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Internationaler Tag für die biologische Vielfalt

Naturschutzgebiet ehemaliger Standortübungsplatz Landshut - Foto: Klaus Leidorf

Der 22. Mai 2015 ist der "Internationale Tag für die biologische Vielfalt"

„Geh' hinaus und labe dich am Gesang der Vögel, am Tanzen der Schmetterlinge und an der Pracht der Blumen...

….und sorge dafür, dass auch deine Kinder und Enkelkinder noch die Vielfalt in der Natur erleben können!“

Der „Internationale Tag für die biologische Vielfalt“ wurde im Jahr 2000 durch die UNO eingeführt mit dem Ziel, weltweit ein Bewusstsein zu schaffen für die Notwendigkeit, die Vielfalt der Arten und Lebensräume zu erhalten: Wenn den Menschen bewusst wird, dass die biologische Vielfalt die Grundlage allen Lebens bildet – auch die der menschlichen Existenz, können die gesellschaftlichen Kräfte stark genug werden, um die in Rio de Janeiro 1992 verabschiedete  Biodiversitäts-Konvention  umzusetzen. Das damals genannte Ziel, den Biodiversitätsverlust (Verlust von Lebensräumen und Verlust der Arten) auf globaler, regionaler und nationaler Ebene bis zum Jahr 2010 zu stoppen, wurde nicht erreicht und der Zeitraum für die Zielerreichung wurde auf das Jahr 2020 ausgedehnt.

In Deutschland gibt es etwa 70.000 verschiedene Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen. Viele Zusammenhänge zwischen ihnen bzw. ihre aufeinander abgestimmten Lebenszyklen sind bis heute nicht bekannt. Werden ihre spezifischen Lebensräume zerstört, verschwinden sie leise und oft unbemerkt. Mit jeder Art, die ausstirbt, wird das feingewobene Lebensnetz der Natur instabiler. Die "Roten Listen der bedrohten Arten" sind zum Gradmesser des Verlustes geworden. Über 7.000 Tierarten gelten in Deutschland als gefährdet oder sind sogar vom Aussterben bedroht.

Um das Artensterben zu vermindern, wurde 1992 beschlossen, in der Europäischen Union ein Schutzgebietsnetz (Natura 2000) aufzubauen, welches dem Erhalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume dient.

Das Netz Natura 2000 besteht aus den Gebieten der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie. Die FFH-Gebiete werden auch als Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung bezeichnet. Die Vogelschutzgebiete werden als besondere Schutzgebiete bezeichnet. Für 1/5 der Säugetierarten (18) und 6,3 % der Farn- und Blütenpflanzen (259) hat Deutschland eine sehr hohe internationale Verantwortung.

Lesen Sie im Folgenden, welche Tiere bei uns in Bayern unseres Schutzes bedürfen und was Sie selbst zum Artenschutz beitragen können:

Amphibien

Amphibien sind die evolutionären Nachfahren der ersten Knochenfische und besiedelten vor etwa 416 bis 359 Millionen Jahren das Land vom Meer aus.

In Bayern kommen 20 verschiedene Amphibienarten vor. Davon sind 13 Arten im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt, das heißt, sie sind durch den Verlust ihrer spezifischen Lebensräume bedroht und nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.

Auch der König der Frösche, der lackgrüne Laubfrosch ist selten geworden und als gefährdet (Rote-Liste-3) eingestuft.  Den meisten Menschen ist er zwar bekannt als Froschkönig aus den Grimm'schen Märchen oder als Wetterfrosch. In freier Natur gesehen haben ihn aber wohl die Wenigsten! Die einstmals weit verbreitete Art ist heute in vielen Regionen Deutschlands selten geworden oder verschwunden, weil ihre Lebensraumansprüche in der modernen Kulturlandschaft kaum erfüllt werden. Mit etwas Glück können Sie ihn aber bei der alljährlich stattfindenden Abendexkursion zu Amphibienlebensräumen am 05. Juni 2015 sehen

Fledermäuse

Fledermäuse leiden in einem ganz besonderen Maße unter dem massiven Verlust kleinräumiger Strukturen wie Hecken, Gehölzsäume, Streuobstwiesen, naturnahe Gewässerverläufe und Kleingewässer mit breitem Uferrandstreifen, alte Baumbestände, Alleen und Solitärbäume im Siedlungsbereich. Auch viele als Wochenstuben genutzte Räume in Gebäuden gingen und gehen durch Sanierung und Ausbau verloren. Da verwundert es nicht, dass nur zwei der 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten als ungefährdet gelten.

Mit folgenden Maßnahmen kann den Flattertierchen geholfen werden:

   Erhaltung und Neuanlage von Hecken, Gehölzsäumen und Streuobstwiesen besonders zwischen Waldgebieten als verbindende Elemente von Teillebensräumen und zur Sicherung der Nahrungsgrundlage

   Naturnahe und -verträgliche Bearbeitung von Privat- und Obstgärten, die mit ihrem Blütenreichtum das Insektenvorkommen steigern

   Erhaltung naturnaher Gewässerverläufe, die die Landschaft erschließen mit möglichst breiten Gewässerrandstreifen mit Büschen, Baumgruppen und Einzelbäumen

   Pflege von Obstbaumgürteln in Siedlungsnähe

   Verzicht auf Insektizide und Herbizide im Gartenbau

   Förderung von Kleingewässern in Siedlungsbereichen und Parkanlagen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes

   Minimierung des Einsatzes von Insektiziden in privaten und öffentlichen Grünanlagen in Siedlungen um das Insektenangebot zu erhalten zu steigern und Vergiftungen zu verhindern

   Erhaltung von Baumbeständen im Siedlungsbereich zur Optimierung der Jagdgebiete

Vögel

In den vergangenen 30 Jahren hat Europa 421 Millionen Vögel verloren. Vogelschutzgebiete – als besondere Schutzgebiete unter natura 2000 eingerichtet – haben daher eine große Bedeutung für den Fortbestand der in Europa vorkommenden Vogelarten. Auch außerhalb der Schutzgebiete ist es grundsätzlich verboten, wildlebende Vogelarten zu töten oder zu fangen. Nester und Eier dürfen nicht zerstört, beschädigt oder entfernt werden, auch die Vögel selbst dürfen, besonders während ihrer Brut- und Aufzuchtzeit, weder gestört noch beunruhigt werden. Daher dürfen Bäume als mögliche Nistplätze von Vögeln nur im Zeitraum zwischen dem 01. Oktober und dem 28./29 Februar des Folgejahres geschnitten oder gefällt werden.

Besondere Rückgänge verzeichnet der LBV beim Mauersegler und erklärt den Negativrekord unter anderem mit der Tatsache, dass sich das Nahrungsangebot für diese als auch für Mehl- und Rauchschwalbe – alle sind reine Insektenfresser - durch den Einsatz hocheffektiver Pestizide in einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft dramatisch verringert.

Durch den Kauf biologisch erzeugter Lebensmitteln unterstützen Sie eine Landwirtschaft, die ohne Pestizide auskommt und so dazu beiträgt, das Netz des Lebens zu erhalten.

Reptilien

Schlangen, Eidechsen und Schildkröten werden Reptilien genannt. Sie bevölkern die Erde seit 300 Millionen Jahren. Heute - im sogenannten Anthropozän (das Zeitalter, in welchem der Mensch das Leben auf der Erde nachhaltig verändert) – sind Reptilien stark gefährdet. Elf von 14 Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Sie benötigen als Lebensraum Hecken, alte Mauern und Lesesteinhaufen.

So schreibt z.B. der Landesverband für Amphibien- und Reptilien-Schutz in Bayern e.V. 

Die Schlingnatter ist entsprechend Anhang IV der FFH-Richtlinie eine streng zu schützende Art. Sie ist in Bayern stark gefährdet (Rote-Liste 2). Als Ursache gilt die Zerstörung ihres Lebensraumes, direkt oder durch Intensivierung in der Landwirtschaft, Flur­bereini­gung, Düngung von Magerflächen, Beseitigung von Kleinstrukturen, Verbra­chung durch fehlende Pflege, Aufforstungen; Zerschneidung durch Straßenbau und die direkte Verfol­gung durch den Menschen infolge Verwechslung mit der Kreuzotter. Der Artenschutz erfolgt vor allem über Flächensicherung 

Wildbienen, Schmetterlinge, Heuschrecken

Auch Wildbienen, Schmetterlinge und Heuschrecken sind gefährdet durch das Verschwinden von Kleinstrukturen und durch die Verringerung des Nahrungsangebotes in der Monotonie von Maislandschaften und auf Feldern, die mit Herbiziden gespritzt wurden. Auch Wildbienen bestäuben Nutzpflanzen und sie sorgen ihrerseits für das Überleben bestimmter Wildpflanzen. Mehr zu Wildbienen unter 

Fazit: Artenschutz ist heutzutage vor allem Lebensraumschutz. FFH-Gebiete sind als Rückzugsräume gefährdeter Arten von gemeinschaftlicher Bedeutung. Deren Schutz darf nicht wegen Bauprojekten oder für den Straßenbau aufgegeben werden. Artenschutz findet aber auch im heimischen Garten statt. Der naturbewusste Gärtner verwendet torffreie Erde und kann durch umsichtiges Handeln in seinem Garten Lebensräume für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren schaffen.