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22. März - Weltwassertag

Wie jedes Jahr seit 1993 wird auch heuer wieder am 22. März der Weltwassertag begangen. Dieser Gedenktag wurde von der UN ins Leben gerufen, um die Bedeutung und die Schutzwürdigkeit unseres Lebensmittels Nr. 1 regelmäßig ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Der diesjährige Weltwassertag markiert gleichzeitig das Ende der Internationalen Aktionsdekade „Wasser für das Leben", die am 22. März 2005 begann und mit dem sechsten Weltwasserbericht der UNESCO abgeschlossen wird.

 

Die schädlichen Eingriffe durch den Menschen in Gewässerkörper und deren Ökosysteme sind bekanntermaßen zahlreich und tiefgreifend. Neben der starken Beeinträchtigung von Fließgewässern durch die Wasserkraftnutzung ist hierzulande und vor allem auch im Landkreis Landshut die Gefährdung des Grundwassers durch die Gülle aus der Massentierhaltung und die starke Düngemittel- und Pestizideinbringung durch die industrielle (bzw. „moderne“, wie sie sich selbst lieber nennt) Landwirtschaft ein großes Thema. Siehe hierzu den Artikel „Wasser- und Luftbelastung stoppen!“

 

 Auch eine Gas- und Ölförderung durch Fracking, die mit den drohenden, geheim verhandelten Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) und Kanada (CETA) auch bei uns zum Einsatz kommen könnte, stellt eine enorme Gefährdung des Grundwassers dar, da dabei ein umfangreicher Chemikaliencocktail in tiefe Schichten gepresst wird. Unterzeichnen Sie hier die selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative gegen diese geplanten Abkommen.

Dagegen birgt das weniger bekannte, ebenfalls im Geheimen verhandelte TISA (Trades in Services Agreement, Vertrag zum Handel mit Dienstleistungen) die Gefahr einer möglichen Privatisierung der Trinkwasserversorgung. Hier können Sie sich informieren und die Petition gegen TISA unterzeichnen.

 

Im täglichen Leben kann natürlich jeder von uns außerdem darauf achten, seinen weltweiten „Wasserfußabdruck“ durch seinen direkten und indirekten Wasserverbrauch möglichst gering zu halten – viele Produkte wie Baumwolle, Orangensaft und Futtermittel für Masttiere werden vor allen aus Ländern importiert, in denen Wasser sowieso ein knappes Gut ist. Zum Beispiel kann man allein durch die Einschränkung seines Fleischkonsums schon Wasser einsparen, denn um zwei Steaks herzustellen, werden 15.000 Liter Wasser benötigt (Quellenangabe: http://www.unwater.org/worldwaterday/learn/en/ )

 

Weitere Wasserspartipps finden Sie auf der Homepage der Stadt Landshut unter http://www.landshut.de/portal/natur-umwelt/energie-und-klima/energiehaus/wasser.html?no_cache=1&sword_list [0]=wasser

Ein Fluss renaturiert sich selbst

Exkursion entlang der Isar belegt „fantastische Eigendynamik“ – Diskussion um Radweg

Paul Riederer war 20 Jahre lang Vorsitzender der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz(BN). Noch heute arbeitet er in dieser Organisation besonders auf dem Gebiet des Artenschutzes mit und organisiert Exkursionen. Mit rund 30 anderen Teilnehmern zusammen wanderte er am Samstag ein paar hundert Meter am rechten Ufer der Isar von Volkmannsdorferau ab flussabwärts. Man wollte die neueSchönheit bewundern, die sich der Fluss seit einigen Jahren wieder selbst geben darf.  >> Mehr

(Quellenhinweis: Landshuter Zeitung vom 13. Mai 2014 - Artikel zur Verfügung gestellt durch die Landkreis-Redaktion Landshut)

Grundwasserschutz tut not

Wasserzweckverbandsvorsitzender Johann Weinzierl bei seinem Referat

Wasserzwecksverbandsvorsitzender Johann Weinzierl referierte beim Bund Naturschutz über Belastungen des Trinkwassers  

„Notwendige Änderungen, die zu einem verbesserten Grundwasserschutz führen, sind nur durch politische Entscheidungen möglich. Hier weigert man sich aber beharrlich, Schlüsse aus unstrittigen Tatsachen zu ziehen und umzusetzen“. Dies war eine der Kernaussagen von Hans Weinzierl, dem Vorsitzenden des Wasserzweckverbandes Rottenburger Gruppe, kürzlich bei seinem sehr emotionalen Vortrag zum Thema „Grundwasserschutz tut not!“ im Gasthaus „Zur Insel“ in Landshut. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Boden- und Grundwasserschutz – gesunde Lebensmittel“, welche derzeit von der Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau in Schönbrunn durchgeführt wird. Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe stellte in seiner Einführung fest, dass aus Sicht des Bundes Naturschutz ein elementarer Zusammenhang zwischen der Art der Landbewirtschaftung und der Wasserqualität bestehe. Der Bund Naturschutz trete deshalb aus Sorge um unser Wasser seit langem für eine Ausweitung des ökologischen Landbaus ein.

Zu Beginn seiner Ausführungen erläuterte Weinzierl die Aufgabe der Wasserzweckverbände. Diese bestehe darin, die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen, das der Trinkwasserverordnung entspreche. Der Schutz des Grundwassers hingegen sei Aufgabe von Politik und nachgelagerten Behörden. Als Vorsitzender eines Zweckverbandes könne er nur an diese Stellen appellieren, endlich geeignete Maßnahmen in diese Richtung zu ergreifen. Häufig fühlten sich die Verantwortlichen in den Zweckverbänden von den zuständigen Behörden alleingelassen. Weinzierl bedauerte es deshalb, dass bei dieser Vortragsveranstaltung, trotz Einladung durch den Veranstalter, kein Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes anwesend war. Als Beispiel für den Umgang der Behörden mit dem zunehmenden Eintrag von Schadstoffen ins Grundwasser nannte der engagierte Redner das Problem Desethylatrazin. Dabei handle es sich um das Abbauprodukt des bei uns seit gut zwanzig Jahren verbotenen Unkrautbekämpfungsmittels Atrazin, welches in den Siebziger und Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in beträchtlichen Mengen im Maisanbau eingesetzt worden sei. In einem Brunnen der Rottenburger Gruppe sei der gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert für Desethylatrazin überschritten worden. Das Gesundheitsamt habe daraufhin eine Ausnahmegenehmigung für drei Jahre erteilt. In dieser Zeit sei sogar die Überschreitung des Grenzwertes um das Dreifache erlaubt. Nach Ablauf der Ausnahmegenehmigung müsse man sich wieder innerhalb des Grenzwertes bewegen. Es gebe deshalb zwei Möglichkeiten, entweder eine aufwendige und teuere Sanierung des Brunnens mit unsicherem Ergebnis oder dessen Schließung.

Auch die zunehmende Nitratbelastung des Grundwassers wurde von Weinzierl ausführlich erläutert. Diese bewege sich bereits in vielen Bereichen über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Wasser. Die Herkunft des Nitrats könne inzwischen in Untersuchungen festgestellt werden. Demnach kommt Nitrat überwiegend aus der Gülle. Mit großem technischen Aufwand könnte Nitrat aus dem Wasser herausgefiltert werden. Dies würde aber für den Zweckverband Kosten in mehrfacher Millionenhöhe verursachen. Etwa ein Drittel des gefilterten Wassers wäre außerdem dann sehr hoch mit Nitrat belastet. Keiner wisse, wohin damit. In der Gemeinde Hohenthann habe sich inzwischen eine Arbeitsgruppe von Schweinehaltern gebildet, welche nach Lösungen der Gülleproblematik suche. Die angedachten Ideen, wie größere Lagerkapazitäten, veränderte Ausbringetermine oder verstärkter Zwischenfruchtanbau zur Bindung des Nitrats durch Pflanzen kann zwar das Problem nicht grundsätzlich lösen, aber es sei ein wichtiges Signal in Richtung Bewusstseinsänderung. Das Problem seien einfach die anfallenden großen Güllemengen in Zusammenhang mit der massiven Ausweitung der Schweinehaltung.

Der Zweckverband habe, fuhr Weinzierl fort, auch Untersuchungen von Oberflächen- und Fließgewässern durchführen lassen. Die Ergebnisse seien alarmierend, da die Belastung mit Nitrat und Atrazin am Grenzwert und die Belastung mit Desethylatrazin über dem Grenzwert liege. In Bezug auf die massive Ausweitung der Schweinehaltung und dem Strukturwandel in der Landwirtschaft stellt Weinzierl fest, dass er die Probleme vieler Bauern und den Druck, der auf den Betrieben laste, schon sehe. Er stamme schließlich aus der Landwirtschaft. Trotzdem könne er die Entwicklung in vielen Bereichen nicht mehr nachvollziehen. Schweineställe mit 10000 Tieren braucht man nicht wirklich. Kommunalpolitiker rief Weinzierl auf, hier öfters Flagge zu zeigen. Nicht jedem Bauantrag müsse vorauseilend  vom Gemeinderat auch zugestimmt werden. Abschließend stellte Weinzierl nochmals fest, Wasser sei das wichtigste Lebensmittel der Menschheit. Von den verantwortlichen Politikern erwarte er, geeignete Schritte zu ergreifen, damit auch nachfolgende Generationen in den Genuss von gesundem und unbelastetem Wasser kämen. Er werde sich weiter dafür einsetzen. Eine rege Diskussion schloss sich dem Referat an.

Die Gewässerqualität verbessern

Westlich von Landshut weist die Isar an einigen Stellen naturnahe Uferstreifen in Form von Sandbänken auf Foto: W. Willner

Die geplante Ufergestaltung an der Isar war Thema beim Bund Naturschutz  

Landshut. In der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wird die Verbesserung der ökologischen Qualität von Gewässern als Ziel der Gewässerentwicklung vorgeschrieben. Die Umsetzung obliegt je nach Einstufung eines Gewässers den Bundesländern oder den Landkreisen und Kommunen. Dabei sei die stellenweise Aufweitung und Abflachung des Ufers ökologisch von großer Bedeutung, da die Artenvielfalt im Wasser und im Uferbereich zunehme, heißt es in einer Mitteilung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut. Da für den Bund Naturschutz der Arten- und Biotopschutz ein zentrales Anliegen ist, begrüße der Bund Naturschutz vom Grundsatz her das an der großen Isar im Bereich der Schützenstraße vorgesehene Projekt des Wasserwirtschaftamtes. Von der Teilrenaturierung eines Flussufers innerhalb eines Stadtbereiches profitierten nicht nur die Natur, sondern auch die Stadtbewohner, die ihren Fluss unmittelbar erleben können und Anteil haben an einer vielfältigen Stadtnatur, gab Kathy Mühlebach-Sturm, die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, beim Kreisgruppen-Treffen am 15. November 2012 im Café Himmel zu bedenken.

In Landshut gebe es an den beiden Isararmen wenig Möglichkeiten, solche ökologisch wertvollen Projekte umzusetzen, da sowohl an der Großen als auch an der Kleinen Isar meist beidseits bis nahe an den Fluss heran gebaut worden sei, so Mühlebach-Sturm. Nur das Grundstück des Wasserwirtschaftsamtes an der Schützenstraße sei bisher zum Glück nicht für Infrastrukturmaßnahmen oder Wohnbebauung genutzt worden, sondern sei als Kleingartenanlage verpachtet. So konnte sich hier ein innerstädtischer Grünbereich erhalten. Die Wertigkeit dort entstandener Biotope sei abhängig davon, wie sie genutzt wurden und ob die Nutzer auf Biozide verzichtet haben. Alte hohe Bäume oder eine naturnahe Hecke beispielsweise haben einen hohen ökologischen Wert, auch Wildnisbereiche oder Teichbiotope bieten Igel und Frosch Lebensraum, hob die BN-Vorsitzende hervor. Deshalb sei bei der nun angedachten Umgestaltung des Uferbereiches fachmännisch abzuwägen, welche Bereiche wegen ihrer ökologischen Wertigkeit erhalten werden sollten. Gut geplant und umgesetzt könnte die Neugestaltung des Isarufers an der großen Isar für Natur und Mensch im Niedermayerviertel durchaus eine Bereicherung sein, versicherte stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer.

Was zur Vils fließt, ist zu viel

Nährstoffreduzierung durch Flussgebietsmanagement – Vortrag beim Bund Naturschutz

Um den Zustand bayerischer Fließgewässer ging es bei einem Vortrag von Diplomingenieur Berthold Riedel, den die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Fließgewässer – Lebensadern“ im Gasthof „Insel“ in Landshut initiierte. Bei der Qualität des Wassers von Quellen, Bächen und Flüssen reicht es nicht, diese selbst zu betrachten, sondern es muss viel stärker das unmittelbare und weitere Umland – das meist landwirtschaftlich genutzt wird – einbezogen werden.

Zunächst gab Riedel einen geschichtlichen Abriss von den Veränderungen der Wasserläufe in der Region Landshut. Trotz der Überschwemmungsgefahr siedelten Menschen schon immer nahe an Gewässern, weil dies offenbar mehr Vor- als Nachteile brachte. Und der Mensch passte den Fluss oder Bach seinen Bedürfnissen an. So legte er etwa Treidelpfade zum Ziehen von Schiffen an, was bedeutete, dass keine Bäume in Ufernähe stehen bleiben konnten. Und im 19. und 20. Jahrhundert begradigte und verbaute man die Flüsse – so auch die Isar – in einem Maße, dass man ihren raumgreifenden Urzustand nur noch erahnen konnte.

Insbesonders die kleinen Bachläufe – die Zuläufe von Vils, Laaber und Rott – wurden verrohrt oder kerzengerade verlegt und man bezeichnete sie oft als „Gräben“, obwohl es doch eigentlich Bäche wären.

Als eindeutig positiv hob Riedel hervor, dass die zahlreich gebauten Kläranlagen in den letzten Jahrzehnten die organische Belastung erheblich verringert haben. Jedoch habe sich der Trophiezustand, also der Nährstoffgehalt, massiv erhöht – und am schlimmsten sei es hier um Vils und Rott bestellt. Was ihnen zufließt, sei zu viel. Aber auch die Isar sei mit ihren veralgten Flachwasserzonen nicht gerade einladend. Das Hauptproblem seien Bodenabtrag und Nährstoffeinschwemmung, wodurch die Gewässer braun und schlammig werden und gleichzeitig wertvolle Bodenkrume für immer verschwindet. Daher ist es auch im Sinne der Landwirtschaft, die Probleme im Umgriff der Gewässer zu lösen, zum Beispiel durch Mulchsaat oder Verzicht auf erosionsanfällige Kulturen in Hanglagen. Die Landwirtschaftsämter fühlten sich hierbei bis vor kurzem nicht angesprochen, doch dies hat sich, so der Referent, mittlerweile geändert – bedingt auch durch die „drohende“ EU-Wasserrahmenrichtlinie, nach der die Gewässer bis 2015 „in gutem Zustand“ sein müssen.

Im Praxisteil des Abends wurden vom Referenten konkrete Umsetzungsmaßnahmen vorgestellt, zum Beispiel beim Tiefenbach im Landkreis Landshut. Natürlich gestaltete sich der Dialog zwischen Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz nicht immer einfach. Studien, Konzepte und überhaupt Papier gebe es genug in den Schubladen von Amtsstuben und Planungsbüros, auch schön gestaltete Broschüren würden in großer Zahl herausgegeben – wirklich passiert sei freilich bisher wenig. Dabei sehen, so Riedel, weite Kreise der Bevölkerung prinzipiell ein, dass in jeder Hinsicht saubere Gewässer erstrebenswert wären. So gelte es, hinsichtlich des magischen Elementes Wasser Emotionen zu wecken, zum Beispiel beim Käschern mit Kindern oder beim Ortstermin mit Gemeinderäten. Und wenn ein Landwirt, dem ja die bürokratisch-sperrig so genannten „Gewässer dritter Ordnung“ gehören, stolz auf sein Bächlein und den bewachsenen Uferstreifen ist, habe man schon fast gewonnen. Das heißt, eigentlich haben alle gewonnen, und der etwas technokratische Begriff „Flussgebietsmanagement“ hört sich freundlicher an, weil das bloße Planungsstadium in konkretes Handeln gemündet ist, dessen Ergebnis für alle sichtbar ist. Ein positives Beispiel dafür sei das „Flussgebietsmanagement“, das derzeit an der Großen Vils zwischen Aham und Frontenhausen durchgeführt wird.

Aus einem natürlichen Bach wurde in früheren Jahren nicht selten ein gerader Graben. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie soll sich das möglichst wieder ändern

Das Lebensmittel Nummer eins

In Landshut kommt sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn

BN-Vortrag zum Trink- und Grundwasser in der Stadt Landshut

Es ist genauso lebenswichtig wie – vermeintlich – selbstverständlich: sauberes Trinkwasser, das buchstäblich im Handumdrehen oder besser Hahnumdrehen ins Becken sprudeln soll. Doch welches Wasser trinken wir, woher kommt es und wodurch wird seine Qualität gefährdet? Diesen Fragen widmeten sich Werner Maier und Alois Bummer von den Stadtwerken Landshut im Gasthof „Zur Insel“ vor einem interessierten Publikum.

Nach der Begrüßung und Einleitung durch Veranstaltungsleiter Helmut Auer vom Bund Naturschutz gab Diplomingenieur Werner Maier erst einen knappen Einblick in die Aufgaben der Stadtwerke, um sodann zum Thema Grundwasser überzuleiten. Zwar ist unser blauer Planet zu 71 Prozent von Wasser bedeckt, doch stehen weniger als ein Prozent der gesamten Wassermenge als Trinkwasser zur Verfügung. Die gigantische Menge in den Ozeanen täuscht also über die tatsächliche Nutzbarkeit hinweg. Deutschland als gemäßigtes, eher regenreiches Land und insbesondere Südbayern ist trinkwassermäßig gut versorgt. Westlich von Landshut gibt es zwei Wasserschutzgebiete: das Pumpwerk Siebensee bei Münchnerau sowie – als Zusatzquelle – Schlossberg. Das dort entnommene Wasser wird hochgepumpt zum Hochbehälter am Birkenberg, der 16 000 Kubikmeter Kapazität hat, was etwa 500 Tanklastzügen entspricht.

Landshut sei, so der Referent, in der glücklichen Lage, bei der Wasserversorgung auf sauberes Grundwasser zurückgreifen zu können, das kaum behandelt werden müsse. So wird nur eine  geringe Menge Sand entzogen sowie durch eine UV-Anlage eine eventuelle Verkeimung beseitigt. Andernorts müsse Oberflächenwasser herangezogen werden, beispielsweise am Bodensee oder aber es wird Uferfiltrat gewonnen, wie am Niederrhein. In beiden Fällen muss das Nass erst zu Trinkwasser aufbereitet werden. Obgleich der Wasserverbrauch nach einem Höhepunkt in den Achtziger Jahren stetig leicht zurückgeht, so liegt er immer noch bei 125 Liter pro Tag. Hiervon werden freilich 27 Prozent für die Klospülung und gar 35 Prozent fürs Baden oder Duschen verbraucht.

Im zweiten Teil des Abends ging Umweltberater Alois Bummer genauer auf die Wasserschutzgebiete und die Kooperation mit der Landwirtschaft ein. Das äußere Schutzgebiet reicht westlich von Landshut bis über die Autobahn hinaus. Die engere Zone liegt an der Stelle, wo die Flutmulde von der Isar abzweigt. Bis das Wasser dort an den Brunnen ankommt, hat es bereits einen fünf Jahre langen Weg hinter sich, auf dem es sich selbst reinigt. In der engeren Schutzzone dürfe keine Gülle ausgebracht werden, und auch in allen anderen Bereichen sei dies ab 15. November untersagt, weil der Boden diese im Winter nicht aufnehmen könne. Bummer betonte ferner die freiwilligen Vereinbarungen mit den Landwirten unweit der Schutzzone. Sie würden einen finanziellen Anreiz erhalten, wenn sie grundwasserschonend wirtschaften. Über die Qualität des Landshuter Trinkwassers könne man sich jederzeit im Internet unter www.stadtwerke-landshut.de informieren, so der Referent.

Bei der Diskussion wurden kritische Stimmen laut, die den Behördenbeschwichtigungen misstrauten und die Fragwürdigkeit von Schadstoffgrenzwerten aufzeigten: Diese würden verschoben, wenn sie nicht zu halten seien. Einig war man sich freilich, dass Bevölkerung wie auch Behörden beim Thema Trinkwasserqualität wachsam sein müssten, um schleichende „Brunnenvergiftung“ – in früheren Zeiten bekanntlich ein schweres Verbrechen – zu verhindern.

Breitwasser statt Hochwasser

Zwischen Freising und Moosburg wurde der Isar im Auwald Raum für Hochwasser gelassen

Dr. Christine Margraf referierte über den Umgang mit Fließgewässern

Eine neue Vortragsreihe des Bundes Naturschutz (BN) beschäftigt sich mit Fließgewässern, die seit jeher Lebensadern in unserer Landschaft sind. Den ersten Abend im Gasthof „Zur Insel“ gestaltete am 6. Oktober die BN-Fachreferentin Dr. Christine Margraf, die für ein grundlegendes Umdenken beim Hochwasserschutz hin zu mehr Ökologie plädierte. Breitwasser statt Hochwasser sei die Devise. Der Ausdruck Hochwasser sei wegen der Schäden, die hierdurch für Menschen und Siedlungen entstehen, negativ besetzt. Dabei sind Überschwemmungen für die Flussauen geradezu von existenzieller Bedeutung: ohne Hochwasser keine Aue, und umgekehrt ohne Aue verstärkt Hochwasserschäden.

Nicht von ungefähr bezeichnet man die Flussauen wegen ihres einzigartigen Reichtums an Tieren und Pflanzen plakativ als bayerischen Amazonas. Gerade die Dynamik des Flusses, sein wechselnder Wasserstand lässt ständig neue Lebensräume entstehen. Material wird fortgerissen und anderswo wieder abgelagert, wodurch es zu einem Mosaik von Lebensräumen im stetigen Wandel kommt, an die sich Tiere und Pflanzen bestens angepasst haben. Als Beispiel führte Margraf die Silberweide an, die zweihundert Tage im Jahr im Wasser zu stehen vermag. Mittels zahlreicher Bilder und Diagramme wurde dargestellt, wie weit wir heute vom Idealzustand intakter Auen entfernt sind. Nur noch ganz schmale, zerstückelte Restbestände längs der Flüsse sind übrig, ansonsten wurde begradigt, kanalisiert, eingeengt und versiegelt. Insbesondere in den Flusstälern war und ist der Zugriff für neue Straßen, Siedlungen und Gewerbegebiete hemmungslos, betonte die Referentin.

Diese radikale Umgestaltung der Flusstäler, „in Tateinheit“ mit dem immer evidenter werdenden Klimawandel macht Hochwasser – welches ja eigentlich der Herzschlag der Aue ist – besonders schadensträchtig, zumal in Überschwemmungsgebieten immer mehr materielle Werte platziert werden. Und die Katastrophen treten in immer kürzeren Abständen auf: Pfingsthochwasser 1999, Augusthochwasser 2002, Winterhochwasser 2003, Julihochwasser 2007. Margraf kritisierte die offiziellen Reaktionen Bayerns auf diese Ereignisse. Da werden Deiche repariert und erhöht, anstatt sie weiter flussentfernt neu anzulegen; da werden kostspielige Rückhaltebecken oder Polder gebaut; ja da werden gar reihenweise Bäume gerodet, damit das Wasser schneller abfließen kann, und das sogar in Natura 2000-Schutzgebieten. Die Referentin gab zu bedenken, dass rasch abfließendes Wasser nur die Schäden flussabwärts erhöht, das Problem also nur verlagert und verschärft wird. Umgekehrt profitiere der Landshuter Raum davon, dass es zwischen München und Moosburg noch vergleichsweise große Auenbestände gibt, die gegebenenfalls Wasser aufnehmen können. Das habe Landshut beim Augusthochwasser 2005 erwiesenermaßen 20 Prozent weniger Gesamtdurchfluss beschert.

Margraf schilderte auch eindrücklich die politischen Widerstände sowie die Ablehnung durch die Bevölkerung, wenn es etwa darum geht, Deiche zurück zu verlegen, um die dahinter liegenden Auen wieder zu vernässen. Da lasse sich eine Deicherhöhung an alter Stelle ungleich leichter durchsetzen, auch wenn dies nur eine trügerische Sicherheit schaffe. Die Referentin betonte, dass kein Weg daran vorbei führe, den Flüssen wieder viel mehr Raum zu geben, so dass sie in die Breite gehen können. Dazu sei ein konsequentes Flächenmanagement nötig, um zu verhindern, dass noch mehr Fläche „zugepflastert“ werde.

Auch Kleinigkeiten brächten etwas. So müsse man den mittlerweile fast überall zurückgekehrten Biber landschaftsgestalterisch tätig werden lassen, um Wasser in der Fläche zu halten und nebenbei wertvolle Feuchtzonen entstehen zu lassen. Die ganz wenigen noch vorhandenen Moore seien als natürlicher Schwamm streng zu schützen – schon im Interesse des Klimaschutzes. So wie auch dem Menschen in unserer schnelldrehenden Welt eine Entschleunigung gut tue, müsse auch der Wasserablauf verlangsamt werden – die Natur schafft den Ausgleich von Extremen, wenn man sie nur lässt.