MenuKreisgruppe LandshutBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Ins Reich der Falter und Wildbienen

Wolfgang Willner (rechts) und Erwin Scheuchl (Dritter von rechts) führten in die Welt der Tagfalter und Wildbienen im Naturschutzgebiet

Insektenkundliche Exkursion der BN-Kreisgruppe im Landshuter Naturschutzgebiet

Landshut. Bei schönstem „Falter- und Bienenwetter“ fanden sich am 12. Juli Erwachsene und Kinder im Landshuter Naturschutzgebiet ein, um bei der naturkundlichen Exkursion „Wildbienen und Tagfalter beobachten“ dabei zu sein. Die Exkursion veranstaltete der Bund Naturschutz (BN) im Rahmen seiner Umweltbildungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schützen“. Erwin Scheuchl, Wildbienenspezialist, und Wolfgang Willner, ein Schmetterlingskenner, führten auf der Entdeckertour zu Lebensräumen der kleinen, aber sehr interessanten Tiere. Die Kinder unterstützten Willner und Scheuchl, indem sie Falter und Wildbienen mit Becherlupen fingen und zu den Experten zum Bestimmen brachten.

Scheuchl erklärte, dass es in Deutschland etwa 600 verschiedene Wildbienenarten gebe, und jede Art stelle für sich andere Ansprüche. Sie unterscheiden sich von den Honigbienen vollends, da sie nur selten wie diese einen Staat bilden und Honig produzieren. Im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ seien bisher knapp 190 Wildbienenarten nachgewiesen worden. Mit dem Kescher fing Scheuchl im Laufe der Exkursion einzelne Tiere ein, die sich jeweils sehr unterschieden. Eine von den vier hier existierenden Arten der Scherenbiene hat nur eine Größe von rund fünf Millimeter, während die Knautiensandbiene dreimal so groß ist. Diese hat als gut erkennbares Merkmal einen roten Hinterleib, wobei es aber auch welche mit einem schwarzen Hinterleib gebe. Wie ihr Name schon sagt, versorgt sie ihre Nachkommen ausschließlich mit Pollen der Witwenblume (Knautie). Die Natternbiene sei ebenso ein Spezialist, sie ernährt sich und ihre Brut nur von Pollen und Nektar des Natternkopfes. Sie gehört zu den Bauchsammlern, die den gesammelten Pollen in einer Haarbürste am Bauch und nicht wie die meisten anderen Bienenarten an den Hinterbeinen transportiert. Die Große Harzbiene errichtet ihre Brutzellen aus Blattstücken, die sie auf der Innenseite mit Harz überzieht. Daher komme auch ihr Name. Diese Wildbienenart hat im Landshuter Naturschutzgebiet eines der größten Vorkommen in Südbayern, betonte Scheuchl.

Zwischendurch hatte sich eine Gruppe um Wolfgang Willner gebildet. Der Tagfalter mit dem Namen Ochsenauge machte sich besonders bemerkbar, da sich mehrere Falter zur Freude der Teilnehmer immer wieder auf Armen und Schultern niederließen. Von den 30 im Naturschutzgebiet vorkommenden Tagfalterarten konnte Willner neun Arten zeigen. Einmal flatterte ein Schachbrettfalter in der Luft, einmal konnte der dunkle Schornsteinfeger bewundert werden. Drei Arten von Bläulingen fing Willner mit dem Kescher ein: den Himmelblauen Bläuling, der seinen Namen von seiner Farbe hat, den Silbergrünen Bläuling, der nur im Hochsommer fliegt, und den Kurzschwänzigen Bläuling, den es bis vor sechs Jahren noch nicht bei uns beobachtete werden konnte. Diese Falterart profitiere jedoch von der Klimaerwärmung, führte Willner aus. Der ebenfalls beobachtete Dickkopffalter mit seinem verhältnismäßig dicken Vorderkörper liebt Witwenblumen und Thymian und gehört zu den Tagfalterarten, während die Braune Tageule zu den tagaktiven Nachtfaltern gehöre. Alle diese Falter seien auf den Blumenreichtum, wie es ihn im Naturschutzgebiet gibt, als Nahrungsquelle angewiesen, stellte Willner fest. Am Ende der Exkursion führte Erwin Scheuchl noch zu einer Rohbodenfläche, die extra für Wildbienen zum Anlegen ihrer Brutröhren geschaffen wurde. Dieses Angebot wurde von den Insekten auch reichlich angenommen, wie die Exkursionsteilnehmer feststellen konnten.

Lautlose Luftkünstler

In Schaukästen zeigte Herwig Leinsinger (links) leere Puppenhüllen verschiedener geschlüpfter Libellenarten
Die Feuerlibelle, ursprünglich nur in Südeuropa beheimatet, ist wegen der Klimaerwärmung jetzt auch im Raum Landshut anzutreffen

BN-Exkursion mit Herwig Leinsinger zu Libellen in der Wörther Isarau

Bei sehr heißem Wetter fand die diesjährige Libellenexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe statt. Der Libellen-Experte Herwig Leinsinger führte die Teilnehmer an einen Bach, mehrere Weiher sowie am Schluss an die Isar und erläuterte die Merkmale, die Biologie und die Gefährdungen dieser großartigen Flugkünstler.

Anfangs zeigte Leinsinger zwei mitgebrachte Insektenkästen vor, in denen er die verschiedensten Exuvien, also die leeren Puppenhüllen der geschlüpften Tiere gesammelt und beschriftet hatte. 81 heimische Arten gibt es, von denen etliche Probleme mit dem nunmehr wärmeren Klima haben, andere – wie die knallrote Feuerlibelle – aber auch davon profitieren. Bei den Libellen unterscheidet man zwei große Gruppen, die Groß- sowie die Kleinlibellen, erkennbar an der (Nicht)Symmetrie von Vorder- und Hinterflügeln sowie an der Anordnung der Augen: Bei den Großlibellen sind diese meist „zusammengewachsen“, bei den Kleinlibellen weit voneinander getrennt.

Immer wieder sah man unscheinbar-zarte, hell oder intensivblaue Tiere mit stäbchenartigem Hinterleib in der Ufervegetation. Als Laie könnte man meinen, es handle sich immer um die gleiche Art. Jedoch gibt es über 20 ähnlich aussehende Arten, darunter die sehr häufige Federliebelle – so genannt wegen ihrer federartig verbreiteten Borsten an den Beinen. Dies kann man freilich nur erkennen, wenn man die Tierchen mit einem Kescher fängt und genau inspiziert, insbesondere das Muster der Hinterleibsegmente. So wurde beispielsweise eine Große Pechlibelle gefangen (und wieder freigelassen), die vermutlich häufigste Libellenart in Mitteleuropa. Akrobatisch elegant flogen auch mehrere Großlibellen weiträumig umher, darunter die Gemeine Keiljungfer, die in den 70er Jahren nicht weit vom Aussterben entfernt war und mittlerweile wieder häufiger geworden ist, da sich die Qualität unserer Fließgewässer seitdem merklich verbessert habe, berichtete der Libellenkundler.

Leinsinger stellte mit leichtem Erstaunen fest, dass wegen der enormen Hitze während der Exkursion (deutlich über 30 Grad) sogar die beobachteten Libellen, ansonsten ausgesprochene Sonnentiere, gelegentlich im Schattenbereich ruhten. Libellen sind, sowohl als Larven wie auch als erwachsene Tiere (Imago) räuberisch lebend. Sie überwintern entweder als Larve oder als Ei. Ihre Entwicklung zum flugfähigen Insekt dauert, je nach Art oder abhängig von den äußeren Bedingungen, einige Monate bis hin zu fünf Jahren. Die Eier werden meist an Pflanzen im Uferbereich oder auf Schwimmpflanzen gelegt. An einem größeren Weiher unweit der Isar ließen sich auf ausgedehnten Algenteppichen zahlreiche Tiere beobachten, die immer wieder elegant oder ungestüm aufflogen. Libellen können auch helikopterartig in der Luft stehen oder gar rückwärts fliegen. Besonders beeindruckend sind hier die sogenannten Flussjungfern, von denen übrigens alle fünf Arten an der Isar unterhalb von Landshut vertreten sind. Überhaupt, so der Exkursionsleiter, sei Deutschland ein Überlappungsgebiet von west- und südosteuropäischen Arten und somit ein “Hotspot“ für Libellen, woraus sich eine Verantwortung für den Schutz dieser faszinierenden Wesen ableitet.

Eine Burg sicherte wichtigen Isarübergang

Große Aufmerksamkeit fanden bei den Teilnehmern die Ausführungen von Peter Geldner zur Geschichte der Straßburg

Zahlreiche Teilnehmer bei „Wanderung in die Zeit“ von Bund Naturschutz und Archäologischen Verein

Der Burgstall Straßburg war diesmal das Thema der archäologischen Wanderung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und des Archäologischen Vereins (ArLan), die als „Wanderung in die Zeit“ seit vielen Jahren traditionell an Christi Himmelfahrt stattfindet. Die Archäologin Dr. Isabella Denk sollte die Exkursion leiten; sie musste aber aus unvorhergesehenen Gründen absagen. ArLan-Vorsitzender Peter Geldner übernahm deshalb ihren Part. Von der Gretlmühle aus, wo stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer im Namen der Veranstalter die rund 50 Exkursionsteilnehmer begrüßte, ging es auf die Anhöhe der Isarleite zum Gelände der ehemaligen Burganlage bei Frauenberg.

Die Führung zur Straßburg sollte den Teilnehmern einen Eindruck über die Bedeutung dieser dem Bischof von Regensburg gehörenden Burganlage vermitteln. Wann die Anlage errichtet wurde, sei nicht bekannt, führte Peter Geldner aus. Man könne aber davon ausgehen, dass sie von großer strategischer Wichtigkeit sowohl für den Regensburger Bischof wie auch für den Wittelsbacher Herzog war. So sei auch ihre Zerstörung durch Ludwig den Kelheimer im Jahre 1203, also einem Jahr vor der Gründung von Landshut, zu verstehen. Worin bestand aber der Wert dieser Anlage? Zweifelsfrei in einem zu ihr führenden, heute nicht mehr existierenden Isarübergang, der allerdings auch nach der Vernichtung der Burg weiter existierte und genutzt wurde. Seit wann dieser Übergang bestand, lasse sich nur vermuten. Es gebe aber einige deutliche Hinweise, so Geldner, aus welchen man seine Existenz ableiten könne.

So sei  das Gebiet um Frauenberg ein uraltes Siedlungsgebiet, dessen Ursprung bis in die Jungsteinzeit archäologisch nachgewiesen ist. Auch Spuren der Kelten seien in den Äckern nahe der Straßburg zu finden. Um das Jahr 170 nach Christus wurde unter dem römischen Kaiser Marcus Aurelius eine vom Brenner kommende römische Militärstraße gebaut, die nach Erachtens des Referenten unmittelbar oder in der Nähe der Straßburg verlaufen sei. Dafür sprächen zum einen einige Funde aus der römischen Kaiserzeit auf dem Gelände der Straßburg. Einen weiteren deutlichen Hinweis habe man im  Jahre 2000 durch Professor Dr. Bender bekommen, der bei Ohu einen von Norden nach Süden verlaufenden römischen Straßendamm archäologisch nachweisen konnte. Damit könne man eine direkte, die Isar querende Verbindung zwischen Ohu und der Straßburg ansetzen, versicherte Geldner.

Nach Auffassung des Referenten sei dieser Übergang  aber nach dem Abzug der Römer nicht verschwunden, dafür spräche auch der sogenannte Erhardistein bei der Kirche von Frauenberg. Mit diesem Stein soll der Heilige auf der Flucht vor den Bauern von Altheim die Isar gequert haben. Auch hieraus könne man, so Geldner, den Hinweis auf eine Brücke und damit eine Wegführung herauslesen. Die Wertigkeit dieser Straßentrasse für den Bischof von Regensburg lasse sich auch aus der Größe der Straßburg als Schutzburg des Isarübergangs ableiten. Sie umfasste ein Areal von rund 40 000 Quadratmetern. Die Burganlage ist also um etwa 30 Prozent größer als das Gelände der Burg Trausnitz. Mit der Zerstörung der bischöflichen Burg habe die Wegführung vielleicht an Bedeutung eingebüßt, sie ging aber nicht verloren. Dafür gebe es deutliche Hinweise aus den Jahren 1229/1230 sowie unter anderem aus dem Jahr 1355, betonte der Exkusionsleiter.

Geldner erinnerte auch an die Geschichte von Otto dem Faulen, einem Sohn des Kaisers Ludwig der Bayer, dessen Liaison mit der Tochter des Gretlmüllers auf der Isarbrücke einen für beide tödlichen Ausgang fand.  Auch gab er kurze Hinweise auf die der Straßburg benachbarten Burgställe Sterneck und Neudeck, auf das beeindruckende Bodendenkmal der Schaumburg und auf das imposante Kellergewölbe der ehemaligen Burg Wolfstein, auf welcher der letzte Stauferkaiser Konradin geboren wurde. Am Schluss der heimatkundlichen Wanderung wies der Referent noch darauf hin, dass sich das besondere Interesse des Archäologischen Vereins ArLan darauf konzentriere, die Spuren der angesprochenen Trasse der römischen Militärstraße zwischen Brenner und Regensburg zu finden, bei der die Straßburg eine Schlüsselrolle spielen dürfte.

Mond und Sterne faszinierten

Felix Bachmaier (Dritter von rechts) gewährte in einem großen Teleskop faszinierende Blicke auf Mond, Planeten und Fixsterne
Sogar zwei Teleskope stellte der Sternenkundler für die interessierten Sternenfreunde bereit; Dritte von rechts: BN-Geschäftsstellenleiterin Brigitte Englbrecht

Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisierte eine astronomische Nachtexkursion

Landshut/Gstaudach. Bei besten Sichtbedingungen fanden sich am Freitag, 24. April 2015 zahlreiche interessierte Erwachsene und Kinder zur astronomischen Nachtexkursion in Gstaudach bei Altdorf ein. Die Veranstaltung organisierte die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe mit Felix Bachmaier, der bereits seit mehreren Jahren sein Wissen über die Sternenwelt bei BN-Veranstaltungen vermittelt. Es war noch nicht ganz dunkel, da konnte der Sternenkundler schon den Halbmond in seinen beiden astronomischen Teleskopen in beachtlicher Größe zeigen. Der Erdtrabant leuchtete hell – von der Sonne beleuchtet – und verschieden große Krater waren deutlich zu erkennen. Anschließend stellte der Referent seine Teleskope auf die Venus ein, die ebenso als Halbplanet zu sehen war. Bachmaier merkte an, dass dieser Planet gerade 180 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sei. Er wandere ebenso wie die anderen Planeten um die Sonne. Auch den Planeten Merkur konnten die Teilnehmer knapp über dem Horizont sehen. An diesem Abend zeigte er sich wegen der Lichtbrechung in rötlicher Farbe.

Der Jupiter war mit drei seiner Monde ein weiterer Planet, den Bachmeier in den Teleskopen einstellte. Dieser Planet habe sechzig Monde und sei derzeit beachtliche 700 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, erklärte der Referent. Die Nacht war inzwischen hereingebrochen und die Fixsterne kamen am klaren Himmel zum Vorschein. Man sah neben weiteren Sternbildern den Großen Wagen, den Orion und das Siebengestirn. Auf zahlreiche Fixsterne machte Bachmaier ebenfalls aufmerksam, wie beispielsweise den orangefarbenen Aldebaran im Sternbild Stier, den Arktur im Bootes, die Wega in der Leier sowie die Zwillingssterne Kastor und Pollux, von denen wiederum der Kastor als Doppelstern erkennbar war. Am Ende der Exkursion bot der Sternenkundler noch eine Besonderheit: Ein Sternenhaufen und zwei Galaxien waren im Teleskop zu bewundern, was die Sternengucker mit großem Applaus belohnten.

Hornissen – wie und wo leben sie?

Aufmerksame Zuhörer hatte Johannes Selmansberger bei seinen Ausführungen zum Leben und Schutz der Hornissen
Auch Unterschriften gegen das geplante Freihandelsabkommen (TTIP) wurden am BN-Stand erfolgreich gesammelt

Bund Naturschutz informierte über die Biologie der Großinsekten

Großes Besucherinteresse fand Johannes Selmansberger am 11. Oktober 2014 in der Landshuter Altstadt mit seinen interessanten Informationen über das Leben in einem Hornissenstaat. Im Rahmen der Umweltbildungsreihe „Natur kennen ler­nen, erleben und schützen“ der Bund-Natur­schutz-Kreisgruppe erläuterte der BN-Hornissenspezia­list die Biolo­gie, Lebens­weise, angebliche Gefährlichkeit und den Nutzen dieser Großinsek­ten. Er wies auf den Umgang mit Hornissen hin und  zeigte Möglichkeiten zu ihrem Schutz, wie beispielsweise spezielle Nistkästen,. Auch stellte er kunstvoll von den Tieren gebaute Hornissennester vor, wobei sogar ein Motorradhelm als Nistplatz genutzt wurde. Viele Fragen zum Vorkommen und zu Auswirkungen von Hornissen in Gebäuden, unter anderem auf Speichern, in Dachdämmungen und Rollokästen, konnte Selmansberger beantworten und dazu Ratschläge erteilen. Paul Riederer, der stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, stellte erfreut fest, dass sich die Einstellung der Menschen gegenüber den Hornissen durch intensive Aufklärungsarbeit in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt habe. Die meisten Nester würden nun bis zum Absterben des Hornissenvolkes im Spätherbst an Ort und Stelle von den Hausbesitzern geduldet. Sterben doch alle Arbeiterinnen bis Ende Oktober ab und die jungen Königinnen verlassen das Nest, um im nächsten Jahr einen neuen Staat zu gründen. Das alte Nest werde dazu jedoch nicht mehr genutzt, informierte Johannes Selmansberger.

Auf dem Infostand lagen auch Informationsschriften und Unterschriftslisten gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU auf, nachdem dieses Abkommen negative Auswirkungen auf den Umwelt-, Arten- und Naturschutz haben wird. Auch dieses brisante Thema fand viel Zuspruch von Passanten.

Kiesgrube als geologisches Lehrbuch

Anhand einer Karte erklärte Dr. Johannes Hartmann vor dem Rundgang durch die Kiesgrube die Geologie des Tertiären Hügellandes

Dr. Johannes Hartmann bot bei BN-Exkursion interessante Einblicke in die Erdgeschichte

Eine geologische Exkursion, organisiert von der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz und der Ortsgruppe „Holledauer Eck“, führte am 27. September 2014 in das Kieswerk der Firma Eichstetter in Furth. Helga Schiemann von der Ortsgruppe begrüßte die Teilnehmer und den Referenten. Der diplomierte Geologe und Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Ergoldsbach, Dr. Johannes Hartmann, zeigte den zahlreichen Teilnehmern die erd- und landschaftsgeschichtliche Entwicklung des Tertiären Hügellandes nördlich von Landshut auf.

Anhand einer geologischen Karte erklärte Dr. Johannes Hartmann vor dem Rundgang durch die Kiesgrube die Entstehung, die Schichtfolge und die Gerölle der „Oberen Süßwassermolasse“. Die damalige  Landschaft hatte einen steppen- und savannenähnlichen Charakter. Das Klima war zum Zeitpunkt der Entstehung vor etwa fünf bis 16 Millionen Jahren dementsprechend wärmer als  heute, die Tier- und Pflanzenwelt sehr exotisch. Einige Fossilienfunde der Familie Eichstetter untermauerten dies eindrucksvoll. So wurden in einer nunmehr bereits rekultivierten Kiesgrube in Furth Backen- und Stoßzähne eines Urelefanten gefunden.

Beim anschließenden Rundgang durch die Kiesgrube erklärte der Referent an den hohen aufgebrochenen Kieswänden die Entstehung der einzelnen Erd- und Gesteinsschichten. Die Hauptmenge der Gerölle  des Hügellandes besteht aus Quarzen, ein wichtiger Unterschied zu den heutigen Schottern der Isar, die überwiegend Kalksteingerölle enthalten. Auffällig sind die  roten Sandsteine des alpinen Buntsandsteins und die roten Kieselkalke aus den Juraschichten der Alpen. Kleine helle Kalk- und Dolomitgerölle stammen aus den Nördlichen Kalkalpen, wie die charakteristischen Fossilien in den Geröllen des Wettersteinkalks zeigen. Daneben findet man auch Gneise aus den Zentralalpen. Niederbayern sei gekennzeichnet durch drei geologische Einheiten: im Osten  die böhmische Masse, im Nordosten das süddeutsche Schichtstufenland und im Südwesten mit dem Raum Landshut der nordalpine Molassetrog. Dieser Molassetrog ist seiner Entstehung nach ein Teil der Alpen, so Dr. Hartmann.

Vor etwa 40 Millionen Jahren seien durch den Schub der afrikanischen Platte auf die europäische Platte die Alpen zuerst zum Hügelgebiet und schließlich zum Hochgebirge herausgehoben worden. Zugleich sei jedoch das nördliche Vorfeld in die Tiefe gesunken. Es habe sich hier ein Trog gebildet, in dem sich im Laufe von Jahrmillionen der Abtragungsschutt des aufsteigenden Gebirges, die Molasse (lateinisch: molare = mahlen) sammelte, so Dr. Hartmann zur Entstehung des Tertiären Hügellandes, das von den Alpen bis zur Donau reicht.

Die sehr interessierten Teilnehmer stellten viele Fragen an Dr. Hartmann und genossen an dem sonnigen Herbsttag neben der hervorragenden Erklärung auch den eindrucksvollen Blick von der Kiesgrube über Furth und das „Further Tal“.

Orientierung in der Schwammerlschwemme

Alfred Hussong gab bei der BN-Exkursion einen Überblick über die Systematik und die Merkmale heimischer Pilze sowie über ihre Bedeutung im Naturhaushalt

Pilzkundliche Wanderung des Bundes Naturschutz mit Alfred Hussong

Pilze sind merkwürdige Wesen, weder richtige Pflanzen noch Tiere, noch richtig greifbar. Wenn man etwas zu wissen glaubt, wird es schon wieder in Zweifel gezogen, und je mehr man weiß, desto vorsichtiger wird man. Bei herrlich sonnigem Wetter ging es am 3. Oktober 2014 zur alljährlichen Pilzexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe in einen Wald bei Oberaichbach, wobei die zahlreichen Teilnehmer fast über die allgegenwärtigen Schwammerl stolperten und der Exkursionsleiter kaum mit dem Erklären nachkam.

Alfred Hussong gilt in Bayern als hervorragender Experte im mykologischen Bereich, und er parierte souverän die unablässig auf ihn einprasselnden Fragen und Bestimmungswünsche. Er gab einen Überblick über die Systematik, wie Röhren-, Lamellen- und Nichtblätterpilze, verwies auf wichtige Merkmale wie Farbe, Beschaffenheit oder Geruch und beschrieb die einzigartige Symbiose, die viele Pilze mit Bäumen eingehen – zum beiderseitigen Vorteil. Dabei streute er immer wieder allgemeine Tipps ein, etwa den, von weißen Pilzen beim Sammeln die Finger zu lassen; ebenso von ganz jungen (die ihre typischen Merkmale noch nicht so ausgeprägt haben) und auch von den alten, die ohnehin meist arg zerfressen sind. Anfassen könne man Schwammerl im übrigen immer, da es bei diesen keine Kontaktgifte gebe. Auch auf den Schutzstatus und überhaupt die ungemein große Bedeutung im Naturhaushalt kam Hussong zu sprechen: Ohne Pilze würde das organische Material nicht mehr zerlegt und zersetzt und wir würden im „Abfall“ regelrecht ersticken.

Natürlich wurden etliche genießbare Pilze gefunden, vor allem von den eifrigen ausschwärmenden Kindern. Als Beispiele seien genannt die düstere Totentrompete, die gern bei Buchen wächst, der heuer ganz häufige, sehr dekorative Violette Lacktrichterling, der allerdings eventuell mit dem Rettichhelmling verwechselt werden könnte oder die Riesenschirmlinge, die jedoch im Jugendstadium noch ganz anders aussehen und von giftigen Doppelgängern nicht klar zu unterscheiden sind. Ein guter Speisepilz, so Hussong, sei auch der mehrfach gefundene Trompetenpfifferling, der stets gesellig auftritt und auf der Hutunterseite adrige Leisten aufweist. Auch ein kleineres Exemplar der Krausen Glucke wurde vorgeführt, die oft die Stümpfe alter Kiefern befällt. Am Beispiel des Stockschwämmchens, das öfter in riesiger Anzahl wächst, verdeutlichte der Pilzfachmann, wie gefährlich es werden kann, wenn man zu sicher oder zu nachlässig ist und nicht genau die arttypischen Merkmale „abklopft“: An gleicher Stelle könnte auch der täuschend ähnliche Gifthäubling vorkommen, der nur am Stiel unwesentlich anders aussieht als das genießbare Stockschwämmchen und der außerdem mehlartig riecht.

In diesem Jahr, so der Pilzexperte, habe es Giftnotrufe in noch nie gekannter Häufigkeit gegeben, was natürlich mit der Schwammerlfülle und der langen Saison zusammenhängt. Nahrungssuche oder gar Gier auf gut gefüllte Körbe sollten freilich ohnehin nicht im Vordergrund stehen, eher schon die Freude und das Staunen über die unfassbare Vielgestaltigkeit dieser Organismen. Sie lässt erahnen, wie vielfältig die Natur auch in anderen Bereichen früher einmal war und was alles gedeihen könnte, wenn der Mensch es zuließe. Mehrere Exkursionsteilnehmer indes wirkten etwas überfordert angesichts der schieren Masse an unterschiedlichen und doch ähnlich daherkommenden Fundstücke, aber Hussong erwies sich als „Türöffner“ für dieses Riesenreich, indem er Struktur und Orientierung zu geben versuchte. Wer will, kann selber weitergehen und sich – Schritt für Schritt – eine neue Welt erschließen.

Faszination Mond und Sterne

Faszinierende Blicke gewährte Felix Bachmaier (links neben Fernrohr) mit seinen beiden Teleskopen auf Mond, Saturn und Fixsterne den großen und kleinen Exkursions-Teilnehmern

Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisierte eine astronomische Exkursion mit Hobbyastronom Felix Bachmaier

Landshut/Altdorf. Glück hatten die Teilnehmer der von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe am Freitag, 5. September, organisierten astronomischen Exkursion in Gstaudach bei Altdorf mit dem Wetter. Klarte doch bei Einbruch der Dunkelheit der Himmel teilweise auf, so dass der zunehmende Mond in voller Pracht in den beiden von dem Hobbyastronomen Felix Bachmaier aufgestellten Teleskopen beobachtet werden konnte. Beeindruckt waren vor allem die Kinder von den „Mondkratern“, den Löchern und Erhebungen verschiedenster Größe und Gestalt, sowie von den „Mondmeeren“, die als graue vollkommen ebene Flächen im Fernrohr zu sehen waren. Von Bachmaier erfuhren die Teilnehmer, dass der Mond 400 000 Kilometer von der Erde entfernt und dass immer nur der gleiche Ausschnitt der Mondoberfläche zu sehen sei.

Ein Highlight der Nachtexkursion war der faszinierende Anblick des Saturns im großen Teleskop. Deutlich war der Ring zu erkennen, der den Planeten freischwebend umgibt. Der Saturn wird deshalb von den Astronomen auch als das wundervollste Gebilde des Planetenhimmels bezeichnet. Leider zogen während der fortschreitenden Dunkelheit wieder Wolkenschleier auf, so dass Bachmaier keine Sternenbilder in ihrer Pracht zeigen und erklären konnte. Trotzdem ist es dem Sternenkundler gelungen, noch einige Fixsterne im Fernrohr zu zeigen. Das waren unter anderem die Wega im Sternbild der Leier und der Polarstern im Kleinen Wagen. Ein weiteres Himmelsereignis erlebten die begeisterten Teilnehmern noch zusätzlich: Weit im Süden war über dem Horizont ein herrliches Wetterleuchten zu beobachten, ein Lichtspiel ferner Blitze, die von Wolkenfeldern widergespiegelt wurden.

Überraschender Fund im Naturschutzgebiet

Obwohl sich die etwa zwei Zentimeter große Westliche Beißschrecke wegen ihrer grau-braunen Körperfarbe kaum vom sandigen Boden abhebt, konnte sie während der Exkursion entdeckt werden - Foto: Mühlebach-Sturm
Im Naturschutzgebiet entdeckt: die Gemeine Sichelschrecke, für die bisher im Bereich von Landshut kein Nachweis bekannt war - Foto: Heim

BN-Exkursion: Gemeine Sichelschrecke erstmals im Raum Landshut entdeckt

Der Bund Naturschutz (BN) hat am Sonntag, 10. August 2014 im Rahmen seines Bildungsprogramms eine Heuschrecken-Exkursion im Naturschutzgebiet (NSG) „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ durchgeführt. Dabei machten die Teilnehmer eine unerwartete Entdeckung: Sie trafen auf eine Heuschreckenart, die bisher nur in Nordbayern und im Donaugebiet gesichtet worden ist.

Da Heuschrecken ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, sei an diesem hochsommerlichen Tag durchaus mit zahlreichen Arten und Individuen zu rechnen, meinte Exkursionsleiter Christian Kainz eingangs der Exkursion und ergänzte, dass im Naturschutzgebiet rund 20 von 70 in Deutschland bekannten Heuschreckenarten vorkommen. Unter den Insekten zeichnen sich Heuschrecken, so der Biologe weiter, vor allem dadurch aus, dass sie je nach Art unterschiedliche, recht variantenreiche Laute erzeugen können. Er wies die Teilnehmer an, sich beim Spaziergang ruhig zu verhalten und aufmerksam auf die von Heuschrecken erzeugten „Gesänge“ zu hören. So könne man gezielt verschiedene Arten fangen und sie genauer betrachten.

Die Lauterzeugung werde bei der Gruppe der räuberisch lebenden Langfühlerschrecken durch das Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt, während die vegan sich ernährende Gruppe der Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln reiben und auf diese Weise zirpen, informierte Christian Kainz. Auch hören die Heuschrecken nicht mit „Ohren“ am Kopf, sondern die Hörorgane befinden sich bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während sie bei den Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind. Heuschrecken gehören mit ihrem in Kopf, Brust und Hinterleib eingeschnittenen Körper zu den Insekten. Sie können mit ihren muskulösen Hinterbeinen weite Sprünge machen und diese Sprünge teilweise mit den Flügeln unterstützen. Von den einheimischen Arten sei aber nur beim Grünen Heupferd die Flugfähigkeit gut ausgebildet, berichtete der Exkursionsleiter, als ein Heupferd eben ihre Flugkünste vor den Augen der Teilnehmer vorführte.

Das von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe initiierte Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ ist mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft und warmen, trockenen, vegetationslosen Stellen ein geeigneter Lebensraum für zahlreiche Heuschreckenarten, erläuterte Kainz. So konnten im weiteren Verlauf der Exkursion der Braune Grashüpfer, der Heidegrashüpfer und der Nachtigallgrashüpfer, aber auch der Warzenbeißer und schließlich an einer abgebrochenen Hangkante die bestens getarnte Westliche Beißschrecke gesichtet und bewundert werden. Ebenda fanden die Teilnehmer gegen Ende des erlebnisreichen Spaziergangs auch eine hellgrüne Heuschrecke mit überaus langen Flügeln. Es handelte sich dabei um die Gemeine Sichelschrecke, was laut Christian Kainz als kleine Sensation zu werten sei, da diese Heuschreckenart bisher nur aus Nordbayern und dem Donaugebiet (bis Regensburg) bekannt sei.

Was die Alten wussten und glaubten

Heute wenig geachtet, früher umso mehr: der Holunder
Zu jedem Haus auf dem Land gehörte früher eine „Hollerstauern“

Naturmythologischer Spaziergang des BN mit Berthold Riedel im Landshuter Naturschutzgebiet

Pflanzen können nicht nur naturwissenschaftlich-nüchtern betrachtet werden, sie haben auch eine mythologische Seite, die heute kaum mehr präsent ist. Bäume, Sträucher, Blumen und Kräuter spielen seit alters her im Volksglauben und im Brauchtum eine bedeutende Rolle. Diese stellte Berthold Riedel bei der naturkundlichen Wanderung „Pflanzen in der Volksmythologie“ des Bundes Naturschutz (BN) am Sonntag, 20. Juli, eindrucksvoll heraus. Bei großer Sommerhitze traf man sich im unteren Teil des Landshuter Naturschutzgebietes, in der sogenannten Ochsenau. Im wohltuenden Schatten der – noch jungen, vom Bund Naturschutz gepflanzten – sieben Linden erläuterte der Pflanzenexperte, dass die Linde im Volksglauben für das Weiche, Sanfte, Mütterliche stehe, was durch die herzförmigen Blätter und auch die annähernde Herzform der gesamten Baumgestalt unterstützt werde. Im Gegensatz dazu stehe die harte, männliche Eiche, der Baum der Kämpfer und Sieger, was sich auch in der Verwendung des Eichenlaubes widerspiegele.

Eine große Rolle als fast schon heiliger Baum spielt in den nördlichen Ländern die Birke, einer der wenigen Laubbäume, der starke Kälte verträgt. Wenn die Birke nach langem Winter ihre zarten, hellgrünen Blätter entfaltete, seien in heidnischen Zeiten ausgelassene Frühlingsfeste gefeiert worden. Auch der Maibaum war früher vielerorts eine Birke. Berthold Riedel machte auch detaillierte, teils witzig-launige Ausführungen zu anderen Bäumen und Sträuchern wie Ahorn, Ulme, Weide, Vogelbeere und Haselnuss. Während die Ulme in Mitteleuropa eine düstere Aura habe, sei die Vogelbeere ein Baum der Heiterkeit und des Feierns. Nicht nur wegen ihres Holzes geschätzt werde die Haselnuss, sie sei auch ein regelrechtes Fruchtbarkeitssymbol gewesen. Fast unerreicht in der allgemeinen Wertschätzung sei der Holunder gewesen. Man verwendete fast alle Teile von ihm, er brachte Segen und Gesundheit und wendete Unheil ab. Bei den Bauern genoss er so großen Respekt, dass sie beim Vorübergehen ehrfürchtig den Hut zogen.

Im Laufe der entspannten Wanderung entlang der schattigen Isarleiten zeigte Riedel verschiedene andere Pflanzen, von denen er auch die tatsächliche oder nur zugeschriebene medizinische Wirkung erläuterte, so etwa den Hopfen, der ob seiner beruhigenden Wirkung unters Kopfkissen gelegt wurde, oder den Beinwell, der – wie der Name sagt – Knochenbrüche rascher heilen lassen sollte. Pflanzen hatten natürlich gerade in Notzeiten eine geradezu elementare Bedeutung. Wenn man Hunger litt, griff man auf Kräuter und Wurzeln zurück, so zum Beispiel auf den vielgeschmähten Giersch, den Weißdorn oder die Wegwarte, aus der man Kaffeeersatz herstellte. Riedel erzählte auch von kirchlich-religiösen Bräuchen, etwa vom Kräuterbuschen an Mariä Himmelfahrt oder vom Frauenmantel, der auf die Heilige Maria verweist. Immer wieder spielen auch Hexen und der Teufel eine Rolle, die ja in früheren Jahrhunderten allgegenwärtig waren. Der Referent zeigte das voll in Blüte stehende Johanniskraut vor und hielt es gegen das Licht. Dieses als Arznei so wichtige Kraut soll der Teufel aus Wut mit tausend Stichen durchlöchert haben. Und wenn es um Liebesdinge oder speziell ums Heiraten ging, vertrauten sich viele junge Mädchen diversen Pflanzen an, zum Beispiel Klee oder Löwenzahn, die als Liebesorakel dienten. Kurz vor einem sich anbahnenden Gewitter endete die heiter-vergnügliche Wanderung. Sie schärfte den Blick und auch die anderen Sinne und machte den Teilnehmern bewusst, dass in Pflanzen – und seien sie auch noch so unscheinbar – ein großer Anteil Kulturgeschichte steckt.

„Fliegende Edelsteine“ bewundert

Herwig Leinsinger (links) wusste viel Wissenswertes über das Vorkommen und das Leben der heimischen Libellen zu berichten

BN-Exkursion mit Herwig Leinsinger zu Libellen-Lebensräumen in der Wörther Au

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur erleben und schützen“ organisierte die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe am 12. Juli 2014 eine naturkundliche Exkursion zu Lebensräumen heimi­scher, zum Teil seltener Libellenarten in der Wörther Au. Trotz regnerischen Wetters konnten die Exkursionsteilnehmer unter Führung von Herwig Leinsinger eine Reihe verschiedener Libellenarten bewundern. Während der Wanderung erklärte der Libellenkundler auch die Lebensweise und Lebensräume der „fliegenden Edelsteine“.

Am Mühlbach zeigte sich eine der schönsten heimischen Libellenarten, die Gebänderte Prachtlibelle. Dunkelblau schillernde Flügel und eine breite Flügelbinde zeichnen das Männchen aus, die Flügel des Weibchens sind dagegen grünlich gefärbt. Prachtlibellen brauchen als Lebensraum sauerstoffreiche Fließgewässer mit bachbegleitendem Uferbe­wuchs. Am Ufer eines Teiches saßen Gemeine Becherjungfern zahlreich auf hohen Grashalmen. Während bei dieser Libellenart das Männchen einen schönen hellblauen Körper aufweist, sind die Weibchen etwas blasser und schwer zu bestimmen. Sie besiedeln gerne Stillgewässertypen, jedoch auch langsam fließende Gewässer, informierte Leinsinger.

Auch die Federlibelle zeigte sich. Sie lebt gerne an pflanzenreichen, stehenden und langsam fließenden Gewässern, erklärte der Libellenkundler. Sie gehört in Bayern noch zu den häufiger vorkommenden Libellenarten, –  genauso wie die Große Pechlibelle, die sich ebenfalls den interessierten Exkursionsteilnehmern präsentierte. Diese Art stelle nur geringe Ansprüche an die Beschaffenheit ihrer Fortpflanzungsgewässer, sagte Leinsinger, der schließlich noch auf den Großen Blaupfeil aufmerksam machen konnte. Diese Libellenart liebe flaches Wasser mit vegetationsarmen Sand- oder Kiesufern. Der Hinterleib des Männchens leuchtet himmelblau, die Farbe des hintersten Körpersegments ist schwarz.

Leinsinger wies erfreut darauf hin, dass alle fünf Keiljungfern-Arten wieder an der Isar im Landkreis Landshut anzutreffen seien. Das seien die Gemeine, die Grüne, die Westliche und die Asiatische Keiljungfer sowie die Kleine Zangenlibelle. Dies sei vor allem auf die Wasserqualität zurückzuführen, die sich in den letzten Jahren verbessert habe. Die Asiatische Keiljungfer war in Westdeutschland sogar schon ausgestorben. Die Westliche Keiljungfer sei erst in den letzten Jahrzehnten nach Mitteleuropa eingewandert und die Grüne Keiljungfer gelte europaweit als stark gefährdet. Man bezeichne die Keiljungfern auch als Flußjungfern, so der Libellenexperte.

Während der Exkursion erläuterte Herwig Leinsinger auch die Biologie der Libellen. Er schilderte das Paarungsverhalten, die Eiablage und die Entwicklung der Larven. Die Eier werden meist an Pflanzen im Uferbereich oder auf Schwimmpflanzen abgelegt. Die Larven leben räuberisch im Wasserbewuchs, auf dem Grund oder eingegraben im Bodensubstrat. Die Verwandlung von der Larve zum flugfähigen Tier vollzieht sich meist an einem Pflanzenhalm. Gut dreieinhalb Stunden nach Beginn des Schlupfaktes sei der Körper der Libelle ausgeformt. Aber meist erst am nächsten Tag erhebt sie sich zu ihrem ersten Flug. Am Pflanzenstengel bleibt die leere Larvenhülle (Exuvie) zurück, anhand derer man feststellen könne, welche Libellenart aus ihr geschlüpft sei, wusste Leinsinger zu berichten. Libellen fliegen erst ab einer Körpertemperatur von 30 Grad, erklärte der Libellenkundler. Dann sei ihre Muskulatur warm genug, um sich in die Lüfte zu erheben. So sei es nicht verwunderlich, dass alle „fliegenden Edelsteine“, die an diesem sonnenarmen Exkursionstag entdeckten wurden, ruhig auf Grashalmen an ihren Wasserlebensräumen saßen und die Teilnehmer Zeit hatten, diese farbenprächtigen Tiere zu bestaunen.

Mond und Sternenhimmel

Interessante Blicke auf Mond, Planeten und Fixsternhimmel gewährte Felix Bachmaier (links) mit seinem Teleskop

BUND Naturschutz organisierte astronomische Nachtexkursion

Hat es am Freitag, 9. Mai 2014, während des ganzen Tages noch geregnet, klarte am Abend der Himmel auf, so dass sich sehr gute Bedingungen für die Betrachtung des Sternenhimmels auf einem freien Platz in Gstaudach bei Altdorf einstellten. Der zunehmende Mond, mehrere Planeten und spektakuläre Objekte des Fixsternhimmels konnte der Hobbyastronom Felix Bachmeier mit einem astronomischen Teleskop zeigen. So waren nicht nur die Krater auf dem Mond, sondern auch der Jupiter mit Monden und der Saturn mit seinem Ring zu bestaunen. Auf dem rötlich leuchtenden Mars war eine weiße Polkappe zu sehen. Besondere Highlights waren auch Sternhaufen und Ringnebel. Erst zu später Stunde und nach Dankesworten an Felix Bachmaier traten die Teilnehmer, von dem Gesehenen begeistert, den Heimweg an.

Paul Riederer, stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender, wies während der Veranstaltung darauf hin, dass am 5. September ab 20 Uhr, ebenfalls bei Gstaudach, eine ähnliche Nachtexkursion vom Bund Naturschutz durchgeführt wird. Dann aber werden von Felix Bachmaier nicht nur Mond und Sterne, sondern von Schmetterlingskundler Helmut Kolbeck auf einem Leuchtschirm auch Nachtfalter gezeigt.

Großes Erlebnis kleiner Naturfreunde

Amphibienexperte Herbert Parusel (rechts) verstand es, die Kinder für Amphibien und weitere Wassertiere zu begeistern

BN-Exkursion führte zu Amphibienlebensräumen in der Isarau bei Ohu  

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schützen“ hat die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe auch heuer wieder (31. 5. 2013) zu einer abendlichen Amphibienexkursion eingeladen, die mit rund 40 Teilnehmern, darunter zahlreichen Kindern, großen Zuspruch fand. Unter Führung von Herbert Parusel, dem Amphibienexperten der BN-Ortsgruppe Essenbach, wurden seit vielen Jahren von ihm betreute Amphibienweiher in der Isarau bei Ohu aufgesucht, wo die Exkursionsteilnehmer von dem Referenten Wissenswertes über Biologie, Lebensräume und Gefährdung der heimischen Amphibienarten erfuhren. Der ursprüngliche Exkursionstermin musste wegen des Hochwassers in der Isarau um vierzehn Tage verschoben werden. Mit schönem Wetter wurden dann die Amphibienfreunde jedoch reichlich belohnt.    

Herbert Parusel hatte am Rande eines Amphibiengewässers auch ein Aquarium aufgestellt, um insbesondere den interessierten Kindern die Wassertiere aus nächster Nähe zu zeigen und sie mit ihnen in Kontakt kommen zu lassen. Mit großer Begeisterung griffen die kleinen Froschfreunde dann auch ins Wasser, um den Teich- und Bergmolch in die Hand zu nehmen. Aber auch Kaulquappen und einen großen Seefrosch sowie weitere Wasserlebewesen, wie Rückenschwimmer, Gelbrandkäfer, Blutegel und Larven von Libellen, tummelten sich im Wasserbecken.  

Der Referent gab auch einen Überblick über die heimische Amphibienfauna und über die landschaftlichen Veränderungen des Isartals in den letzten 100 Jahren, wodurch für die Amphibienfauna viele Lebensräume verloren gegangen seien. Insbesondere  Kreuz- und Wechselkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch, haben heute im Landkreis Landshut nur noch sehr wenige, oft stark isolierte Vorkommen. Diese Arten seien auch bayernweit in der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ und „stark gefährdet“ aufgeführt. Noch nicht gefährdet seien Erdkröten, aber auch nur deshalb, weil mehrere BN-Ortsgruppen im Landkreis alljährlich zur Laichwanderung Schutzmaßnahmen an viel befahrenen Straßenabschnitten durchführen, gab Parusel zu bedenken.   

Nach den Dankesworten von stellvertretendem BN-Kreisgruppenvorsitzenden Paul Riederer an den Amphibienexperten für die sehr interessante und kindergerechte Führung wurden die Exkursionsteilnehmer schließlich noch mit einem lauten Laubfrosch-Konzert in die Nacht verabschiedet. 

In die Wunderwelt der Pilze

Alfred Hussong führte bei BN-Exkursion in die Wunderwelt der heimischen Pilze

Pilzkundliche Exkursion des Bundes Naturschutz mit Alfred Hussong

Geisenhausen. Pilze sind ein ebenso kompliziertes wie faszinierendes Betätigungsfeld. Weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren gehörig, bilden sie ihr eigenes Reich. Ihre Spuren – und ihre Sporen – finden sich fast überall, nicht nur im Wald, wo sie als Materialabräumer dafür sorgen, dass nicht alles im „Abfall“ erstickt. Eine kleine Teilgruppe davon, die Ständerpilze – erkennbar an Hut und Stiel – bestechen oft durch ihre aparte Schönheit. Davon konnten sich die rund 60 erschienenen Teilnehmer einer naturkundlichen Bund-Naturschutz-Exkursion überzeugen, die unter der Leitung des staatlichen Pilzsachverständigen Alfred Hussong am 3. Oktober 2012 einen Wald bei Geisenhausen durchstreiften.

Zu Beginn gab Hussong einen groben Überblick über die unfassbare Vielfalt der Pilze und teilte sie in Gruppen ein. Viele Arten lassen sich nur mittels Lupe, über das Sporenpulver und mit viel Erfahrung bestimmen, und je mehr man über Pilze weiß, desto vorsichtiger und demütiger wird man. Knapp zehntausend Großpilzarten gibt es in Mitteleuropa, und noch immer werden welche neu entdeckt. Während insbesondere die Kinder unermüdlich ausschwärmten und unterschiedlichste Schwammerl herbeitrugen, erläuterte Hussong sachkundig und anschaulich deren Besonderheiten und ordnete sie in der Systematik ein, zum Beispiel zu den Röhrlingen, zu den Täublingen, zu den Schirmpilzen und zu weiteren Arten. Zur – oft nur annähernden – Bestimmung gilt es, alle Sinne einzusetzen, zumal der optische Eindruck (Größe, Farbe und Form) je nach Reifestadium und Standort sehr wandelbar sein kann. Man muss tasten und reiben, riechen, schmecken (und ausspucken). Von vielen sammelbaren, schmackhaften Pilzen gibt es ungenießbare oder giftige Doppelgänger und wer etwas in den Sammelkorb legt, das er nicht ganz sicher ansprechen kann, spiele sozusagen Russisches Roulette. Der Mykologe Hussong präsentierte auch zwei der gefährlichsten heimischen Giftpilze, den Grünen Knollenblätterpilz sowie den Spitzgebuckelten Raukopf. Bei letzterem treten die Vergiftungserscheinungen erst nach einer Latenzzeit von zwei Wochen auf, dann freilich ist es zu spät: die Schädigung der Nieren ist dann zu weit fortgeschritten...  

Obwohl viele Teilnehmer aufgrund der enormen Kenntnisse des Exkursionsleiters hinsichtlich Genießbarkeit auch der „dubiosesten“ Lamellenpilze ihre Körbchen leidlich füllen konnten, stand dies nicht im Vordergrund der Wanderung. Es ging bei der Exkursion vielmehr um intensive Naturerfahrung, Sinnesschulung und Horizonterweiterung. Ein Raunen und Staunen erzeugte Hussong etwa, als er einen dickschaligen Kartoffelbovist aufschnitt und der tiefschwarze Kern zutage trat oder als das „Hexenei“, der Stinkmorchel, nach dem Aufschneiden sein seltsames olivgrün-weißes Inneres preisgab. Weniger spektakulär, aber durchaus schön unter der Lupe war der dezente Rote Pustelpilz, der etwa so klein wie ein Mohnsamen an morschen Zweigen haftet. Und eindrucksvoll intensiv präsentierte sich ein zerriebener Gelber Knollenblätterpilz mit seinem geradezu nostalgischen Geruch nach Kartoffelkeller.  

Nach knapp zweieinhalb Stunden im sonnendurchfluteten Wald endete die Exkursion, und manch einer stand unter dem Bann dieser bizarren Lebewesen und erkannte, dass das allzu menschliche Kriterium „ungenießbar beziehungsweise wohlschmeckend“ unendlich dürftig ist und der Wunderwelt der Pilze mitnichten gerecht wird.

Regen störte Fledermäuse nicht

Martin Leitner (links), Marion Winkler und Christian Winkler (rechts) ließen bei der nächtlichen Exkursion zum Isarspitz mit Hilfe von Bat-Detektoren die Rufe von Fledermäusen hören (Foto: P. Riederer)

Bund Naturschutz organisierte „Nacht der Fledermäuse“ – Fledermausvorkommen in der Stadt

Trotz Dauerregens wurde auch heuer wieder die „Nacht der Fledermäuse“, die am Freitag, 31. August, vom Bund Naturschutz veranstaltet wurde, von zahlreichen Erwachsenen und Kindern besucht. Bei einem Vortrag im Vereinsheim des Landshuter Rudervereins auf Mitterwöhr und einer Nachtexkursion zum Isarspitz vermittelten Martin Leitner sowie Christian und Marion Winkler Wissenswertes über die heimlichen Jäger der Nacht. Die Fledermauskundler informierten in ihrem Lichtbildervortrag über das Vorkommen von Fledermausarten in Stadt und Landkreis Landshut. Von in Bayern nachgewiesenen 21 Arten konnten sie hier bisher 16 Arten feststellen, sei es durch Einzelfunde oder in sogenannten Wochenstubenquartieren. In der Stadt Landshut konnten bisher neun Arten nachgewiesen werden. Vom Großen Mausohr und der Mückenfledermaus bestehen Wochenstuben. Einzelfunde gibt es vom Kleinen Abendsegler, der Kleinen Bartfledermaus, der Nordfledermaus, der Zweifarbfledermaus, der Rauhautfledermaus und der Mopsfledermaus.  Der Große Abendsegler, eine große Fledermausart, die gerne in Baumhöhlen lebt, ist sowohl im Sommer als auch im Winter im Landshuter Hofgarten heimisch. Von allen besprochenen Arten hatte Martin Leitner Lichtbilder mitgebracht, die das unterschiedliche Aussehen dieser fliegenden Säugetiere zeigten.

Die Fledermauskundler erklärten auch die Unterschiede von Sommerquartier und Winterquartier. Die Sommerquartiere befänden sich je nach Fledermausart unter anderem auf Dachböden von Dorfkirchen, hinter Holzverkleidungen und Fensterläden von Gebäuden, in ehemaligen Spechthöhlen oder in Fledermauskästen. Die Sommerquartiere werden im Frühjahr von den Fledermausweibchen bezogen und als sogenannte Wochenstuben genutzt. Hier können dann bis zu 200 Weibchen leben, die meistens ein Junges gebären und aufziehen. In Bildern zeigten die Fledermausexperten, wie eng es oft in solchen Wochenstuben, zu denen Männchen keinen Zutritt haben, zugeht. Die Winterquartiere, die von den Fledermäusen im Herbst aufgesucht werden,  befinden sich in natürlichen Berghöhlen, Spalten, Dachböden, Baumhöhlen, Holzstapeln oder auch in Bergkellern. Interessant für die Besucher waren auch die Ausführungen zur Orientierung und Nahrungssuche der Fledermäuse. Fledermäuse senden Ultraschalllaute aus, sie fangen das zurückkehrende Echo mit den Ohren auf und nehmen dadurch die Umwelt wahr. Sie erhalten von ihrer Umwelt ein „Hörbild“. So orten sie bei ihrer Nahrungssuche im Flug auch mit Echolot fliegende Insekten, verfolgen sie dann und erfassen sie direkt mit dem Mund oder mit den wie Kescher gebrauchten Armflughäuten.

Um schließlich diese nachtaktiven Tiere im Flug zu beobachten, führte eine Wanderung entlang der Isar zum Isarspitz. Die großen und kleinen Exkursionsteilnehmer waren ausgerüstet mit Taschenlampe und die Fledermausexperten mit „Bat-Detektoren“. Solche Detektoren machen die hohen Frequenzen der Ultraschalllaute, die die fliegenden Säugetiere beim Jagen auf Insekten ausstoßen, für das menschliche Ohr hörbar. Und der Regen störte die Fledermäuse bei ihrer Beutejagd nicht. So mussten die Nachtwanderer nicht lange darauf warten, bis aus den Lautsprechern der Detektoren die typischen Laute von Fledermäusen – die Fledermausspezialisten sprachen von mehreren verschiedenen Arten –  zu hören waren. Einige Tiere konnten sogar am Nachthimmel im Flug beobachtet werden. So wurde auch heuer wieder die „Nacht der Fledermäuse“ zu einem besonderen Erlebnis für die Fledermausfreunde.

Wer noch mehr über das Leben, das Vorkommen und den Schutz heimischer Fledermäuse wissen will, für den liegen in der Geschäftsstelle des Bundes Naturschutz, Altstadt 105 (geöffnet Dienstag bis Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17 Uhr) kostenlose Info-Schriften auf. Meldungen von Fledermaus-Funden oder -Beobachtungen nimmt der Bund Naturschutz unter der Telefon-Nummer 0871/23748 oder 22390 entgegen.

Von Beißschrecken und Warzenbeißern

Heuschrecken-Exkursion in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“

Zahlreiche Naturinteressierte fanden sich am 11. August 2012 im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ ein, um Wissenswertes zu Vorkommen und Lebensweise heimischer Heuschreckenarten zu erfahren. Die Exkursion im Rahmen des Bund-Naturschutz-Bildungsprogramms wurde vom Biologen Christian Kainz geleitet. Obwohl die meisten Heuschrecken ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, konnte trotz leichter Bewölkung eine ganze Reihe von Arten aufgespürt und bewundert werden.

Gleich beim Treffpunkt am Eingang des Naturschutzgebietes durften die Teilnehmer versuchen, einige Heuschrecken mit den bloßen Händen zu fangen. Der Referent erklärte anhand der gefangenen Individuen den Körperbau dieser faszinierenden Tiergruppe. Neben den typischen Insektenmerkmalen wie den sechs Beinen sowie der Gliederung in Kopf, Rumpf und Hinterleib fielen bei den Heuschrecken hauptsächlich die muskulösen Hinterbeine mit enormer Sprungkraft auf. Daneben seien vor allem die komplexen und variantenreichen Gesänge einzigartig unter den Insekten. Der Biologe Christian Kainz erklärte hierzu die unterschiedliche Lauterzeugung bei den Langfühler- und Kurzfühlerschrecken: Während bei den Langfühlerschrecken das Zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt wird, reiben die Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln. Damit die Laute der Heuschrecken, die der Partnerfindung und Revierabgrenzung dienen, auch gehört werden können, sind natürlich entsprechende Hörorgane nötig. Diese sitzen bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während die „Ohren“ der Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind.

Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ bietet mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft, sowie mit den immer wieder vorkommenden fast vegetationslosen Stellen, aber auch durch die etwas feuchteren Mulden, das Gebüsch und die Waldbereiche hervorragende Lebensbedingungen für zahlreiche Heuschreckenarten. Beim Aufspüren und Einfangen der Heuschrecken waren vor allem die Kinder unter den Exkursionsteilnehmern dem Referenten Kainz eine große Hilfe. So konnte der Biologe neben häufigen Arten wie dem Gemeinen Grashüpfer und der Westlichen Beißschrecke heuer auch den Warzenbeißer zeigen und Interessantes zu dessen Lebensweise erläutern.  

Die Westliche Beißschrecke wird in der Roten Liste der Gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt. Diese äußerst agile und mit seiner bräunlichen Färbung gut getarnte Art erreicht im Landshuter Bereich seine südliche Verbreitungsgrenze. Sie ist wie der Warzenbeißer, der ein wunderschön gezeichneter Vertreter der Laubheuschrecken mit gedrungenem Körperbau ist und zu den überregional gefährdeten Heuschreckenarten gehört, auf nährstoffarmes, extensiv bewirtschaftetes Weide- und Grasland angewiesen. Hier leistet das vom Bund Naturschutz initiierte Naturschutzgebiet einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Arten in Bayern. Man ließ früher von den Warzenbeißern Warzen abbeißen und durch den dabei von dem Insekt abgegebenen Darmsaft verätzen. Der Überlieferung nach soll dieses heutzutage etwas seltsam anmutende Hausmittel recht gut gegen Warzen geholfen haben. Dass der Warzenbeißer mit seinen kräftigen Kiefern sehr stark zubeißen kann, konnte eines der Kinder auf etwas schmerzhafte Weise erfahren.  

Weitere von den Kindern eingefangene Heuschrecken bestimmte Kainz als die anspruchsvollen Braunen Grashüpfer und die Nachtigall-Grashüpfer. Der Biologe erklärte, dass im Naturschutzgebiet rund 20 verschiedene Heuschreckenarten vorkommen, und die Exkursions-Teilnehmer stellten fest, dass Kainz oft schon von Weitem durch Hören der unterschiedlichen „Gesänge“ die Arten voneinander unterscheiden konnte. Schließlich wurde noch das allseits bekannte prachtvolle Grüne Heupferd entdeckt, das die einzige flugfähige Schrecke und auch das größte Tier seiner Art ist.   Zum Abschluss der rund zweistündigen lehrreichen Wanderung durften die Kinder noch zu einem kleinen Sprungwettbewerb gegen die Heuschrecken antreten. Sie stellten fest, dass die Tiere dank ihrer starken Hinterbeine im Bezug auf ihre Körpergröße zwanzigmal so weit springen können als die Kinder.

Christian Kainz verstand es vorzüglich, bei den Exkursionsteilnehmern jeden Alters das Interesse für die Heuschrecken zu wecken (Foto: Brigitte Englbrecht)
Kinder traten zum „Sprungwettbewerb“ mit Heuschrecken an – aber was die Sprungdistanz betraf, ein vergebliches Unternehmen (Foto: Brigitte Englbrecht)

Wertvolles Naturreservat in der Stadt

Naturschutzgebiet ist ein landesweit bedeutsamer Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Durch die vom Bund Naturschutz initiierte Unterschutzstellung des ehemaligen Landshuter Truppenübungsplatzes wurde im Stadtgebiet ein landesweit bedeutsamer Lebensraum für Pflanzen und Tiere bewahrt. Das bewies wiederum eine botanische Exkursion des Bundes Naturschutz und des Naturwissenschaftlichen Vereins in das Naturschutzgebiet (NSG) „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“. Pflanzenkundler Dieter Nuhn zeigte im Verlauf der Wanderung botanische Besonderheiten dieses ehemaligen militärischen Übungsgeländes. Dabei ging der Botaniker nicht nur auf seltene Pflanzen ein, sondern schärfte auch den Blick der Exkursionsteilnehmer für den Unterschied zwischen den einzelnen Vertretern einer Gruppe. So konnte er die unterschiedlichen Merkmale von Süßholz-Tragant und Kicher-Tragant aufzeigen. Auch bei der Heide-Nelke, der Rauhen Nelke und der Karthäuser-Nelke wurden die bestimmenden Merkmale der Pflanzen erläutert. Die im Laufe der Führung vorgestellten Funde des Florentiner Habichtskrauts, der Blutroten-Sommerwurz, der Gelben-Sommerwurz, des im Landkreis Landshut selten gewordenen Gewöhnlichen Wundklees, der Motten-Schaben-Königskerze und des im NSG sehr häufig vorkommenden Schopf-Kreuzblümchens hatten manche Teilnehmer bisher noch nie gesehen.

Schmetterlinge und Wildbienen waren das Ziel einer weiteren Bund-Naturschutz-Exkursion in das Naturreservat. Die Insektenfachleute Helmut Kolbeck (Schmetterlinge) und Erwin Scheuchl (Wildbienen) gewährten fundierte Einblicke in die Welt der Schmetterlinge und Wildbienen. Gerade am ehemaligen Landshuter Truppenübungsplatz mit seinen weitläufigen (halb)mageren Grasflächen kommen mehrere absolut bemerkenswerte Arten vor, die den staunenden Teilnehmern vorgeführt wurden. Bei den Tagfaltern ist unter anderen der Himmelblaue Bläuling besonders erwähnenswert, bei den Wildbienen die Schmalbiene, eine Art, die in letzter Zeit aus Süd-Ost-Europa offenbar donau- und isaraufwärts gewandert ist und im Naturschutzgebiet ihren letzten „Außenposten“ hat.

Eine weitere Exkursion in das Naturschutzgebiet folgt am 11. August 2011 mit dem Titel „Heuschrecken – die Sommer-Musikanten“.

Sogar in den Ritzen der ehemaligen Panzer-Leitmauer konnte Dieter Nuhn (links) bei seiner botanischen Exkursion Pflanzen zeigen
Erwin Scheuchl (links) führte in die vielfältige Welt der heimischen Wildbienen ein

7500 Jahre Heimatgeschichte erwandert

170 heimatkundlich interessierte Menschen beteiligten sich an Christi Himmelfahrt an der diesjährigen „Wanderung in die Zeit“

170 Teilnehmer bei archäologischer Wanderung von Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, Museen und ArLan

Einen Besucherrekord verzeichnete heuer die archäologische Exkursion von Bund Naturschutz, Arlan und den Museen der Stadt Landshut. 170 Archäologiebegeisterte nahmen an der rund dreistündigen archäologischen „Wanderung in die Zeit“ rund um Mirskofen am 17. Mai 2012 teil, die von der Archäologin Isabella Denk geleitet wurde.

Die Spuren der Vergangenheit rund um Mirskofen war diesmal das Thema der archäologischen Wanderung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und des Archäologischen Vereins (ArLan), die als „Wanderung in die Zeit“ seit vielen Jahren traditionell an Christi Himmelfahrt stattfindet. Isabella Denk, Archäologin bei den Museen der Stadt Landshut leitete die Wanderung. Vom Dorfplatz aus, wo stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer im Namen der Veranstalter die Exkursionsteilnehmer begrüßte, ging es bergauf auf die Hänge, die bereits vor 7500 Jahren die ersten Siedler urbar machten. Die fruchtbaren Lösshänge zwischen Essenbach und Altdorf waren nicht nur zur Steinzeit eine begehrte Siedlungslage, wie Isabella Denk erklärte, es finden sich auch Spuren der Bronze- und Eisenzeit . Der Weg, der die Wanderer dorthin führte, wird Taferlweg genannt, ein alter Weg von Mirskofen nach Weihenstephan. Johann Pollinger, ein Lehrer, der sich vor mehr als 100 Jahren in Landshut und Umgebung um archäologische und volkskundliche Belange sehr verdient gemacht hat, beschreibt in seinem 1908 erschienen Buch „Aus Landshut und Umgebung“ bereits diesen Weg.

Dieser Weg durchschneidet auch eine archäologische Neuentdeckung: Eine so genannte Kreisgrabenanlage aus dem fünften vorchristlichen Jahrtausend. Sie war im Rahmen einer geomagnetischen Prospektion gefunden worden. Bei diesem Verfahren machen sich die Archäologen das Erdmagnetfeld zu Nutze. Jeder Bodeneingriff verändert das Gefüge des Magnetfeldes und wird dadurch sichtbar gemacht. Die Datierung war durch Scherbenfunde und vergleichbare Anlagen wie beispielsweise bei Viecht möglich. Welchen Zweck die von einem doppelten Graben umgebene ellipsenförmige Anlage mit einem Durchmesser von rund 85 Metern hatte, ist unklar. Die Deutungen liegen zwischen Viehpferch und kultischem Kalenderbau, sagte die Archäologin.

Am Rande des Waldes, der auch Taxau genannt wird, verwies Paul Riederer mit Blick auf Reaktor und Kühlturm von AKW Isar II auf die zeitlichen Relationen: Während heute einerseits die 7500 Jahre seit dem Beginn der Jungsteinzeit als sehr langer Zeitraum empfunden werde, produziere die Menschheit andererseits für kurzfristige Stromerzeugung hochradioaktiven Atommüll, der wegen seiner Gefährlichkeit mehr als eine Million Jahre sicher gelagert werden müsse und tausende nachkommende Generationen belasten werde.

Entlang an den Votivtafeln, die von den Mirskofenern nach wie vor entlang des Taferlweges an den Bäumen aufgehängt werden, führte dieser zu einer Kreuzung des alten Weges von Gut Holzen nach Gaunkofen. Just an dieser Kreuzung befinden sich eine Marienkapelle sowie ein Hügelgrab. Es ist der imposanteste einer ganzen Reihe von Tumuli entlang des Weges der auf einem Höhenrücken verläuft. Isabella Denk betonte, dass es sicherlich kein Zufall sei, dass sich die Kapelle direkt neben einer derartigen vorgeschichtlichen Bestattung befindet. Hügelgräber, die sowohl in die mittlere Bronzezeit (um 1500 v. Chr.) als auch in die frühe Eisenzeit (etwa 850-450 v. Chr.) datieren können, seien markante Orte, die oft lange im kulturellen Gedächtnis der Bevölkerung einen Platz inne hätten.

Der Weg führte den Höhenrücken hinab zur Altheimer Kapelle am Steinberg, wo einige Teilnehmer ein Marienlied anstimmten. Das Holzener Tälchen öffnet sich großzügig am Waldrand. Von dort wanderten die Exkursionsteilnehmer einen verwachsenen Weg entlang auf Höhe einer in der topografischen Karte eingezeichneten Schwedenschanze, die jedoch vermutlich mittelalterlichen Ursprungs ist. Es hatte sich dabei wohl um einen Turm gehandelt. Interessanterweise wurde dieser an den Rande eine Hügelgräberfeldes gebaut.

Als letztes archäologisches Bodendenkmal der rund dreistündigen Wanderung wurde das Altheimer Erdwerk besucht, der wohl berühmteste Fundorte der Region aus dem vierten vorchristlichen Jahrtausend. Obertägig ist von der Anlage jedoch nichts mehr zu sehen. Isabella Denk zeigte ein Luftbild des Erdwerks von Klaus Leidorf und erläuterte dabei das Prinzip der Luftbildarchäologie. 1911 war die Anlage, deren Funktion bis heute ungeklärt ist, von Ökonomierat Münsterer entdeckt worden, dem beim Pflügen dunkle Verfärbungen und Scherben aufgefallen waren. Er meldete den Fund wiederum Johann Pollinger. Diese erlebte die darauffolgenden Ausgrabungen 1914/15 jedoch nicht mehr. Die Anlage machten wohl vor allem aufgrund der zerstückelten menschlichen Skelette in den drei Umfassungsgräben Schlagzeilen. Und schließlich wurde aufgrund dieses Fundorts der Begriff der „Altheimer Kultur“ geprägt. Damit werden Gemeinschaften, die zu dieser Periode der Steinzeit zwischen Inn und Lech lebten, bezeichnet. Das Altheimer Erdwerk war die erste Anlage dieser Zeit, die entdeckt wurde, mittlerweile kamen immer weitere Fundorte hinzu, die zwar ein Lebensbild dieser Epoche zeichnen lassen, die Funktion dieser Anlagen bleibt aber nach wie vor unklar, so die Archäologin. Paul Riederer machte am Schluss der „Wanderung in die Zeit“ zugleich mit Dankesworten an Isabella Denk für die gewährten sehr interessanten Einblicke in die Heimatgeschichte darauf aufmerksam, dass in der aktuellen Archäologieausstellung der Museen der Stadt Landshut in der Stadtresidenz dem Altheimer Erdwerk ein Raum mit Funden von der ersten Ausgrabung gewidmet sei.

Die Archäologin Isabella Denk gab interessante Einblicke in die Heimatgeschichte rund um Mirskofen; rechts: Paul Riederer, der Mitorganisator der archäologischen Exkursion.

Waldameisen – Nützlinge des Waldes

Hartmut Mehner (links) erklärt vor einem Nest der Kleinen Roten Waldameise die Lebensweise dieser nützlichen Insekten

Naturkundliche Wanderung führte zu Ameisennestern im Weihbüchler Holz

„Waldameisen – Nützlinge des Waldes“ hieß das Thema einer naturkundlichen Wanderung, die von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Ameisenschutzwarte am 6. Mai 2012 durchgeführt wurde. Ameisenexperte Hartmut Mehner führte die Exkursionsteilnehmer im Weihbüchler Holz zu Nestern von zwei verschiedenen Ameisenarten: der Kleinen Roten Waldameise und der Blutroten Raubameise.  Mehner berichtete von der Lebensweise und den Lebensgrundlagen der Waldameisen sowie von ihrem enormen Nutzen für einen gesunden Wald, für die Imkerei, für die Verbreitung von Waldblumensamen und als Nahrungsgrundlage für Grün- und Schwarzspecht.

Die auffälligen Nesthügel machen die Waldbesucher auf Waldameisen aufmerksam. Doch nicht alle Ameisen im Wald errichten derartige Nesthügel, informierte Mehner. Manche Arten leben als Baumbewohner im Holz, andere nisten unter Steinen oder bauen reine Erdnester. Waldameisen gehören wie die Honigbienen zu den Staaten bildenden Insekten. Sie leben in einer Gemeinschaft, für die eine umfangreiche Arbeitsteilung kennzeichnend sei. Die Hauptmasse im Waldameisentaat werde von den Arbeiterinnen gebildet, dabei handele es sich um ungeflügelte, nicht begattungsfähige Weibchen, so der Ameisenspezialist. Das mehr oder weniger große oberirdische kuppelartige Nest und der unterirdische, bis über einem Meter tiefe Nestbereich mit den Brutkammern bieten, je nach Art, manchmal mehr als einer Million Waldameisen Schutz vor Feinden und Witterungsunbilden. Der Nesthügel gewähre außerdem die erforderlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen für die Brutaufzucht. So können die Hügel bauenden Waldameisen, wie beispielsweise die Rote Waldameise, das Klima in ihrem Nest durch verschiedene bauliche Maßnahmen regulieren, erklärte Mehner.

Alle Waldameisenarten, außer der Blutroten Raubameise, stehen seit über 200 Jahren unter strengem Schutz. Trotzdem seien die Waldameisen in weiten Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes stark dezimiert worden, gab Mehner zu bedenken. Die Ursachen für den Bestandsrückgang seien vielfältig. Infolge ihrer stationären Dauernester seien die Waldameisen massiven Eingriffen in ihren Lebensraum ausgeliefert. Neben Naturkatastrophen gefährde in erster Linie der Mensch durch Baumaßnahmen und Forstarbeiten sowie durch den Eintrag von Pestiziden die Lebensräume und Lebensgrundlagen der Waldameisen. Waldameisen seien jedoch nicht nur ein wichtiges Schlüsselglied im Ökosystem Wald, sondern der Waldbesucher könne sich an dem faszinierendem Gebilde eines Nesthügels, dessen mehrere Kubikmeter Material die Arbeiterinnen Nadel für Nadel und Erdkrümel für Erdkrümel herbeigeschleppt haben, und an dem emsige Treiben der Waldameisen rund um das Nest erfreuen, stellte Hartmut Mehner abschließend fest.

Kinder entdecken die Natur

Zahlreiche Kinder und Erwachsene nahmen an den Naturerkundungsspielen des BN teil
Birgit Nadler (2. v. l.) verstand es, die Kinder für die Spiele zu begeistern

Mit dem BN in den Landshuter Hofgarten

Die herbstliche Natur im Landshuter Hofgarten erlebten am Samstag, 15. Oktober, bei strahlendem Herbstwetter viele begeisterte kleine und große Naturforscher unter der Anleitung von Umweltpädagogin Birgit Nadler. Auf Einladung der Bund- Naturschutz-Kreisgruppe erfuhren sie, wie sich die Natur auf den Winter vorbereitet. So schlüpften die Kinder in die Rolle eines Eichhörnchens, das sich Vorräte für den Winter anlegt. Als Fledermäuse jagten sie ihre Insektenbeute nur nach Gehör und flüchteten als Mäuschen vor der flinken Katze. Viele Tierspuren gab es zu entdecken beim Rundgang durch Wiesen und Baumgruppen. Entdeckt wurden da beispielsweise Spechtlöcher in den Stämmen alter Bäume, Trittsiegel eingeprägt in lehmige Wegstellen und Fraßspuren in abgefallenen Herbstblättern. Als bunte Erinnerung an diesen sonnigen Herbstnachmittag gestalteten sich die Teilnehmer abschließend aus gesammelten Blättern ein durchscheinendes Fensterbild und nahmen so ein paar Herbstfarben in ihr Zuhause mit.

Mit Ultraschall auf Insektenjagd

Viele Streicheleinheiten bekam eine lebende Zweifarbfledermaus von den Kindern. Diese Fledermaus hat ihren Namen von ihrem schwarzbraun-silberweißen Fell. (Foto: Riederer)

Bund Naturschutz organisierte Veranstaltung zur „Nacht der Fledermäuse“

Auch heuer wieder stieß die „Nacht der Fledermäuse“ auf großes Interesse, die am 20. August vom Bund Naturschutz veranstaltet wurde. Bei einem Vortrag im Vereinsheim des Landshuter Rudervereins auf Mitterwöhr und einer Nachtexkursion zum Isarspitz vermittelten Martin Leitner und Christian Winkler Wissenswertes über die heimlichen Jäger der Nacht. Die Fledermauskundler zeigten in ihrem Lichtbildervortrag, welche Maßnahmen sie in Stadt und Landkreis Landshut in den vergangenen Jahren zum Schutz der Fledermäuse unternommen haben. Dazu zählt die Erfassung von Fledermausvorkommen und das Anbieten von „Fledermausbehausungen“ genauso wie auch die Pflege von Findlingen. So wurden zahlreiche Fledermauskästen verschiedenster Ausführungen von den Fledermausschützern vor allem in Wäldern aber auch an Gebäuden installiert. Erst vor kurzem wurden in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauamt der Stadt Landshut an einem Gebäude im Hofgarten zwei große Fledermauskästen aufgehängt, die für bestimmte Fledermausarten natürliche Wochenstubenquartiere ersetzen sollen.

Sommer- beziehungsweise Wochenstubenquartiere befinden sich außer in Fledermauskästen je nach Fledermausart unter anderem auf Dachböden von Dorfkirchen, hinter Holzverkleidungen und Fensterläden von Gebäuden oder in ehemaligen Spechthöhlen. Die Sommerquartiere werden im Frühjahr von den Fledermausweibchen bezogen und als sogenannte Wochenstuben genutzt. Hier können dann bis zu 200 Weibchen leben, die ein bis zwei Junge gebären und aufziehen. In Bildern zeigten die Fledermausexperten, wie eng es oft in solchen Wochenstuben, zu denen Männchen keinen Zutritt haben, zugeht. Im Herbst suchen die Fledermäuse ihre Winterquartiere meist in natürlichen Berghöhlen, Spalten, Dachböden, Baumhöhlen, Holzstapeln oder auch in Bergkellern auf. Allerdings hätten Fledermäuse seit vielen Jahren durch das Dichtmachen der Gebäude und ehemaliger Bergkeller große Schwierigkeiten, sowohl natürliche Sommer- als auch Winterquartiere zu finden. Als Beitrag zur Linderung der Quartiersnot wurde auf Initiative und mit Unterstützung der Landshuter Fledermausschützer ein ehemaliger Bunker in der Nähe des Uppenborn-Kraftwerks bei Moosburg von den Stadtwerken München wieder geöffnet, mit einem Gittertor versehen und die Innenräume fledermausfreundlich zum Winterquartier umgestaltet.

Durch Feststellung von Fledermausquartieren aber auch durch Beobachtungen und Funde einzelner Tiere, konnten Leitner und Winkler von den 21 in Bayern vorkommenden Fledermausarten bisher 16 Arten in Stadt und Landkreis Landshut nachweisen. Eine von Christian Winkler zur Veranstaltung mitgebrachte Zweifarbfledermaus – sein derzeitiger Pflegling – war selbstverständlich für die zahlreichen Kinder die Attraktion. Ist es doch sehr selten, eine lebende Fledermaus direkt vor Augen zu haben. Um diese nachtaktiven Tiere im Flug zu beobachten, führte anschließend bei Mondenschein eine Wanderung entlang der Isar zum Isarspitz. Die großen und kleinen Exkursionsteilnehmer waren ausgerüstet mit Taschenlampe und die Fledermausexperten mit „Bat-Detektoren“. Solche Detektoren machen die hohen Frequenzen der Ultraschalllaute, die die fliegenden Säugetiere beim Jagen auf Insekten ausstoßen, für das menschliche Ohr hörbar. Lange mussten die Nachtwanderer nicht warten, bis aus den Lautsprechern der Detektoren die typischen Laute von Fledermäusen – die Fledermausspezialisten sprachen von drei verschiedenen Arten – zu hören waren. Mehrere Tiere zeigten sich sogar, indem sie nur knapp über den Köpfen der Exkursionsteilnehmer hinwegflogen. Beeindruckt schauten diese den Flattertieren nach, bis sie zwischen den Bäumen verschwanden. Fasziniert von dem während der „Nacht der Fledermäuse“ Gehörten und Gesehenen traten die Fledermausbeobachter erst spät wieder den Rückweg an.

Wer noch mehr über das Leben, das Vorkommen und den Schutz heimischer Fledermäuse wissen will, für den liegen in der Geschäftsstelle des Bundes Naturschutz, Altstadt 105 (geöffnet Dienstag bis Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17 Uhr) kostenlose Info-Schriften auf. Meldungen von Fledermaus-Funden oder -Beobachtungen nimmt der Bund Naturschutz unter der Telefon-Nummer 0871/23748 oder 22390 entgegen.

Martin Leitner ließ mit Hilfe eines Detektors die Rufe von Fledermäusen hören, die über die Köpfe der Exkursionsteilnehmer hinwegflogen. (Foto: Riederer)

Von Beißschrecken und Warzenbeißern

Der Warzenbeißer, eine gefährdete Heuschreckenart des Naturschutzgebiets „Ehemaliger Standortübungsplatz“ (Foto: Heim)

Bund Naturschutz-Exkursion in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“

Kürzlich fanden sich zahlreiche Naturinteressierte im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ ein, um Wissenswertes zu Vorkommen und Lebensweise heimischer Heuschreckenarten zu erfahren. Die Exkursion im Rahmen des Bund Naturschutz Bildungsprogramms wurde vom Biologen Christian Kainz geleitet.

Nachdem der ursprüngliche Termin für die diesjährige Heuschreckenexkursion des Bund Naturschutz aufgrund schlechter Witterung verschoben werden musste, blitzte am Ausweichtermin pünktlich vor Exkursionsbeginn die Sonne hinter den Wolken hervor. Nachdem die meisten Heuschreckenarten ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, konnten die Exkursionsteilnehmer zahlreiche Arten aufspüren und bewundern.

Gleich beim Treffpunkt am Eingang des Naturschutzgebietes durften die Teilnehmer versuchen, einige Heuschrecken mit den bloßen Händen zu fangen. Der Referent erklärte anhand der gefangenen Individuen den Körperbau dieser faszinierenden Tiergruppe. Neben den typischen Insektenmerkmalen wie den sechs Beinen sowie der Gliederung in Kopf, Rumpf und Hinterleib fielen bei den Heuschrecken hauptsächlich die muskulösen Hinterbeine mit enormer Sprungkraft auf. Daneben seien vor allem die komplexen und variantenreichen Gesänge einzigartig unter den Insekten. Der Biologe Christian Kainz erklärte hierzu die unterschiedliche Lauterzeugung bei den Langfühler- und Kurzfühlerschrecken: Während bei den Langfühlerschrecken das Zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt wird, reiben die Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln. Damit die Laute der Heuschrecken, die der Partnerfindung und Revierabgrenzung dienen, auch gehört werden können, sind natürlich entsprechende Hörorgane nötig. Diese sitzen bei bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während die „Ohren“ der Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind.

Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ bietet mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft, sowie mit den immer wieder vorkommenden fast vegetationslosen Stellen, aber auch durch die etwas feuchteren Mulden, das Gebüsch und die Waldbereiche hervorragende Lebensbedingungen für zahlreiche Heuschreckenarten. Beim Aufspüren und Einfangen der Heuschrecken waren vor allem die Kinder unter den Exkursionsteilnehmern dem Referenten Kainz eine große Hilfe. So konnte der Biologe neben häufigen Arten wie dem Gemeinen Grashüpfer und Roesels Beißschrecke heuer auch das prachtvolle Grüne Heupferd zeigen und Interessantes zu dessen Lebensweise erläutern.

Die Westliche Beißschrecke wird in der Roten Liste der Gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt. Diese äußerst agile und mit seiner bräunlichen Färbung gut getarnte Art erreicht im Landshuter Bereich seine südliche Verbreitungsgrenze und ist auf nährstoffarmes, extensiv bewirtschaftetes Weide- und Grasland angewiesen. Hier leistet das Naturschutzgebiet einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Arten in Bayern.

Als überregional gefährdete Heuschreckenart fand man auch in diesem Jahr den Warzenbeißer, einen wunderschön gezeichneten Vertreter der Laubheuschrecken mit gedrungenem Körperbau. Man ließ früher von dieser Heuschrecke Warzen abbeißen und durch den dabei von dem Insekt abgegebenen Darmsaft verätzen. Der Überlieferung nach soll dieses heutzutage etwas seltsam anmutende Hausmittel recht gut gegen Warzen geholfen haben.

Zum Abschluss der Exkursion durften die teilnehmenden Kinder noch zu einem kleinen Sprungwettbewerb gegen die Heuschrecken antreten, bevor sich die Gruppe auf den Rückweg zum Ausgangspunkt machte.

Christian Kainz (rechts) verstand es, bei den Exkursionsteilnehmern das Interesse für die Heuschrecken zu wecken (Foto: Brigitte Englbrecht)

Schillernde Kunstflieger bestaunt

Die Vierfleck-Libelle hat ihren Namen von den vier Flecken in ihren Flügeln. Auch sie zeigte sich den Exkursionsteilnehmern. (Foto: Herwig Leinsinger)

Herwig Leinsinger führte bei BN-Exkursion in die Biologie der Libellen ein

Zu Libellen-Lebensräumen in der Isarau bei Ergolding führte am 10. Juli eine naturkundliche Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. An einem Weiher und an der Isar hatten die Exkursionsteilnehmer Gelegenheit, die schillernden Kunstflieger unter der kundigen Führung von Herwig Leinsinger zu beobachten und Einblick in deren Lebenswelt zu erhalten.

Von den 80 in Deutschland vorkommenden Libellenarten, gibt es 75 in Bayern. Weltweit existieren rund 4000 Arten. Libellen leben seit 280 Millionen Jahren fast unverändert auf unserem blauen Planeten, das heißt, dass sie sich verändernden Umweltbedingungen gut anpassen können. Durch die Klimaerwärmung ändert sich allerdings die Artenzusammensetzung der in Niederbayern auftretenden Arten, informierte Leinsinger. So wurde die Feuerlibelle, die mit ihrem feuerroten Körper ihrem Namen alle Ehre macht, in Bayern erstmals 1991 gesichtet. Durch das wärmere Klima und weil sie gerne neue Teiche, die durch den Kiesabbau entstehen, besiedelt, sei sie unterdessen bei uns häufig anzutreffen. Auch das kleine Granatauge, so der Libellenkundler, profitiere von der Erwärmung während sein großer Bruder, das große Granatauge, in seinem Bestand  gefährdet sei.

In Kiesabbaugewässern kann sich eine sehr libellenreiche Fauna entwickeln. Viele, vor allem seltenere Arten vertragen sich aber nicht mit einem höheren Fischbesatz, gab Leinsinger zu bedenken. Die Biologie der Libellen ansprechend, wies er darauf hin, dass Libellen als Larven in stehenden und fließenden Gewässern aufwachsen. Als Wasserwesen atmen sie durch Kiemen, welche sich bei den Kleinlibellen außerhalb und bei den Großlibellen innerhalb des Körpers befinden. Ist ihre Entwicklungszeit, die beispielsweise bei der Quelljungfer fünf Jahre dauern kann, beendet, schlüpfen die Libellen aus ihrer Larve und sind fortan Luftlebewesen, deren Lebenszeit auf wenige Wochen beschränkt ist. Libellen ernähren sich ausschließlich räuberisch, nicht selten auch kannibalisch.

Während der Wanderung konnten die Teilnehmer Libellenarten wie Vierfleck, Blutrote Heidelibelle, Großer Blaupfeil, Azurjungfer, Südlicher Blaupfeil und die Große Pechlibelle bestaunen. An den Wasserpflanzen als auch am Ufer der Isar wurden außerdem viele Exuvien, die Schlupfhäute der Libellen, gefunden. Der Libellenkundige kann auch an den Exuvien erkennen, welche Libelle daraus geschlüpft ist.

Eine Wanderung der besonderen Art

Der Kleine Fuchs wird immer seltener – möglicherweise eine Folge des Klimawandels

BN-Exkursion zu Faltern und Wildbienen am Hochwasserdamm bei Bruckberg

Zahlreiche Interessierte begleiteten die beiden Insektenkundler Helmut Kolbeck und Erwin Scheuchl auf einer Wanderung der besonderen Art am 8. Mai 2010 in die obere Isarau südlich von Bruckberg. Obwohl es bei dieser von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisierten Exkursion nur teilweise sonnig und etwas windig-kühl war, wurden viele Insekten aufgespürt, was auch daran liegt, dass diese Tiergruppe so ungemein zahlreich und allgegenwärtig ist. Im gemütlichen Schlendern, den Kopf meist leicht abwärts gerichtet, ging es am nördlichen Isardamm entlang – auf der Suche nach Kleintieren, die nur selten so auffällig sind wie die dicke Erdhummel und der leuchtende Zitronenfalter. Kolbeck erklärte Vieles zu Tag- und Nachtfaltern, insbesondere auch zu Kleinschmetterlingen, die oft sehr dekorativ und interessant, aber eben auch winzig klein sind. Schon deswegen sind sie gegen Wind oder Regen sehr anfällig und bleiben in der Vegetation verborgen.

Auch tagfliegende Nachtfalter wurden identifiziert, wie der schmucke, häufige Gitterspanner, der gelbliche Heidespanner und die Braune Tageule. Von letzterer wurde sogar ein Pärchen bei der Begattung gefunden. Während Falter Saugrüssel besitzen und damit oft sehr spezifisch Blüten bestäuben, gibt es noch ein paar Urmottenarten, die kauende Mundwerkzeuge haben und damit Blütenpollen fressen. Viel auffälliger sind natürlich die „großen Tiere“ wie Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs, die im Falterstadium – oft in ungeheizten Innenräumen – überwintern. Es wurde darauf hingewiesen, dass der bislang so häufige, allbekannte Kleine Fuchs seit wenigen Jahren richtig selten geworden ist, was möglicherweise mit dem Klimawandel zusammenhängt. Die Ursachen von Populationsschwankungen sind freilich oft sehr komplex. Wie die beiden Exkursionsleiter erläuterten, gibt es häufig Parasiten, zum Beispiel Wespen oder Fliegen, die die Raupen oder Puppen „anstechen“ und stark dezimieren können. Die Kuckuckshummel – der Name deutet es bereits an – schmarotzt etwa bei der Erdhummel und nimmt sogar deren Nestgeruch an.
Hummeln fliegen schon bei kühleren Temperaturen, wogegen die meisten anderen Insekten mindestens 17 Grad brauchen, um aktiv zu werden.                               

Scheuchl zeigte diverse Wildbienen vor, die im Gegensatz zur Honigbiene meist einzeln oder in lockeren Wohngemeinschaften leben. Ihre Eier legen sie in selbst gegrabene Erdlöcher, in Totholz oder auch in verlassene Schneckenhäuser. Mehr als 500 verschiedene Wildbienen gibt es in Deutschland, und weil die Honigbiene in den letzten Jahren in ihren Beständen besorgniserregend zurückgeht, werden die anderen Arten als Bestäuber immer bedeutsamer. So fliegt zum Beispiel die Rote Mauerbiene bereits bei niedrigeren Temperaturen als ihre domestizierte Verwandte und ist auch insgesamt fleißiger und effektiver als diese. Natürlich brauchen Insekten ganz bestimmte Nahrungs- und Nektarpflanzen; eine blütenarme, monotone Kultursteppe wird gemieden oder höchstens durchflogen. Gerade die Hochwasserdämme sind als sekundäre Halbtrockenlebensräume sehr wertvoll, auch als Wanderachsen im Sinne des Biotopverbunds. Eine geplante Dammerhöhung würde fast zwangsläufig viel an seltener Flora und Fauna zerstören. Sollte sie wirklich nötig sein, müsste sie behutsam durchgeführt werden – hier waren sich alle Exkursionsteilnehmer einig.

Unbekannte Welt der Waldameisen

Michael Püls (links) fand bei den Exkursionsteilnehmern interessierte Zuhörer

Mit dem Bund Naturschutz auf Exkursion ins Reich der Nutzinsekten

Mehr als 40 Interessierte beteiligten sich an einer Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe ins Reich der Waldameisen. Unter der Führung von Michael Püls, einem Fachmann der Ameisenschutzwarte, ging es in einen Wald bei Weihbüchl, um Ameisenvölker zu besuchen. Im Schatten einer mächtigen Tanne wurde das erste Nest entdeckt. Ameisen bauen diese Hügel im Laufe mehrerer Jahre im Wald meist um einen alten Baumstumpf. Dazu schleppen sie Fichtennadeln, Holzästchen und oft auch Harzklümpchen herbei, um dieses Kunstwerk zu errichten. Dieser Hügel ist die Wohnung für das Volk der Waldameisen.  Nester sind unterschiedlich groß. Nester im Schatten sind größer als Nester in der Sonne oder am Waldrand. Das Nest wird alleine von den Arbeiterinnen gebaut, welche bis zu sechs Jahre alt werden können.

Königinnen befinden sich im Nest und sind mit der Eiablage beschäftigt. Sie sind viel größer als die Arbeiterinnen, besonders groß ist der Hinterleib der Königin. Darin sitzen die Eierstöcke und auch eine Samenblase ist dort vorhanden. Königinnen werden bis 25 Jahre alt. „Für Insekten ist das eine große Besonderheit, kaum ein anderes Insekt erreicht dieses Alter“, bemerkte der Ameisenexperte. Männchen gibt es nur im Frühjahr. Sie haben Flügel und sterben nach dem Begatten der Königinnen ab.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass ein Volk der Kahlrückigen Waldameise in einem Mischwald von April bis Oktober 10 Millionen verschiedener Insekten erbeutet. Darunter sind viele pflanzenfressende und forstschädliche Arten wie Kiefernspanner, Frostspanner und dergleichen. Wo Waldameisen heimisch sind, sind Schädlingsmassenvermehrungen unwahrscheinlicher. Außerdem wird von den Waldameisen bis zu 200 Liter von Blattläusen produzierter Honigtau ins Nest eingetragen. Ameisen sind aber  auch selbst ein begehrtes Nahrungsmittel für eine Vielzahl von Tieren. Besonders Grün- und Grauspecht ernähren sich von den kleinen Krabblern. Der seltene Wendehals lebe nahezu ausschließlich von Ameisen, so Püls.

Es sei eine ständige Abnahme von Waldameisennestern zu beobachten, stellte der Ameisenschützer fest. Dazu tragen sicher bei die unbeabsichtigte Nestzerstörung bei Forstarbeiten, besonders durch das Fällen, Rücken und Lagern von Stammholz. Auch Kahlschläge mit folgendem Reinanbau von Douglasie seien negativ zu beurteilen. Durch Straßen- und Siedlungsbau bedrohte Nester müssen durch geschulte Fachleute der Ameisenschutzwarte umgesiedelt werden. Schon Hunderte von Nestern konnten so vor der Vernichtung bewahrt werden, informierte Püls.

Andrea Attenberger vom Bund Naturschutz bedankte sich schließlich bei den Besuchern, unter ihnen zahlreiche Kinder, für das Interesse und beim Referenten für seine Ausführungen, die sicherlich dazu beitrugen, mehr Verständnis für die Waldameisen wachzurufen.

Die großen Abräumer

Paul Riederer (links) ehrte Rudolf Boesmiller (Mitte) für seine Verdienste um die Pilzkunde. Rechts im Bild Alfred Hussong, der zukünftige Leiter der pilzkundlichen BN-Exkursionen

Pilzkundliche Exkursion – Ehrung Rudolf Boesmiller

Als hervorragender Kenner der Materie leitet Rudolf Boesmiller seit 22 Jahren die stets im Herbst stattfindende Pilzexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe – heuer am 10. Oktober zum letzten Mal. Stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer dankte vor Exkursionsbeginn Rudolf Boesmiller für seine langjährige Tätigkeit für den Bund Naturschutz und ehrte ihn für seine Verdienste um die Pilzkunde mit der BN-Linde-Kachel. Gleichzeitig stellte er den zukünftigen Leiter der pilzkundlichen Exkursionen, Alfred Hussong aus Niederaichbach, vor. Boesmiller hatte sich für die diesjährige Exkursion einen Hangwald südlich von Landshut ausgesucht, im Vorfeld die Gegend erkundigt und die zu erwartenden Arten auf einem Informationsblatt aufgelistet, zusammen mit der Systematik dieser rätselhaften Organismen.

Die zahlreichen Teilnehmer hatten also, als sie durchs herbstliche Gelände streiften, die lateinischen Pilznamen vor sich, und daneben jeweils die weniger aussagekräftigen deutschen. Boesmiller erklärte, dass man durch die lateinischen Namen sogleich die Gattungszugehörigkeit und damit die Verwandtschaften erkennt. Die deutschen Namen seien zwar leichter zugänglich und teilweise amüsant, dafür aber auch sperrig oder sogar irreführend. Pilze richten sich nämlich nicht nach den ihnen zugeteilten Namen, sie machen sozusagen, was sie wollen und variieren enorm in Aussehen, Form und Farbe. Daher sei auch die Bestimmung in vielen Fällen viel komplizierter als vom Laien vermutet, der sich gern einfach auf eine Abbildung aus dem Pilzbuch stützen möchte. Man müsse aber bereits den Fundstandort genau begutachten, ferner den ganzen Pilz und nicht nur den Hut mitnehmen und eventuell über einige Tage das Sporenpulver auf einem Papier sammeln und die exakte Farbe vergleichen. Neben den vier Sinnen Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten seien oft genug auch Lupe und Mikroskop erforderlich, um sich im Riesenreich der Pilze halbwegs zurechtzufinden. Wer etwas in seinen Korb legt und verzehrt, was er nicht ganz sicher kennt, darf nicht dem Pilz die Schuld geben. Dieser übernimmt keinerlei Verantwortung für Unverträglichkeit und Giftigkeit, betonte Boesmiller.

Systematisch werden Pilze in niedere und höhere Pilze gegliedert, und letztere wiederum unter anderem in Schlauchpilze (Ascomycetes) sowie Ständerpilze (Basiomycetes). Allein diese beiden Gruppen umfassen weltweit über 30000 Arten. Die Basiomycetes bilden die höchstentwickelte – und auch bei Menschen beliebteste – Gruppe. Hierzu gehören die „klassischen Schwammerl“ mit auffälliger, oft sehr dekorativer Fruchtkörperbildung. Vom wesentlichen Teil der Pilze, dem Myzel, sieht man freilich nichts. Unterirdisch verteilen sich die Pilzfäden, zum Teil in einem riesigen Geflecht, das Hunderte von Jahren alt werden kann. Bei der Begutachtung eines Hallimasches an einem Baumstumpf erklärte der Exkursionsleiter, dass ein in den USA beheimateter Hallimasch das vermutlich größte und mit 1500 Jahren das älteste Lebewesen auf unserem Planeten ist. Winzig klein und unscheinbar sind hingegen viele Ascomycetes, beispielsweise der auf vermodernden Zweigen häufige zinnoberrote Pustelpilz (Nectria cinnabarina), der unter der Lupe betrachtet einer Himbeere ähnelt.

Die ureigenste Aufgabe der Pilze besteht darin, Holz zu „fressen“, organisches Material wieder dem ewigen Kreislauf zuzuführen. Sie sind also in Wald und Flur die großen Abräumer, ohne sie würde alles im Abfall ersticken. Unerlässlich ist hierbei natürlich die Feuchtigkeit. Deshalb ist in einem so trockenen Spätsommer wie heuer bis Anfang Oktober die Speisepilzausbeute sehr dürftig, wie rasch festgestellt wurde: Trotz vieler Augen und gesenkter Köpfe wurde nur ein einziger Maronenpilz gefunden. Speisepilzsuche beziehungsweise die sehr menschlichen Merkmale „giftig, ungenießbar, essbar, wohlschmeckend“ standen allerdings ohnehin nicht im Mittelpunkt der pilzkundlichen Exkursion. Begeisterung für diese wundersamen und faszinierenden Organismen muss nicht durch den Magen gehen, und naturwissenschaftliches Interesse hat wenig mit Verwertbarkeit in Kochtopf und Pfanne zu tun.

 

Im Reich des Warzenbeißers

Der Warzenbeißer, eine gefährdete Heuschreckenart, lebt im Naturschutzgebiet (Foto: Heim)

Bund Naturschutz-Exkursion in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“

Bei traumhaftem Sonnenschein fanden sich kürzlich zahlreiche Naturinteressierte im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut“ ein, um Wissenswertes zu Vorkommen und Lebensweise heimischer Heuschreckenarten zu erfahren. Die Exkursion fand im Rahmen des Umweltbildungsprogramms des Bundes Naturschutz (BN) statt und wurde wurde von dem Biologen Christian Kainz geleitet.

Gleich beim Treffpunkt am Eingang des Naturschutzgebietes konnte der Referent anhand der zahlreich umherhüpfenden und lautstark musizierenden Heuschrecken den Körperbau dieser faszinierenden Tiergruppe erklären. Neben den muskulösen Hinterbeinen mit enormer Sprungkraft seien vor allem die komplexen und variantenreichen Gesänge einzigartig unter den Insekten. Anhand mit der Hand gefangener Individuen konnte der Biologe die Unterschiede von Langfühler- und Kurzfühlerschrecken erklären.Während bei den Langfühlerschrecken das Zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt wird, reiben die Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln. Damit die Laute der Heuschrecken, die der Partnerfindung und Revierabgrenzung dienen, auch gehört werden können, sind natürlich entsprechende Hörorgane nötig. Diese sitzen bei bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während die „Ohren“ der Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind.

Nachdem die meisten Heuschreckenarten ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, konnten die Exkursionsteilnehmer an dem heißen Exkursionstag viele Arten aufspüren und bewundern. Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ bietet mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft, sowie mit den immer wieder vorkommenden fast vegetationslosen Stellen, aber auch durch die etwas feuchteren Mulden, das Gebüsch und die Waldbereiche hervorragende Lebensbedingungen für zahlreiche Heuschreckenarten. Beim Aufspüren und Einfangen der Heuschrecken waren vor allem die Kinder unter den Exkursionsteilnehmern dem Referenten Kainz eine große Hilfe. So konnte er neben häufigen Arten wie dem Gemeinen Grashüpfer und Roesels Beißschrecke auch anspruchsvollere Arten wie den Braunen Grashüpfer und den Nachtigall-Grashüpfer zeigen und Interessantes zu deren Lebensweise erläutern.

Die Westliche Beißschrecke wird in der Roten Liste der Gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt. Diese äußerst agile und mit seiner bräunlichen Färbung gut getarnte Art erreicht im Landshuter Bereich seine südliche Verbreitungsgrenze und ist wie der Warzenbeißer auf nährstoffarmes, extensiv bewirtschaftetes Weide- und Grasland angewiesen. Hier leistet das Naturschutzgebiet einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Arten in Bayern.

Als überregional gefährdete Heuschreckenart fand man schon bald den Warzenbeißer, einen wunderschön gezeichneten Vertreter der Laubheuschrecken mit gedrungenem Körperbau. Dass der Warzenbeißer mit seinen kräftigen Kiefern durchaus im Stande ist, die menschliche Haut zu durchdringen, konnte eine Exkursionsteilnehmerin auf etwas schmerzhafte Weise erfahren. Von dieser Fähigkeit zu Beißen zeugt auch der Name „Warzenbeißer“: Man ließ früher von dieser Heuschrecke Warzen abbeißen und durch den dabei von dem Insekt abgegebenen Darmsaft verätzen. Der Überlieferung nach soll dieses heutzutage etwas seltsam anmutende Hausmittel recht gut gegen Warzen geholfen haben.

Libellen – „fliegende Edelsteine“

Herwig Leinsinger (kniend) zeigte Libellen und erklärte ihre Biologie und Lebensräume

BN-Exkursion mit Herwig Leinsinger zu Libellen-Lebensräumen in der Wörther Au

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur erleben und schützen“ organisierte die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe am 11. Juli eine naturkundliche Exkursion zu Lebensräumen heimi­scher, zum Teil seltener Libel­lenarten in der Wörther Au. Während der Wanderung machte der Libellenkundler Herwig Lein­singer die zahlreichen Exkursionsteilnehmer auf eine Reihe verschiedener Li­bellenarten aufmerksam, er er­klärte die Lebensweise und Lebensräume der „fliegenden Edelsteine“ und wies auf die Gefährdungen der Libellen hin, die schon seit rund 300 Millionen Jahren auf der Erde leben.

Am Mühlbach zeigte sich eine der schönsten heimischen Libellenarten, die Gebänderte Prachtlibelle. Dun­kelblau schillernde Flügel und eine breite Flügel­binde zeichnen das Männchen aus, die Flügel des Weibchens sind dagegen grünlich ge­färbt. Prachtlibellen brauchen als Lebensraum sauer­stoffreiche Fließgewässer mit bachbe­gleitendem Uferbe­wuchs. Werde dieser Uferbewuchs aus welchen Gründen auch immer regelmäßig beseitigt, stelle dies eine große Gefährdung für diese schöne Libellenart dar, gab Herwig Leinsinger zu bedenken. Er wies auch auf weitere Libellenarten hin, denen der Mühlbach als Lebensraum dient. Es sind dies die Gemeine Keiljungfer und die Kleine Zangenlibelle. Während die Zangenlibelle stark gefährdet sei, habe sich die Gemeine Keiljungfer in Bayern durch die Verbesserung der Wasserqualität wieder gut erholt. Vor wenigen Jahren wurde diese Libelle noch zu einer „vom Aussterben bedrohten“ Art gezählt.

Allgemein konnten bei der diesjährigen Exkursion nicht allzu viele Libellenarten beobachtet werden, seien doch, so Leinsinger, wegen der häufigen Regenfälle die „Frühlingslibellen“ frühzeitig gestorben und die „Sommerlibellen“ noch nicht geschlüpft. Dennoch konnten sich die Exkursionsteilnehmer an einem Kiesweiher über mehrere „fliegende Edelsteine“ erfreuen. Arten wie Gemeine Pechlibelle, Becher-Azurjungfer, Große Heidelibelle und Federlibelle sowie die größte heimische Libellenart, die Große Königslibelle, schwirr­ten durch die Luft oder schwebten wie Hub­schrauber über der großen Wasserflä­che. Auch das Kleine Granatauge zeigte sich. Das Auf­tauchen in nördlichen Brei­ten dieser ursprünglich nur im Mittelmeerraum vorkommenden Art werde von Bio­logen auf die allge­meine Klimaerwärmung zu­rückgeführt. In diesem Zusammenhang wies der Referent auch darauf hin, dass Libellen weite Strecken zurücklegen können.

Leinsinger erklärte, dass einige Libel­lenarten keine großen Ansprü­che an ihren Lebens­raum stellen und daher noch relativ häufig an Gewässern, wie beispielsweise an Kiesweihern, anzutreffen sind. Werden sol­che Weiher allerdings zu reinen Fischgewässern umfunk­tioniert und mit angelsportlich interessanten Raubfischarten überbesetzt, erhöht sich der Feinddruck auf die Libellenlarven über das natürliche Maß hinaus und der Bestand werde wesentlich dezimiert. Einige Arten wiederum brauchen als Lebensraum Gewässer mit reichlicher Schwimm­blatt-Vegetation. Werden diese beseitigt, beispielsweise durch den Besatz von Graskarpfen aus Ostasien, gehen diese Libellenarten unweigerlich verloren, mahnte der Libellenkundler.

Während der Exkursion erläuterte Herwig Leinsinger auch ausführlich die Biologie der Libellen. Er schilderte das Paa­rungsverhalten, die Eiablage, die Entwicklung der Larven sowie die Verwandlung und den Schlupfvorgang der Libel­len: Die Entwicklung vom Ei über die Larve zum flugfähigen Insekt dauert je nach Art einige Wochen bis zu fünf Jahren. Die Eier werden meist an Pflanzen im Uferbereich oder auf Schwimmpflanzen abgelegt. Die Larven leben räuberisch im Wasser­bewuchs, auf dem Grund oder eingegraben im Bodensub­strat. Die Verwandlung von der Larve zum flugfähigen Tier vollzieht sich meist an einem Pflanzenhalm. Gut dreieinhalb Stunden nach Beginn des Schlupfaktes ist der Körper der Libelle ausgeformt. Aber meist erst am nächsten Tag erhebt sie sich zu ihrem ersten Flug. Am Pflanzenstengel bleibt die leere Larvenhülle (Exuvie) zurück, anhand derer man fest­stellen könne, welche Libellenart aus ihr geschlüpft ist. Leinsinger versicherte abschließend, dass alle Libellen für Menschen völlig harmlos seien, da sie weder stechen noch beißen. Sie seien sogar sehr nützlich, fangen sie als räuberische Insekten doch meist lästige andere Insekten.

 

Artenreiche Hochwasserdämme

Helmut Kolbeck und Erwin Scheuchl (von rechts) führten in die Biologie von Schmetterlingen und Wildbienen ein

Bei naturkundlicher BN-Exkursion Schmetterlinge und Wildbienen entdeckt

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur erleben“ veranstaltete die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz eine insektenkundliche Exkursion zu Falter- und Wildbienenlebensräumen in der Oberen Isarau. Geleitet wurde die Exkursion von Helmut Kolbeck und Erwin Scheuchl. Eingangs berichtete Scheuchl Wissenswertes über die Wildbienen. Anders als die Kulturbienen machen sie keinen Honig und viele von ihnen leben solitär. Nur Hummeln und Furchenbienen bilden einjährige Staaten. Über 500 Arten von Wildbienen gibt es in Bayern, davon stehen zwei Drittel auf der Roten Liste, 40 Arten sind bereits ausgestorben oder verschollen. Bedroht sei der Lebensraum für Wildbienen vor allem aus zwei Gründen: Zum einen, so Scheuchl,  fehlt es ihnen in der intensiv genutzten Landschaft an der Vielfalt unter den Blütenpflanzen. Damit werde den Wildbienen ihre Nahrungsquelle entzogen. Zum anderen gebe es immer weniger Nistplätze für die Wildbienen. Bodenbrütende Arten brauchen eine lückige Vegetation, oberirdisch brütende Arten brauchen Totholz oder Mauerspalten. Das Reinlichkeitsbestreben vieler Menschen lasse das weder in der freien Natur noch im eigenen Garten zu.

Helmut Kolbeck führte die Exkursionsteilnehmer zunächst auf einen Feldweg abseits des Auwaldes, um ihnen dort ein Naturschauspiel zu zeigen, das am Tag darauf vielen Menschen im Landkreis Landshut auffallen sollte: große Schwärme von Distelfaltern, die vom Mittelmeerraum kommend durch Bayern zogen, um sich irgendwo in Mitteleuropa einen Platz für die Fortpflanzung zu suchen. Auf einem Hochwasserdamm machte Scheuchl auf die Kuckuckshummel, einen Brutschmarotzer bei der Ackerhummel, aufmerksam. Die Kuckuckshummel dringt im Frühjahr in das Nest der Wirtshummel ein. Die Ackerhummel-Arbeiterinnen versuchen, den Schmarotzer zu vertreiben. Wenn es der Kuckuckshummel aber gelingt, so lange im Nest zu bleiben, bis sie den Nestgeruch angenommen hat, bleibt sie von da an unbehelligt und kann ihren Nachwuchs von den Wirtshummeln aufziehen lassen, informierte der Bienenspezialist. Auch die Wespenbienen seien Schmarotzer. Ihr Wirt ist meist eine Sandbienenart. Etwa die Hälfte der Wespenbienenarten sei auf eine einzige Wirtsbienenart spezialisiert. Auch dieses Beispiel zeige deutlich, wie wichtig Artenvielfalt ist: Wo eine Art fehlt, verschwinden in der Folge auch die Arten, die in Abhängigkeit von ihr lebten, gab Scheuchl zu verstehen.

Neben Wildbienen konnten während der Exkursion auch immer wieder Schmetterlinge  beobachtet werden, so die Gammaeule. Sie ist ein Nachtfalter, der auch tagaktiv ist, und seinen Namen von einer charakteristischen Zeichnung der Vorderflügel hat, die dem Buchstaben Gamma aus dem griechischen Alphabet ähnelt. Die Gammaeule ist ein Wanderfalter, das heißt, dass sie jedes Jahr nach Deutschland einwandert. Mit dem Zitronenfalter und dem Aurorafalter wurden auch noch zwei Vertreter aus der Familie der Weißlinge gesichtet.

Die Hochwasserdämme wurden einst künstlich aufgeschüttet und waren nur schütter bewachsen. Dies bot unter den Faltern vor allem den Bläulingen einen guten Lebensraum. Im Laufe der Zeit nahm die Vegetation zu, die Böden wurden nährstoffreicher. Für Spezialisten wie die Bläulinge bedeutet dies, dass sie ihren Lebensraum verlieren, gab Schmetterlingsspezialist Kolbeck zu bedenken. Um den Artenreichtum auf den Dämmen zu erhalten, wäre es wünschenswert, dass sie nur in kleinen Abschnitten gemäht werden und die Mahd abtransportiert wird. Brache und Mahd sollten sich abwechseln, um die Hochwasserdämme als attraktive Futter- und Nistplätze für Falter und Wildbienen zu sichern. Derzeit sei aus Gründen des Hochwasserschutzes jedoch eine Erhöhung der Dämme in Planung. Um die vorhandene  Artenvielfalt zu erhalten, dürften die Aufschüttungen nicht großflächig erfolgen. Das vorhandene Pflanzenpotential in den obersten Schichten müsste gesichert und abschnittsweise  wieder aufgetragen werden. Nachteilig wäre es für die hier vorkommende einzigartige Flora und damit auch für die auf den Hochwasserdämmen festgestellten über 110 Wildbienen- und einige hundert Schmetterlingsarten, die Maßnahme in kurzer Zeit großflächig durchzuführen. Dies würde das Vorhandene zerstören und gleichzeitig einer neuen Besiedelung schlechte Chancen einräumen, stellten Scheuchl und Kolbeck fest.