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BN-Kreisgruppe demonstrierte in Berlin für eine Agrarwende

BN KREISGRUPPE LANDSHUT BEI GROSSDEMONSTRATION GEGEN AGRARINDUSTRIE PARALLEL ZUR GRÜNEN WOCHE IN BERLIN

Berlin 21.01.2017. Am  21.01.2017 demonstrierten in Berlin parallel zur Grünen Woche 18.000 Menschen gegen industrielle Tierhaltung, Gentechnik im Essen und die immer stärker werdende Marktmacht von Agrar- und Lebensmittelkonzernen.

Der Demonstrationszug wurde von zahlreichen Jungbauern und Bäuerinnen angeführt und von mehr als 100 Traktoren begleitet. Neben der BN Jugend beteiligten sich auffallend viele junge Erwachsene an der Protestaktion. Vor Ort waren auch die Kreisvorsitzende und Teilnehmer aus der Kreisgruppe Landshut des BUND Naturschutz.

„Das Jahr 2017 ist entscheidend, um Bauernhöfe gegenüber Agrarfabriken besser zu stellen. Die EU-Subventionen müssen konsequent in Richtung bäuerliche Landwirtschaft, umweltverträgliche Produktion und artgerechte Tierhaltung ausgerichtet werden“, sagte Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz, auf der Demonstration.

Der Protest richtete sich auch gegen das geplante Freihandelsabkommen CETA, das die bäuerliche Landwirtschaft bedroht.

„Zum Schutz unserer bäuerlichen Landwirtschaft auch im Landkreis braucht es eine bessere Förderung regionaler Vermarktungsstrukturen, und eine Kennzeichnung für Fleisch aus bäuerlicher und artgerechter Tierhaltung nach dem Vorbild der Eierkennzeichnung“, so Kathy Mühlebach-Sturm , Kreisvorsitzende.


Viele weitere Bilder von dieser Großdemonstration zeigt BN-Mitglied Heinrich Inkoferer unter https://www.flickr.com/photos/114961713@N07/sets/72157679371943856


Präsentation von vielfältigen Feldversuchen

Unter der Moderation von Schulleiter Johann Schneck (r.) stellten fünf Studierende ihre Projekte vor (ab Zweiter v. l.) Raphaela Lex, Jonas Machnik, Katrin Buchmaier, Simon Burger und Martin Feierling-Sülzle mit Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier

Landshut 12.12.2016. Auch im Jahr 2016 war der Gartensaal des Gasthofs „Zur Insel“ in Landshut voll besetzt, als fünf Studierende der Fachschule für ökologischen Landbau, Schönbrunn, ihre Meisterarbeitsprojekte präsentierten. Die Studierenden des dritten Semesters absolvieren im Frühjahr neben dem Schulabschluss als „Staatlich geprüfter Wirtschafter“ auch die Meisterprüfung im Fachbereich ökologischer Landbau. Teil davon ist ein Arbeitsprojekt, in dem ein landwirtschaftlicher Teilbereich durchleuchtet wird. Der Umfang rechtfertige wirklich die Bezeichnung „Arbeitsprojekt“, stellte Schulleiter Hans Schneck einführend fest. Die informative Veranstaltung wurde von der Öko-Fachschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisiert.

Katrin Buchmaier bewirtschaftet in Kirchdorf am Inn seit neun Jahren gemeinsam mit ihren Eltern einen ökologischen Milchviehbetrieb mit 20 Kühen. In ihrem Versuch suchte sie nach Lösungen zur Bekämpfung des Wasserkreuzkrauts im Dauergrünland. Es handelt sich dabei um eine für Mensch und Tier sehr giftige Pflanze, die – wie sich gezeigt hat – schwierig zu bekämpfen ist.

Raphaela Lex stammt aus Bockhorn im Landkreis Erding. Der Biohof Lex ist ein wirklicher Pionierbetrieb in der Ökoszene und zeichnet sich aus durch einen sehr vielfältigen Ackerbau zum Teil mit selten vorkommenden Kulturen. Der Soja, mit dem sich Raphaela Lex sehr ausführlich in ihrer Arbeit beschäftigte, ist auf dem elterlichen Betrieb schon seit Jahren eine gängige Kultur und wird auch in Zukunft weiter angebaut werden.

Aus Loose bei Eckernförde in Schleswig-Holstein stammt Martin Feierling-Sülzle. Der elterliche Gemischtbetrieb mit 65 Zuchtsauen und 14 Mutterkühen wurde 2014 auf ökologischen Landbau umgestellt. Aufgrund dieses kurzen Zeitraums befindet sich auf dem Hof derzeit vieles im Versuchsstadium. In seinem Arbeitsprojekt verglich er unterschiedliche Bodenbearbeitungsvarianten, Reihenabstände, Untersaaten und Sorten im Ackerbohnenanbau.

Jonas Machnik ist auf dem großen Öko-Gemüsebetrieb Obergrashof bei Dachau beschäftigt. Dort werden sehr kalkhaltige Böden mit einem hohen ph-Wert bewirtschaftet. Er führte verschiedene Versuche mit Kali-, Magnesium- und Schwefeldüngungen zur Ertrags- und Qualitätssteigerung durch. Auch eine Düngung mit Kleegrassilage war Teil der Arbeit.

Simon Burger kommt aus dem Landkreis Roth in Mittelfranken. Bewirtschaftet werden 25 Hektar Ackerland und zwölf Hektar Dauergrünland. Außerdem werden 22 Milchkühe und Nachzucht auf Tretmist gehalten. Unzufriedenheit über Erträge und Qualitäten im Grünland veranlassten ihn zu Versuchen mit verschiedenen Düngern auf unterschiedlichen Standorten zur Verbesserung der Ertragssituation.

Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier vom Bund Naturschutz zeigte sich sehr beeindruckt von den vorgestellten Arbeiten und verwies abschließend noch auf die nächste Veranstaltung in der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“. Am Montag, 13. Februar 2017, spricht um 20 Uhr im Gasthof „Zur Insel“ der langjährige Biobauer Stefan Kreppold aus Wilpersberg im Landkreis Aichach-Friedberg zum Thema „Landnutzung im Spannungsfeld zwischen Qualität und Masse“.

„Wachse oder weiche – nicht mit uns“

Öko-Landwirtschaftsmeister Andreas Hauer (im Vordergrund mit rotem Hemd) stellte bei der Hofbesichtigung und Felderbegehung seinen Milchviehbetrieb vor

Kröning/Koblpoint 11.07.2016. „Die verantwortlichen Landwirtschaftspolitiker und der Bauernverband forcieren seit mehreren Jahrzehnten eine Politik mit dem Grundsatz ´Wachse oder weiche´. Diesen Weg, der negative Auswirkungen auf unsere Natur, die Haltung unserer Nutztiere und auch auf die Lebensqualität vieler Bauernfamilien hat, wollen wir nicht mitmachen. Unsere Betriebsgröße reicht, um ein Familieneinkommen zu erwirtschaften“. Dies war eine Grundaussage von Andreas Hauer, Jungbauer und Öko-Landwirtschaftsmeister, bei einer Besichtigung des Familienbetriebes in Koblpoint in der Gemeinde Kröning/Landkreis Landshut am 11. Juli 2016. Seine Eltern Josef und Andrea stimmten dem voll zu. Die Veranstaltung wurde organisiert von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut und der BN-Ortsgruppe Vilsbiburg in Zusammenarbeit mit der Fachschule für ökologischen Landbau in Landshut-Schönbrunn.

Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier vom Bund Naturschutz, selbst langjähriger Biobauer, ging in seiner Begrüßung auch auf das große Engagement der Familie Hauer ein, bei Besuchen von Schulklassen, Kindergarten- und Mutter-Kind-Gruppen vielen Kindern eine Landwirtschaft näherzubringen, bei der das Tierwohl im Vordergrund stehe und bei der mit und nicht gegen die Natur gearbeitet werde. Er ging in diesem Zusammenhang auch auf die im nördlichen Landkreis gegründete Gruppe der sogenannten „Heimatbauern“ ein. Er habe, so Lackermeier, kein Problem damit, wenn diese Betriebe ihre Hoftore öffneten. Interessierte Verbraucher könnten sich so ein Bild machen und später an der Ladentheke die Entscheidung treffen, welche Wirtschaftsweise sie favorisierten. Ein Problem habe er aber mit dem Namen dieser Gruppierung. Wenn sich diese, vor allem in der Tierhaltung, sehr intensiven Betriebe „Heimatbauern“ nennen, was sind dann die Biobauern und andere eher extensiv arbeitende Landwirte. „Gehören wir nicht zu unserer Heimat“, fragte Lackermeier.

Andreas Hauer, der im Frühjahr die Ökoschule in Schönbrunn als staatlich geprüfter Wirtschafter und Landwirtschaftsmeister erfolgreich abschloss, ging eingangs auf den Weg der Familie zum Ökolandbau ein. Als er mit seiner landwirtschaftlichen Ausbildung begann, gab es für ihn nur die konventionelle Landwirtschaft. Eine schwere Erkrankung in der Familie und mehrere ernsthafte Erkrankungen in der näheren Umgebung führten zu der Überlegung, auch in der Landwirtschaft einen ganz anderen und naturnahen Weg zu gehen. 2011 habe man dann auf ökologischen Landbau umgestellt und sei dem Anbauverband Naturland beigetreten, so Hauer. Ein Jahr seiner Lehrzeit absolvierte er auf einem langjährigen Öko-Betrieb im nördlichen Landkreis. „Dort habe ich sehr viel gelernt“, lobte der Jungbauer seinen Ausbildungsbetrieb.

Bewirtschaftet werden von ihm und seinen Eltern, so Andreas Hauer, etwa 24 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 13 Hektar Wald. Auf den Feldern ständen Kleegras, Mais mit eingesäten Sonnenblumen, ein Triticale-Wintererbsengemenge, Hafer und Weizen. Der Viehbestand bestehe aus 28 Milchkühen, fünf Kalbinnen und dem entsprechenden Jungvieh. Acht Hektar Weideflächen befänden sich rund um den Hof. Bei allen Tieren werde das System der Kurzrasenweide angewendet. Hier kämen die Kühe nur zum Melken in den Stall. Die restliche Zeit der Weideperiode stehen sie auf der Weide. Einzige Ausnahme seien sehr trockene Jahre mit schlechtem Aufwuchs. Hier müsste im Stall zugefüttert werden. Bei der Kurzrasenweide, informierte Andreas Hauer weiter, werde der Aufwuchs durch gezieltes Beweiden möglichst kurz gehalten, weil sich in diesem Stadium viel Energie im Gras befände. Das zeit- und arbeitsaufwändige tägliche Futterholen entfalle. Im Winter nehme der Betrieb die durch die Biorichtlinien gedeckte so genannte Kleinbetriebsregelung in Anspruch. Bei Milchviehbeständen bis zu 35 Kühen dürften diese im Winter noch in Anbindehaltung gehalten werden. Voraussetzung hierfür seien aber Weidegang im Sommer und im Winter jeden zweiten Tag Auslauf in einem Laufhof. Über den Bau eines neuen Milchviehstalles bei gleichbleibender Bestandsgröße werde nachgedacht. Man sei sich in der Familie darüber noch nicht einig, stellte der Jungbauer fest. Die Öko-Milch werde, fuhr Hauer fort, zweitägig von einer Regensburger Molkerei abgeholt. Der Milchpreis belaufe sich derzeit auf 49 Cent pro Liter und liege somit deutlich über dem abgestürzten konventionellen Preis. Zum Abschluss der sehr interessanten und mit viel Engagement durchgeführten Führung wurden die zahlreichen Besucher noch reichhaltig mit Bioprodukten bewirtet.

Intensive Entwicklung im Sojaanbau

An die 180 Besucher interessierten sich für die Vorstellung des Versuchfeldes der Fachschule für ökologischen Landbau

Landshut 29.06.2016. Auch in diesem Jahr – am 29. Juni – war der Andrang von interessierten Biobauern, Anbauberatern, Naturfreunden und ehemaligen Studierenden der Staatlichen Fachschule für Landwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, bei der Führung auf dem Versuchsfeld der Schule in Schönbrunn, die von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe mitorganisiert wurde, wieder sehr groß. Schulleiter und Pflanzenbaulehrer Johann Schneck stellte zu Beginn der Führung das Versuchsfeld vor. Es liegt im Isartal auf 385 Meter über NN, der jährliche Niederschlag betrage etwa 700 Millimeter. Der Boden ist sandiger bis schluffiger Lehm auf kalkhaltigem Isarterrassenschotter und ist wasserdurchlässig und gut zu bearbeiten. Es bestehe aber eine Neigung zu Trockenschäden. Das Feld werde, so Schneck, seit 1988 ökologisch bewirtschaftet.

Auf den Winterweizenparzellen würden viele verschiedene Sorten angesät. Die Bestandsentwicklung sei heuer sehr gut. In den alten Getreidearten Dinkel, Emmer und Einkorn kämen auch die gefährdeten Ackerwildkräuter Kornrade, Frauenspiegel, Ackerrittersporn, weiße Lichtnelke und echter Feldrittersporn vor. Hierauf sei er besonders stolz, betonte der engagierte Schulleiter. Bei der Sommergerste sei jedes Jahr festzustellen, dass fast alle Sorten für den Öko-Landbau zu kurz seien. Es liefen deshalb Zuchtprogramme für neue Öko-Braugerstensorten. Die Haferbestände zeigten sich, so Schneck, auch in diesem Jahr eher mastig. Der Hafer sei für den Ökoanbau sehr geeignet, da er sowohl von der Fruchtfolgestellung als auch vom Nährstoffbedarf anspruchslos sei. Leider sei aber der Bedarf auf dem Markt begrenzt.

Linsen stellten für einzelne Betriebe durchaus eine Alternative dar. Auf zu guten Standorten seien sie aber nicht ganz unproblematisch, da bei zu vielen Nährstoffen die Abreife schlechter sei. Im Gegensatz zu den Vorjahren, wo Taubenfraß ein großes Problem darstellte, sei der Sojaanbau heuer gut gelungen. Im Sojabereich zeige sich derzeit eine sehr intensive Entwicklung. Viele neue Sorten kämen auf den Markt. Die Beikrautregulierung, betonte Schneck, sei aber bei Soja sehr aufwendig. Sieben Arbeitsgänge (Striegeln und Hacken) seien heuer für einen sauberen Bestand notwendig gewesen. Betriebe, die sich für den Sojaanbau interessierten, sollten sich genau überlegen, wie dies in den restlichen Betriebsablauf passe.

Die Kleebestände würden seit mehreren Jahren mit Schwefel gedüngt, was zu einer deutlichen Verbesserung des Aufwuchses geführt habe. Für die Zukunft wolle sich Schneck mit dem Umstand beschäftigen, dass auf Tiefe der Pflugsohle zunehmend Verdichtungshorizonte entstünden. Veränderungen in der Bodenbearbeitung könnten dem entgegenwirken.

Zum Abschluss der Führung bewirteten die Studierenden des dritten Semesters der Öko-Fachschule die Besucher. Die Möglichkeit zum Fachsimpeln wurde ausgiebig genutzt.

BN-Ausflug zur Saatgutvermehrung einheimischer Wildblumen und Wildgräser

Begrüßung am Krimmerhof
Abgepackte Samenmischungen für den Großhandel
Das Samenarchiv
Führung durch die Anbaubeete
Salbeipflanzenvermehrung
Samensauger
Samenstände der Trollbllume - Herr Krimmer erklärt...
 

Velden 02.07.2016. Wildblumenwiesen  gehören in eine intakte Landschaft. Darin finden Insekten, wie auch Bienen und Wildbienen genügend Nahrung um ihre Nachkommen zu ernähren. Weidetiere fressen Wildkräuter gerne und bleiben mit ihnen gesünder. Auch die Menschen haben Jahrhunderte lang diese Kräuter für Küche und Gesundheit genutzt. Wildkräuter bergen einen Schatz der wertvollsten Inhaltstoffe für Mensch und Tier. Wenn aber Wiesen jedes Jahr zwei bis drei Mal „geerntet“ werden, können Wildblumen nicht versamen und auf Dauer geht die Artenvielfalt zurück. Ohne Samen keine Vermehrung. Dabei würde es schon reichen, alle paar Jahre die Wiese erst Ende Juli zu mähen.

Letzten Samstag unternahm die BN Ortsgruppe Oberes Vilstal eine Fahrt zum Saatgutbauern Johann Krimmer nach Pulling bei Freising. Um 14:00 begann dort unsere Führung. Herr Krimmer zeigte uns seine Felder, auf denen er zur Zeit ca. 200 verschiedene Wildkräuter und –gräser vermehrt und anbaut.  In seinem gesamten Repertoire stehen bis zu 400 verschiedene Arten. Diese Samen werden nach Auftrag von verschiedensten Institutionen, wie Kommunen oder Naturschutzverbände vermehrt. Damit werden z. B. nach Baumaßnahmen die vorher örtlich geernteten und bei Krimmer vermehrten Samen genutzt, um die natürliche Vielfalt wieder herzustellen. Für gesetzliche vorgeschriebene Ausgleichsflächen besteht hoher Bedarf an standortgerechtem Saatgut. Auch fast ausgestorbene Pflanzen werden auf seinem Hof vermehrt um gefährdete Bestände wieder großflächiger aussäen und damit schützen zu können. Herr Krimmer produziert dabei für den Großhandel, leider fand daher zum Leidwesen der Mitfahrer auf seinem Hof kein kleinteiliger Verkauf für Endkunden statt.

Nach der Besichtigung einiger kleinerer Anbaugebiete auf seinen Äckern führte er uns durch seine Gebäude in denen Pflanzen und Samen nach der Ernte weiterbearbeitet werden. Viele unterschiedliche Maschinen werden dafür genutzt, die er zum großen Teil selbst entworfen und gebaut hat. Es gibt z. B. einen „Samensauger“: Dieser wird für die Ernte von Samen genutzt wenn auf einem Feld schon einzelne Pflanzen samenreif sind während ein Großteil des Bestandes noch blüht. Mit diesem Gefährt werden mehrmals während der Reifeperiode die reifen Samen von oben „aufgesaugt“.

Ebenso interessant war die Weiterverarbeitung der gemähten Pflanzen. Diese werden in Containern noch einige Tage mit kühler Luft durchgeblasen um noch unreife Teile zur Nachreife zu bringen, anschließend wird der gesamte Container auf Warmluft umgestellt und mit 35 Grad schonend getrocknet um die Keimfähigkeit zu erhalten. Auch hier hat Herr Krimmer mit bewundernswertem Ideenreichtum agiert. Die Warmluft für die Trocknung kommt aus einem „doppelten Dachaufbau“ wo aus dem aufgeheizten Luftraum des Daches die Warmluft gewonnen wird. Auch sonst arbeitet der Betrieb sehr ökologisch. Praktisch alle Energie für die Verarbeitung wird mit Photovoltaik und Solarthermie gewonnen, die auf sämtlichen Dächern der Betriebsgebäude installiert ist.

Auch bei Drusch, Säuberung und Sortierung der Samen gibt es etliche interessante selbstgebaute Maschinen. Über Walzen, Siebe, Absaugung oder spindelartige Maschinen wird „Spreu vom Saatgut“ sowie „rund von eckig“ getrennt. Für jede Samengröße und -gewicht gibt es die passende Einstellung einer Maschine.

Am Ende führte uns der Samenbauer noch in sein „Mischzentrum“ wo aus den verschiedenen Säcken und unzähligen kleinen Containern passgenaue Samenmischungen für die beauftragten Standorte gemischt werden. Dabei geht es nicht nur um die Art des Samens sondern auch um den Standort von dem er gewonnen wurde. Zukäufe oder „ortsfremde“ Samen gibt es nicht, Samen von Krimmer sind heimisch und werden für heimische Standorte gemischt.

Nach der fast 3-stündigen sehr interessanten und aufschlussreichen Führung fuhren wir in die „Plantage“, einen Waldbiergarten im Norden Freisings. Hier wurden bei Getränken und Essen noch viele Eindrücke besprochen und Gartentipps und Wissen ausgetauscht.  Nach einer Stunde begann es zuerst leicht, dann aber heftig zu regnen und so fuhr man mit dem Bus wieder zurück nach Velden. Auch im nächsten Jahr wird die BN Ortsgruppe eine Fahrt zu einem interessanten Ziel durchführen.

Wer stoppt das stille Artensterben?

Dr. Christine Margraf: „Auch für den Feldhasen – den Osterhasen – gibt es kaum noch Überlebensmöglichkeiten. Er steht in Deutschland bereits auf der Roten Liste“ - Foto: Heinz Tuschl
Die Feldlerche - früher ein Allerweltsvogel in der heimischen Feldflur, heute ist sie kaum mehr zu sehen und zu hören Foto: Heinz Tuschl

Landshut 22.03.2016: BN-Vortrag von Dr. Christine Margraf über den galoppierenden Artenrückgang in der Feldflur

Die moderne industriell betriebene Landwirtschaft ist der Hauptverursacher dafür, dass die Feldflur immer leerer und stiller wird: kaum mehr Vögel, Schmetterlinge und Blütenpflanzen. Dies untermauerte Dr. Christine Margraf, die Leiterin der BN-Fachabteilung München, am 22. März 2016 eindrucksvoll in ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe „Heimatlandschaft in Gefahr“ der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe vor zahlreichen interessierten Zuhörern im Gasthof zur Insel in Landshut.

Dabei war es jahrhundertelang gerade die traditionelle Landwirtschaft, die eine vielfältige und artenreiche Landschaft hervorbrachte, war doch Mitteleuropa ursprünglich ein Waldland: so waren etwa noch im 6. Jahrhundert 90 Prozent des Landes mit Wald bedeckt. Heute wird etwa die Hälfte der Fläche in Deutschland und auch in Bayern landwirtschaftlich genutzt, jedoch in einer Art und Weise, die alles andere als naturverträglich ist, stellte Christine Margraf fest. Anhand von Vorher-nachher-Aufnahmen veranschaulichte die Referentin, wie eintönig und ausgeräumt die Feldflur in den letzten 50 bis 100 Jahren geworden sei: der kleinräumige Strukturreichtum ist fast verschwunden und für Hase, Rebhuhn und Kiebitz gibt es kaum noch Überlebensmöglichkeiten.

Und, so betonte Margraf, trotz des schon lange bestehenden Biodiversitätsprogramms der EU konnten beim Artenschwund die Negativtrends nicht gestoppt werden, im Gegenteil, in den letzten Jahren haben sie sich – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – noch verstärkt. Bei jeder Aktualisierung wird die Rote Liste der gefährdeten Arten länger und desaströser. Margraf nannte dies ein Armutszeugnis ohnegleichen. So seien beispielsweise 56 Prozent der Tagfalter bedroht und knapp fünf Prozent bereits ausgestorben. Und bei den Kriechtieren sind gar 70 Prozent  bedroht. Viele naturbewusste  Menschen bemerken die Abwärtsentwicklung auch bei den Vögeln, gerade auch bei den – einstmals – häufigen „Allerweltsarten“: überall ein massiver, ungebremster Niedergang! So seien beispielsweise die Kiebitzbestände seit den 90er Jahren um gut 60 Prozent zurückgegangen.

Als schrecklich bezeichnete die Referentin die Erkenntnis einer NABU-Studie, nach der bei den Insekten die reine Biomasse in nur 15 Jahren um bis zu 80 Prozent abgenommen hat. Es zeige sich auch immer mehr, wie sehr zahlreiche Tiere unter den massiv ausgebrachten Giften, allgemein verharmlosend „Pflanzenschutzmittel“ genannt, leiden, so beispielsweise Amphibien mit ihrer empfindlichen Haut und Feldhasen (Auswirkungen auf die Spermienfruchtbarkeit). Auch innerhalb der Landwirtschaft sei bei Tieren und Pflanzen, so die Diplom-Biologin, eine enorme genetische Verarmung eingetreten: so seien seit 1990 drei Viertel der Nutzpflanzensorten verloren gegangen.

Weiterhin erwähnte Margraf die jahrzehntelang mit deutscher Gründlichkeit betriebene „Flurbereinigung“, die das Landschaftsbild radikal verändert habe. So sind 95 Prozent der Moore Bayerns zerstört oder degradiert worden, eine Tatsache, die auch unter dem Gesichtspunkt der Klimawirksamkeit (CO2-Speicherung) höchst bedenklich sei. In den letzten zehn Jahren habe sich das Gesicht der Landschaft auch dadurch stark verändert, dass immer mehr Grünland umgebrochen wurde – und meist in riesige Maisfelder verwandelt wurde. Und selbst das Grünland, das noch besteht, wird oft durch bis zu sechsmaliges Mähen und intensives Düngen entwertet. Dort lassen sich gerade noch dürftige 15 Arten zählen.

Anhand von aussagekräftigen Diagrammen illustrierte Margraf, dass im Landkreis Landshut die Massentierhaltung (Schwein und Rind) eine landschaftsunverträgliche Dichte erreicht habe – mit den bekannten Folgen für das Trinkwasser, welches zunehmend nitratbelastet ist. Die nötigen Futtermittelimporte richten zudem in den Anbauländern, insbesondere Brasilien und Argentinien, große Schäden an, indem die dortige Biodiversität zerstört wird. Angesichts all dieser Probleme plädierte die Referentin für eine schrittweise Rückkehr zu einer Art Kreislaufwirtschaft – weg vom unendlichen Wachstum und  weg von der Billigproduktion, die auch für die Landwirte in die Sackgasse führt. Nur sieben Prozent der bayerischen Bauern betreiben Ökolandbau. Auch diese Zahl müsse verdoppelt werden.

Trotz dieser düsteren Gesamtsituation ließ Margraf immer wieder ihren Grundoptimismus aufscheinen und die Zuversicht, dass man durchaus etwas bewirken kann, wenn Landnutzer und Umweltschützer gemeinsam an einem Strang ziehen und beharrlich kämpfen.

Großdemo in Berlin „Wir haben Agrarindustrie satt“ am 16. Januar 2016

Berlin 16.01.2016. 23.000 Menschen sind am Samstag den 16. Januar 2016 bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf die Straße gegangen, um bei der Großdemo in Berlin der Forderung nach einer neuen Politik für die Landwirtschaft Nachdruck zu verleihen. Warum? Weil die zunehmende Ausrichtung der Landwirtschaft auf den Export das Höfesterben in Deutschland und weltweit nicht stoppen kann. Weil die durch den internationalen Wettbewerb erzeugte Preisspirale die Produzenten zwingt, auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt immer billiger zu produzieren und dies nur über Investitionen in immer größere Ställe und weitere Mechanisierung möglich ist. Weil in diesem System kleine und mittelgroße Betriebe nicht mehr mithalten können und verschwinden.

Bauern auf der ganzen Welt sorgen für die Ernährung der Bevölkerung. Sie zu stützen und zu bilden ist eine vornehme Aufgabe reicherer Länder. Eine aggressive Exportpolitik von Billigfleisch und von Billig-Milchprodukten hingegen zerstört in den Ländern des Südens kleinbäuerliche Strukturen, führt zu Hunger, Armut und Verelendung und damit zu weiteren Flüchtlingsströmen.

Daher müssen die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft so gesetzt werden, dass Landwirte und das Lebensmittelhandwerk gesunde und ökologische Lebensmittel erzeugen und zu fairen Preisen und Marktbedingungen vorwiegend für den regionalen Markt erzeugen können - in Bayern, in Deutschland in Europa und weltweit. Wir stehen für Ernährungssouveränität und fordern einen internationalen Handel, der sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an den Interessen der Konzerne orientiert. Wir wollen ein Landwirtschafts- und Ernährungssystem, das niemanden zur Landflucht zwingt. Wir setzen auf bewährte Alternativen, bei denen Menschen, Tiere und Umwelt geachtet werden und Bauernhöfe eine Zukunft haben.


Feldversuche im ökologischen Landbau

Unter der Moderation von Schulleiter Johann Schneck (3. von links) stellten fünf Studierende der Öko-Fachschule ihre Meisterarbeitsprojekte vor (von links) Thomas Janasch und Adolf Hörl sowie (von rechts) Martin Schachner, Johannes Göbl und Alexander

Landshut 23.10.2015. In der Informationsreihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, die die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe zusammen mit der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, Landshut-Schönbrunn durchführt, stellten nach der Einführung durch die BN-Geschäftsstellen-Leiterin Brigitte Englbrecht fünf Studierende ihre Meisterarbeitsprojekte vor. An die hundert Teilnehmer interessierten sich am 23. November im Gasthof zur Insel in Landshut für die Ergebnisse der Meisterprojekte, die an der Öko-Fachschule von den Studierenden erarbeitet wurden. Schulleiter Johann Schneck führte als Moderator durch den Abend.

Adolf Hörl vom „Oamahof“ bei Gerzen eröffnete die Vortragsreihe mit der Vorstellung seiner Anbauergebnisse bei Sojabohnen. Die Aussaat erfolgte aufgrund der warmen Witterung schon Mitte April. Mehrmaliges maschinelles Durchhacken sei nötig gewesen, um die Sojabohnen unkrautfrei zu bekommen. Die verschiedenen Sorten bei Drillsaat und Einzelkornsaat zeigten vom Wuchs deutliche Unterschiede in dem trockenen Jahr 2015. Der Drusch erfolgte schon Ende August und Anfang September, wobei einige Hülsen aufplatzten. Sehr wichtig für einen guten Sojaertrag sei die hohe Fachkenntnis des Mähdrescherfahrers, da große Verluste von bis zu einem Viertel der Ernte möglich seien, die mit bis zu 800 Euro ökonomisch zu beziffern sind, gab Hörl zu bedenken.

Thomas Janasch befasste sich mit der Ertrags- und Qualitätsverbesserung bei Grünland.

Durch Schwefeldüngung und Nachsaat konnte der Ertrag und die Narbendichte gesteigert und die Grünlanderträge deutlich erhöht werden. Biobetriebe sollten auch auf die Schwefeldüngung bei Grünland ein Augenmerk legen, wenn beispielsweise mit einer zu geringen Menge an Mist oder Gülle gedüngt werde. Um Verbesserung der Michleistung ging es im nächsten Vortrag bei Johannes  Göbel aus dem Landkreis Schweinfurt. Mit der Inbetriebnahme einer zweiten Kraftfutterstation und gezielter Fütterung und Kotbeurteilung konnte die Leistung zwar nicht erheblich gesteigert werden, da die Trockenheit die Grünfütterung zunichte machte. Aber der Lerneffekt sei unheimlich groß gewesen.

Zur Reduzierung der Ammoniakverluste sollte der Versuch von Martin Schachner aus Gars am Inn beitragen. Die Behandlung der Gülle mit verschiedenen Zusätzen, wie effektive Mikroorganismen, Biolit, Pflanzenkohle, Bierhefe und separierte Gülle, wurden getestet. Die behandelte Gülle brachte der Meisteranwärter auf Grünlandparzellen aus. Es gab durchaus Mehrerträge bei separierter Gülle und Biolit, als auch bei Mehrfachzusatz. Jedoch die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes war nicht immer gegeben. Bei der Reduzierung der Ammoniumgehalte der Gülle seien die Ergebnisse uneinheitlich gewesen.                                                                                                                          

Zum Abschluss stellte Alexander Kern seinen Versuch vor. Der Betrieb in Modautal bei Darmstadt baut seit längerer Zeit Buchweizen zum Dreschen an. Buchweizen ist glutenfrei und für Allergiker interessant. Kern hatte für seinen Versuch eine Parzellenausstattung für Exaktversuche zur Verfügung. Sorten, Saatzeiten und Mischfruchtvarianten wurden verglichen. Leider konnten wegen der Trockenheit die üblichen Erträge von bis zu 25 dt/ha nicht erzielt werden. Aber die Unterschiede bei den Varianten, kamen dennoch zum Tragen. So hätten die höheren Saatstärken auch bessere Erträge gebracht. Von den Sorten her schnitt die kleinkörnige Sorte Kärnter Hadn auch im Ertrag schwächer ab.

Striegeln statt Spritzen

Mechanische Unkrautbekämfpung: Landwirte stellen Versuchsergebnisse vor

Rottenburg 27.07.2015. Im zweiten Jahr in Folge führten engagierte Landwirte den Versuch, Hackstriegeln statt
Spritzen, durch. Am Montag tauschten sich die teilnehmenden Landwirte, Vertreter des Wasserzweckverbands, des Bund Naturschutz und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie interessierte Bürger über die Ergebnisse
aus.

An dem Versuch nahmen Gerhard Patzinger, Stranz, Anton Lorenzer aus Münster und die Familie Wimmer, Steinbach teil. Volker Kahlert aus Niedereulenbach, der beim ersten
Versuch voriges Jahr dabei war, betreute das Projekt. Auf Getreideund Maisfeldern setzten die Teilnehmer die mechanische Methode des Hackstriegelns und des Harkens ein. Bei der Informationsfahrt berichteten sie von zufriedenstellenden Ergebnissen.  >> Mehr

Quellenhinweis: Bericht von Judith Heinrich, Rottenburger Anzeiger, vom 30. Juli 2015

Ökologischer Landbau und Artenschutz

Biobauer Martin Lackermeier (Dritter von rechts) und Naturschützer Johannes Selmansberger (rechts) führten zu ökologisch bewirtschafteten Fächen dreier benachbarten Biobauern

BN und Ökofachschule organisierten Felderbegehung zu drei benachbarten Biobauern

Vilsheim/Gessendorf 30.07.2015. „Dass Ackerbau nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus gut funktionieren kann, zeigt sich seit Jahren. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Einhaltung grundlegender Fruchtfolgegrundsätze.“ Dies war eine der Kernaussagen des langjährigen Naturland-Bauern Martin Lackermeier bei einem Felderrundgang entlang der eigenen und der Flächen der benachbarten Biobauern Josef Priller und Emil Forster im Raum Gessendorf in der Gemeinde Vilsheim. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, welche von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wurde. Neben Martin Lackermeier und rund 50 Teilnehmern begrüßte der stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, Paul Riederer, die Biobauern Emil und Felix Forster sowie den Vorsitzenden der BN-Ortsgruppe „Kleines Vilstal“, Johannes Selmansberger, der die Zusammenhänge zwischen dem ökologischen Landbau und dem Artenschutz erläuterte.

Eingangs stellte Lackermeier seinen Betrieb vor. Er bewirtschafte einen Gemischtbetrieb mit etwa 20 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche mit Ackerbau, Grünland, Ochsen- und Schweinemast mit Direktvermarktung. Bereits 1986 habe er umgestellt und sei damals einer der ersten Biobauern im Landkreis gewesen. Der Nachbarbetrieb von Josef Priller mit etwa 35 Hektar Ackerland und noch etwas Grünland wird seit sechs Jahren ökologisch bewirtschaftet. Sein Zweitbetrieb in den neuen Bundesländern werde ebenfalls ökologisch bearbeitet. Emil Forster bewirtschaftet zusammen mit seinen Söhnen Emil und Felix in Oberfroschham etwa 35 Hektar (überwiegend Ackerbau) seit 12 Jahren ökologisch. Angebaut werden Kleegras, Winterweizen, Winterroggen und Ackerbohnen. Beide Betriebe sind Mitglied beim Anbauverband Naturland, informierte Lackermeier.

Vor einem sehr schönen Rotkleebestand von Josef Priller ging Lackermeier auf die Bedeutung der alten landwirtschaftlichen Kulturpflanze Klee ein. Der Klee sei eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Pflanze im ökologischen Landbau verdeutlichte der Referent. Dies aber nicht nur für den rinderhaltenden Biobauern, sondern als Stilllegung auch für den viehlosen Betrieb. Mit seinem üppigen Wurzelwerk sorge der Klee für einen lockeren Boden, erschließe Nährstoffe auch in tiefen Bodenschichten und trage wesentlich zum Bodenaufbau bei. Durch die Schnittnutzung, fuhr Lackermeier fort, sei der Klee ein unerlässlicher Beitrag zur Beikrautregulierung im Ökolandbau. Speziell die Ackerkratzdistel werde durch häufiges Mähen stark zurückgedrängt. Es sei ein Jammer, bedauerte der Biobauer, dass diese ackerbaulich so wertvolle Pflanze in der konventionellen Landwirtschaft durch den Mais, der für den Boden kaum Positives bringe, so ins Abseits gedrängt worden sei. Die Mais-Lobby habe hier ganze Arbeit geleistet.

Vor seinem Kartoffelfeld stellte Lackermeier fest, dass man bei den heurigen Frühjahrsaussaaten die beiden vergangenen frostarmen Winter gemerkt habe. Die Frostgare, welche im Frühjahr normalerweise für lockere Böden sorge, war kaum vorhanden. In Bezug auf die reichlich vorhandenen Kartoffelkäfer und deren Larven stellte Naturschützer Johannes Selmansberger bedauernd fest, dass ein natürlicher Feind des Käfers, das Rebhuhn, in unseren Fluren kaum mehr vorkomme.

Während des Rundgangs erläuterte der erfahrene Biobauer auch die grundlegenden Fruchtfolgegrundsätze im Ökolandbau. Wichtig sei ein Wechsel zwischen Boden auf- und abbauenden Kulturen. Auch die Wirkung der Nutzpflanzen bei der Beikrautregulierung sei zu berücksichtigen. Nach dem unerlässlichen Klee (oder Kleegras) folge in der Regel der Weizen, da dieser zur Erreichung einer guten Backqualität einen hohen Stickstoffbedarf habe. Anschließend kämen Roggen als Speisegetreide oder Triticale zum Füttern, beides Kulturen mit einem geringeren Nährstoffbedarf und einer guten Beikrautunterdrückung. Danach könne eine Körnerleguminose (Ackerbohne, Erbsen, Soja) folgen. Hier sollte berücksichtigt werden, dass in den letzten Jahren bei den Erbsen aber zunehmend Wurzelerkrankungen aufgetreten seien, möglicherweise aufgrund von negativen Wechselwirkungen verschiedener Leguminosen. Nach einer stickstoffsammelnden Körnerleguminose könnte nochmals Weizen ausgesät werden. Die eher anspruchslosen Dinkel und Hafer könnten am Ende einer Fruchtfolge stehen, verdeutlichte Lackermeier.

BN-Ortsgruppenvorsitzender Johannes Selmansberger stellte bei der Führung, die auch zu einem inmitten der Ökoflächen liegenden wertvollen Biotop ging, die enorme Bedeutung des ökologischen Landbaus für den Artenschutz heraus. Im Gegensatz zu intensiv genutzten konventionellen Mais- und Getreideflächen mit ihren dichten Beständen, böten die Ökoflächen aufgrund der lichteren Bestände und der Artenvielfalt Lebensräume für viele Tierarten, deren Anzahl auf intensiv bewirtschafteten Flächen seit Jahren massiv zurückgehe. So fänden beispielsweise Feldlerchen auf Ökofeldern Platz zum Brüten und die Bienen freuten sich über blühende Klee-, Ackerbohnen- und Erbsenfelder, zeigte sich Selmansberger begeistert.

Anschließend wurde noch die Ochsenmast von Martin Lackermeier besichtigt. Die Tiere würden in einem Laufstall (Tretmiststall) mit offener Front und Auslauf ins Freie gehalten. Die Liegeflächen seien eingestreut. Die Jungtiere kaufe er, so der Biobauer, als Fresser von einem langjährigen Biobauernkollegen. Die Schlachtung erfolge im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren. Die Fleischvermarktung geschehe in Zusammenarbeit mit einer kleinen Metzgerei in der Nähe direkt an den Endverbraucher.

Versuchsfeld liefert nützliche Erkenntnisse

Schulleiter Johann Schneck (mit Megafon) führte zu den einzelnen Parzellen des Versuchsfeldes der Fachschule für ökologischen Landbau
Auch die seltene Ackerblume – die Kornrade – war zu sehen

Die Öko-Versuchsfeldführung fand auch heuer wieder sehr großen Zuspruch

Landshut 21.07.2015. Dicht gedrängt standen die Interessenten kürzlich am Rande des Versuchsfeldes der Fachschule für ökologischen Landbau in Landshut-Schönbrunn bei der diesjährigen Führung, die von der Fachschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe veranstaltet wurde. Schulleiter Johann Schneck zeigte sich angesichts der rund 150 Besucher, darunter aktuelle und ehemalige Studierende der Fachschule, Anbauberater und zahlreiche Biobauern, sehr erfreut und führte wie gewohnt fachkundig und engagiert durch die vielen Anbauparzellen.

Zu Beginn stellte Schneck die Daten des Versuchsfeldes dar. Es liegt im Isartal auf 385 Meter über Normalnull. Die Jahresniederschlagsmenge liege bei 700 Millimeter. Bodenart sei sandiger bis schluffiger Lehm auf kalkhaltigem Isarterrassenschotter und habe deshalb einen hohen pH-Wert. Der Boden sei wasserdurchlässig und deshalb gut befahrbar. Negativ seien die Neigung zu Trockenschäden und die unterschiedlichen Bodenverhältnisse, was Exaktversuche ausschließe. Trotzdem liefere das Feld viele interessante Erkenntnisse für den Schulunterricht und für aktive Biobauern, betonte der Schulleiter.

Die Fruchtfolge, fuhr Schneck fort, bestehe aus Klee, Wintergetreide, Sommerungen, Körnerleguminosen und nochmals Wintergetreide. Auf den ersten Parzellen seien im Herbst Gelb-, Weiß- und Inkarnatklee ausgebracht worden. Hier wurden auch heuer wieder Versuche mit Schwefeldüngungen als Patentkali und Bittersalz durchgeführt. Reiner Klee, so Schneck, reagiere sehr positiv auf Schwefel. Die Erträge seien annähernd doppelt so hoch wie auf den ungedüngten Parzellen. Zur Distelbekämpfung sei auch heuer wieder Wickroggen als Zwischenfrucht angesät worden. Der dichte Bestand und die gute Durchwurzelung entziehe den Disteln den Lebensraum und dränge diese deshalb stark zurück, verdeutlichte der Referent.

Beim Winterweizen experimentierte Schneck heuer mit mehreren neuen Sorten. So ergibt sich ein deutlich ausgeweitetes Sortenspektrum. Die Aussaat des Weizens erfolge wegen des anstehenden Schulbeginns bereits Anfang Oktober. Er habe aber damit keine schlechten Erfahrungen gemacht, so Schneck. Bei den Braugersten stellten im Ökolandbau weiterhin die kurzen bis sehr kurzen Sorten ein Problem dar, da die Beikrautunterdrückung sehr schwierig sei, bedauerte der engagierte Pflanzenbauer. Das „Highlight“ des diesjährigen Versuchsfeldes, verdeutlichte Schneck, seien die Haferbestände nach einer guten Zwischenfrucht als Gründüngung. Stolz sei er auch über eine Reihe von vom Aussterben bedrohten Ackerwildkräutern, wie der Kornrade, dem Sommer-Adonisröschen oder dem Ackerrittersporn, die auch heuer im Versuchsfeld vorkommen.

Die Veranstaltung endete mit einer Bewirtung durch die Studierenden des dritten Semesters und der reichhaltigen Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch im Kollegenkreis.

Permakultur - Eine Landschaft, die man essen kann

Interessierte Besucher bei der Führung durch den Waldgarten von Hannelore Zech (dritte von rechts, grüne Jacke) bei der Erklärung eines Extensivbeetes.

Velden. Keine Lust mehr auf konventionelles Gärtnern, weil die Schnecken den Salat und die Zucchini fressen und die Raupen den Kohl? Dann wird es Zeit für mehr Natürlichkeit. Der Garten ist total entgleist, alle Kräfte der Natur wenden sich scheinbar gegen die Bemühungen des Menschen. Und doch ist genug zum Essen da. Man kann lernen, wie man mit der Natur wirtschaftet, dabei gesünder lebt, den Boden schont, Nützlingsecken im Garten anlegt und auch wieder Freude am Kulturgemüse bekommt. Werden die Gemüsebeete nicht mehr gehackt  “ verunkrauten“ sie. Aber „Unkräuter“ gibt es nicht mehr, diese heißen jetzt „unerwünschte Beikräuter“. Doch genau diese bergen oft einen Schatz an wertvollen Inhaltstoffen für den Menschen, ein vielfaches mehr als hochgezüchtetes Kulturgemüse.  Ohne chemische Düngung und Pestizide und ohne den Boden auszulaugen.

Letzten Samstag unternahm die BN Ortsgruppe Oberes Vilstal eine Fahrt zum Mienbacher Waldgarten. Um 14:00 begann dort unsere Führung unter der Leitung von Hannelore Zech, der Eigentümerin des Permakulturgartens. Frau Zech stellte uns ihren Garten vor und zeigte uns wie man sich aus dem Garten ernähren kann und zwar mit allem was dort wächst. Die Gestaltung ihres Gartens durch Permakultur bringt nicht nur den Menschen viele Vorteile, sondern der ganzen Umwelt. Gemeint sind hier die Luft, die Wildtiere, das Bodenleben. „ Der Wurm ist der Ochs des armen Mannes“, mit diesem Zitat erläuterte sie die Anbaumethoden der Permakultur. Pflanzlicher Abfall, Kleintiermist und -streu und Schnittgut wird auf die Anbauflächen aufgetragen und zwar nicht nur an Beginn und Ende der Wachstumsphasen sondern während des ganzen Jahres. Viele verschiedene Pflanzen wachsen auf den Beeten und bilden dabei kleine Ökosysteme, die sich gegenseitig helfen. Die Bodenlebewesen wandeln die darauf liegende Biomasse laufend in Humus um, der für das Wachstum der Pflanzen von immenser Bedeutung ist. Der Boden liegt nicht offen, weitere „Unkräuter“ haben wenig Chancen zum Wachstum und Gießen wird meist überflüssig, da die Krume nicht austrocknen kann.

Wie schaut dann so ein Garten aus? Für konventionelle Gärtner eher wie „Wildnis“, für Naturliebhaber einfach herrlich.  „Eine Oase in der bayerischen Kulturlandschaft“, so bezeichnete Frau Zech ihren Garten. Er unterscheidet sich durch seinen bunten, durchgehenden Bewuchs wirklich deutlich von den leergeräumten Feldern rundum, auf denen immer nur eine Pflanze wachsen darf.  Werden dann noch Nützlingsbiotope wie Steinmauern  oder –haufen, Totholzhaufen, kleine Teiche und Insektenhotels eingebaut, erhält der Garten Struktur und der ökologische Wert steigt um ein Vielfaches. Nützlinge wie Eidechsen und viele Vögel finden Platz zum Leben und helfen dem Gärtner bei der Schädlingsbekämpfung. So entsteht eine Landschaft, die man essen kann. Natürlich kann man nicht die Landschaft essen, sondern was in ihr wächst. Und das sind nicht nur die üblichen Pflanzen wie Salat, Zucchini, Tomaten. Die Besucher erfuhren viel über essbare Kräuter, Gemüse und Beeren, die viele noch nicht kannten und die in früheren Zeiten ganz selbstverständlich zum Nahrungsangebot in Bauerngärten gehörten. Topinambur und Baumspinat sind dabei nur zwei Beispiele. Wenn die Schnecken so wie in diesem Jahr den gesamten Salat auffressen, kann man auf Salate und Gemüse ausweichen, die diesen Tieren nicht so gut schmecken.

Am Ende der 2 ½ stündigen Führung stärkte sich die Gruppe mit Kaffee und Kuchen und es wurde viel fachgesimpelt. Anschließend ging es mit dem Bus wieder zurück nach Velden. Nachdem diese Fahrt großen Anklang gefunden hatte, hat sich die BN Ortsgruppe entschlossen in Zukunft ähnliche Fahrten zu unternehmen.

Und die Kühe schauten zu

Paul und Edeltraud Zehetmeier (Vierter und Sechste von rechts) stellten ihren Bio-Hof mit Milchviehhaltung vor. Martin Lackermeier (rechts) wies auf die derzeitige Situation des Ökolandbaus hin. Foto: Josef Gerbl
Die große Besuchergruppe besichtigte auch die Kurzrasenweide neben der Großen Vils. Auch neugierige Kühe schauten zu. Foto: Josef Gerbl

Der Bund Naturschutz organisierte die Besichtigung des Biohofes Zehetmeier in Streunweinmühle

Vilsbiburg/Streunweinmühle.  „Schon nach einer kurzen Zeit als Biobauern haben wir es bedauert, nicht schon viel früher auf ökologischen Landbau umgestellt zu haben.“ Diese Feststellung traf Paul Zehetmeier bei einer Besichtigung seines Biohofes in Streunweinmühle bei Vilsbiburg. Die Besichtigung, die einen sehr großen Besucherzuspruch fand, war Teil der Informationsreihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, welche derzeit von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn durchgeführt wird.

Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe ging in seiner Einführung auf die derzeitige Situation des Öko-Landbaus in Bayern ein. Nachdem in den vergangenen Jahren der Öko-Markt in deutlich größerem Maße zunahm als die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Bauern, hätten sich die Rahmenbedingungen, die eine Umstellung von konventioneller zur ökologischen Landwirtschaft reizvoll machten, in den vergangenen Monaten gravierend verändert. Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der ja eine deutliche Zunahme des Öko-Landbaus in Bayern bis 2020 will, habe die Förderung der Ökobauern im bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) deutlich verbessert, sowohl bei der Flächenprämie als auch bei der Kombination einzelner Fördermöglichkeiten. Außerdem seien im vergangenen Jahr die konventionellen Erzeugerpreise beim Getreide als auch bei der Milch erheblich zurückgegangen. Der größere Abstand zu den Biopreisen müsste auch einen Anreiz zur Umstellung darstellen, erläuterte Lackermeier.

Anschließend stellten Paul und Edeltraud Zehetmeier ihren Betrieb, der seit 2008 ökologisch bewirtschaftet wird und Mitglied beim Anbauverband „Biokreis“ ist, vor. Bewirtschaftet werden, so Zehetmeier, 58 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 31 Hektar Acker- und 27 Hektar Grünland. Auf den Feldern würden Weizen, Kleegras, Silomais, Triticale, Ackerbohnen und Dinkel angebaut. Der Viehbestand, berichtete der Biobauer weiter, bestehe aus 70 Milchkühen plus Jungtieren. Diese würden in einem Laufstall, der bereits 1978 erbaut wurde, sowie in Ausläufen und auf der Weide gehalten. Vor einigen Jahren habe der Betrieb die immer schwieriger werdende Situation auf dem Pachtmarkt negativ zu spüren bekommen, als eine größere Pachtfläche verloren ging. Dadurch sei der Viehbestand, so Zehetmeier, im Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche zu hoch geworden. Erfreulicherweise habe man aber im Bayerischen Wald einen Partnerbetrieb gefunden, der die Jungtieraufzucht übernehme. 

Auf der Weide praktiziere man das System der Kurzrasenweide. Hier werde der Aufwuchs durch gezieltes Beweiden relativ kurz gehalten. So sei das Futter immer frisch und enthalte viel Energie. Da die Weideflächen in Hofnähe ziemlich groß seien, müsse bei normaler Witterung in der Weidesaison im Stall nicht mehr viel zugefüttert werden. Eingesetzt würde ausschließlich eigenes Futter, betonte der Biobauer. Nicht unproblematisch sei die Lage der Weideflächen direkt neben der Großen Vils. Bei Hochwasser würden fast alle Flächen überschwemmt. Aufgrund der Nässe und der Verschmutzung des Aufwuchses müssten die Kühe dann einige Zeit im Stall bleiben. Die meiste Milch, berichtete Edeltraud Zehetmeier, werde an eine bekannte Biomolkerei in Andechs geliefert. Ein kleiner Teil werde von einem auswärtigen Käser abgeholt und zu Schnittkäse in verschiedenen Geschmacksrichtungen verarbeitet. Der Verkauf erfolge dann neben anderen Bioprodukten im eigenen kleinen Hofladen. Angesprochen auf die Tiergesundheit, berichtete das Biobauernehepaar, dass auftretende Krankheiten überwiegend homöopathisch behandelt würden. Am besten sei aber eine Gesundheitsvorsorge über die Haltungsform mit viel Bewegung, Frischluft und frischem Futter. Man akzeptiere auch eine etwas geringere Milchleistung, da dies durch eine bessere Tiergesundheit und eine höhere Lebensleistung der Kühe kompensiert werde.

Zum Abschluss der interessanten Führung wurden die Besucher noch mit einer Brotzeit aus eigenen Erzeugnissen bewirtet und es gab noch reichlich Gelegenheit zum Fachsimpeln. Auch wies Martin Lackermeier auf die nächste Öko-Veranstaltung hin: Am 29. Juni wird ab 19 Uhr im Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn das Versuchsfeld mit verschiedenen Kulturarten, Sortenversuchen und Anbaumethoden der Fachschule für ökologischen Landbau vorgestellt.

Das Innenleben einer Ökomühle

Mühlen-Vorstand Michael Hiestand (rechts) führte durch die Mühle und erklärte den Weg vom Ökokorn zum Biomehl

Vom Getreidekorn zum Biomehl – BN organisierte Mühlenbesichtigung

Auf eine sehr große Resonanz stieß die Besichtigung des größten Verarbeiters von Ökogetreide in Deutschland, der Landshuter Meyermühle. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, die derzeit von der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wird. Michael Hiestand, geschäftsführender Vorstand der Mühle, stellte eingangs fest, dass man nicht nur ökologisch erzeugtes Getreide zum Biomehl verarbeite, sondern dass der ökologische Gedanke wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie sei. So werde beispielsweise die Pkw-Flotte mit Pflanzenöl betrieben und etwa ein Drittel des verbrauchten Stroms selber mit Wasserkraft erzeugt. Außerdem habe man seit 20 Jahren eine Öko-Audit-Zertifizierung. Während des mehrstündigen Rundgangs durch die Mühle zeigten und erklärten Michael Hiestand und Betriebsleiter Michael Hemmer den über hundert Teilnehmern den Produktionsablauf vom Getreidekorn bis zum Biomehl.

Martin Lackermeier, Fachbeirat der BN-Kreisgruppe und Gruppensprecher der Landshuter Naturland-Bauern, stellte fest, die Biobauern im Landshuter Raum seien sehr froh, einen so bedeutenden Getreideverarbeiter in so räumlicher Nähe zu haben. Auch aus eigener Erfahrung könne er feststellen, dass die Meyermühle über lange Jahre ein sehr verlässlicher Partner der Biobauern sei.

Verstummt das Summen der Bienen?

Die Blüte einer Witwenblume bietet sowohl einer Honigbiene als auch einer Steinhummel Nahrung

Vortrag von Johannes Selmansberger beim Bund Naturschutz über die Ursachen des alarmierenden Bienensterbens

Vilsheim. Über ein Thema, das keinen kalt lassen kann, referierte der Imker und Vorsitzende der BN-Ortsgruppe „Kleines Vilstal“, Johannes Selmansberger, vor über 50 interessierten Zuhörern im Gasthof Stadler. Anschaulich zeigte der Referent die Jahrtausende alte Beziehung zwischen Mensch und Honigbiene auf. So stufte er die Biene nach Rind und Schwein als das drittwichtigste Nutztier des Menschen ein. Mit schockierenden Zahlen belegte Selmansberger den dramatischen Rückgang der Bienenvölker in Deutschland, die sich seit 1991 von einer Million auf rund 600 000 verringerten.  Fachlich sorgfältig recherchiert und mit Fotos anschaulich erklärt erläuterte er den Zuhörern die Ursachen des weltweiten alarmierenden Rückgangs der Honigbienen.

Der Referent zeigte in seinem Vortrag viele Details auf: Wer weiß schon, dass eine Biene nur 0,1 Gramm wiegt, mit fünf Augen sieht und über 450 Volt Oberflächenspannung bei der Rückkehr zum Stock haben kann? Selmansberger  lieferte imposante Zahlen zum Nutzen von Bienen: dass beispielsweise aus einem Bienenstock in 100 000 Zellen 1,2 Kilogramm Wachs produziert werden, die wiederum aus einzelnen 0,0008 Gramm wiegenden Schuppen gebildet werden, oder dass die jährliche Bestäubungsleistung der Bienen auf 265 Milliarden Dollar geschätzt wird. Der Vortragende verstand es, die Zuhörer über die Wunderwelt der Bienen zum Staunen zu bringen:  200 000 Eier legt die Königin pro Jahr, in ihren fünf Lebensjahren sind das eine Million Eier! Dabei entscheidet die Königin, welche Eier sie zu Arbeiterbienen befruchtet und aus welchen unbefruchteten Eiern Drohnen schlüpfen. Der Energiebedarf einer Biene pro Minute entspricht einem Zehntel ihres Körpergewichts. Auch Fachbegriffe, die jedem Imker geläufig sind, wie Schwarmintelligenz, Schwänzeltanz oder Gelee Royal, das für Langlebigkeit der Bienenkönigin sorgt, fehlten in diesem Vortrag nicht.

Und natürlich wurde das Thema Honig, den Selmansberger als „gespeicherte Sonnenenergie“ bezeichnete, nicht ausgespart. So erfuhren die Zuhörer, dass ein Bienenvolk 300 Kilogramm Honig im Jahr erzeugt, wovon die Bienen 90 Prozent selber verbrauchen. Dass Honig nicht nur ein Süßungsmittel, sondern ein sinnvolles Lebensmittel ist, das auch als Medikament eingesetzt wird, veranschaulichte der Referent mit einer Grafik, die alle Inhaltstoffe wie Fermente, Vitamine oder Minerale aufzeigte. Die Deutschen seien große Honigverbraucher, aber 80 Prozent des verkauften Honigs würden importiert und unzureichend gekennzeichnet, monierte der Referent.

Im zweiten Teil des Vortrags ging Selmansberger auf die Ursachen des weltweiten Bienensterbens ein. Ein großes Problem aus Sicht der Imker seien die großen Mengen der in der Landwirtschaft eingesetzten chemischen Mittel, welche nachweislich einen schädlichen Einfluss auf die Vitalität der Bienenvölker haben. Noch nie seien weltweit so viele Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt worden wie heute. Vor allem die immer häufiger verwendeten Neonikotinoide, welche teilweise über 7000 mal giftiger seien als das längst verbotene DDT, hätten sehr negative Auswirkungen auf die Bienen, da sie auch im nicht tödlichen Bereich erhebliche Schäden an der Gesundheit eines Bienenvolkes anrichten können, so Selmansberger. Die EU habe nun für drei dieser Beizmittel ein zweijähriges Anwendungsverbot erlassen. Dagegen klagen aber die großen Chemiekonzerne. Verschiedene Gifte würden überdies nicht nur bei Bienen, sondern bei allen anderen Insektenarten und durch die Nahrungskette auch bei Singvögeln zu einem drastischen Rückgang führen. Das Bundesumweltamt bestätige eine Todesrate von 100 Prozent bei Amphibien. Der Referent führte zur Untermauerung seiner Thesen wissenschaftliche Studien aus Frankreich, Niederlande und Belgien an. Von den Chemiekonzernen bezahlte Studien führten verständlicherweise stets zu verharmlosenden Ergebnissen. Oftmals würde  die Schädlichkeit verharmlost, indem man den Rückgang der Biene allein auf das Auftreten der Varroa-Milbe zu schieben versuche, so der Referent. Er bedauerte, dass der Bauernverband Unterschriften für die Wiederzulassung der momentan verbotenen Pestizide sammle.

Neben der Agrochemie lleiden die Bienen zunehmend an einem Mangel beim Nahrungsangebot, verdeutlichte Selmansberger mit zahlreichen Bildern. Landschaften würden ausgeräumt, Feldraine umgepflügt. Blumenwiesen gäbe es kaum noch. Die noch vorhandenen Wiesen kämen durch häufige Schnittnutzung und intensive Düngung nicht mehr zum Blühen. Eine rühmliche Ausnahme sei das Gebiet südlich von Vilsheim mit den Vilswiesen und dem Ziegelberg. Diese Kulturlanschaft bezeichnete Selmansberger als Bienenparadies. Er zeigt sich hocherfreut, dass hier viele Landwirte sehr naturverträglich wirtschaften. Dies habe auch einen sehr positiven Effekt auf die gesamte Artenvielfalt. Hier fänden die Bienen ausreichend vielfältige Pollennahrung, die für den Aufbau und die Überwinterung der Völker mit entscheidend sei.  In Gebieten mit einer großen Biogasanlagendichte und den vielen „Maiswüsten“  sei dies nicht mehr gegeben, bedauerte Selmansberger. Die zum Teil unzureichenden Lebensbedingungen für Bienen auf dem Lande verleite viele Imker dazu, nach der Rapsblüte ihre Bienenstöcke in der Stadt aufzustellen.  Die vielen Parks und Gärten seien ein besserer Lebens- und Nahrungsraum als die ausgeräumte Agrarlandschaft. Um die Bienen zu retten, sei eine Agrarwende von Nöten. Lebensräume müssen neu gestaltet werden, der Gifteinsatz in der Landwirtschaft müsse minimiert werden.  Die Politik sei gefordert, hier entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Imkerei auf dem Lande stehe und falle mit der multifunktionalen kleinbäuerlichen Landwirtschaft, betonte Selmansberger am Schluss seines Vortrags, an den sich eine rege Diskussion anschloss.

Regenwürmer – wichtige Nützlinge

Roswitha Walter referierte über die Regenwürmer als wichtige Nützlinge für Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität

Vortrag von Roswitha Walter über die positiven Auswirkungen eines guten Regenwurmbestandes

„Die Regenwürmer fördern durch ihre vielfältigen Leistungen die Bodenfruchtbarkeit und sind Zeiger eines biologisch aktiven Bodens“. Dies war eine Kernaussage von Roswitha Walter vom Institut für ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan bei ihrem Vortrag zum Thema „Regenwürmer – wichtige Nützlinge für Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität“ im Gasthof „Zur Insel“ in Landshut. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, welche derzeit von der Kreisgruppe Landshut des Bund Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wird.

In seiner Einführung stellte Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe fest, dass Regenwürmer für Landwirtschaft und Gartenbau ungeheuer wichtig und unerlässlich seien. In der heutigen, häufig von einseitigen Fruchtfolgen gekennzeichneten Landwirtschaft hätten sie aber oft einen schweren Stand.

Roswitha Walter stellte zu Beginn ihres Vortrages fest, dass Regenwürmer die wichtigste aktiv das Bodengefüge verändernde Tiergruppe seien. Sie lockerten und belüfteten den Boden, ihre Röhren dienten als Drainagen zum Eindringen von Niederschlägen in den Boden und zur Reduzierung der Bodenerosion. Ferner würden Verkrustungen aufgebrochen und die Sauerstoffversorgung im Boden verbessert. Vor allem in schweren Böden könnten Regenwürmer auch sehr wichtig für eine bessere Wurzelausbildung der Nutzpflanzen sein.

Anschließend ging die Referentin auf die enormen Durchmischungsleistungen der Regenwürmer ein. Organisches Material wie Stroh, Mist, Gülle oder Mulch würden in den Boden eingemischt. Die Verrottung und die Nährstoffnachlieferung würden dadurch beschleunigt. Die Feindurchmischung von organischem Material und Mineralerde im Darm der Regenwürmer könne kein Bodenbearbeitungsgerät leisten. Zur Verdeutlichung der umgesetzten Mengen stellte Roswitha Walter fest, dass auf einem Hektar Ackerfläche im Zeitraum von der Getreideernte bis zur Maisansaat im nächsten Frühjahr bis zu sechs Tonnen Stroh eingemischt werden könnten.

Regenwürmer schafften mit ihrem Röhrensystem und ihrem Kot aber auch günstige Bedingungen für viele andere nicht grabende Bodenlebewesen. Sie seien selbst aber auch Beute für Käfer und Vögel und förderten somit auch die Biodiversität, verdeutlichte die Referentin.

Unterschieden würden die Regenwürmer nach den Bodenschichten, in denen sie lebten. Streubewohner lebten nahe der Bodenoberfläche und bildeten kaum Röhren im Boden. Endogäische Arten lebten im Mineralboden bis zu etwa 60 cm Tiefe. Sie graben ständig horizontale Röhren und sorgten für eine Feindurchmischung. Die Tiefgräber legten nahezu senkrechte Röhren bis in den Unterboden an und brächten Pflanzenreste bis in tiefe Bodenschichten.

Maßnahmen zur Förderung des Regenwurmbestandes, fuhr Roswitha Walter fort, seien reichhaltige Fruchtfolgen (möglichst mit Klee- oder Luzerne-Gras-Gemengen), organische Düngung (Mist, Gülle, Gründüngung, Stroh), reduzierte Intensität der Bodenbearbeitung (nicht so viel Pflügen, Vermeiden von Bodenverdichtungen), kleinräumige Nutzungsvielfalt und unbewirtschaftete Teile wie Randstreifen und Hecken. Natürlich seien auch Agrarumweltmaßnahmen, wie die Umstellung zum ökologischen Landbau, Winterbegrünungen, Mulchsaat und die Anlage von Blühstreifen positiv. Die Möglichkeiten, den Regenwurmbestand zu fördern, seien vielfältig. Wichtig sei es, die einzelnen Glieder des Bewirtschaftungssystems optimal aufeinander abzustimmen, verdeutlichte die Referentin abschließend.

BREITES BÜNDNIS FORDERT ABSCHAFFUNG VON TIERFABRIKEN, UND AUSSTIEG AUS FREIHANDELSABKOMMEN TTIP

Landshuter demonstrieren vor dem Bundeskanzleramt

Berlin 17.01.2015. Ein breites Bündnis aus Umwelt-Verbraucher-, Bauernorganisationen und entwicklungspolitischen Initiativen rief erneut zu Protesten anlässlich der Grünen Woche 2015 in Berlin auf. "Die Leistungsschau der Agrarindustrie auf der grünen Woche trifft nicht mehr die Wünsche der Verbraucher und vieler Bauern, die Bauern bleiben wollen", so Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN und BUND, einer der Hauptredner bei der Kundgebung am 17.Januar. "Wir benötigen Obergrenzen für Tierställe und Umbau zu artgerechten Haltungssystemen, in denen die Tiere gesund bleiben und zwar möglichst ohne Antibiotikaeinsatz. Betriebe, wie die des agrarindustriellen Straathof, der wegen permanenter Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in das Visier der Ermittler gelangt ist, müssen endlich ganz gestoppt werden, auch in Bayern, weil deren Haltungsbedingungen zwangsläufig zum Einsatz von Antibiotika und anderen negativen Folgeerscheinungen führen", so Weiger.

Weitere Themen der Kundgebung waren die drohende Neuzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen zum Anbau in der EU, und die geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada und den USA, CETA und TTIP.

Unter den lt. Veranstalter genannten 50.000 Demonstration befanden sich auch viele Landshuter, welche extra zu dieser Kundgebung nach Berlin gereist waren. Sie forderten ein politisches Umdenken von der Kanzlerin.

Heinrich Inkoferer, BN Kreisgruppe Landshut, hat erneut viele Eindrücke von der Kundgebung fotografisch erfasst und stellt diese zur Ansicht unter https://www.flickr.com/photos/114961713@N07/sets/72157650352720032/

Schutzbündnis Tier und Umwelt Landshut gegründet

Die Firma VION hat einen Antrag auf Erweiterung des Schlachthofes auf eine Kapazität von 21.000 Schweine pro Woche gestellt. Das bedeutet, dass in Landshut in Zukunft mehr als eine Million Schweine pro Jahr geschlachtet werden, was die gegenwärtige Zahl der Schlachtungen fast verdoppelt. Diese Pläne haben bei Bekanntwerden in der Öffentlichkeit bereits erhebliche Proteste ausgelöst.

Wo massenhaft Tiere „produziert“ werden, wie im Landkreis Landshut, müssen auch  massenhaft Tiere im Akkord  und mit möglichst automatisierter Technik getötet werden und umgekehrt. Laut Agrarbericht des Bayerischen Landwirtschaftsamtes wurden im Jahr 2012 im Landkreis Landshut 371.500 Schweine gemästet. Seither sind weitere Schweinemastplätze genehmigt und gebaut worden. Sollte die Schlachtkapazität am Schlachthof Landshut wie geplant erhöht werden, ist der Bau von weiteren Schweinemastställen vorprogrammiert trotz Trinkwasserprobleme (Nitrat- und Pestizidgrenzwerte werden in manchen Brunnen überschritten) und trotz des zunehmenden Protestes der von einem neuen Maststall betroffenen Bevölkerung. Die Spirale dreht sich weiter!

Nun haben sich in Landshut eine Reihe von Organisationen, Bürgerinitiativen und Parteien zusammengeschlossen, um gemeinsam als „Schutzbündnis Tier und Umwelt Landshut“ mit verschiedenen Aktionen auf die Zusammenhänge der oben erwähnten, nicht wünschenswerten Entwicklung aufmerksam zu machen. Auch sollen Wege aufgezeigt werden, die aus der Spirale des Wachstumzwanges herausführen könnten.

Bürger, die bis zum 28. Januar 2015 Einwendungen gegen die Pläne von VION eingereicht haben, sind eingeladen, am Erörterungstermin zu diesem Verfahren am 11. Februar 2015 teilzunehmen und gegebenenfalls die Einwände persönlich vorzutragen. Die Erörterung findet im Neuen Plenarsaal im Rathaus, Altstadt 315, Landshut statt.


Wasser- und Luftbelastung stoppen!

Wie in anderen Region Bayerns wird das Landschaftsbild auch westlich Pattendorf bis unmittelbar an die Trinkwasserbrunnen heran von ausgedehnten Maisfeldern geprägt. Die landwirtschaftlichen Flächen reichen nach Meinung des Bund Naturschutz nicht aus, um die großen Düngermengen zu verkraften, die aus landwirtschaftlichen Betrieben mit und ohne Viehhaltung und aus Biogasanlagen in den Boden eingebracht werden.

Bund Naturschutz fordert besseren Schutz für die Gewässer vor Nitratbelastung

Rottenburg 12.10.2014. Das Landschaftsbild werde derzeit überwiegend geprägt „von Maisfeldern soweit das Auge reicht“. Bayerns landwirtschaftliche Flächen reichen nicht aus, um die großen Düngermengen zu verkraften, die aus landwirtschaftlichen Betrieben mit und ohne Viehhaltung und aus Biogasanlagen anfallen. Wie in anderen Regionen, schlagen auch im Landkreis Landshut die Trinkwasserversorger Alarm, weil die Nitratbelastungen kontinuierlich steigen und in immer mehr Trinkwasserbrunnen über den empfohlenen Vorsorgegrenzwerten liegen, stellt der Bund Naturschutz (BN) fest.

Die Europäische Union hat im Juli 2014 die zweite Stufe eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland eingeleitet, weil die Nitratrichtlinie der EU unzureichend umgesetzt werde. Um den angedrohten Strafzahlungen zu entgehen, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt eine Novelle der Düngeverordnung vorgelegt. Der Bund Naturschutz hält den vorgelegten Entwurf jedoch für unzureichend und fordert vom CSU-Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmid und Agrarminister Helmut Brunner, sich für massive Verbesserungen im Sinne des Natur- und Verbraucherschutzes einzusetzen. Der BN fordert eine Dünge-Gesetzgebung, welche die Trinkwasserbelastung mit Nitrat und Phosphat aus landwirtschaftlicher Tierhaltung und Düngung wirksam begrenzt, und auch die Ammoniak- und Lachgasemissionen in die Atmosphäre reduziert, betont Paul Riederer, der stellvertretende Vorsitzende der BN- Kreisgruppe Landshut.

Wesentlich sei, dass endlich die Tierbestände an die Fläche angepasst werden, so dass die anfallende Gülle sinnvoll für den Pflanzenwuchs zur Verfügung steht und nicht die Umwelt belastet, ergänzt Franz Gumplinger als Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Rottenburg. Der vorgelegte Entwurf sei unzureichend, denn die Nährstoffströme sollen weiterhin nur äußerst lückenhaft dokumentiert werden müssen, hohe Verlustanrechnungen seien möglich, die dann als Stickstoffeintrag in der Umwelt landen, und Ausnahmeregelungen für hohe Düngermengen würden weiterhin erlaubt. Eine Hauptforderung des Bund Naturschutz sei deshalb die verpflichtende Bilanzierung aller Nährstoffströme für landwirtschaftliche Betriebe und für Biogasanalgenbetreiber, die webbasiert an eine autorisierte Stelle gemeldet werden müsse. Ziel der EU-Nitratrichtlinie sei es, die aus landwirtschaftlichen Quellen verursachte Gewässerverunreinigung mit Nitrat zu reduzieren.

Stickstoff, der nicht für das Pflanzenwachstum benötigt oder im Boden zum Humusaufbau festgelegt werde, landet als Nitrat im Oberflächenwasser und versickert ins Grundwasser, erinnert Paul Riederer. Das Trinkwasser soll aber möglichst gering mit Nitrat belastet sein, um gesundheitliche Folgeschäden durch Nitratrückstände zu vermeiden. Hohe Nitratmengen im menschlichen Körper seien nach Aussagen von Medizinern schädlich, da sie zu Nitrit umgewandelt werden können und dieses den Sauerstofftransport im Blut hemmen kann. Bei Kleinkindern könne dies zur Blausucht führen.

Ein Teil des Stickstoffs gelange als Ammoniakgas in die Atmosphäre, so Gumplinger, und trägt zur Versauerung und Stickstoffanreicherung der Niederschläge bei. Die Landwirtschaft sei in Deutschland für 95 Prozent aller Ammoniakemissionen verantwortlich, im Wesentlichen verursacht durch die industrielle Viehhaltung mit ihren Ausscheidungen, wie beispielsweise Gülle. Die Stärke der Geruchsbelastung nach Gülleausbringung sei ein Indikator für die Menge des entweichenden Ammoniaks. Weitere Umweltschäden entstünden auch durch die Umwandlung der Stickstoffüberschüsse in Lachgas, einem gefährlichen Treibhausgas, das 300 Mal klimaschädlicher wirke als Kohlendioxid, berichtet Gumplinger.

„Das Tier nur ein Produktionsfaktor“

Im Schlachthof Landshut ist die Schlachtung von 21 000 Schweinen wöchentlich geplant

Die BN-Kreisgruppe lehnt den geplanten Ausbau des Landshuter Schlachthofes ab

24.09.2014. Wie schon der Bund Naturschutz in Bayern (BN) in der Person ihres Landesvorsitzenden Professor Hubert Weiger sich öffentlich gegen die geplante Erweiterung des Schlachthofes in Landshut ausgesprochen hat, so lehnt auch die BN-Kreisgruppe Landshut dieses Vorhaben ab. Dieses Thema ist auch beim letzten Treffen der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im Café Himmel in Landshut am 17. September 2014 Anlass für eine intensive Diskussion zum Umgang mit Nutztieren in unserer Gesellschaft gewesen. „Der niederländische Lebensmittelkonzern Vion Food will zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit die Kapazität im Landshuter Schlachthof auf die Schlachtung von  21 000 Schweinen pro Woche fast verdoppeln. In Waldkraiburg sollen dann nur noch Rinder und keine Schweine mehr geschlachtet werden. Auch nicht in Straubing und Pfarrkirchen, wo die Schlachthöfe geschlossen werden“, erläuterte Kathy Mühlebach-Sturm, die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, und meinte, diese Entscheidung sei eine logische Folge der herrschenden Wachstumsideologie, in der auf Kosten von Mensch und Tier ein rücksichtsloser Kampf um weltweite Marktanteile geführt werde. Das Tier werde nicht als Lebewesen gesehen, sondern stelle nur einen Produktionsfaktor dar und die Produzenten müssten als Folge dieser Spirale in immer größere Mastbetriebe investieren, um weiter bestehen zu können. „Der Wert einer Kultur bemisst sich daran, wie sie sich gegenüber Tieren verhält“, zitierte Mühlebach-Sturm den indischen Morallehrer und Pazifisten Mahatma Gandhi, woraus der Schluss gezogen werden könne, dass sich unsere Kultur auf einer rasenden Talfahrt befände.

Andererseits gäbe es aber in Deutschland auch eine neue Bewegung weg vom Billigfleisch, gab Vorstandsmitglied Evi Seizl zu bedenken: immer mehr Konsumenten würden sich Gedanken machen zum Umgang mit Nutztieren und als Folge der negativen Entwicklungen in diesem Sektor entweder ganz auf Fleisch verzichten oder zumindest ihren Fleischkonsum reduzieren. Wenn man die seelenlose Maschinerie der heutigen Fleischproduktion nicht unterstützen wolle, müsse man für Fleisch eben auch das bezahlen, was es koste, wenn Tiere in geringer Zahl gehalten und mit hofeigenem Futter ernährt werden, betonte stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer. Beim Kauf von Biofleisch habe man zudem die Sicherheit, dass die Tiere mit gentechnikfreiem Futter gefüttert und artgerecht gehalten wurden. Der Weg zu immer größeren Schlachthöfen, so Riederer, führe dagegen zur Zunahme umweltschädlicher Massentierhaltung auch in Bayern.                             

So sei auch bei diesem Thema festzustellen, dass wir nur durch ein bewusstes Verbraucherverhalten zu einer Landwirtschaft gelangen können, die in der Region und für die Region gesunde Produkte erzeugt, fasste Kathy Mühlebach-Sturm die Diskussion zusammen und mahnte, durch das eigene Einkaufsverhalten und die Werbung dafür regionale Produktions- und Verarbeitungsstrukturen zu stärken. Der Rottenburger BN-Ortsgruppenvorsitzende Franz Gumplinger wies in diesem Zusammenhang auf den vom Bund Naturschutz am Wochenende 25.-28. September 2014 in Rottenburg organisierten „Tag der Regionen“ hin. Die Naturschützer bieten dazu ein buntes Rahmenprogramm: Den Auftakt bildet am Donnerstag, 25. September, um 19.30 Uhr im Bürgersaal der Vortrag von Harald Ulmer, dem Landesgeschäftsführer der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), zum Thema „Der Ökolandbau und seine Vorteile für Natur und Umwelt“. Ergänzt werde das Referat mit einer Ausstellung der Fachschule für ökologischen Landbau Landshut-Schönbrunn. Am Samstag wirbt der Bund Naturschutz auf dem Rottenburger Wochenmarkt unter dem Motto „Regional ist gut – regional und ökologisch ist besser“ für den ökologischen Landbau und für Bio-Produkte. Und am Sonntag unterhalten ab 12 Uhr auf dem Kapellenplatz verschiedene Musikgruppen die Besucher des „Tag der Regionen“, informierte Franz Gumplinger.

Tiergesundheit steht vor Höchstleistung

Groß war das Interesse an der Besichtigung des Naturlandhofes Mießlinger; Mitte hinten von links: Jakob Mießlinger, Martin Lackermeier und Christian Mießlinge
Christian Mießlinger erklärt das System und die Vorteile der Kurzrasenweide mit Rindern

Bund Naturschutz und Ökoschule organisierten Besichtigung eines Biobauernhofes in Osterwind

Osterwind/Pfeffenhausen 14.07.2014. Es ist schön anzusehen, wenn man zum Naturland-Hof der Familie Mießlinger in Osterwind bei Pfeffenhausen fährt und die Rinder auf großen Weideflächen rund um den Hof grasen sieht. Dieser Anblick bot sich zahlreichen Interessenten bei einer Besichtigung des Hofes, welche am 14. Juli 2014 auf Einladung der Kreisgruppe Landshut des BUND Naturschutz (BN) und der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, Landshut-Schönbrunn stattfand. In seiner Begrüßung ging Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe auch auf die allgemeine Situation des ökologischen Landbaus in Deutschland und Bayern ein. In den letzten Jahren sei hier der Absatz in deutlich größerem Maße gestiegen als die Anzahl der ökologisch wirtschaftenden Bauern. Der bayerische Landwirtschaftsminister Brunner habe mit dem Vorhaben, die ökologisch bewirtschafteten Flächen in Bayern bis 2020 zu verdoppeln, ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben. Einzelne Punkte seines Programms „Öko-Regio Bayern 2020“ im Bereich Ausbildung, Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit seien auch schon umgesetzt und durchaus positiv zu beurteilen. Dass momentan trotzdem nur wenige Bauern auf Ökolandbau umstellen, liege aber hauptsächlich an den ungünstigen Rahmenbedingungen in den Bereichen Förderungen und Erzeugerpreisen, bedauerte Lackermeier, selbst langjähriger Biobauer.

Anschließend stellten die Betriebsleiter Jakob und Christian Mießlinger den bereits 1987 umgestellten vielfältigen Betrieb vor. Damals wurden 53 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 14 Hektar Wald bewirtschaftet. Der Viehbestand waren etwa 30 Milchkühe mit Nachzucht. Hauptgrund für die Umstellung war für Jakob Mießlinger die zunehmenden Meldungen über das Auftreten von Pestizidrückständen im Trinkwasser, was vor allem beim Wirkstoff Atrazin in deutlichem Widerspruch zu den Angaben der Herstellerfirma und der Beratung stand. Außerdem hatte man einen Nachbarn, der damals schon fast 10 Jahre mit Erfolg ökologisch wirtschaftete.

Nach Abschluss seiner landwirtschaftlichen Ausbildung stieg auch Sohn Christian in den Betrieb ein. Seit der Umstellung gab es diverse Ergänzungen in der Betriebsstruktur. Der Bestand an Milchkühen wurde auf etwa 50 Tiere plus Nachzucht und Masttieren erhöht, Stallneu- und -umbauten zur artgerechten Haltung der Tiere wurden umgesetzt. Als zusätzliches Standbein wurde auch eine Zucht- und Mastschweinehaltung aufgebaut. In einem geräumigen und tierfreundlichen Haltungssystem mit Auslauf ins Freie („Familienstall“) werden 20 Zuchtsauen und rund 100 Mastschweine gehalten.

Nach Zupacht werden derzeit 68 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet. Durch Einführung der Kurzrasenweide für sämtliche Rinder hat sich in den letzten Jahren das Verhältnis innerhalb der bewirtschaftenden Fläche hin zu deutlich mehr Dauergrünland verändert. „Es war nicht leicht für mich als Ackerbauer auf 20 Hektar Acker in Hofnähe Grünland einzusähen“, gestand Jakob Mießlinger. Bei diesem Weidesystem befinden sich die Rinder vom Frühjahr bis zum Herbst Tag und Nacht auf der Weide. Die Kühe kommen nur zum Melken in den Stall. Durch gezieltes Beweiden und Kontrolle des Aufwuchses werde dieser kurz gehalten. In diesem Wachstumsstadium enthalte das Gras viel Energie und Inhaltsstoffe, verdeutlichte Jungbauer Christian Mießlinger. Außerdem entfalle das arbeitsintensive tägliche Einholen von Grünfutter. Die Milchleistung, stellte Jakob Mießlinger fest, liege im Vergleich zu konventionellen Hochleistungskühen eher im durchschnittlichen Bereich. Ihm seien aber gesunde Tiere und eine hohe Lebensleistung der Kühe wichtiger als die absolute Höchstleistung.

Auf den Feldern der Mießlingers, die bei einem Rundgang teilweise besichtigt wurden, werden Kleegras, Silomais, Hafer-Gerste-Erbsen-Gemenge, Dinkel, Winterweizen und ein Gemenge aus Triticale und Winterwicken angesät. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Betrieb auch zu einem beachtlichen Energieerzeuger. Auf sämtlichen geeigneten Dachflächen befinden sich Photovoltaikmodule. Außerdem wird derzeit ein Blockheizkraftwerk mit Holzvergaser, dessen Abwärme im Betrieb genutzt werden soll, errichtet.

Vielfalt des Ökolandbaus präsentiert

Schulleiter Johann Schneck (mit weißer Mütze) erklärt in einer Versuchsparzelle die Ertragsergebnisse - Foto: Gumplinger

Versuchsfeldführung der Ökofachschule fand großes Besucherinteresse  

Landshut/Schönbrunn 02.07.2014. Johann Schneck, Leiter der Fachschule für Agrarwirtschaft, Schwerpunkt ökologischer Landbau, in Schönbrunn konnte zur diesjährigen Führung auf dem Versuchsfeld der Schule wieder eine große Anzahl von Besuchern, darunter auch viele ehemalige Absolventen, begrüßen. Organisiert wurde die Veranstaltung am 2. Juli 2014 von der Ökoschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. Eingangs erläuterte Schneck die Fruchtfolge, welche aus Klee oder Kleegras, Weizen, Sommergetreide (Gerste, Hafer); Körnerleguminosen und extensivem Wintergetreide wie Triticale, Winterhafer oder Dinkel besteht. Der Boden des Versuchsfeldes sei sehr unterschiedlich und erschwere deshalb den Vergleich der Ernteergebnisse. Mit dem Spruch „Von Lehmköpfen zu Kiestöpfen“ kommentierte Schneck die unterschiedlichen Bodenverhältnisse. Besonders stolz sei er auch heuer wieder, dass in den Beständen auch einige vom Aussterben bedrohte Ackerwildkräuter, wie die Kornrade, der echte Frauenspiegel, die weiße Lichtnelke und der Feldrittersporn zu finden seien.

Mit am schönsten anzusehen seien in diesem Jahr, fuhr der Schulleiter fort, die Wintergerstenbestände, eine auch im ökologischen Landbau sehr interessante Kultur, sowohl zur Rinder- und Schweinefütterung, aber auch weil das Feld früh geräumt werde. Dies ermögliche eine frühzeitige Neuansaat von Kleegras oder Zwischenfrüchten. Beim Roggen ging Schneck auch auf die Frage ein, ob alte Populationssorten oder die neueren Hybridsorten verwendet werden sollten. Er stellte fest, dass Traditionalisten, aber wegen der Backeigenschaften auch abnehmende Mühlen eher zu den Populationssorten tendierten. Tatsache sei aber auch, dass Hybridsorten über den Schnitt der Jahre etwa 20 Prozent höhere Erträge brächten. Bei der Bodenbearbeitung habe Schneck nach drei Jahren wieder auf den Stoppelhobel verzichtet. Diese Pflugart hinterlasse zwar einen sehr krümeligen Boden und reduziere auch den Disteldruck, festzustellen sei aber auch ein verstärktes Aufkommen von Samenunkräutern.

Angebaut würde nach wie vor auch Nackthafer. Diese Kultur, so Schneck, sei wegen des hohen Anteils von essentiellen Aminosäuren positiv, sowohl in der Tierfütterung als auch als menschliches Lebensmittel. Man sollte aber keine zu hohen Kornerträge erwarten. Eine sehr interessante Kultur in der Zukunft seien auf jedem Fall die Sojabohnen, die für Tier und Mensch sehr wichtig wären und die auch gegen die bei Erbsen und Ackerbohnen zunehmend auftretenden Leguminosenmüdigkeit gefeit seien. Es handle sich aber wegen der klimatischen Anforderungen, des Unkrautdruckes oder der Gefahr von Vogelfraß und Wildverbiss um keine ganz einfache Kultur, betonte der engagierte Pflanzenbauer. Abschließend wies Schneck auch noch auf die angesäten alten Getreidearten, wie etwa den Emmer, und auch auf die vielfältigen Blühstreifen hin.

Besuch bei „glücklichen Hühnern“

Neben einem eingestreuten Stall stehen den Legehennen ein geräumiger Wintergarten und ein großer Auslauf zur Verfügung
Johann Zehetbauer (2. v. r.) stellte seinen Biobetrieb mit Öko-Legehennenhaltung vor

Bund Naturschutz organisierte Besichtigung eines Biobetriebs mit Legehennenhaltung

Dietelskirchen 12.05.2014. Sichtlich wohl fühlen sich die Legehennen im großen Auslauf, im geräumigen Wintergarten und in der eingestreuten Stallfläche. Zu finden sind diese „glücklichen Hühner“ auf dem Biobetrieb der Familie Zehetbauer in Dietelskirchen, der am 12. Mai 2014 im Rahmen einer Veranstaltung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut und der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn besichtigt wurde. Die Besichtigung war Teil der Informationsreihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel.“ Biobauer Johann Zehetbauer, der den 30 Hektar großen Hof gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen Eltern bewirtschaftet, berichtete eingangs, dass er 2010 auf ökologischen Landbau umgestellt habe. Nach reiflicher Überlegung sei man auch zum Entschluss gekommen, neben dem Ackerbau noch eine Legehennenhaltung zu beginnen. Ein Stall für 3000 Legehennen nach Ökorichtlinien sei deshalb geplant und gebaut worden. Dies sei eine beträchtliche Investition gewesen, die man aber bis heute nicht bereut habe.

Mitglied sei man beim Anbauverband Biokreis und der Legegemeinschaft „Die Biohennen“, welche aus etwa 40 Legehennenbetrieben vorwiegend in Bayern und Baden-Würtemberg bestehe, erklärte Zehetbauer. 85 Prozent der täglich etwa 2800 Eier werden von der Erzeugergemeinschaft zweimal wöchentlich abgeholt, aufbereitet und vorwiegend im Lebensmitteleinzelhandel vermarktet. Der Rest werde ab Hof verkauft. Die Produktionsrichtlinien der „Biohennen“-Legegemeinschaft seien sehr streng und gingen in verschiedenen Punkten über die EU-Biorichtlinien hinaus. So sei beispielsweise die maximale Hennenzahl pro Betrieb auf 6000, gehalten in zwei getrennten Ställen, begrenzt. Kürzlich habe man, so Zehetbauer, eine weitere bauliche Maßnahme begonnen. Der alte Milchviehstall werde in einen Aufzuchtstall für 3000 Junghennen umgebaut. Nach Fertigstellung sollen dort Eintagesküken bis zur Einstallung in den Legehennenstall aufgezogen werden.

Auf den Feldern der Familie Zehetbauer werden Kleegras, Speiseweizen und als Futtergetreide Hafer in Mischkultur mit Erbsen und Triticale angebaut. Das Futtergetreide werde überwiegend an eine Biofuttermühle in Schwaben verkauft. Von dort erhalte man dann ein fertiges Mischfutter ausschließlich in Bioqualität zurück. Ein Teil des Futters werde den Hühnern als ganze Körner in die Einstreu im Stall gegeben. Die über 60 Interessenten konnten sich nach den theoretischen Ausführungen auch ein genaues Bild von der Innenausstattung des Stalles und der eingesetzten Technik zum Füttern und Tränken der Hühner, zum Eiertransport aus dem Stall und der Entmistung machen.

Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe wies abschließend noch auf die nächste Veranstaltung in der Ökoreihe hin: Am Mittwoch, 2. Juli 2014, findet ab 19 Uhr eine Besichtigung des Versuchsfeldes der Öko-Fachschule in Schönbrunn statt.

Naturschützer: „TTIP sofort stoppen!“

Johannes Selmansberger sprach bei einer BN-Veranstaltung über die Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens (TTIP) auf Verbraucher- und Umweltschutz

Der Bund Naturschutz informierte über das geplante Freihandelsabkommen zwischen der USA und der EU

„Warum das Freihandelsabkommen (TTIP) stoppen?“ war der Titel einer Informationsveranstaltung, die von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut zusammen mit der BN Ortsgruppe Kleines Vilstal am 15. Mai im Gasthaus Stadler in Vilsheim organisiert wurde.  Vor zahlreichen Besuchern, die Veranstaltungsleiter Paul Riederer begrüßte, referierte Johannes Selmansberger, Vorstandsmitglied der BN-Kreisgruppe und Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Kleines Vilstal, zu dem derzeit sehr aktuellen Thema. Einer seiner Kritikpunkte an dem geplanten Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen den USA und der EU sei, so der Referent, dass die Verhandlungen zwischen beiden Staaten undemokratisch und streng geheim ablaufen. Gewählte Volksvertreter aus dem Bundestag oder aus dem EU-Parlament sitzen nicht am Verhandlungstisch.  Die Verhandlungsführer der USA untersagen die Weitergabe der Verhandlungsinhalte an die Parlamentarier und an die Öffentlichkeit.

Als weiterern Kritikpunkt führte Selmansberger den sogenannten Investorenschutz an. Vor einem Schiedsgericht, das in Washington tagt, können Konzerne gegen Staaten klagen, wenn sie der Meinung sind, die Länder hätten mit ihren Entscheidungen den Profit der Konzerne geschmälert. Unbemerkt von der Öffentlichkeit sei so eine höchst profitable Paralleljustiz entstanden. Der Referent zeigte auf, dass Staaten, die ähnliche Handelsabkommen bereits unterzeichnet haben, in zunehmendem Maße verklagt würden. Grüne Gentechnik habe in Deutschland keine Mehrheit. Und bisher habe man sich mit demokratischen Mitteln vor der Gentechnik schützen können. Die Konzerne brauchen nun eine demokratiefreie Lösung und das sei ein Handelsabkommen wie TTIP, um Gentechnik gegen den Willen der Bürger einführen zu können, gab der Referent zu verstehen.

Im Zentrum dieser TTIP-Verhandlungen stünden Marktliberalisierungen, die Beseitigung von Zöllen und von sogenannten „nicht tarifären Hemmnissen". Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein massiver Angriff auf das europäische Vorsorgeprinzip, warnte Selmansberger. Es sei zu befürchten, dass im Bereich der Lebensmittelsicherheit, im Verbraucherschutz und im Umweltschutz ein Abbau der deutschen Standards verhandelt werde.  Welche Auswirkungen das haben kann, zeigte der praktizierende Imker im Bereich der bienengefährlichen Pestizide auf. Die EU habe die Zulassung von bestimmten Spritzmitteln ausgesetzt, da diese Pestizide nach Aussagen von Wissenschaftlern nicht insektenverträglich seien. Die Chemiefirmen Bayer und Syngenta klagen jetzt dagegen. Momentan müssen sie das noch vor ordentlichen Gerichten machen, künftig könnten Klagen auf Schadensersatz vor völlig intransparenten Schiedsgerichten eingereicht werden, so der Referent. Die Entscheidungen der Schiedsgerichte seien nicht angreifbar. Die Entmachtung der gewählten Parlamente und  bestehenden Gerichte durch Handelsverträge und Schiedsstellen sei eine Entmachtung der Bürger und somit ein Angriff auf unsere Demokratie und den Rechtsstaat,  erklärte Selmansberger.

Deshalb fordert der Bund Naturschutz in Übereinstimmung mit vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Europa und auch in den USA einen sofortigen Stopp des Freihandelsabkommens TTIP.  Alle bisher und zukünftig verhandelten Dokumente zu dem geplanten Handelsabkommen müssten grundsätzlich veröffentlicht werden. „Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion über die zukünftige Handelspolitik der EU für die Menschen und nicht für Konzerne“, betonte Selmansberger abschließend.

Proteste vor der EU-Vertretung in München

Zum „Europatag“ am 9. Mai wurde Handelskommissar De Gucht aufgefordert, das geplante Freihandels-abkommen mit den USA zu stoppen

Mehrere 100 Menschen demonstrierten heute in München gegen das geplante Freihandels-und Investitionsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) zwischen den USA und der EU. Aufgerufen zu dem Protest hatte das Agrarbündnis Bayern zusammen mit Verbraucherorganisationen, Umweltverbänden, Bauernvereinigungen, kirchlichen Trägern und entwicklungspolitisch aktiven Gruppen.

Sie übergaben dem Leiter der Münchner Vertretung der EU-Kommission, Herrn Peter Martin, einen Brief mit Forderungen an Handelskommissar Karel De Gucht.

„Es wird immer deutlicher, dass demokratische Entscheidungsprozesse durch das TTIP ausgehöhlt werden“, heißt es in dem Brief. Die Veranstalter kritisieren die Intransparenz der Verhandlungen.

Die Organisationen lehnen vor allem die geplante Einführung von internationalen Sondergerichten ab, die Konzerne zum Schutz ihrer Investitionen anrufen können sollen. Damit könnten Investoren nationale unabhängige Rechtsordnungen bei zukünftigen Verschärfungen etwa des Umwelt- oder Verbraucherrechts umgehen. Die Entscheidung, diesen Verhandlungspunkt für einige Monate auf Eis zu legen, sei Augenwischerei, damit die heftige Kritik daran nicht den EU-Wahlkampf beeinflusse. Im Hintergrund gehen die Verhandlungen aber weiter. Das EU-Parlament hat gerade auf Vorschlag von Handelskommissar de Gucht neue EU- Zuständigkeiten für Investitionsschutzabkommen beschlossen, die den Spielraum für nationale Regelungen weiter massiv einschränken.

Darüber hinaus will Handelskommissar de Gucht vor dem EU-Gerichtshof eine Entscheidung herbeiführen, dass das Gesamtabkommen nicht von den Parlamenten der Nationalstaaten mitbeschlossen werden muss. Dies soll erreicht werden, indem das TTIP zu einem reinen Handelsabkommen deklariert wird. Dieses Vorhaben der EU-Kommission lehnen die Organisationen vehement ab. Es geht bei TTIP nicht nur um Handelsfragen, sondern um wesentliche Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge, um Sozialstandards und um die allgemeinen Schutzgüter Boden, Wasser, Luft und Artenvielfalt und nicht zuletzt um zukünftige Standards der Lebensmittel- und Landwirtschaftsproduktion.

Die Organisationen fordern statt eines Freihandelsvertrags faire Handelsbeziehungen, die eine ökologisch und sozial nachhaltige Entwicklung ermöglichen und bäuerlichem Wirtschaften Marktvorteile gegenüber Agrar- und Gentechnikkonzernen verschaffen. Ein solcher fairer Austausch von Waren und Ideen muss weltweit gelten, besonders aber müssen globale Handelsbeziehungen die Interessen von Entwicklungs- und Schwellenländern zur Armutsreduzierung und das Recht auf angemessene Ernährung berücksichtigen. Ein Abkommen, das im Geheimen und ohne parlamentarische Kontrolle beschlossen und zur Spielwiese von Wirtschaftslobbyisten und Konzerninteressen wird, dürfe es nicht geben, sagen die Kritiker.

Statements der beteiligten Organisationen im Einzelnen

Prof. Dr. Hubert Weiger, 1. Vorsitzender BUND Naturschutz in Bayern und BUND
Die Intransparenz der Verhandlungen, der Einfluss der großen amerikanischen Unternehmen und Interessensverbände von Monsanto über den Verband der amerikanischen Sojabohnenerzeuger bis zur chemische Industrie sowie die Deregulierungsabsichten durch das Instrument der „regulatorischen Kooperation“ zeigen, in welche Richtung die Verhandlungen laufen werden, nämlich zu konzernfreundlichen Wirtschaftsbedingungen. Und dies trotz Beteuerungen der Staatsregierung, roten Linien ziehen zu wollen.
Die Gefahren einer transatlantischen Handels und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen USA und der EU für Umwelt- und Sozialstandards sowie für demokratische Bürger- und Verbraucherschutzrechte erfordern den Abbruch der Verhandlungen und eine Verstärkung der Zusammenarbeit der Zivilgesellschaft beidseits des Atlantiks für einen umweltgerechteren und fairen Handel.
Der BN fordert, dass die Verhandlungen abgebrochen werden, da TTIP unverträglich mit den Interessen der Bürger ist und Umwelt- und Verbraucherstandards auszuhöhlen droht. TTIP ist das Gegenteil von einem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Es entspricht dem Leitbild der Konzerninteressen.
Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter
Das geplante TTIP zwischen den USA und der EU würde, sollte es wie vorgesehen verwirklicht werden, massiv in alle Lebensbereiche von uns Bürgern und Bauern eingreifen.
Den Interessen der international agierenden Konzerne soll absoluter Vorrang vor den Bedürfnissen und Interessen der Bevölkerung eingeräumt werden. Die Profitgier einiger Weniger stellt sich eindeutig gegen das Gemeinwohl. Es erscheint extrem unwahrscheinlich, dass es bei den Verhandlungen nicht um eine Aufweichung von Standards und Grenzwerten geht. Im Gegenteil: es drohen weitere Patente und Abhängigkeiten der Bauern gegenüber den Konzernen. Dies bedroht die Wahlfreiheit von Bauern und Verbrauchern gleichermaßen.
Zum anderen würde mit dem geplanten Investorenschutzabkommen indirekt die Demokratie in unserem Land und der gesamten EU abgeschafft. Die Mitsprache der Parlamente und der Bürgerinnen und Bürger soll bewusst verhindert werden. Das bedeutet nichts anderes, als eine Diktatur der internationalen Wirtschaftskonzerne über die Bevölkerung.
Unter den gegebenen Umständen lehnt der BDM TTIP rundweg ab und fordert die sofortige Einstellung der Verhandlungen.

Andrea Behm, Attac München
„Verkauft wird uns das weitgehend geheim verhandelte TTIP als gigantisches Wachstumsprogramm – dabei ist es ein Ausverkauf unserer lang erkämpften Errungenschaften im Arbeits-, Umwelt- und Sozialrecht und eine Bedrohung unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates.
Es darf keine Sonderklagerechte für Unternehmen geben, die uns Bürger/innen Milliarden kosten. Auch brauchen wir keinen
„Regulatorischen Kooperationsrat“, der die Konzernlobby stärkt und unsere demokratischen Entscheidungsprozesse aushebelt.
Die TTIP-Verhandlungen müssen daher sofort beendet werden. Denn: Handels- und Investitionspolitik muss dem Gemeinwohl dienen und die Umwelt bewahren.“

Josef Schmid, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Bayern
„Für die bäuerliche Landwirtschaft hat der Handel eine wesentlich geringere Bedeutung als für die sich immer mehr ausbreitende industrielle Form der Landwirtschaft. Das Futter kommt von den eigenen Feldern, der Dünger nicht vom Lagerhaus, sondern aus der eigenen Tierhaltung und die Jungtiere werden auf dem Hof geboren und nicht als "Tiermaterial" vom Zuchtkonzern geliefert. Doch die Eigenversorgung würde nicht ausreichen, um die Menschen in Europa zu ernähren. Hier ist der Handel notwendig und sinnvoll. Nicht als Selbstzweck, um aus importierten Rohstoffen Überschüsse für den Weltmarkt zu erzeugen, sondern in einer dienenden Funktion die Bedürfnisse der Handelspartner zu befriedigen. Dazu braucht es kein Freihandelsabkommen der Konzerne, sondern einen fairen Handel für die Menschen, einen Handel, der die Beteiligten als Geschäftspartner agieren lässt. Ein fairer Handel nach dem Motto „Leben und leben lassen“ bietet eine nachhaltigere, stabilere Zukunftsperspektive für die Menschheit als unser derzeitiges Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken.“

Francisco Marí, Referent für Agrarhandel, Brot für die Welt
Die EU-Kommission, Bundesregierung, EU- und US- Konzerne wollen im weltweiten Wettstreit um Märkte „Weltstandards“ in den verschiedenen Produktionszweigen setzen. Trotz eines sinkenden Anteils beider Wirtschaftsblöcke am Weltmarkt wollen sie weiterhin bestimmen, wie weltweit industriell und landwirtschaftlich produziert wird und welche Umwelt-, Patent- und Verbraucherschutzstandards gelten sollen.
„Chlorhähnchen“ aus den USA, wie sie noch in der EU verboten sind, überschwemmen mit 150 Millionen kg jährlich die afrikanischen Märkte mit denselben Folgen, wie die EU Exporte – sie zerstören Existenzen, vor allem von Kleinviehhalterinnen. Solche „Weltstandards“, die nur noch mehr Armut und Hunger schaffen, lehnen Brot für die Welt und seine Partnerorganisation in Afrika, Asien und Südamerika ab.
Wir treten dafür ein, dass der globale Handel hohe Standards bei Umwelt-, Menschen- und Verbraucherrechten garantieren muss, darunter das Recht
auf Nahrung, gerechten Lohn und Arbeitsrechte. Die Vielfalt von Handelsbeziehungen von Regionen und Staaten muss ausgebaut werden. Demokratische Rechte von Parlamenten und Zivilgesellschaften dürfen weltweit nicht durch Drohungen mit Konzernklagen aufgrund von Investitionsschutzabkommen ausgehebelt werden.

Karl Bär, Umweltinstitut München
„TTIP bedroht unsere Demokratie und in harten Auseinandersetzungen erkämpfte Standards, die die Umwelt, VerbraucherInnen und ArbeitnehmerInnen schützen. Ein Teil dieser Bedrohung ist die Verlagerung von Entscheidungen weg von Parlamenten hin zu Expertengremien. So erhofft sich zum Beispiel die chemische Industrie mehr Einfluss auf die Zulassung von Chemikalien, wenn ein transatlantischer Regulierungsrat wissenschaftliche Standards festlegt und Zulassungsverfahren auf Handelshemmnisse abklopft. Das geht zu Lasten des Vorsorgeprinzips - und damit zu Lasten von VerbraucherInnen und Umwelt.“

Walter Haefeker, Präsident Europäischer Berufsimker
„Die Entscheidungsprozesse in Europa sind bisher noch demokratisch genug um zu verhindern, dass sich ausschließlich Konzerninteressen durchsetzen. Unser Trinkwasser ist noch nicht privatisiert, das Urheberrecht noch nicht verschärft und die Gentechnik hat noch immer keinen Siegeszug durch Europa angetreten. Noch ist unser Honig gentechnikfrei. Was Monsanto Bayer und BASF jetzt brauchen sind demokratiefreie Lösungen: CETA und TTIP.
Die Entmachtung der von uns gewählten Parlamente und der Gerichte, die im Namen des Volkes Recht sprechen, durch Handelsverträge und Schiedsstellen ist eine Entmachtung der Bürger. Wir müssen verhindern, dass Merkel's „marktkonforme Demokratie“ auf diesem Wege Wirklichkeit wird.
In vorauseilendem Gehorsam hat die EU-Kommission mit Zustimmung des Europaparlaments gerade die Kennzeichnung von Gentechnik beim Honig aufgehoben. Können wir der Kommission vertrauen, gegenüber den USA für Kennzeichnungsregeln zu kämpfen, die sie selbst gerade untergräbt?
Parteien, die in Europa als Wasserträger der Gentechnikindustrie unterwegs sind und deren Kandidaten ihre eigene Entmachtung durch CETA und TTIP billigend in Kauf nehmen, verdienen unsere Stimme bei der Europawahl nicht."

Marlies Olberz, Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland
TTIP ist ein Versuch, staatliche Pflichten zur Durchsetzung der Menschenrechte zu untergraben, Konzerne außerhalb notwendiger Regeln und Regulierungen zu stellen und den Spielraum für sozial gerechte und menschenrechts-basierte Politiken zu reduzieren. Schon die Geheimhaltung bei der Aushandlung des Abkommens widerspricht dem Menschenrecht auf politische Teilhabe und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. Parlamente und Zivilgesellschaft sind faktisch von den Verhandlungen ausgeschlossen. Großunternehmen hingegen – die eigentlich gar nicht legitimiert sind, politische Entscheidungen zu treffen – haben eine herausragende Rolle, indem sie bei den Verhandlungen beraten und direkten Einfluss nehmen.
FIAN hat daher zusammen mit 50 europäischen NRO einen Vorschlag für eine alternative Handelspolitik der EU erarbeitet, die in Einklang mit den Menschenrechten steht und den Menschen nutzt, nicht einigen wenigen Konzernen.

Günther Busch, Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt
Die Europäischen Gewerkschaften haben bisher die Verhandlungen nicht grundsätzlich abgelehnt. Sie haben aber eine Reihe unverzichtbarer Forderungen für die Verhandlungen aufgestellt; u. a.:
Die Verhandlungen müssen transparent und nachvollziehbar sein. Sie müssen alle Betroffenen, insbesondere die Sozialpartner, intensiv und dauerhaft in den Verhandlungsprozess einbeziehen
Höhere Sozialstandards in einzelnen Ländern müssen auch bei TTIP möglich sein und auch für die Zukunft gesichert werden.
Das Abkommen darf keine Investitionsschutzklausel enthalten. Dies darf auch nicht Gegenstand der Verhandlungen sein.
Es darf keine geheime Schiedsgerichtsbarkeit im Rahmen des Abkommens geben.
Wir fordern, dass die Verhandlungen über das TTIP gestoppt werden. Neue Verhandlungen kann und darf es erst geben, wenn sichergestellt ist, dass die von den Gewerkschaften aufgestellten Forderungen vor, während und auch nach Abschluss eines Abkommens eingehalten werden.

Harald Ulmer, Geschäftsführer Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern
Das Europäische Agrarmodell ist angetreten, um eine vielfältige Landwirtschaft, die nachhaltig wirtschaftet, natürliche und unbelastete Lebensmittel produziert und die wichtige Rolle von nachhaltigen wirtschaftenden Familienbetrieben in den ländlichen Räumen unterstützt, voranzubringen. Dies in Europa durchzusetzen, ist allein schon eine große Herausforderung, und hat aber bisher beim gemeinsamen Kampf von Bürgern gegen den Anbau von GVO-Pflanzen oder der Verbannung von Hormonfleisch Früchte getragen. Mit dem geplanten Freihandelsabkommen sollen nun diese Errungenschaften mit einem Handstreich vom Tisch gefegt werden. Dagegen wehren wir uns! Die Tür für US-amerikanische Praktiken in der Landwirtschaft für Europa zu öffnen, bedeutet den Anbau von GVO-Pflanzen, die Zurückdrängung von nachhaltiger Landwirtschaft und eine Gefährdung des Ökologischen Landbaus. Die USA besitzen aber nur knapp die Hälfte der Bio-Anbaufläche von Europa und eine weitere Ausdehnung ist praktisch unmöglich, da die Verbreitung von GVO-Pflanzen, die Vergiftung der Böden und der Konkurrenzkampf um Flächen den Bio-Bauern in den USA kaum Chancen lassen. Um zu verhindern, dass es in Europa soweit kommt, muss das geplante Freihandelsabkommen TTIP verhindert werden.

Dr. Jürgen Bergmann, Mission EineWelt, Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evang. Luth. Kirche in Bayern
Als Abkommen zwischen führenden Wirtschaftsregionen hat das TTIP globale Auswirkungen. In seiner Wirkung wird es einige Entwicklungs- und Schwellenländer eher ausgrenzen. Auch wenn diese Länder überhaupt nicht bei den Gesprächen beteiligt sind, ist zu befürchten, dass sie – wie schon in der Finanzkrise – schwerwiegende Konsequenzen zu tragen hätten.
Problematisch wäre grundsätzlich eine noch stärkere Exportausrichtung im Bereich der Landwirtschaft. Die europäische Tierhaltung ist auf Futtermittelimporte angewiesen. Der Sojaanbau verursacht in Südamerika soziale und ökologische Probleme, während europäische Exporte von tierischen Produkten wiederum in Afrika Märkte unter Druck setzen. Wir brauchen also gerade in der Landwirtschaft mehr Regionalität.
Der Einsatz für weltweite Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung ist unser christlicher Auftrag. Ohne größere Veränderungen in unserer Wirtschaft und Gesellschaft wird dies nicht schaffen sein. Der dafür erforderliche Gestaltungsspielraum darf durch künftige Handelsabkommen nicht eingeschränkt werden.


Dr. Rupert Ebner, Slow Food Deutschland
Mit größten Anstrengungen ist es uns bisher gelungen, Agrogentechnik auf deutschen Feldern zu verhindern. Wir von Slow Food und ich als Tierarzt möchten vor einer Gefahr warnen, die mindestens genauso gefährlich ist, wie genveränderte Organismen in unserem Essen. Hormone sind Substanzen die in geringsten Mengen, große Effekte erzielen.
Es ist kein Geheimnis, dass mit Hormonen mit geringstem Aufwand unvorstellbar Effekte, in der Rindermast riesige Zuwächse und damit riesige Gewinne erzielt werden können. Dies gilt vor allem für Hormone, im Labor synthetisierter Östrogene. In Europa sind Hormone mit östrogener Wirkung für den Einsatz in der Tiermast seit Jahrzehnten verboten. In den USA sind sie der Standard. Europa hat einen jahrzehntelangen Handelskrieg mit den USA geführt, um den Import von Fleisch von hormonbehandelten Tieren zu verhindern. Dieser Damm hat bis heute gehalten.
Die europäischen Verbraucher müssen verhindern, dass über die Hintertür eines „Freihandelsabkommens“ mit den USA hormonbehandeltes Fleisch auf unsere Teller kommt. TTIP abzulehnen hat nichts mit Antiamerikanismus zu tun, TTIP abzulehnen ist ein Freundschaftsdienst an den Bürgerinnen und Bürgern der USA.

Dr. Ruth Tippe, Initiative „Kein Patent auf Leben“
Der Einfluss des Freihandelsabkommen reicht auch bis hin zu patentrechtlichen Fragen. Auch wenn momentan keine Entwürfe dazu offengelegt wurden, sind Verbesserungen für Bauern und Verbraucher sicherlich nicht zu erwarten. Wir müssen aber damit rechnen, dass Grenzen der Patentierbarkeit von Pflanzen und Tieren wieder zu Gunsten der Industrie verschoben werden! Schon lange kämpfen wir gegen Patente auf Tiere, auf Nutztiere, auf Pflanzen und auf Saatgut.
Wir kämpfen gegen Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen. Soll etwa das Freihandelsabkommen hier neue Tatsachen schaffen und alles, was noch diskutiert wird, im Sinne der Industrie legalisieren? Wir fordern ein Stopp der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen!

>> Text der Forderungen des Agrarbündnisses Bayern an EU Handelskommissar Karel De Gucht

Mehr Bilder von der Demonstration auf der Fotostrecke von Heinrich Inkoferer

Das Tierwohl hat besondere Bedeutung

Viel Interesse finden die jährlich stattfindenden Exkursionen der BN-Kreisgruppe zu biologisch arbeitenden Betrieben

Bund Naturschutz diskutierte über die Wirtschaftsweisen im Ökologischen Landbau

Landshut. Beim Treffen der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe am 15. Januar 2014 im Café Himmel in Landshut wurde unter dem Tagungsordnungspunkt „Bio? - Logisch!“ intensiv zum Thema Ökolandwirtschaft und Essen ohne Gentechnik diskutiert. „Eine zukunftsfähige Landwirtschaft beziehungsweise die Produktion von Lebensmitteln seien gesamtgesellschaftliche Themen, die uns alle angehen. In der gegenwärtigen in den Medien geführten Diskussion um die Landwirtschaft werden die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft zu wenig klar dargestellt“, stellte Kreisgruppenvorsitzende Kathy Mühlebach-Sturm fest.  Da konnte Hubert Rauscher, Vorstandsmitglied und angehender Ökolandwirt, einhaken und er führte aus, dass der ökologische Landbau längst aus den Kinderschuhen heraus sei. Insbesondere junge und gut ausgebildete Landwirte im ökologischen Landbau würden modernste Technik zur Erzeugung gesunder Lebensmittel anwenden. GPS beim Ansäen, späterem Blindstriegeln und maschinellem Hacken mit unterschiedlichen Fahrgeschwindigkeiten, je nach Größe der Kulturpflanzen käme zum Einsatz, so Rauscher. Damit würde die Grundlage für gute Erträge geschaffen, ohne dass mit chemischen Mitteln die Umwelt belastet werde.

Rauscher wies auch darauf hin, dass in der ökologischen Landwirtschaft dem Tierwohl eine überragende Bedeutung zukomme. So sei beispielsweise in der ökologischen Schweinehaltung vorgeschrieben, dass die Tiere Zugang zu Licht und Sonne haben, die Ferkel mindestens 40 Tage gesäugt werden und nicht - wie konventionell üblich - nur 21 Tage oder sogar noch weniger. Auch müssen die genügend großen Liegeboxen mit Stroh eingestreut werden und die Tiere müssen zusätzlich zum Kraftfutter auch strukturreiches Futter wie Heu oder ähnliches erhalten. Das Kupieren der Schwänze und Abzwicken oder Abschleifen der Zähne bei Ferkeln sei grundsätzlich verboten. Das sozial lebende Schwein benötige den Kontakt zu anderen Tieren und daher ist auch bei Sauen Gruppenhaltung vorgeschrieben. „Nicht nur das Futter, auch die Haltungsbedingungen haben Einfluss auf die Fleischqualität – ist doch logisch!“, betonte Rauscher.

Es sei noch zu erwähnen, so Rauscher, dass zu der in Landshut bestehenden Fachschule für den ökologischen Landbau neue Ausbildungsstätten in Weilheim, Bamberg und Kringell hinzugekommen seien und dass zukunftsorientierte Politiker auch innerhalb der CSU gute Entwicklungschancen in der Ökolandwirtschaft sähen und den Anteil der Ökolandwirtschaft bis zum Jahr 2020 verdoppeln wollen. Die Zeit zum Wechsel in die ökologische Landwirtschaft sei günstig, so Rauschers Fazit.

Paul Riederer, stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender, führte aus, dass sich viele Interessenten bei den jährlich stattfindenden Exkursionen der BN-Kreisgruppe zu biologisch arbeitenden Betrieben über den Ökolandbau informieren und davon überzeugen können, dass die Erzeugung ökologischer Lebensmittel moderner sei denn je. Es gebe in Deutschland immer mehr Konsumenten, die mit der zunehmenden Massentierhaltung mit ihren negativen Auswirkungen auf Natur und Umwelt nicht einverstanden sind. Sie sehen das Tier nicht als reinen Produktionsfaktor und lehnen daher die immer kürzeren Mastzeiten bei Hähnchen und Schweinen ab. Zudem lege ein Großteil der Bevölkerung Wert darauf, sich gentechnikfrei zu ernähren, hob Riederer hervor. Die BN-Kreisgruppe werde ihren Einkaufsführer für Biolebensmittel aus der Region Landshut neu auflegen. In dem Führer werden neben Biomärkten und Biobauern, die ab Hof ihre Produkte verkaufen, auch Gärtnereien, Bäckereien, Metzgereien, Brauerein und Gaststätten aufgenommen, die nachweislich Bioprodukte anbieten. Meldungen mit Angabe der Kontaktadresse und dem Biolebensmittel-Angebot können an die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe per Mail bnkgla@landshut.org getätigt werden.    

Wir haben es satt !!!

Berlin 18.01.2014. Anläßlich der weltgrößten Agrarmesse "Grüne Woche" demonstrierten zahlreiche BürgerInnen aus Stadt und Landkreis Landshut gemeinsam mit ca. 30.000 Teilnehmern am 18. Januar 2014 vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Ein breites Bündnis aus Umwelt- und Tierschutzorganisationen, Landwirten und kirchliche Verbände forderten von der Bundesregierung eine politische Wende gegen eine industrielle Agrarwirtschaft, gegen den übertriebenen Einsatz von Chemikalien und für eine artgerechte Tierhaltung. Auf dem von der BN-Kreisgruppe Landshut mitgeführtem Transparent hieß es " Glyphosat ist Gift für Mensch und Natur - Sofort verbieten !!" >> Mehr auf der Fotostrecke


Feldversuche im ökologischen Landbau

Sie stellten ihre Meisterarbeitsprojekte im Ökolandbau vor (ab Zweitem von links): Johannes Kayßer, Georg Angerer, Martina Bisigo, Kilian Osterhammer und Michael Kohnle mit Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier (links) und Schulleiter Johannes Schneck (rechts)

Studierende der Öko-Fachschule stellten beim Bund Naturschutz ihre Meisterarbeitsprojekte vor

Landshut 19.11.2013. Mit der Vorstellung von fünf Meisterarbeitsprojekten durch Studierende der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, wurde am 19. November 2013 im Gasthof „Zur Insel“ in Landshut die Veranstaltungsreihe „Gesunder Boden –gesunde Lebensmittel“ eröffnet. Diese Reihe wird bis zum Sommer 2014 von der Kreisgruppe Landshut des Bund Naturschutz (BN) und der Öko-Fachschule durchgeführt. Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe begrüßte die vielen Besucher. Er betonte, dass es der Bund Naturschutz als eine Kernaufgabe sehe, die Öffentlichkeit über die Vorzüge des ökologischen Landbaus für Mensch und Natur zu informieren. Schulleiter Johann Schneck erläuterte eingangs den Sinn der Meisterarbeitsprojekte. Diese seien ein wesentlicher Bestandteil der Meisterprüfung, welche an der Öko-Fachschule, im Gegensatz zu den meisten anderen Landwirtschaftsschulen, zeitgleich mit dem Schulabschluss als „Staatlich geprüfter Wirtschafter“ abgelegt werden kann.

Georg Angerer kommt aus Jandelsbrunn im Landkreis Freyung-Grafenau. Auf dem Familienbetrieb werden 35 Hektar Grün- und neun Hektar Ackerland bewirtschaftet. Schwerpunkt des Naturland-Betriebes ist die Milchviehhaltung. In einem neuen Stall und auf Kurzrasenweide werden 30 Milchkühe und die notwendige Nachzucht gehalten. Da bei der Gülleausbringung immer wieder Probleme wie Verätzung der Pflanzen und Geruchsbelästigung auftraten, befasste er sich in seiner Arbeit mit verschiedenen Maßnahmen der Güllebehandlung und deren Auswirkungen auf das Grünland. Kilian Osterhammer stammt aus Reitham bei Bernau am Chiemsee. Der Familienbetrieb wird seit 1999 ökologisch bewirtschaftet. Auf 25 Hektar Dauergrünland werden 15 Milchkühe und 120 Milchziegen jeweils mit Nachzucht gehalten. In seinem Arbeitsprojekt befasste er sich mit den Auswirkungen von dreimaligem Melken der Ziegen auf Milchleistung und Eutergesundheit. Er kam zu dem Schluss, dass sich mit dreimaligem Melken zwar Milchleistung und damit auch das Betriebseinkommen steigern lasse, das System aber wegen der zeitlich ungünstigen Melkzeiten eindeutig zu Lasten der Lebensqualität gehe.

Michael Kohnle kommt aus Reimlingen im Landkreis Donau-Ries. Der elterliche Betrieb, der in diesem Sommer auf ökologischen Landbau umgestellt wurde, umfasst 65 Hektar Ackerland und in Kooperation mit vier anderen Betrieben eine Zwei-Megawatt-Biogasanlage. Da er, wie er betonte, ohne die Pflanze Mais nicht leben könne, befasste er sich in seinem Projekt mit dem Vergleich von Sorten und verschiedenen Düngern im ökologischen Körnermaisanbau zur Biogasproduktion. Interessant an seiner Arbeit ist die separate Ernte der Maiskörner als Marktfrucht und der Pflanze zur Biogasproduktion. Johannes Kayßer kommt vom „Tannenhof“ bei Bebra in Nordhessen. Es handelt sich um einen Bioland-Betrieb seit 1990 mit 60 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon etwa zwei bis drei Hektar Tee- und Gewürzkräuter-Anbau. In seiner Arbeit befasste er sich intensiv mit dem Anbau des moldawischen oder türkischen Drachenkopfes zur Teeproduktion. Er untersuchte den Einfluss von Düngung, Beregnung und Vliesabdeckung auf den Erntezeitpunkt.

Die Münchnerin Martina Bisigo arbeitet auf dem Betrieb ihres Freundes in Feldkirchen-Westerham. Die landwirtschaftliche Nutzfläche besteht aus 3,2 Hektar Acker- und 20 Hektar Grünland. Gehalten werden unter anderem 20 Milchkühe mit Nachzucht. Sie arbeitete an der Verbesserung der Kälbergesundheit unter besonderer Berücksichtigung des Besaugens bei Kälbern und dokumentierte die umfangreichen Ergebnisse in ihrer Arbeit. Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier wies abschließend auf den nächsten Vortrag in der Reihe hin: Am 20. Januar 2014 spricht Johannes Selmansberger, Imker und Naturschützer, im Gasthof „Zur Insel“ zum Thema „Kann die Honigbiene überleben? Die Umweltauswirkungen auf das Bienenleben – Was muss sich ändern?“

Großes Interesse fanden die Vorträge. Voll besetzt mit Zuhörern war der Saal des Gasthofes zur Insel in Landshut

Vielfalt des Öko-Landbaus aufgezeigt

Schulleiter Johann Schneck (rechts) führte durch das Öko-Versuchsfeld und stellte die einzelnen Anbauparzellen vor

Staatliche Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn stellte ihr Versuchsfeld vor  

Auch heuer fanden sich wieder viele Biobauern, Anbauberater und am ökologischen Landbau Interessierte auf dem Versuchsfeld der Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau in Schönbrunn zur Besichtigung ein. Die Führung wurde gemeinsam von der Ökoschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe veranstaltet. Schulleiter Johann Schneck, der wie jedes Jahr die Führung sehr kompetent leitete, informierte eingangs, dass das Versuchsfeld seit 1988 ökologisch bewirtschaftet werde. Das Feld befinde sich auf kalkhaltigem Isarterrassenschotter, habe deshalb einen hohen pH-Wert, sei wasserdurchlässig, habe eine gute Bearbeitbarkeit und eine hohe Nährstofftransformation. Negativ sei die Neigung zu Trockenschäden sowie die unterschiedlichen Bodenverhältnisse, was vergleichbare Exaktversuche ausschließe.  

Die Fruchtfolge bestehe, so Schneck, aus den Gliedern Klee, Wintergetreide (Weizen, Emmer, Einkorn), Sommergetreide (Gerste, Hafer, Sommerweizen), nochmals Wintergetreide (Wintergerste, Dinkel, Roggen, Triticale). Beim Fruchtfolgeglied Klee würden Weiß-, Gelb- und Inkarnatklee ausgesät. Versuche mit Schwefeldüngungen im Klee brachten heuer – im Gegensatz zum vergangenen Jahr – keine Mehrerträge. Der Winterweizen brachte im vergangenen Jahr die schwächsten Erträge seit Bestehen des Versuchsfeldes. Dieses Jahr ließen die Bestände aber wieder gute Erträge erwarten. Wie Schneck erläuterte, hätten sich trotz der heurigen witterungsbedingt späten Aussaat des Sommergetreides hier die Bestände recht positiv entwickelt. Versucht wurde auf einzelnen Parzellen eine Düngung mit Kleesilage. Diese zeigte zwar positive Wirkung, sei wegen des hohen Arbeitsaufwandes aber diskussionswürdig.  

Die Körnerleguminosen entwickelten sich laut Schneck im ökologischen Landbau in den letzten Jahren zunehmend zu Sorgenkindern. Die exakten Gründe für eine gewisse Leguminosenmüdigkeit könnten derzeit aber nur vermutet werden, da genaue wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse noch fehlten. In diesem Jahr hätten sich die Erbsen aber recht positiv entwickelt. Wintergerste, Roggen, Triticale und Dinkel stünden in diesem Jahr nach Körnerleguminosen, was schöne Bestände bewirke. Die Wintergerste werde relativ spät gesät, zwischen 25. September und 5. Oktober. Dies bewirke, so der engagierte Pflanzenbauer, dass die Bestände grün in den Winter gingen und sich im Frühjahr gut entwickeln könnten. Zur Bodenbearbeitung stellte Schneck fest, dass der seit letztem Jahr eingesetzte Stoppelhobel positive, aber auch negative Auswirkungen habe. Positiv sei die Reduzierung der Ackerkratzdistel und die krümelige Bodenstruktur, negativ die Zunahme an Samenunkräutern. In diesem Anbaujahr wurde deshalb bei verschiedenen Kulturen auch wieder der Pflug eingesetzt.                                         

Die Veranstaltung wurde leider durch einen heftigen Gewitterregen abrupt beendet. Übrigens der erste Regen bei einer Führung seit gut 20 Jahren, wie Schulleiter Hans Schneck betonte. Die Studierenden des zweiten Semesters der Ökoschule sorgten anschließend für eine gute Bewirtung der durchnässten Besucher mit Ökoerzeugnissen, während dessen die Landwirte ihre Erfahrungen mit dem Ökolandbau austauschten. 

"Mir hams satt!" - BN Kreisgruppe demonstrierte in München

München 13.07.2013. "Mir hams satt“ – Gemeinsam mit ca. 8.000 Bürgerinnen und Bürger demonstrierten Naturschützer der Kreisgruppe Landshut am 13. Juli 2013 in München vor der Bayerischen Staatskanzlei gegen Agrarindustrie und Flächenfraß.

Bauern, Verbraucher, Umweltschützer, Imker und Gegner von Massentierhaltungsanlagen demonstrierten in München für Veränderungen zum Schutz der bayerischen Heimat. Der Bau neuer Massentierhaltungsanlagen, die Zulassung getechnisch veränderter Pflanzen und die weitere Zubetonierung und Verlärmung der Landschaft durch unnötige Verkehrsprojekte wie der Weiterbau der B 15 neu und die geplante 3. Startbahn müssten endlich beendet werden. 

Bäuerliche Landwirtschaft in Bayern und die Imkerei müssten  endlich vor den Agrar- und Chemiekonzernen geschützt werden.

Aufgerufen zu der Demonstration hatte ein breiter Träger- und Unterstützerkreis aus Bürgerinitiativen, Verbraucher-und Umweltschutzverbänden, kritischen Bauernverbänden und entwicklungspolitischen Organisationen.

Weitere Berichte finden sich auf der Webseite des Landesverbandes unter http://www.bund-naturschutz.de/mir-hams-satt-muenchen-2013.html

Ein Biogärtner mit Leib und Seele

Gärtnermeister Josef Degenbeck (rechts) erläuterte den vielen Besuchern seine Philosophie zum Gartenbau

BN-Kreisgruppe und Ökoschule organisierten die Besichtigung der Biogärtnerei Degenbeck

Vilsbiburg 10.06.2013. Als Biogärtner mit Leib und Seele, ausgestattet mit viel Idealismus, Begeisterungsfähigkeit und Stehvermögen präsentierte sich der Gärtnermeister Josef Degenbeck 10. Juni 2013 bei der Besichtigung seiner Biogärtnerei in Großmaulberg bei Vilsbiburg. Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Informationsreihe „Boden- und Gewässerschutz – gesunde Lebensmittel“ von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau Schönbrunn durchgeführt. Zu Beginn seiner Ausführungen berichtete Degenbeck, dass Gärtner schon immer sein Traumberuf gewesen sei. Er habe deshalb 1996 eine Ausbildung im Zierpflanzenbau angefangen. Der massive Einsatz von chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln habe ihm jedoch sehr widerstrebt. Er habe deshalb noch eine weitere Ausbildung im biologischen Gemüsebau draufgesetzt.  

2002 habe er zusammen mit seinem Bruder ein altes landwirtschaftliches Anwesen in Großmaulberg mit etwa 5,5 Hektar Fläche gekauft, berichtete Degenbeck. Der Bruder übernahm die Hofstelle, er die Nutzflächen. So hatte er zwar eine Fläche, aber kaum Kapital, etwas darauf zu errichten. Die ersten Baumaßnahmen seien der Wiederaufbau eines alten Gewächshauses, die Errichtung einer Regenwasserzisterne und der Bau einer Wasserleitung von einem benachbarten Gehöft gewesen. Da mehr Gewächshäuser benötigt wurden, seien zwei Folientunnels errichtet worden. Er habe, fuhr der engagierte Gärtner weiter fort, fast Tag und Naht gearbeitet und den Gemüsebau erweitert. Die Familie hätte ihn dabei massiv unterstützt. 2010 wurde dann ein Betriebsgebäude errichtet, welches einen Lagerraum, den Hofladen und das Büro beherberge.  

Während eines Rundgangs stellte Josef Degenbeck nicht nur seine weitläufigen und vielfältigen Gemüseanbauflächen vor sondern er erläuterte auch seine Betriebsphilosophie. Sie bestehe darin, in überschaubaren Strukturen zu arbeiten. Wachstum um jeden Preis komme für ihn nicht infrage. Entgegen vielen Betriebsberatungen sei sein Tun nicht profitorientiert. Vielmehr wolle er die Flächen, die ihm zur Verfügung stünden, mit natürlichen Mitteln und ganzheitlichem Denken pflegen und bearbeiten. Um die natürliche Vielfalt auf seinem Betriebsgelände zu vergrößern, seien zusammen mit der BN-Ortsgruppe Vilsbiburg umfangreiche Pflanzungen vorgenommen worden. Eine Streuobstwiese, fruchttragende Feldhecken und Blumenwiesen ermöglichen die Ansiedlung von Vögeln, Insekten und anderen Tieren.

Zum Schluss appellierte stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer an die zahlreichen Besucher, klein strukturierte regionale Vermarktungsformen zu unterstützen, auch wenn die Erzeugnisse teuerer seien. Im Gegensatz zu den oft anonymen Supermarkterzeugnissen wisse man hier, was man kaufe und könne sich auch vor Ort ein Bild machen. 

Bauernhöfe statt Agrarfabriken

Landshuter Naturschützer beteiligten sich an der Großdemonstration "Wir haben es satt!" am 19.01.2013 in Berlin

Landshuter fordern bei Großdemonstration in Berlin eine ökologische und soziale Agrarwende

Berlin 19.01.2013. Zu Beginn der weltweit größten Landwirtschaftsmesse, der "Internationalen Grünen Woche", beteiligten sich erneut zahlreiche Natur- und Tierschützer aus Stadt und Landkreis Landshut am 19. Januar 2013 an einer Großdemonstration in Berlin und forderten eine ökologische und soziale Agrarwende. Gemeinsam mit ca. 25.000 Menschen und begleitet von zahlreichen Traktoren aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützten die Landshuter - wie bereits in den Vorjahren - den Protest gegen die Genehmigung von Tierfabriken, den Missbrauch von Antibiotika, Umweltschäden durch den Einsatz giftiger Pestizide, den zunehmenden Preisdruck auf die Erzeuger und kritisierten die negativen Auswirkungen auf die kleinbäuerlichen Strukturen.

Landshuter Naturschützer forderten "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" und forderten vor dem Bundeskanzleramt die Interessen von Verbrauchern und Landwirten in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, Tier- und Umweltschutz zu beachten und nicht weiter die Agrarindustrie mit 65 Mrd. € pro Jahr (EU-weit) finanziell zu unterstützen. Subventionen müssen an soziale, an ökologische und an Tierschutz-Kriterien gebunden sein. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, faire Regeln durchzusetzen anstatt die Agrarmärkte weiter zu liberalisieren, heimisches Futter statt Gentech-Soja zu fördern, die Spekulation mit Lebensmitteln zu verbieten und die Exportförderung landwirtschaftlicher Produkte zu beenden.

Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern, kritisierte in seiner Rede vor dem Kanzleramt am Schluss der Großdemonstration, welche unter dem Motto "Wir haben es satt!" stand: „Hoffentlich hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Rundgang auf der Grünen Woche nicht von den potemkinschen Dörfern der Agrarindustrie blenden lassen. Hinter dem schönen Schein der Messestände verbergen sich millionenfaches Tierleid, ein exorbitanter Antibiotikaeinsatz bei Masttieren und enorme Belastungen der Umwelt durch die Massentierhaltung. In der Agrarpolitik Deutschlands und der Europäischen Union sind neue Weichenstellungen überfällig. Die Bundesregierung mit Kanzlerin Merkel und Agrarministerin Aigner muss endlich dafür sorgen, dass bäuerliche Betriebe anstatt vor allem Tierfabriken gefördert werden.“ Eine solche Politik nütze nicht nur dem Tierschutz und den Landwirten, sie schaffe auch die Voraussetzungen für mehr Umwelt- und Verbraucherschutz.

Eine Diashow zur Demonstration ist zu sehen unter http://www.flickr.com/photos/80493129@N08/sets/72157632553045082/show/

Wir haben es satt ! - Berlin 2013


Feldversuche im ökologischen Landbau

Studierende der Ökofachschule stellten ihre Meisterarbeitsprojekte vor (ab Zweitem von links): Michael Kümmerer, Josef Wild, Johannes Wild, Marinus Hartl und Ludwig Huber. Links: Schulleiter Johann Schneck, rechts: Martin Lackermeier, BN-Fachbeirat

Studierende der Fachschule für Ökolandbau stellten ihre Meisterarbeitsprojekte vor

Landshut 19.11.2012. Mit der Vorstellung ihrer Meisterarbeitsprojekte durch fünf Studierende der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, Schönbrunn, begann am Montag, 19. November 2012 im Gasthaus „Zur Insel“ in Landshut die Veranstaltungsreihe „Boden- und Grundwasserschutz – gesunde Lebensmittel“. Veranstaltet wird die Reihe von der Fachschule zusammen mit der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz. Schulleiter Johann Schneck stellte eingangs fest, die Arbeitsprojekte seien Teil der Meisterprüfung. Diese werde von den Studierenden zeitgleich mit dem Schulabschluss abgelegt. Dies bedeute, so Schneck, vom Prüfungsumfang her für die Meisteranwärter schon eine beträchtliche Belastung. Positiv sei aber, dass sie die Meisterprüfung ein Jahr früher ablegen könnten, als in anderen landwirtschaftlichen Fachschulen.

Michael Kümmerer kommt aus Schrotzberg im Landkreis Schwäbisch Hall. Seine Familie bewirtschaftet einen 100 Hektar großen Ackerbaubetrieb, der seit 1987 ökologisch bewirtschaftet wird. Er verglich in seinem Versuch den Anbau der Körnerleguminosen Ackerbohnen, Erbsen und Sojabohnen in Mulchsaat und Saat nach einer Pflugfurche. Auch Josef Wild stammt aus Baden-Württemberg, aus Bad Waldsee bei Ravensburg, von einem Milchviehbetrieb mit 80 Kühen. Er untersuchte die Wirkung von Düngung mit aufbereiteter Gülle auf den Silomaisertrag. Zur Aufbereitung verwendet wurden Urgesteinsmehl, Kohlengries, effektive Mikroorganismen und Mykornizapilze. Johannes Wild bewirtschaftet in Wolkering bei Regensburg mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit 65 Kühen, etwa 65 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und einer Biogasanlage. Ausgehend von der Problemstellung Kälberdurchfall unersuchte er die Auswirkung verschiedener Fütterung in der ökologischen Kälberaufzucht. Marinus Hartl bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit 20 Kühen in Samerberg im Landkreis Rosenheim. Er hat auf seinem Grünland erhebliche Probleme mit dem kriechenden und dem scharfen Hahnenfuß. Durch unterschiedliche Dünge- und Pflegemaßnahmen versucht er, diesen zurückzudrängen. Ludwig Huber kommt aus Gelting bei Markt Schwaben. Seine Familie nutzt 60 Hektar Ackerland und hält 15000 Legehennen in Boden- und Freilandhaltung. In seinem Versuch wollte er die Fütterung der Legehennen optimieren und die Futterkosten reduzieren durch die Erhöhung des Erbsenanteils aus eigener Produktion bei einer Reduzierung des zugekauften Sojaschrotes.  

Martin Lackermeier, Fachbeirat der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, wies abschließend darauf hin, dass man diese Vorstellung der Meisterarbeitsprojekte nun schon mehrere Jahre öffentlich durchführe. Er sei, so Lackermeier, jedes Mal wieder beeindruckt vom Umfang der Arbeiten und von der Art der Präsentation durch die Studierenden. Er verwies auch noch auf den nächsten Vortrag in dieser Reihe. Am 18. Februar 2013 spricht im Gasthaus „Zur Insel“ Johann Weinzierl, Vorsitzender des Wasserzweckverbandes der Rottenburger Gruppe zum Thema „Grundwasserschutz tut not“.

„Mangelhafte Umsetzung des Waldgesetzes“

Am „Waldgipfel“ nahmen teil (von links) Klaus Wiedmann, Georg Huber, Ludwig Huber, Rupert Rottmann, Dr. Ralf Straußberger, Richard Mergner, Franz Attenkofer, Alois Wolferstetter, Paul Riederer

„Niederbayerischer Waldgipfel“ in Unterglaim – Treffen von Waldbesitzer-Vertretern und Bund Naturschutz

Zu einem Gedankenaustausch zu aktuellen wald- und jagdpolitischen Themen trafen sich am 2. Juli 2012 im Gasthaus Emslander in Unterglaim bei Ergolding, Landkreis Landshut, Vertreter des Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) und der regionalen Wald- und Forstwirtschaft. Ziel des „Niederbayerischen Waldgipfels“ war neben dem gegenseitigen Kennenlernen Vorbehalte abzubauen und gemeinsame Positionen herauszuarbeiten sowie die Richtigstellung jüngster Pressemitteilungen zu Flächenstilllegungen im Wald.

Ludwig Huber, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Landshut konnte den BN-Landesbeauftragten Richard Mergner und Dr. Ralf Straußberger, den Wald- und Jagdreferenten des BN, sowie Klaus Wiedmann und Paul Riederer von der BN-Kreisgruppe Landshut begrüßen. Von der Forstseite hieß er willkommen Georg Huber, den Vorsitzenden der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern, Forstdirektor Rupert Rottmann vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Landshut sowie Franz Attenkofer und Alois Wolferstetter von der WBV Landshut.

Erstes Thema war die mangelnde Umsetzung des Grundsatzes „Wald vor Wild“ nach dem  Bayerischen Waldgesetz in der Praxis. In fast zwei Drittel der bayerischen Hegegemeinschaften ist nach der Erhebung von 2009 ein zu hoher Verbiss durch Rehe bei den Mischbaumarten festgestellt worden. Ob die Zahlen von 2012 besser werden, werde sich zeigen, berichtete Rupert Rottmann. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die fünf Forderungen, welche die Arbeitsgruppe Jagd des Bayerischen Waldbesitzerverbandes aufgestellt hat, voll unterstützt werden, weil sie den Jagdbetrieb erleichtern. „Es gibt keinen biologischen Grund, warum ein Rehbock im Winter nicht zur Strecke gebracht werden soll“, meinte Ludwig Huber und Klaus Wiedmann ergänzte: „Dies würde die Effizienz von Bewegungsjagden erhöhen und der fast ganzjährige hohe Jagddruck auf unsere heimischen Schalenwildarten könnte reduziert werden“.

Bedenken zur Pflicht-Hegeschau

Mit der Pflicht zur Hegeschau und der zwingenden Vorlage aller erlegten „Rehgwichtl“ zurTrophäenschau hatten alle Anwesenden ihre Bedenken. „Es reicht doch, wenn diese Veranstaltung auf freiwilliger Basis durchgeführt wird“, meinte Dr. Straußberger. Da sich in den letzten Jahren in vielen Gebieten Bayerns keine wesentliche Verbesserung der Verbissbelastung im Wald gezeigt hat, wurde auch die jetzige Praxis zur Kontrolle der Abschusspläne, um gesetzlich vorgegebene Ziele zu erreichen, in Frage gestellt. Hier war sich die Runde einig, dass die Festlegung eines Mindestabschusses, vor allem in Revieren mit zu hohem Verbiss, zielführender wäre. Notwendig ist aber eine stärkere Überwachung des Vollzugs, da die Streckenlisten sehr geduldig sind, betonte Franz Attenkofer. Den Anwesenden war auch kein Fall bekannt, wo eine Jagdbehörde irgendwelche Sanktionen verhängte, wenn der Jagderfolg mangelhaft war und der junge Wald keine Chance zum Wachsen hatte. Ein großes Problem in diesem Zusammenhang ist die derzeitige Praxis der Regulierung von Wildschäden, meinte Ludwig Huber. Deshalb fordert der Waldbesitzerverband ein einfaches Verfahren, bei dem die Schätzkosten den Wildschaden nicht übersteigen und das nicht im Jagdpachtvertrag stehen müsse. Interessant wird auch, wie sich die revierweise Aussage, welche von der Forstverwaltung in ganz Bayern erstmals angeboten wird, bewährt. „Mit der Anlegung von Weiserzäunen könnten die Waldbesitzer dieses Vorhaben unterstützen“, schlug Paul Riederer vor.

Der Klimawandel macht vor dem Wald nicht halt. Die größten Probleme mit der Erwärmung werde die Fichte bekommen, prognostizierte Dr. Straußberger. Von Niederbayern helfe da ein Blick nach Westmittelfranken, wo es etwas trockener und wärmer ist, wo die Klimaerwärmung der Fichte massiv zugesetzt hat. Dort gibt es bereits heute Temperaturen und Niederschläge wie sie auch durch den Klimawandel für das niederbayerische Hügelland zu erwarten seien. Der „Blick in die Zukunft“ verheiße nichts Gutes für die Fichte: in Westmittelfranken sind auf einigen 1000 Hektar über alle Waldbesitzarten hinweg Fichtenwälder abgestorben und riesige Kahlflächen entstanden. „Vorbeugen durch Waldumbau ist das Gebot der Stunde“ hob Mergner hervor. Der rechtzeitige Unterbau mit standortgerechten Baumarten wie Tanne, Buche, Ahorn oder Eiche sei einfacher als die Kultivierung einer Kahlfläche. Lebhaft diskutiert wurde die Rolle der Douglasie im zukünftigen Baumartenmix. Während die Forstseite die Douglasie auf geeigneten Standorten als leistungsfähige und gefragte Art schätzt, verweist der Bund Naturschutz auf diverse ökologische Nachteile. Er betont aber ausdrücklich, dass er natürlich die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen des privaten Waldbesitzers hinsichtlich der Baumartenwahl akzeptiere.

„Stilllegungen nur im öffentlichen Wald“

Jüngste Veröffentlichungen verschiedener Stellen mit der Forderung von Flächenstillungen im Wald haben bei den Vertretern des Privatwaldes für einen Aufschrei gesorgt. BN-Landesbeauftragter Mergner erörterte, dass sich Deutschland bereits auf der 1992 in Rio stattgefundenen Konferenz der Vereinten Nationen als einer von weltweit 193 Staaten zur Umsetzung des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt verpflichtet hat. Darin verpflichten sich die teilnehmenden Staaten, den Arten- und Lebensraumschwund zu stoppen – auch im Wald. Zur Umsetzung verabschiedete die Bundesregierung 2007 die Nationale Biodiversitätsstrategie. Diese sieht vor, 10 Prozent der Waldfläche im öffentlichen Eigentum sich einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Der Bund Naturschutz  unterstützt dieses Vorhaben. Mergner stellte aber ausdrücklich klar, dass hiervon ausschließlich der Wald im öffentlichen Eigentum betroffen ist. Der Privatwald bleibt von diesen Forderungen Seitens des Bundes Naturschutz in Bayern unberührt. Georg Huber vernahm diese Botschaft mit einiger Skepsis, und verwies auf die schlechten Erfahrungen bei der Ausweisung der FFH-Gebiete.

Als Ziel dieses Treffens wurde vereinbart, sich weiterhin auszutauschen und bei gemeinsamen Positionen enger zusammen zu arbeiten und zur Erreichung von gemeinsamen Zielen stärker gemeinsam aufzutreten.

Ein Bauernhof wider den Trend

Auf dem Öko-Hof der Familie Michaelis werden derzeit 20 Milchziegen gehalten
Uwe Michaelis (rechts) informierte über seine Bienenhaltung nach den Biorichtlinien

Bund Naturschutz besuchte Biohof mit Ziegen- und Bienenhaltung, Gemüse- und Ackerbau  

Zahlreiche Besucher fanden sich am 21. Mai 2012 in Unterschneitberg bei Geisenhausen ein, um den Biobauernhof der Familie Michaelis zu besichtigen. Die Führung war Teil der Veranstaltungsreihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, welche derzeit von der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn durchgeführt wird. Eingangs stellte Biobauer Uwe Michelis den Betrieb vor, den er zusammen mit seiner Ehefrau bewirtschaftet. Er arbeitet seit 1987 ökologisch und ist Mitglied beim Anbauverband Bioland. Mit einer bewirtschafteten Fläche von acht Hektar schwimme er gegen den Trend, der auch im ökologischen Landbau zu immer größeren Betrieben führe, betonte Michaelis. Die Fläche teilt sich auf in fünf Hektar Ackerland und drei Hektar Dauergrünland. An Tieren werden 20 Milchziegen, vier Angusochsen und 30 Bienenvölker gehalten. Die Fruchtfolge auf den Feldern bestehe aus Hafer mit einer Kleeeinsaat, zweijährigem Kleegras, Winterweizen, Buchweizen und Dinkel sowie auf einer kleineren Fläche Knoblauch, Zucchini, Zuckermais und Kürbisse.  

Die Milchziegen werden, so Michaelis, im Stall mit Auslauf ins Freie und auf der Weide gehalten. Das Melken der Tiere geschehe zweimal täglich per Hand. Zum Fressen bekommen die Ziegen Grünfutter, Heu und etwas Getreideschrot. Auch Gemüseabfälle und Baumschnitt würden gerne gefressen. Silage  werde nicht verfüttert, um die Qualität des Ziegenkäses nicht negativ zu beeinflussen. Die meiste Milch, berichtete der Biobauer weiter, werde zu Käse verarbeitet, der Rest als Frischmilch verkauft. Ziegenmilch genieße beim Verbraucher einen guten Ruf bei gesundheitlichen Problemen im Magen- und Darmbereich oder bei Allergien.  

Auch die Bienenhaltung erfolge nach den Biorichtlinien, betonte Michaelis. Hier käme häufig der Einwand, was das bringe, den Bienen könne man doch nicht vorschreiben, wohin sie fliegen, sagte der engagierte Imker. Dies sei im Grundsatz schon richtig, es gebe aber doch mehrere Dinge, die im ökologischen Bereich anders gemacht würden als in der konventionellen Haltung. Die Bienenkästen müssten aus natürlichem Material sein, die Schädlingsbekämpfung erfolge ausschließlich mit natürlichen Mitteln ohne Chemie, im Winter müsse mit Biozucker zugefüttert werden. Auch im Wachskreislauf gelten besondere Bestimmungen. Bei der Aufstellung der Kästen könne man beeinflussen, wohin die Bienen fliegen. Nach Möglichkeit sollte dies in der Nähe von ökologisch bewirtschafteten oder naturnahen Flächen sein, erläuterte Michaelis. Die Vermarktung der Erzeugnisse geschehe ab Hof und auf zwei Märkten in Erding und Moosburg.  

Die Besucher zeigten sich sehr beeindruckt von der Vielfalt des Betriebes und dem Engagement, mit dem die Eheleute Michaelis diesen bewirtschaften. Stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer bedankte sich abschließend für die Bereitschaft, Hof- und Stalltüren zu öffnen sowie für die gereichten Kostproben. Er wies auch noch auf die nächsten Öko-Veranstaltungen hin: Am 25. Juni findet im Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn eine Führung auf dem Versuchsfeld der Ökoschule statt. Am 9. Juli wird der Ökobetrieb mit Zuchtsauenhaltung und Ferkelaufzucht von Reinhold Schmid in Grammelsbrunn bei Kirchberg besucht. Beide Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr.

Bodenverdichtungen bereiten Sorgen

Zur Bestimmung der Bodenstruktur hat sich die Spatenprobe – wie auf dem Foto gezeigt – bewährt

Pflanzenbauspezialist Johann Schneck referierte beim BN über die Bodenfruchtbarkeit  

„Bodenfruchtbarkeit ist die Fähigkeit eines Bodens, nachhaltig standortangemessene Erträge zu liefern.“ Dies war einer der Kernsätze von Johann Schneck, Leiter der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachbereich ökologischer Landbau, Schönbrunn, bei seinem Vortrag zum Thema „Bodenfruchtbarkeit natürlich fördern“ im Gasthof zur Insel in Landshut. Die Veranstaltung, in die Martin Lackermeier vom BN einführte, war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, die derzeit von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Öko-Fachschule durchgeführt wird.  

Zu Beginn seiner Ausführungen versuchte Schneck, sich der Bezeichnung Bodenfruchtbarkeit zu nähern. Kriterien einer guten Bodenfruchtbarkeit seien ein gutes Wasserhaltevermögen, eine positive Humusbilanz, ein aktives Bodenleben, eine hohe Luftkapazität und ein schönes Krümelgefüge. Als Gefahren für die Bodenfruchtbarkeit führte der Referent Erosion, Verdichtung, Humusabbau und Schadstoffeintrag an. Die Erosion könne durch eine vielfältige Fruchtfolge, Mulchsaat bei Hackfrüchten oder Winterbegrünung reduziert werden. Zunehmend Sorgen bereiten die Bodenverdichtungen im Unterboden, welche vor allem durch große und schwere Erntemaschinen bei schlechten Erntebedingungen entstünden. Die Frage, ob leichte Strukturschäden in der Krume reversibel seien, beantwortete Schneck mit „eher nicht“. Ein Humusabbau im Boden sei meßbar mit einer Untersuchung der organischen Substanz im Boden. Diese sei in der Regel Bestandteil einer Standardbodenuntersuchung. Methoden der Humusbilanzierung zur Qualitätsbestimmung  beurteilte der Referent eher skeptisch.  

Ausführlich befasste Schneck sich auch mit dem Thema Pflügen, was positive, aber auch negative Auswirkungen haben könne. Positiv sei die Auflockerung der Krume und die daraus resultierende leichte Bestellbarkeit eines gepflügten Feldes. Im ökolgischen Landbau diene das Pflügen der Unterdrückung von Beikraut und der Bekämpfung von Wurzelunkräutern. Negative Auswirkungen habe das Pflügen unstrittig auf die Regenwurmtätigkeit. Ein bodenschonenderes Verfahren als tiefes Pflügen sei die flache Bearbeitung mit Schälpflügen oder einem Stoppelhobel. Eine gute Möglichkeit zur Bestimmung der Bodenstruktur sei eine Spatendiagnose am besten bei Pfahlwurzlern. „Wurzelwachstum sagt mehr aus, als Untersuchungsergebnisse“, betonte der erfahrene Pflanzenbaulehrer Schneck. Aussagekräftige Ergebnisse über das Bodengefüge liefere auch die „Abwurfprobe“, bei der ein herausgestochenes Bodenprofil aus etwa einem Meter Höhe auf den Boden geworfen wird.  

Zum Abschluss seines sehr informativen Vortrags gab Johann Schneck den zahlreichen Besuchern noch einige nachdenkenswerte Anregungen mit auf den Weg. Eine Beschränkung der Achslasten – im Straßenverkehr eine Selbstverständlichkeit – sollte  auch auf den Feldern kein Tabuthema sein. Auch die Trennung von inzwischen mit immer größeren und schwereren Schleppern durchgeführten kombinierten Arbeitsgänge könne im Einzelfall durchaus diskutiert werden.

Agrarpolitik ist keine reine Bauernpolitik

Referent Lutz Ribbe: „Die jetzige Landwirtschaft entspricht nicht mehr den gesellschaftlichen Ansprüchen“

Bund Naturschutz und weitere Verbände organisierten Veranstaltung zur geplanten EU-Agrarreform  

„Die EU-Agrarreform ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Der Ansatz stellt aber noch keine Agrarwende dar.“ Dies war das Resümee von Lutz Ribbe, Mitglied des Wirtschafts- und Sozialausschusses der EU und Vertreter des Bundes Naturschutz in Brüssel, am Ende seines Vortrags über die Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) vor vielen Zuhörern im Gasthaus Stadler in Vilsheim. Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten die Kreisgruppe Landshut und die Ortsgruppe Kleines Vilstal des Bundes Naturschutz (BN), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), der ökologische Anbauverband Naturland, der Tagwerk-Förderverein und der Imkerverein Landshut. 

Eingangs befasste sich Lutz Ribbe mit der Frage, was aus natur- und umweltschützerischer Sicht in unserer Landwirtschaft falsch laufe. Er informierte darüber, dass die EU-Mitgliedsstaaten bereits 2001 beschlossen hatten, dem Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010 Einhalt zu gebieten. Dieses Ziel wurde aber bisher deutlich verfehlt. Zum Thema Treibhausgasemissionen in der deutschen Landwirtschaft stellte Ribbe fest, diese beliefen sich auf 16 Prozent der gesamten Emissionen. Bei der Zielsetzung „minus 80 Prozent bis 2050“ müsse auch die Landwirtschaft ihren Beitrag leisten. Die Folgen der jetzigen gemeinsamen Agrarpolitik seien neben der Natur- und Umweltproblematik ein massiver Verlust an Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum, sowie eine zunehmende industrielle Tierhaltung.  

Nachfolgend befasste sich Ribbe damit, was sich aus seiner Sicht in der gemeinsamen Agrarpolitik ändern müsse. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den früheren EU-Agrarkommissar MacSharry, welcher bereits 1992 festgestellt habe, dass mit Milliarden an Geldern Bauernexistenzen und Umwelt vernichtet würden, dass neue Ziele formuliert werden müssten, nämlich Bauern zum Weiterwirtschaften zu motivieren, Umwelt zu erhalten und ländliche Räume zu entwickeln seien. Für die Zukunft der Landwirtschaft, so Ribbe weiter, würden zwei Entwicklungsmodelle diskutiert. Der eine Ansatz sei das industriell orientierte „Farming“. Hier werde der Bauer als Lieferant möglichst billiger Rohstoffe für die Verarbeitungsindustrie gesehen. Aus dem Boden, den Pflanzen, den Tieren und den Bauern („wachse oder weiche“) sei das Maximum herauszuholen. Natur- und Umweltschutz werden ausschließlich als Kostenfaktor gesehen. Der Gegenentwurf, den er eindeutig favorisiere, sei, so Ribbe, eine multifunktionelle bäuerliche Landwirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit sei hier herzustellen durch die Nutzung neuer Einkommenschancen unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten, mehr Ökologie, höheren Qualitätsstandards und mehr Tierschutz.  

Im letzten Teil seiner Ausführungen befasste sich der Referent damit, was sich voraussichtlich in der EU-Agrarpolitik ändern wird. Die derzeit diskutierte Kommissionsmitteilung vom November 2010 fordere, dass die Direktzahlungen gerechter und grüner („Greening“) werden müssten, dass es keine historischen Bezüge mehr geben dürfe, dass Wettbewerbsnachteile nachhaltig wirtschaftender Betriebe auszugleichen seien und dass die Direktzahlungen die Honorierung klar definierter Leistungen sein müsse. Ein weiteres Ansinnen der Kommission sei auch eine größere Gerechtigkeit bei der Verteilung der Gelder. Derzeit erhielten EU-weit etwa ein Fünftel der Betriebe 70 Prozent der Zahlungen, aber nicht nur Bauern, sondern auch große Firmen, Flughafenbetreiber und Golfplatzinhaber.   Möglichkeiten für ein „Greening“ seien die Erhaltung von Dauergünland, eine vielfältige Fruchtfolge und eine ökologische Flächenstilllegung (derzeitiger Vorschlag sieben Prozent). Weitgehend Einigkeit, so Ribbe, bestehe derzeit auch darüber, dass die jetzige Landwirtschaft nicht mehr den gesellschaftlichen Ansprüchen entspreche, da häufig die Ökologie fehle. Der Haushaltsansatz sei nur haltbar mit einer Umweltbegründung. Agrarpolitik, stellte Ribbe abschließend fest, sei keine reine Bauernpolitik mehr, sondern ländliche Entwicklungspolitik.  

In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von BN-Ortsgruppenvorsitzendem Johannes Selmansberger stellte der Kreisvorsitzende der Imker, Bartl Frey, fest, dass er dramatische Veränderungen in der Natur feststelle, die auch zu einem großen Bienensterben führten. Hans Hohenester, langjähriger Biobauer aus Altdorf und Vorsitzender des Naturlandverbandes, bedauerte den häufig fehlenden politischen Willen zu mehr ökologischem Landbau, obwohl gute Marktchancen bestünden. Biobauer Josef Schmid aus Neufraunhofen, Landesvorsitzender der AbL, forderte bei der Festlegung der Direktzahlungen eine größere Berücksichtigung der Zahl der Arbeitskräfte auf den Bauernhöfen. Dr. Michael Rittershofer, Geschäftsführer des Tagwerk-Fördervereins, verwies auf die sowohl landes- als auch bundesweit bestehenden alternativen Agrarbündnisse, mit denen versucht werde, Druck auf die Politik auszuüben, um eine andere Landwirtschaft durchzusetzen. Von mehreren Diskussionsteilnehmern wurde auch eine stärkere Berücksichtigung der Verbraucherinteressen eingefordert. Viele Menschen wollen eine andere Landwirtschaft, so der Tenor. Hierzu stellte Referent Lutz Ribbe fest, der Verbraucher habe durch sein Kaufverhalten die Macht, etwas zu ändern.

„Wir haben es satt“

Die Landshuter BN-Abordnung zeigte Flagge bei der Demonstration

BN-Delegation beteiligte sich an der Agrar-Demonstration in Berlin

Unter dem Motto „Wir haben es satt“ fand am Samstag, 21. Januar 2012, in Berlin eine Großdemonstration gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik auf dem Acker und im Essen sowie gegen Tierquälerei in Megaställen statt. Trotz Kälte, Schnee und Regen fanden sich 23.000 Menschen mit bunten Fahnen, Transparenten und Schildern aus ganz Deutschland nahe des Kanzleramtes ein, um lautstark für eine nachhaltige Landwirtschaft zu demonstrieren. Mit dabei war auch eine Abordnung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut. Zu dem Protest hatten zahlreiche Organisationen aus den Bereichen Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie der Landwirtschaft aufgerufen. Einer der Hauptorganisatoren war der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Redner, unter ihnen auch BUND- und BN-Vorsitzender Professor Dr. Hubert Weiger, warfen der Bundesregierung unter anderem vor, bei der Reform der EU-Agrarpolitik bislang Steigbügelhalter für die Agrarindustrie zu sein. Agrarzahlungen müssten an ökologische, soziale und Tierschutzkriterien gekoppelt und für Großbetriebe gedeckelt werden. Sämtliche Subventionen für den Agrarexport seien zu stoppen.

Überzeugender Hauptredner war BN-Vorsitzender Dr. Hubert Weiger

Lebensmittel ohne Gentechnik

Info-Veranstaltung für Bauern und Verbraucher mit Josef Feilmeier am 18. Januar um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Linde“ in Leberskirchen bei Schalkham 

„Keine Gentechnik auf Acker und Teller – eine Chance für Bauern und Verbraucher“ heißt der Titel einer öffentlichen Informations- und Diskussionsver­anstaltung, die am Mittwoch, 18. Januar, um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Linde“ in Leberskir­chen bei Vilsbiburg stattfindet. Referent ist Josef Feilmeier aus Hofkirchen bei Passau. Er ist Mitglied der Internationale Arbeitsgruppe Futtermittel und des VLOG, Verband Lebensmittel ohne Gentechnik, sowie Nachhaltigkeitspreisträger. Die meisten Verbraucher lehnen die Produktion und den Verkauf gentechnisch veränderter Lebensmit­tel generell ab. So stehen die Bauern zwischen Chemie-/Agrokonzernen und der Futter­mittelindustrie auf der einen und den Verbrauchern auf der anderen Seite.  Eine Kenn­zeichnung von Milch- und Fleischprodukten, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln erzeugt wurden, sei gesetzlich nicht vorgeschrieben. Das Füttern der Tiere mit oder ohne genver­änderten Futtermitteln und die Produktion gentechnikfreier Lebensmittel entscheiden die Landwirte nach Meinung Feilmeiers in eigener Verantwortung, den Einkauf von Lebensmitteln die Verbraucher. Der Referent wird in seinem Vortrag darauf hinweisen, dass gentechnikfreie Futtermittel längst am Markt verfügbar und nur minimal teuerer sind. Verbraucher und Landwirte haben es in der Hand, nicht in die Abhängigkeitsfalle der Gentechnik-Konzerne zu tappen. Dazu will Josef Feilmeier nach seinem Referat mit Bau­ern und Verbraucher diskutieren. Durchgeführt wird die Informations- und Diskussionsver­anstaltung  von der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN), den BN-Orts­gruppen Vilsbiburg und Geisenhausen, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), von Naturland e. V. und dem Tagwerk-Förderverein.


Keine Patente auf Brokoli und Tomaten!

Patente auf Pflanzen und Nutztiere ermöglichen es Firmen wie Monsanto, Dypont, Syngenta, Bayer und BASF sich Monopolrechte an Pflanzen und Tieren zu sichern. Die internationalen Konzerne übernehmen so die Kontrolle über die Grundlagen der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung. Dagegen demontrierten am 26. Oktober 2011 viele hundert engagierte BürgerInnen - darunter auch viele Aktive der Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut - vor dem Europäischen Patentamt in München.

„Agrarökologische Revolution notwendig“

Benedikt Haerlin referierte über den Weltagrarbericht und die Landwirtschaft von morgen

Landshut. „Die Lösungen der letzten 40 Jahre sind nicht die Lösungen der Probleme in der Landwirtschaft und der Welternährung der Zukunft.“ Die war eine wesentliche Aussage von Benedikt Haerlin, Leiter des Berliner Büros der „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“ bei der Vorstellung des Weltagrarbericht im vollbesetzten großen Vortragssaal der Volkshochschule Landshut. Zu dieser Veranstaltung eingeladen hatten die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, die Friedensinitiative Landshut, der Landshuter Arbeitskreis Partnerschaft mit der dritten Welt, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Bund deutscher Milchviehhalter, der Naturlandverband, Tagwerk und die Industriegewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt.

Benedikt Haerlin, Mitautor des Weltagrarberichts, erläuterte eingangs, dass der Weltagrarbericht von der UNO und der Weltbank angeregt wurde mit der Themenstellung „Wie kann die Landwirtschaft der Zukunft aussehen, um die Welternährung zu sichern?“ Wissenschaftler und Praktiker aus der ganzen Welt hatten sich daraufhin in einem demokratischen Prozess darangemacht, eine Bestandsaufnahme der weltweiten Landwirtschaft zu machen und Ideen für die Zukunft zu entwickeln. Den Tenor dieser Arbeit könne man in dem Satz zusammenfassen, dass ein Weitermachen wie bisher für die Zukunft keine Option darstelle. Denn obwohl 2011 mit voraussichtlich 2,3 Milliarden Tonnen Getreide die größte Erntemenge der Menschheitsgeschichte eingefahren würde, gebe es laut der Welternährungsorganisation FAO weltweit 925 Millionen hungernde Menschen, die meisten in Asien und Afrika. Gründe hierfür seien, dass nur 47 Prozent des produzierten Getreides direkt der menschlichen Ernährung diene. Der Rest werde überwiegend als Tierfutter zur stark gestiegenen Fleischproduktion und für Energie und Treibstoffe verwendet. Außerdem, bedauerte Haerlin, würden große Mengen fertig produzierter Lebensmittel weggeworfen: in Europa etwa 30 Prozent, in den USA sogar 50 Prozent,

Die Prognose der FAO, an der sich auch die deutsche Agrarpolitik orientiere, wonach bis 2030 eine 70-prozentige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion notwendig sei, um die Welternährung zu sichern, sei mit großer Vorsicht zu genießen. Vielmehr, so der Referent weiter, sei diese Steigerung nur notwendig, wenn die Menschheit so weitermache wie bisher. Kritisch sah der Referent auch die starke Konzentration in allen Bereichen der Lebensmittelproduktion, angefangen bei der Saatgutproduktion bis zur Verarbeitung und dem Handel. Der Konzern Monsanto beispielsweise kontrolliere mittlerweile weltweit den Löwenanteil des Saatgutes für Mais, Soja und wichtige Gemüsepflanzen.

Anschließend fasste Haerlin die zentralen Botschaften des Weltagrarberichts zusammen: So müsse sich die Landwirtschaft an den Problemen orientieren und nicht von vornherein auf  Lösungen fixiert sein. Die Landwirtschaft sei multifunktional und gehe weit über die Lebensmittelproduktion hinaus. Wichtige Beiträge seien unter anderen der Umweltschutz, die Schaffung von Arbeitsplätzen, von Lebensmittelsicherheit und sozialer Stabilität. Im Gegensatz zu dem in Europa und in Nordamerika gepredigten Grundsatz „wachse oder weiche“ seien in der Zukunft weltweit die Kleinbauern entscheidend. Es könne nicht sein, dass die Bauern in Deutschland eine aussterbende Spezies seien. Vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern haben die Frauen eine sehr wichtige Funktion. Laut Weltagrarbericht spielten sie auch in der Zukunft eine entscheidende Rolle für eine funktionierende Landwirtschaft. Auch müsse der Hunger vor Ort und nicht durch Lebensmittellieferungen aus den reichen Ländern überwunden werden. Weltweit sei auch eine „agrarökologische  Revolution“ notwendig, um die Landwirte aus der Abhängigkeit von einigen Agrarchemiemultis mit enormer Marktmacht zu befreien und um die Lebens- und Produktionsgrundlagen zu sichern. Zum Schluss seines mit viel Beifall bedachten Vortrags stellte Haerlin fest, dass der Weltagrarbericht nach Jahren der Ignoranz nun ernstgenommen werde. 60 Länder haben den Bericht bereits unterzeichnet. Deutschland und die USA seien leider nicht unter den Unterzeichnern.

Den Weltagrarbericht in Kurzform gibt es als Broschüre in der BN-Geschäftsstelle, Altstadt 105, und im Dritte-Welt-Laden, Grasgasse

Wege aus der Hungerkrise

Kurt Büttler, Kathy Mühlebach-Sturm, Franz Reiter, Martin Lackermeier, Josef Schmid und Paul Riederer (von rechts) bereiteten die Veranstaltungsreihe vor

Vereine organisieren Veranstaltungsreihe zur Agrarwirtschaft und Ernährung

Zur Vorbereitung einer Veranstaltungsreihe zum Thema Agrarwirtschaft und Ernährung trafen sich Vertreter von Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN), Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL), Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (MDB), Friedensinitiative Landshut, Landshuter AK Partnerschaft mit der Dritten Welt, Naturland e. V., Tagwerk-Förderverein und Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Auslöser dieses Treffens waren die Erkenntnisse des jüngsten Weltagrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen. Die Teilnehmer – Kathy Mühlebach-Sturm (BN), Paul Riederer (BN), Kurt Büttler (Partnerschaft mit der Dritten Welt), Franz Reiter (Friedensinitiative), Josef Schmid (AbL) und Martin Lackermeier (Naturland) – setzten sich mit dem Weltagrarbericht auseinander, der aufzeigt, dass noch nie auf der Welt wie heute so viele Menschen an Hunger leiden.

Dabei würden mit jährlich 2,3 Milliarden Tonnen Getreide mehr Lebensmittel produziert werden als je zuvor, 47 Prozent dieser Ernte dienen der menschlichen Ernährung. Der Rest werde zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen weiterverarbeitet. In den Entwicklungsländern werde zum Schaden der eigenen Bevölkerung zum großen Teil für den Export produziert und im Gegenzug hoch subventionierte Lebensmittel aus der EU wieder importiert. Das schade den Märkten in den Entwicklungsländern. In der gegenwärtigen Struktur von Landwirtschaft und Handel könne die Weltbevölkerung trotz Überproduktion nicht ernährt werden, heißt es im Weltagrarbericht.

Für die Veranstaltungsreihe wurden von den Teilnehmern des Vorbereitungstreffens drei Vorträge und zwei Ausstellungen  festgelegt: Am 18. Oktober zeigt Benedikt Haerlin, Mitverfasser des Weltagrarberichts, in seinem Vortrag „Wege aus der Hungerkrise“ auf, dass es die kleinbäuerlichen Strukturen mit ökologischen Anbaumethoden und vorausschauender Nutzung von Ressourcen sind, die Garanten darstellen für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Lebensmittelversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung. Der Vortrag mit Diskussion findet um 20 Uhr im großen Vortragssaal der Volkshochschule Landshut statt. Begleitet wird diese Veranstaltung von den zwei Ausstellungen „Was hat Hunger mit Soja zu tun?“ und „Landraub und Landnutzungskonflikte“. Die Ausstellungen werden vom 12. Oktober bis 20. Oktober ebenfalls in der VHS gezeigt.

Fortgeführt wird die Veranstaltungsreihe „Agrarwirtschaft und Ernährung“ am 18. Januar 2012, um 20 Uhr im Gasthaus „Linde“ in Leberskirchen mit dem Vortrag „Keine Gentechnik auf Acker und Teller!“ von Josef Feilmeier, Landwirt und Landhändler. Über die „Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik – Ist die EU-Reform gut für Bayerns Natur, Landschaft, Bauern und Verbraucher?“ spricht am 1. März 2012 um 20 Uhr im Gasthaus Stadler in Vilsheim Lutz Ribbe, Mitglied des Wirtschafts- und Sozialausschusses der EU. Die Teilnehmer am Vorbereitungsgespräch zur Vortragsreihe erhoffen sich wegen der Aktualität der Themen und der allgemeinen Betroffenheit einen guten Besuch von Landwirten und Verbrauchern.

Agrarbündnis Bayern

Der Bund Naturschutz hat federführend am Aufbau des Agrarbündnis Bayern mitgewirkt und mischt sich weiter in die agrarpolitische Diskussion ein.

Das Agrarbündnis Bayern steht für eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik; sozial gerecht, bäuerlich, ökologisch und umweltschonend, EU- und weltweit.

Unsere Forderungen an die bayerische Politik entnehmen Sie dem Flyer des Agrarbündnis Bayern sowie einem offenen Brief an den BBV, der das Agrarbündnis Bayern im landwirtschaftlichen Wochenblatt massiv agitiert hat. Ein gekürzter Leserbrief wird im nächsten Landwirtschaftlichen Wochenblatt erscheinen. Weitere Verbreitung beider Dateien ist ausdrücklich  erwünscht !  

Weitere Informationen unter: http://www.bund-naturschutz.de/fakten/landwirtschaft/agrarwende.html

Naturschützer feiern im Bauerngarten

Das von Brigitte Englbrecht (rechts stehend) organisierte bunte Spieleprogamm war ein Magnet für die jungen Festbesucher

BN-Sommer- und Kinderfest 2011 beim „Tag der offenen Gartentür“  

Der „Tag der offenen Gartentür“ in Verbindung mit dem Sommer- und Kinderfest der Bund-Na­turschutz-Kreisgruppe im Bauerngarten der Familie Reiter in Berghofen zog an die 500 Besucher an. Das Sax & Piano-Duo Mitch Petri und Erich Mayer sorgte mit einer bunten Melodienfolge für die musikalische Unterhaltung und das fleißige Büfett-Personal vom Bioland-Hof Braun bewirteten die Gäste mit Brotzeiten, Kaffee und Kuchen. Für die Kinder hatte BN-Geschäftsstellenleiterin Brigitte Englbrecht ein buntes Spieleprogramm organisiert, das den ganzen Tag über großen Zuspruch von Seiten  der jungen Festbesucher fand.

Maria Reiter führte die Gäste durch ihren Bauerngarten, Gemüsegarten und „Ewigen Garten“ und gab dabei viele Tipps zum „Garteln“ (rechtes Foto). In enger Kooperation mit Arche Noah Österreich,  der Gesellschaft für die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, bewirtschaftet sie seit fast zwei Jahrzehnten einen mit Küchenkräutern, Heilkräutern und Blumen ländlich gestalteten Hausgarten, der die Schönheit und das Nützliche auf eindringliche Art und Weise erleben lässt. Ganz besonders hat es Maria Reiter dabei die Vielfalt alter Tomatensorten angetan. Sie vermehrt diese Pflanzen nicht nur für ihren Eigenbedarf, sondern gibt Pflanzen auch an interessierte Liebhaber weiter. 

Auf dem BN-Sommerfest-Programm standen auch Führungen von Josef Maierbeck in die Berghofener Kirche St. Peter und Paul. Der Heimatforscher erklärte den zahlreichen Kunstinteressierten die Geschichte dieser gotischen Kirche, die vor allem auch wegen ihrer Freskenmalereien weit über die heimatlichen Grenzen hinaus bekannt ist.

Maria Reiter (rechts) führte durch ihren Bauerngarten und gab den interessierten Besuchern viele Gartentipps
Josef Maierbeck (rechts) erklärte in der Kirche St. Peter und Paul die mittelalterlichen Freskenmalereien

Artenvielfalt auf Öko-Flächen

Eine Exkursion zu Öko-Flächen organisierte die BN-Ortsgruppe „Kleines Vilstal“. Die Biobauern Martin Lackermeier (3. v. l.) und Josef Priller (5. v. l.) stellten ihre Felder vor

Bund-Naturschutz-Exkursion führte zu Feldern benachbarter Biobauern

Vilsheim. „Ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen sind aufgrund ihrer Artenvielfalt im pflanzlichen und tierischen Bereich ein Segen für die Natur. Es wäre deshalb sehr positiv, wenn mehr Bauern ihre Betriebe auf ökologische Wirtschaftsweise umstellen würden.“ Diese Feststellung traf Johannes Selmansberger, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe „Kleines Vilstal“ zum Abschluss einer Exkursion zu ökologisch bewirtschafteten Flächen im Raum Gessendorf, Gemeinde Vilsheim. Besichtigt wurden unmittelbar zusammenhängende Felder und Wiesen von drei Naturland-Bauern und ein von der BN-Ortsgruppe gepflegtes Biotop.

Emil Forster aus Oberfroschham wirtschaftet seit etwa zehn Jahren ökologisch. In diesem Anbaujahr habe er Roggen, Triticale und Hafer sowie Kleegras ausgesät. Alle drei Getreidearten seien eher anspruchslose Kulturen und passten deshalb gut zum Öko-Landbau. Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, und der Roggen seien wegen der Pflanzenlänge auch gut für die Unterdrückung der Beikräuter. Das Kleegras habe im Ökolandbau vor allem die Funktion des Bodenaufbaues. Josef Priller aus Gessendorf berichtete, dass er seit zwei Jahren ökologisch wirtschafte. Vor seinem großen Ackerbohnenfeld erläuterte er die Bedeutung dieser Kultur im ökologischen Landbau. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft, wo der Haupteiweißträger in der Tierfütterung importierter Sojaschrot, hauptsächlich aus Übersee, sei, säten die Biobauern ihre Eiweißpflanzen auch aus Fruchtfolgegründen selber an. Die Körnerleguminosen Ackerbohnen und Erbsen seien, so Priller, aber nicht nur ein wertvolles Eiweißfutter, sie bräuchten zum Wachstum auch keinen Stickstoffdünger, sondern holten sich diesen aus der Luft und stellten einen Teil davon in den Knöllchenbakterien an den Wurzeln auch der nachfolgenden Kultur zur Verfügung.

Vor diesem Ackerbohnenbestand brachte BN-Vorsitzender Johannes Selmansberger seine Begeisterung über die ökologische Vielfalt im Feld zum Ausdruck und bezeichnete den Acker als riesiges „Lerchenfenster“, da er hier schon mehrere Feldlerchenpaare beobachtet habe. Der rote Klatschmohn und die blauen Kornblumen sorgten für Farbtupfer im Feld. Auch Wachteln seien in dieser Flur häufig zu hören. Das grüne Heupferd, die größte heimische Heuschreckenart, profitiere einerseits von der Artenvielfalt im Feld und diene andererseits dem Neuntöter, der im nebenliegendem Biotop lebt, als Nahrung. Auch die in der Nähe aufgestellten Bienenvölker profitierten von der Blütenvielfalt auf ökologischen Feldern, betonte Selmansberger.

Martin Lackermeier aus Gessendorf bewirtschaftet seinen Gemischtbetrieb seit 1986 biologisch und war lange Zeit der einzige Biobauer in der Gemeinde Vilsheim. Seine Fruchtfolge auf den Äckern besteht aus Kleegras, Weizen, Roggen, Ackerbohnen, Hafer und Kartoffeln. Er könne aufgrund seiner Tierhaltung (Schwerpunkt Ochsenmast) auf seinen Flächen auch tierische Dünger einsetzen, so der Biobauer. Vor seinem Kartoffelbestand erläutete er auch zwei Probleme im ökologischen Kartoffelanbau. Die Krautfäule, eine Pilzerkrankung am Kraut, könne bei frühem Auftreten für massive Ertragseinbußen sorgen. Es sei schade, dass das Angebot an Kartoffelpflanzgut kaum noch Sorten mit einer natürlichen Resistenz gegen Krautfäule enthalte, bedauerte der Biobauer. Das zweite Problem sei der Kartoffelkäfer, dessen Raupen Bestände kahl fressen könnten. Bei geringem Befall könne man sich hier auch noch per Hand helfen. Bei großen Flächen oder starkem Befall würden auch zugelassene natürliche Spritzmittel eingesetzt. Auch im Kartoffelfeld gebe es eine beträchtliche Artenvielfalt. Bei der Handhacke halbe er 14 verschiedene Ackerwildkräuter festgestellt, berichtete Lackermeier am Schluss der interessanten Führung.

Pflug durch Stoppelhobel ersetzt

Ökofachschule und Bund Naturschutz organisierten Versuchsfeldführung

Schulleiter Hans Schneck (rechts) führte durch die Versuchsparzellen der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn
Auch die seltene Ackerwildpflanze, die Kornrade, war zu bewundern

Landshut-Schönbrunn. „Neben den ackerbaulichen Erfahrungen erfreut mich besonders, dass auf unserem Versuchsfeld mehrere stark vom Aussterben bedrohte Ackerwildkräuter einen Lebensraum gefunden haben.“ Diese Aussage traf Hans Schneck, Leiter der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, in Schönbrunn, anlässlich der Führung am 27. Juni 2011 durch das Versuchsfeld der Schule. Eingangs begrüßte Schneck zur diesjährigen Führung eine Reihe von Anbauberatern, Vertretern der Landesanstalt für Landwirtschaft, ehemalige und aktuelle Studierende der Schule und Vertreter der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz, mit der die Schule seit vielen Jahren erfolgreich in der Öffentlichkeitsarbeit zusammenarbeitet.

Das Versuchsfeld, so Schneck, wurde vor 23 Jahren angelegt und sei seitdem nur mit Gründüngung gedüngt worden. Nach häufigen Anfragen seien in diesem Anbaujahr erstmals effektive Mikroorganismen eingesetzt worden. Die Fruchtfolge wurde viehlos konzipiert. Die Bodenart sei schluffiger Lehm auf Isarterassenschotter. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Böden sei das Feld für Exaktversuche nicht geeignet, liefere aber doch viele interessante Erkenntnisse. Nachfolgend ging Schneck auf die einzelnen Kulturen ein. Beim Winterweizen arbeite er viel mit dem Ökozüchter Kunz zusammen. Dessen interessante Sorten kämen immer mehr in die Zulassung und in die Ökoempfehlungen. Bei der Wintergerste favorisiere er vierzeilige Sorten, da diese ertragsstärker als zweizeilige seien. Bei den Aussaatterminen habe er wieder etwas experimentiert und kam zum Schluss, dass Spätsaaten deutlich gesünder und schöner im Bestand seien. Er riet deshalb, nicht vor dem 25. September zu säen. Die Braugersten seien weiterhin ein Sorgenkind, fuhr Schneck fort. Fast alle angebotenen Sorten seien sehr kurzwüchsig und hätten deshalb eine schlechte unkrautunterdrückende Wirkung. Ein Anbauverband habe alte Gerstensorten wiederentdeckt. Diese zeigten sich im Versuchsfeld aber sehr krankheitsanfällig und lagergefährdet und seien deshalb nicht zu empfehlen.

Wie vielen Biobauern bereiten die Körnerleguminosen auch Schneck zunehmend Kopfzerbrechen. Neben starker Verunkrautung sowohl bei Ackerbohnen als auch bei den Erbsen, nahmen Wurzelkrankheiten und das starke Auftreten des Blattrandkäfers zu. Das Kleegras beziehungsweise reine Kleebestände seien im ökologischen Landbau sehr wichtig und unerlässlich beim Bodenaufbau, zur Durchwurzelung des Bodens und zur Sauberhaltung der Ackerflächen. Im Versuch habe sich auch gezeigt, dass eine Schwefeldüngung das Kleewachstum sehr positiv beeinflusse. Neben den alten Getreidesorten Emmer und Einkorn sowie starkblühenden Bienenweiden sei ihm auch wichtig, dass die sehr alten und vom Aussterben bedrohten Ackerwildkräuter Konrade, Feldrittersporn, Sommeradonisröschen und Frauenspiegel im mageren Teil des Versuchsfeldes ihren Platz gefunden hätten, berichtete Schneck erfreut.

In der Bodenbearbeitung gäbe es seit letztem Jahr eine gravierende Änderung. Er habe, so der engagierte Pflanzenbauer, komplett auf den Pflug verzichtet und diesen durch den Stoppelhobel ersetzt. Dieses relativ flach arbeitende Gerät habe nach Herstellerangaben gute Eigenschaften bei der Bekämpfung der Ackerkratzdistel. Auch erste Eindrücke über den Zustand des Saatbettes seien durchaus positiv. Anschließend wurden die auch heuer sehr zahlreichen und teilweise weit angereisten Besucher von den Studierenden der Fachschule bewirtet.

Nachfrage nach Ökoprodukten steigt

Hans Hohenester (Mitte) erklärt vor der neuen Kartoffelhalle die Lagerung und Aufbereitung von Bio-Saat- und -Speisekartoffeln

Bund Naturschutz und Öko-Fachschule organisierten Besichtigung des Biohofes Hohenester

Mehrere Bundesländer haben die Förderung des ökologischen Landbaus in der letzten Zeit deutlich zurückgefahren oder Umstellungsförderungen sogar ganz gestrichen. Obwohl die Verbrauchernachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln seit Jahren kontinuierlich steigt, stellen aufgrund dieser geringen Anreize zu einer Betriebsumstellung vor allem in Ackerbaugebieten zu wenige Bauern auf ökologischen Landbau um. Um die Nachfrage zu decken, nehme der Importanteil von Ökoprodukten ständig zu. Den deutschen Landwirten gingen daher Marktanteile an das Ausland verloren. Mit diesen Worten kommentierte der Präsidiumsvorsitzende des Naturland-Verbandes und langjähriger Biobauer Hans Hohenester aus Buchenthal bei Altdorf die derzeitige Situation auf dem Ökomarkt. Hohenester sprach anlässlich einer Besichtigung seines Betriebs, die von der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) und der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, Landshut-Schönbrunn organisiert wurde.

Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe erläuterte eingangs die Situation des Öko-Landbaus im Raum Landshut. Demnach bewirtschaften im Landkreis rund 100 Landwirte mit einer Fläche von etwa 3000 Hektar ihre Betriebe nach den Öko-Richtlinien. In Landshut befindet sich die derzeit größte Öko-Mühle Deutschlands. Eine Landshuter Brauerei braut Ökobier und in Altdorf befindet sich ein inzwischen bedeutender Ökofleisch-Verarbeiter für den Lebensmitteleinzelhandel. Eine Reihe von Bäckerein sorgen für ein vielfältiges Angebot an Öko-Backwaren. Im Agrarbildungszentrum Schönbrunn bestehe mit der Fachschule für ökologischen Landbau eine von zwei Schulen in Deutschland, wo die Meisterprüfung im ökologischen Landbau abgelegt werden könne. Insgesamt sei dies ein Angebot, das sich sehen lassen könne, stellte Lackermeier fest.

Im Anschluss führte Hans Hohenester die zahlreichen Besucher durch den Betrieb, welchen er seit 20 Jahren zusammen mit seiner Familie bewirtschaftet. Die  landwirtschaftliche Nutzfläche belaufe sich derzeit auf 130 Hektar Ackerland. Ein Teil der Flächen befindet sich im Landshuter Westen, wo die Stadt Landshut im Wasserschutzgebiet den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen erhöhen wolle. Neben dem Ackerbau sei die Schweinemast mit etwa 400 Mastplätzen ein zweiter Betriebsschwerpunkt, informierte der Biobauer. Auf den Ackerflächen werden Speisegetreide (Backweizen und -roggen), Futtergetreide (Triticale und Ackerbohnen) sowie Kleegras als Flächenstillegung zum Bodenaufbau angesät. Etwa 20 Hektar beansprucht der Kartoffelanbau. Eine Hälfte der Kartoffelerträge werde als Pflanzgut, die andere Hälfte als Konsumware verkauft. Die Beikrautregulierung, fuhr Hohenester fort, erfolge durch geeignete Fruchtfolgen, den Einsatz eines Hackstriegels bei Getreide sowie einer Dammfräse und eines Hackgerätes bei den Kartoffeln. Gedüngt werde mit Zwischenfrüchten zur Gründüngung, mit Schweinemist und -gülle.

Großes Interesse der Besucher rief auch die im Jahr 2004 in Holzständerbauweise errichtete moderne Lagerhalle für die Kartoffeln hervor. Hier werde , berichtete der Betriebsleiter, die gesamte Erntemenge gelagert und nach und nach für den Verkauf aufbereitet. Die Lagertemperatur werde durch entsprechende Technik bei konstant vier Grad Celsius gehalten. Da die Kartoffeln auch im Lager Wärme produzieren, sei auch an  kalten Wintertagen keine Wärmezuführung nötig. Die Haltung der Mastschweine erfolge weitgehend auf Stroh mit Auslauf ins Freie. Da die Haltung noch nicht in allen Bereichen den Naturland-Richtlinien entspräche, werde derzeit ein Umbau der bestehenden Stallungen oder eventuell ein Stallneubau geplant, berichtete Hohenester.

Martin Lackermeier beendete die Hof- und Felderbesichtigung mit dem Hinweis auf die nächsten Veranstaltungen in der BN-Reihe „Nachhaltiger Bodenschutz – gesunde Lebensmittel“: Am 27. Juni findet ab 19 Uhr im Agrarbildungszentrum Schönbrunn die Besichtigung des Versuchsfeldes der Fachschule für ökologischen Landbau statt. Am 4. Juli wird der Biohof Grötzinger in Hilling bei Bodenkirchen besucht. Gezeigt werden dort ab 19 Uhr Ackerbau und Viehhaltung nach Ökorichtlinien und eine Biogasanlage.

„Bunt vor Grün vor Braun“

Blumenwiesen sind nicht nur schön fürs Auge, sondern sie sind auch wertvolle Lebensräume für viele Tierarten

Vortrag beim BN über die ökologische Bedeutung von blütenreichem Dauergrünland  

In den Alpen und am niederschlagsreichen Alpenrand findet man es noch: Dauergrünland, betupft von bunten Blumen und bestückt mit Weidevieh. Woanders ist es fast verschwunden, weil die Ackerbauprämie für die Landwirte viel höher ist als die Grünlandprämie – und die Bauern haben wahrlich kein Geld zu „verschenken“, wenn sie überleben wollen. Dabei wäre es ökologisch und auch ästhetisch so wichtig, dass nicht alles zu Ackerland umgebrochen wird, wie der Vortrag von Johannes Enzler bei der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut deutlich machte.  

Der Referent, der viele Jahre Leiter der Fachschule für Ökologischen Landbau in Landshut-Schönbrunn war, stellte anfangs seines Vortrags „Bunte Blumenwiesen statt Einheitsgrün?“ im Gasthof zur Insel die verschiedenen Typen von Grünland vor: vom nassen Röhricht bis hin zum so artenreichen Trockenrasen. Wertvoll sind auch die mit Obstbäumen aufgelockerten Streuwiesen, die wichtige Lebensräume für viele gefährdete Pflanzen- und Tierarten darstellen. Eigentlich würde die Hälfte aller Gefäßpflanzenarten im Grünland vorkommen, und daran „hängen“ wiederum zahllose Kleintierarten. Die heutigen Wiesen freilich seien Vielschnittwiesen oder Mähweiden mit fünf bis sechs Schnitten im Jahr. Hier können sich nur wenige Pflanzenarten halten. Zur Eintönigkeit komme noch die Zerstückelung der Grünlandflächen. Vor allem viele Vogelarten verlieren dabei ihre Brut- und Nahrungslebensräume. Ein Brachvogel braucht beispielsweise ein Areal von mindestens zweieinhalb Quadratkilometern, ein Weißstorch eines von zwei Quadratkilometern. Außerdem kollidiere die Brut- und Nestlingszeit vieler Wiesenbrüter mit der Nutzung durch die Bauern, informierte Enzler.  

Eine von vielen eindrucksvollen Zahlen betrifft die stark schwankende Regenwurmdichte. Bei Grünland kommen etwa 60 Regenwürmer pro Quadratmeter vor, auf Ackerland lediglich fünf, so der Referent. Die Landwirte sind in der Zwickmühle: Da sich die Milchleistung ihrer Kühe innerhalb von 50 Jahren glatt verdreifacht hat, brauchen die Tiere Hochleistungsfutter und das mache es natürlich schwierig, auch noch die Artenvielfalt im Auge zu behalten. Auch müssen riesige Flächen bewirtschaftet werden, hat sich doch die Zahl der Milchkuhhalter in 60 Jahren auf ein Zehntel verringert. Viele verbleibende Betriebe wirtschaften intensiv mit ganzjähriger Stallhaltung und Silagefütterung. Auch der Biogasboom und die daraus folgende „Vermaisung“ der Landschaft seien sehr problematisch. Da die Stromeinspeisevergütung so attraktiv geworden ist, setzten viele Landwirte hierauf. Aus all diesen Gründen haben, so Enzler, selbst vormalige Allerweltsarten wie Feldlerche, Hase und Laufkäfer einen dramatischen Einbruch erlitten.  

Dabei würden viele Landwirte, so es sich denn halbwegs lohnt, gerne mehr für die Artenvielfalt tun. Viele sprangen in den letzten Jahren auf das bayerische Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) auf, das umweltfreundliche Wirtschaftsweise belohnt. Leider sind vor allem die Programmteile mit agrarökologischer Bedeutung dem Sparzwang zum Opfer gefallen. Daher fordern nicht nur Umweltschützer die Aufstockung dieses Programms mit dem Ziel des Erhalts von extensivem Grünland. Auch sollten umgebrochene Dauergrünflächen in Überschwemmungsgebieten und Schutzgebieten von der Agrarförderung ausgeschlossen sein. Enzler ließ seinem theoretischen Teil eine stimmungsvolle Lichtbilderschau folgen, in der die verschiedenen Grünlandtypen mit den sie bewohnenden Tier- und Pflanzenarten bei vielen Zuhörern die Sehnsucht nach einer weitestgehend versunkenen Welt erweckte.

Wir haben es satt - 22.000 fordern ökologisch-bäuerliche Landwirtschaft

Unter dem Motto "Wir haben es satt – Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumpingexporten" haben am 22. Januar in Berlin 22.000 Menschen, darunter Aktive der Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut, für eine grundlegende Reform der Agrarpolitik demonstriert. Sie setzten sich für eine ökologische , bäuerliche und regionale Landwirtschaft und besseren Verbraucherschutz ein.

Bei der bislang größten Demonstration dieser Art zogen Bauern, Umweltschützer, Imker und Verbraucher gemeinsam vom Berliner Hauptbahnhof zur Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Mit 60 Bussen, Zügen und über 70 Traktoren waren Tausende Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet zu der Demonstration angereist. Getragen wurde die Veranstaltung von mehr als 120 Bauern- und Umweltverbänden, Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung und Gentechnik, sowie von Eine-Welt-Gruppen. Anlass der Demonstration war die von der Bundesregierung ausgerichtete Agrarwirtschaftskonferenz auf der "Grünen Woche".

Auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor wurde als Konsequenz aus dem Dioxin- und anderen Lebensmittelskandalen gefordert, Bundesregierung und EU sollten statt Agrarfabriken die bäuerliche Landwirtschaft fördern. "Diese Berliner Kundgebung ist nur der Auftakt zahlreicher weiterer Aktionen", sagte der BN- und BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in seiner Rede. "Die Bundesregierung muss endlich begreifen, dass sie bei Fortsetzung ihrer Blockadepolitik gegen eine nachhaltige und gerechte Agrarreform in Europa schon beim nächsten Lebensmittelskandal wieder ins Schlingern gerät. Die Gesellschaft fordert die Durchsetzung einer artgerechten Tierhaltung, die Abkehr vom Irrweg der Gentechnik und die Umlenkung der Subventionen weg von der Agrarindustrie hin zur bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft", erklärte Weiger.

Maria Heubuch, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisierte: "Massentierhaltung und Gentechnik sind eine gefährliche Sackgasse für die Bauern und ein erhöhtes Risiko für die Verbraucher. Agrarfabriken gehören verboten und nicht weiter mit Steuergeldern subventioniert. Tiergerechte Haltung, heimisches Futter und besonders Eiweißfutter ohne Gentechnik - das ist unsere Zukunft!"

Für die Veranstalter erklärte Campact-Geschäftsführer Felix Kolb: "Der heutige Protest zeigt: Die Bevölkerung will ein Ende der industriehörigen Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik. Strengere Lebensmittelkontrollen alleine reichen nicht aus. Wir brauchen eine grundlegende Wende in der Agrarpolitik. Bundesagrarministerin Ilse Aigner muss eine echte EU-Agrarreform und den Ausstieg aus der Massentierhaltung voranbringen anstatt beides zu bremsen."

Besonderen Beifall erhielt die Rede des alternativen Nobelpreisträgers Nnimmo Bassey aus Nigeria, Vorsitzender der internationalen Umweltorganisation Friends of the Earth (Freunde der Erde). Die Auswirkungen der europäischen Agrarpolitik seien für die Entwicklungsländer verheerend, betonte er, der weltweite Protest der Zivilbevölkerung gegen Gentechnik, Agrarfabriken und Dumping-Exporte für die Ernährungssicherheit der Welt dringend notwendig.

Neues europäisches Öko-Siegel

Bio-Lebensmittel müssen in Zukunft mit dem neuen EU-Öko-Siegel gekennzeichnet sein

Johannes Enzler referierte über Kontrollen und Bio-Lebensmittelkennzeichen

„Die Globalisierung hat inzwischen auch den Ökolandbau ergriffen. Die regionale Vermarktung von Öko-Produkten wurde im Zuge dessen in den letzten Jahren etwas vernachlässigt.“ Dies war ein Fazit einer Informationsveranstaltung am 17. Januar 2011 im Gasthof zur Insel in Landshut, die von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn unter dem Motto „Durchblick im Labyrinth der Öko-Kennzeichnung“ organisiert wurde. Referent war Johannes Enzler, Leiter der bayerischen Öko-Kontrollbehörde in der Landesanstalt für Landwirtschaft. Die Veranstaltung, die von Martin Lackermeier geleitet wurde, fand im Rahmen der Reihe „Nachhaltiger Bodenschutz – gesunde Lebensmittel“ statt.

Zu Beginn seiner Ausführungen erläuterte der Referent die wichtigsten Aspekte des ökologischen Landbaus. Dies seien der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel, der Erhalt und die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, das Anwendungsverbot von Gentechnik, ausgewogene Nährstoffkreisläufe durch flächengebundene Viehbestände, die artgerechte Tierhaltung, die Fütterung der Tiere mit ökologisch erzeugten Futtermitteln sowie die Anwendung von Saat- und Pflanzgut aus dem Ökoanbau. Die Bezeichnungen „Öko“ oder „Bio“, fuhr Enzler fort, seien EU-rechtlich geschützt und dürften nicht willkürlich verwendet werden. Die Erzeugung und Verarbeitung von Öko-Lebensmitteln sind in der EG-Öko-Verordnung geregelt. Diese liegt seit dem 1. 1. 2009 in novellierter Form vor. Neben dieser Verordnung gebe es auch noch Richtlinien der Öko-Anbauverbände, welche in verschiedenen Bereichen strenger seien als die EG-Öko-Verordnung. In Deutschland gibt es neun Anbauverbände. Die in Bayern bekanntesten seien Naturland, Bioland, Demeter und Biokreis, informierte der Referent.

Anschließend erläuterte Johannes Enzler das Öko-Kontrollverfahren. Jeder Landwirt und Verarbeiter müsse sich vorgeschriebenen Kontrollen unterziehen. Diese werden von staatlich zugelassenen Kontrollstellen durchgeführt und finden mindestens einmal jährlich auf den jeweiligen Betrieben statt. Sofern alle Anforderungen erfüllt sind, erhalte der kontrollierte Betrieb ein Zertifikat, das die erzeugten oder verarbeiteten Lebensmittel als Öko-Produkte ausweist. In der Folge ging der Referent auf die am Markt gängigen Warenzeichen ein. Seit 1. Juli 2010 gibt es ein neues EU-Bio-Siegel, welches verpflichtend zusammen mit der Kontrollstellen-Nummer und der Herkunftsangabe der landwirtschaftlichen Rohstoffe auf verpackten Bio-Lebensmitteln aufgeführt werden muss. Das EU-Logo zeigt ein aus weißen Sternen symbolisiertes Blatt auf grünem Grund. Das in den vergangenen Jahren am Markt sehr gut eingeführte deutsche staatliche Bio-Siegel könne aber zusätzlich weiterhin verwendet werden, ebenso die Zeichen der Öko-Anbauverbände, die Handelsmarken des Lebensmittelhandels, die Herstellermarken von Öko-Verarbeitern und –handelsfirmen sowie die regionalen Öko-Labels wie „Öko-Qualität garantiert aus Bayern“ oder „Tagwerk“.


Bayern soll gentechnikfreies Gebiet werden

Harald Ulmer (LVÖ), Marion Ruppaner, Dr. Martha Mertens und Paul Riederer (alle BN, von links) berichteten über das Treffen der bayerischen Bündnisse für gentechnikfreie Landkreise

Aktionsbündnisse begrüßen bei Treffen in Landshut Urteil des Bundesverfassungsgerichts – BN-Seminar „Risiken der Gentechnik“

Als wichtiges Signal für ihre Arbeit werteten die Vertreter der bayerischen Bündnisse und Organisationen für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft bei ihrem Treffen am Freitag , 26. November 2010, im Gasthof zur Insel in Landshut das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Haftungsregelung für gentechnische Verunreinigungen von Nachbarfeldern bestätigte. Haften muss derjenige, der die gentechnikfreie Produktion gefährdet. Auch das öffentlich zugängliche Standortregister wurde vom Gericht als rechtmäßig bestätigt, so dass die öffentliche Auseinandersetzung an möglichen geplanten Anbaustandorten gentechnisch veränderter Pflanzen weiterhin möglich bleibt. Darüber und über weitere Diskussionspunkte des Treffens, das vom Bund Naturschutz (BN) organisiert wurde, berichteten Marion Ruppaner, BN-Agrarreferentin, Dr. Martha Mertens, Sprecherin des BN-Arbeitskreises Gentechnik, Harald Ulmer, Geschäfstführer der Verbände des ökologischen Landbaus in Bayern (LVÖ), und Paul Riederer, stellvertretender Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Landshut, bei einem anschließenden Pressegespräch.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts sei ein wichtiger Erfolg für die Interessen der gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirte. Gerade Ökolandwirte und ökologische Lebensmitteproduzenten seien vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen besonders betroffen, gab Harald Ulmer zu bedenken. Dr. Martha Mertens wiederum forderte, dass die Bundesregierung und Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner jetzt ihre gentechnikfreundliche Politik aufgeben und den Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora in Deutschland umgehend verbieten müssten, wie es andere EU-Länder bereits vorgemacht hätten. Auch lehnte die Biologin unmissverständlich die Gentechnik im Essen ab.

Im Mittelpunkt der Vorhaben 2011 der „Gentechnikfrei-Bündnisse“ in derzeit 43 bayerischen Landkreisen werden Aktivitäten gegen gentechnisch veränderte Futtermittel stehen, informierte Marion Ruppaner. Aus Argentinien gibt es Meldungen über gravierende gesundheitliche Schäden durch den Einsatz des Unkrautbekämpfungsmittels Roundup beim Anbau gentechnisch veränderter Sojabohnen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner müsse endlich eine bayerische Eiweißstrategie konkretisieren, um Bayerns Bauern unabhängig von Sojaimporten in der Tierfütterung zu machen, forderte die BN-Agrarreferentin. Auch noch mehr Molkereien, Metzgerinitiativen und Handelsunternehmen sollten bereit sein, auf gentechnikfreie Fütterungskonzepte zu setzen, um so den Verbrauchern die Kaufentscheidung für gentechnikfreie Lebensmittel zu ermöglichen.

Paul Riederer wies erfreut darauf hin, dass das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil wegen der wissenschaftlich noch nicht geklärten Risiken durch die Agrogentechnik für die Umwelt die besondere Sorgfaltspflicht und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen für die zukünftigen Generationen festgeschrieben habe. Auch berichtete Riederer über einige Aktivitäten des Bündnisses Gentechnikfreier Landkreis Landshut.

Zum Abschluss ihres Treffens forderten die Bündnis-Vertreter die bayerische Staasregierung auf, ihren Einfluss auf Bundes- und EU-Ebene geltend zu machen, um das vom Bundesverfassungsgericht bestätigte Vorsorgegebot vor gentechnisch veränderten Pflanzen nicht durch technische Verschmutzungsregelungen auszuhebeln. An die Adresse des Landes Bayern, ging die Forderung, endlich dem europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen beizutreten und nach dem Vorbild des Bundeslandes Thüringen Bayern als gentechnikfreies Gebiet zu deklarieren. Die Bündnisse wollen während des Treffens internationaler Landwirtschaftsminister und Agrarkonzerne auf der „Grünen Woche“ am 22. Januar 2011 bei einer Großdemonstration gegen Gentechnik und Massentierhaltung in Berlin ein starkes Signal aus Bayern setzen.

An das Bündnis-Treffen schloss sich ein ebenfalls vom Bund Naturschutz veranstaltetes und von Marion Ruppaner geleitetes Semnar zu den Themen „Risiken der Agrogentechnik“ und „Aktuelle Entwicklungen im Gentechnikrecht“ mit Dr. Martha Mertens beziehungsweise Andreas Bauer-Panskus als Referenten an. Aus dem Kreis der sehr zahlreich erschienenen Teilnehmer wurde auch über erfolgreiche Aktionen für gentechnikfreie Landkreise in Bayern berichtet.

Aus ganz Bayern kamen Vertreter der Bündnisse für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft nach Landshut

Feldversuche im Ökolandbau

Philipp Weber, Lorenz Frey, Brigitta Vollmer und Florian Schmidt (ab Zweitem von links) stellten ihre Feldversuche vor; rechts: Schulleiter Hans Schneck, links: Martin Lackermeier (BN)

Studierende der Öko-Fachschule stellten beim Bund Naturschutz Meisterarbeitsprojekte vor

Eine neue Veranstaltungsreihe zum ökologischen Landbau wurde am 22. November 2010 unter dem Titel „Nachhaltiger Bodenschutz – gesunde Lebensmittel“ im Gasthof „Zur Insel“ in Landshut eröffnet. Veranstalter sind die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) und die Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn. In der ersten Veranstaltung stellten vier Studierende der Schule ihre Meisterarbeitsprojekte vor. In seiner Einführung stellte Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe fest, dass ähnliche Veranstaltungsreihen seit dem Winterhalbjahr 1989/90 alljährlich durchgeführt wurden. Anfangs habe man mit Vorträgen versucht, Landwirte anzusprechen und von der ökologischen Wirtschaftsweise zu überzeugen. Dies sei durch den sehr guten Besuch der Veranstaltungen und die stets steigende Zahl von Betriebsumstellungen im Landkreis Landshut auch gelungen. Später habe man die Reihe durch Besichtigungen von ökologisch bewirtschafteten Bauernhöfen und Gärtnereien, sowie ökologischen Verarbeitungsbetrieben ergänzt, um auch die Verbraucher zu informieren.

Schulleiter Hans Schneck informierte anschließend darüber, dass das Meisterarbeitsprojekt wesentlicher Teil der Meisterprüfung der Studierenden sei. Die Meisterprüfung werde an der Ökoschule zeitgleich mit dem Schulabschluß als staatlich geprüfter Wirtschafter abgelegt. Dies bedeute gegenüber den Meisteranwärtern in der konventionellen Landwirtschaft einen zeitlichen Gewinn, sei aber vom Lern- und Prüfungsaufwand schon eine beträchtliche Herausforderung für die Studierenden, betonte Schneck und leitete auf die folgenden Vorträge über.

Philipp Weber bewirtschaftet mit zwei Kollegen in einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) 270 Hektar bei Biberach/Riss. Aufgeteilt ist die Fläche in 195 Hektar Ackerland, 55 Hektar Grünland und etwa 20 Hektar Biotope. Gehalten werden 150 Milchkühe mit Nachzucht und Jungvieh, 25 Zuchtsauen und etwa 200 Legehennen. In seinem Arbeitsprojekt befasste er sich mit dem Vergleich verschiedener Anbaustrategien bei Körnerleguminosen und Braugerste im Hinblick auf Ertrag, Qualität und Beikrautbesatz. Lorenz Frey stammt auch aus Baden-Württemberg. Der Betrieb liegt am nördlichen Rand des Schwarzwaldes mit teilweise schon etwas steinigen Böden. Bewirtschaftet werden 60 Hektar. Der Tierbestand besteht aus Rindern, Schweinen und Hühnern. Vorhanden ist eine kleine Ölmühle zur eigenen Produktion von Pflanzenöl. In seinem Versuch verglich er verschiedene Ölpflanzen zur Speiseölerzeugung (Sommerraps, Hanf, Färberdistel, Sonnenblume) mit dem auf dem Betreib schon üblichen Ölleinanbau.

Brigitte Vollmer führte ihr Arbeitsprojekt auf einem Betrieb nördlich von Hamburg in der Nähe des Nord-Ostsee-Kanals durch. Bewirtschaftet werden 50 Hektar Grünland und 27 Hektar Ackerland. Der Viehbestand besteht aus 40 rotbunten Milchkühen und Jungbullen mit Weidemast. In ihrem Versuch ging sie der Fragestellung nach, ob sich Zufütterung von Kraftfutter in der Weideperiode der Jungbullen lohnt. Florian Schmidt aus Hannover entführte die Zuhörer mit seinem Bericht in eine andere Welt. Er ist Teilhaber einer sieben Hektar großen Farm in Nepal und führte sein Arbeitsprojekt auch dort aus. Der Betrieb wird biologisch-dynamisch bewirtschaftet und ist Ausbildungsort mit Pflanzenversuchen. Schwerpunkt ist der Kräuteranbau. In seinem Versuch verglich er den Reisanbau in der betriebsüblichen Pflanzung in Büscheln mit der neueren Methode der Einzelpflanzung.

Martin Lackermeier wies noch auf den nächsten Vortrag in dieser Reihe hin. Dieser findet am 17. Januar 2011 um 20 Uhr wieder im Gasthaus „Zur Insel“ in Landshut statt. Johann Enzler, Leiter der staatlichen bayerischen Öko-Kontrollbehörde, spricht zum Thema „Durchblick im Labyrinth der Öko-Kennzeichnung“.

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Ehrung für Biobauer und Naturschützer

Staatsminister Helmut Brunner (links) ehrte Martin Lackermeier für seine Verdienste um den Ökolandbau mit der Bayerischen Staatsmedaille; rechts: Josef Wetzstein, 1. Vorsitzender der Landesvereinigung für den Öko-Landbau in Bayern (LVÖ)

Martin Lackermeier, Vilsheim, mit der Bayerischen Staatsmedaille ausgezeichnet

Zum Auftakt der Bayerischen Öko-Erlebnistage, die in diesem Jahr vom 11. September bis zum 3. Oktober stattfinden, gab es am 8. September in der Münchner Residenz einen Festakt: Staatsminister Helmut Brunner ehrte 21 Öko-Bäuerinnen und -Bauern mit der Bayerischen Staatsmedaille für ihren Einsatz für den ökologischen Landbau in Bayern. Einer der Preisträger war Naturland-Bauer Martin Lackermeier aus Gessendorf, Gemeinde Vilsheim. Martin Lackermeier stellte seinen Betrieb bereits 1986 auf ökologischen Landbau um und war damals der dritte Öko-Bauer im Landkreis Landshut. Hauptgrund für den Schritt zur Umstellung war sein ökologisches Denken, das er mit einer intensiven konventionellen Landwirtschaft und Chemieeinsatz nicht vereinbaren konnte. Außerdem sah der Landwirt in der ökologischen Wirtschaftsweise für seinen kleinen Betrieb die besseren Überlebenschancen.

Heute bewirtschaftet Martin Lackermeier einen Gemischtbetrieb mit Schwerpunkt Ochsenmast. „Es handelt sich aufgrund der betrieblichen Vielfalt um einen klassischen Öko-Betrieb, wie ich ihn mir vorstelle“, stellt Lackermeier fest. Aufgrund der damals noch fehlenden Vermarktungsstrukturen vermarktete der Öko-Bauer von Anfang an den Großteil seiner Erzeugnisse direkt an den Endverbraucher. Beim Naturland-Verband ist Martin Lackermeier seit 1994 als Sprecher der Mitgliedsbetriebe im Raum Landshut und als Kassenprüfer ehrenamtlich tätig.

Ein besonderes Anliegen ist ihm der Arten- und Naturschutz, was durch seine langjährige Mitgliedschaft und aktive Mitarbeit beim Bund Naturschutz (BN) unterstrichen wird. Seit langem ist der Öko-Landwirt in der BN-Kreisgruppe Landshut für das Thema Landwirtschaft, speziell für den Öko-Landbau, zuständig. Seit gut 20 Jahren organisiert er Vortragsveranstaltungen und Besichtigungen von ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen, Gärtnereien und Verarbeitungsbetrieben. Aber auch aktiver Artenschutz ist ihm wichtig: Zum Beispiel legte er in diesem Jahr in seinen Getreidefeldern sogenannte Lerchenfenster an, um den bodenbrütenden Lerchen geschützten Brutraum zu geben.

Auch Emmer und Einkorn wurden gezeigt

Schulleiter Hans Schneck führte durch die Versuchsparzellen und erklärte deren Bestände

Bund Naturschutz und Ökofachschule organisierten Versuchsfeldführung

Zahlreiche Interessenten aus den Reihen der Biobauern, der Anbauberatung, der Verbraucher und viele ehemalige und aktuelle Studierende der Fachschule für ökologischen Landbau Schönbrunn fanden sich am Mittwoch, 30. Juni, zur alljährlichen Führung auf dem Versuchsfeld der Ökoschule auf dem Gelände des Agrarbildungszentrums in Schönbrunn ein. Veranstaltet wurde die Führung von der Ökoschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. Hans Schneck, Schulleiter und Pflanzenbaulehrer führte mit vielen interessanten Informationen durch die Veranstaltung. Eingangs wies Schneck darauf hin, das Versuchsfeld werde seit Gründung der Schule 1986 ökologisch bewirtschaftet und sei seitdem nur unwesentlich gedüngt worden. Die Böden seien sehr unterschiedlich, teilweise schluffiger Lehm, teilweise aber auch kiesig. Diese Tatsache lasse exakte Anbauversuche nicht zu, betonte Schneck.

Seit 2004 bestehe die Fruchtfolge aus Klee oder Kleegras, Wintergerste oder Winterweizen, Sommergetreide, Körnerleguminosen und Roggen oder Triticale. Der Klee, erläuterte Schneck, sei die Basis jeder ökologischen Fruchtfolge. Neben der Futternutzung diene er zur Bodenlockerung, der Unkrautbekämpfung und der Stickstoffsammlung. Vor einem schönen Bestand stellte Schneck fest, er sei bei Wintergerste ein Freund später Aussaattermine (letztes Jahr Ende September), da die Bestände so gesünder seien. „Grün in den Winter, grün aus dem Winter“, dies sei sein Grundsatz beim Wintergerstenanbau.

Beim Winterweizen laufe ein Versuch, mit Wintererbseneinsaat in den Weizen den Feuchtklebergehalt des Weizens zu erhöhen. Die Sommergerste sei ein „Problemkind“ des ökologischen Landbaus, da die Sorten sehr kurzwüchsig seien und deshalb eine schlechte Unkrautunterdrückung hätten, informierte der Schulleiter weiter. Bei den Körnerleguminosen konzentriere er sich derzeit auf die Erbsen, fuhr Schneck fort. Besonders die Erbsenmüdigkeit und Fußkrankheiten, deren Ursachen noch nicht genau erforscht seien, machten den Ökobauern zunehmend Sorgen. Er habe dieses Jahr einen umfangreichen Erbsenversuch angelegt. Verwendung fand eine Sorte ausgesät in verschiedenen Variationen (Mischsaaten mit Hafer, Klee und Leindotter, unterschiedliche Aussaatstärken und Dünger). Vor einem sehr üppigen Triticalebestand (Kreuzung aus Weizen und Roggen) erläuterte Schneck, dieses Futtergetreide sei sehr robust, ertragsstark und sehr wüchsig.                                                                                            

Gerne wies Schneck auch auf die Raritäten Emmer und Einkorn hin, welche seit Jahren auf dem Versuchsfeld ausgesät würden. Besonders stolz sei der Schulleiter auch darauf, dass mit dem echten Frauenspiegel, der Kornrade, dem Feldrittersporn und dem Ackeradonisröschen stark gefährdete Ackerwildkräuter auf dem Versuchsfeld zu finden seien. Abschließend gab es in gemütlicher Runde noch ausgiebig Gelegenheit zum Informationsaustausch. Für die Bewirtung sorgten Studierende des zweiten Semesters der Fachschule mit Erzeugnissen aus dem ökologischen Landbau. Martin Lackermeier vom Bund Naturschutz wies auf  den Besuch bei einem Bio-Gemüse- und Kartoffelbauern in Altdorf am 19. Juli hin. Treffen ist um 19 Uhr beim Feldstadel an der Straße zwischen Altdorf und Gstaudach.

Verbot von Gen-Kartoffeln gefordert

Der kanadische Farmer und Gentechnikkritiker Percy Schmeiser (Mitte) mit (von links) Dr.Wilfried Attenberger, Paul Riederer, Johannes Selmansberger und Professor Dr. Herbert Jans

Die Mitglieder des Landesbeirats Paul Riederer und Professor Dr. Herbert Jans sowie die Delegierten Johannes Selmansberger und Dr. Wilfried Attenberger demonstrierten als Vertreter der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut anlässlich der Landesdelegiertenversammlung des Bundes Naturschutz in Bayern am 2. April in Fürth für gentechnikfreie Lebensmittel und Landwirtschaft. „Keine Freisetzung, kein kommerzieller Anbau und keine Verfütterung gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland“, so lautete die einstimmig beschlossene Forderung aller Versammlungsteilnehmer an die Politik.

Aktueller Anlass für die Gentechnikkritik und die Forderungen des BN ist die Zulassung der Genkartoffel „Amflora“ durch die EU. Ihre Ablehnung dieser Zulassung bekräftigten der BN-Landesvorstand und die Delegierten auch mit einem Transparent mit der Aufschrift "Genkartoffeln verbieten!" Der Bund Naturschutz wird auch mit rechtlichen Schritten die Zulassung der gentechnisch veränderten Kartoffeln bekämpfen, die vor wenigen Tagen auf 15 Hektar Fläche in Mecklenburg –Vorpommern ausgebracht wurden.

Vorausgegangen war diesem Beschluss ein eindrucksvoller Vortrag des weltbekannten Gentechnikkritikers Percy Schmeiser. Der kanadische Farmer und Träger des alternativen Nobelpreises hatte den BN-Vertretern noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Gentechnik zu stoppen, bevor es zu einer unkontrollierbaren Ausbreitung kommt, wie in seiner Heimat bereits geschehen.
Der Bund Naturschutz fordert von  Bundesregierung und der bayerischen Staatsregierung u. a., sich für ein sofortiges Moratorium der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU einzusetzen und das Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen so zu verschärfen, dass endlich auch gesundheitliche und sozio-ökonomische Faktoren berücksichtigt  werden. Weitere Forderungen waren der Widerruf aller Patente auf gentechnisch verändertes Saatgut und Tiere  sowie der Widerruf aller in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen und weiterverarbeiteten Produkte, weil deren Risiken nicht verlässlich auszuschalten sind.

Feldversuche und Bienenweide

Die Studierenden Martin Köppel, Jakob Mücke und Martin Vogt sowie Schulleiter Johann Schneck (von links) stellten Versuchs-Projekte vor

Studierende der Öko-Fachschule stellten Arbeitsprojekte im Ökolandbau vor

Mehrere Studierende des dritten Semesters der Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, Schönbrunn stellten in den letzten Wochen in Wort und Bild Feldversuche als ihre Meisterarbeitsprojekte der Öffentlichkeit vor. Auch die zweite Veranstaltung dieser Art fand im Gasthaus „Zur Insel“ in Landshut statt. Sie lief in der Reihe „Ökologischer Landbau – gesunde Lebensmittel“, welche von der Öko-Fachschule und der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe noch bis Mitte dieses Jahres durchgeführt wird.

Der Studierende Martin Vogt stammt vom „Aimerhof“ in Langenbach. Bewirtschaftet werden 55 Hektar Grünland – davon 30 Hektar im Vertragsnaturschutz – und 40 Hektar Ackerland. Der Viehbestand besteht aus 450 Mutterschafen, 20 Mutterkühen und 80 Weidemastgänsen. In seiner Versuchsanstellung befasste Vogt sich mit dem Einsatz unterschiedlicher Futterrationen auf der Basis von Weide, Grassilage und Heu in der Mastlämmerfütterung. Als Gründe für seinen Versuch nannte er die Produktion von qualitativ hochwertigem Lammfleisch für die Direktvermarktung, eine Senkung der Futterkosten und seine Freude am Umgang mit Tieren.

Jakob Mücke kommt aus einem Biohof in Mittelfranken. Bewirtschaftet wird ein Gemischtbetrieb mit Ackerbau, Grünland und 25 Milchkühen mit eigener Milchverarbeitung. Er widmete sich dem Thema „Anbau von Körnerleguminosen im ökologischen Landbau für die Verfütterung an Milchvieh“. Fazit seines Versuchs ist, auf dem elterlichen Betrieb künftig die Ackerbohne den Erbsen vorzuziehen.

Martin Köppel aus dem Landkreis Eichstätt stellt derzeit seinen Ackerbaubetrieb auf ökologischen Landbau um. In seinem Versuch untersuchte er intensiv den Braugerstenanbau. Ausgesät wurden zwei Sorten mit unterschiedlichen Saatstärken nach verschiedenen Zwischenfrüchten und unterschiedlichen Pflugtiefen bei der Bodenbearbeitung.

Abschließend stellte Schulleiter Johann Schneck ein gemeinames Projekt des dritten Semesters vor, die „Bienenweide 2009“. Grund für dieses Projekt, so Schneck, sei die Tatsache, dass vielfältige Bienenweiden, vor allem in intensiven Ackerbaugebieten, immer seltener werden. Verschiedene Studierende säten auf ihren Betrieben eine vielfältige Saatgutmischung mit stark blühenden Pflanzen aus und machten damit unterschiedliche Erfahrungen. Diese zeigten, dass an der Zusammensetzung der Mischung noch gefeilt werden müsse, da vor allem der Senf stark dominierte und so andere Pflanzen überwucherte, stellte Schneck fest.

Als nächste Veranstaltung in der Reihe „Ökologischer Landbau“ kündigte Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier für Montag, 1. Februar, die Besichtigung des Landshuter Brauhauses, des Herstellers des „Zwickl-Ökobiers“, an. Treffen ist um 19 Uhr beim Brauhaus in der Hagrainer Straße.

Feldversuche auf fachlicher Basis

Michael Rödel, Johannes Stein, Maximilian Schlarb und Christoph Ehrhardt (von links) präsentierten ihre Meisterarbeitsprojekte; rechts: Schulleiter Johann Schneck

Studierende der Ökofachschule stellten ihre Meisterarbeitsprojekte vor

„Die Meisterarbeitsprojekte der Studierenden haben inzwischen fast wissenschaftlichen Charakter. Das Engagement bei Versuchsanstellung und Auswertung der Ergebnisse ist absolut lobenswert.“ Mit diesen Aussagen charakterisierte Landwirtschaftsoberrat Johann Schneck, Leiter der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn, die Studierenden des dritten Semesters seiner Schule. Bei einer Vortragsveranstaltung am 23. November 2009 im Gasthaus „Zur Insel“ in Landshut stellten vier Studierende ihre Meisterarbeitsprojekte der Öffentlichkeit vor. Die Veranstaltung lief in der Reihe „Ökologischer Landbau – gesunde Lebensmittel“, welche bis Mitte des nächsten Jahres von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und der Öko-Fachschule durchgeführt wird.

Im Namen der BN-Kreisgruppe wies deren landwirtschaftlicher Sprecher Martin Lackermeier eingangs darauf hin, dass im Rahmen dieser Reihe bereits seit gut zwanzig Jahren Vorträge zum Thema „Ökologischer Landbau“ sowie Besichtigungen von ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen, Gärtnereien und Verarbeitungsbetrieben veranstaltet werden.

Nachfolgend präsentierten die Studierenden ihre Arbeiten. Michael Rödel kommt aus Oberkotzau im Landkreis Hof. Seine Familie bewirtschaftet einen Betrieb mit 62 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und 32 Milchkühen. In seiner Versuchsanstellung befasste er sich mit dem Sommergerstenanbau. Hierbei verglich er verschiene Sorten und Aussaatstärken und beobachtete die Wirkung des Striegeleinsatzes. Johannes Stein kommt vom „Scharlhof“ in Röhrmoos bei Dachau, der seit 1986 Naturland-Betrieb ist. Bewirtschaftet werden 180 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Außerdem werden Färsenmast und eine Biogasanlage betrieben. In seinem Arbeitsprojekt behandelte er den Einsatz verschiedener organischer Dünger, unter anderem Biogarsubstrat, im ökologischen Kartoffelanbau.

Maximilian Schlarb ist in Kolbermoor im Landkreis Rosenheim zu Hause. Der elterliche Hof ist ein Grünlandbetrieb mit Mutterkuhhaltung, der im Nebenerwerb bewirtschaftet wird. In seiner Arbeit verglich er verschiedene Güllezusätze im Hinblick auf ihre Wirkungen auf Geruch, Fließfähigkeit und Pflanzenverträglichkeit. Christoph Erhardt arbeitet auf einem langjährigen Bioland-Betrieb bei Landsberg, welcher reinen Ackerbau betreibt. Er befasste sich mit Rhizoctonia solani, einer Pilzerkrankung, die im ökologischen Kartoffelanbau immer weiter um sich greift. Er beobachtete verschiedene biologische Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirkungen auf die Erkrankung.