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Kopfweiden

Bedeutung - Neuanlage - Pflege

Bedeutung

Kopfweiden hatten in früheren Zeiten eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung. Ihre dünnen Triebe dienten der Korbflechterei. In manchen Gegenden flocht man mit den dickeren Ruten die Gefache der Fackwerkhäuser aus, bevor man sie mit Lehm bewarf. Weidenholz hatte gute Eigenschaften, um daraus Gerätestiele anzufertigen. Die dickeren Äste dienten schließlich als Brennholz. Mit dem Vormarsch von Kunststoffen und des Heizöls erschien die Kopfbaumwirtschaft unrentabel. Immer mehr Kopfweiden fielen. Heute kann man nach wie vor Korbwaren aus echtem Weidenholz kaufen. Auch für den wieder in Mode gekommenen Kachelofen wird Brennholz benötigt. Neuerdings werden aus Weidenruten auch wieder sogenannte "lebende Zäune" gebaut.

Dickstämmige Weiden zählen zu den insektenreichsten Pflanzen. Alleine über 100 Käferarten, wie z.B. die im Stamminneren als Larve lebenden Arten Weber- und Moschusbock oder von den Faltern der Weidenbohrer, sind auf diese Baumart angewiesen. Insgesamt sind es allein unter den Insekten 183 Spezialisten, die in Bezug auf Ernährung, Fortpflanzung und Lebensweise von der Weide abhängen. Die vielen Raupen bieten auch zahlreichen Vögeln genügend Nahrung. Pilze, Käfer, Insektenlarven und Vögel tragen dazu bei, dass sich auf dem Kopf der Weide ein kleines Humusbeet bildet, in dem sich manchmal andere Gehölze, wie zum Beispiel Wildrosen oder Holunder, ansiedeln. Bis es soweit ist, dass der Stamm innen hohl wird, vergehen viele Jahre. Erst müssen Regen und Frost einwirken, Pilze ihr Zerstörungswerk begonnen haben, bevor die entstandene Höhle groß genug ist, dass sie einigen Vögeln Nistgelegenheit bieten. Neben dem Steinkauz brüten Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Trauerschnäpper, Halsbandschnäpper, Kohlmeise, Blaumeise, Sumpfmeise, Weidenmeise, Feldsperling, sogar Turmfalke und Stockente in den hohlen Weiden. Hinzu gesellen sich Fledermäuse, wie Abendsegler. Je älter, dicker und mulmenreicher die Stämme sind, desto wertvoller sind sie aus der Sicht des Naturschutzes.

Neuanlage

Feuchtes Grünland und Uferböschungen eignen sich als Standort ideal. Bei den Kopfbäumen handelt es sich vor allem um die Silberweide (Salix alba), sowie die Bruchweide (Salix fragilis). Jungpflanzen lassen sich mühe- und kostenlos beschaffen, da die bei den Beschneidungsarbeiten anfallenden Äste hierzu verwendet werden können. Zu diesem Zweck werden die Äste auf etwa drei Meter Länge geschnitten und ca. 70 cm tief bei frostfreiem Wetter eingepflanzt. Der Abstand zwischen den Bäumen soll zwei Meter nicht unterschreiten. Die zur Pflanzung vorgesehenen Äste sollen einen Durchmesser von mindestens 5 cm haben, da ansonsten unnötige Zuwachszeit verloren geht. Am unteren Ende des Stammes sollte die Rinde leicht abgeschabt werden, um die Wasseraufnahme zu erleichtern. Der Anwachserfolg liegt bei dieser Methode sehr hoch. Nach etwa zwei Jahren werden die Bäume dann in etwa zwei Meter Höhe geköpft.

Pflege der Kopfbäume

Was auf den ersten Blick für den Laien wie eine Verstümmelung aussieht ist eine notwendige Maßnahme. Werden die Äste nicht von Zeit zu Zeit zurückgeschnitten, so bildet sich eine ausladende Krone, unter deren Last der Baum auseinanderbrechen kann. Durch die Nutzung der Kopfweiden, den wiederholten Rückschnitt der Äste alle 10 bis 20 Jahre, entstehen die typischen Köpfe der Bäume. Der Brutvögel wegen soll diese Arbeit in den Herbst- und Wintermonaten erfolgen. Die Äste sollen dabei möglichst nahe am "Kopf" abgesägt werden.