuter - z. B. Riesen-Bärenklau

Zum einen sind sie eingeschleppt worden (wie beispielsweise der Riesen-Bärenklau), zum anderen planmäßig importiert (zum Beispiel Zierquitte, Essigbaum, drüsiges Springkraut oder späte Traubenkirsche).

Pflanzenschutzmittel (PSM) sind chemische oder biologische Wirkstoffe und Zubereitungen.

Die Geschichte des Pflanzenschutzes ist so alt wie die Geschichte des Ackerbaus. Die in der EU-25 eingesetzte Gesamtmenge an PSM-Wirkstoffen betrug im Jahr 2003 220 000 t: Frankreich (28%), Spanien und Italien (je 14%), Deutschland (11%) und Großbritannien (7%).

Erlaubte Tagesdosis von einigen Pflanzenschutzwirkstoffen: 0,0003 - 0,05 ADI (mg/(kg*d) Die tatsächlichen Konzentrationen in Nahrungsmitteln sind weitaus geringer, da Pflanzenschutzmittel vielfach schnell biologisch abgebaut werden und viele Agrarbetriebe keine Pflanzenschutzmittel einsetzen. Ein Dossier zu einem neuen Pflanzenschutzmittel umfasst heute etwa 30.000–50.000 Seiten und eine Zusammenfassung etwa 2000 Seiten.

Zulässigkeit, Risiken: oft eingesetzte Mittel, wie z.B. Round up mit dem Wirkstoff Glyphosat bergen trotzdem Gefahren. Es gelangen nur 10–50 % der Pflanzenschutzmittel an den Bestimmungsort.

Gründe für eine unerwünschte Emission sind vor allem: Abdrift, Abfluss über Oberflächenabfluss (Run-off) und Auswaschung (Leaching) (= das Versickerung von Pflanzenschutzmitteln in tiefere Bodenschichten). Verdampfung während der Ausbringung, insbesondere bei Pestiziden mit niedrigem Siedepunkt, wie z.B. Clomazone. Verdunstung Winderosion Wiederverflüchtigung früher deponierter Pflanzenschutzmittel

Herbizide, dazu gehört Glyphosat, wurden inzwischen im Urin von Mensch und Tier nachgewiesen Eine mögliche Erklärung hierfür sind Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Getreide, das zur Erzielung einer hohen Erntetrockenheit gezielt mit Glyphosat totgespritzt wird

Auswirkungen auf die Biodiversität: Möglicherweise sind Pflanzenschutzmittel eine wichtige Ursache des Rückgangs von Amphibien. Die Verwendung von Neonicotinoiden beeinträchtigt Honigbienen.

Quellenhinweis: BUND Naturschutz, Google, Internet

Bund Naturschutz sichert Feuchtbiotop

Diesen Weiher mit altem Baumbestand will der Bund Naturschutz als Biotop sichern. Foto: H. Inkoferer
Unter Führung von Paul Riederer (Dritter von rechts) besichtigten die Vorstandsmitglieder der BN-Kreisgruppe das Pachtgrundstück. Foto: H. Inkoferer

Weiher und Schilffläche sind Lebens- und Nahrungsraum verschiedener Tierarten

Ein dreiviertel Hektar großes Feuchtgebiet bei Baierbach – bestehend aus einem Weiher mit üppiger Ufervegetation, Verlandungszonen, größeren Schilfbereichen und altem Baumbestand – hat kürzlich die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) für vorerst 10 Jahre gepachtet. Das Feuchtbiotop ist Lebensraum von verschiedenen Amphibienarten und weiteren Wasserlebewesen sowie von röhrricht- und baumbrütenden Vogelarten. Für Graureiher und Silberreiher ist der Weiher Nahrungsbiotop und auch der Biber hat hier schon seine Spuren hinterlassen. Mit dieser Grundstückspacht will die BN-Kreisgruppe den Erhalt dieses Weihers und der angrenzenden Schilffläche als wertvolles Biotop inmitten einer intensiv genutzten Agrarlandschaft sichern. Der BN will den Weiher aber auch für Untersuchungen nützen und eventuelle Stoffeinträge aus dem landwirtschaftlichen Umfeld in das Biotop und deren Auswirkungen dokumentieren.

Die Bund-Naturschutz-Ortsgruppe „Oberes Vilstal“ wird dieses Feuchtbiotop dankenswerterweise beaufsichtigen und betreuen.

Im Rahmen ihres August-Treffens am 13. August 2014 haben die Vorstandsmitglieder der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe dem Feuchtbiotop einen Informationsbesuch abgestattet.

Kulturlandschaft Landshut erleben - Wanderungen in die Zeit

Seit vielen Jahren veranstaltet die Kreisgruppe Landshut des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) gemeinsam mit dem Verein für Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut e.V. (arLan) heimatkundliche Wanderungen. Die bisher durchgeführten, viel besuchten Exkursionen unter der Leitung von Werner Hübner (arLan) und Paul Riederer (BN) führten durch die geschichtliche Vergangenheit der Stadt und des Landkreises Landshut. Auf diese Weise sind 14 erlebnisreiche Routen entstanden, welche zu eindrucksvollen Wanderungen zu historischen Schätzen in der niederbayerischen Kulturlandschaft einladen.

Von vielen Teilnehmern wurde der Wunsch geäußert, die Fülle der Informationen nicht nur mündlich bei den Wanderungen zu übermitteln, sondern auch in schriftlicher Form festzuhalten und weiterzugeben.

Die BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut hat diesem Wunsch mit Herausgabe einer heimatkundlichen Dokumentation gerne entsprochen, um interessierte Menschen mit Natur- und Kulturschätzen ihrer Heimat vertraut zu machen, ihre Heimatliebe zu stärken und damit mehr Verständnis zu schaffen für den Schutz von Landschaften mit ihren Pflanzen und Tieren, Kultur- und Bodendenkmälern. Das ist das verbindende Band von Naturschützern und Freunden der Archäologie.

In einem kleinen Buch mit zahlreichen Bildern und Wanderrouten hat der bekannte Landshuter Heimatforscher Werner Hübner vierzehn spannende Wanderungen in und um Landshut beschrieben, die zu Hügelgräbern, Burgställen, “Schwedischen” Schanzen und vielen weiteren kultur- und kunstgeschichtlichen Zielen führen.

Das im Jahre 2009 vom BUND Naturschutz aufgelegte Buch „Wanderungen in die Zeit“ ist leider bereits vergriffen und da derzeit keine weitere Auflage geplant ist, stellen wir mit freundlicher Genehmigung des Autors, Herrn Werner Hübner, dieses Dokument nunmehr als PDF-Datei zur Verfügung.

Die „Wanderungen in die Zeit“ mögen bei vielen Menschen das Wissen über die Geschichte ihrer niederbayerischen Heimat bereichern und die Liebe zur Natur und deren Schutz wecken und verstärken. Den Spuren des Autors nachzugehen über Äcker und Wiesen, in den Wäldern und auf den Höhen des Isartales und dabei vielleicht neue zu entdecken, das kann bei diesen Wanderungen versucht werden.

Das Buch ist nicht mehr erhältlich, daher hat uns Werner Hübner erlaubt, das gesamte Buch als PDF-Datei auf unserer Website zu PDF-Datei öffnenveröffentlichen.

 

(Mit freundlicher Genehmigung des Verein für Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut e.V. (arLan) www.arlan.de)

Wo sich die Vils noch schlängelt

Viktoria Meysemeyer stellte die natürliche Vielfalt im FFH-Gebiet „Vilstal“ vor
Das BN-Biotop ist ein bedeutendes Fortpflanzungshabitat für Amphibien im Vilstal

Viktoria Meysemeyer informierte über die Artenvielfalt in Feuchtwiesen

Viktoria Meysemeyer hielt einen bemerkenswerten Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Natur vor der Haustür“ der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. Die Landschaftsarchitektin befasste sich im Gasthof zur Insel in Landshut mit der noch relativ intakten Restnatur an der Großen Vils bei Leberskirchen – ein Kleinod in ansonsten weitestgehend ausgeräumter und agrarisch genutzter Landschaft. Es handelt sich um ein breites Tal mit flach ausgeprägten Hängen kurz vor der „Vereinigung“ mit der Kleinen Vils. Hier mäandert der Fluss noch malerisch. Auch ein Altarm der Vils existiert noch, und ansonsten finden sich einige ehemalige Entwässerungsgräben und Seigen, das sind flache, zeitweise trockenfallende Mulden in dem Wiesengelände.  

Richtige Auwälder, so die Landschaftsarchitektin, gibt es längst nicht mehr, lediglich flussbegleitende „Galeriebäume“. Diese sind nicht nur Kulisse, sondern Lebensraum für manch eine rare Art – wie Schillerfalter oder Laubfrosch. Dieser in den Seigen noch öfters vorkommende Frosch klettert gern in Bäume oder Büsche. Erhöhte Sitzwarten sucht auch die Rohrammer – auch „Rohrspatz“ genannt – auf, die sich durch ihren unverkennbaren Gesang verrät. Im Grasland tummeln sich der in den letzten Jahren arg dezimierte Kiebitz sowie sogar die beeindruckende Bekassine, Vogel des Jahres 2013.  

Auch zahlreiche Pflanzen stellte Viktoria Meysemeyer in brillanten Bildern und treffenden Worten vor, so die Gelbe Sumpfschwertlilie und ihre blaugefärbte Schwesterart, die Sibirische Schwertlilie. An feuchten Stellen kommt noch die pinkleuchtende, fransige Kuckuckslichtnelke vor sowie der Große Wiesenknopf. Auf letzteren ist ein seltener Bläulingsfalter angewiesen, dessen komplizierte Symbiose mit einer Ameisenart die Referentin anschaulich schilderte. Sie präsentierte auch ein unerwartetes Großtier, das wollige Schottische Hochlandrind. Dieses wird auf einem Feuchtbiotop, das der Bund Naturschutz vor Jahren gekauft hat und betreut, als Landschaftspfleger eingesetzt: Es hält das Schilf kurz. Woanders bedarf es natürlich der Mahd – allerdings erst spät im Jahr -, um die wertvollen Wiesen offen zu halten und vor Verkrautung zu bewahren, wobei das Mähgut unbedingt entfernt werden muss. Auf diese Weise könne das FFH-Gebiet Vilstalaue auch weiterhin eine Art Arche Noah für zahlreiche Tiere und Pflanzen bleiben, eine gleichsam urtümliche Landschaft, die eine Ahnung davon vermittelt, wie es einstmals fast überall im Überschwemmungsgebiet der niederbayerischen Wasserläufe aussah.  Heute müsse es schon als „Erfolg“ gefeiert werden, wenn der Maisacker nicht unmittelbar an Fluss oder Bach heranreicht.

Im Reich des Brachvogels

Der Kiebitz ist ein typischer Bewohner des FFH-Vogelschutzgebietes Mettenbacher und Grießenbacher Moos. Auf dem Bild hudert ein fürsorglicher Altvogel seine Jungen. Foto: Helmut Naneder
Eine historische Aufnahme - Torfstechen von Hand war im Isarmoos durchaus üblich. Foto: Helmut Hohn

BN-Vortragsreihe „Natur vor der Haustür“: BayernNetzNatur-Projekt des Landkreises Landshut im Isarmoos findet großes Interesse  

„Im Reich des Brachvogels“, so hieß der für Naturfreunde vielversprechende Titel eines am 4. Dezember 2012 gehaltenen Lichtbildervortrages im Gasthaus „Zur Insel“ in Landshut. Die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Landshut organisierte den Vortrag im Rahmen ihrer Reihe „Natur vor der Haustür“, bei dem diesmal das Bayern NetzNaturProjekt „Mettenbacher und Grießenbacher Moos“ von Helmut Naneder - dem Naturschutzbeauftragten des Landkreises Landshut - vorgestellt wurde. Stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer begrüßte die zahlreichen Zuhörer und führte kurz in das Thema ein.

Das Mettenbacher-Grießenbacher Moos gehört zu den flächig größten Niedermooren, die sich in der Nacheiszeit im Unteren Isartal entwickelt haben. Im Laufe von Jahrtausenden habe sich – je nach örtlichen Gegebenheiten – hier unter damals gegebenen hohen Grundwasserständen und dem daraus resultierenden weitgehenden Sauerstoffabschluss eine fast vier Meter dicke Torfschicht aus unvollständig zersetztem Pflanzenmaterial gebildet, informierte Naneder eingangs seines Vortrags.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts konnten weite Teile wegen der im Niedermoor herrschenden Wasserverhältnisse nur als extensives Grünland genutzt werden, in den Moosteilen mit höherer Moormächtigkeit war kleinflächiges Torfstechen vorwiegend zur Gewinnung von Brennmaterial durchaus üblich, was Naneder mit historischen Aufnahmen des zu damaligen Zeiten aktiven Naturfotografenkollegen, Helmut Hohn, aufzeigen konnte.

Nach der Isarkorrektur Mitte des 19. Jahrhunderts sank im Gebiet jedoch stetig der für den Erhalt des Torfkörpers essentiell wichtige, hohe Grundwasserspiegel. In der Folge dieser „Erstentwässerung“ setzte eine Intensivierungswelle der landwirtschaftlichen Nutzung ein. Durch die nun vorhandene Vorflut zur Isar hin wurden immer mehr Gräben gezogen, feuchte Mulden und Senken verfüllt, ein dichtes Wegenetz angelegt und – was sich die alten Bauern ein halbes Jahrhundert zuvor wohl nicht vorstellen konnten - es war schließlich in weiten Moosteilen möglich, Grünland zu Ackerland umzubrechen.

Die ursprünglich typische Niedermoorvegetation, bestehend aus weitläufigen Duftlauch-Pfeifengrasstreuwiesen wurde dadurch im Laufe von nur wenigen Jahrzehnten bis auf kleine Restflächen zurückgedrängt. Das dennoch auch aktuell noch eine Vielzahl hochgradig seltener Arten auf den restlichen Niedermoorflächen beheimatet ist, ist in hohem Maße den bereits früh getätigten Bestrebungen des Landkreises Landshut zum Erhalt des Gebietes zu verdanken.

So konnten bis heute landesweit hochgradig seltene Vogelarten wie beispielsweise der Große Brachvogel, zahlreiche seltene Amphibien, europaweit seltene Schmetterlings- und Libellenarten, aber auch eine besonders vielfältige Vegetation mit Mehlprimelbeständen oder andernorts längst verschwunden Orchideenarten wie beispielsweise Sumpfständelwurz oder Fleischknabenkraut erhalten werden. Aufgrund seiner enormen Wertigkeit für die Natur ist das Mettenbacher und Grießenbacher Moos als Vogelschutzgebiet und als Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) der EU ausgewiesen worden.

Unterstützt von der Höheren Naturschutzbehörde engagiere man bereits sich seit mehreren Jahrzehnten gemeinsam und zielgerichtet mit den vor Ort ebenfalls eingebundenen Gemeinden Essenbach, Postau und Niederaichbach, um das Mettenbacher und Grießenbacher Moos zu erhalten und zu verbessern, so Naneder.

Mit Hilfe von Fördergeldern aus dem Bayerischen Naturschutzfonds seien bisher alleine durch den Landkreis Landshut Grundstücke mit einer Gesamtfläche von mehr als 160 Hektar gezielt für Naturschutzzwecke erworben worden, weche im Sinne des Projektes gepflegt und laufend naturschutzfachlich optimiert werden.

Durch verschiedenste, aktive Biotopgestaltungmaßnahmen werden für die bedrohte Lebensgemeinschaft Niedermoor, aber auch für den Menschen unübersehbar artenreiche Lebensräume mit beispielsweise bunten Blumenwiesen die mancher nur noch aus der Kindheit kennt, wieder hergestellt, so der Referent begeisternd. Die vielfältigen Methoden zur erfolgreichen Wiederherstellung von artenreichen Niedermoorlebensräumen konnten eindrucksvoll visuell aufgezeigt werden. So gehören gezielte Biotopgestaltungen wie die Anlage von Flachwasserzonen ebenso zum Repertoire des Naturschutzes, wie freiwillige Maßnahmen der örtlichen Landwirte, beispielsweise die Förderung extensiver Grünlandnutzung durch Vertragsnaturschutzprogramme mit späterer Mahd und Düngeverzicht. Ergänzend dazu erfolgt das Ausbringen von artenreichem Mähgut oder gezielten Auspflanzungen auf ausgewählten Landkreisflächen, was den Bestand von seltenen oder vormals bereits ausgestorbenen Pflanzen wie Mehlprimel oder Lungenenzian seit mehreren Jahren signifikant erhöht. Vorrangiges naturschutzfachliches Ziel sei jedoch neben der Sanierung von Niedermoorstandorten der Schutz und die Stabilisierung der Population von seltenen wiesenbrütenden Vogelarten,  insbesondere des Großen Brachvogels, bekräftigte der Referent. Für den Brachvogel und eine Reihe anderer Seltenheiten wie dem Rotschenkel oder der Grauammer gehört das Mettenbacher und Grießenbacher Moos zu den wichtigsten Wiesenbrütergebieten in Bayern.  Ergänzend zu umfangreichen biotopverbessernden Maßnahmen werden deshalb gezielte Gelegeschutzmaßnahmen in Form von Nest-Auszäunungen vor allem für Brachvogel und Kiebitz durchgeführt. So werden den Bestand dezimierende Fressfeinde wie der Fuchs ausgesperrt - und der Bruterfolg dieser bedrohten Arten wird gesteigert.

Durch die Kombination verschiedenster Maßnahmen, intensiver Projektbetreuung und weiteren Flächenankäufen soll die Population dieser landesweit immer seltener werdenden, typischen Moosbewohner gesichert und möglichst bald erhöht werden, hob Naneder nochmals hervor - und schloss seinen Vortrag mit einer Fülle von prächtigen Bildern, welche die Zuschauer nochmals die beeindruckende Artenvielfalt dieses schützenswerten Gebietes vor unserer Haustür bestaunen ließ.

Als langjähriger Beobachter im Isarmoos vermittelte Paul Riederer noch ein kurzes Bild über die Landschaft, wie sie vor rund 55 Jahren noch anzutreffen war. Großflächige Streuwiesen und eine Vogelwelt mit Großem Brachvogel, Kiebitz, Sumpfohreule, Wiesenweihe, Bekassine und sogar Birkhuhn, prägten damals das Mettenbacher und Grießenbacher Moos.

„ Mit Kindern und Märchen in der Natur“

Eine Einladung vom Naturerleben ins Erzählen zu kommen und vom Erzählen ins Naturerleben

Zu aller Anfang aber steht die eigene Freude am und Lust zum Erzählen und die Kinder bekommen Lust selbst zu erzählen – eine schöne Förderung der Sprachentwicklung.

Märchenabend in der Natur -  Sa.  12. Mai,  18.00 Uhr: „Vom Zaunkönig und der Birkennase“ Märchen von Vögeln und Bäumen; eine liebevolle Erzähl-Begegnung mit den neu erwachenden Kräften der Natur für Kinder ab 5 Jahre und Erwachsene Diese Veranstaltung war auch für Familien offen.

Tagesseminar So 13. Mai,  9.00 – 17.00 Uhr „Das Schatzkästchen des Hirtenjungen“ Mit Kindern und Märchen in der Natur; Fortbildungstag für Erwachsene, die mit Kindern arbeiten oder zusammen sind

„Die Kraft des Märchenerzählens liegt in den inneren Bildern, die in Hörern wie Erzählern gleichermaßen zum Leben erweckt werden. Kinder haben einen unmittelbaren Zugang zu dieser Märchenwelt. Figuren, mit denen sie sich identifizieren können, stärken sie in ihrer Haltung zur Welt. Gleichzeitig bieten sie Werte zur Orientierung und lehren Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Oder aber Ängste können durchstanden und verarbeitet, Freude erlebt oder auch herzlich gelacht werden. Wenn Kinder Geschichten lauschen, ermöglicht ihnen dies symbolisches Erleben und den Umgang mit inneren Bildern. Sie laden ein die Symbolkraft der umgebenden Natur intensiver wahrzunehmen und zu erleben.“

Auf den Spuren der letzten Eiszeit

Dr. Albert Ulbig (rechts neben Karte) erläuterte auf einer Anhöhe über Inn und Salzach die Ausdehnung des Salzachgletschers

Bund Naturschutz erkundete Landschaftsrelikte des Salzachgletschers

Unter dem Motto „Eiszeitliche Landschaftsrelikte“ unternahm die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im Rahmen ihres Umweltbildungsprogramms eine geologische Exkursion nach Oberösterreich in das Gebiet des eiszeitlichen Salzachgletschers. Die Teilnehmer wurden vom Exkursionsleiter Dr. Albert Ulbig an einem Aussichtspunkt auf dem Hochufer über der Inn-Salzach-Mündung begrüßt. Anhand einer geologischen Karte erläuterte der Geologe die frühere Ausdehnung des Gletschers vor 15 000 Jahren und die Lage der Terrassen von Inn und Salzach, auf denen das Gletscherschmelzwasser damals abfloss. Die Fahrt ging weiter über landwirtschaftlich genutzte Moränenhügel älterer Eiszeiten in die Endmoränen der letzten Vereisung im Oberen Weilhardtforst. In einer kleinen Waldkiesgrube erklärte Dr. Ulbig das „Innenleben“ eines Endmoränenwalls. Das Schmelzwasser schüttete am Eisrand einen Schotterwall auf, der mit großen Felsblöcken durchsetzt ist.

Eine kurze Mittagsrast gab es dann am Holzöster See. Hier lagen mehrere hundert Meter Eis des Salzachgletschers und schürften Mulden aus den Tertiärschichten, in denen heute kleine Seen und Moore liegen. Auf einem Bretterweg konnten die Exkursionsteilnehmer ein Stück weit in die moorige Verlandungszone des Sees vordringen. Der nächste Halt bot eine herrliche Aussicht über das Zungenbecken des Gletschers und die Berchtesgadener Alpen. In dieser und einer weiteren Kiesgrube waren lehmige Grundmoränen und vom Eis gestauchte Schotterschichten aufgeschlossen. In Schmelzwasserseen, die das Eis am Ende der Eiszeit aufstaute, entstanden feingeschichtete Seetone, die im Alpenvorland zur Ziegelherstellung genutzt werden.

Den Abschluss der beeindruckenden Exkursion bildete eine kurze Wanderung entlang der Salzach bei Burghausen. Im Durchbruchstal der Salzach durch die Altmoränen liegt eine imposante, fast 100 Meter hohe Steilwand, die von Schottern des Jungtertiärs und der Eiszeiten aufgebaut wurde.

Naturkundlich-archäologische Spurensuche

Isabella Denk (vierte von rechts) und Paul Riederer (zweiter von rechts) führten bei der archäologisch-naturkundlichen Exkursion auch ins Tal Josaphat (Foto: Kroehling)

Bund Naturschutz und Museen der Stadt führten auf den Hofberg, Sallmannsberg und Moniberg

Landshut. Rund 70 Exkursionsteilnehmer waren es, die sich am Sonntag, 7. August 2011, bei strömendem Regen zur naturkundlich-archäologischen Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe zusammen mit den Museen der Stadt Landshut aufmachten. Paul Riederer, stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender, und Isabella Denk, Archäologin bei den Museen der Stadt Landshut, erläuterten allerhand Wissenswertes während der mehr als dreistündigen Wanderung.

Ein kleiner Museumsbesuch stand zu Beginn der Exkursion auf dem Programm: Isabella Denk führte die Teilnehmer durch die Ausstellung „handfest abgehoben. Eine archäologische Expedition“ der Museen der Stadt Landshut in der Stadtresidenz.  Im Mittelpunkt stand dabei die Topografie des Isartales sowie des angrenzenden Hügellandes und damit verbunden die Siedlungsräume von der Steinzeit bis ins Mittelalter.

Pünktlich zur Wanderung machte der Regen eine Pause. Vorbei an einem Nagelfluh-Vorkommen an der sogenannten Teufelsbrücke im Hofgarten, wanderten die Teilnehmer auf den Hofberg bis zur Kirche Heiligblut. Der Nagelfluh - von kalkhaltigem Wasser zementierter Schotter -, auch Herrgottsbeton genannt, tritt an den Abbrüchen der Isarhangleite häufiger an die Oberfläche. Von der Kirche Heilig-Blut mit ihren markanten Rundtürmen ging es hinab ins Tal Josaphat, das für mehr als 400 Franzosen nach den napoleonischen Kriegen die letzte Ruhestätte wurde. Paul Riederer verwies auf die aktuelle Diskussion um eine Bebauung des Talrandes und um die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet. 

Vorbei an weidenden Ziegen und nach einem Anstieg durch lichten Buchenwald auf den Sallmannsberg erklärte Isabella Denk die vorgeschichtliche Besiedelung auf dem Berg. Die älteste Siedlung auf dem Landshuter Stadtgebiet, die mehr als 7500 Jahre alt ist, wurde zu Beginn der 1980er Jahre im Rahmen des Bentonitabbaus gefunden. Heute ist die ehemalige Ausgrabungsfläche ein Biotop: „Wie man sieht, schließen sich Archäologie und Naturschutz nicht aus“, resümierte Riederer. Am nördlichen Teil des Sallmannsberges begaben sich die Exkursionsteilnehmer schließlich auf die Spur des ehemaligen Burgstalls Parn, der auch auf der in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Karte Apians Erwähnung findet. Riederer zitierte auch Pfarrer Dietl, im 19. Jahrhundert Professor für Ästhetik an der Landshuter Universität, der den Blick von Sallmannsberg ins Isartal pries und den Ort als den schönsten Bayerns bezeichnete. Ein nicht minder schönen Blick eröffnete sich den Wanderern anschließend von der Carossahöhe, wo sich vor mehr als 3000 Jahren eine Siedlung befand, auf die man bei einer Anlage eines Bierkellers am Höglberg 1823 gestoßen war.

Ferne Spuren eines nahen Volkes

Werner Hübner bei seinem Vortrag über das Volk der Kelten

Die Kelten im Isartal – Vortrag von Werner Hübner beim Bund Naturschutz

Hochintelligent, künstlerisch begabt, tapfer und wanderungsfreudig waren sie, die weithin bewunderten, ja gefürchteten Kelten vor zwei- bis dreitausend Jahren – ein in vielerlei Hinsicht rätselhaftes Volk, das in großen Teilen Europas heimisch war. Im Isartal sowie im benachbarten Hügelland gibt es zahlreiche Spuren davon, und diesen geht Werner Hübner von der Archäologischen Gesellschaft schon seit über sechs Jahrzehnten nach. Sein reiches Wissen gab er bei einem vom Bund Naturschutz veranstalteten Vortrag im vollbesetzten Saal des Gasthofes „Zur Insel“ an die Besucher weiter.

Hübner drehte die Zeit zunächst 2800 Jahre zurück, in die Spätbronzezeit. Die Kelten lernten damals, mit Eisen umzugehen, sie schmiedeten Waffen, Schmuck und Geräte. Auch der Handel mit Salz und mit Bernstein blühte in dieser auch „Hallstattzeit“ genannten Epoche. Bei Niedererlbach westlich von Landshut entdeckte man ein prächtiges Bernsteincollier, von dem der Referent ein Foto zeigte. Gegen 400 v. Chr. setzten weitgreifende Wanderungen ein: in die Poebene, nach Rom, in den Balkan bis hin in die Türkei, sowie nach Spanien und Portugal. Merkwürdigerweise wurden die Kelten dann gegen 250 v. Chr. von den Römern wieder in ihre ehemalige Heimat nördlich der Alpen zurückgedrängt. Und zweihundert Jahre später wanderten sie nach Westen ab. Über die Gründe dieser „Ruhelosigkeit“ lässt sich nur spekulieren.

Wie Hübner anhand von Dias veranschaulichte, stößt man vielerorts um Landshut auf uralte Hügelgräber. In den frühen Gräbern wurden die Toten – zusammen mit ihren Frauen, Sklaven und Haustieren – verbrannt, später wurden sie als Körper bestattet, wobei ihnen für die Reise ins Jenseits Speisen, Schmuck, Geräte und Bekleidung mitgegeben wurden. Man glaubte also an ein Weiteleben nach dem Tode. In größerer Zahl findet man links und rechts des Isartales auch die geheimnisvollen Viereckschanzen, zum Beispiel bei Niedererlbach oder bei Ast. Dienten sie zur Verteidigung (wogegen ihre Lage spricht), oder waren es Versammlungsplätze für religiöse oder sportliche Feste oder für Gerichtsverhandlungen? Man weiß es nicht, wie so vieles über die Kelten, weil diese ja nichts niederschrieben und die Berichte anderer, vor allem der Römer, mit Vorsicht zu genießen sind.

So muss man die Bodenfunde interpretieren, die man mittels Luftbildarchäologie oder bei Baumaßnahmen gemacht hat. Man fand ganze Dörfer, so bei Altdorf unweit der heutigen Frauenkirche, ja ganze Städte mit vielen Tausenden von Bewohnern, so bei Manching oder bei Weltenburg. Diese „moderne“, dichtgedrängte Lebensweise mit Reihenhaussiedlungen, zum Beispiel in Landshut am Hascherkeller, hatten die Kelten auf ihrer Wanderung in den Mittelmeerraum kennen gelernt. Von dort brachten sie auch Handel, Handwerk, Künste und Geldwesen mit in den Norden, wo sie später wieder siedelten.

Der Referent illustrierte seine kenntnisreichen Ausführungen mit Lichtbildern, die Luftbildaufnahmen, nachgefertigte Modelle sowie reale Fundstücke zeigten. So gelang es ihm, den Zuhörern dieses außergewöhnliche Volk, dessen Wirken zeitlich so fern und örtlich so nah war, anschaulich näher zubringen und Interesse auch an „eigenfüßigen“ Spaziergängen zu Keltenstätten zu wecken. Mit dem entsprechenden Wissen ausgestattet, sieht man auch in unserer vom modernen Menschen teils grausig entstellten Landschaft noch Spuren einer alten, versunkenen Kultur, die starke Faszination ausübt.

Seltene Flora der Sand-Kiefernwälder

Erich Haubold (rechts) zeigte den Exkursionsteilnehmern auf den Abensberger Sanddünen botanische Raritäten

Botanische BN-Exkursion mit Erich Haubold zu den Abensberger Dünen

Es sei schon ein kleines Wunder, dass diese Abensberger Flugsanddecken und Sanddünen, in der Eiszeit von vor zwei Millionen bis etwa 10 000 Jahren angeweht, in dem relativ kleinen Bereich im Landkreis Kelheim von Neustadt im Westen bis Bachl im Osten, von Sandharlanden im Norden bis nach Elsendorf im Süden mit ihrer ganz speziellen Vegetation bis heute so gut erkennbar erhalten geblieben ist. Man erkennt sie an den vielen Spargelfeldern. Die zahlreichen Teilnehmer der von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut organisierten und vom Forstmann und Botaniker Erich Haubold geleiteten botanischen Exkursion konnten schon gleich zu Anfang an einem lichten Waldrand einige Exemplare des wunderschön zierlichen, nadelfein beblätterten, etwa ein Meter großen wilden Spargels ausmachen. Der Spargel wurde zwischen 1500 und 1800 aus Griechenland nach Bayern eingeführt. In die Flora der Sand-Kiefernwälder hinüber führte dann gleich die am Waldrand stehende, sehr seltene Sand-Grasnelke. Diese gibt es in Ostbayern nur mehr an wenigen Punkten der Abensberger Sande und des Jura. Sie ist nach den Roten Listen für Bayern eine stark gefährdete Pflanze.

Das Hauptziel der Exkursion waren die Wintergrün-Sand-Kiefernwälder von Offenstetten und des Dürnbucher-Forsts bei Siegenburg. Sie stellen Relikte nacheiszeitlich aus den Steppen Ost-Südost-Europas eingewanderter Kiefernwälder dar. Ihre Vegetation hat sich bei uns da entwickelt, wo sie in einer ganz speziellen Situation unter dünneren Flugsanddecken den kalkreichen Unterboden des Jura mit den Wurzeln erreichen. Beim Durchstreifen dieses Waldtyps fand die neugierige Exkursionsrunde dann Zug um Zug die örtlichen Kennarten und bestimmte sie zusammen mit Erich Haubold auch sofort: das Nickende, das Grünliche und das Einblütige Wintergrün, die Frühlings-Küchenschelle, den Regensburger Geißklee, den Berg-Haarstrang, die Rotbraune Stendelwurz, den Sand-Thymian, das Kleine Filzkraut und natürlich eine Reihe von Blumen und Stauden, die allgemeiner verbreitet sind. Ja, das machte sichtlich Spass, zumal eine Reihe dieser Arten für die Naturfreunde in Ostbayern nur noch in den Blumenbüchern zu finden und zu bewundern ist.

Bei aller Freude am aktuellen Finden und an der Ästhetik der Kiefernwälder mußte natürlich auch die prekäre Situation ihrer bedrohten Arten angesprochen werden. Sie sind in den Jahrzehnten immer weniger geworden, sie sind gefährdet, stellte Haubold fest. So mußte in der Roten Liste Bayern die Kiefern- Steppenwaldgesellschaft als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft werden. Dies sei dadurch begründet, dass alle mageren, das heißt von Natur aus stickstoffarmen Pflanzengesellschaften infolge der aktuell immer noch hohen Stickstoff-Immisionen aus der Luft ihre Existenzgrundlage verlieren und aus unserer Landschaft verschwinden. Da war es natürlich erfreulich, dass der Exkursionsleiter an mehreren Stellen darauf hinweisen konnte, das in den Wäldern der Abensberger Sande Maßnahmen laufen, die den Artenschwund zumindest einschränken sollen. So führt der Verein zur Sicherung ökologisch wertvoller Flächen im Landkreis Kelheim Artenhilfsmaßnahmen zur Erhaltung ausgewählter stark gefährdeter Arten auf Sanden durch. Die Blumenfreunde trafen an einigen Stellen der Sand-Kiefernwälder auf neu ausgepflanzte Gruppen von Frühlings-Küchenschellen. Damit die Artenhilfsmaßnahmen von Dauer erfolgreich sind, müssen die hohen Stickstoff-Immissionen verringert werden und da sei die Politik gefordert, betonte Haubold.

Großartige Kleinodien am Bodensee

Natur und Kultur verbanden die Landshuter Naturschützer auf der Insel Reichenau mit dem Besuch des Klosterkräutergartens und des Münsters St. Maria und St. Markus

Naturschützer auf naturkundlicher und kulturhistorischer Exkursion

Zum größten See im deutschsprachigen Raum, an den drei Länder grenzen, führte die traditionelle – wiederum von Paul Riederer organisierte – Zweitagesexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, die gespickt war mit naturkundlichen wie auch kulturhistorischen Informationen. Das Gebiet um den beeindruckend großen, markant geformten See ist zwar – wohl wegen des angenehm milden Klimas – sehr dicht besiedelt, dennoch gibt es vielerorts noch ökologische Glanzlichter, die einen spüren ließen, wie unsere Landschaft vor hundert Jahren aussah.

Am nordwestlichen Finger, dem Überlinger See, liegt das Naturschutzgebiet Sipplinger Steilufer. Dort unternahm man die erste Wanderung durch Halbtrockenrasen, Steppenheiden und lichte Wälder. Fast alle paar Schritte konnte der ausnehmend kenntnisreiche Exkursionsleiter Johannes Enzler hier botanische Details erklären und Insekten von großer Schönheit erklären. Anschließend wurde der Mindelsee angesteuert, ein kleines, aber feines Gewässer zwischen den beiden Nordwestarmen des Bodensees, das eingebettet ist in den vielfältig gegliederten Bodanrück. Dieses Natura 2000-Gebiet weist eine deutschlandweit fast unerreichte Artendichte auf, weil hier unterschiedliche Lebensräume aufeinandertreffen. Vor allem um die Ried- und Streuwiesen kümmert sich das nahegelegene BUND-Naturschutzzentrum Möggingen, auf dessen Dach – direkt neben einer Photovoltaikanlage – passenderweise ein Storchenpaar brütet.

Beeindruckend ist auch der Weitblick über den Bodensee von einem Ausichtsturm auf der Halbinsel Mettnau, einem Naturschutzgebiet mit ausgedehnten Schilfröhrichtzonen. Hier ließen sich verschiedene Wasservögel beobachten und bestimmen. Überhaupt stellt der Bodensee ein ungemein wertvolles Brut- und Rastgebiet für Wasservögel dar, ein wahres Eldorado für Vogelkundler. Und an Land erspäht man immer wieder den seltenen Roten Milan mit seinem tief gegabelten Schwanz am Himmel. Die letzte Station am ersten Tag war der Hegau bei Singen, der dominiert wird von dem ehemaligen Vulkankegel Hohentwiel. Dieser knapp 700 Meter hohe Phonolith wird gekrönt von einer gigantischen Festungsruine. Dieser geradezu magische Ort – einer der sonnenreichsten Deutschlands – ist schon seit 9000 Jahren besiedelt. Im Mittelalter wurde die Burg stetig erweitert, und unter Napoleon wurde sie geschleift, was ihrer Anziehungskraft auf Touristen freilich keinen Abbruch tat. Auf dem Fußpfad durch das Naturschutzgebiet hinunter nach Singen erzählte Johannes Enzler Interessantes zu Wein- und Obstbau, der im Bodenseegebiet ja landschaftsprägend ist.

Am nächsten Morgen fuhr der Reisebus über einen Straßendamm auf die berühmte Insel Reichenau, die wie ein langgezogener Tropfen im Untersee liegt. Dieses ungewöhnlich fruchtbare, klimatisch verwöhnte Fleckchen Erde blickt auf eine über 1300 Jahre lange Siedlungsgeschichte zurück und enthält einige herausragende Stätten christlicher Kunst. Die Exkursionsteilnehmer besichtigten vor allem das Münster St. Maria und St. Markus, eine Gründung des Abtes und Wanderbischofs Pirmin, der im achten Jahrhundert auf der Reichenau lebte. Es war einst einer der kulturellen Mittelpunkte des Abendlandes. Um 1000 erreichte hier die Buchmalerei spektakulären Glanz. Um die Kirche herum wachsen einige althergebrachte Kulturpflanzen, wie etwa der Lein. Ein weiteres Kleinod ist der schon seit dem neunten Jahrhundert bestehende Klosterkräutergarten, in dem man ausgiebig schauen, riechen, reiben und schmecken konnte.

Nach einer Wanderung zu den Sibirischen Schwertlilien im Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried bei Konstanz fuhren die Landshuter Naturschützer auf der Schweizer Seite den See entlang nach Südosten.  Bei St. Margarethen teilt sich der von Süden kommende Rhein in den alten, westwärts in den Bodensee strebenden Rhein und den geradewegs noch Norden verlaufenden Rheinkanal. Dieser wurde vor über hundert Jahren durchgestochen, und seitdem wird das meiste Rheinwasser in die Fußacher Bucht geführt. Mit dieser „Rheinvorstreckung“ wollte man ein weiteres Verlanden der alten Rheinmündung stoppen.  Als Abschluss des Exkursionsprogramms erkundete man noch auf einer Wanderung ein Teilgebiet des österreichischen Naturschutzgebiets Vorarlberge Rheindelta, wo es nochmals reichlich „Material“ zum Fachsimpeln gab. Nach einer gemütlichen Einkehr in einem sonnigen Biergarten traten die Naturschützer, körperlich und informationsmäßig reichlich gesättigt, die Heimfahrt an.

Dauerhafte Zeugnisse vergänglichen Ruhms

Die „Wanderer in die Zeit“ mit ihren Lotsen durch Wald, Feld und Epochen, Werner Hübner und Paul Riederer, vor dem uralten Kirchlein von Geberskirchen.

Werner Hübner führte „Zeit-Wanderer“ zu Resten der Burg derer vom Boxberg

Dichtes Unterholz, Sträucher und Brennesseln erwarten den, der bei Geberskirchen (Gemeinde Furth) die Stelle sucht, an der einst die Burg der Herren vom Boxberg stand. Mächtige Adelige waren sie, erzählte Werner Hübner von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern, der Geschichts- und Naturfreunde sicher in und vor allem auch wieder aus dem tiefen Wald herausführte: Die Boxberger waren Partner von Herzögen und Bischöfen, eines „deutschen Papstes“ sogar – und dennoch blieb nichts von ihrem Ruhm als diese mächtigen Wälle, Gräben und Plateaus in einem Wald an der Grenze von zwei Gemeinden und vielen Jahrhunderten.  

Sie haben eine treue Fan-Gemeinde, Werner Hübner, ein Mann der ersten Stunde bei der Archäologie-Gesellschaft ebenso wie beim Verein Arlan (Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut) und Paul Riederer, Urgestein des Bundes Naturschutz (BN): Wenn sie zur jährlichen „Wanderung in die Zeit“ rufen, heuer übrigens zum 19. Mal, dann können sie sicher sein, dass ihnen viele folgen – fast 100 Teilnehmer waren es auch diesmal.

Es waren Plätze, die auch unter Geschichtsfreunden weniger bekannt sind, zu denen Hübner und Riederer die Zeit-Wanderer in diesem Jahr führten: zu den beeindruckenden Überresten der Burg der Herren vom Boxberg, zu einem 2600 Jahre alten Grabhügelfeld in einem Wald im Norden von Geberskirchen und zu einer mächtigen, uralten Wallanlage auf dem Plattenberg über dem kleinen Ort Punzenhofen bei Schatzhofen: An einem Nachmittag wurden Jahrtausende der Menschheitsgeschichte durcheilt.

Wie ein riesiger stumpfer Kegel türmt sich noch heute jener Hügel auf im Wald zwischen Furth und Bruckberg, auf dem einst der Bergfried in den Himmel ragte - so nannte man den höchsten Turm einer Burg, der bei einem Überfall oft zur letzten Bastion der Ritter wurde. Auf einem nahen Plateau, trotz dichtem Bewuchs noch heute deutlich erkennbar, lagen die Haupt- und Wirtschaftsgebäude der Burg der Boxberger. Einflussreich und mächtig waren sie, ihre Unterschriften stehen auf 900 Jahre alten Urkunden neben denen von Bischöfen, von bayerischen Herzögen und Pfalzgrafen.

Wenig weiß man von ihren Taten, weil sie weitgehend der Aufmerksamkeit der Chronisten entgingen - jener Vorgänger der Journalisten und Publizisten von heute. Aber es ist bekannt, dass die Bischöfe von Eichstätt Besitztümer hatten, die an die der Boxberger grenzten. Einer dieser Bischöfe, Rotperg, wurde in den 1050er Jahren als Viktor II. sogar Papst in Rom.

Sicher sind auch Boxberger einst mit den Kaisern nach Italien gezogen, wo ein einheimischer Chronist beim Anblick eines Ritterheeres einmal ins Schwärmen geriet: „Vorzüglich bewaffnet und wie angegossen auf ihren Pferden, das schönste Volk, das je die Lombardei betrat, bis auf den letzten Mann Deutsche, mannhafte Ritter von hoher Gestalt, noch im Jünglingsalter, unerschrockenen Mutes.“ Nicht immer wurden deutsche Heere so freudig begrüßt.

Letztmals taucht im Jahr 1257 die Burg Boxberg in einer Urkunde auf. Die Boxberger gingen, so wird vermutet, an den Herzogshof in Landshut. Ihre alte Burg verfiel, ihr Ruhm geriet in Vergessenheit und die Burgruine diente noch lange als Steinbruch für Leute aus der Umgebung: Um 1490 soll etwa das romanische Kirchlein von Geberskirchen mit Steinen aus der Ruine um- und ausgebaut worden sein.

 Ein Großteil der Aktivität des Menschen auf Erden besteht darin, seinesgleichen zu erschlagen oder wenigstens zu unterwerfen und zu malträtieren: Weil das so war (und auch heute weltweit vielerorts so ist), finden sich in der Landschaft so viele Wehranlagen - wie die Wälle von Punzenhofen, dessen Name wohl von lateinisch „pons“ (Brücke) herrührt und an seine Bedeutung als Ort an einem Übergang des Further Bachs erinnert.

Ein steiler, bogenförmig verlaufender Wall und ein einst tiefer Graben riegelten hier einen Gelände-Sporn ab: Alles deutet nach den Worten Werner Hübners darauf hin, dass sich hier Niederbayern in den furchtbaren Jahren zwischen von etwa 900 bis 955 mit ihrem Hab und Gut verschanzten - damals, als Reiterhorden der heidnischen Ungarn das christliche Abendland brandschatzten. Von Kaiser Otto II. im Jahr 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg vernichtend geschlagen, wurden sie langsam friedlicher, ließen sich taufen und in die europäische Staatenwelt integrieren.

Was Heimatforscher wie Hübner längst vermuteten, wurde durch einen archäologischen Fund untermauert: Ein bronzenes Rasiermesser, gut 3000 Jahre alt, belegt, dass die Verteidigungsanlage schon viel länger bestanden hat und im 10. nachchristlichen Jahrhundert nur reaktiviert wurde.

Die Epoche um 1000 vor Christus, die Urnenfelderzeit, war ebenfalls eine Zeit von Kriegen und Gewalt, in der - ausgelöst durch Klima-Veränderungen - ganze Reiche und Völker untergingen. Anders als die namenlose Wallanlage von Punzenhofen wurde eine der ungezählten Festungen, um die damals gekämpft wurde, Troja in der heutigen Türkei, weltberühmt - weil ein großartiger Erzähler ihre Geschichte schilderte. Der ebenfalls weltberühmte Mann, Heinrich Schliemann, der sie 3000 Jahre danach ausgrub, brachte es auf den schlichten Nenner: „Kein Troja ohne Homer.“

Veranstaltet wurde die „Wanderung in die Zeit“ vom Bund Naturschutz und der Archäologischen Gesellschaft.

Elmar Stöttner

Wanderungen in die Zeit

Auf Spurensuche durch die historische Kulturlandschaft von Stadt und Landkreis Landshut

Der Bund Naturschutz in Bayern e. V., Kreisgruppe Landshut, und die Gesellschaft für Archäologie in Bayern e. V. veranstalten in Zusammenarbeit mit dem Verein für Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut e. V. (arLan) seit vielen Jahren heimatkundliche Wanderungen. Die bisher durchgeführten, viel besuchten Exkursionen unter der Leitung von Werner Hübner und Paul Riederer führten durch die geschichtliche Vergangenheit der Stadt und des Landkreises Landshut. Auf diese Weise sind 14 erlebnisreiche Routen zu den eindruckvollsten historischen Schätzen der Kulturlandschaft entstanden und jetzt in einer kleinen, gebundenen Dokumentation zusammengefasst worden.

Die Broschüre gibt es in der BN-Geschäftsstelle Landshut, Altstadt 105, geöffnet Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17.00 Uhr, in den Buchhandlungen Dietl, Herrngasse 375, Landshut und Pustet, Landshut, Altstadt sowie Koj, Vilsbiburg, Obere Stadt 32

Der Preis beträgt € 4,50.

Weitere Buchhandlungen folgen.

>> Zum Deckblatt 

Der nachfolgende Link führt beispielhaft auf eine Innenseite der Broschüre mit Landkarte zur dort beschriebenen Wanderung Nr. 12. (Kartengrundlage: Topographische Karte 1:50000; Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Nr. 4385/08) >> Zur Wanderung Nr. 12 (Auszug)