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Sagenumwobene Bäume und Sträucher

Unter einer der sieben BN-Linden in der Ochsenau begann Berthold Riedel (im blauen Hemd) mit seinen mythologischen Erzählungen zu Bäumen und Sträuchern
In vielen Gegenden Bayerns hat sich der Respekt vor dem Holunder-Strauch, der an keinem Anwesen fehlen sollte, bis heute gehalten und man zieht beim Vorübergehen ehrfürchtig den Hut.

BN organisierte naturmythologischen Spaziergang mit Berthold Riedelim Landshuter Naturschutzgebiet

In diesem Jahr stand der „naturmythologische Spaziergang“ im Zeichen des Aktionsjahrs „Waldnaturschutz 2015“. Zu der Veranstaltung am Sonntag, 26. Juli 2015, hatten neben dem Bund Naturschutz (BN) auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und die Waldbesitzervereinigung Landshut (WBV) eingeladen. Im Mittelpunkt standen daher vor allem die Bäume, Sträucher und Kräuter des Waldes. Dass Pflanzen nicht nur naturwissenschaftlich-nüchtern durch die Brille des Botanikers betrachtet werden können, sondern auch in der Volksmythologie, in diversen Märchen und in allerlei Bräuchen eine bedeutende Rolle spielen, zeigte Berthold Riedel bei der Führung durch den unteren Teil (Ochsenau) des Naturschutzgebietes „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“. Bei idealem Wetter waren an die 50 Teilnehmer der Einladung gefolgt und lauschten den detaillierten, teils auch witzig-launigen Ausführungen zu diversen Gehölzen und Gewächsen am Wegesrand.

Der gemütliche Spaziergang begann unter den noch jungen, vom Bund Naturschutz gepflanzten sieben Linden und es bot sich an, mit der Linde zu beginnen. Riedel erläuterte , dass sie im Volksglauben für das Weiche, Sanfte, Mütterliche stehe, was durch die herzförmigen Blätter, den angenehm süßlichen Duft der Blüten und die weit ausladende, schützende Baumkrone unterstützt werde. Da der Baum früher auch für die Gerechtigkeit und die Wahrheitsfindung stand, wurden viele Gerichtsverhandlungen unter Linden abgehalten. Als Dorflinde holten sie die Menschen in die Ortschaften und vielerorts war der Dorfplatz mit der Linde ein beliebter Treffpunkt. In einigen Dörfern Frankens wurden die Dorflinden – teils mit mehreren Etagen im Astwerk – als Tanzlinden gezogen. Bis heute werden unter und auf(!) der Tanzlinde Feste gefeiert. Im Gegensatz zur Linde steht die harte, männliche Eiche, der Baum der Kämpfer und Sieger. Sie war bei den Germanen dem für Blitz und Donner zuständigen Gott Donar geweiht, während die Linde für die Göttin Freya, die Göttin der Liebe stand.

Eine große Rolle als fast schon heiliger Baum spielt in den nördlichen Ländern die Birke, einer der wenigen Laubbäume, der starke Kälte verträgt. Wenn die Birke nach langem Winter ihre zarten, hellgrünen Blätter entfaltete, seien in heidnischen Zeiten ausgelassene Frühlingsfeste gefeiert worden. Auch der Maibaum war früher vielerorts eine Birke. Berthold Riedel ging aber auch auf weniger „sagenumwobene“ Bäume ein, wie zum Beispiel die Ulmenarten. Während der Rüster, wie das edle Möbelholz der Ulme genannt wird, durchaus bekannt ist, hat der Baum bei uns im Brauchtum oder in Märchen kaum eine Bedeutung. Bei den alten Griechen galt die Ulme jedoch als Baum der Trauer und sie legten Totenhaine mit Ulmen an.

Interessant war für die Teilnehmer im Laufe der entspannten Wanderung, dass die allgemein hohe Wertschätzung des Schwarzen Holunders auf eine vorchristliche weibliche Gottheit zurückgeht, die im Hollerbusch wohnte und die die Menschen vor Unheil bewahrte: ihr wurde später als Frau Holle im Märchen ein Denkmal gesetzt. In vielen Gegenden hat sich der Respekt vor dem Strauch, der an keinem Anwesen fehlen sollte, bis heute gehalten und man zieht beim Vorübergehen ehrfürchtig den Hut. Zu vielen weiteren Bäumen, Sträuchern und Kräutern gab es bemerkenswerte Geschichten. Besonders amüsant waren die Ausführungen des Referenten zur Bedeutung von Pflanzen als Liebesorakel oder im Liebesbrauchtum. Mancherorts glaubten die Mädchen früher, sie würden beim Auflegen von Schafgarbenblättern auf die Augenlider nachts von ihrem künftigen Bräutigam träumen. Oder sie könnten aus der Farbe des ausgepressten Pflanzensafts aus dem Johanniskraut auf die Treue ihres Angebeteten schließen. Die Haselnuss, ein altes Fruchtbarkeitssymbol, wiederum war der Heiligen Hildegard von Bingen als Zeichen der Wolllust stets ein Dorn im Auge. Es gab des Spruch: viele Haselnüsse, viele uneheliche Kinder.

Im Unterwuchs des Waldes wurden die Teilnehmer schließlich auf das Hexenkraut aufmerksam. Riedel erläuterte, dass der wissenschaftliche Name Circaea auf Circe, die berühmte Zauberin der griechischen Mythologie, zurückgehe. Frauen nutzten die frischen Blüten des Großen Hexenkrautes, um anziehender auf Männer zu wirken beziehungsweise um sie damit zu „bezirzen“. Eine Teilnehmerin konnte diese Wirkung sogar aus eigener Erfahrung bestätigen. Nach etwa 2 Stunden endete die heiter-vergnügliche Wanderung. Sie schärfte den Blick und auch die anderen Sinne und machte den Teilnehmern bewusst, dass in Pflanzen – und seien sie auch noch so unscheinbar – ein großer Anteil Kulturgeschichte steckt.

Seltene Flora am Alpini-Steig

Die Reisegruppe am Alpini-Steig unter Führung von Dieter Nuhn (5. von rechts)

Landshut. Bei leichtem Regen trafen sich am 27. Juni 2015 dreizehn Teilnehmer in Landshut um mit Fahrgemeinschaften zur Exkursion ins Tal der Schwarzen Laaber bei Eilsbrunn aufzubrechen. Die Botanische Führung wurde von der BN-Kreisgruppe Landshut in Zusammenarbeit mit dem Naturwissenschaftlichen Verein angeboten, unter der Leitung  von Herrn Dieter Nuhn.  Lisa Voit vom Bund Naturschutz und Dr. Xaver Menhofer vom Naturwissenschaftlichen Verein hießen die Teilnehmer willkommen. Dieter  Nuhn hatte  eine vierseitige Liste erstellt, die so gut wie alle (192!) Pflanzen enthielt, die bei der Juni-Exkursion auf dem "Vorderen Alpinen Steig“ zu sehen sind.  

Die Schwarzle Laaber durchbricht bei Schönhofen die Felsformationen des Weißen Jura. Diese Felskalke sind vor etwa 150 Millionen Jahren als Schwamm und Korallenriffe entstanden. Vor ca. 25 Millionen Jahren setzten Erosion und Verkalkung ein und bildeten die heute bis zu 40 Meter hohen Felsen. Dort finden sich  die grössten Kalkmagerrasen-Komplexe in der Umgebung von Regensburg. Der Alpine Steig besteht aus dem "Vorderen Alpinen Steig“ zwischen Eilsbrunn und Schönhofen und dem „Hinteren Alpinen Steig“ zwischen Schönhofen und Untereinbuch.

Die großen Flächen des Alpinen Steiges, dessen Vegetation seine Entstehung der extensiven Beweidung durch Rinder und Ziegen, aber auch durch Schafe, verdankt, werden von Enzian-Schillergras-Rasen (Gentiano-Koelerietum) eingenommen, die oft vom Kalk-Blaugras dominiert sind.

Die Beweidung wurde in den 1960er Jahren eingestellt, aber ab 1980  wieder aufgenommen. Zusätzlich  werden Entbuschungs-maßnahmen durchgeführt, um den Lebensraum der seltenen Pflanzen zu erhalten.Gleich zu Beginn der Wanderung,  schon von der Straße aus, konnten die Teilnehmer den Samenstand des Kelch-Steinkrauts, einer Rarität, sehen.

Von der höchsten Stelle der Führung aus hatte die Gruppe einen wunderbaren Blick über die Trockenrasenhänge, das Tal der Schwarzen Laaber und darüber hinaus. Die Regenwolken meinten es gut mit uns, und hielten größtenteils ihre Fracht an Regen zurück. 

Hier exemplarisch die Namen einiger Pflanzen, die die Teilnehmer bewundern konnten: Ohrlöffel-Lichtnelke, Igelsame, Blutrote Ständelwurz, Berghaarstrang, Berggamander, Kleine Wachsblume, Gelbe Sommerwurz, Ästige Graslilie.

Nach gut drei Stunden, die beim Bestaunen der  außergewöhnlichen Blumenvielfalt wie im Fluge vergingen, kehrte man zum Ausgangspunkt der Führung zurück. Rundum zufrieden und hungrig wurde dann in einer Gastwirtschaft Einkehr gehalten. Mit schönen Eindrücken aus einer ungewöhnlich artenreichen und  naturbelassenen Landschaft kehrte man nach Landshut zurück.

BN-Mitglied Heinrich Inkoferer hat diese Exkursion fotografisch festgehalten und zeigt seine Bilder gerne unter https://www.flickr.com/photos/114961713@N07/sets/72157654777629878/with/18617173223/

Und lautstark quakte der Laubfrosch

Als besonders erlebnis- und lehrreich gestaltete Herbert Parusel (links) für Kinder die amphibienkundliche BN-Exkursion zu Teichen in der Isarau
Interessantes gab es auch in dem großen Aquarium zu sehen, unter anderem einen Bergmolch, einen Seefrosch, einen Pferdeegel und verschiedene Wasserinsekten

Die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisierte Exkursion zu Amphibienbiotopen in der Isarau

Die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut organisierte am Freitag, 5. Juni 2015, unter der Umweltbildungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schützen“ eine naturkundliche Abend-Exkursion in die Isarau bei Ohu mit dem Titel „Wo Kröten und Frösche quaken“. Exkursionsleiter Herbert Parusel, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Essenbach und Amphibienkenner und -schützer erläuterte bei sehr milden Temperaturen den anwesenden Amphibienfreunden zunächst, dass die Isar früher die „Wilde Isar“ hieß und die Au bei Hochwasser immer wieder überschwemmt wurde. So wurden immer wieder neue Kiesbänke geschaffen und es bildeten sich neue Pfützen. Seit etwa 100 Jahren sei die Isar kanalisiert, und später sei sie auch noch durch Dämme eingeschnürt worden. Seitdem sei die Au nicht mehr so lebendig.

Herbert Parusel versuche deshalb zusammen mit BN-Mitgliedern seit bereits 15 Jahren durch Anlegen von Teichen und Tümpeln, dieses Manko auszugleichen und das Überleben der teils schon sehr seltenen Amphibienarten zu sichern. „Die Gewässer werden von der Ortsgruppe betreut und sind Teil eines Auenverbundsystems zwischen Ergolding und Essenbach“, so Parusel. Die Teiche und Tümpel hätten sich im Laufe der Jahre gut entwickelt, wie sich die Exkursionsteilnehmer überzeugen konnten. Problematisch sei jedoch wie überall der Nährstoffeintrag aus der Luft. Wenn ein Weiher zu stark verkraute, müsse er wieder ausgebaggert und gereinigt werden.

Die teilnehmenden Kinder durften mit Keschern in den Tümpeln nach Lebewesen suchen, was natürlich großen Spaß bereitete. Mehrere Grasfrosch-Kaulquappen wurden gleich gefunden. Kaulquappen seien Kiemenatmer und erst nach einer Entwicklungszeit von mehreren Wochen atmeten sie mit ihren Lungen und erhalten das Aussehen eines Frosches, erklärte Parusel. Grasfrösche gehören zu den Froschlurchen und wie die Springfrösche zur Art der Braunfrösche, während Teichfrösche, Seefrösche und Wasserfrösche zu den Grünfröschen gehören. Einige dieser Arten seien in den Tümpeln und Teichen in der Au anzutreffen.

Eine besondere Rarität sei der Laubfrosch, der noch in der Isarau vorkomme und der bayernweit vom Aussterben bedroht sei, informierte der Referent. Der Laubfrosch könne auf Grund von Haftschalen an den Zehen auf Bäume klettern. Er sei eigentlich ein Landbewohner und gehe nur zur Fortpflanzung ins Wasser. Er kann seine Färbung sogar an die Umgebung anpassen. Parusel merkte an, dass es ein Problem sei, dass sich die verschiedenen Amphibien nicht mit Artgenossen anderer Populationen kreuzen können, da die jährlichen Überschwemmungen ihrer Lebensräume fehlten und damit die Wanderung der Tiere eingeschränkt sei. Nur durch Anlegen weiterer Teiche könne man die Gefahr der Inzucht verhindern.

Beim Keschern in einem Tümpel entdeckten die Kinder neben Kaulquappen auch Larven von Großlibellen und Gelbrandkäfern. Diese seien Feinde der Amphibien, da sie sehr räuberisch seien. Ebenso fanden die Kinder verschiedene Schnecken. Parusel zeigte zur Freude der Kinder in einem mitgebrachten Aquarium ein Bergmolchweibchen. Dieses gehöre unter den Amphibien zu den Schwanzlurchen. Zu bestaunen gab es noch einen Pferdeegel mit einer Länge von rund zehn Zentimetern, Taumelkäfer, die vier Augen haben, zwei über und zwei unter dem Wasser, sowie schließlich einen Seefrosch. Mit seiner Größe von rund 15 Zentimetern war er eine besondere Attraktion nicht nur für die Kinder. Laut Parusel könne dieser Frosch im Schlamm am Grund eines Teiches überwintern. Die Exkursionsteilnehmer wurden nach einem erlebnisreichen Abend schließlich von einem Laubfrosch-Männchen mit lauten „äp-äp-äp“-Rufen in die Nacht verabschiedet.

Dem Lachen des Grünspechts gelauscht

Der Lurch des Jahres 2014: die Gelbbauchunke (Foto: Willner)
Gebietsbetreuer Philipp Herrmann (links) zeigte den Exkursionsteilnehmern eine wassergefüllte Fahrspur, den Lebensraum der Gelbbauchunken (Foto: Riederer)

Bund-Naturschutz-Exkursion zum Vogel und Lurch des Jahres 2014

Landshut. Unter dem Motto "Welcher Vogel singt denn da?" führte am 22. Juni 2014 die letzte der vier diesjährigen Vogelstimmenexkursionen des Bundes Naturschutz in das Naturschutzgebiet "Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite". Stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer stellte eingangs das über 100 Jahre als militärisches Übungsgelände genutzte Gebiet vor, das auf Initiative des Bundes Naturschutz im Jahr 2001 wegen seiner großen ökologischen Bedeutung zum Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Artenreiche Wiesen und naturnahe Wälder prägen das Landschaftsbild des knapp 300 Hektar großen Naturschutzgebietes im Osten der Stadt Landshut, zwischen Auloh, Schweinbach und Stallwang. Nicht nur die Pflanzenwelt mir ihren knapp 600 Arten sondern auch die Tierwelt sei hier zahlreich vertreten. Das Gebiet sei aber auch ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Menschen, informierte Gebietsbetreuer Philipp Herrmann. Er erzählte auch allerhand Wissenswertes über die gefiederte Welt und die Kunst, die einzelnen Vogelarten anhand ihrer Stimmen zu unterscheiden.

So gab es während der Vogelstimmenwanderung ständig etwas zu entdecken und zu hören, vom selten gewordenen Waldlaubsänger über den Grünspecht, den Vogel des Jahres 2014, bis hin zum allgegenwärtigen Zilpzalp. Wer mit der Vogelkunde beginnt und versucht, sich in die Vogelstimmen hineinzuhören, dürfe sich nicht überfordern, riet Vogelexperte Philipp Herrmann. Im Vogelstimmengewirr einzelne Arten herauszuhören, erfordere viel Übung. Am Anfang sollte man sich daher nacheinander einzelne, gängige Vogelstimmen einprägen und versuchen, diese danach bei einem Spaziergang festzustellen. Neben dem Kuckuck sei beispielsweise der Zilpzalp ein weiterer Vogel der seinen eigenen Namen ruft und so leicht zu erkennen ist, wie auch der Grünspecht an seinem typischen lauten „Lachen“, erläuterte Herrmann.

Exkursionsleiter Herrmann führten von der sogenannten "Ochsenau" bei Auloh durch die steile Isarleite bis hinauf zu den Streuobstwiesen im beginnenden Tertiären Hügelland. Im Leitenwald gibt es zahlreiche Abbrüche und Hohlwege mit überhängenden Wurzeln. Hier flicht der Zaunkönig geschickt sein kleines Kugelnest hinein. Das Zaunkönigmännchen baut in einem Frühjahr bis zu sieben Spielnester, erzählte der Vogelkundler an einer Abbruchkante. Alle diese Nester sind noch Rohbauten und im Inneren nicht fertig. Hat es das Männchen mit seinem Gesang geschafft, ein Weibchen anzulocken, so darf sich dieses ein Nest aussuchen, welches dann fertig gebaut wird.

Auf der Höhe angekommen zeigte Philipp Herrmann den interessierten Teilnehmern die neu angelegten Fahrspuren in denen sich die Gelbbauchunke, der Lurch des Jahres 2014, wohlfühlt. Die Gelbbauchunke stammt ursprünglich aus dem dynamischen Flusstal mit jährlichem Frühjahrshochwasser und laicht in kleine Überschwemmungstümpel. Mit der Kanalisierung der Flüsse habe sie weitestgehend ihren Lebensraum verloren. Rückzugsräume, welche für die Art dynamisch genug sind, seien heutzutage Kies- und Lehmgruben oder Übungsplätze des Militärs. So hat diese Art im Landshuter Naturschutzgebiet einen ihrer Verbreitungsschwerpunkte in Niederbayern, berichtete der Gebietsbetreuer.

Auf dem Rückweg staunten die Teilnehmer der Exkursion nicht schlecht, als ihnen Herrmann ein kleines Steinmosaik zeigte, welches ein Mann aus Litauen nach dem Ende des zweiten Weltkrieges als Dank für sein Überleben im Wald bei Kranzed geschaffen hatte. Und kurz vor Ende der Exkursion rief sogar noch die seltene, höhlenbrütende Hohltaube aus dem naturnahen Spitalwald „hu-ru-hu-ru“.

Das Innenleben einer Ökomühle

Mühlen-Vorstand Michael Hiestand (rechts) führte durch die Mühle und erklärte den Weg vom Ökokorn zum Biomehl

Vom Getreidekorn zum Biomehl – BN organisierte Mühlenbesichtigung

Auf eine sehr große Resonanz stieß die Besichtigung des größten Verarbeiters von Ökogetreide in Deutschland, der Landshuter Meyermühle. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Gesunder Boden – gesunde Lebensmittel“, die derzeit von der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wird. Michael Hiestand, geschäftsführender Vorstand der Mühle, stellte eingangs fest, dass man nicht nur ökologisch erzeugtes Getreide zum Biomehl verarbeite, sondern dass der ökologische Gedanke wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie sei. So werde beispielsweise die Pkw-Flotte mit Pflanzenöl betrieben und etwa ein Drittel des verbrauchten Stroms selber mit Wasserkraft erzeugt. Außerdem habe man seit 20 Jahren eine Öko-Audit-Zertifizierung. Während des mehrstündigen Rundgangs durch die Mühle zeigten und erklärten Michael Hiestand und Betriebsleiter Michael Hemmer den über hundert Teilnehmern den Produktionsablauf vom Getreidekorn bis zum Biomehl.

Martin Lackermeier, Fachbeirat der BN-Kreisgruppe und Gruppensprecher der Landshuter Naturland-Bauern, stellte fest, die Biobauern im Landshuter Raum seien sehr froh, einen so bedeutenden Getreideverarbeiter in so räumlicher Nähe zu haben. Auch aus eigener Erfahrung könne er feststellen, dass die Meyermühle über lange Jahre ein sehr verlässlicher Partner der Biobauern sei.

Mond und Sternenhimmel

Hat es am Freitag, 9. Mai 2014, während des ganzen Tages noch geregnet, klarte am Abend der Himmel auf, so dass sich sehr gute Bedingungen für die Betrachtung des Sternenhimmels auf einem freien Platz in Gstaudach bei Altdorf einstellten.  >> Mehr

Pflanzen in der Volksmythologie

Viele aufmerksame Zuhörer hatte Berthold Riedel (rechts) bei seinen Ausführungen zu Pflanzen in der Volksmythologie

Ein Naturerlebnis-Spaziergang ganz anderer Art ins Naturschutzgebiet

In ihrer Bildungsreihe „Natur kennen lernen, erleben und schützen“ lud die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe am 15. Juli 2012 zu einem Naturerlebnis-Spaziergang ganz anderer Art ein. Über 30 Teilnehmer konnte Rudolf Sturm vom BN neben Berthold Riedel, dem Referenten und ausgewiesenen Pflanzenspezialisten, im Landshuter Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ begrüßen. So allerlei Bäume, Sträucher und Kräuter sollten bei diesem Spaziergang einmal auf andere Weise gesehen werden.

Von einem Aberglauben von früher begann Riedel zu erzählen. Das Kleeblatt, in einem Schuh getragen, würde die Angebetete eher auf sie aufmerksam machen, so glaubten früher schüchterne Burschen. Die Mädchen gingen davon aus, auf diese Weise ihrem Zukünftigen zu begegnen. Der Referent wusste noch weiteres über Märchen, Brauchtum, Aberglauben und Mythologie der Pflanzen zu berichten. Es ist bekannt, dass Johanniskraut eine Heilpflanze ist, und weil es so gut für den Menschen ist, hat der Teufel, so ein Märchen, vor Wut wie wild darauf eingestochen. Daher hat es bis heute die typischen perforierten Blätter, wie es der lateinische Name „hypericum perforatum“ viel sagend ausdrückt. Warum haben die weißen Blütenblätter des Gänseblümchens oft rot überlaufene Spitzen? Gemäß einem Märchen wurde es vom lieben Gott zur schönsten Blume gekürt. Die Blume wurde dabei rot vor Scham und die Farbe hielt sich bis heute. Der Baldrian sollte bei Behandlungen von Sehstörungen helfen, so glaubten die Menschen früher. Das Kraut wirkt sehr anziehend auf Katzen, und diese können ja sehr gut sehen. Mit vielen weiteren Geschichten faszinierte Riedel die sehr interessierten Teilnehmer.

Die Spuren der Sporen

Alfred Hussong (links) führte in verständlicher Weise in die faszinierende Welt der Pilze ein

Pilzkundliche BN-Exkursion mit Alfred Hussong bei Oberaichbach

Pilze sind ein schwieriges, aber auch ein faszinierendes Gebiet. Sie sind weder Pflanzen noch Tiere, sondern bilden ein eigenes Reich. Ihre Spuren finden sich fast überall, nicht nur im Wald, wo sie im Naturkreislauf eine zentrale Bedeutung haben als „Aufzehrer“ und „Materialumwandler“. Eine kleine Teilgruppe davon, die Ständerpilze sind zudem oft auch einfach schön. Davon konnten sich kürzlich die zahlreichen Teilnehmer einer Bund-Naturschutz-Exkursion überzeugen, die erstmals der ausgewiesene Experte und Pilzsachverständige Alfred Hussong leitete.

Bevor man zu dem lichten Hangwald bei Oberaichbach wanderte, sprachen Helmut Auer vom Bund Naturschutz und Alfred Hussong einleitende Worte. Die Teilnehmer erhielten ein Übersichtsblatt mit den Namen der in diesem Gebiet zu erwartenden Arten sowie einer Systematik der Pilze allgemein. Diese beschränkte sich auf Ständerpilze (Basidiomycetes) und Schlauchpilze (Ascomycetes), zwei Gruppen, die hinreichend umfangreich sind.

Das Wetter war, wie schon in den Wochen zuvor, kühl und sehr feucht, was sich in üppigem Pilzwachstum niederschlug. Der Exkursionsleiter konnte kaum mehr als zehn Schritte gehen, und schon wurden ihm diverse Pilze entgegengereckt, die es einzuordnen und zu bestimmen galt. Vor allem die Kinder suchten mit Feuereifer das Gelände ab, so das Hussong stellenweise kaum mit dem Erklären nachkam. Es wurde fotografiert und in Bestimmungsbüchern geblättert. Allerdings bieten solche Bücher oft keine ausreichende Sicherheit. Hussong verdeutlichte, dass man den ganzen Pilz mit Stiel und Knolle nach mehreren Kriterien begutachten muss, teils sogar mittels Lupe oder Mikroskop. Ein wichtiges Merkmal kann die Farbe des Sporenstaubes sein. Eine Spore ist nur ein Hundertstel Millimeter groß, und ein einziger Pilz kann Millionen davon hervorbringen. Obwohl unter den Teilnehmern nicht wenige Kenner und etliche mit großen Sammelkörben dabei waren, war man sich bei der Bestimmung oft unsicher. Zudem gibt es immer noch neue Erkenntnisse, so dass die Angaben in alten Büchern teils mit Vorsicht zu genießen sind. Ein Beispiel: der lebhaft goldgelbe Grünling galt jahrzehntelang als unproblematischer Speisepilz, bis Berichte über Vergiftungen in Frankreich für Verunsicherungen sorgten. Ähnliches gilt für den Kahlen Krempling, den Hussong ebenfalls vorzeigen konnte. Neben zahlreichen giftigen beziehungsweise ungenießbaren Pilzen, wie beispielsweise dem nach Kartoffelkeller riechenden Knollenblätterpilz, trug man nicht wenige genießbare Schwammerl zusammen, etwa Maronen, Ziegenlippen und Rotfußröhrlinge. Nicht mit Röhren, sondern mit Stoppeln an der Hutunterseite versehen ist der stattliche Semmelstoppelpilz, der dem menschlichen Magen ebenfalls bekommt.

Hussong ließ die Teilnehmer immer wieder Pilzteile schmecken (und ausspucken) oder „rieb sie ihnen unter die Nase“. Dabei wurde allen bewusst, wie schwierig es ist, Gerüche zu versprachlichen beziehungsweise ein einhelliges Urteil zu fällen. Der wichtigste Sinn blieb trotz alledem der Gesichtssinn, nicht nur zum Erspähen der oft getarnten Objekte, sondern auch zur Feststellung von Verfärbungen beim Anschneiden. Wie wenig verlässlich allerdings der optische Aspekt sein kann, führte Hussong anhand einer Anzahl von Hohlfußröhrlingen vor, die unweit einer Lärchengruppe wuchsen: Ihre Hutfarbe variiert von leuchtendgelb bis hin zu intensiv braun gesprenkelt. Und auch die Form ändert sich je nach Standort und Entfaltungsstadium, wie man am teils kugeligen, teils schirmartig flachen Fliegenpilz begutachten konnte.

Nach zweieinhalb Stunden endete die Waldwanderung, und vielen Teilnehmern eröffnete sich ein – wenn auch nur kleiner – Blick in eine ebenso wunderbare wie fragile Welt, in ein Betätigungsfeld, das schier unerschöpflich bleibt.

Holler, Hasel, Hexenkräuter

Berthold Riedel (rechts) erklärte den Exkursionsteilnehmern die mythologische Seite von Bäumen und Blumen

Der BN führte eine Wanderung zum Thema Mythologie der Pflanzen durch

Jede Pflanze kann aufgrund individueller Merkmale einer wissenschaftlichen Systematik zugeordnet werden. Es existiert aber noch das Wissen über Magie, Mythologie und sonstige Kräfte der Pflanzen, das über die objektive Betrachtung hinausgeht. Um dem Verlust dieser Erkenntnisse entgegenzuwirken, hat sich der Landschaftsökologe Berthold Riedel, mit der mystischen Seite der Pflanzen beschäftigt. Trotz starken Regens fand sich zur BN-Exkursion „Pflanzen in der Volksmythologie“ am 24. Juli 2010 eine wackere, wetterfeste, sehr interessierte Gruppe ein, um in das geheimnisvolle Wissen der Pflanzen einzutauchen. Die Wiesen im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut“ boten eine große Vielfalt an Arten. Beginnend bei der Königskerze, die in keinem Kräuterbuschen als Mittelpunkt fehlen darf, über Nutzpflanzen wie Wilde Möhre, Pastinak und Zichorie (Wegwarte) bis hin zu Orakel-, Zauber- und Schutzpflanzen reichte das Spektrum. Berthold Riedel konnte mit vielen Geschichten und Informationen aufwarten.

Der Name Mädesüß hat nichts mit Mädchen zu tun, sondern mit “Met süßen”. Der Holunder ist ein heiliger Strauch. Man zog den Hut vor ihm und nahm an, dass Frau Holle dort zuhause war und mit der wollte man es sich nicht verderben. Die Linde hat viele gute Eigenschaften, sie ist unter anderem ein Baum der Gerechtigkeit. Unter der Krone wurde Gericht gehalten. Der Referent wies auf große Linden in Franken hin, sogenannte Tanzlinden, in denen noch heute auf verschiedenen Stockwerken musiziert, getanzt und gefeiert wird. Die Linde ist ein fröhlicher, liebevoller Baum. Im Gegensatz dazu steht die Erle, der Dunkles und Dämonenhaftes zugeschrieben wird. Lebt sie doch am Wasser und in feuchten Gebieten, vor denen den Menschen schon immer etwas bange war. Die Teilnehmer erfuhren, dass die meisten Pflanzen und Rituale zur Steigerung der Fruchtbarkeit und dem Liebeszauber dienten. Nach drei Stunden, in denen die Wanderer in die Mythologie und Magie eintauchten, verstärkt durch das trübe Wetter und leichtem Dunst, wurde klar, dass das Ganze mehr ist als nur die Summe seiner Teile.

 

Falter ohne Mond und Sterne

Viele Insektenarten wurden durch den grell leuchtenden „Lichtturm“ angelockt und von Helmut Kolbeck (Mitte) bestimmt und vorgestellt

Nachtexkursion des Bundes Naturschutz in den Gstaudacher Wald

„Falter, Mond und Sterne“ lautete der Titel der von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe durchgeführten Exkursion, die dazu einlud, jenseits des hellen, oft grellen Tageslichts der Magie der Nacht und ihrer Wesen nachzuspüren. Hierzu hatten sich Felix Bachmaier, der Nachthimmelkenner, und Helmut Kolbeck, der Insektenexperte, zusammengetan – wo letztlich nur Kolbeck in Aktion trat, nachdem sich sowohl Mond als auch Sterne hinter den Wolken versteckten.

Der Abend war sehr warm, weitgehend windstill, wolkenverhangen und gewitterträchtig – und damit eigentlich ideal zum Nachtfalteranlocken, nicht aber zum Sternegucken. Zielort war der Saum eines Laubwaldes bei Gstaudach. Dort baute Kolbeck seinen „Lichtturm“ auf und legte weiße Decken aus. Als die Nacht schwärzer wurde, wurden die Insekten zahlreicher: Fliegen, Wanzen, Käfer, Großschmetterlinge, vor allem aber Kleinschmetterlinge (landläufig als Motten bezeichnet), für die Kolbeck sich besonders interessiert. Ein Dutzend Leute waren gekommen, um seinen Ausführungen über die wunderbare Welt der wandelbaren Wesen mit Schuppenflügeln zu lauschen. Betrachtet man nur die nachtaktiven Großschmetterlinge – die übrigens sehr klein sein können -, so kommt man in Mitteleuropa etwa auf 350 Spannerarten, auf 400 Eulenarten sowie auf 150 Bären-, Spinner- beziehungsweise Schwärmerarten. Die meisten sind wenig farbenfroh, sondern überwiegend braun-grau-beige gefärbt. Besonders viele Eulen- und Spannerarten sind schwer voneinander zu unterscheiden, und auch deutsche Namen haben die allermeisten nicht. Ungleich vielfältiger und „schwieriger“ sind freilich die Kleinschmetterlinge. Allein von den Wicklern gibt es etwa 500 Arten hierzulande. Ihr Name kommt daher, dass sich die Raupen oft in gewickelten Blattrollen verbergen.

Mehrfach beobachtet wurde am Netz des Lichtturms der frisch geschlüpfte Brennesselzünsler, eine von über 200 Zünslerarten. Eine schmucke, relativ kleine Bärenart – der Name dieser Gruppe rührt daher, dass die Raupen dicht braun behaart sind – war der rot-braune Zimtbär. Bei den Spannern, die ans Licht kamen, fiel der große, orange-bräunliche Schlehenspanner auf, sowie bei den Spinnern mehrere Sichelflüglerarten. Diese halben ihren deutschen Namen daher, dass die Vorderflügelspitze sichelförmig ausgezogen ist. Eulenfalter ließen sich kaum blicken, obwohl sie im Juli zahlreich sein müssten. Kolbeck sprach allgemein von einem schlechten, individuenarmen Falterjahr 2010, in dem vieles „aus der Bahn geraten“ sei. Im Frühling setzte die extreme siebenwöchige Regen- und Kälteperiode den Insekten arg zu. Vor allem die zarten, zerbrechlichen Kleinschmetterlinge wurden regelrecht „zerregnet“. Und durch die ständige Feuchtigkeit gediehen Pilze, die Raupen und Puppen dezimierten. Dennoch konnten am Licht genügend unterschiedliche Tiere beobachtet, bestaunt und bestimmt werden. Kolbeck glaubte allerdings, dass etliche Falter wohl erst weit nach Mitternacht fliegen würden, wenn die Schwüle einer gewissen Kühle weiche.

So lange dauerte die Exkursion natürlich nicht. Immer wieder spähte Felix Bachmaier zum Himmel, aber der gab keinen Blick zu Mond und Sternen frei, so dass Helmut Auer von der BN-Kreisgruppe Landshut den Abend beendete. Den biologisch Interessierten war doch so einiges geboten worden, wenn auch eine Insektengruppe sich an jenem Abend recht rar machte: Stechmücken. So waren die diversen Mückenschutzmittel, die die Teilnehmer vorsorglich aufgetragen hatten, letztlich überflüssig. Sie verliehen allerdings der ohnehin nicht alltäglichen Nachtwanderung eine eigentümliche Geruchsnote.

Was lebt in einem Bach?

Auch für Kinder gab es viele interessante Wasserlebewesen zu entdecken, deren Biologie ihnen Bertram Peters erklärte

Gewässerkundliche BN-Exkursion mit Bertram Peters an den Aichbach

Die diesjährige wasserkundliche Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe führte an den Aichbach bei Oberaichbach. Der Gewässerbiologe Bertram Peters, der die Exkursion leitete, erläuterte zu Beginn den Begriff Gewässergütebestimmung, der sich früher auf die organische Belastung von Fließgewässern bezog und über die Erfassung der Gewässerorganismen erfolgte. Dabei berücksichtigte man, dass jedes Lebewesen ganz bestimmte Anforderungen an seinen Lebensraum stellt. Da gibt es welche, die nur in sehr sauberem Wasser mit viel Sauerstoff existieren können und schon bei der geringsten Verschmutzung verschwinden. Genauso gibt es aber auch solche, denen es gar nicht schmutzig genug sein kann, und die im Verlauf der Verbesserung der Gewässersituation nicht mehr auftreten. Mit dieser Kenntnis lässt sich anhand der vorgefundenen Gewässerorganismen die Gewässergüte festlegen. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie fasse nun diese Gütebetrachtung mit der Untersuchung der Nährstoffbelastung und der Strukturausstattung des Gewässers zu einer gesamtheitlichen Bewertung zusammen. Ziel sei es, alle Gewässer in einen ökologisch guten Zustand hinzuführen oder zu erhalten, informierte Peters.

Am Aichbach zeigte Bertram Peters, der am Wasserwirtschaftsamt Landshut das Sachgebiet Gewässerökologie leitet, welch unterschiedliche Tiere diesen besiedeln. Er hatte dafür eine besonders schöne Stelle ausgesucht, an der der Aichbach eine gute Gewässerstruktur aufwies. Dies ist auf weite Strecken nicht der Fall, wo der Gewässergrund entweder lehmig oder stark verschlammt ist. Der große Artenreichtum wurde belegt durch Funde von vielen Bachflohkrebsen, Eintags- und Köcherfliegenfliegenlarven, Wasserläufern, Wasserkäfern, Libellenlarven, Egeln und Strudelwürmern. Diese Vielfalt lässt sich auch dadurch erklären, dass die weiter oberhalb gelegene Kläranlage von Adlkofen vor einiger Zeit deutlich verbessert wurde, stellte der Gewässerbiologe fest. Diese Maßnahme sei eine von mehreren Schritten, die am Aichbach durchgeführt werden müssen, um den guten Gewässerzustand erreichen zu können. Vielleicht werden die Anwohner wieder erleben können, dass sich wie früher Krebse und Muscheln in ihrem Bach aufhalten.

Zwischen Schmankerl und Hüpfburg

Zusammen mit den Stammtischmusikern freuten sich (von links) Kathy Mühlebach-Sturm, Angelika Thomas, Barbara Engelhardt, Paul Riederer und Professor Hubert Weiger über das gelungene Fest

BN-Ortsgruppen feierten 20-jähriges Jubiläum - Sommerfest auf Biohof

Naturschützer verstehen zu feiern. Das bewiesen sie am Sonntag, 4. Juli, wiederum beim Sommer- und Kinderfest des Bundes Naturschutz (BN) auf dem Biogeflügelhof Grosser in Pfarrkofen bei Ergolding. Organisiert wurde das Fest von der BN-Kreisgruppe Landshut sowie den BN-Ortsgruppen Altdorf und Ergolding. Diese beiden Ortsgruppen feierten mit diesem Fest auch ihr 20. Gründungsjubiläum. Musik und Ökoschmankerl sorgten für frohe Stimmung bei den überaus zahlreichen Besuchern, die an diesem schönen Sommertag mit den Naturschützern feierten. Die jungen Festbesucher vergnügten sich bei zahlreichen Spielen  und auf der Strohhüpfburg. Eine besondere Attraktion für sie waren die kleinen freilaufenden Kücken, die sie sogar in die Hand nehmen durften. Viel zur frohen Stimmung des Festes trugen die Musiker vom „Niederbayerischen Musikantenstammtisch“ mit ihrer schmissigen Wirtshausmusik bei. Ausstellungen über das FFH-Gebiet Bucher Graben, den Wasserbauer Biber und Aktivitäten der beiden Jubel-Ortsgruppen sowie eine Pflanzen-Tombola fanden das rege Interesse der Besucher. An zwei Führungen von Franz Grosser zum Legehennenstall und zu Ökofeldern  nahmen allein über 100 Interessierte teil. Informationen zum Natur-, Arten- und Klimaschutz, zur grünen Gentechnik und zum ökologischen Landbau boten BN, Biokreis und Tagwerk an ihren Ständen. Für das leibliche Wohl sorgten die Biobauernfamilie Grosser und Mitglieder der BN-Ortsgruppen Ergolding und Altdorf mit vielerlei Ökoschmankerln und -getränken.

Die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, Kathy Mühlebach-Sturm, überbrachte den beiden Ortsgruppenvorsitzenden Barbara Engelhardt (Altdorf) und Angelika Thomas (Ergolding) die Glückwünsche und den Dank der Kreisgruppe für die seit 20 Jahren von den beiden Ortsgruppen geleistete Naturschutzarbeit. Eine besondere Note bekam das Sommerfest durch den Besuch von Professor Dr. Hubert Weiger. In einer kurzen Ansprache hob der BN-Landesvorsitzende und BUND-Bundesvorsitzende die Aktivitäten der Kreisgruppe Landshut und ihrer Ortsgruppen im Natur-, Arten-, Landschafts- und Umweltschutz sowie auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien und des ökologischen Landbaus lobend hervor. Diese Aktivitäten seien sehr wichtig, denn immer noch sei der Bodenverbrauch durch Infrastrukturmaßnahmen sehr hoch, der Rückgang von Tier- und Pflanzenarten setze sich vor allem auf der intensiv bewirtschafteten Feldflur fort und die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke werde wieder vehement gefordert. In diesem Zusammenhang wies Weiger auf den enormen Landverbrauch und die Naturzerstörung durch die Autobahn B 15 neu hin und forderte den Ausstieg aus der gefährlichen Atomenergie und damit das Ende der Produktion des hochgiftigen Atommülls, der nachkommende Generationen über Tausende von Jahren belasten werde. Hubert Weiger versäumte es auch nicht, persönlich und in Vertretung des BN-Landesvorstandes dem stellvertretenden Kreisgruppenvorsitzenden Paul Riederer nachträglich zu seinem 80. Geburtstag zu gratulieren und ihm für seinen langjährigen Einsatz für Natur und Umwelt zu danken.

Fest und Jubiläumsfeier

Viel zum Gelingen des Festes trugen die Musiker des Landshuter Carossa-Jazz-Quartetts bei

Sommer- und Kinderfest des Bundes Naturschutz

Naturschützer verstehen zu feiern. Das bewiesen sie wiederum am 2. August beim Sommer- und Kinderfest des Bundes Naturschutz (BN) auf dem Biohof Beck in Obergolding bei Tiefenbach. Organisiert wurde das Fest von der BN-Kreisgruppe Landshut sowie der BN-Ortsgruppe Tiefenbach-Ast. Musik und Ökoschmankerl sorgten für frohe Stimmung bei den überaus zahlreichen Besuchern, die an dem schönen Sommertag rund um die Hoflinde mit den Naturschützern feierten. Die jungen Festbesucher vergnügten sich beim Büchsenwerfen, Seifenblasen, Töpfern, Basteln,  Schminken, beim Puppenspiel der „Märchentruhe Sternenglanz“ und auf der Strohhüpfburg. Viel zum Gelingen des Festes trugen die Musiker des Landshuter Carossa-Jazz-Quartetts bei. Ein  Pflanzen- und Tierquiz, eine Pflanzentauschbörse und eine  Wildsträucherausstellung fanden das Interesse der Besucher. Informationen zum Natur- und Klimaschutz, zum Energiesparen und für alternative Energien bot der BN sowie zur grünen Gentechnik die Aktionsgemeinschaft „Zivilcourage“. Für das leibliche Wohl sorgte die Biobauernfamilie Beck mit vielerlei Ökospeisen und -getränken. Da die BN-Ortsgruppe Tiefenbach-Ast mit dem Fest ihr 20-jähriges Bestehen feierte, gab deren Vorsitzender Robert Gersdorf einen kurzen Überblick über die zahlreichen Aktivitäten. Die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, Kathy Mühlebach-Sturm, überbrachte die Glückwünsche und den Dank der Kreisgruppe für die geleistete Naturschutzarbeit.

Raritäten mitten in der Stadt

Dieter Nuhn (links) machte die Blumenfreunde auf zahlreiche botanische Seltenheiten aufmerksam

Dieter Nuhn zeigte bei BN-Exkursion im Hofgarten botanische Besonderheiten

Eine botanische Exkursion – veranstaltet vom Bund Naturschutz und vom Naturwissenschaftlichen Verein – führte durch den Landshuter Hofgarten. Den relativ späten Zeitpunkt für die Exkursion gegen Ende Mai habe er bewusst gewählt, erklärte Exkursionsleiter Dieter Nuhn eingangs den zahlreichen Teilnehmern. Zwar seien viele Blumen bereits verblüht, die botanischen Besonderheiten dieses naturnahen Parks ließen sich zu dieser Zeit jedoch besonders gut zeigen. Der Botaniker ging dabei nicht nur auf seltene Pflanzen ein, sondern schärfte bei den Teilnehmern auch den Blick für bemerkenswerte Veränderungen in der Flora. So wies er unter anderem darauf hin, dass sich das Bingelkraut, ein Wolfsmilchgewächs, im Hofgarten immer mehr ausbreite. Der Bestand der Türkenbundlilie habe sich hingegen gegenüber den Vorjahren verkleinert.                              

Besonderer Artenreichtum konnte auf einem Konglomerat – einem Sedimentgestein aus Kies und Geröll – beobachtet werden. Es zeichnet sich durch Nährstoffarmut und Kalkhaltigkeit aus, und bietet im konkret gezeigten Fall der Mauerraute, dem Lungenkraut, dem Wald-Habichtskraut, dem Nickenden Perlgras und der Eibe Platz . Über den Kleinen Baldrian wusste der Referent zu berichten, dass er durch das Indische Springkraut – einen Neophyten („Einwanderer“) – zunehmend verdrängt werde. Der seltene Aronstab kommt im Hofgarten seit etwa zehn Jahren vor. Ein großer Bestand sei in diesem Jahr jedoch durch Holzarbeiten leider zerstört worden, so Nuhn. Auf einer sonnigen Wiese zeigte der Pflanzenspezialist den Knöllchen-Steinbrech, eine Pflanze, die im Isartal häufig auftritt, schon im Vils- oder Rottal jedoch selten vorkommt. Eine echte Rarität konnte mit dem Braunen Storchenschnabel bestaunt werden. Diese Blütenpflanze komme nämlich nur im Landshuter Raum vor, informierte Nuhn. Als weitere Rarität konnte er den Exkursionsteilnehmern einen blühenden Orchideen-Bestand von Weißen Waldvögelein zeigen. Eine Besonderheit im Hofgarten ist auch die Kreuzung aus der Echten Nelkenwurz und der Bachnelkenwurz. Bärlauch, Wiesen-Bärenklau, Schlangenknöterich und Mädesüß sind Pflanzen, die feuchte Standorte lieben. Sie waren im Laufe der Exkursion auf einer Wiese unterhalb des Parkplatzes am Hofgarten zu entdecken.

Die Exkursion, die am Skulpturenmuseum ihren Anfang nahm, endete innerhalb der Mauer der Burg Trausnitz. Diese bietet einen eigenen Lebensraum. In den Mauerritzen wächst das hellviolett blühende Zimbelkraut. Nicht nutzbare Wiesenflächen innerhalb der Befestigung geben Salbei, Wiesen-Labkraut und Margerite Raum. Unscheinbar gab sich das Glaskraut am Wegesrand zur Burg, dabei ist diese Pflanze eine botanische Besonderheit. Normalerweise kommt sie nur in Südeuropa vor, im Raum Landshut gibt es nur zwei Standorte davon. Das Glaskraut wurde hier aber bereits im Jahr 1877 kartiert, führte Nuhn aus. Als letzte Rarität zeigte der Botaniker an der Burgmauer die Telekie (Telekia speciosa), eine „Einwanderin“ aus dem Kaukasus.

Fleißige Insekten schützen den Wald

Michael Püls (vorne links) zeigte Waldameisen und erklärte deren Lebensweise

Bund Naturschutz organisierte Exkursion zu Waldameisenvölkern

Unter dem Motto „Leben und Schutz der Waldameisen“ veranstaltete die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe in Zusammenarbeit mit der Ameisenschutzwarte Bayern eine naturkundliche Wanderung in ein Waldgebiet bei Weihbüchl. In diesem Mischwald gibt es noch Vorkommen verschiedener Waldameisenarten. Michael Püls, der Vorsitzende der Kreisgruppe Landshut/Dingolfing der Ameisenschutzwarte, führte zahlreiche Interessierte zu Waldameisenvölkern. Diese Insekten seien ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems Wald und für das ökologische Gleichgewicht extrem wichtig, da sie aufgrund ihres Jagdverhaltens die Anzahl der Schadinsekten begrenzen, informierte der Ameisenspezialist. Die fleißigen Krabbler schützen den Wald vor übermäßigem Insektenfraß und tragen so zur Gesunderhaltung der Wälder bei. Große Waldameisenvölker erbeuten an einem Tag bis zu 100 000 Schadinsekten und verfüttern diese an ihre Brut. Das wirke einer Massenvermehrung von beispielsweise Borkenkäfern effektiv entgegen, stellte Püls fest.

Neben Insekten besteht die Nahrung der Ameisen noch aus Honigtau. Weiter werden auch größere Tierleichen, ausfließende Baumsäfte und Pflanzenteile verzehrt.  Den Bedarf an Honigtau decken die Ameisen durch Besuche bei den Rindenläusen ab. Ameisen, so Püls, tragen stark zu einer Verbesserung des Bodens bei. Durch den Nestbau komme es immer wieder zu einer Durchlüftung. Außerdem verwenden sie alles, was für sie transportabel ist, als Baumaterial. Sie tragen sehr viele Samen in das Nest und in den näheren Nestbereich. Durch diese Samenverschleppung wachsen in ameisenreichen Wäldern wesentlich mehr blühende Pflanzen, als in anderen Waldgebieten. Davon profitieren wiederum viele Insekten, vor allem Schwebfliegen, Schlupfwespen oder Solitärbienen. Die Waldameisen leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Der Referent ging auch auf die Biologie der Waldameisen ein: Den Winter verbringen die Ameisen im Nest, das manchmal bis zu zwei Meter tief in den Boden reicht. Wenn die Temperatur unter Plus fünf Grad absinkt, begeben sich die Ameisen in eine Kältestarre und warten auf das kommende Frühjahr. Ende Februar, Anfang März, wenn die Sonne den Schnee von der Nestkuppel weg schmilzt, erwachen die hier überwinterten Arbeiterinnen und begeben sich an die Oberfläche zur ersten, der so genannten kleinen Sonnung. Diese Arbeiterinnen wecken dann das gesamte restliche Ameisenvolk.  Man kann dann nach etwa 14 Tagen um  die Mittagszeit das ganze Volk bei der zweiten, der großen Sonnung antreffen. Von diesem Tag an beginnt die Königin mit der Eiablage. Aus diesen ersten Eiern  entwickeln sich die geflügelten Geschlechtstiere, Männchen und Weibchen. Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen die Geschlechtstiere. Anfang Mai findet der Hochzeitsflug statt. Die Königin legt täglich 30 bis 50 Eier, und das über eine Zeit von mehr als 20 Jahren. Von Mai bis Ende August ist Hochsaison in den Nestern. Die Arbeiterinnen, welche bis zu sechs Jahre alt werden können, seien mit der Brutpflege, dem Nestausbau und vor allem mit der Nahrungsbeschaffung beschäftigt. Eine Arbeiterin kann mehr als das Zwanzigfache ihres eigenen Körpergewichtes über Strecken von bis zu 70 Meter transportieren, berichtete Michael Püls.

Nach Aussagen des Ameisenkundlers gibt es in der Region Landshut derzeit nur noch etwa 70 verschiedene Ameisenarten.  Bei der Erhebung des Ameisenbestandes vor 120 Jahren habe man in Deutschland noch 480 Arten festgestellt. Dieser extreme Schwund sei vor allem auf die Ausräumung der Fluren durch die intensive Nutzung zurückzuführen, gab Püls zu bedenken. Eine wichtige Hilfe für die Ameisen wäre die verstärkte Vernetzung ihrer Lebensräume über weitere Strecken hinweg. Ein Verzicht auf großflächige Rodungen könne das Sterben ganzer Völker verhindern. Rücksichtname bei Waldwegebau, Straßenbau und Flurbereinigung wäre von nöten, meinte der Referent. Eine lebhafte Diskussion schloss sich seinen Ausführungen an.

Heuschrecken – musizierende Insekten

Zahlreiche Naturinteressierte trafen sich im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“, um bei einer Exkursion in das Gebiet Wissenswertes zur Artenvielfalt und Lebensweise der heimischen Heuschrecken – der „musizierenden Insekten“ – zu erfahren. Diese naturkundliche Exkursion unter Leitung des Biologen Christian Kainz wurde in diesem Jahr zum ersten Mal vom Bund Naturschutz im Rahmen seines umfangreichen Umweltbildungsprogramms „Natur kennen lernen, erleben und schützen“ durchgeführt.  

Zu Beginn der Exkursion erklärte der Referent, dass in Bayern nur etwa 70 Heuschreckenarten vorkommen, was verglichen mit anderen Insektenordnungen sehr wenig sei. Jedoch sei die Individuendichte der Heuschrecken auf geeigneten Magerstandorten oft enorm hoch. Bei einem Spaziergang durch eine wenig gedüngte Wiese könne man bei jedem Schritt mehrere Heuschrecken springen sehen. Zusätzlich würden sich Heuschrecken neben ihrer enormen Sprungkraft durch ihre Fähigkeit auszeichnen, Laute zu erzeugen. Dabei seien die Längen der einzeln Töne, die Variationen innerhalb einer Tonsequenz sowie die Tonhöhen so typisch für eine Art, dass das „Musizieren“ meist  ein viel besseres Bestimmungsmerkmal als beispielsweise die Körperfärbung darstelle, so Kainz.

Anhand zweier Modelle erklärte der Biologe die wesentlichen Merkmale der zwei großen Heuschreckengruppen, der Kurzfühlerschrecken einerseits und der Langfühlerschrecken andererseits. Bei der ersten Gruppe sind die Fühler – wie bereits der Name sagt – kürzer als der Körper, außerdem befinden sich die Hörorgane bei den Kurzfühlerschrecken an den Seiten des Hinterleibs. Laute werden durch Reiben der Hinterbeine an den Flügeln erzeugt. Hingegen besitzen die Langfühlerschrecken lange Fühler, die Hörorgane befinden sich an den vorderen Schienbeinen und die Lauterzeugung erfolgt durch Gegeneinanderreiben der Vorderflügel.

Bei der Exkursion konnten gleich mehrere Arten an Kurzfühlerschrecken beobachtet werden: Der Gemeine Grashüpfer ist eine der häufigsten heimischen Heuschreckenarten und auf praktisch allen Grünlandstandorten anzutreffen. Der Braune Grashüpfer sowie der Nachtigall-Grashüpfer hingegen bevorzugen nährstoffarme Standorte, wie sie im Naturschutzgebiet zahlreich vorkommen. Der nur wenige Millimeter langen Langfühler-Dornschrecke fehlt die Fähigkeit zur Lauterzeugung, dementsprechend schwer ist die Boden bewohnende, gut getarnte Art zu entdecken. Sie lebt vorwiegend in Sandgruben, Steinbrüchen und auf vegetationsarmen Trockenrasen. Bei der Exkursion konnte sie an trockenen Hügeln im oberen Teil des Naturschutzgebietes aufgespürt werden.

Ein auffälliger Vertreter der Langfühlerschrecken ist die Feldgrille, deren markantes „Kri kri kri“ an hei゚en Sommertagen im Naturschutzgebiet weit hörbar ist. Nachdem Grillen im Gegensatz zu anderen Heuschreckenarten nicht in Form von Eiern sondern als Larven überwintern, sind sie die einzigen Heuschrecken, deren Laute man bereits im Frühjahr ab Mitte Mai hören kann. Der Biologe konnte während der Exkursion weitere Arten an Langfühlerschrecken mit den Händen fangen und den Teilnehmern die jeweiligen markanten Merkmale zeigen. So zeichnet sich die häufige Gewöhnliche Strauchschrecke durch einen leuchtend gelb bis grünlich gefärbten Bauch aus, während Roesels Beißschrecke am Rand des Halsschildes eines breiten, hell gelb gefärbten  Saum besitzt. In der Laubstreu am Waldrand konnten auch die kleinen flinken Waldgrillen beobachtet werden. Nachdem diese Art erst in der Abenddämmerung zu musizieren beginnt, demonstrierte Christian Kainz  zum Abschluss der Exkursion den an Morsezeichen erinnernden Gesang der Waldgrille mithilfe eines mitgebrachten MP3-Players. Beim Rückweg durch das Naturschutzgebiet zum Ausgangspunkt der Exkursion wurden nochmals alle Augen und Ohren aufgesperrt, um vielleicht doch noch das im Naturschutzgebiet häufig vorkommende Große Heupferd – eine unserer größten Heuschreckenarten – zu entdecken, doch leider entzog sich dieses prachtvolle Insekt an diesem Tag den Blicken der Exkursionsteilnehmer.

Besuch beim Großen Mausohr

BN-Veranstaltung gab Einblicke in das Leben der Fledermäuse  

Einblicke in das Leben und Vorkommen heimischer Fledermäuse bekamen die Naturinteressierten, die am 22. Juli 2011 ins Gasthaus Hagn in Rainertshausen gekommen waren. Hier hatte die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und die BN-Ortsgruppe Pfeffenhausen im Rahmen ihrer Umweltbildungsreihe „Natur erleben und schützen“ einen Lichtbildervortrag und anschließend eine Nachtexkursion zur Kirche organisiert. Die Fledermauskundler Martin Leitner und Christian Winkler waren die Referenten und Exkursionsleiter.

Nach der Begrüßung durch Paul Riederer, dem stellvertretenden Kreisgruppenvorsitzenden, berichtete Martin Leitner eingangs seines Vortrags, dass seit 50 Millionen Jahren auf der Erde Fledermäuse leben. Während dieser langen Zeit hätten diese ihr allgemeines Verhalten nicht verändert. Bei vielen der 35 europäischen Arten seien Körpergröße, Fellfarbe oder Ohrform denen der Mäuse sehr ähnlich. Fledermäuse seien aber keine fliegenden Mäuse, sondern eine eigenständige Ordnung innerhalb der Säugetiere. Der größte Vertreter unter den Fledermäusen, so Leitner, ist der zur Unterordnung Flughunde gehörende fruchtfressende Kalong, der mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter und einem Gewicht von 900 Gramm schon eine stattliche Erscheinung darstellt. Dagegen sei die auch im Landkreis Landshut vorkommende Zwergfledermaus mit einer Flügelspannweite um die 20 Zentimeter und einem Gewicht von drei bis acht Gramm das Extrem. Der Fledermauskundler informierte auch, dass in letzter Zeit südeuropäische Fledermausarten in Deutschland eingewandert seien, so die Weißrandfledermaus und die Alpenfledermaus. Eine von Martin Leitner zur Veranstaltung mitgebrachte Kleine Bartfledermaus war selbstverständlich für die anwesenden Kinder die Attraktion. Ist es doch sehr selten, eine lebende Fledermaus direkt vor Augen zu haben.

Nachdem sich in der Kirche von Rainertshausen ein für den Landkreis Landshut bedeutendes Fledermausquartier – eine sogenannte Wochenstube – des Großen Mausohrs befindet, befasste sich Christian Winkler bei seinem Vortrag insbesondere mit dieser Art. Bei der Zählung im Jahre 2010 seien auf dem Dachboden der Kirche insgesamt 385 Weibchen und Jungtiere gezählt worden. Das Große Mausohr zählt mit einer Flügelspannweite von rund 40 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 40 Gramm zu den größten heimischen Fledermausarten. Es handelt sich um eine wärmeliebende Art, die an den menschlichen Siedlungsraum gebunden sei. Als Sommerquartiere, in denen die Weibchen ihre eins bis zwei Jungen zur Welt bringen, bevorzugen sie Dachböden und Kirchtürme. Den Winter verbringen diese Fledermäuse in natürlichen Höhlen, Stollen oder Kellern, wobei Wanderungen vom Sommer- zum Winterquartier von über 100 Kilometern nicht selten seien, so Winkler.

Anschließend an die interessanten Vorträge wanderte man zur nahe gelegenen Kirche, um bei beginnender Dunkelheit den Ausflug der Fledermäuse zu beobachten. Und die Fledermausfreunde mussten nicht lange darauf warten. Ein Großes Mausohr nach dem anderen verließ den Dachboden über eine Dachluke und flog oft dicht über den Köpfen der Zuschauer hinweg. Fasziniert schauten sie den Flattertieren nach, bis sie auf ihrem Flug zur Nahrungssuche zwischen den Bäumen und Häusern verschwanden.

Wer noch mehr über das Leben, das Vorkommen und den Schutz der heimischen Fledermäuse erfahren will, für den liegen in der Geschäftsstelle der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut, Altstadt 105 (geöffnet Dienstag bis Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17 Uhr) Info-Schriften auf. Meldungen von Fledermaus-Funden oder -Beobachtungen nimmt der Bund Naturschutz unter Telefon 0871/23748 oder 22390 entgegen.

Viele Streicheleinheiten bekam eine lebende Kleine Bartfledermaus von den jungen Veranstaltungsteilnehmern
Aus einer Luke am Dach der Rainertshausener Kirche flog eine Fledermaus nach der anderen (im Foto unten) auf Nahrungssuche

Dorfgemeinschaft rettet Kloster

Auch dem ehrenamtlich geführten Klosterladen wurde ein Besuch abgestattet

Bund Naturschutz besuchte das ehemalige Kloster Johannesbrunn

Eine Besuchergruppe der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe und der ÖDP, die kürzlich das ehemalige Kloster und den Klosterladen in Johannesbrunn besichtigte, war überzeugt, dass es von einer Solidarität ohne Eigennutz in Johannesbrunn reichlich geben müsse. Schalkhams 1. Bürgermeister Lorenz Fuchs begrüßte die Teilnehmer und begleitete die Gruppe bei ihrem Rundgang.

Unter fachkundiger Führung von Cornelia Reiff vom Amt für Ländliche Entwicklung in Landau erfuhren die Besucher, dass erst mit dem Kauf des alten baufälligen Klostergebäudes durch die Gemeinde im Jahr 2001 der Grundstein für die Erhaltung und Sanierung gelegt worden sei. Wie Reiff berichtete, hätten nebst der staatlichen Förderung durch den Kulturfonds und die Dorferneuerung die Bürger mit einer Riesenportion Eigeninitiative dazu beigetragen, dass die Anlage im heutigen Glanz erstrahlen kann. Etwa 100 Aktive leisteten über 5000 Arbeitsstunden. Allein schon der wieder instandgesetzte herrliche Saal im Dachgeschoß, in dem diverse dörfliche Veranstaltungen stattfinden, sei den großen Einsatz der Dorfbevölkerung wert gewesen.

Der Dorfplatz vor dem Kloster konnte laut Cornelia Reiff im Sinne der Dorferneuerung umgestaltet werden. So sei in der Mitte des Ortes ein großzügig gestalteter Kinderspielplatz entstanden, der einem Abenteuerspielplatz ähnle. Selbst die Kinder hätten damals eifrig am Dorfplatz mitwerkelt. Sie bemalten bei der Einweihung im Jahr 2006 Pflastersteine mit verschiedensten Motiven, die nun um den wiederhergestellten Schöpfbrunnen herum zu bewundern sind. Von besonderem Interesse für die Besucher war der Dorfladen. Stolz präsentierte   Geschäftsführerin Westenthanner den Laden, der auf Genossenschaftsbasis geführt werde. Beim Start des Ladens kauften 29 Gründungsmitglieder und weitere 70 Bürger Genossenschaftsanteile, so dass die anfangs notwendige Einlage auf Anhieb erbracht werden konnte. Im Geschäft kaufen laut Westenthanner alte und junge Menschen, Johannesbrunner, aber auch Auswärtige ein, die das Angebot zu schätzen wissen.

Die Teilnehmer waren beeindruckt von den Schilderungen der Vortragenden und vom Arbeitsaufwand, der bei dem Gang durch das ehemalige Kloster förmlich zu erahnen war. Es bleibe zu hoffen, dass die Klostererneuerung samt Dorfladen in Johannesbrunn als                  Leuchtturmprojekt einer intakten Dorfgemeinschaft auf die gesamte Region Signalwirkung ausübt und die ländliche Bevölkerung ermutigt, wieder Möglichkeiten zur Nahversorgung zu schaffen, vermerkte BN-Kreisgruppenvorsitzende Kathy Mühlebach-Sturm am Schluss der Führung.

Falter, Mond und Sterne

Am „Leuchtturm“ sahen die Exkursionsteilnehmer Nachtfalter aus nächster Nähe
Mit einem Blick durch das Himmelsfernrohr konnten Mond und Sterne bewundert werden; rechts: Felix Bachmaier

BN-Kreisgruppe organisierte besondere Exkursion zur Mondfinsternis

Falter, Mond und Sterne hieß der Titel einer Veranstaltung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe am 15. Juni im Rahmen ihrer naturkundlichen Exkursionsreihe. Über 60  Interessierte waren zur nächtlichen Stunde nach Gstaudach bei Altdorf gekommen, um den Sternenhimmel und insbesondere die totale Mondfinsternis zu erleben und gleichzeitig die Welt der Nachtfalter kennen zu lernen. Der Amateurastronom Felix Bachmaier und der Insektenspezialist Helmut Kolbeck hatten die Durchführung dieser Veranstaltung übernommen.

Die Nacht  war sehr warm, windstill und der Himmel bewölkt – und damit ideal zum Anlocken von Nachtfaltern, nicht aber zum Mond- und Sternegucken. Man hoffte jedoch, dass sich später die Wolken auflösen werden und Mond und Sterne zu sehen sein werden. So wanderten die Besucher zuerst in einen nahegelegenen Laubwald, wo Helmut Kolbeck und sein Kollege Wolfgang Willner bereits sogenannte „Leuchttürme“ errichtet hatten, deren Leuchtquelle mit hohem UV-Anteil Nachtfalter verschiedenster Arten anzog. Während den Ausführungen von Helmut Kolbeck zur Biologie und zum Vorkommen von Nachtfaltern konnten aus nächster Nähe Schwärmer, Spinner, Glucken, Eulenfalter, Zünsler, Wickler und Motten, so beispielsweise Kiefernschwärmer, Bärenspinner, Silbereulchen, Grünes Blatt, Perlspanner und Graszünsler, betrachtet werden. Über 60 verschiedene Arten, darunter auch Fliegen, Wanzen und Käfer, stellte Kolbeck fest.

Anschließend machten sich die Nachtwanderer wieder auf den Rückweg zu einem exponierten Platz, wo Felix Bachmaier bereits ein astronomisches Fernrohr aufgebaut hatte. Und tatsächlich wurden die Exkursionsteilnehmer noch belohnt: Die Wolken lösten sich auf und der Blick auf den zumindest noch zur Hälfte bedeckten Mond wurde frei. Auch der Planet Saturn und sein Ring sowie ein Sternhaufen und ein Ringnebel konnten durch das Teleskop bewundert werden. Viele Fragen musste Bachmaier beantworten, so dass die Veranstaltung erst weit nach Mitternacht endete.