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Öko-Arbeitsprojekte vorgestellt

Unter der Moderation von stellvertretendem Schulleiter Andreas Lehner (r.) stellten sechs Studierende der Öko-Fachschule ihre Meisterarbeitsprojekte vor (ab 2. v. l.): Martin Weichenrieder, Xaver Schneidawind, Andreas Schwarzenbeck, Felicitas Kurfer, Johannes Spitzl und Daniel Grosser mit BN-Fachbeirat Martin Lackermeier (l.).

26.11.2018

Meisteranwärter im Ökolandbau präsentierten ihre Versuche – Veranstaltungs-Jubiläum – Seit 30 Jahren Aufklärungsarbeit für Bauern und Verbraucher

Landshut. Mit der Vorstellung mehrerer Arbeitsprojekte durch Studierende der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn im Gasthaus "Zur Insel" in Landshut begann am 26. November 2018 vor über 90 Zuhörern eine neue Reihe zum Thema "Landwirtschaft heute und morgen" der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Öko-Fachschule. Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe stellte in seiner Einführung fest, dass mit dieser Veranstaltung die inzwischen 30. Reihe des Bundes Naturschutz und der Fachschule zum Thema "Ökologischer Landbau" beginne. Seit 1989 betreibe man somit Aufklärungsarbeit für Bauern und Verbraucher.                                                 

Stellvertretender Schulleiter Andreas Lehner informierte eingangs über die Schule und ging auch auf die Arbeitsprojekte der Studierenden ein. Diese seien ein wesentlicher Bestandteil der Meisterprüfung. Der Umfang der Arbeiten und die Themenvielfalt zeige, dass den Meisteranwärtern nichts geschenkt werde.

Felicitas Kurfer stammt vom "Asenhof" in der Nähe von Rosenheim. Beim elterlichen Betrieb handelt es sich um einen Demeter-Hof mit Milchviehhaltung, Ackerbau und Grünland. Auf 0,6 Hektar erfolge der Anbau von Kartoffeln und Feldgemüse. Dies würde in der Direktvermarktung und auf Wochenmärkten verkauft. In ihrer Arbeit beschäftigte sie sich mit dem Anbau von Frühkartoffeln unter Vlies und verglich dabei verschiedene Sorten und Düngevarianten. Aus Straußdorf im Landkreis Ebersberg kommt Johannes Spitzl. Auf dem elterlichen Betrieb werden 55 Milchkühe gehalten. Seit1992 werde ökologisch gewirtschaftet. Der Meisteranwärter befaßte sich mit der Gülleausbringung und verglich verschiedene Verteiler-Systeme. Xaver Schneidawind ist in der Nähe von St. Wolfgang bei Haag/Oberbayern daheim. Auf einem benachbarten Betrieb führte er seinen Versuch durch. Er beschäftigte sich mit dem Grüngutschnitt und verglich ein Doppelmesser- mit einem Kreiselmähwerk im Hinblick auf Aufwuchs, Ertrag, Ökonomie und ökologische Auswirkungen. Zusätzlich testete er noch drei Güllebehandlungsvarianten und deren Auswirkungen in der Düngung.

Neben den drei ausführlichen Vorträgen stellten sich noch drei Studierende in Kurzform vor. Daniel Grosser aus Pfarrkofen in der Gemeinde Ergolding führte einen Fütterungsversuch bei Ökomasthähnchen durch. Der elterliche Geflügelbetrieb wird seit 1989 ökologisch bewirtschaftet. Andreas Schwarzenbeck aus Reichertsham im Landkreis Mühldorf hat daheim einen Milchviehbetrieb mit Ackerbau und Grünland. Er verglich Ganzpflanzensilagen mit verschiedenen Silomaissorten. Von einem Naturlandbetrieb bei Scheyern,der seit 1995 ökologisch bewirtschaftet wird, kommt Martin Weichenrieder. Thema seines Arbeitsprojektes war der Sojaanbau, wobei er verschiedene Sorten und Impfpräparate testete.

Nächster Vortrag: Kontrolle im Ökolandbau

Abschließend wies Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier noch auf den nächsten Vortrag in der Landwirtschafts-Reihe hin. Am 18. Februar 2019, 20.00 Uhr, spricht im Gasthaus "Zur Insel" Johannes Enzler, Leiter der bayerischen Öko-Kontrollbehörde, zum Thema "Kontrolle im Ökolanbau – damit auch Bio drin ist, wo Bio draufsteht".

Glyphosat-Demo vor Abgeordnetenbüro der CSU

Das Bild zeigt einen Teil der Demonstrationsgruppe im Hof des CSU-Ortsverbands Landshut-Stadt. Foto: Heini Inkoferer

Landshut 22.11.2018: Gut 90 Menschen demonstrierten in Landshut für ein Verbot von Glyphosat

Die Organisation Campact hatte zu einem Glyphosat-Aktionstag bei CDU/CSU aufgerufen.

Bundesweit kam es so zu über 90 Veranstaltungen vor CDU/CSU-Geschäftsstellen. Auch in Landshut fanden sich am Mittwoch, dem 22. November ca. 90 Personen mit der Forderung eines Verbot von Glyphosat vor der Geschäftsstelle des CSU-Ortsverbandes Landshut-Stadt ein. Glyphosat ist der Hauptwirkstoff in Totalherbiziden, die in großen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Mit Transparenten, Plakaten und Wortbeiträgen überbrachte die Gruppe ihren Unmut über die natur- und menschenfeindliche Einschätzung des „(Un)krautvernichters Glyphosat“ dem anwesenden Vertreter des CSU-Ortsverbands, Herrn Rechtsanwalt Schöllhorn-Gaar.

Dieser versprach den Anwesenden, die vorgetragenen Bedenken der Bürger und die überreichten Forderungen den leider nicht anwesenden CSU-Abgeordneten Radlmeier (MdL) und Oßner (MdB) zu überbringen. Es selbst sah sich leider außer Stande, zu vorgebrachten Fragen und Argumenten Stellung zu nehmen, da er zum Thema Glyphosat mangels eigener Sachkenntnis nichts sagen könne. Dies wurde von den Anwesenden mit „Heiterkeit“ zur Kenntnis genommen.

Das Gift Glyphosat (auch unter Produktnamen wie z.B. Basta oder Roundup bekannt) steht im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen und durch die Vernichtung aller nicht auf dem Acker erwünschten Pflanzenarten in großem Umfang zum dramatisch fortschreitenden Artensterben von Flora und Fauna beizutragen. Die EU-weite Zulassung von Glyphosat läuft Mitte Dezember aus - doch die kommissarisch regierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) befürwortet eine erneute Genehmigung.

„Wir verlangen von der CSU in Bayern, dass sie den Schutz unserer Gesundheit höher bewertet als die Profite von Monsanto und Co.“ Die von den Bürgern gewählten Vertreter müssten sich in Berlin und Brüssel dafür einsetzen, dass Deutschland für den Glyphosat-Ausstieg stimmt, zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger und zur Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Die Profitinteressen von Chemie- und Agrarkonzernen müssten dahinter zurückstehen.

Mehr als 1,3 Millionen Menschen aus ganz Europa haben eine Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat unterschrieben. Insgesamt 9 EU-Länder, darunter Frankreich, Österreich und Belgien, stimmten bei der letzten Abstimmung gegen dessen Wiederzulassung. Deutschland darf sich nicht länger der Stimme enthalten, Deutschland muss sich gegen die Wiederzulassung aussprechen.

Möglicherweise werden die Auswirkungen des giftigen Wirkstoffs Glyphosat schon in wenigen Jahren so offen zu Tage treten, dass niemand mehr die Schädlichkeit von Totalherbiziden leugnen wird können. Wenn aber erst einmal alle von der Landwirtschaft unerwünschten Pflanzen ausgerottet sind, wird es zu spät sein für Hilfsmaßnahmen für gefährdete Arten.

Dazu ein Leserbrief aus der „Rheinpfalz“ vom Samstag 11.11.2017 zum Artikel Glyphosat-Aus: Klage angedroht

Die Karten der Hersteller für die Verlängerung der Zulassung in der EU stehen schlecht. Da holt die Glyphosat-Industrie die Keule raus und droht mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. Die Argumentation der Industrie, dass rechtlich nichts gegen die Wiederzulassung spricht, ist formal korrekt, steht aber auf wackligen Füßen. Für die Registrierung von Glyphosat in der EU ist Deutschland zuständig, vertreten durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Bundesinstitut für Risikobeurteilung (BfR). Das BVL hat sich als „Dienstleister unserer Kunden“, also der antragstellenden Industrie, geoutet. Das BfR übernahm mit copy-and-paste ganze Passagen aus der Beurteilung der Hersteller. In der Abteilung Pestizide und ihre Rückstände des BfR ist ein Drittel der Mitglieder direkt mit Leuten aus der Industrie besetzt. So spottete LE MONDE, dass in Allemagne "die Produzenten ihre Produkte selbst beurteilen". Seitdem Glyphosat von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheits-Organisation (WHO-IARC) als wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft wurde, steht neben dem Wirkstoff auch das Zulassungsverfahren in der Kritik. Es basiert auf „regulatorischen Studien“ der Hersteller. Die Methodik, wissenschaftlich banal, wurde von der Industrie mitgestaltet. Die Studien-Berichte werden hinter der Mauer der Vertraulichkeit versteckt. Das BfR hat sich bei seiner Bewertung von Glyphosat als gesundheitlich unbedenklich weitgehend auf „regulatorische“, unveröffentlichte Studien gestützt. Dagegen hat die WHO-IARC alle veröffentlichten wissenschaftlichen Studien akribisch ausgewertet. Laut Ärzteblatt war in drei Fall-Kontroll-Studien in den USA, Kanada und Schweden der Einsatz von Glyphosat mit erhöhten Raten von Non-Hodgkin-Lymphomen, einer bösartigen Erkrankung der Lymphocyten, verbunden.

Dr. Peter P. Hoppe, Wachenheim

 

Stichwort: Glyphosat

Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist Hauptbestandteil verschiedener am Markt erhältlicher Unkrautvernichtungsmittel. Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten, gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Herbiziden. Pflanzen nehmen Glyphosat durch ihre Blätter und andere grüne Pflanzenteile auf. Glyphosat blockiert die Produktion bestimmter Aminosäuren, die wichtig für das Wachstum der Pflanzen sind. Während die Internationale Behörde für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, in einer neuen Bewertung zum Schluss kommt, das Glyphosat für den Menschen wahrscheinlich krebserzeugend ist, ergaben zuvor andere Studien - wie die der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) - keine Hinweise darauf. 2015 kritisierten 96 Wissenschaftler aus 25 Ländern die Ergebnisse der EFSA-Studie, und forderten die Europäische Kommission auf, "das fehlerhafte Ergebnis der EFSA zu Glyphosat bei Ihrer Formulierung der Umwelt- und Gesundheitspolitik in Bezug auf Glyphosat außer Acht zu lassen und eine transparente, offene und glaubwürdige Prüfung der wissenschaft­lichen Literatur zu verlangen".1)

1) Quelle: Stichwort: Glyphosat, ARD Tagesschau 09.11.2017


Biogemüseanbau am Rande der Stadt

Andrea Vaas (Mitte) führte durch die Gärtnerei und erklärte die Methoden des ökologischen Gemüseanbaus; rechts: Martin Lackermeier vom BN

Landshut 12.08.2017. „Der Absatz von gärtnerischen Bioprodukten funktioniert seit Jahren gut. Als kleiner Erzeuger wird es aber immer schwieriger, sich gegen größere Anbieter auf dem Markt zu behaupten.“ Diese Feststellung traf die Biogärtnerin Andrea Vaas bei der Besichtigung der Gärtnerei Siebensee im Landshuter Westen. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“, welche in den letzten Monaten von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wurde. Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe stellte in seiner Einführung fest, dass sich der Öko-Landbau zuletzt nicht nur in der Vermarktung, sondern seit etwa zwei Jahren auch wieder bezüglich der Neuumsteller positiv entwickle. Günstige Rahmenbedingungen führten dazu, dass sich auch in unserer Region eine beträchtliche Anzahl konventioneller Landwirte mit dem Ökolandbau beschäftigten und auch umstellten.

Andrea Vaas stellte eingangs die Gärtnerei vor und ging auch auf deren Geschichte ein. Seit Mitte der 1980er Jahre werde diese ökologisch bewirtschaftet. Sie habe den Betrieb 2014 übernommen und sei inzwischen die dritte Betreiberin. Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrage acht Hektar, auf denen sowohl im Freiland als auch in Gewächshäusern und Folientunneln produziert werde. Die Gärtnerei befinde sich auf Isarschwemmland, was sehr unterschiedliche Bodenarten, von sandig bis humos, bedeute, berichtete die Biogärtnerin. Gedüngt werde, so Vaas, mittels Gründüngung, Kompost, zugekauftem Bio-Rindermist und einigen im Ökolandbau zugelassenen Ergänzungsdüngern. Angebaut werde kein Wurzelgemüse, sondern ausschließlich oberirdische Erzeugnisse wie diverse Salate, Tomaten, Gurken, Fenchel, Kohl, Petersilie und Zuchini. Die Befruchtung der Pflanzen in den Gewächshäusern erfolge, so Vaas, durch das Ansiedeln von Hummelvölkern.

Die Vermarktung der Erzeugnisse, fuhr die Gärtnerin fort sei vielschichtig und berücksichtige örtliche Abnehmer, Märkte in der Stadt, die ökologisch betriebene Küche im Kinderkrankenhaus als auch überregionale Öko-Handelsorganisationen. Auch der eigene Hofladen sei regelmäßig geöffnet. Martin Lackermeier wies abschließend darauf hin, dass im November eine neue BN-Veranstaltungsreihe zum ökologischen Landbau beginne. Erster Termin sei der Montag, 13. November, ab 18 Uhr mit einer Besichtigung der Landshuter Meyermühle, dem größten Verarbeiter von Öko-Getreide in Deutschland.

Die Pflanzenvielfalt im Ökolandbau

Schulleiter Johann Schneck (links) führte zu den einzelnen Anbau-Parzellen des Öko-Versuchsfeldes

Landshut 26.06.2017. Viele interessierte Landwirte, frühere, derzeitige und künftige Studierende der Fachschule für Ökolandbau sowie Anbauberater der Öko-Anbauverbände sorgten dafür, dass auch bei der diesjährigen Führung auf dem Versuchsfeld der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, in Schönbrunn mit über 150 Besuchern sehr viel Publikum anwesend war. Die Führung am 26. Juni 2017 wurde wieder von der Öko-Fachschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisiert. In seiner bekannt engagierten Art ging der Schulleiter und Pflanzenbaufachlehrer Johann Schneck auf die Pflanzen- und Sortenvielfalt im Ökolandbau ein.

Eingangs stellte Schneck fest, dass das Feld seit 1988 ökologisch bewirtschaftet werde. Seit 2007 würden einzelne Parzellen über Leguminosen und Zwischenfrüchte hinaus gedüngt. Die angewendete Fruchtfolge bestehe aus Kleegras, Winterweizen, Sommergetreide, Körnerleguminosen und Wintergetreide. Beim Sommergetreide präsentierte sich heuer die Braugerste als sehr schöner Bestand. Hier sei, so Schneck, eine frühe und reichliche Stickstoffgabe sehr positiv. Als Paradefrucht auf dem Versuchsfeld entwickle sich zunehmend der Hafer, eine Kultur, die sehr gut zum Ökolandbau passe. Im Gegensatz zur Vergangenheit gebe es inzwischen auch deutlich verbesserte Vermarktungsmöglichkeiten für den Hafer, stellte der Schulleiter erfreut fest.

Da viele Anbauer bei Ackerbohnen und Erbsen zunehmend mit Wurzelerkrankungen zu kämpfen hätten, habe Schneck bei den Körnerleguminosen viel Linsen ausgesät. Diese seien einfach anzubauen und hätten sich auch in Mischsaat mit Stützfrüchten bewährt. Auch der Sojaanbau spiele im Ökoanbau eine immer größere Rolle. Interessierten Landwirten müsse aber klar sein, dass es sich dabei um eine arbeitsintensive Kultur handelt. Sechs bis acht Hack- und Striegelgänge seien schon notwendig, um einen Bestand weitgehend unkrautfrei zu halten, betonte Schneck. Die Färberdistel sei eine einfache Kultur, präsentiere sich zur Blüte als wertvolle Bienenweide und liefere nach der Ernte ein wertvolles Speiseöl, warb Schneck für diese seltene Kultur. Beim Wintergetreide zeigte sich Schneck heuer vom Dinkel und der Wintergerste wenig begeistert. Als Grund für die eher schwächeren Bestände sehe er die hohen Sojaerträge im vergangenen Jahr. Soja hinterlasse im kommenden Frühjahr kaum noch Stickstoff. Sofern vorhanden, sollten hier Gülle- oder Jauchegaben ausgebracht werden, empfahl Schneck.

Neben dem Hafer sei inzwischen auch die Triticale, eine Futtergetreidekreuzung aus Weizen und Roggen, eine Paradekultur im Ökolandbau, fuhr der engagierte Pflanzenbauer fort. Die üppigen Bestände und die Pflanzenlänge sorgten wie auch beim Roggen, für eine gute Beikrautregulierung. Triticale sei derzeit auf den Ökomärkten sehr gefragt, da die hohe Anzahl von Umstellern im Milchviehbereich für eine große Nachfrage nach Futtergetreide sorgten. Auf den Kleeparzellen berichtete Schneck davon, dass im vergangenen Jahr auf einer kleinen Fläche Kleeseide aufgetreten sei, ein äußerst problematisches Schadbild, welches den Kleeanbau auf betroffenen Flächen unmöglich machen könne. Bei Auftreten seien die betroffenen Flächen vor dem Aussamen zu mähen, das Schnittgut aus dem Feld zu entfernen und am besten zu verbrennen. Enthalten war der Samen vermutlich im Perserkleesaatgut, so Schneck.

Sehr umfangreich waren heuer wieder die Winterweizenversuche nach Kleegras. 18 verschiedene, zum Teil neue Sorten, wurden ausgesät. Zu den Beikräutern berichtete Schneck, dass der Mohn teilweise überhand nehme. Dies sei zwar ein Blickfang, der aus ökologischer Sicht durchaus zu begrüßen sei, wenn eine Fläche aber nur noch rot dastehe, könne es auch problematisch werden. Er plane deshalb für nächstes Jahr weitere Reihenabstände beim Säen und Hacken der Bestände.

Angesprochen auf Getreidekrankheiten im Ökolandbau aufgrund fehlender Spritzungen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft stellte Schneck fest, dass dies kein großes Thema sei. Lichtere Bestände, weitere Fruchtfolgen und ein natürlicheres Wachstum aufgrund der deutlich geringeren Düngung sorgten dafür, den Krankheitsdruck zu reduzieren. Sollten wirklich einmal eine Erkrankung oder ein Schädling für reduzierte Erträge sorgen, würde dies in der Regel durch die höheren Erzeugerpreise kompensiert. Auch die Fusarienproblematik, vor allem im Weizen, wurde besprochen. Dieses Thema, erläuterte Schneck, werde von Verarbeiterseite keineswegs vernachlässigt. Da der Maisanbau im Ökolandbau aber eine deutlich geringere Rolle spiele als in der konventionellen Landwirtschaft, gebe es hier keine nennenswerten Probleme. Viele Untersuchungen sowohl von Verarbeitern als auch der Wissenschaft, belegten dies eindeutig.

Stolz war Schneck auch in diesem Jahr, dass die vom Aussterben bedrohten Ackerwildkräuter Kornrade, Feldrittersporn, weiße Ackerlichtnelke, Steinsamen und echter Frauenspiegel auf den Versuchsparzellen vorkommen. Die wiederum sehr umfangreiche und interessante Führung nahm mit einer Bewirtung durch die Studierenden der Fachschule und reichlichen Möglichkeiten zum Informationsaustausch ihren Ausklang.

Kleiner, aber feiner Ökobetrieb

Schottische Highland-Rinder weiden auf den Grünlandflächen des Biohofs Rauscher-Körner in Schweiberg

Schönbrunn 22.05.2017. Grasende Rinder auf der Weide und freilaufende Legehennen in einem begrünten Auslauf sind in der heutigen Landwirtschaft eher eine Seltenheit. Wenn es vorkommt, sind es meistens Biobauern, wie auf dem Naturland-Betrieb der Familien Körner und Rauscher in Schweiberg bei Vilsheim. Der Bund Naturschutz (BN) und die Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn organisierten dort am 22. Mai 2017 im Rahmen der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“ eine Besichtigung, die sehr gut besucht war.

Hubert Rauscher, seit vielen Jahren auch Schatzmeister der BN-Kreisgruppe, war lange als Steuerberater mit einer eigenen Kanzlei in Landshut tätig. Nachdem er diese vor einigen Jahren an eine seiner Töchter übergeben hatte, widmete er sich intensiv der Landwirtschaft. Über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren hat er eine landwirtschaftliche Ausbildung mit Abschlussprüfung absolviert. Die notwendigen Kurse, hauptsächlich in der staatlichen Öko-Akademie Kringell bei Passau, seien sehr interessant und lehrreich gewesen und hätten ihm viel Freude bereitet, berichtete Rauscher. Das elterliche Anwesen seiner Ehefrau Elisabeth habe ihm die Möglichkeit gegeben, das Gelernte teilweise auch in der Praxis anzuwenden. Die verpachteten Äcker seien zurückgenommen und in Grünland umgewandelt worden.

Bei den darauf weidenden Highland-Rindern handelt es sich um eine schottische Hochlandrasse, die sehr robust und unempfindlich sei und eine gute Fleischqualität aufweise. Die Vermarktung der Schlachttiere, so Rauscher weiter, erfolge in Zusammenarbeit mit einem Metzger in der Nähe in Fleischpaketen direkt an die Endkunden. Als langjähriger Naturschützer sei ihm auch eine größere Artenvielfalt in unserer häufig sehr ausgeräumten Landschaft wichtig. Er hat deshalb im Randbereich der Weideflächen umfangreiche Heckenpflanzungen angelegt. Diese böten Lebensräume für viele Tiere und auch Futter für die eigenen Bienenvölker, informierte Rauscher. Nachdem auch die zweite Tochter und deren Ehemann starkes Interesse an der Landwirtschaft gezeigt hätten, habe man sich entschlossen, zusammen in eine Legehennenhaltung zu investieren. Derzeit würden knapp 200 Hennen in einem mobilen Stall mit Grünauslauf gehalten. Das Futter werde von einem Biofuttermittelhersteller regelmäßig geliefert, berichtete Schwiegersohn Freddy Körner. Die Eier würden ab Hof direkt an Kunden verkauft. Bei einer Bewirtung durch die engagierte Biobauernfamilie bot sich noch Gelegenheit zum Fachsimpeln und zum Informationsaustausch. BN-Fachbeirat Martin Lackermeier stellte fest, dass es sich bei dem Biohof Rauscher-Körner zwar um einen kleinen, aber „feinen Ökobetrieb“ handle. Lackermeier wies auch noch auf die nächste Veranstaltung in der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“ hin: Am 26. Juni findet ab 19 Uhr eine Führung auf dem Versuchsfeld der Öko-Schule im Agrarbildungszentrum in Landshut-Schönbrunn statt.

Landwirtschaft muss ökologisiert werden

Biobauer Stephan Kreppold sprach beim Bund Naturschutz über Landnutzung und Tierhaltung; rechts: BN-Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier.

Landshut 13.02.2017. „Eine Tendenz zu mehr Ökologie in der Landwirtschaft wäre positiv. Ökologischer Landbau auf der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ist aber derzeit noch nicht machbar.“ Dies war eine Aussage von Stephan Kreppold bei seinem Vortrag zum Thema „Landnutzung und Tierhaltung im Spannungsfeld zwischen Qualität und Masse“ im Gasthof „Zur Insel“ in Landshut. Die Veranstaltung mit sehr vielen Besuchern war Teil der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“, welche derzeit von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau Landshut/Schönbrunn durchgeführt wird.

Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe ging in seiner Einführung auf die gravierenden Veränderungen in der heimischen Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren ein. Diese würden von den verantwortlichen Politikern und auch von der landwirtschaftlichen Interessenvertretung seit jeher als notweniger Strukturwandel bezeichnet. Ein eher verharmlosender Ausdruck für das was geschehe, fand Lackermeier. Richtig wäre die Bezeichnung „massives Bauernsterben“, bei dem der Grundsatz „wachse oder weiche“ vorherrsche mit immer negativeren Auswirkungen auf das Klima unter den Bauern. 

Der Referent des Abends, Stephan Kreppold, kommt aus Wilpersberg im Landkreis Aichach-Friedberg. Dort bewirtschaftet er mit seiner Familie einen Hof seit 35 Jahren nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Der Hof umfasst etwa 100 Hektar. Der Viehbestand besteht aus einer Mutterkuhherde. Zu Beginn seiner Ausführungen ging der Referent auf das wichtigste Kapital der Bauern, dem Boden, ein. Hier gebe es inzwischen Entwicklungen, die einen sehr nachdenklich machen sollten. So würden in Bayern täglich 18 Hektar Nutzfläche der Landwirtschaft entzogen. Aussagen von verantwortlichen Politikern, den Flächenverbrauch für Wohnsiedlungen, Gewerbegebiete und den Straßenbau drastisch zu reduzieren, seien leider seit Jahren nur Lippenbekenntnisse, denen keinerlei Taten folgten, stellte der engagierte Biobauer bedauernd fest. „Kommunalpolitiker betrachten landwirtschaftliche Nutzfläche oft leider nicht als wichtige Lebensgrundlage, sondern eher als Freiwild, über das bedenkenlos verfügt werden kann.“

Kreppold ging aber nicht nur auf den substantiellen, sondern auch auf den qualitativen Bodenverlust ein. Die Bodenstruktur vieler landwirtschaftlicher Flächen leide unter einseitigen Fruchtfolgen und dem Gewicht überdimensionierter Erntemaschinen und Güllefässern. Die Folge seien, fuhr Kreppold fort, ein schlechteres Wasserrückhaltevermögen, höhere Erosion, Verdichtungen bis in tiefe Bodenschichten und die Abnahme des Bodenlebens. Mehr Kleegrasanbau (im ökologischen Landbau unerlässlich), mehr Zwischenfruchtanbau und organische Düngung brächten hier eine bessere Durchwurzelung, ein höheres Regenwurmaufkommen und einen aktiveren Boden.

Auch auf die immer intensivere und spezialisierte Tierhaltung in der heutigen Landwirtschaft ging der Referent ein und stellte die Frage: „Wie gut leben unsere Nutztiere in der Intensivhaltung?“ Er habe nicht den Eindruck, dass sich Mastschweine in einer reinen Spaltenbodenaufstallung wohlfühlten. Die öffentliche, inzwischen doch stärker am Tierwohl orientierte Diskussion zeige, dass immer mehr Verbraucher eine andere Tierhaltung wollen. Einstreu, Ausläufe ins Freie und gentechnikfreie Fütterung seien hier wichtige Kriterien, verdeutlichte Kreppold. Einem sich an der Diskussion beteiligendem Schweinemäster riet der Biobauer: „Verzichten Sie auf eine weitere Intensivierung, lassen Sie Ihre Tiere ins Freie und versuchen Sie einen Metzger zu finden, der bereit ist, Ihnen für so gehaltene Tiere mehr zu bezahlen.“ Der Verbraucher müsse hier natürlich auch mitmachen.

Stephan Kreppold, der Sprecher des BN-Landesarbeitskreises Landwirtschaft ist, ging auch noch auf sein landwirtschaftliches Leitbild ein. Unsere Landwirtschaft sollte naturverträglich, bäuerlich strukturiert, stark am Tierwohl orientiert und gesellschaftlich akzeptiert sein. Er ging auch noch darauf ein, wieviel Ökolandbau derzeit möglich und sinnvoll sei. Er habe, so der Referent, zu einer Zeit umgestellt, als der Öko-Landbau noch ein untergeordnetes Thema gewesen sei. Heute, nach 35 Jahren, habe die ökologische Landwirtschaft einen Anteil von etwa sieben Prozent. „Ich hätte gedacht, die Entwicklung geht schneller.“ Umstellungszahlen im größeren Umfang seien deshalb nur dann sinnvoll, wenn auch die Vermarktung Schritt halte. Der Öko-Landbau müsse auch noch die eine oder andere notwendige Hausaufgabe machen. Unsere gesamte Landwirtschaft jedoch müsse – unabhängig vom Anteil des strikten Öko-Landbaus – ökologisiert werden, betonte Kreppold abschließend.

Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier wies nach Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum noch auf weitere Veranstaltungen des BN in der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“ und auf den von der Kreisgruppe neu erstellten Einkaufsführer für ökologisch erzeugte Lebensmittel hin. Dieser ist erhältlich sowohl in der BN-Geschäftsstelle als auch bei allen Veranstaltungen des Bundes Naturschutz.

BN-Kreisgruppe demonstrierte in Berlin für eine Agrarwende

Berlin 21.01.2017. Am  21.01.2017 demonstrierten in Berlin parallel zur Grünen Woche 18.000 Menschen gegen industrielle Tierhaltung, Gentechnik im Essen und die immer stärker werdende Marktmacht von Agrar- und Lebensmittelkonzernen.

Der Demonstrationszug wurde von zahlreichen Jungbauern und Bäuerinnen angeführt und von mehr als 100 Traktoren begleitet. Neben der BN Jugend beteiligten sich auffallend viele junge Erwachsene an der Protestaktion. Vor Ort waren auch die Kreisvorsitzende und Teilnehmer aus der Kreisgruppe Landshut des BUND Naturschutz.

„Das Jahr 2017 ist entscheidend, um Bauernhöfe gegenüber Agrarfabriken besser zu stellen. Die EU-Subventionen müssen konsequent in Richtung bäuerliche Landwirtschaft, umweltverträgliche Produktion und artgerechte Tierhaltung ausgerichtet werden“, sagte Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz, auf der Demonstration.

Der Protest richtete sich auch gegen das geplante Freihandelsabkommen CETA, das die bäuerliche Landwirtschaft bedroht.

„Zum Schutz unserer bäuerlichen Landwirtschaft auch im Landkreis braucht es eine bessere Förderung regionaler Vermarktungsstrukturen, und eine Kennzeichnung für Fleisch aus bäuerlicher und artgerechter Tierhaltung nach dem Vorbild der Eierkennzeichnung“,so Kathy Mühlebach-Sturm , Kreisvorsitzende.


Viele weitere Bilder von dieser Großdemonstration zeigt BN-Mitglied Heinrich Inkoferer unter https://www.flickr.com/photos/114961713@N07/sets/72157679371943856


Feldversuche im ökologischen Landbau

Unter der Moderation von Schulleiter Johann Schneck (r.) stellten fünf Studierende der Öko-Fachschule ihre Meisterarbeitsprojekte vor (ab Zweiter v. l.) Klaus Reger, Vinzenz Gschwendtner, Andreas Backer, Alexander Watzka und Paul Christl mit BN-Vertreter Martin Lackermeier (l.).
Voll besetzt war der „Insel“-Saal bei der Vortrags-Veranstaltung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Ökofachschule

27.11.2017

Studierende der Öko-Fachschule stellten beim BN ihre Meisterarbeitsprojekte vor

Landshut. Mit einer Präsentation von mehreren Meisterarbeitsprojekten durch Studierende der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn wurde am 27. November 2017 im Gasthof „Zur Insel“ in Landshut vor großer Besucherkulisse die Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“ der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Öko-Fachschule fortgesetzt. Martin Lackermeier vom Bund Naturschutz (BN) wies in seiner Einführung darauf hin, dass Veranstaltungen zum Thema „Ökologischer Landbau“ beim BN zusammen mit der Öko-Fachschule inzwischen schon eine jahrzehntelange Tradition hätten. „Ökolandbau ist Naturschutz in der Fläche“, stellte Lackermeier, selbst langjähriger Biobauer, fest. Deshalb sei es für den BN sehr wichtig und selbstverständlich zu versuchen, die ökologische Landwirtschaft voran zu bringen. Hans Schneck, Leiter der Ökoschule, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass das Meisterarbeitsprojekt ein wesentlicher Teil der landwirtschaftlichen Meisterprüfung sei. Er zeigte sich auch davon beeindruckt, welchen Umfang die Arbeiten hätten und welch großes Engagement die Meisteranwärter bei ihren Versuchen an den Tag legten.

Alexander Watzka kommt aus Pfaffenhofen an der Roth. Seinen Versuch zum Thema „Anbauwürdigkeit von blauen Süßlupinen“ hat er auf einem Bioland-Betrieb in der Nähe von Ulm, auf dem er auch beschäftigt ist, angelegt. Süßlupinen, so Watzka, sorgten für eine gute Durchwurzelung des Bodens, hätten einen guten Phosphoraufschluss und produzierten eine beträchtliche Menge Stickstoff. Sie seien außerdem eine Bereicherung unserer landwirtschaftlichen Kulturlandschaft. Der Meisteranwärter Paul Christl aus Spannerberg bei Parnkofen, hat sein Projekt auf einem Biobetrieb im Raum Dingolfing angelegt, da der elterliche Betrieb noch konventionell bewirtschaftet wird. Er beschäftigte sich mit verschiedenen Mulchsaatvarianten bei Körnermais, wobei er bei einer Variante auch Lehrgeld bezahlen musste.

Vinzenz Gschwendtner kommt aus Brannenburg im Landkreis Rosenheim. Der elterliche Milchviehbetrieb mit etwa 45 Kühen und 67 Hektar Nutzfläche (davon die Hälfte Almweide) soll auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt werden. Die häufige Erkrankung bei Kälbern mit seiner Milchaustauscheraufzucht veranlasste ihn, andere Tränkevarianten (angesäuerte Vollmilch und angesäuerter Milchaustauscher) zu testen mit positiven Ergebnissen. Aus Marktrodach in Oberfranken stammt Andreas Backer. Auf dem elterlichen Hof wird eine Milchviehherde mit 35 Kühen gehalten und Ackerbau betreiben. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 110 Hektar (60 Hektar Ackerland und 50 Hektar Wiesen und Weiden). In seiner Arbeit beschäftigte er sich mit einem Vergleich von Braugerstensorten und verschiedenen Düngevarianten. Von einem Milchviehbetrieb in Schmidham bei Dorfen kommt Klaus Reger. Derzeit wird ein neuer Milchviehstall gebaut, wodurch der Bestand auf 80 Kühe verdoppelt werden kann. Er verglich die Wirtschaftlichkeit der Futterbauvarianten Kleegras, Silomais und verschiedener Ganzpflanzensilagemischungen.

Abschließend wies Martin Lackermeier auf die nächste Veranstaltung der Reihe hin. Am 19. Februar 2018 spricht im Gasthaus „Zur Insel“ der langjährige und sehr interessante Biobauer Sepp Braun aus Dürneck bei Freising, bekannt auch unter der Bezeichnung „Der Bauer mit den Regenwürmern“.

Präsentation von vielfältigen Feldversuchen

Unter der Moderation von Schulleiter Johann Schneck (r.) stellten fünf Studierende ihre Projekte vor (ab Zweiter v. l.) Raphaela Lex, Jonas Machnik, Katrin Buchmaier, Simon Burger und Martin Feierling-Sülzle mit Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier

Landshut 12.12.2016. Auch im Jahr 2016 war der Gartensaal des Gasthofs „Zur Insel“ in Landshut voll besetzt, als fünf Studierende der Fachschule für ökologischen Landbau, Schönbrunn, ihre Meisterarbeitsprojekte präsentierten. Die Studierenden des dritten Semesters absolvieren im Frühjahr neben dem Schulabschluss als „Staatlich geprüfter Wirtschafter“ auch die Meisterprüfung im Fachbereich ökologischer Landbau. Teil davon ist ein Arbeitsprojekt, in dem ein landwirtschaftlicher Teilbereich durchleuchtet wird. Der Umfang rechtfertige wirklich die Bezeichnung „Arbeitsprojekt“, stellte Schulleiter Hans Schneck einführend fest. Die informative Veranstaltung wurde von der Öko-Fachschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisiert.

Katrin Buchmaier bewirtschaftet in Kirchdorf am Inn seit neun Jahren gemeinsam mit ihren Eltern einen ökologischen Milchviehbetrieb mit 20 Kühen. In ihrem Versuch suchte sie nach Lösungen zur Bekämpfung des Wasserkreuzkrauts im Dauergrünland. Es handelt sich dabei um eine für Mensch und Tier sehr giftige Pflanze, die – wie sich gezeigt hat – schwierig zu bekämpfen ist.

Raphaela Lex stammt aus Bockhorn im Landkreis Erding. Der Biohof Lex ist ein wirklicher Pionierbetrieb in der Ökoszene und zeichnet sich aus durch einen sehr vielfältigen Ackerbau zum Teil mit selten vorkommenden Kulturen. Der Soja, mit dem sich Raphaela Lex sehr ausführlich in ihrer Arbeit beschäftigte, ist auf dem elterlichen Betrieb schon seit Jahren eine gängige Kultur und wird auch in Zukunft weiter angebaut werden.

Aus Loose bei Eckernförde in Schleswig-Holstein stammt Martin Feierling-Sülzle. Der elterliche Gemischtbetrieb mit 65 Zuchtsauen und 14 Mutterkühen wurde 2014 auf ökologischen Landbau umgestellt. Aufgrund dieses kurzen Zeitraums befindet sich auf dem Hof derzeit vieles im Versuchsstadium. In seinem Arbeitsprojekt verglich er unterschiedliche Bodenbearbeitungsvarianten, Reihenabstände, Untersaaten und Sorten im Ackerbohnenanbau.

Jonas Machnik ist auf dem großen Öko-Gemüsebetrieb Obergrashof bei Dachau beschäftigt. Dort werden sehr kalkhaltige Böden mit einem hohen ph-Wert bewirtschaftet. Er führte verschiedene Versuche mit Kali-, Magnesium- und Schwefeldüngungen zur Ertrags- und Qualitätssteigerung durch. Auch eine Düngung mit Kleegrassilage war Teil der Arbeit.

Simon Burger kommt aus dem Landkreis Roth in Mittelfranken. Bewirtschaftet werden 25 Hektar Ackerland und zwölf Hektar Dauergrünland. Außerdem werden 22 Milchkühe und Nachzucht auf Tretmist gehalten. Unzufriedenheit über Erträge und Qualitäten im Grünland veranlassten ihn zu Versuchen mit verschiedenen Düngern auf unterschiedlichen Standorten zur Verbesserung der Ertragssituation.

Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier vom Bund Naturschutz zeigte sich sehr beeindruckt von den vorgestellten Arbeiten und verwies abschließend noch auf die nächste Veranstaltung in der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“. Am Montag, 13. Februar 2017, spricht um 20 Uhr im Gasthof „Zur Insel“ der langjährige Biobauer Stefan Kreppold aus Wilpersberg im Landkreis Aichach-Friedberg zum Thema „Landnutzung im Spannungsfeld zwischen Qualität und Masse“.

„Wachse oder weiche – nicht mit uns“

Öko-Landwirtschaftsmeister Andreas Hauer (im Vordergrund mit rotem Hemd) stellte bei der Hofbesichtigung und Felderbegehung seinen Milchviehbetrieb vor

Kröning/Koblpoint 11.07.2016. „Die verantwortlichen Landwirtschaftspolitiker und der Bauernverband forcieren seit mehreren Jahrzehnten eine Politik mit dem Grundsatz ´Wachse oder weiche´. Diesen Weg, der negative Auswirkungen auf unsere Natur, die Haltung unserer Nutztiere und auch auf die Lebensqualität vieler Bauernfamilien hat, wollen wir nicht mitmachen. Unsere Betriebsgröße reicht, um ein Familieneinkommen zu erwirtschaften“. Dies war eine Grundaussage von Andreas Hauer, Jungbauer und Öko-Landwirtschaftsmeister, bei einer Besichtigung des Familienbetriebes in Koblpoint in der Gemeinde Kröning/Landkreis Landshut am 11. Juli 2016. Seine Eltern Josef und Andrea stimmten dem voll zu. Die Veranstaltung wurde organisiert von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut und der BN-Ortsgruppe Vilsbiburg in Zusammenarbeit mit der Fachschule für ökologischen Landbau in Landshut-Schönbrunn.

Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier vom Bund Naturschutz, selbst langjähriger Biobauer, ging in seiner Begrüßung auch auf das große Engagement der Familie Hauer ein, bei Besuchen von Schulklassen, Kindergarten- und Mutter-Kind-Gruppen vielen Kindern eine Landwirtschaft näherzubringen, bei der das Tierwohl im Vordergrund stehe und bei der mit und nicht gegen die Natur gearbeitet werde. Er ging in diesem Zusammenhang auch auf die im nördlichen Landkreis gegründete Gruppe der sogenannten „Heimatbauern“ ein. Er habe, so Lackermeier, kein Problem damit, wenn diese Betriebe ihre Hoftore öffneten. Interessierte Verbraucher könnten sich so ein Bild machen und später an der Ladentheke die Entscheidung treffen, welche Wirtschaftsweise sie favorisierten. Ein Problem habe er aber mit dem Namen dieser Gruppierung. Wenn sich diese, vor allem in der Tierhaltung, sehr intensiven Betriebe „Heimatbauern“ nennen, was sind dann die Biobauern und andere eher extensiv arbeitende Landwirte. „Gehören wir nicht zu unserer Heimat“, fragte Lackermeier.

Andreas Hauer, der im Frühjahr die Ökoschule in Schönbrunn als staatlich geprüfter Wirtschafter und Landwirtschaftsmeister erfolgreich abschloss, ging eingangs auf den Weg der Familie zum Ökolandbau ein. Als er mit seiner landwirtschaftlichen Ausbildung begann, gab es für ihn nur die konventionelle Landwirtschaft. Eine schwere Erkrankung in der Familie und mehrere ernsthafte Erkrankungen in der näheren Umgebung führten zu der Überlegung, auch in der Landwirtschaft einen ganz anderen und naturnahen Weg zu gehen. 2011 habe man dann auf ökologischen Landbau umgestellt und sei dem Anbauverband Naturland beigetreten, so Hauer. Ein Jahr seiner Lehrzeit absolvierte er auf einem langjährigen Öko-Betrieb im nördlichen Landkreis. „Dort habe ich sehr viel gelernt“, lobte der Jungbauer seinen Ausbildungsbetrieb.

Bewirtschaftet werden von ihm und seinen Eltern, so Andreas Hauer, etwa 24 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 13 Hektar Wald. Auf den Feldern ständen Kleegras, Mais mit eingesäten Sonnenblumen, ein Triticale-Wintererbsengemenge, Hafer und Weizen. Der Viehbestand bestehe aus 28 Milchkühen, fünf Kalbinnen und dem entsprechenden Jungvieh. Acht Hektar Weideflächen befänden sich rund um den Hof. Bei allen Tieren werde das System der Kurzrasenweide angewendet. Hier kämen die Kühe nur zum Melken in den Stall. Die restliche Zeit der Weideperiode stehen sie auf der Weide. Einzige Ausnahme seien sehr trockene Jahre mit schlechtem Aufwuchs. Hier müsste im Stall zugefüttert werden. Bei der Kurzrasenweide, informierte Andreas Hauer weiter, werde der Aufwuchs durch gezieltes Beweiden möglichst kurz gehalten, weil sich in diesem Stadium viel Energie im Gras befände. Das zeit- und arbeitsaufwändige tägliche Futterholen entfalle. Im Winter nehme der Betrieb die durch die Biorichtlinien gedeckte so genannte Kleinbetriebsregelung in Anspruch. Bei Milchviehbeständen bis zu 35 Kühen dürften diese im Winter noch in Anbindehaltung gehalten werden. Voraussetzung hierfür seien aber Weidegang im Sommer und im Winter jeden zweiten Tag Auslauf in einem Laufhof. Über den Bau eines neuen Milchviehstalles bei gleichbleibender Bestandsgröße werde nachgedacht. Man sei sich in der Familie darüber noch nicht einig, stellte der Jungbauer fest. Die Öko-Milch werde, fuhr Hauer fort, zweitägig von einer Regensburger Molkerei abgeholt. Der Milchpreis belaufe sich derzeit auf 49 Cent pro Liter und liege somit deutlich über dem abgestürzten konventionellen Preis. Zum Abschluss der sehr interessanten und mit viel Engagement durchgeführten Führung wurden die zahlreichen Besucher noch reichhaltig mit Bioprodukten bewirtet.

Intensive Entwicklung im Sojaanbau

An die 180 Besucher interessierten sich für die Vorstellung des Versuchfeldes der Fachschule für ökologischen Landbau

Landshut 29.06.2016. Auch in diesem Jahr – am 29. Juni – war der Andrang von interessierten Biobauern, Anbauberatern, Naturfreunden und ehemaligen Studierenden der Staatlichen Fachschule für Landwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, bei der Führung auf dem Versuchsfeld der Schule in Schönbrunn, die von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe mitorganisiert wurde, wieder sehr groß. Schulleiter und Pflanzenbaulehrer Johann Schneck stellte zu Beginn der Führung das Versuchsfeld vor. Es liegt im Isartal auf 385 Meter über NN, der jährliche Niederschlag betrage etwa 700 Millimeter. Der Boden ist sandiger bis schluffiger Lehm auf kalkhaltigem Isarterrassenschotter und ist wasserdurchlässig und gut zu bearbeiten. Es bestehe aber eine Neigung zu Trockenschäden. Das Feld werde, so Schneck, seit 1988 ökologisch bewirtschaftet.

Auf den Winterweizenparzellen würden viele verschiedene Sorten angesät. Die Bestandsentwicklung sei heuer sehr gut. In den alten Getreidearten Dinkel, Emmer und Einkorn kämen auch die gefährdeten Ackerwildkräuter Kornrade, Frauenspiegel, Ackerrittersporn, weiße Lichtnelke und echter Feldrittersporn vor. Hierauf sei er besonders stolz, betonte der engagierte Schulleiter. Bei der Sommergerste sei jedes Jahr festzustellen, dass fast alle Sorten für den Öko-Landbau zu kurz seien. Es liefen deshalb Zuchtprogramme für neue Öko-Braugerstensorten. Die Haferbestände zeigten sich, so Schneck, auch in diesem Jahr eher mastig. Der Hafer sei für den Ökoanbau sehr geeignet, da er sowohl von der Fruchtfolgestellung als auch vom Nährstoffbedarf anspruchslos sei. Leider sei aber der Bedarf auf dem Markt begrenzt.

Linsen stellten für einzelne Betriebe durchaus eine Alternative dar. Auf zu guten Standorten seien sie aber nicht ganz unproblematisch, da bei zu vielen Nährstoffen die Abreife schlechter sei. Im Gegensatz zu den Vorjahren, wo Taubenfraß ein großes Problem darstellte, sei der Sojaanbau heuer gut gelungen. Im Sojabereich zeige sich derzeit eine sehr intensive Entwicklung. Viele neue Sorten kämen auf den Markt. Die Beikrautregulierung, betonte Schneck, sei aber bei Soja sehr aufwendig. Sieben Arbeitsgänge (Striegeln und Hacken) seien heuer für einen sauberen Bestand notwendig gewesen. Betriebe, die sich für den Sojaanbau interessierten, sollten sich genau überlegen, wie dies in den restlichen Betriebsablauf passe.

Die Kleebestände würden seit mehreren Jahren mit Schwefel gedüngt, was zu einer deutlichen Verbesserung des Aufwuchses geführt habe. Für die Zukunft wolle sich Schneck mit dem Umstand beschäftigen, dass auf Tiefe der Pflugsohle zunehmend Verdichtungshorizonte entstünden. Veränderungen in der Bodenbearbeitung könnten dem entgegenwirken.

Zum Abschluss der Führung bewirteten die Studierenden des dritten Semesters der Öko-Fachschule die Besucher. Die Möglichkeit zum Fachsimpeln wurde ausgiebig genutzt.

BN-Ausflug zur Saatgutvermehrung einheimischer Wildblumen und Wildgräser

Begrüßung am Krimmerhof
Abgepackte Samenmischungen für den Großhandel
Das Samenarchiv
Führung durch die Anbaubeete
Salbeipflanzenvermehrung
Samensauger
Samenstände der Trollbllume - Herr Krimmer erklärt...
 

Velden 02.07.2016. Wildblumenwiesen  gehören in eine intakte Landschaft. Darin finden Insekten, wie auch Bienen und Wildbienen genügend Nahrung um ihre Nachkommen zu ernähren. Weidetiere fressen Wildkräuter gerne und bleiben mit ihnen gesünder. Auch die Menschen haben Jahrhunderte lang diese Kräuter für Küche und Gesundheit genutzt. Wildkräuter bergen einen Schatz der wertvollsten Inhaltstoffe für Mensch und Tier. Wenn aber Wiesen jedes Jahr zwei bis drei Mal „geerntet“ werden, können Wildblumen nicht versamen und auf Dauer geht die Artenvielfalt zurück. Ohne Samen keine Vermehrung. Dabei würde es schon reichen, alle paar Jahre die Wiese erst Ende Juli zu mähen.

Letzten Samstag unternahm die BN Ortsgruppe Oberes Vilstal eine Fahrt zum Saatgutbauern Johann Krimmer nach Pulling bei Freising. Um 14:00 begann dort unsere Führung. Herr Krimmer zeigte uns seine Felder, auf denen er zur Zeit ca. 200 verschiedene Wildkräuter und –gräser vermehrt und anbaut.  In seinem gesamten Repertoire stehen bis zu 400 verschiedene Arten. Diese Samen werden nach Auftrag von verschiedensten Institutionen, wie Kommunen oder Naturschutzverbände vermehrt. Damit werden z. B. nach Baumaßnahmen die vorher örtlich geernteten und bei Krimmer vermehrten Samen genutzt, um die natürliche Vielfalt wieder herzustellen. Für gesetzliche vorgeschriebene Ausgleichsflächen besteht hoher Bedarf an standortgerechtem Saatgut. Auch fast ausgestorbene Pflanzen werden auf seinem Hof vermehrt um gefährdete Bestände wieder großflächiger aussäen und damit schützen zu können. Herr Krimmer produziert dabei für den Großhandel, leider fand daher zum Leidwesen der Mitfahrer auf seinem Hof kein kleinteiliger Verkauf für Endkunden statt.

Nach der Besichtigung einiger kleinerer Anbaugebiete auf seinen Äckern führte er uns durch seine Gebäude in denen Pflanzen und Samen nach der Ernte weiterbearbeitet werden. Viele unterschiedliche Maschinen werden dafür genutzt, die er zum großen Teil selbst entworfen und gebaut hat. Es gibt z. B. einen „Samensauger“: Dieser wird für die Ernte von Samen genutzt wenn auf einem Feld schon einzelne Pflanzen samenreif sind während ein Großteil des Bestandes noch blüht. Mit diesem Gefährt werden mehrmals während der Reifeperiode die reifen Samen von oben „aufgesaugt“.

Ebenso interessant war die Weiterverarbeitung der gemähten Pflanzen. Diese werden in Containern noch einige Tage mit kühler Luft durchgeblasen um noch unreife Teile zur Nachreife zu bringen, anschließend wird der gesamte Container auf Warmluft umgestellt und mit 35 Grad schonend getrocknet um die Keimfähigkeit zu erhalten. Auch hier hat Herr Krimmer mit bewundernswertem Ideenreichtum agiert. Die Warmluft für die Trocknung kommt aus einem „doppelten Dachaufbau“ wo aus dem aufgeheizten Luftraum des Daches die Warmluft gewonnen wird. Auch sonst arbeitet der Betrieb sehr ökologisch. Praktisch alle Energie für die Verarbeitung wird mit Photovoltaik und Solarthermie gewonnen, die auf sämtlichen Dächern der Betriebsgebäude installiert ist.

Auch bei Drusch, Säuberung und Sortierung der Samen gibt es etliche interessante selbstgebaute Maschinen. Über Walzen, Siebe, Absaugung oder spindelartige Maschinen wird „Spreu vom Saatgut“ sowie „rund von eckig“ getrennt. Für jede Samengröße und -gewicht gibt es die passende Einstellung einer Maschine.

Am Ende führte uns der Samenbauer noch in sein „Mischzentrum“ wo aus den verschiedenen Säcken und unzähligen kleinen Containern passgenaue Samenmischungen für die beauftragten Standorte gemischt werden. Dabei geht es nicht nur um die Art des Samens sondern auch um den Standort von dem er gewonnen wurde. Zukäufe oder „ortsfremde“ Samen gibt es nicht, Samen von Krimmer sind heimisch und werden für heimische Standorte gemischt.

Nach der fast 3-stündigen sehr interessanten und aufschlussreichen Führung fuhren wir in die „Plantage“, einen Waldbiergarten im Norden Freisings. Hier wurden bei Getränken und Essen noch viele Eindrücke besprochen und Gartentipps und Wissen ausgetauscht.  Nach einer Stunde begann es zuerst leicht, dann aber heftig zu regnen und so fuhr man mit dem Bus wieder zurück nach Velden. Auch im nächsten Jahr wird die BN Ortsgruppe eine Fahrt zu einem interessanten Ziel durchführen.

Wer stoppt das stille Artensterben?

Dr. Christine Margraf: „Auch für den Feldhasen – den Osterhasen – gibt es kaum noch Überlebensmöglichkeiten. Er steht in Deutschland bereits auf der Roten Liste“ - Foto: Heinz Tuschl
Die Feldlerche - früher ein Allerweltsvogel in der heimischen Feldflur, heute ist sie kaum mehr zu sehen und zu hören Foto: Heinz Tuschl

Landshut 22.03.2016: BN-Vortrag von Dr. Christine Margraf über den galoppierenden Artenrückgang in der Feldflur

Die moderne industriell betriebene Landwirtschaft ist der Hauptverursacher dafür, dass die Feldflur immer leerer und stiller wird: kaum mehr Vögel, Schmetterlinge und Blütenpflanzen. Dies untermauerte Dr. Christine Margraf, die Leiterin der BN-Fachabteilung München, am 22. März 2016 eindrucksvoll in ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe „Heimatlandschaft in Gefahr“ der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe vor zahlreichen interessierten Zuhörern im Gasthof zur Insel in Landshut.

Dabei war es jahrhundertelang gerade die traditionelle Landwirtschaft, die eine vielfältige und artenreiche Landschaft hervorbrachte, war doch Mitteleuropa ursprünglich ein Waldland: so waren etwa noch im 6. Jahrhundert 90 Prozent des Landes mit Wald bedeckt. Heute wird etwa die Hälfte der Fläche in Deutschland und auch in Bayern landwirtschaftlich genutzt, jedoch in einer Art und Weise, die alles andere als naturverträglich ist, stellte Christine Margraf fest. Anhand von Vorher-nachher-Aufnahmen veranschaulichte die Referentin, wie eintönig und ausgeräumt die Feldflur in den letzten 50 bis 100 Jahren geworden sei: der kleinräumige Strukturreichtum ist fast verschwunden und für Hase, Rebhuhn und Kiebitz gibt es kaum noch Überlebensmöglichkeiten.

Und, so betonte Margraf, trotz des schon lange bestehenden Biodiversitätsprogramms der EU konnten beim Artenschwund die Negativtrends nicht gestoppt werden, im Gegenteil, in den letzten Jahren haben sie sich – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – noch verstärkt. Bei jeder Aktualisierung wird die Rote Liste der gefährdeten Arten länger und desaströser. Margraf nannte dies ein Armutszeugnis ohnegleichen. So seien beispielsweise 56 Prozent der Tagfalter bedroht und knapp fünf Prozent bereits ausgestorben. Und bei den Kriechtieren sind gar 70 Prozent  bedroht. Viele naturbewusste  Menschen bemerken die Abwärtsentwicklung auch bei den Vögeln, gerade auch bei den – einstmals – häufigen „Allerweltsarten“: überall ein massiver, ungebremster Niedergang! So seien beispielsweise die Kiebitzbestände seit den 90er Jahren um gut 60 Prozent zurückgegangen.

Als schrecklich bezeichnete die Referentin die Erkenntnis einer NABU-Studie, nach der bei den Insekten die reine Biomasse in nur 15 Jahren um bis zu 80 Prozent abgenommen hat. Es zeige sich auch immer mehr, wie sehr zahlreiche Tiere unter den massiv ausgebrachten Giften, allgemein verharmlosend „Pflanzenschutzmittel“ genannt, leiden, so beispielsweise Amphibien mit ihrer empfindlichen Haut und Feldhasen (Auswirkungen auf die Spermienfruchtbarkeit). Auch innerhalb der Landwirtschaft sei bei Tieren und Pflanzen, so die Diplom-Biologin, eine enorme genetische Verarmung eingetreten: so seien seit 1990 drei Viertel der Nutzpflanzensorten verloren gegangen.

Weiterhin erwähnte Margraf die jahrzehntelang mit deutscher Gründlichkeit betriebene „Flurbereinigung“, die das Landschaftsbild radikal verändert habe. So sind 95 Prozent der Moore Bayerns zerstört oder degradiert worden, eine Tatsache, die auch unter dem Gesichtspunkt der Klimawirksamkeit (CO2-Speicherung) höchst bedenklich sei. In den letzten zehn Jahren habe sich das Gesicht der Landschaft auch dadurch stark verändert, dass immer mehr Grünland umgebrochen wurde – und meist in riesige Maisfelder verwandelt wurde. Und selbst das Grünland, das noch besteht, wird oft durch bis zu sechsmaliges Mähen und intensives Düngen entwertet. Dort lassen sich gerade noch dürftige 15 Arten zählen.

Anhand von aussagekräftigen Diagrammen illustrierte Margraf, dass im Landkreis Landshut die Massentierhaltung (Schwein und Rind) eine landschaftsunverträgliche Dichte erreicht habe – mit den bekannten Folgen für das Trinkwasser, welches zunehmend nitratbelastet ist. Die nötigen Futtermittelimporte richten zudem in den Anbauländern, insbesondere Brasilien und Argentinien, große Schäden an, indem die dortige Biodiversität zerstört wird. Angesichts all dieser Probleme plädierte die Referentin für eine schrittweise Rückkehr zu einer Art Kreislaufwirtschaft – weg vom unendlichen Wachstum und  weg von der Billigproduktion, die auch für die Landwirte in die Sackgasse führt. Nur sieben Prozent der bayerischen Bauern betreiben Ökolandbau. Auch diese Zahl müsse verdoppelt werden.

Trotz dieser düsteren Gesamtsituation ließ Margraf immer wieder ihren Grundoptimismus aufscheinen und die Zuversicht, dass man durchaus etwas bewirken kann, wenn Landnutzer und Umweltschützer gemeinsam an einem Strang ziehen und beharrlich kämpfen.

Großdemo in Berlin „Wir haben Agrarindustrie satt“ am 16. Januar 2016

Berlin 16.01.2016. 23.000 Menschen sind am Samstag den 16. Januar 2016 bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf die Straße gegangen, um bei der Großdemo in Berlin der Forderung nach einer neuen Politik für die Landwirtschaft Nachdruck zu verleihen. Warum? Weil die zunehmende Ausrichtung der Landwirtschaft auf den Export das Höfesterben in Deutschland und weltweit nicht stoppen kann. Weil die durch den internationalen Wettbewerb erzeugte Preisspirale die Produzenten zwingt, auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt immer billiger zu produzieren und dies nur über Investitionen in immer größere Ställe und weitere Mechanisierung möglich ist. Weil in diesem System kleine und mittelgroße Betriebe nicht mehr mithalten können und verschwinden.

Bauern auf der ganzen Welt sorgen für die Ernährung der Bevölkerung. Sie zu stützen und zu bilden ist eine vornehme Aufgabe reicherer Länder. Eine aggressive Exportpolitik von Billigfleisch und von Billig-Milchprodukten hingegen zerstört in den Ländern des Südens kleinbäuerliche Strukturen, führt zu Hunger, Armut und Verelendung und damit zu weiteren Flüchtlingsströmen.

Daher müssen die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft so gesetzt werden, dass Landwirte und das Lebensmittelhandwerk gesunde und ökologische Lebensmittel erzeugen und zu fairen Preisen und Marktbedingungen vorwiegend für den regionalen Markt erzeugen können - in Bayern, in Deutschland in Europa und weltweit. Wir stehen für Ernährungssouveränität und fordern einen internationalen Handel, der sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an den Interessen der Konzerne orientiert. Wir wollen ein Landwirtschafts- und Ernährungssystem, das niemanden zur Landflucht zwingt. Wir setzen auf bewährte Alternativen, bei denen Menschen, Tiere und Umwelt geachtet werden und Bauernhöfe eine Zukunft haben.


Feldversuche im ökologischen Landbau

Unter der Moderation von Schulleiter Johann Schneck (3. von links) stellten fünf Studierende der Öko-Fachschule ihre Meisterarbeitsprojekte vor (von links) Thomas Janasch und Adolf Hörl sowie (von rechts) Martin Schachner, Johannes Göbl und Alexander

Landshut 23.10.2015. In der Informationsreihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, die die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe zusammen mit der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, Landshut-Schönbrunn durchführt, stellten nach der Einführung durch die BN-Geschäftsstellen-Leiterin Brigitte Englbrecht fünf Studierende ihre Meisterarbeitsprojekte vor. An die hundert Teilnehmer interessierten sich am 23. November im Gasthof zur Insel in Landshut für die Ergebnisse der Meisterprojekte, die an der Öko-Fachschule von den Studierenden erarbeitet wurden. Schulleiter Johann Schneck führte als Moderator durch den Abend.

Adolf Hörl vom „Oamahof“ bei Gerzen eröffnete die Vortragsreihe mit der Vorstellung seiner Anbauergebnisse bei Sojabohnen. Die Aussaat erfolgte aufgrund der warmen Witterung schon Mitte April. Mehrmaliges maschinelles Durchhacken sei nötig gewesen, um die Sojabohnen unkrautfrei zu bekommen. Die verschiedenen Sorten bei Drillsaat und Einzelkornsaat zeigten vom Wuchs deutliche Unterschiede in dem trockenen Jahr 2015. Der Drusch erfolgte schon Ende August und Anfang September, wobei einige Hülsen aufplatzten. Sehr wichtig für einen guten Sojaertrag sei die hohe Fachkenntnis des Mähdrescherfahrers, da große Verluste von bis zu einem Viertel der Ernte möglich seien, die mit bis zu 800 Euro ökonomisch zu beziffern sind, gab Hörl zu bedenken.

Thomas Janasch befasste sich mit der Ertrags- und Qualitätsverbesserung bei Grünland.

Durch Schwefeldüngung und Nachsaat konnte der Ertrag und die Narbendichte gesteigert und die Grünlanderträge deutlich erhöht werden. Biobetriebe sollten auch auf die Schwefeldüngung bei Grünland ein Augenmerk legen, wenn beispielsweise mit einer zu geringen Menge an Mist oder Gülle gedüngt werde. Um Verbesserung der Michleistung ging es im nächsten Vortrag bei Johannes  Göbel aus dem Landkreis Schweinfurt. Mit der Inbetriebnahme einer zweiten Kraftfutterstation und gezielter Fütterung und Kotbeurteilung konnte die Leistung zwar nicht erheblich gesteigert werden, da die Trockenheit die Grünfütterung zunichte machte. Aber der Lerneffekt sei unheimlich groß gewesen.

Zur Reduzierung der Ammoniakverluste sollte der Versuch von Martin Schachner aus Gars am Inn beitragen. Die Behandlung der Gülle mit verschiedenen Zusätzen, wie effektive Mikroorganismen, Biolit, Pflanzenkohle, Bierhefe und separierte Gülle, wurden getestet. Die behandelte Gülle brachte der Meisteranwärter auf Grünlandparzellen aus. Es gab durchaus Mehrerträge bei separierter Gülle und Biolit, als auch bei Mehrfachzusatz. Jedoch die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes war nicht immer gegeben. Bei der Reduzierung der Ammoniumgehalte der Gülle seien die Ergebnisse uneinheitlich gewesen.                                                                                                                          

Zum Abschluss stellte Alexander Kern seinen Versuch vor. Der Betrieb in Modautal bei Darmstadt baut seit längerer Zeit Buchweizen zum Dreschen an. Buchweizen ist glutenfrei und für Allergiker interessant. Kern hatte für seinen Versuch eine Parzellenausstattung für Exaktversuche zur Verfügung. Sorten, Saatzeiten und Mischfruchtvarianten wurden verglichen. Leider konnten wegen der Trockenheit die üblichen Erträge von bis zu 25 dt/ha nicht erzielt werden. Aber die Unterschiede bei den Varianten, kamen dennoch zum Tragen. So hätten die höheren Saatstärken auch bessere Erträge gebracht. Von den Sorten her schnitt die kleinkörnige Sorte Kärnter Hadn auch im Ertrag schwächer ab.

Striegeln statt Spritzen

Mechanische Unkrautbekämfpung: Landwirte stellen Versuchsergebnisse vor

Rottenburg 27.07.2015. Im zweiten Jahr in Folge führten engagierte Landwirte den Versuch, Hackstriegeln statt
Spritzen, durch. Am Montag tauschten sich die teilnehmenden Landwirte, Vertreter des Wasserzweckverbands, des Bund Naturschutz und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie interessierte Bürger über die Ergebnisse
aus.

An dem Versuch nahmen Gerhard Patzinger, Stranz, Anton Lorenzer aus Münster und die Familie Wimmer, Steinbach teil. Volker Kahlert aus Niedereulenbach, der beim ersten
Versuch voriges Jahr dabei war, betreute das Projekt. Auf Getreideund Maisfeldern setzten die Teilnehmer die mechanische Methode des Hackstriegelns und des Harkens ein. Bei der Informationsfahrt berichteten sie von zufriedenstellenden Ergebnissen.  >> Mehr

Quellenhinweis: Bericht von Judith Heinrich, Rottenburger Anzeiger, vom 30. Juli 2015

Ökologischer Landbau und Artenschutz

Biobauer Martin Lackermeier (Dritter von rechts) und Naturschützer Johannes Selmansberger (rechts) führten zu ökologisch bewirtschafteten Fächen dreier benachbarten Biobauern

BN und Ökofachschule organisierten Felderbegehung zu drei benachbarten Biobauern

Vilsheim/Gessendorf 30.07.2015. „Dass Ackerbau nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus gut funktionieren kann, zeigt sich seit Jahren. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Einhaltung grundlegender Fruchtfolgegrundsätze.“ Dies war eine der Kernaussagen des langjährigen Naturland-Bauern Martin Lackermeier bei einem Felderrundgang entlang der eigenen und der Flächen der benachbarten Biobauern Josef Priller und Emil Forster im Raum Gessendorf in der Gemeinde Vilsheim. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, welche von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wurde. Neben Martin Lackermeier und rund 50 Teilnehmern begrüßte der stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, Paul Riederer, die Biobauern Emil und Felix Forster sowie den Vorsitzenden der BN-Ortsgruppe „Kleines Vilstal“, Johannes Selmansberger, der die Zusammenhänge zwischen dem ökologischen Landbau und dem Artenschutz erläuterte.

Eingangs stellte Lackermeier seinen Betrieb vor. Er bewirtschafte einen Gemischtbetrieb mit etwa 20 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche mit Ackerbau, Grünland, Ochsen- und Schweinemast mit Direktvermarktung. Bereits 1986 habe er umgestellt und sei damals einer der ersten Biobauern im Landkreis gewesen. Der Nachbarbetrieb von Josef Priller mit etwa 35 Hektar Ackerland und noch etwas Grünland wird seit sechs Jahren ökologisch bewirtschaftet. Sein Zweitbetrieb in den neuen Bundesländern werde ebenfalls ökologisch bearbeitet. Emil Forster bewirtschaftet zusammen mit seinen Söhnen Emil und Felix in Oberfroschham etwa 35 Hektar (überwiegend Ackerbau) seit 12 Jahren ökologisch. Angebaut werden Kleegras, Winterweizen, Winterroggen und Ackerbohnen. Beide Betriebe sind Mitglied beim Anbauverband Naturland, informierte Lackermeier.

Vor einem sehr schönen Rotkleebestand von Josef Priller ging Lackermeier auf die Bedeutung der alten landwirtschaftlichen Kulturpflanze Klee ein. Der Klee sei eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Pflanze im ökologischen Landbau verdeutlichte der Referent. Dies aber nicht nur für den rinderhaltenden Biobauern, sondern als Stilllegung auch für den viehlosen Betrieb. Mit seinem üppigen Wurzelwerk sorge der Klee für einen lockeren Boden, erschließe Nährstoffe auch in tiefen Bodenschichten und trage wesentlich zum Bodenaufbau bei. Durch die Schnittnutzung, fuhr Lackermeier fort, sei der Klee ein unerlässlicher Beitrag zur Beikrautregulierung im Ökolandbau. Speziell die Ackerkratzdistel werde durch häufiges Mähen stark zurückgedrängt. Es sei ein Jammer, bedauerte der Biobauer, dass diese ackerbaulich so wertvolle Pflanze in der konventionellen Landwirtschaft durch den Mais, der für den Boden kaum Positives bringe, so ins Abseits gedrängt worden sei. Die Mais-Lobby habe hier ganze Arbeit geleistet.

Vor seinem Kartoffelfeld stellte Lackermeier fest, dass man bei den heurigen Frühjahrsaussaaten die beiden vergangenen frostarmen Winter gemerkt habe. Die Frostgare, welche im Frühjahr normalerweise für lockere Böden sorge, war kaum vorhanden. In Bezug auf die reichlich vorhandenen Kartoffelkäfer und deren Larven stellte Naturschützer Johannes Selmansberger bedauernd fest, dass ein natürlicher Feind des Käfers, das Rebhuhn, in unseren Fluren kaum mehr vorkomme.

Während des Rundgangs erläuterte der erfahrene Biobauer auch die grundlegenden Fruchtfolgegrundsätze im Ökolandbau. Wichtig sei ein Wechsel zwischen Boden auf- und abbauenden Kulturen. Auch die Wirkung der Nutzpflanzen bei der Beikrautregulierung sei zu berücksichtigen. Nach dem unerlässlichen Klee (oder Kleegras) folge in der Regel der Weizen, da dieser zur Erreichung einer guten Backqualität einen hohen Stickstoffbedarf habe. Anschließend kämen Roggen als Speisegetreide oder Triticale zum Füttern, beides Kulturen mit einem geringeren Nährstoffbedarf und einer guten Beikrautunterdrückung. Danach könne eine Körnerleguminose (Ackerbohne, Erbsen, Soja) folgen. Hier sollte berücksichtigt werden, dass in den letzten Jahren bei den Erbsen aber zunehmend Wurzelerkrankungen aufgetreten seien, möglicherweise aufgrund von negativen Wechselwirkungen verschiedener Leguminosen. Nach einer stickstoffsammelnden Körnerleguminose könnte nochmals Weizen ausgesät werden. Die eher anspruchslosen Dinkel und Hafer könnten am Ende einer Fruchtfolge stehen, verdeutlichte Lackermeier.

BN-Ortsgruppenvorsitzender Johannes Selmansberger stellte bei der Führung, die auch zu einem inmitten der Ökoflächen liegenden wertvollen Biotop ging, die enorme Bedeutung des ökologischen Landbaus für den Artenschutz heraus. Im Gegensatz zu intensiv genutzten konventionellen Mais- und Getreideflächen mit ihren dichten Beständen, böten die Ökoflächen aufgrund der lichteren Bestände und der Artenvielfalt Lebensräume für viele Tierarten, deren Anzahl auf intensiv bewirtschafteten Flächen seit Jahren massiv zurückgehe. So fänden beispielsweise Feldlerchen auf Ökofeldern Platz zum Brüten und die Bienen freuten sich über blühende Klee-, Ackerbohnen- und Erbsenfelder, zeigte sich Selmansberger begeistert.

Anschließend wurde noch die Ochsenmast von Martin Lackermeier besichtigt. Die Tiere würden in einem Laufstall (Tretmiststall) mit offener Front und Auslauf ins Freie gehalten. Die Liegeflächen seien eingestreut. Die Jungtiere kaufe er, so der Biobauer, als Fresser von einem langjährigen Biobauernkollegen. Die Schlachtung erfolge im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren. Die Fleischvermarktung geschehe in Zusammenarbeit mit einer kleinen Metzgerei in der Nähe direkt an den Endverbraucher.

Versuchsfeld liefert nützliche Erkenntnisse

Schulleiter Johann Schneck (mit Megafon) führte zu den einzelnen Parzellen des Versuchsfeldes der Fachschule für ökologischen Landbau
Auch die seltene Ackerblume – die Kornrade – war zu sehen

Die Öko-Versuchsfeldführung fand auch heuer wieder sehr großen Zuspruch

Landshut 21.07.2015. Dicht gedrängt standen die Interessenten kürzlich am Rande des Versuchsfeldes der Fachschule für ökologischen Landbau in Landshut-Schönbrunn bei der diesjährigen Führung, die von der Fachschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe veranstaltet wurde. Schulleiter Johann Schneck zeigte sich angesichts der rund 150 Besucher, darunter aktuelle und ehemalige Studierende der Fachschule, Anbauberater und zahlreiche Biobauern, sehr erfreut und führte wie gewohnt fachkundig und engagiert durch die vielen Anbauparzellen.

Zu Beginn stellte Schneck die Daten des Versuchsfeldes dar. Es liegt im Isartal auf 385 Meter über Normalnull. Die Jahresniederschlagsmenge liege bei 700 Millimeter. Bodenart sei sandiger bis schluffiger Lehm auf kalkhaltigem Isarterrassenschotter und habe deshalb einen hohen pH-Wert. Der Boden sei wasserdurchlässig und deshalb gut befahrbar. Negativ seien die Neigung zu Trockenschäden und die unterschiedlichen Bodenverhältnisse, was Exaktversuche ausschließe. Trotzdem liefere das Feld viele interessante Erkenntnisse für den Schulunterricht und für aktive Biobauern, betonte der Schulleiter.

Die Fruchtfolge, fuhr Schneck fort, bestehe aus Klee, Wintergetreide, Sommerungen, Körnerleguminosen und nochmals Wintergetreide. Auf den ersten Parzellen seien im Herbst Gelb-, Weiß- und Inkarnatklee ausgebracht worden. Hier wurden auch heuer wieder Versuche mit Schwefeldüngungen als Patentkali und Bittersalz durchgeführt. Reiner Klee, so Schneck, reagiere sehr positiv auf Schwefel. Die Erträge seien annähernd doppelt so hoch wie auf den ungedüngten Parzellen. Zur Distelbekämpfung sei auch heuer wieder Wickroggen als Zwischenfrucht angesät worden. Der dichte Bestand und die gute Durchwurzelung entziehe den Disteln den Lebensraum und dränge diese deshalb stark zurück, verdeutlichte der Referent.

Beim Winterweizen experimentierte Schneck heuer mit mehreren neuen Sorten. So ergibt sich ein deutlich ausgeweitetes Sortenspektrum. Die Aussaat des Weizens erfolge wegen des anstehenden Schulbeginns bereits Anfang Oktober. Er habe aber damit keine schlechten Erfahrungen gemacht, so Schneck. Bei den Braugersten stellten im Ökolandbau weiterhin die kurzen bis sehr kurzen Sorten ein Problem dar, da die Beikrautunterdrückung sehr schwierig sei, bedauerte der engagierte Pflanzenbauer. Das „Highlight“ des diesjährigen Versuchsfeldes, verdeutlichte Schneck, seien die Haferbestände nach einer guten Zwischenfrucht als Gründüngung. Stolz sei er auch über eine Reihe von vom Aussterben bedrohten Ackerwildkräutern, wie der Kornrade, dem Sommer-Adonisröschen oder dem Ackerrittersporn, die auch heuer im Versuchsfeld vorkommen.

Die Veranstaltung endete mit einer Bewirtung durch die Studierenden des dritten Semesters und der reichhaltigen Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch im Kollegenkreis.

Permakultur - Eine Landschaft, die man essen kann

Interessierte Besucher bei der Führung durch den Waldgarten von Hannelore Zech (dritte von rechts, grüne Jacke) bei der Erklärung eines Extensivbeetes.

Velden. Keine Lust mehr auf konventionelles Gärtnern, weil die Schnecken den Salat und die Zucchini fressen und die Raupen den Kohl? Dann wird es Zeit für mehr Natürlichkeit. Der Garten ist total entgleist, alle Kräfte der Natur wenden sich scheinbar gegen die Bemühungen des Menschen. Und doch ist genug zum Essen da. Man kann lernen, wie man mit der Natur wirtschaftet, dabei gesünder lebt, den Boden schont, Nützlingsecken im Garten anlegt und auch wieder Freude am Kulturgemüse bekommt. Werden die Gemüsebeete nicht mehr gehackt  “ verunkrauten“ sie. Aber „Unkräuter“ gibt es nicht mehr, diese heißen jetzt „unerwünschte Beikräuter“. Doch genau diese bergen oft einen Schatz an wertvollen Inhaltstoffen für den Menschen, ein vielfaches mehr als hochgezüchtetes Kulturgemüse.  Ohne chemische Düngung und Pestizide und ohne den Boden auszulaugen.

Letzten Samstag unternahm die BN Ortsgruppe Oberes Vilstal eine Fahrt zum Mienbacher Waldgarten. Um 14:00 begann dort unsere Führung unter der Leitung von Hannelore Zech, der Eigentümerin des Permakulturgartens. Frau Zech stellte uns ihren Garten vor und zeigte uns wie man sich aus dem Garten ernähren kann und zwar mit allem was dort wächst. Die Gestaltung ihres Gartens durch Permakultur bringt nicht nur den Menschen viele Vorteile, sondern der ganzen Umwelt. Gemeint sind hier die Luft, die Wildtiere, das Bodenleben. „ Der Wurm ist der Ochs des armen Mannes“, mit diesem Zitat erläuterte sie die Anbaumethoden der Permakultur. Pflanzlicher Abfall, Kleintiermist und -streu und Schnittgut wird auf die Anbauflächen aufgetragen und zwar nicht nur an Beginn und Ende der Wachstumsphasen sondern während des ganzen Jahres. Viele verschiedene Pflanzen wachsen auf den Beeten und bilden dabei kleine Ökosysteme, die sich gegenseitig helfen. Die Bodenlebewesen wandeln die darauf liegende Biomasse laufend in Humus um, der für das Wachstum der Pflanzen von immenser Bedeutung ist. Der Boden liegt nicht offen, weitere „Unkräuter“ haben wenig Chancen zum Wachstum und Gießen wird meist überflüssig, da die Krume nicht austrocknen kann.

Wie schaut dann so ein Garten aus? Für konventionelle Gärtner eher wie „Wildnis“, für Naturliebhaber einfach herrlich.  „Eine Oase in der bayerischen Kulturlandschaft“, so bezeichnete Frau Zech ihren Garten. Er unterscheidet sich durch seinen bunten, durchgehenden Bewuchs wirklich deutlich von den leergeräumten Feldern rundum, auf denen immer nur eine Pflanze wachsen darf.  Werden dann noch Nützlingsbiotope wie Steinmauern  oder –haufen, Totholzhaufen, kleine Teiche und Insektenhotels eingebaut, erhält der Garten Struktur und der ökologische Wert steigt um ein Vielfaches. Nützlinge wie Eidechsen und viele Vögel finden Platz zum Leben und helfen dem Gärtner bei der Schädlingsbekämpfung. So entsteht eine Landschaft, die man essen kann. Natürlich kann man nicht die Landschaft essen, sondern was in ihr wächst. Und das sind nicht nur die üblichen Pflanzen wie Salat, Zucchini, Tomaten. Die Besucher erfuhren viel über essbare Kräuter, Gemüse und Beeren, die viele noch nicht kannten und die in früheren Zeiten ganz selbstverständlich zum Nahrungsangebot in Bauerngärten gehörten. Topinambur und Baumspinat sind dabei nur zwei Beispiele. Wenn die Schnecken so wie in diesem Jahr den gesamten Salat auffressen, kann man auf Salate und Gemüse ausweichen, die diesen Tieren nicht so gut schmecken.

Am Ende der 2 ½ stündigen Führung stärkte sich die Gruppe mit Kaffee und Kuchen und es wurde viel fachgesimpelt. Anschließend ging es mit dem Bus wieder zurück nach Velden. Nachdem diese Fahrt großen Anklang gefunden hatte, hat sich die BN Ortsgruppe entschlossen in Zukunft ähnliche Fahrten zu unternehmen.

Und die Kühe schauten zu

Paul und Edeltraud Zehetmeier (Vierter und Sechste von rechts) stellten ihren Bio-Hof mit Milchviehhaltung vor. Martin Lackermeier (rechts) wies auf die derzeitige Situation des Ökolandbaus hin. Foto: Josef Gerbl
Die große Besuchergruppe besichtigte auch die Kurzrasenweide neben der Großen Vils. Auch neugierige Kühe schauten zu. Foto: Josef Gerbl

Der Bund Naturschutz organisierte die Besichtigung des Biohofes Zehetmeier in Streunweinmühle

Vilsbiburg/Streunweinmühle.  „Schon nach einer kurzen Zeit als Biobauern haben wir es bedauert, nicht schon viel früher auf ökologischen Landbau umgestellt zu haben.“ Diese Feststellung traf Paul Zehetmeier bei einer Besichtigung seines Biohofes in Streunweinmühle bei Vilsbiburg. Die Besichtigung, die einen sehr großen Besucherzuspruch fand, war Teil der Informationsreihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, welche derzeit von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn durchgeführt wird.

Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe ging in seiner Einführung auf die derzeitige Situation des Öko-Landbaus in Bayern ein. Nachdem in den vergangenen Jahren der Öko-Markt in deutlich größerem Maße zunahm als die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Bauern, hätten sich die Rahmenbedingungen, die eine Umstellung von konventioneller zur ökologischen Landwirtschaft reizvoll machten, in den vergangenen Monaten gravierend verändert. Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der ja eine deutliche Zunahme des Öko-Landbaus in Bayern bis 2020 will, habe die Förderung der Ökobauern im bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) deutlich verbessert, sowohl bei der Flächenprämie als auch bei der Kombination einzelner Fördermöglichkeiten. Außerdem seien im vergangenen Jahr die konventionellen Erzeugerpreise beim Getreide als auch bei der Milch erheblich zurückgegangen. Der größere Abstand zu den Biopreisen müsste auch einen Anreiz zur Umstellung darstellen, erläuterte Lackermeier.

Anschließend stellten Paul und Edeltraud Zehetmeier ihren Betrieb, der seit 2008 ökologisch bewirtschaftet wird und Mitglied beim Anbauverband „Biokreis“ ist, vor. Bewirtschaftet werden, so Zehetmeier, 58 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 31 Hektar Acker- und 27 Hektar Grünland. Auf den Feldern würden Weizen, Kleegras, Silomais, Triticale, Ackerbohnen und Dinkel angebaut. Der Viehbestand, berichtete der Biobauer weiter, bestehe aus 70 Milchkühen plus Jungtieren. Diese würden in einem Laufstall, der bereits 1978 erbaut wurde, sowie in Ausläufen und auf der Weide gehalten. Vor einigen Jahren habe der Betrieb die immer schwieriger werdende Situation auf dem Pachtmarkt negativ zu spüren bekommen, als eine größere Pachtfläche verloren ging. Dadurch sei der Viehbestand, so Zehetmeier, im Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche zu hoch geworden. Erfreulicherweise habe man aber im Bayerischen Wald einen Partnerbetrieb gefunden, der die Jungtieraufzucht übernehme. 

Auf der Weide praktiziere man das System der Kurzrasenweide. Hier werde der Aufwuchs durch gezieltes Beweiden relativ kurz gehalten. So sei das Futter immer frisch und enthalte viel Energie. Da die Weideflächen in Hofnähe ziemlich groß seien, müsse bei normaler Witterung in der Weidesaison im Stall nicht mehr viel zugefüttert werden. Eingesetzt würde ausschließlich eigenes Futter, betonte der Biobauer. Nicht unproblematisch sei die Lage der Weideflächen direkt neben der Großen Vils. Bei Hochwasser würden fast alle Flächen überschwemmt. Aufgrund der Nässe und der Verschmutzung des Aufwuchses müssten die Kühe dann einige Zeit im Stall bleiben. Die meiste Milch, berichtete Edeltraud Zehetmeier, werde an eine bekannte Biomolkerei in Andechs geliefert. Ein kleiner Teil werde von einem auswärtigen Käser abgeholt und zu Schnittkäse in verschiedenen Geschmacksrichtungen verarbeitet. Der Verkauf erfolge dann neben anderen Bioprodukten im eigenen kleinen Hofladen. Angesprochen auf die Tiergesundheit, berichtete das Biobauernehepaar, dass auftretende Krankheiten überwiegend homöopathisch behandelt würden. Am besten sei aber eine Gesundheitsvorsorge über die Haltungsform mit viel Bewegung, Frischluft und frischem Futter. Man akzeptiere auch eine etwas geringere Milchleistung, da dies durch eine bessere Tiergesundheit und eine höhere Lebensleistung der Kühe kompensiert werde.

Zum Abschluss der interessanten Führung wurden die Besucher noch mit einer Brotzeit aus eigenen Erzeugnissen bewirtet und es gab noch reichlich Gelegenheit zum Fachsimpeln. Auch wies Martin Lackermeier auf die nächste Öko-Veranstaltung hin: Am 29. Juni wird ab 19 Uhr im Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn das Versuchsfeld mit verschiedenen Kulturarten, Sortenversuchen und Anbaumethoden der Fachschule für ökologischen Landbau vorgestellt.

Das Innenleben einer Ökomühle

Mühlen-Vorstand Michael Hiestand (rechts) führte durch die Mühle und erklärte den Weg vom Ökokorn zum Biomehl

Vom Getreidekorn zum Biomehl – BN organisierte Mühlenbesichtigung

Auf eine sehr große Resonanz stieß die Besichtigung des größten Verarbeiters von Ökogetreide in Deutschland, der Landshuter Meyermühle. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, die derzeit von der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wird. Michael Hiestand, geschäftsführender Vorstand der Mühle, stellte eingangs fest, dass man nicht nur ökologisch erzeugtes Getreide zum Biomehl verarbeite, sondern dass der ökologische Gedanke wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie sei. So werde beispielsweise die Pkw-Flotte mit Pflanzenöl betrieben und etwa ein Drittel des verbrauchten Stroms selber mit Wasserkraft erzeugt. Außerdem habe man seit 20 Jahren eine Öko-Audit-Zertifizierung. Während des mehrstündigen Rundgangs durch die Mühle zeigten und erklärten Michael Hiestand und Betriebsleiter Michael Hemmer den über hundert Teilnehmern den Produktionsablauf vom Getreidekorn bis zum Biomehl.

Martin Lackermeier, Fachbeirat der BN-Kreisgruppe und Gruppensprecher der Landshuter Naturland-Bauern, stellte fest, die Biobauern im Landshuter Raum seien sehr froh, einen so bedeutenden Getreideverarbeiter in so räumlicher Nähe zu haben. Auch aus eigener Erfahrung könne er feststellen, dass die Meyermühle über lange Jahre ein sehr verlässlicher Partner der Biobauern sei.

Verstummt das Summen der Bienen?

Die Blüte einer Witwenblume bietet sowohl einer Honigbiene als auch einer Steinhummel Nahrung

Vortrag von Johannes Selmansberger beim Bund Naturschutz über die Ursachen des alarmierenden Bienensterbens

Vilsheim. Über ein Thema, das keinen kalt lassen kann, referierte der Imker und Vorsitzende der BN-Ortsgruppe „Kleines Vilstal“, Johannes Selmansberger, vor über 50 interessierten Zuhörern im Gasthof Stadler. Anschaulich zeigte der Referent die Jahrtausende alte Beziehung zwischen Mensch und Honigbiene auf. So stufte er die Biene nach Rind und Schwein als das drittwichtigste Nutztier des Menschen ein. Mit schockierenden Zahlen belegte Selmansberger den dramatischen Rückgang der Bienenvölker in Deutschland, die sich seit 1991 von einer Million auf rund 600 000 verringerten.  Fachlich sorgfältig recherchiert und mit Fotos anschaulich erklärt erläuterte er den Zuhörern die Ursachen des weltweiten alarmierenden Rückgangs der Honigbienen.

Der Referent zeigte in seinem Vortrag viele Details auf: Wer weiß schon, dass eine Biene nur 0,1 Gramm wiegt, mit fünf Augen sieht und über 450 Volt Oberflächenspannung bei der Rückkehr zum Stock haben kann? Selmansberger  lieferte imposante Zahlen zum Nutzen von Bienen: dass beispielsweise aus einem Bienenstock in 100 000 Zellen 1,2 Kilogramm Wachs produziert werden, die wiederum aus einzelnen 0,0008 Gramm wiegenden Schuppen gebildet werden, oder dass die jährliche Bestäubungsleistung der Bienen auf 265 Milliarden Dollar geschätzt wird. Der Vortragende verstand es, die Zuhörer über die Wunderwelt der Bienen zum Staunen zu bringen:  200 000 Eier legt die Königin pro Jahr, in ihren fünf Lebensjahren sind das eine Million Eier! Dabei entscheidet die Königin, welche Eier sie zu Arbeiterbienen befruchtet und aus welchen unbefruchteten Eiern Drohnen schlüpfen. Der Energiebedarf einer Biene pro Minute entspricht einem Zehntel ihres Körpergewichts. Auch Fachbegriffe, die jedem Imker geläufig sind, wie Schwarmintelligenz, Schwänzeltanz oder Gelee Royal, das für Langlebigkeit der Bienenkönigin sorgt, fehlten in diesem Vortrag nicht.

Und natürlich wurde das Thema Honig, den Selmansberger als „gespeicherte Sonnenenergie“ bezeichnete, nicht ausgespart. So erfuhren die Zuhörer, dass ein Bienenvolk 300 Kilogramm Honig im Jahr erzeugt, wovon die Bienen 90 Prozent selber verbrauchen. Dass Honig nicht nur ein Süßungsmittel, sondern ein sinnvolles Lebensmittel ist, das auch als Medikament eingesetzt wird, veranschaulichte der Referent mit einer Grafik, die alle Inhaltstoffe wie Fermente, Vitamine oder Minerale aufzeigte. Die Deutschen seien große Honigverbraucher, aber 80 Prozent des verkauften Honigs würden importiert und unzureichend gekennzeichnet, monierte der Referent.

Im zweiten Teil des Vortrags ging Selmansberger auf die Ursachen des weltweiten Bienensterbens ein. Ein großes Problem aus Sicht der Imker seien die großen Mengen der in der Landwirtschaft eingesetzten chemischen Mittel, welche nachweislich einen schädlichen Einfluss auf die Vitalität der Bienenvölker haben. Noch nie seien weltweit so viele Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt worden wie heute. Vor allem die immer häufiger verwendeten Neonikotinoide, welche teilweise über 7000 mal giftiger seien als das längst verbotene DDT, hätten sehr negative Auswirkungen auf die Bienen, da sie auch im nicht tödlichen Bereich erhebliche Schäden an der Gesundheit eines Bienenvolkes anrichten können, so Selmansberger. Die EU habe nun für drei dieser Beizmittel ein zweijähriges Anwendungsverbot erlassen. Dagegen klagen aber die großen Chemiekonzerne. Verschiedene Gifte würden überdies nicht nur bei Bienen, sondern bei allen anderen Insektenarten und durch die Nahrungskette auch bei Singvögeln zu einem drastischen Rückgang führen. Das Bundesumweltamt bestätige eine Todesrate von 100 Prozent bei Amphibien. Der Referent führte zur Untermauerung seiner Thesen wissenschaftliche Studien aus Frankreich, Niederlande und Belgien an. Von den Chemiekonzernen bezahlte Studien führten verständlicherweise stets zu verharmlosenden Ergebnissen. Oftmals würde  die Schädlichkeit verharmlost, indem man den Rückgang der Biene allein auf das Auftreten der Varroa-Milbe zu schieben versuche, so der Referent. Er bedauerte, dass der Bauernverband Unterschriften für die Wiederzulassung der momentan verbotenen Pestizide sammle.

Neben der Agrochemie lleiden die Bienen zunehmend an einem Mangel beim Nahrungsangebot, verdeutlichte Selmansberger mit zahlreichen Bildern. Landschaften würden ausgeräumt, Feldraine umgepflügt. Blumenwiesen gäbe es kaum noch. Die noch vorhandenen Wiesen kämen durch häufige Schnittnutzung und intensive Düngung nicht mehr zum Blühen. Eine rühmliche Ausnahme sei das Gebiet südlich von Vilsheim mit den Vilswiesen und dem Ziegelberg. Diese Kulturlanschaft bezeichnete Selmansberger als Bienenparadies. Er zeigt sich hocherfreut, dass hier viele Landwirte sehr naturverträglich wirtschaften. Dies habe auch einen sehr positiven Effekt auf die gesamte Artenvielfalt. Hier fänden die Bienen ausreichend vielfältige Pollennahrung, die für den Aufbau und die Überwinterung der Völker mit entscheidend sei.  In Gebieten mit einer großen Biogasanlagendichte und den vielen „Maiswüsten“  sei dies nicht mehr gegeben, bedauerte Selmansberger. Die zum Teil unzureichenden Lebensbedingungen für Bienen auf dem Lande verleite viele Imker dazu, nach der Rapsblüte ihre Bienenstöcke in der Stadt aufzustellen.  Die vielen Parks und Gärten seien ein besserer Lebens- und Nahrungsraum als die ausgeräumte Agrarlandschaft. Um die Bienen zu retten, sei eine Agrarwende von Nöten. Lebensräume müssen neu gestaltet werden, der Gifteinsatz in der Landwirtschaft müsse minimiert werden.  Die Politik sei gefordert, hier entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Imkerei auf dem Lande stehe und falle mit der multifunktionalen kleinbäuerlichen Landwirtschaft, betonte Selmansberger am Schluss seines Vortrags, an den sich eine rege Diskussion anschloss.

Regenwürmer – wichtige Nützlinge

Roswitha Walter referierte über die Regenwürmer als wichtige Nützlinge für Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität

Vortrag von Roswitha Walter über die positiven Auswirkungen eines guten Regenwurmbestandes

„Die Regenwürmer fördern durch ihre vielfältigen Leistungen die Bodenfruchtbarkeit und sind Zeiger eines biologisch aktiven Bodens“. Dies war eine Kernaussage von Roswitha Walter vom Institut für ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan bei ihrem Vortrag zum Thema „Regenwürmer – wichtige Nützlinge für Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität“ im Gasthof „Zur Insel“ in Landshut. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, welche derzeit von der Kreisgruppe Landshut des Bund Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wird.

In seiner Einführung stellte Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe fest, dass Regenwürmer für Landwirtschaft und Gartenbau ungeheuer wichtig und unerlässlich seien. In der heutigen, häufig von einseitigen Fruchtfolgen gekennzeichneten Landwirtschaft hätten sie aber oft einen schweren Stand.

Roswitha Walter stellte zu Beginn ihres Vortrages fest, dass Regenwürmer die wichtigste aktiv das Bodengefüge verändernde Tiergruppe seien. Sie lockerten und belüfteten den Boden, ihre Röhren dienten als Drainagen zum Eindringen von Niederschlägen in den Boden und zur Reduzierung der Bodenerosion. Ferner würden Verkrustungen aufgebrochen und die Sauerstoffversorgung im Boden verbessert. Vor allem in schweren Böden könnten Regenwürmer auch sehr wichtig für eine bessere Wurzelausbildung der Nutzpflanzen sein.

Anschließend ging die Referentin auf die enormen Durchmischungsleistungen der Regenwürmer ein. Organisches Material wie Stroh, Mist, Gülle oder Mulch würden in den Boden eingemischt. Die Verrottung und die Nährstoffnachlieferung würden dadurch beschleunigt. Die Feindurchmischung von organischem Material und Mineralerde im Darm der Regenwürmer könne kein Bodenbearbeitungsgerät leisten. Zur Verdeutlichung der umgesetzten Mengen stellte Roswitha Walter fest, dass auf einem Hektar Ackerfläche im Zeitraum von der Getreideernte bis zur Maisansaat im nächsten Frühjahr bis zu sechs Tonnen Stroh eingemischt werden könnten.

Regenwürmer schafften mit ihrem Röhrensystem und ihrem Kot aber auch günstige Bedingungen für viele andere nicht grabende Bodenlebewesen. Sie seien selbst aber auch Beute für Käfer und Vögel und förderten somit auch die Biodiversität, verdeutlichte die Referentin.

Unterschieden würden die Regenwürmer nach den Bodenschichten, in denen sie lebten. Streubewohner lebten nahe der Bodenoberfläche und bildeten kaum Röhren im Boden. Endogäische Arten lebten im Mineralboden bis zu etwa 60 cm Tiefe. Sie graben ständig horizontale Röhren und sorgten für eine Feindurchmischung. Die Tiefgräber legten nahezu senkrechte Röhren bis in den Unterboden an und brächten Pflanzenreste bis in tiefe Bodenschichten.

Maßnahmen zur Förderung des Regenwurmbestandes, fuhr Roswitha Walter fort, seien reichhaltige Fruchtfolgen (möglichst mit Klee- oder Luzerne-Gras-Gemengen), organische Düngung (Mist, Gülle, Gründüngung, Stroh), reduzierte Intensität der Bodenbearbeitung (nicht so viel Pflügen, Vermeiden von Bodenverdichtungen), kleinräumige Nutzungsvielfalt und unbewirtschaftete Teile wie Randstreifen und Hecken. Natürlich seien auch Agrarumweltmaßnahmen, wie die Umstellung zum ökologischen Landbau, Winterbegrünungen, Mulchsaat und die Anlage von Blühstreifen positiv. Die Möglichkeiten, den Regenwurmbestand zu fördern, seien vielfältig. Wichtig sei es, die einzelnen Glieder des Bewirtschaftungssystems optimal aufeinander abzustimmen, verdeutlichte die Referentin abschließend.

BREITES BÜNDNIS FORDERT ABSCHAFFUNG VON TIERFABRIKEN, UND AUSSTIEG AUS FREIHANDELSABKOMMEN TTIP

Landshuter demonstrieren vor dem Bundeskanzleramt

Berlin 17.01.2015. Ein breites Bündnis aus Umwelt-Verbraucher-, Bauernorganisationen und entwicklungspolitischen Initiativen rief erneut zu Protesten anlässlich der Grünen Woche 2015 in Berlin auf. "Die Leistungsschau der Agrarindustrie auf der grünen Woche trifft nicht mehr die Wünsche der Verbraucher und vieler Bauern, die Bauern bleiben wollen", so Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN und BUND, einer der Hauptredner bei der Kundgebung am 17.Januar. "Wir benötigen Obergrenzen für Tierställe und Umbau zu artgerechten Haltungssystemen, in denen die Tiere gesund bleiben und zwar möglichst ohne Antibiotikaeinsatz. Betriebe, wie die des agrarindustriellen Straathof, der wegen permanenter Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in das Visier der Ermittler gelangt ist, müssen endlich ganz gestoppt werden, auch in Bayern, weil deren Haltungsbedingungen zwangsläufig zum Einsatz von Antibiotika und anderen negativen Folgeerscheinungen führen", so Weiger.

Weitere Themen der Kundgebung waren die drohende Neuzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen zum Anbau in der EU, und die geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada und den USA, CETA und TTIP.

Unter den lt. Veranstalter genannten 50.000 Demonstration befanden sich auch viele Landshuter, welche extra zu dieser Kundgebung nach Berlin gereist waren. Sie forderten ein politisches Umdenken von der Kanzlerin.

Heinrich Inkoferer, BN Kreisgruppe Landshut, hat erneut viele Eindrücke von der Kundgebung fotografisch erfasst und stellt diese zur Ansicht unter https://www.flickr.com/photos/114961713@N07/sets/72157650352720032/

Schutzbündnis Tier und Umwelt Landshut gegründet

Die Firma VION hat einen Antrag auf Erweiterung des Schlachthofes auf eine Kapazität von 21.000 Schweine pro Woche gestellt. Das bedeutet, dass in Landshut in Zukunft mehr als eine Million Schweine pro Jahr geschlachtet werden, was die gegenwärtige Zahl der Schlachtungen fast verdoppelt. Diese Pläne haben bei Bekanntwerden in der Öffentlichkeit bereits erhebliche Proteste ausgelöst.

Wo massenhaft Tiere „produziert“ werden, wie im Landkreis Landshut, müssen auch  massenhaft Tiere im Akkord  und mit möglichst automatisierter Technik getötet werden und umgekehrt. Laut Agrarbericht des Bayerischen Landwirtschaftsamtes wurden im Jahr 2012 im Landkreis Landshut 371.500 Schweine gemästet. Seither sind weitere Schweinemastplätze genehmigt und gebaut worden. Sollte die Schlachtkapazität am Schlachthof Landshut wie geplant erhöht werden, ist der Bau von weiteren Schweinemastställen vorprogrammiert trotz Trinkwasserprobleme (Nitrat- und Pestizidgrenzwerte werden in manchen Brunnen überschritten) und trotz des zunehmenden Protestes der von einem neuen Maststall betroffenen Bevölkerung. Die Spirale dreht sich weiter!

Nun haben sich in Landshut eine Reihe von Organisationen, Bürgerinitiativen und Parteien zusammengeschlossen, um gemeinsam als „Schutzbündnis Tier und Umwelt Landshut“ mit verschiedenen Aktionen auf die Zusammenhänge der oben erwähnten, nicht wünschenswerten Entwicklung aufmerksam zu machen. Auch sollen Wege aufgezeigt werden, die aus der Spirale des Wachstumzwanges herausführen könnten.

Bürger, die bis zum 28. Januar 2015 Einwendungen gegen die Pläne von VION eingereicht haben, sind eingeladen, am Erörterungstermin zu diesem Verfahren am 11. Februar 2015 teilzunehmen und gegebenenfalls die Einwände persönlich vorzutragen. Die Erörterung findet im Neuen Plenarsaal im Rathaus, Altstadt 315, Landshut statt.