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Hornissen – wo und wie leben sie?

Johannes Selmansberger (Dritter von links) berichtete den Standbesuchern vom Leben der Hornissen
Die Kinder von der BN-Kindergruppe „Wirbelwind“ erfuhren von Brigitte Englbrecht (rechts) auch Wissenswertes über den Schutz des Tales Josaphat

Infostand der BN-Kreisgruppe in der Landshuter Altstadt

Trotz des sehr stürmischen Wetters fanden sich am Samstag, 8. Oktober, zahlreiche Besucher am Infostand der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe vor dem Landshuter Rathaus ein, um sich über das Leben und den Schutz der Hornissen zu informieren. BN-Hornissenspezialist Johannes Selmansberger verstand es, in verständlicher Weise Biologie, Lebensweise, Vorkommen und Gefährlichkeit der Hornissen zu vermitteln sowie das Verhalten gegenüber diesen nützlichen Großinsekten zu erklären. Hornissennester, Nistkästen, Infoblätter und eine Bildtafel ergänzten seine Erklärungen, die bei den Standbesuchern großen Anklang fanden. Ein besonderes Highligh waren – besonders für die Kinder der Landshuter BN-Kindergruppe „Wirbelwind“ – lebende Hornissen, die der Hornissenfachmann auf seiner Hand zur Schau stellte.

Die BN-Kreisgruppe wies an ihrem Stand aber auch auf den Schutz des Isarauwaldes und des Tales Josaphat hin und sammelte Unterschriften gegen einen geplanten Straßenbau durch den Auwald im Westen von Landshut und gegen eine weitere Bebauung des schönen Tals südöstlich der Heilig-Blut-Kirche im Stadtteil Hofberg. Beide Gebiete sind artenreiche Naturräume und wertvolle Naherholungsgebiete.

Hornissen in falsch konstruierten Rollokästen

„Alle Jahre das selbe Spiel“, klagt der Hornissenexperte Johannes Selmansberger von der Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut: Die Leute rufen an und suchen Rat, weil sich Hornissen im Rollokasten eingenistet haben. Dann kommt die übliche Frage:“ Was können sie uns raten? Glauben sie, dass wir die Hornissen lassen können?“ Und immer kommt vom Hornissenexperten die selbe Antwort: „Natürlich nicht“. Hornissen leiden an Nistplatzmangel, weil natürliche Nistplätze, hohle Bäume, nicht mehr vorhanden sind. Auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen scheinen oft Rollokästen ein geeignetes Quartier zu sein. Aber gerade diese Behausung ist problematisch. Zum einen sind diese Behausungen zu klein, deshalb nagen die Insekten die Isolation in den Kästen ab. Es entsteht ein Bauschaden. Zum Anderen ist es auch den Leuten, die tolerant gegenüber Hornissen sind, nicht zuzumuten, dass sie in einem Zimmer mit erheblichen Geruchsbelästigungen wohnen. Die Ausscheidungen der Hornissen und die Reste der zerkauten Insekten bilden über die Monate ein Gemisch, dass erheblich stinkt, so Selmansberger. Auch ist es schon vorgekommen, dass die Hornissen den Deckel des Rollokastens durchgebissen haben und in der Wohnung geflogen sind. Weniger problematisch ist es, erklärt der Naturschützer, wenn sich Hornissen im Dachboden einnisten. Hier kann mit einer dicken Schicht aus Zeitungspapier , die man unter das Nest legt, helfen. Die Ausscheidungen fallen auf die ausgelegte „Windel“ und von Zeit zu Zeit können die alten Schichten aus Zeitungspapier durch neue ersetzt werden. Damit ist das Geruchsproblem auf ein erträgliches Maß reduziert.. Dies ist aber in Rollokästen nicht möglich. Beim öffnen der Deckels wird die Person, die Störungen am Nest verursacht, sofort von den sonst so friedlichen Insekten, angegriffen. Verärgert über die Fehlkonstruktionen der Rollokastenbauer ist der Naturschützer auch deshalb, weil bei neuen Rollokästen diese Schutz vor Besiedlung immer noch nicht eingebaut wird. Zwischenzeitlich ist man zwar in der Lage Insektengitter zu integrieren, die , die winzigen Stechmücken aussperren, aber die dicken Brummer können sich immer noch im Rollokasten ansiedeln. In diesem Jahr musste bei einem Neubau die Ziegel bei einem noch unverputzten Haus wieder aus der Wand gestemmt werden um an das Hornissennest zu gelangen. Selmansberger ärgert sich zunehmend über die schlechte Konstruktion der neuen Rollokästen. Es wäre überhaupt kein Problem hornissensichere Rollokästen zu konstruieren und herzustellen, so der Naturschützer. Mit einer Bürste, die die Öffnung zwischen Rollo und Kasten abschließt würde das Problem kostengünstig gelöst. Es hätte auch noch einen zusätzlichen wärme dämmenden Effekt. „Es ist absolut unverständlich“, so der Hornissenexperte, „dass sich hier die Rollokastenbauer keine Gedanken machen“. Der Druck muss anscheinend vom Verbraucher kommen. Diese fehlerhaft konstruierten Kästen verursachen beim Hausbesitzer Bauschäden und Kosten.

Die massive Aufklärungsarbeit der Medien und der Naturschutzverbände und Naturschutzbehörden zeigt deutliche Wirkung. Immer mehr Menschen erkennen den Wert der imposanten Insekten und wollen unter keinen Umständen, dass den Tieren etwas zustößt. Bei Umsetzaktionen wird Johannes Selmansberger öfters darauf hingewiesen, dass es für die Betroffenen wichtig ist, dass die Tiere den natürlichen Lebenszyklus mit der Bildung der Jungköniginnen in Hochsommer durchlaufen können. Das Nest muss also fachgerecht Umgesetzt werden. Gerade die beengten Rollokästen mit den Stangen zum Aufrollen des Rollos bereiten beim Ausbauen des Nestes erhebliche Probleme. Erschwert wird die Versetzung der Nester durch die halb Mauerstarken Rollokästen, die vom Inneren eines Raumes nicht mehr zugängig sind. Hier muss von außen, der Rollo ausgebaut werden. Häufig zerbrechen beim Ausbau die Brutwaben und das Nest muss zusammengeklebt werden. In diesen Fällen sterben immer auch ein Teil der Larven ab. Umsetzaktionen sind immer ein massiver Eingriff in en Hornissenstaat und sollten, wenn möglich, vermieden werden. Die ist fast immer möglich wenn sich Hornissen auf dem Dachboden, in einem hohlen Baum oder in einem Vogelnistkasten niedergelassen haben.