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Jubiläum: 15 Jahre Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“

BR Interview

26.10.2016: Am 26. Oktober 2001 wurde auf Initiative der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut von der Regierung von Niederbayern der ehemalige Standortübungsplatz (Truppenübungsplatz) der Bundeswehr zum Naturschutzgebiet (NSG) erklärt. Das NSG mit einer Gesamtfläche von 278,5 Hektar umfasst Flächen im Isartal südlich von Auloh (Ochsenau), im Hügelland bei Stallwang und in der dazwischen liegenden bewaldeten Isarleite. Aus Anlass des Ausweisungs-Jubiläums interviewte Andreas Mack (rechts) vom Bayerischen Rundfunk den Ehrenvorsitzenden der BN-Kreisgruppe, Paul Riederer (Mitte), und den Gebietsbetreuer Philipp Herrmann. >> Mehr

Damit Wanderer im NSG ausruhen können

Eine Ruhebank für die Wanderer und Erholungssuchenden im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ stifteten die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und die Firma Bergmüller Holzbau aus Bayerbach, die auch die Gestaltung und die Aufstellung der Sitzgelegenheit kostenlos übernahm. Alt-Oberbürgermeister Josef Deimer, der zu den fleißigsten Wanderern im Naturschutzgebiet zählt, hatte die Aufstellung der Bank angeregt, da entlang einer längeren Wanderwegstrecke eine Sitzgelegenheit zum Ausruhen fehlte. Deshalb war Josef Deimer auch bei der Übergabe der Bank und beim „Probesitzen“ auf dem drei Meter langen Eichenstamm zusammen mit Holzbau-Geschäftsführer Robert Bergmüller und stellvertretendem BN-Kreisgruppenvorsitzenden Paul Riederer mit dabei. Auch Johann Ritthaler, Leiter des Fachbereichs Naturschutz der Stadt Landshut, und Naturschutzgebietsbetreuer Philipp Herrmann freuten sich über das Sitzbank-Geschenk, das sicherlich auch viele Spaziergänger begrüßen werden.

Gekonnt brachte Robert Bergmüller jun. (rechts) mit Hilfe des Autokrans die schwere Sitzbank in die richtige Position
Robert Bergmüller, Josef Deimer und Paul Riederer (von links) testeten die neue Sitzbank durch „Probesitzen“; beobachtet von Johann Ritthaler und Philipp Herrmann (von links, hinten stehend)

Wiesen statt Maisäcker

Durch Anpachtung konnte der Bund Naturschutz diese ökologisch wertvollen und weitläufigen Grünflächen (Blick nach Norden bzw. Süden) an der Grenze zum Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut“ vor dem Umbruch zu Ackerflächen retten.
Auf dem Foto: Brigitte Englbrecht, BN-Geschäftsstellenleiterin, und Helmut Naneder von der Unteren Naturschutzbehörde

Bund Naturschutz pachtet angrenzend an Naturschutzgebiet wertvolle Grünflächen

Der ehemalige Standortübungsplatz Landshut besitzt dank der vorausgegangenen, jahrzehntelangen kleinbäuerlichen und schließlich militärischen Nutzung eine ausgesprochen hohe Lebensraumvielfalt mit kulturhistorischer Bedeutung und eine beeindruckend artenreiche Tierwelt mit zum Teil vom Aussterben bedrohten Arten. 1994 wurde der militärische Übungsbetrieb eingestellt. Seitdem werden die unterschiedlichsten Anstrengungen unternommen, die ausgesprochen große Bedeutung des Gebiets für den Arten- und Biotopschutz zu erhalten. So erfolgte im Jahre 2001 auf Initiative des Bundes Naturschutz (BN) die Ausweisung der wertvollsten Bereiche als Naturschutzgebiet (NSG). Weitere Flächen des ehemaligen Standortübungsplatzes wurden als Landschaftsschutzgebiete (LSG) ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet und die beiden südlich angrenzenden Landschaftsschutzgebiete umfassen nun das rund 500 Hektar große BayernNetzNatur-Projektgebiet, dessen Träger die BN-Kreisgruppe Landshut ist.

Aktuell habe jedoch akuter Handlungsbedarf bestanden, da ein Biogasanlagenbetreiber an den bisher als Schafweide genutzten, direkt an das Naturschutzgebiet angrenzenden Grünflächen rund um Hauslehen in der Gemeinde Adlkofen großes Interesse zeigte. Die Extensivgrünländer sollten umgepflügt und als Energiepflanze sollte auf diesen Ackerflächen Mais angebaut werden, informiert stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer. Um diese Gefahr und die gravierende Beeinträchtigung des BayernNetzNatur-Projektgebiets aus naturschutzfachlicher und kulturhistorischer Sicht abzuwenden, sei es für die BN-Kreisgruppe dringend erforderlich gewesen, diese Flächen für den Natur- und Artenschutz zu sichern. Verhandlungen zwischen dem Eigentümer und der BN-Kreisgruppe, die von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Landshut unterstützt wurden, hätten schließlich ergeben, dass der für die Natur aufgeschlossene Grundstücksbesitzer neun zusammenhängende Grundstücke von insgesamt 13,477 Hektar für zunächst 10 Jahre an die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz verpachtet. Diese Arten- und Biotopschutzmaßnahme wird laut Bund Naturschutz vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Die BN-Kreisgruppe will die bisherige extensive Schafbeweidung der Grünflächen grundsätzlich weiterführen und die Flächen unter enger Abstimmung mit der Höheren und Unteren Naturschutzbehörde aus naturschutzfachlicher Sicht optimieren. Die Naturschützer gehen davon aus, dass auf den Maßnahmeflächen einige der im nördlich angrenzenden Naturschutzgebiet vorkommenden, zum Teil bayernweit gefährdeten oder gar vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten einwandern beziehungsweise die Flächen als Nahrungs- und/oder Bruthabitat nutzen werden. Aber auch das schöne Landschaftsbild dieses ruhigen Naherholungsgebiets will der Bund Naturschutz durch die Pacht der Grünflächen erhalten und zugleich einen Beitrag für den Klimaschutz leisten, nachdem Grünland ein besonders guter CO2-Speicher ist.

Zehn Linden zum zehnten Geburtstag

Oberbürgermeister a. D. Josef Deimer, BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner, Oberbürgermeister Hans Rampf, Regierungspräsident Heinz Grunwald, Paul Riederer, stellv. Kreisgruppenvorsitzender, und Kathy Mühlebach-Sturm, Kreisgruppenvorsitzende (von links mit Schaufel) bei der Pflanzung der zehnten Linde. Auch Kinder der BN-Kindergruppen Auloh und Vilsbiburg betätigten sich eifrig. - Foto: Brigitte Englbrecht
Die Bronzetafel auf dem Gedenkstein zum zehnjährigen Bestehen des Naturschutzgebiets hat der Bildhauer Klaus Wiedmann gestaltet. Der Stein wurde von Kathy Mühlebach-Sturm und Paul Riederer enthüllt. - Foto: Brigitte Englbrecht

Am 11. November 2011 wurde das kleine Jubiläum des Naturschutzgebiets gefeiert

Landshut. Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz mit Isarhangleite“ wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Gestern feierten Vertreter von Bund Naturschutz, Stadt und Regierung von Niederbayern vor Ort den Geburtstag: Diese Institutionen haben zusammengearbeitet, um das ehemalige Bundeswehr-Areal im Osten der Stadt zum Naturschutzgebiet zu machen.

„Wo gibt es noch eine Stadt, die innerhalb ihrer Grenzen ein solches Naturschutzgebiet hat?“ Das fragte Oberbürgermeister Hans Rampf gestern bei der kleinen Feier im Naturschutzgebiet. Tatsächlich umfasst das Gebiet 4,2 Prozent der Fläche des Stadtgebiets. Dieses Verhältnis ist mindestens bayernweit einmalig. Ganz ohne Querelen war der Weg dorthin zwar nicht, doch die wurden recht schnell beseitigt.

Als 1994 die Bundeswehr bis auf das Verteidigungsbezirkskommando aus Landshut abgezogen wurde, ergriff der Bund Naturschutz (BN) umgehend die Chance und beantragte bei der Regierung die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Schon in den Jahren zuvor hatte BN-Kreisgruppenchef Paul Riederer Kontakt mit der Bundeswehr gepflegt, um das Areal entsprechend vorzubereiten. Gleichzeitig wollte die Stadt den ehemaligen Standortübungsplatz kaufen, und zwar für das Heilig-Geist-Spital, wie Altoberbürgermeister Josef Deimer gestern sagte. Damit sollten langfristig 50 Hektar Baugrund gesichert werden; das Naturschutzgebiet umfasst insgesamt 278,5 Hektar.

Anständige Verhandlung

Beide Ziele ließen sich nicht recht miteinander vereinbaren – was schnell zu einer Initiative für ein Bürgerbegehren für das Naturschutzgebiet führte. „Ich sah auf einmal eine Unterschriftenliste gegen mich selber“, sagte Deimer humorvoll. Also suchte er das Gespräch mit dem damaligen BN-Kreisgruppenvorsitzenden Paul Riederer. Man habe anständig verhandelt, sagte er. Beide sprechen heute respektvoll voneinander, wenn sie sich an die Diskussionen erinnern. Vermittler war laut Regierungspräsident Heinz Grunwald seine Behörde, die Regierung von Niederbayern. Ergebnis der Gespräche war ein Kompromiss, den der Stadtrat einstimmig mittrug: 20 Hektar entlang der Kreisstraße werden 2017 – also 20 Jahre nach der Verbriefung – Bauland. Als Ausgleich sollte eine Fläche parallel zu den Isarhangleiten Teil des zukünftigen Naturschutzgebiets werden. Daher kommt der etwas sperrige offizielle Name „Ehemaliger Standortübungsplatz mit Isarhangleite“. Von da an trieb auch die Stadt die Ausweisung zum Naturschutzgebiet voran. Schon 2001 war es soweit – eine beachtlich kurze Zeit, sagte BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner. Im Durchschnitt dauere das 15 Jahre. Er lobte das Areal als „landschaftliches und ökologisches Highlight“.

Gelungenes Gebiet

Seitdem hat die Stadt sich weiterhin für das Gebiet eingesetzt: Sie hat Aussichtstürme, Lernstationen und ein Wegekonzept errichtet; sie zahlt auch die Stelle des Gebietsbetreuers. Der erklärt Besuchern das Konzept des Naturschutzgebiets. Das ist laut Grunwald wichtig, denn: „Nur was man kennt, achtet man.“ Das scheint zu funktionieren. Jetzt hat die Stadt ein gelungenes Naherholungsgebiet auf hohem Niveau für Spaziergänger und Wanderer, wie Rampf sagte. Deimer bekannte, dass er mindestens zweimal in der Woche dort spazieren gehe, und Grunwald forderte jeden Bürger auf, das Areal einmal zu genießen. Rampf dankte daher Riederer für dessen Einsatz für das Gebiet, aber auch Deimer für die Durchsetzung des Baulands, das die Stadt in einigen Jahren zur Verfügung hat. Denn „Landshut gehört zu den wenigen Städten in Bayern, die weiterhin mit Wachstum rechnen dürfen“.

Stadt und BN haben gemeinsam ein Geburtstagsgeschenk gemacht: Der BN hat zehn Linden gestiftet, für jedes Jahr eine, und die Stadt hat die Kosten für die Pflanzung übernommen. Die BN-Kindergruppen Auloh und Vilsbiburg gratulierten mit einem Geburtstagslied. Der BN hat zudem einen Gedenkstein gestiftet, der an das zehnjährige Bestehen des Naturschutzgebiets erinnern soll. Der Bildhauer Klaus Wiedmann hat dafür die Bronzetafel gestaltet.

Quelle: Landshuter Zeitung, Katrin Filler, 12. 11. 2011

Kinder aus Landshut-Auloh und Vilsbiburg gratulierten unter der Leitung von Pablo Asensio mit einem Geburtstags-Ständchen - Foto: Brigitte Englbrecht

Vom Militärgelände zum Naturschutzgebiet

Bedeutsamer Biotopkomplex und wertvolles Naherholungsgebiet

Im östlichen Stadtgebiet von Landshut – südlich des Stadtteils Auloh, an der Kreisstraße LA 14 Landshut - Niederaichbach – befindet sich das Naturschutzgebiet (NSG) „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“. Dieses Naturschutzgebiet stellt nicht nur einen landesweit bedeutsamen Biotopkomplex dar, sondern ist auch wegen seines landschaftlichen Reizes und wegen seines ausgedehnten Wegesystems ein wertvolles Naherholungsgebiet. Dieses Naturschutzgebiet ist vor allem auf Initiative der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) entstanden.

Am 26. Oktober 2001 trat die Verordnung der Regierung von Niederbayern für das Naturschutzgebiet in Kraft. Die besonders schutzwürdigen Teile des ehemaligen militärischen  Übungsgeländes im Isartal (Ochsenau) und im Tertiären Hügelland (Hochfläche) wurden zusammen mit der dazwischen liegenden Steilstufe der bewaldeten rechten Isarleite unter Schutz gestellt. Das NSG hat die beachtliche Gesamtgröße von 279 Hektar. Es gibt keine Stadt in Bayern, die innerhalb ihrer Grenzen ein so großes Naturschutzgebiet aufweisen kann.

Die Entstehungsgeschichte des NSG

Bereits seit 1880 (!) wurde die Fläche im Isartal als „Exerzierplatz“ vom Militär genutzt. Ab Mitte der 30er Jahre wurde dieses Übungsgelände auf die angrenzende Hochfläche wesentlich ausgedehnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) übernahmen amerikanische Panzereinheiten den Übungsplatz. Im Jahre 1968 löste die Bundeswehr die Amerikaner ab. Bis zur Auflösung der Landshuter Bundeswehr-Garnison im Jahre 1993 diente das Gelände des heutigen Naturschutzgebiets unter der Bezeichnung „Standortübungsplatz“ hauptsächlich Panzern als Übungsgelände. Trotz intensiver militärischer Nutzung konnten auf Grund einer langjährigen Zusammenarbeit von Bundeswehr (Standortverwaltung) und Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut sowie unter zunehmender Berücksichtigung von Natur- und Artenschutzzielen die Standortvoraussetzungen für viele schutzbedürftige Tier- und Pflanzenarten geschaffen werden. Es entstanden die unterschiedlichsten Lebensräume und im Laufe von Jahren ein Verbund unterschiedlicher Biotoptypen von überregionaler, ja landesweiter Bedeutung.

Als sich im Jahre 1993 abzeichnete, dass mit Auflösung der Landshuter Bundeswehrgarnison auch das militärische Übungsgelände aufgegeben wird und das rund 300 Hektar große Gebiet als potentielles Baugebiet ins Gespräch kam, stellte die BN-Kreisgruppe beim Präsidenten der Regierung von Niederbayern den Antrag, das gesamte Gelände vor Bebauung zu schützen und wegen seiner Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt als Naturschutzgebiet auszuweisen. Zusätzlich wurde vom Bund Naturschutz in der Stadt Landshut ein Bürgerbegehren mit dem gleichen Ziel eingeleitet. Nach vielen Gesprächen und Verhandlungen zwischen der Stadt Landshut, der Regierung von Niederbayern und dem Bund Naturschutz, nach Erstellung eines Pflege- und Entwicklungsprogramms durch die Stadt, nach einem öffentlichen Anhörungsverfahren sowie nach dem Votum des Stadtrats unter dem damaligen Oberbürgermeister Josef Deimer,  einem Befürworter des NSG, endeten im Oktober 2001 die intensiven Bemühungen des Bundes Naturschutz für das erste Naturschutzgebiet in der Stadt Landshut erfolgreich. Das eingeleitete Bürgerbegehren wurde von Seiten des BN deshalb nicht mehr weiter verfolgt. Am 11. Januar 2002 feierten die Stadt Landshut, der Bund Naturschutz und Landshuter Kunstschaffende bei einem Festakt zusammen mit zahlreichen Ehrengästen und mit einer Ausstellung die Unterschutzstellung des ehemaligen Standortübungsplatzes. 25 Künstlerinnen und Künstler zeigten ihre Werke – Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Plastiken, eine Videoschau und eine Installation (im NSG) –, mit denen sie dieses besondere „ökologische Ereignis“ auf ihre Weise würdigten. Der Titel dieses Kunst-Natur-Projekts, das von dem damaligen BN-Kreisgruppenvorsitzenden Paul Riederer angestoßen wurde, lautete „Terra incognita“, war doch das militärische Gelände über viele Jahrzehnte hinweg für den allgemeinen Zugang gesperrt und somit für die meisten Landshuter ein „unbekanntes Land“. Zur Ausstellung erschien ein Katalog.  Am 24. April 2004 errichtete die BN-Kreisgruppe im Naturschutzgebiet – am Wanderweg in der Ochsenau – eine Granitstele mit einer Bronze-Gedenktafel.

Im Naturschutzgebiet (Ochsenau): Installation „Siedlungsanlage“ von Stephan Quenkert (Holz/Stahl verschwei゚t und geschraubt, 4,8 x 4,6 x 0,12 m).

"Kleine Pustzta" und "Kleine Rhön" in Landshut

Der Standortübungsplatz ist in drei Zonen unterteilt. Im unteren Teil (Ochsenau), zwischen der Staatsstraße LA 14 und dem Fuß der Isarhangleite – dieser Teil wird auch als „Kleine Puszta“ bezeichnet – befindet sich im Wesentlichen ein steppenartiger Halbtrockenrasen.
Nach Süden steigt das Gelände stark an – dies bildet die südseitige Begrenzung des Isartales – und beherbergt hier einen naturnahen Laubmischwald mit einer Artzusammensetzung, wie es in unserer Gegend der natürlichen, sich selbst überlassenen Entwicklung in etwa entsprechen würde. Dies ist Bestandteil der so genannten Isarleiten. Im oberen Teil – auch „Kleine Rhön“ betitelt –  findet man welliges Grasland mit natürlichen Hecken und zahlreiche alten Obstbäume in lockeren Abständen von einer früheren landwirtschaftlichen Nutzung her, in der Art von Streuobstwiesen. Auf dem unteren und dem oberen Teil wurde durch den Übungsbetrieb der Panzer immer wieder der Boden aufgerissen und wieder verdichtet. Dadurch entstand ein Netz von kleinen Weihern und Pfützen, in denen sich in großer Zahl und Artenvielfalt Amphibien ansiedeln konnten. Besonders die Gelbbauchunke und die Wechselkröte profitieren hiervon. Später wurde aus Rücksichtnahme auf die Natur der Übungsbetrieb auf bestimmte Zonen eingeschränkt, welche zusammen mit dem Bund Naturschutz ausgearbeitet worden waren. Auf der übrigen Fläche wurde extensive Weidewirtschaft betrieben, in dem regelmäßig Schafherden darüber gelassen wurden und auch heute noch werden. Durch die spezielle Art der Nutzung entstand eine ganz besondere kleinräumige Vielfalt von Biotoptypen auf engstem Raum. Steppe neben feuchten Senken und Wasserstellen.  Amphibien können ungestört von ihren Laichgewässern in ihren Sommerlebensraum, die Hangleiten, wandern und zurück. Vögel, die Ansitzjagd betreiben, wie der Neuntöter oder der Wespenbussard, finden zahlreiche freistehende Bäume mit Blick auf ihr Jagdrevier, dessen Bewuchs von den weidenden Schafen kurz und übersichtlich gehalten wird. Totholz wird hier nicht beseitigt, sondern stehen gelassen, so dass auch Insekten, sowie zahlreiche, zum Teil sehr seltene Wildbienen- und Laufkäferarten und dergleichen, einen idealen Lebensraum vorfinden.

Parkmöglichkeiten am Naturschutzgebiet

Pflegekonzept simuliert militärische Nutzung

In der biologischen Fachwelt ist die Besonderheit dieses Geländes seit Langem bekannt. Es wurden zahlreiche Untersuchungen und Diplomarbeiten darüber verfasst, so dass es als das bestuntersuchte Gebiet im Raum Landshut gelten kann, was den Artenschutz betrifft. Nach dem Wegfall der intensiven militärischen Nutzung wird etwa einmal im Jahr eine "Biotoppflegemaßnahme" durchgeführt, in dem gewissermaßen der Übungsbetrieb simuliert wird. Unter anderem werden mit einem schweren Radlader ehemalige Panzerfahrspuren nachgezogen und Rohbodenflächen geschaffen. Dadurch soll das Artenspektrum – vor allem bei Amphibien, Laufkäfer und Wildbienen – möglichst erhalten werden. Eine Gebietsbetreuerin kümmert sich um die  notwendigen Maßnahmen. Für die Besucher des Naturschutzgebietes, das jederzeit per Fuß oder Fahrrad erkundet werden kann, wurden entlang der Wanderwege Bild- und Texttafeln installiert, die auf Besonderheiten des Gebiets, aber auch auf die notwendige Rücksichtnahme gegenüber der Fauna und Flora hinweisen. Es besteht beispielsweise ein Wegegebot und die unbedingte Pflicht, Hunde an der Leine zu führen. Das Befahren mit Motorfahrzeugen ist grundsätzlich verboten. Am Rande des Naturschutzgebiets gibt es Parkmöglichkeiten (siehe obige Geländekarte).

Reiche Artenvielfalt

Das Betretungsverbot der Tümpel wird strengstens überwacht (im Bild: Pferdeegel)

In der biologischen Fachwelt ist die Besonderheit dieses Geländes seit Langem bekannt. Es wurden zahlreiche Untersuchungen und Diplomarbeiten darüber verfasst, so dass es als das bestuntersuchte Gebiet Landshuts gelten kann, was den Artenschutz betrifft. Danach kommen hier 440 Pflanzenarten vor, von denen etwa 100 auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten stehen oder anderweitig besonders geschützt sind. Elf der insgesamt 19 heimischen Amphibienarten leben hier. Die Heidelerche hat hier den einzigen Brutplatz Niederbayerns. Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Gelbbauchunken und die Vorkommen an Wechselkröten und Laubfröschen gehören zu den bedeutendsten in Süddeutschland.

Vogelkundliche Wanderung in das NSG StÜPl Landshut

Der Bund Naturschutz Landshut organisiert im Rahmen seines Umweltbildungsprogramms „Natur kennen lernen, erleben und schützen“ regelmäßig naturkundliche Exkursionen in „sein“ Naturschutzgebiet  „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“. Das Foto zeigt Teilnehmer einer vogelkundlichen Wanderung unter Führung von Paul Riederer (vierter von links) und Philipp Herrmann (fünfter von rechts); rechts: Gebietsbetreuerin Viktoria Meysemeyer, die ebenfalls Führungen durchführt. (Siehe dazu auch unten stehende Artikel "Blühende Vielfalt auf Panzergebiet" und "Heuschrecken - musizierende Insekten")

Blühende Vielfalt auf Panzergebiet

Dieter Nuhn leitete botanische Exkursion ins Landshuter Naturschutzgebiet

Das Bildungswerk Bund Naturschutz (BN) organisierte in Zusammenarbeit mit dem Naturwissenschaftlichen Verein eine botanische Exkursion ins Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“. Die Exkursion in das ehemalige Panzergelände stand unter der bewährten Leitung von Dieter Nuhn. Eingangs berichtete der Pflanzenkundler Wissenswertes über die Geschichte des jetzigen Naturschutzgebietes, das im östlichen Stadtgebiet, südlich von Auloh, liegt. Im Jahr 2001 wurden 280 Hektar des früher militärisch genutzten Geländes als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dies, so Nuhn, sei der BN-Kreisgruppe Landshut zu verdanken, die 1994 einen entsprechenden Antrag bei der Regierung von Niederbayern gestellt habe. Auf diese Weise konnte eine Landschaft erhalten werden, die eine Vielzahl an Pionierstandorten umfasse und die eine sehr hohe Artenvielfalt aufweise.

Dieter Nuhn hob hervor, dass allein auf der Länge von 500 Metern, die man im Rahmen der Exkursion zurücklegte, und auf der Wegbreite von 20 Metern mindestens 150 verschiedene Pflanzenarten vorkommen. Wenngleich viele Arten die Blütezeit am Exkursionstag bereits hinter sich hatten, gab es doch noch allerhand zu entdecken. Wiesenlabkraut und Echtes Labkraut zählten dabei zu den Wildblumen, die auch auf nährstoffreicheren Wiesen zu finden sind. Die beiden Arten sind zur Kreuzung fähig und so konnte der Exkursionsleiter auch einen Bastard der beiden Labkrautarten herzeigen. Je magerer eine Wiese sei, desto blumenreicher zeige sie sich, erklärte der Exkursionsleiter. Wildblumen bräuchten so gut wie keine Nährstoffe. Durch vermehrten Stickstoffeintrag aus der Luft würden allerdings auch unbewirtschaftete Wiesen immer nährstoffreicher und damit ärmer an Blumenarten. Eine Art, die dadurch verdrängt werde, sei der Gewöhnliche Augentrost, inzwischen eine Rarität, die während der Exkursion auch zu sehen war. In unserer Gegend, so Nuhn, komme die Heilpflanze nur noch auf dem Bruckberger Damm vor. Bessere Bedingungen durch die Düngung aus der Luft erhielten laut Nuhn viele Gräser, beispielsweise das Knäuelgras.

 Auch zur Bestimmung von Blumenarten gab der Experte hilfreiche Hinweise. So erklärte er, dass die Rundblättrige Glockenblume ihren Namen von den rundlichen Grundblättern habe, die knapp oberhalb des Bodens lägen, und erst bei genauem Hinsehen zu erkennen seien. Nuhn bemerkte auch, dass, was landläufig als Löwenzahn bezeichnet werde, in Wahrheit Kuhblume heißt. Den echten Löwenzahn, so Nuhn, gebe es in unserer Gegend nur im Isartal, weil der Samen über die Isar aus dem Gebirge zu uns angeschwemmt worden sei. In anderen Tälern der Region fehle der Löwenzahn völlig. In den Wasserbecken der ehemaligen Panzerwaschanlage konnten das Schwimmende Laichkraut und die seltene Krebsschere begutachtet werden. Am Wegesrand wurde auch der Gewöhnliche Beifuß gefunden. Dieter Nuhn wies auf die Ähnlichkeit mit der eingeschleppten Ambrosia hin, die jedoch an den Blättern längere Fiederspalten hat als der Beifuß. Sie ist gefährlich für Allergiker, weil sie erst im August bis in den September hinein blüht, und damit die Allergiker-Saison verlängert. Eine Ambrosiapflanze erzeugt etwa 100 000 Samen, weshalb derzeit verstärkt darauf hingewiesen wird, diese Art rechtzeitig vor einer starken Ausbreitung zu bekämpfen.

In den Ritzen zwischen Pflastersteinen der ehemaligen Panzerstraßen waren der Scharfe Mauerpfeffer und das Quendelblättrige Sandkraut zu entdecken. Ameisen helfen diesen Arten bei der Ausbreitung, indem sie deren Samen verschleppen. Zu den selten vorkommenden Pflanzenarten zählt der Dornige Hauhechel und auch das Schopfkreuzblümchen, welches im Naturschutzgebiet einen großen Bestand bildet, außerhalb des ehemaligen Militärgeländes aber fast überhaupt nicht vorkommt. Nuhn freute sich darüber, dass inzwischen auf einem besonders wertvollen Teil der Wiesenlandschaft im Naturschutzgebiet die Beweidung durch Schafe auf einen späten Zeitraum im Jahr begrenzt wurde. Dies trage dazu bei, dass der Bestand von seltenen Blumenarten auf diesem Standort gesichert werden könne.

Pflanzen in Märchen und Brauchtum

Berthold Riedel (Dritter von links) erklärte den Exkursionsteilnehmern die mythologische Seite von Bäumen, Sträuchern und Blumen

Exkursion des BN im Naturschutzgebiet zum Thema Mythologie der Pflanzen

Über 30 Naturinteressierte trafen sich am 16. Juli 2011 im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“, um bei einer Exkursion des Bundes Naturschutz Wissenswertes über die Mythologie der Pflanzen zu erfahren. Unter der Leitung von Berthold Riedel tauchte die Gruppe ein in die Welt der Märchen und Mythen, die es rund um Bäume, Sträucher und Blumen ebenso zu bestaunen gibt wie botanische Phänomene oder die historische Nutzung vieler Pflanzen.

Zu der unterhaltsamen Wanderung traf man sich zuerst unter einer Linde und damit einer Baumart mit vielen guten Eigenschaften. Sie sei Sinnbild der Gerechtigkeit, der Mütterlichkeit und der Liebe. Mit ihrer ausladenden Krone, den herzförmigen Blättern und dem süßen Blütenduft verkörpert sie seit jeher das Gute. Bereits im Baumhoroskop der Kelten galt die Linde als klug, gutmütig, hilfsbereit, fantasievoll und feinfühlig, so Landschaftsökologe Riedel. Ganz andere Geschichten erzählte er beispielsweise zum Haselnussstrauch. Dieser hatte bei Hildegard von Bingen kein hohes Ansehen, galt er doch als Sinnbild der „Wolllust“. Volkssprüche wie „in die Haseln gehen“ oder „viel Haselnüsse – viele uneheliche Kinder“ weisen auf den sündigen Charakter dieser Pflanze hin. Der Referent konnte auf unterhaltsame Weise mit vielen weiteren Geschichten und Informationen aufwarten. Er erläuterte zum Beispiel auch, warum sich auf den Blättern des Frauenmantels vermeintlich Tautropfen sammeln und warum das Regenwasser, das sich am Blattgrund der Wilden Karde oft tagelang hält, in der römischen Mythologie als Venusbad galt.

Eine nette Geschichte wusste Riedel auch zum derzeit blühenden Johanniskraut. Die frühen Christen weihten diese Pflanze Johannes dem Täufer. Dem Teufel jedoch war dieses Heilkraut ein Greuel, konnte es doch Menschen vor seinem Einfluss beschützen. Wild vor Wut stach er daher eines Tages auf das Johanniskraut ein und es hat daher bis heute durchlöcherte Blätter: die botanische Bezeichnung „perforatum“ spricht für sich. Gespannt lauschten die Teilnehmer außerdem den Ausführungen zur Birke. Die Birke hat in nördlichen Ländern eine ähnliche Bedeutung wie bei uns die Linde. Sie gilt als sehr frosthart und besticht vor allem in den kargen Gegenden des Nordens durch ihr leuchtendes Grün im Frühling und gilt daher als Sinnbild des Frühlingserwachens und der Wiedergeburt. Auch weiter im Süden rankten sich viele Bräuche um dieses Symbol der Fruchtbarkeit und der Jugend. Und der Maibaum war ursprünglich auch bei uns eine Birke, ebenso wie bis heute Birken als Fronleichnamsschmuck Verwendung finden. Die Teilnehmer erfuhren auf dem Spaziergang von dem Referenten noch weit mehr und waren erstaunt, wieviele Pflanzen und Rituale dem Liebeszauber und der Steigerung der Fruchtbarkeit zugeschrieben wurden.

Damit waren die größten Hindernisse beseitigt und die weiteren notwendigen Verfahrensschritte konnten das Verfahren nur noch verzögern, aber nicht mehr stoppen. Schließlich trat am 26. Oktober 2001 die Schutzverordnung in Kraft.