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Für die Wildbienen aktiv

Kindergartenkinder und Bund Naturschutz bauen Wildbienen-„Hotel“

In der Kinderinsel Landshut-Auloh tut sich so manches in Bezug auf Naturvielfalt. Verschiedenste Sträucher bieten Lebensraum und Nahrung für einheimische Wildbienen und andere Insekten. Wildblumen und Kräuter sollen heuer als Nahrung angesät werden. Was noch fehlt, ist ein sogenanntes Wildbienen-Hotel, welches für jede Art eigene Brutkammern anbieten soll.

Das sollte sich ändern, und so nahm Miriam Merz, Leiterin des Kindergartens, mit dem BUND Naturschutz Kontakt auf. Nach einigen Vorgesprächen besuchte Erwin Scheuchl, europaweit bekannter Wildbienenspezialist aus Landshut, und Brigitte Englbrecht, BN-Geschäftsstellenleiterin die Kinderinsel. Es war kaltes Wetter, aber das hielt die Kinder und einige Mütter nicht ab, im Garten am Wildbienen-„Hotel“ zu arbeiten. Unter Anleitung des Spezialisten waren die Kinder mit den Erwachsenen eifrig bei der Arbeit.

Für Erwin Scheuchl ist es sehr wichtig, dass immer die richtigen Materialien verwendet werden, damit ein Wildbienen-„Hotel“ auch von den Insekten angenommen wird. Wichtig sei, dass nur Hartholz verwendet werde, in welchem die Löcher von zwei bis zehn Millimeter Durchmesser gebohrt werden. Bohrmehl und Holzfasern seien dabei immer gut zu entfernen. Es können Baumstämme, dicke Äste oder ähnliches verwendet werden. Man könne auch hole Pflanzenstängel mit einer Länge von acht bis 20 Zentimeter bündeln, und auch markhaltige Pflanzenstängel wie von Holunder, Himbeere, Rose werden von etlichen Bienenarten als Nistmöglichkeit angenommen. Möglich sei auch, Ziegel aus gebranntem oder luftgetrocknetem Lehm zu verwenden. Man soll drei bis neun Millimeter breite Löcher bohren, oder noch besser bereits vor dem Brennen bzw. Trocknen mit einer Stricknadel oder einem ähnlichen Gegenstand einstechen. Sehr wichtig, so Scheuchl, sei es, dass beim Bohren und bei den Pflanzenstängeln immer die Rückseite verschlossen sei. Das heißt also, nie ganz durchbohren und die Knoten der Stengel sollen sich am hinteren Ende befinden.

Die Kinder halfen beim Fertigen der Materialien und stapelten sie in einen vorgefertigten Rahmen. Die Ziegel mussten aus Mangel an Steinbohrern vorerst ohne Löcher eingepasst werden. Die eingeplanten zwei Stunden waren im Nu vorbei, und Miriam Merz bemerkte, dass das „Hotel“ in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter gefüllt werden solle. So sei noch Platz für mit Sand vermischten Lehm, der – ebenso mit Löchern versehen – denjenigen Bienenarten eine Heimstätte bietet, die bevorzugt in Steilwänden und Abbruchkanten nisten <s> -</s> und in die Ziegel sollen natürlich auch noch die fehlenden Nistlöcher gebohrt werden.

Erwin Scheuchl, Miriam Merz, Brigitte Englbrecht (rechts) mit einigen der Kinder am teils fertiggestellten Wildbienen-„Hotel“

Wildbienen aus dem Mittelmeergebiet

Wildbienenkundler Erwin Scheuchl (3. v. r.) und Tagfalterexperte Wolfgang Willner (6. v. r.) informierten über das Vorkommen und Leben der Wildbienen und Schmetterlinge
Auch die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana), die Wildbiene des Jahres 2017, war bei der Exkursion zu sehen - Fotos: Selmansberger

Landshut 03.08.2017. Die diesjährige insektenkundliche Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe führte in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“, bei der Tagfalterspezialist Wolfgang Willner und Wildbienenkundler Erwin Scheuchl den Teilnehmern die spannende Lebensweise dieser Insektengruppen nahebrachten. Gleich am Treffpunkt wurden die dort vor einigen Jahren aufgestellten Nisthilfen, bestehend aus mit Bohrungen versehenen Baumscheiben, inspiziert. Zahlreiche Bohrlöcher waren von Wildbienen und Grabwespen mit Lehm verschlossen worden, um die dahinter befindlichen Brutzellen vor Parasiten und Fressfeinden zu schützen. In den Brutzellen entwickeln sich die Nachkommen dieser Insekten vom Ei über Larve und Puppe zum fertigen Insekt. Da einige der Teilnehmer sich beklagten, dass sie in ihrem Garten Nisthilfen aufgestellt hätten, diese aber nicht besiedelt würden, erläuterte Scheuchl die Faktoren, die für den Bau von funktionstüchtigen Nisthilfen wichtig sind. Im Handel erhältliche Nisthilfen würden häufig aus ungeeigneten Materialien und ohne jegliche Kenntnis der Biologie der „Mieter“ gefertigt, so dass der Frust oft vorprogrammiert sei. Das Faltblatt „BN-Ökotipp Wildbienen“ helfe hier weiter, so Scheuchl.

Einen der häufigsten Falter im Gebiet, den Braunen Waldvoge,l konnten die Exkursionsteilnehmer beobachten. Auch auf Schachbrettfalter, Kleinen Kohlweißling, Admiral und das Große Ochsenauge machte Schmetterlingsexperte Wolfgang Willner aufmerksam. Sehr viel seltener waren der Hauhechel-Bläuling oder der Zitronenfalter zu finden. An den für Wildbienen aufbereiteten Offenbodenbereichen war eine Besonderheit in größerer Anzahl zu entdecken, der Deutsche Sandlaufkäfer, eine Rarität der heimischen Laufkäfer, die im Naturschutzgebiet direkt von den Biotopverbesserungsmaßnahmen für Wildbienen profitieren. Neben der intensiven Landbewirtschaftung führe auch die warme und trockene Witterung im Zuge des Klimawandels gebietsweise zu vielen, zum großen Teil negativen Veränderungen im Auftreten von Schmetterlingen und deren Nahrungsgrundlagen, den Pflanzen, gab Willner zu bedenken.

Im weiteren Verlauf der Exkursion konnten etliche Wildbienenarten gesichtet werden, viele von ihnen extreme Spezialisten, wie die Knautien-Sandbiene, deren einzige Nahrungsgrundlage der Pollen von Knautien und Skabiosen ist, oder die Glockenblumen-Scherenbiene, die ausschließlich auf Glockenblumen sammelt. Einen der Gründe für den extremen Rückgang der heimischen Artenvielfalt konnten die Teilnehmer sozusagen am Wegrand beobachten: Wo vor einigen Jahren noch blütenreiche Säume standen, war nun fast alles von Gras überwuchert und nur wenige Blüten waren zu sehen. Selbst in Naturschutzgebieten, die wie der ehemalige Standortübungsplatz optimal gepflegt werden, bewirke der starke Stickstoffeintrag aus der Luft eine fortschreitende Überdüngung des Bodens, so dass am Ende nur noch stickstoffliebende Pflanzen wie Gräser überleben können. Artenreiche Lebensgesellschaften brauchen jedoch nährstoffarme Böden, so Erwin Scheuchl.

Gegen Ende der Exkursion führten die Referenten die Teilnehmer zu einem ganz besonderen Areal: Hier hat sich die erst seit 2009 in Bayern aufgetauchte Langlebige Schmalbiene angesiedelt. Anders als die meisten anderen Wildbienen lebt sie in Staaten, aber im Gegensatz zu den anderen sozialen Wildbienen, deren Nestgemeinschaft nur ein Jahr lang existiert, wird die Königin der Langlebigen Schmalbiene fünf bis sechs Jahre alt. Ihr Staat umfasst im ersten Jahr kaum ein Dutzend Tiere, wächst aber Jahr um Jahr, bis er im fünften Jahr über fünfhundert zählt. Erst in diesem Stadium werden auch Männchen produziert. Die Art stammt aus dem Mittelmeergebiet und hat ihren jahreszeitlichen Rhythmus beibehalten: Sie fliegt nur im Frühjahr und zieht sich im Frühsommer, wenn im Süden alles vertrocknet, in das Nest zurück, wo sie bis zum nächsten Frühjahr bleibt. Da sie im Landshuter Naturschutzgebiet optimale Lebensbedingungen vorfindet, fliegt sie im Frühjahr dort zu Zehntausenden herum – ein Naturschauspiel, das in Bayern sonst nur noch an der Donau bei Pleinting zu bewundern ist.

Wildbienen brauchen Hilfe

Bund Naturschutz stellt neues Faltblatt zum Schutz der Wildbienen vor

Landshut. „Wildbienen – unersetzlich und stark bedroht“ heißt der Titel eines neuen Faltblattes, das die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut herausgebracht hat. Der Text des 12-seitigen „Ökotipp Wildbienen“ wurde von dem Landshuter Wildbienenkundler Erwin Scheuchl verfasst. Die Fotos von Wildbienenarten stammen von dem Autor und von Johannes Selmansberger aus Vilsheim. Der Wildbienenfachmann informiert in der Broschüre umfassend über die Lebensweise der heimischen Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, und hebt ihre enorme Bedeutung für den Naturhaushalt hervor. So bestäuben einige Wildbienenarten und Hummeln Blüten noch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, wenn Honigbienen den Stock schon längst nicht mehr verlassen. Auch auf die Gefährdung dieser Hautflügler weist Erwin Scheuchl hin. In Bayern waren knapp 520 Arten heimisch, 40 davon sind bereits verschwunden. Insgesamt sind 64 Prozent aller Wildbienenarten in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten in Bayern aufgeführt. Eine Ursache dafür sei die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung, heißt es in der Broschüre.

Insbesondere der Mangel an geeigneten Nistplätzen mache den Wildbienen zu schaffen. Deshalb wird im „Ökotipp Wildbienen“ in Wort und Bild erklärt, wie Nisthilfen verschiedenster Bauweisen wildbienengerecht selbst gebaut und in Hausgärten und auf Balkonen aufgestellt werden können. Wildbienenschutz bedeute in erster Linie jedoch Schutz ihrer Lebensräume. Neben klimatischen Gegebenheiten stellen Wildbienen an ihr Habitat zwei Hauptbedingungen: Es muss geeignete Nistplätze und ein ausreichendes Angebot an Futterpflanzen enthalten, informiert Scheuchl.

Paul Riederer, Artenschutzbeauftragter der BN-Kreisgruppe, erinnert daran, dass auf  Initiative der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe geeignete Lebensräume für viele, zum Teil sehr seltene Wildbienenarten durch die Ausweisung des ehemaligen Landshuter Truppenübungsplatzes als Naturschutzgebiet erhalten und geschaffen worden seien. Das Naturschutzgebiet habe deshalb als Wildbienen-Habitat sogar landesweite Bedeutung.

Den „Ökotipp Wildbienen“ gibt es kostenlos in der Geschäftsstelle der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut, Altstadt 105 (Nähe Narrenbrunnen); geöffnet Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17 Uhr.

Die Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum) lässt sich im eigenen Garten ansiedeln. Sie nistet unter anderem in den Fugen einer Trockensteinmauer oder in Bohrlöchern in Hartholz (Foto: Erwin Scheuchl)