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Von Laubfröschen und Teichmolchen

Herbert Parusel konnte für seine zahlreich gezeigten Wassertiere auch das Interesse der Kinder wecken

Ohu 27.05.2016 BN-Exkursion führte zu Amphibienlebensräumen in der Isarau bei Ohu.

Im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schützen“ lud die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe auch heuer wieder zu einer abendlichen Amphibienexkursion ein, zu der bei schönem Wetter 35 Erwachsene und 12 Kinder gekommen waren. Herbert Parusel, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Essenbach und Amphibienexperte, führte die Exkursionsteilnehmer in der Isarau bei Ohu zu Tümpeln, die die BN-Ortsgruppe im Verbund mit den Gemeinden Essenbach und Ergolding angelegt hatte. Man will durch Neuanlage und Betreuung der Tümpel besonders den dort noch vorkommenden, auf der Roten Liste stehenden Laubfrosch erhalten und fördern. In Deutschland gebe es zwanzig Amphibienarten, erklärte der Experte. Man nenne sie auch Lurche und unterscheide Frosch- und Schwanzlurche. Parusel ging auf die Biologie und Lebensweise der einzelnen Lurche ein; man unterscheide Frösche, Kröten und Unken, sowie Molche und Salamander.

Parusel zeigte den Exkursionsteilnehmern, und vor allem den staunenden Kindern in einem Aquarium verschiedene Wassertiere. Sie beobachteten Laubfrosch- und Grasfroschkaulquappen, und sie durften Teich- und Bergmolche in die Hand nehmen. Auch Libellenlarven, Ruderwanzen, Rückenschwimmer und Wasserläufer tummelten im Becken. Der Taumelkäfer hat zwei Augen über und zwei Augen unter dem Wasser. Ein plötzliches lautes Meckern deutete auf einen Seefrosch in einem der nahen Tümpel hin. Seefrösche gehören wie die Teichfrösche zu den Wasserfröschen, die Weibchen können eine Länge von bis zu sieben Zentimetern erreichen, rufen tun nur die Männchen.

Parusel erklärte, dass die Artenvielfalt in der Au seit dem Bau der Isardämme vor 120 Jahren stark zurückgegangen sei; das Grundwasser sei abgesunken und die Auenlandschaft habe sich stark verändert. Früher pulsierte das Leben, die Isar wechselte stets ihr Bett und legte immer wieder neue Kiesbänke an. Die Erdkröte im Allgemeinen sei als einzige Amphibie noch nicht ernsthaft bedroht. Die Kreuzkröte sei im Isartal seit einigen Jahren nicht mehr anzutreffen. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, dass sie wieder komme, so der Referent. Auch die Wechselkröte sei ebenfalls schon verschwunden. Neben dem geringen Laubfroschvorkommen seien der Gras- und der Wasserfrosch, sowie die Molche in der Au noch am häufigsten anzutreffen.

Zum Schluss klärte der Experte auf, dass Amphibien besondere Tiere seien, es gebe sie bereits seit 300 Millionen Jahren. Sie seien streng geschützt und dürfen nicht aus ihrem Lebensraum entnommen werden. Auch nicht ihre Kaulquappen und ihre Eier. Die Tiere würden einen fremden Gartenteich meist nicht annehmen oder sogar sterben, wenn der Lebensraum nicht passe.

Die Wärme weckt die Lurche

Landshut 11.03.2015. In der freien Natur macht sich der nahende Frühling be­merkbar. So erwachen auch die Winterschläfer unter den Tie­ren wieder aus ihrem langen Schlaf. Insbe­sondere die Lurche sind nun wieder von ihren Winterlebensräumen zu den Laichge­wässern – vor allem in den Abend- und Nachtstunden –  unterwegs. Dabei müssen sie auf ihrem Weg zu Wei­hern, Tümpeln und Wassergrä­ben nicht selten Straßen überque­ren. Den massenhaften Verkehrstod von Kröten, Fröschen und Mol­chen will der Bund Naturschutz (BN) auch heuer wieder mit sei­ner Amphibien­schutzaktion verhindern.

Schon in den vergangenen Tagen waren deshalb viele ehrenamtliche Naturschützer wieder eifrig dabei, an „Amphibienkreuzungen“ so ­genannte mobile Krötenschutzzäune entlang von Straßen im Landkreis aufzustel­len. Die Amphibienfreunde betreuen nicht nur diese Schutzeinrich­tungen son­dern auch dauerhaft in­stallierte Leitsysteme und Amphibientunnels, um die hier ankommenden Lurche sicher über die Straße zu brin­gen. Sie opfern für ihre keines­wegs unge­fährliche Tätigkeit an den viel befahrenen Stra­ßen in den nächs­ten Wochen viele Abend-, Nacht- und Morgen­stunden und sorgen dafür, dass die Amphibienbe­stände nicht noch wei­ter zurückgehen oder sogar erlöschen.                                                                                         

Der Bund Naturschutz leistet mit seiner alljährlichen Frühjahrsaktion nicht nur einen Beitrag für den direkten Schutz der Lurche sondern er schafft auch durch den Kauf, die Pacht, die Anlage und die Pflege von Feuchtflächen für viele, auch bedrohte Amphibienarten Lebensräume, betont stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer. Brigitte Englbrecht, Leiterin der BN-Geschäftsstelle und Koordinatorin der jährlichen Amphibienschutzmaßnahmen, weist darauf hin, dass aktive Helfer bei der  Amphi­bienschutzaktion je­derzeit gerne willkommen sind. Sie können sich unter Telefon 0871/23748 oder 22390 oder per Mail unter bnkgla@landshut.org melden.

Männchen bleiben wohl im Winterquartier

BN-Kreisgruppe zieht Bilanz zu Amphibienwanderung im LandkreisLandshut.

Weil das Frühjahrzu trocken, die Nächte zu kalt undanscheinend weniger Männchen als üblich unterwegs waren, ist dieZahl der geretteten Amphibien der diesjährigen Wandersaison imLandkreis Landshut geringer ausgefallen als 2013, bilanziert PaulRiederer von der Kreisgruppe desBund Naturschutz (BN).  >> Mehr

BN-Kreisgruppe zieht Bilanz

7500 gerettete Amphibien kann der Bund Naturschutz, KreisgruppeLandshut, in diesem Jahr im Landkreis verzeichnen. Im vergangenen Jahr waren es noch 10580. Den Rückgang führen Brigitte Englbrecht und Paul Riederer von der BN-Kreisgruppe auf die Witterung– es war nachts zu kalt und hat zu wenig geregnet – zurück. Doch auch Positives ist zu berichten. Zum Beispiel gab es in Achldorf eine neueGruppe aktiver Helfer, die einen Amphibienschutzzaun aufgestellt und betreut haben. In Rottenburg waren mehr Frösche unterwegs und in Dornau  bei Vilsbiburg hüpften ein paar seltene Laubfrösche in die Sammeleimer.  >> Mehr

(Quellenhinweis: Landshuter Zeitung vom 14. Mai 2014)

Für die Amphibienwanderung gerüstet

Rechtzeitig zur Laichwanderung haben Naturschützer wieder mobile Zäune zum Schutz der Kröten und Frösche entlang von Straßen im Landkreis installiert

Bund Naturschutz stellt an „Amphibienkreuzungen“ wieder Schutzzäune auf

Wie schon seit vielen Jahren installieren Mitglieder und Förderer der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) auch heuer wieder Schutzzäune, sogenannte Krötenzäune, an Amphibienwanderwegen, die stark frequentierte Straßen kreuzen. Teilweise wurden im Landkreis Landshut Schutzzäune schon am vergangenen Wochenende von ehrenamtlich tätigen Naturschützern errichtet, teilt der BN mit. Denn bereits Teichmolche befinden sich schon vereinzelt auf Wanderschaft. Die steigenden Temperaturen der letzten Tage haben sie aus dem Winterschlaf erweckt. Bald werden auch Kröten und Frösche die Wanderung von ihrem Winterlebensraum zu den Laichge­wässern antreten.  Die Tiere sind dann man­cherorts in den Abend- und Nacht­stunden auf der Wan­derschaft. Dabei müssen sie auf ihrem Weg zu Wei­hern, Tümpeln und Wassergrä­ben nicht selten Straßen überque­ren. Den massenhaften Tod von Kröten, Fröschen und Mol­chen will der Bund Naturschutz  auch heuer wieder mit sei­ner Amphibien­schutzaktion möglichst verhindern, der Laichzug der Lurche soll kein Leichenzug werden. Die Gesamtlänge der im Landkreis Landshut jährlich vom BN montierten mobilen Schutzzäune beträgt fast fünf Kilometer. In Bayern sind es 260 Kilometer. Die Amphibienschutzaktion ist laut BN die größte jährliche Naturschutzaktion in Bayern.

Naturschützer und Tierfreunde werden nicht nur diese Schutzeinrich­tungen son­dern auch dauerhaft in­stallierte Leitsysteme und Amphibientunnels betreuen, um die hier ankommenden Amphibien sicher über die Straße zu brin­gen. Sie opfern für ihre keines­wegs unge­fährliche Tätigkeit an den vielbefahrenen Stra­ßen in den nächs­ten Wochen viele Abend-, Nacht- und Morgen­stunden und sorgen dafür, dass, die Amphibienbe­stände nicht noch wei­ter zurückgehen oder sogar erlöschen. An beson­ders stark frequentierten „Amphibien­kreuzungen“ werden von den zuständigen Straßenverwaltungen zusätzlich wieder Hinweistafeln mit dem Kröten­symbol aufgestellt. Sie sollen die Autofahrer darauf hinweisen, das Tempo zu drosseln, um weder die hier tä­tigen Naturschützer noch die wandernden Kröten und Frösche zu gefährden.

Der Bund Naturschutz leiste aber mit seiner alljährlichen Frühjahrsaktion nicht nur einen Beitrag für den direkten Schutz der Lurche sondern schaffe auch durch den Kauf von Feuchtgebieten und die Anlage und die Pflege von Weihern und Tümpeln für viele, auch bedrohte Amphibienarten Lebensräume, betont Paul Riederer, der stellvertretende Vorsitzende und Artenschutzbeauftragte der BN-Kreisgruppe. Dafür würden auch Gelder der diesjährigen Haus- und Straßensammlung verwendet, die die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im April durchführt. BN-Geschäftsstellenleiterin Brigitte Englbrecht weist auch darauf hin, dass aktive Helfer bei der Amphi­bienschutzaktion je­derzeit gerne willkommen sind. Sie können sich unter Telefon 0871/23748, 0871/22390 oder 08741/8566 melden. Außerdem gibt es in der BN-Geschäftsstelle Landshut, Altstadt 105, Nähe Narrenbrunnen (geöffnet Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 14.30 bis 17 Uhr) eine kleine Broschüre, in der die heimischen Amphibienarten in Wort und Bild vorgestellt werden.

Für Kröten und Frösche auf wanderschaft zum Laichgewässer lauert auf Straßen der Tod. Ehrenamtliche Helfer von Bund Naturschutz und Unterer Naturschutzbehörde bauen daher im Frühjahr Schutzzäune auf, die die Tiere von der Straße fernhalten sollen. Die Amphibien werden dann am Zaun eingesammelt und über die Straße gebracht.

Laubfrösche sind stark gefährdet. Der BN hat für Amphibien fischfreie Tümpel angelegt.

Laubfrosch und Co.

Die Kreuzkröte – erkennbar an der hellen Längslinie über den Rücken – ist eine sehr seltene Amphibienart im Landkreis Landshut

Vortrag über nicht nur seltene Amphibienarten und deren Schutz

Amphibien sind Sympathieträger. Nicht nur Kinder staunen, wenn sie im Frühjahr in den vom Bund Naturschutz geschaffenen Tümpeln im Isartal oder Vilstal beispielweise Kröten und ihre Laichschnüre entdecken. Die jährlich wiederkehrende Amphibienaktion der Naturschützer an Straßen, die wichtige Wanderrouten der Amphibien durchschnitten haben, sind zwar eine große zeitliche Belastung der freiwilligen Helfer, aber auch eine gute Gelegenheit, mit Amphibien in Kontakt zu kommen und praktischen Artenschutz kennen zu lernen. Allerdings sei in den letzten Jahrzehnten vielfach ein steter Rückgang der selteneren Arten an den Amphibienzäunen festzustellen. So sei es heute schon eine Besonderheit, Bergmolche in den Fangzäunen zu beobachten. Diese gehören zusammen mit dem Alpensalamander, dem Kammmolch, dem Feuersalamander und der Gelbbauchunke zu den Amphibienarten, für deren Schutz beziehungsweise Erhalt ihres Lebensraumes Deutschland und Bayern eine besondere Verantwortung trägt, führte am 11. Januar 2011 beim Vortrag mit dem Titel „Laubfrosch und Co.“ im Gasthof zur Insel in Landshut Stefan Müller-Kroehling von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft aus. Der Vortrag fand im Rahmen der BN-Reihe „Biodiversität – Reichtum des Lebens“ statt.

Die Amphibien mit ihren weltweit etwa 6500 Arten träten in Deutschland zwar nur mit etwa 20 Arten auf, können aber als Lebensräume mit zwei Teil-Lebensräumen im Wasser und an Land besonders gut die Probleme des Erhalts der Biodiverstität illustrieren, betonte Müller-Kroehling. Zahlreiche Faktoren haben, in den letzten 50 Jahren besonders verstärkt, die Lebensräume der Amphibien dezimiert und stark verändert. Die Intensität der Landnutzung habe sich im letzten halben Jahrhundert drastisch erhöht. Angesprochen wurde vom Referenten unter anderem der stark ausgedehnte Maisanbau durch Silomais und den Biogas-Boom, mit seinem intensiven Einsatz von Spritzmitteln und der Armut an Insekten, die de facto Volldüngung aller Lebensräume mit Stickstoff-Immissionen aus der Luft, je zur Hälfte aus Verkehr und Landwirtschaft stammend, die häufig eine Algenblüte in den Gewässern verursacht. Auch die intensive Nutzung der Landschaft durch die Freizeitgesellschaft (Fischteiche, Fischbesatz in Naturschutzgewässer), die Zerschneidung der Landschaft durch das dichteste Straßennetz der Welt, die Grundwasserabsenkung durch Flußbegradigung und Sohleeintiefung, der Verlust dynamischer Lebensräume und sanfter Übergänge zwischen Wald- und Offenland und nicht genutzten Flächen seien zu nennen, so der Zoologe und Forstmann. Wichtige Gegenschritte seien von der Staatsregierung im Rahmen der Biodiversitätsstrategie auch bereits eingeleitet worden, zurückgehend auf Landtagsbeschlüsse, wie der Bau von Grünbrücken und Durchlässen an Straßenneubauten, um den Biotopverbund möglichst wieder herzustellen. Um dem Klimawandel zu begegnen, müssten die durch zunehmende Wetterextreme bedingten Verluste – beispielsweise von der Gelbbauchunke – durch die Schaffung von „Polstern“ ausgeglichen werden. So müsste man vorbeugend mehr lebensraumtypische Biotope schaffen.

Mit dem typischen Ruf der Kreuzkröte leitete Herbert Parusel von der Bund-Naturschutz – Ortsgruppe Essenbach zu seinen Ausführungen über diese im Landkreis Landshut sehr seltenen Amphibienart über, deren natürlicher Lebensraum als Offenland mit Pioniergewässern in naturbelassenen Flussauen zu finden ist. Diesen Lebensraum künstlich durch den Bau von Teichen nachzubilden, stelle eine Herausforderung dar und erfordere einen hohen, wiederkehrenden Pflegeeinsatz, stellte der Artenschützer fest. Für einen dauerhaften Schutz der Bewohner solcher Lebensräume – das sind neben der Kreuzkröte auch Gelbbauchunke, Wechselkröte und Laubfrosch – sollten nach Meinung der Referenten nicht alle Kiesabbauflächen rekultiviert, sondern Lebensräume mit hohem als auch mit wechselndem Grundwasserstand als Ersatz der verloren gegangenen Wildflussauen geschaffen werden.

Zum Schluss des Informationsabends brach der stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, Paul Riederer, eine Lanze für die vielen Ehrenamtlichen im Landkreis Landshut, die Jahr für Jahr Amphibien während ihrer Wanderung zu den Laichgewässern vor dem Straßentod retten und diese Arbeit auch zur Umweltbildung nutzen, indem sie auch Kinder am Erlebnis mit diesen besonderen Kreaturen teilhaben lassen.

Wo Kröten und Frösche leben

Abend-Exkursion zu Amphibienlebensräumen in der Isarau bei Ohu/Essenbach

Auch dieses Jahr lockte die Exkursion des Bund Naturschutz zu heimischen Amphibienarten wieder eine sehr große Zahl großer und kleiner Interessierter in die Isaraue bei Ohu. Unter fachkundiger Führung des Ortsgruppen-Vorsitzenden Herbert Parusel wurden einige durch die Starkniederschläge zeitweilig vergrößtete Weiher besichtigt. Die Landschaftsplanerin Almut Kroehling, die für die Essenbacher Renaturierungsplanungen zuständig zeichnet, erklärte, wie sich die Isarauen in den letzten 100 Jahren verändert haben. Der Amphibienexperte Stefan Müller-Kroehling übernahm einen anschaulichen und humorvollen Überblick über die 20 heimischen Amphibienarten, wobei er auch auf die spezielle Situtation aller im Landkreis Landshut heimischen Arten einging. Unterbrochen von einem prächtigen Laubfrosch- und Seefrosch-Konzert erläuterte der Fachmann zusammen mit den beiden anderen Referenten, welche Ansprüche diese Arten an ihre Lebensräume haben und warum manche der Arten heute dringend auf menschliche Hilfe angewiesen sind.

Die Amphibien sind Arten zwischen Land und Wasser und vollziehen - mit der einzigen Ausnahme des Alpensalamanders - den "Landgang des Lebens" als wichtigen Schritt der Evolution individuell in ihrem Lebenslauf nach. Wie keine andere Artengruppen können sie daher stellvertretend für eine intakte, vernetzte Landschaft mit Gewässern, Wäldern und extensiven offenen Landlebensräumen stehen.

Zu denken sollte geben, dass gerade jene Arten, die in der ursprünglichen Isaraue sehr häufig waren, wie Kreuz- und Wechselkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch, heute im Raum Landshut extrem selten seien. Alle diese wärmeliebenden Spätlaicher benötigen flachgründige, sich rasch erwärmende, fischfreie Gewässer. Der Grundwasserspiegel ist aber im Zuge der Isarbegradigung und der daraus folgenden Sohleintiefung wegen des fehlenden Kies-Geschiebes stark abgesunken. Die Anlage solcher Gewässer ist daher nicht einfach. Dabei, so Müller-Kroehling, sind gerade diese Arten eigentlich recht anspruchslos und kommen beispielsweise auch auf militärischen Übungsplätzen, in Abbaustellen und zum Teil sogar in Pfützen von Gewerbebrachen vor. Die Landschaft sei in den letzten Jahren aber insgesamt viel trockener geworden, auch wenn die Starkniederschläge der letzten Wochen mit dem folgendem Hochwasser der Isar dies vergessen ließen. Der Schutz der Amphibien als "Schirmarten" für eine große Zahl weiterer Gewässerbewohner bleibe daher eine wichtige, anspruchsvolle Aufgabe für den Naturschutz auf der Fläche. Zahlreiche dieser Wasserbewohner wurden bei der anschließenden Weiher-Besichtigung zusammen mit den Kindern mit Eifer unter die Lupe genommen.

Almut Kroehling, Stefan Müller-Kroehling und Herbert Parusel (von links) stellten die Amphibienarten und ihre Lebensweise vor
Ganz bei der Sache waren die zahlreichen Kinder beim Kennenlernen der Lurche

Kröten gefällig?

Naturschützer schützen Kröten und Frösche vor dem Massensterben auf Straßen.

Außergewöhnlich früh sind heuer – wohl durch den Klimawandel beeinflusst – die ersten Kröten und Frösche vom Winterschlaf erwacht. Das milde Wetter ist der Auslöser dafür. Die Tiere sind in den kommenden Tagen und Wochen je nach Wetterlage in den Abend- und Nachtstunden in kleineren oder auch größeren Trupps auf der Wanderung zu ihren angestammten Laichgewässern. Dabei müssen sie auf ihrem Weg vom Winterquartier zu Weihern, Tümpeln und Gräben nicht selten vielbefahrene Straßen überqueren. Den massenhaften Tod von Kröten, Fröschen, Unken und Molchen, von deren Arten die meisten auf der Roten Liste gefährdeter Tiere stehen, will der Bund Naturschutz (BN) mit seiner jährlichen Amphibienschutzaktion möglichst verhindern. Die Naturschützer stellen deshalb auch heuer wieder sogenannte mobile Krötenschutzzäune entlang von Straßen auf und betreuen nicht nur diese Schutzeinrichtungen sondern auch die von den Straßenbaubehörden installierten dauerhaften Leitsysteme und Amphibientunnels, um die hier ankommenden Amphibien sicher über die Straße zu bringen. Die Tierfreunde opfern für ihre keineswegs ungefährliche Tätigkeit an den vielbefahrenen Straßen in den nächsten Wochen viele Abend-, Nacht- und Morgenstunden und sorgen dafür, dass, die Amphibienbestände nicht noch weiter zurückgehen oder sogar verschwinden. An besonders stark frequentierten „Amphibienkreuzungen“ im Landkreis und in der Stadt Landshut haben die zuständigen Behörden wieder Hinweistafeln mit dem Krötensymbol aufgestellt, um sowohl auf die hier wandernden Amphibien als auch auf die hier tätigen Amphibienbetreuer aufmerksam zu machen. Damit der Laichzug der Lurche nicht zum Leichenzug wird, bittet der Bund Naturschutz die Autofahrer, bei ihren nächtlichen Fahrten jetzt besondere Vorsicht – insbesondere auf Straßen entlang von Wäldern oder in der Nähe von Gewässern – walten zu lassen. Der Amphibienschutz dürfe nicht nur ein Anliegen von freiwillig tätigen Naturschützern allein sein, sondern es sei laut bayerischer Verfassung Pflicht eines jeden einzelnen und der staatlichen Gemeinschaft, die heimischen Tierarten zu schonen und zu erhalten, betont BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer.

Wer bei einer Amphibien-Rettungsmaßnahme im Landkreis mithelfen will, kann sich beim Bund Naturschutz unter Telefon 0871/23748 (Geschäftsstelle) oder 0871/22390 (Riederer) melden.

Wissenswertes über Frösche, Kröten und Molche vermittelt eine Broschüre mit dem Titel „Faszination Amphibien“. Die 24-seitige Broschüre in Taschenformat bietet eine Bestimmungshilfe für heimische Amphibien und einen Ratgeber für den Amphibienschutz. Sie enthält unter anderem einen Bestimmungsschlüssel für die Lurche, zeigt die einzelnen Amphibienarten in Farbfotos und beschreibt ihre Biologie und Lebensweise. Die Broschüre ist in der Geschäftsstelle der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut (Altstadt 105, Nähe Narrenbrunnen, geöffnet Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 14.30 bis 17 Uhr) gegen eine kleine Spende erhältlich.

Amphibienschutz in der Kulturlandschaft

Die amphibienkundliche Exkursion führte auch zu neu angelegten Tümpeln in der Isarau
Aufmerksame Zuhörer hatten bei ihren Erklärungen zur Biologie von Lurchen hatten (von rechts) Stefan Müller-Kroehling, Almut Kroehling und Herbert Parusel

BN-Exkursion lockte wieder viele Interessierte in die Ohu-Ahrainer Isarau

Auch wenn die jährliche Amphibienexkursion in die  Isaraue mittlerweile schon eine „Tradition“ geworden ist, so ist doch jedes Jahr etwas anderes zu besichtigen. So ging es diesmal unter Führung von Landschaftsplanerin Almut Kroehling und dem Amphibienkundler Stefan Müller-Kroehling, die stellvetretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer und der BN-Ortsgruppenvorsitzende Herbert Parusel wieder begrüßen konnten, erstmals zu vom Markt Essenbach neu angelegten Amphibientümpeln.

Die Tümpel sollen speziell den seltensten Arten der Ohu-Ahrainer Au, Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Laubfrosch, als neue Laichstätte dienen, wie Landschaftsplanerin Kroehling erläuterte. Aufgrund der vorangegangenen langen Trockenheit saßen die sogenannten „Spätlaicher“ unter den Amphibien bereits in den Startlöchern und begrüßten die Exkursionsteilnehmer lautstark. Weiter ging die Führung vorbei am Wasserbausteinlager der Flußmeisterstelle, die heuer über besonders günstige Wasserstellen verfügt. Laut Kroehling hat sich die Flußmeisterstelle bereit erklärt, die Laichstätte der Laubfrösche zu umfahren, damit auch dort eine neue Generation an Laubfröschen heranwachsen kann.

Vor 300 Millionenen Jahren, im Carbon, entstanden aus urzeitlichen Fischen die ersten Amphibien. Diesen „Landgang des Lebens“ vollzieht auch jedes der heute heimischen Amphibienarten noch nach, wenn es sich von der Kaulquappe oder Larve zum erwachsenen Tier entwickelt, und dann das Wasser verlässt. Doch nicht für immer: meist bereits im nächsten Jahr kehrt es von seiner Landwanderung zurück zum Gewässer, um dort auch wieder Laich abzugeben, und so den Kreislauf des Lebens in Gang zu halten. Nur wenige Arten, wie der Feuersalamander und der Alpensalamander, geben keinen Laich ab, sondern fertige Larven oder sogar bereits fertig entwickelte Jungtiere. Das sind Anpassungen an den speziellen Lebensraum dieser Arten.

Wie sich die im Landkreis und Stadtgebiet heimischen Amphibienarten an ihre Lebensräume angepasst haben, und wie es in der heutigen Kulturlandschaft um sie bestellt ist, sagt viel über den Zustand der Lebensräume aus, so Kroehling. Bund Naturschutz und auch Markt Essenbach haben viel für den Amphibienschutz getan, und so dafür gesorgt, dass es hier mehrere Arten noch gibt, die im übrigen Landkreis extrem selten geworden sind oder sogar vollständig ausgestorben sind. So war der lautstarke Laubfrosch früher in der ganzen Isaraue sehr häufig, ist aber infolge der Grundwasserabsenkung und Intensivierung der Land- und Gewässernutzung weitgehend verschwunden. Das gleiche gilt für die Kreuzkröte, die ein ausgeprägter Pionier flacher, rasch erwärmbarer Gewässer ist. Nicht nur die ursprünglichen Lebensräume in der Wildflußaue, auch die Ersatzlebensräume dieser Art in extensiv genutzten Kiesgruben, die sie häufig mit anderen „Pionieren“ wie Gelbbauchunke, Wechselkröte, Laubfrosch und Teichmolch teilt, sind sehr selten geworden, wie Stefan Müller-Kroehling in seinem Überblick über die in der Region heimischen Amphibienarten erläuterte.

Herbert Parusel erklärte anschaulich, mit welchem Aufwand die BN-Ortsgruppe seit Jahren das letzte Vorkommen der Kreuzkröte im gesamten Landkreis am Leben erhält. Besonders schwierig ist es, die von dieser Art und dem Laubfrosch benötigten, flachgründigen Gewässer anzulegen, denn das Grundwasser ist im Zuge der Isarbegradigung stark abgesenkt, und die Böden sind meist sehr durchlässig. Folienteiche sind nur eine Notlösung und haben auch verschiedene Nachteile.

Nicht nur den heimischen etwa zwanzig Arten, auch den etwa 6600 Amphibienarten weltweit drohen zahlreiche Gefahren, wie vor allem der Verlust ihres Lebensraumes. Zu diesem kommt es unter anderem durch die Rodung von tropischem Regenwald, um dort „Bio-Ethanol“ oder Sojaschrot als Futtermittel für den Export nach Europa anzubauen. Ein weiterer Faktor hängt ebenfalls mit der Globalisierung und dem weltweiten Hin- und Her-Transport von Gütern zusammen: eingeschleppte Krankheiten wie der Chytridpilz verursachen weltweit ein Amphibiensterben. Auch unser Konsumverhalten beeinflusst also in vielfacher Weise das Wohlergeben der Arten weltweit und den Erhalt der weltweiten Biodiversität, waren sich die Referenten einig, bevor ein stimmgewaltiges Laubfrosch- und Seefrosch-Konzert von den Tümpeln der BN-Ortsgruppe die wie immer gut besuchte Veranstaltung stimmungsvoll ausklingen ließ.