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Höhere Sicherheitsstandards für Zwischenlager gefordert!

Zwischenlager "BELLA" am Standort des KKI in Ohu

Zur aktuell diskutierten Verbringung von Castoren aus Großbritannien und Frankreich in das Zwischenlager am Atomstandort Ohu.

Seit im Jahr 2003 das Zwischenlager am Atomstandort Ohu mit 152 Standplätzen für Castoren genehmigt worden ist, wurden dort - von der Öffentlichkeit fast unbemerkt -  31 Castoren (Stand: Ende 2013) mit jeweils 50 hochradioaktiven abgebrannten Brennelementen eingelagert. Das über mehrere hunderttausend Jahre strahlende atomare Inventar stammt aus den Atomkraftwerken Isar I und Isar II.  Zusätzlich befinden sich im Nasslager unter der Gebäudedecke von Isar I weitere 1700 hochradioaktive Brennstäbe, die zum Teil noch soviel Wärme abgeben, dass sie ständig vom sie umströmenden Wasser gekühlt werden müssen. Käme es beispielseise zu einer terroristischen Attacke auf das Nasslager, könnten in der Folge einer unterbleibenden Kühlung über eine Wasserstoffexplosion große Mengen des radioaktiven Inventars in die Luft geschleudert werden und die Umgebung auf unbestimmte Zeit verseuchen. Manche Brennstäbe sind gebrochen oder verbogen, es gibt bisher kein Konzept, wie dieses Material, welches dem Inhalt von ca. 34 Castoren (!) entspricht, sicher aus dem Nasslager entfernt, gelagert oder  (weg-)transportiert werden kann. Das Atomkraftwerk Isar II produziert weiterhin Tag für Tag hochradioaktiven Müll und wird - wenn es Ende 2022 endlich abgeschaltet wird - weitere 50 Castoren mit dem bis dahin abgebrannten Brennelementen füllen.

Der Bund Naturschutz (BN) weist seit Jahren auf die Gefahren hin, die schon jetzt durch die Lagerung von hochradioaktivem Müll am Atomstandort Ohu für die Bevölkerung in Ohu und weit darüber hinaus bestehen. Beim Genehmigungsverfahren für das Zwischenlager wurden Einwendungen des BN, das Lager sei u. a. nicht gegen einen Flugzeugabsturz gesichert, abgetan mit den Worten, ein solcher gehöre in das Reich der Fabeln. Zur gleichen Zeit – also während der Anhörung – rasten am 11. September 2001 zwei große Passagierflugzeuge in die Twintowers in New York.

Mit dem Endlagersuchgesetz (Altmaier 2013) hat die Bundesrepublik einen Neuanfang zur Endlagersuche gemacht, verknüpft mit der Bedingung, dass am Standort Gorleben, wo ein politisch vorangetriebenes, nach naturwissenschaftlichen Kriterien aber nicht geeignetes Endlager hätte entstehen sollen,  kein Atommüll mehr zwischengelagert werden darf. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Arbeit der Endlagersuchkommission, die valide wissenschaftliche Suchkriterien erarbeiten soll, wegen einer Vorfestlegung auf Gorleben zur Alibiveranstaltung wird.

Seither wurden alle Bundesländer, vor allem jene, die Atomkraftwerke betreiben, gebeten, Plätze für Castoren - gefüllt mit radioaktivem Müll, der in deutschen Atomkraftwerken produziert worden ist und jetzt aus den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England zurückgenommen werden muss - zur Verfügung zu stellen. Dabei war vorgesehen, dass sich mindestens drei Standorte freiwillig melden müssten, ansonsten würde die Standortnennung per Weisung erfolgen.

Da wir gegenüber nachfolgenden Generationen in der Verantwortung stehen und in Deutschland schließlich ein Endlager brauchen, sollte der im Jahr 2014 neu gestartete Prozess der Suche nach dem sichersten Standort ein Erfolgsprojekt werden. Vor allem die Politik und die Energiekonzerne müssen sich der Verantwortung stellen und ihren Beitrag leisten, damit der Suchprozess erfolgreich zu Ende geführt werden kann. Fest steht allerdings schon heute, dass die Zwischenlager an den Atomstandorten über die genehmigten 40 Jahre hinaus betrieben werden müssen, weil es länger dauern wird, bis es in Deutschland ein Endlager gibt. Das heißt, im Zwischenlager am Atomstandort Ohu werden mit oder ohne neun (nicht 21!) zusätzliche Castoren am Ende mehr als 100 Castoren mit hochradioaktiven, abgebrannten Brennstäben von den AKW Isar I und Isar II vielleicht 70 vielleicht 100 Jahre verbleiben müssen.

Vielleicht bewirkt ja gerade die gegenwärtige Diskussion um die Rücknahme und  Lagerung von „altem“ Atommüll, dass die vom Bund Naturschutz erhobenen Forderungen nach höheren Sicherheitsstandards der Zwischenlager, als auch die Forderung, Konzepte zu erarbeiten, wie Zwischenlager über die genehmigte Zeit von 40 Jahren sicher (!) betrieben werden können, nachgekommen wird.

Es ist auf jeden Fall beschämend, warum erst jetzt der große Aufschrei kommt und sich dieser Aufschrei nur auf einen eher kleinen Teil des Problems bezieht. Denn: Auch ohne neun zusätzliche Castoren haben wir hier ein Problem, auch ohne neun zusätzliche Castoren ist dieses Problem schon lange bekannt: Die Bevölkerung wurde seit Jahren und wird weiterhin durch den hier bereits vorhandenen hochradioaktiven Müll im Zwischenlager, vor allem aber durch das hochradioaktive Inventar im Nasslager des AKW Isar I und im noch laufenden AKW Isar II dem Risiko einer atomaren Verseuchung ausgesetzt. Da die bayerische Staatsregierung zusätzlich die Energiewende blockiert (die 10H-Regelung hat den Ausbau der Windkraft zum Erliegen gebracht), wird am Ende Isar II länger laufen müssen und damit noch mehr hoch radioaktiven Müll produzieren, der weitere Castoren füllen wird, die dann auf unbestimmte Zeit im unsicheren Zwischenlager Ohu verbleiben.

Jetzt, wo sich allmählich auch die Verfechter der Atomkraft bewusst werden, dass mit dem billigen Atomstrom eine über Jahrhunderte hinaus dauernde und teure Entsorgung von hochradioaktivem Müll einhergeht, müsste sich auch die Erkenntnis durchsetzen, dass der Ausstieg aus dieser Energieerzeugung so schnell wie irgendwie möglich vollzogen werden sollte.

4. Jahrestag der Katastrophe von Fukushima

Landshut. Atomgegner und Befürworter eines schnelleren Atomaustieges demonstrierten am 11. März 2015, dem vierten Jahrestag der Katastrphe von Fukushima vor dem Landshuter Rathaus. Gemeinsam mit der Landshuter Gruppierung "Bürger für Landshut" (BÜFA) beteiligten sich Naturschutzmitglieder aus Stadt und Landkreis Landshut an dieser Demonstration.

Im Anschluß daran informierte Dipl.-Physiker Dr. Wilfried Attenberger, Vorstandsmitglied der BN Kreisgruppe Landshut, über die aktuelle Situation in Fukushima sowie den Folgen aus der Atomkatastrophe für die dortige Bevölkerung.

Demonstration und Vortrag wurden begleitet vom Fotografen Heinrich Inkoferer >> zur Fotostrecke

Energiewende retten - Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom!

Richard Mergner, BUND Naturschutz in Bayern

Die neue Bundesregierung plant einen Frontalangriff auf die Energiewende. Nach der Photovoltaik soll es jetzt der Windkraft an den Kragen gehen. Naturschützer der Kreisgruppe Landshut demonstrierten am 22. März in München-Fröttmaning für die Energiewende und gegen Fracking, Kohle- und Atomkraft.

Heinrich Inkoferer, BN-Mitglied der Kreisgruppe Landshut, berichtet fotografisch von der Demonstration, welche zeitgleich auch in sieben weiteren Landeshaupstädten mit mehr als 30.000 Teilnehmern stattfand, unter https://www.flickr.com/photos/114961713@N07/sets/72157642696821904/

Atommüll - ein offenes Problem

Die Referentin Ursula Schönberger bei ihrem Vortrag zum ungelösten Problem Atommülllagerung
(Foto: Heini Inkoferer)

Die Wissenschaftlerin Ursula Schönberger stellte ihre Atommüll-Bestandsaufname vor

Das Landshuter Bündnis für Atomausstieg (BüfA), in dem auch die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut aktiv mitarbeitet, organisierte am 28. Februar 2014 eine Informationsveranstaltung zum Thema „Atommüll – das Risiko bleibt“. Im gut besuchten Vortragssaal der Volkshochschule referierte Ursula Schönberger, Politikwissenschaftlerin und ehemalige Bundestagsabgeordnete aus Braunschweig, über ihre Bestandsaufnahme an über 90 deutschen Atommüllstandorten, die den Untertitel „Sorgenbericht der Atommüllkonferenz“ trägt. Die Referentin mahnte vor dem Hintergrund einer bereits jahrzehntelangen Debatte über die besten Konzepte der Atommülllagerung einen grundsätzlichen Wechsel der Perspektive an. Die vielen negativen Erfahrungen bei den bisherigen Einlagermethoden hätten gezeigt, dass radioaktive Stoffe sich nicht auf Dauer von der Umwelt isolieren lassen und daher ein für eine Million Jahre sicheres Endlager nicht zu verwirklichen sei. Außerdem sei ihr aufgefallen, dass Experten für Salzstöcke oder Ton oder Granit jeweils ihr eigenes Lieblingsgestein für das beste Einlagerungsmedium halten. Auch die bisher fehlgeschlagenen Endlagerversuche (Asse II, Morsleben) seien von hochkarätigen Fachleuten konzipiert und überwacht worden.

Während die öffentlich geführte Diskussion sich fast ausschließlich um den Verbleib der hochradioaktiven abgebrannten Brennelemente aus Atomkraftwerken dreht, schlummern  weitgehend unbeachtet riesige Volumina radioaktiver Erblasten an 53 mehr oder weniger gut abgeschirmten Standorten in der Bundesrepublik, stellte Schönberger fest. Darunter befänden sich sieben verseuchte Abraumberge und Schlammdeponien des Uranbergbaus der Wismut in Sachsen und Thüringen sowie zehntausende Tonnen abgereichertes Uran der Anreicherungsanlage in Gronau (Westfalen).

Im Abklingbecken des abgeschalteten Reaktors Isar 1, das außerhalb der Reaktorschutzzone liegt, seien noch 1744 Brennelementen gelagert, so die Referentin. Bis zum Ende der vorgesehenen Laufzeit von Isar 2 im Jahr 2022 werden insgesamt 1670 Tonnen hochradioaktive Brennelemente anfallen, für die eine Endlagerlösung zu suchen sei, nachdem die Betriebsgenehmigung des Atommüll-Zwischenlagers in Niederaichbach im Jahr 2047 auslaufe, erinnerte Schönberger. Nach Schließung der Atomkraftwerke obliege die Lösung dieses Problems der öffentlichen Hand. Da jede radioaktive Strahlung, auch die schwache, gesundheitsgefährdend sei, empfahl die Wissenschaftlerin, die Gefahren wenigstens zu minimieren und im Rahmen der Standortsuche für ein Endlager das vorhandene strahlende Material genau zu erfassen und die Erfahrungen aus den bisher gescheiterten Projekten aufzuarbeiten. Auch hob sie hervor, wie wichtig das Engagement von Bürgern und Initiativen sei, die immer wieder auf das offene Problem Atommüll und dessen Gefahren für Mensch und Umwelt aufmerksam machen.

Im Anschluss an das Referat schloss sich eine rege Diskussion an, die von Kathy Mühlebach-Sturm, der Vorsitzenden der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, geleitet wurde.

16.000 Menschen fordern: Energiewende retten!

Am Samstag, den 30. November 2013 haben in Berlin 16.000 Menschen für die Energiewende demonstriert und gegen den Versuch der Großen Koalition, die Erneuerbaren zu deckeln und so Atom- und Kohlekraftwerken sicheren Absatz zu verschaffen. Auch Mitglieder der BN-Kreisgruppe Landshut beteiligten sich an dieser Demonstration wie unser BN-Mitglied Heinrich Inkoferer mit seinen Fotos aufzeigt.

"Atomausstieg jetzt"

Grafenrheinfeld. Gemeinsam mit rund 2.500 AKW-Gegnern beteiligte sich die BUND Kreisgruppe Landshut an einer Großdemonstration bei Grafenrheinfeld vor der Kulisse des Atomkraftwerkes, welche unter dem Motto "Atomausstieg jetzt" stand. Wir wollen das atomare Restrisiko keinen Tag länger hinnehmen und fordern, dass die Atomkraft sofort abgeschaltet wird. Wir wollen nicht warten, bis Ende 2015 das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) vom Netz genommen werden soll – und bis 2022 schließlich der letzte Atommeiler.

Mit der Demo wurde gleichzeitig auf den baldigen 27. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 hingewiesen. Der BUND Naturschutz fordert einen schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft und die raschere Umsetzung der Energiewende.

Von zwei Richtungen aus sind sie zum Kundgebungsort marschiert: vom Lidl-Markt in Bergrheinfeld durch den Ort über die Brücke in den AKW-Standort sowie vom östlichen Rand Grafenrheinfelds aus.

Der größte Teil der AKW-Gegner kam aus der näheren Umgebung von Grafenrheinfeld. Mit mehreren Bussen waren Atomkraftgegner aus München, Freising, Landshut, Regensburg, dem Bayerischen Wald und anderen Bundesländern angereist.

Mahnwache vor den AKW Isar I + II

Neben 190 zeitgleichen Veranstaltungen in Deutschland beteiligten sich zahlreiche Mitglieder der BUND Naturschutz Kreisgruppe Landshut am 11. März 2013 an einer Mahnwache in Niederaichbach (Ohu) vor den Toren von Isar I + II. Die Samba-Rhythmen von Pan Tao begleiten ca. 300 Gegner der Atomkraft zum Tor 13. Es sprachen: Prof. Dr. Klaus Buchner, Dr. Christian Magerl und Rosi Steinberger. Armin Reiseck unterstützte mit seinen kritischen Liedern (u.a. "Wir sind doch nicht blöd") den Protest.

Gedenken an Fukushima

Gemeinsam mit rund 3.000 Atomkraftgegner erinnerten 20 Landshuter Naturschützer am Samstag, den 9. März 2013 in Günzburg nahe den Atomkraftwerken Grundremmingen an die Reaktorkatastrophe von Fukushima, welche sich vor knapp zwei Jahren in Japan ereignete.

Die Demonstranten forderten, dass das nahe gelegene Kernkraftwerk Gundremmingen so schnell wie möglich abgeschaltet wird, da es sich um baugleiche Reaktoren handelt wie in Fukushima. 

Redner betonten, dass die Katastrophe in Fukushima - wie auch in Tschernobyl, Harrisburg oder Sellafield - alle durch unvorhergesehene Ereignisse verursacht wurden, welche durch das Bedienpersonal nicht mehr beherrscht wurden. Um die Region um Grundremmingen, Bayern und Deutschland vor einem Gau zu schützen, forderten die Teilnehmer die sofortige Abschaltung weiterer AKW`s in Deutschland und forderten ein sofortiges Ende der Produktion von weiterem Atommüll.

Auf dieser zentralen Kundgebung in Bayern warnte der Vorsitzende des Bundes Naturschutzes, Hubert Weiger, vor den Gefahren des Kernkraftwerks Gundremmingen und sprach über die Chancen der Energiewende.

Paul Riederer, stellvertreteder Vorsitzender der BUND Naturschutz Kreisgruppe Landshut, wurde für sein mehr als 30-jähriges Engagement gegen die Atomkraft gewürdigt.

Atomgefahren und Energiewende

Bei der Kundgebung stellten Atomkraftgegner beeindruckend ein „Notfallschutz-Chaos“ nach einem Störfall in einem Atomkraftwerk dar. (Foto: Bernd Binder)
Atomkraftgegner forderten in der Landshuter Altstadt den schnellen Atomausstieg und den Fortbestand des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (Foto: Bernd Binder)

Bündnis für Atomausstieg organisierte Anti-Atom-Kundgebung

Landshut. Das Landshuter Bündnis für Atomausstieg (BüfA) organisierte am Samstag, 24. November 2012, in der Landshuter Altstadt eine Anti-Atom-Kundgebung, an der sich rund 250 Menschen beteiligten. Auf Transparenten forderten sie unter anderem das Ende der Atommüllproduktion durch einen schnellen Atomausstieg. Am Bund-Naturschutz-Stand wurden zahlreiche Unterschriften für den Weiterbestand des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes abgegeben. Begleitet wurde die Veranstaltung von der Sambagruppe "Pan Tao Orchester" mit fetzigen Rhythmen. Eine Schauspielergruppe setzte zusammen mit Atomkraftgegnern eine mögliche Notfallschutz-Situation nach einem Reaktorstörfall eindrucksvoll in Szene. Louis Herrmann vom Bürgerforum gegen Atomkraftwerke und Robert Grashei von der IG Metall waren die Kundgebungsredner. Darüber hinaus wurde das Programm von Armin Reißeck vom Bündnis für Atomausstieg mit Protestliedern bereichert.

Louis Herrmann wies in seinem Statement auf den kürzlich veröffentlichten Stresstest der EU-Kommission hin, der gezeigt habe, dass europäische Atomkraftwerke (AKW) erschreckende Sicherheitsmängel aufweisen. Bei den Tests sei aber nicht einmal die Gefahr eines Terroranschlags oder Flugzeugabsturzes auf ein Atomkraftwerk in die Untersuchungen mit einbezogen worden. Das treffe auch für das AKW Isar 2 zu. Ein erhebliches Risiko bestehe zudem für das bereits abgeschaltete AKW Isar 1 dadurch, dass das Lagerbecken mit den hochradioaktiven Brennelementen sich außerhalb des Sicherheitsbehälters befinde und nur durch eine relativ dünne Decke geschützt ist. Ähnliches gelte für das Dach der Lagerhalle am AKW-Standort Ohu/Niederaichbach, in der der Atommüll aus Isar 1 und 2 gelagert wird, gab Herrmann zu bedenken. Hart ins Gericht ging er mit den kürzlich von Dr. Erwin Fischer, dem Leiter des KKI, geäußerten Aussagen zur Photovoltaik. Diese sei laut Fischer gegenüber der Atomkraft aufgrund ihres energetischen Nutzens und ihrer Umweltrückwirkungen „eher eine Fata Morgana der Nachhaltigkeit“.                  Energetischer Nutzen, Umweltrückwirkung, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung seien aber gerade die herausragenden Vorteile der Erneuerbaren Energien und speziell auch der Photovoltaik, jedoch wahrlich nicht der Atomenergie, stellte Herrmann fest.

Ganz bewusst werde von verschiedenen Seiten das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schlecht geredet und Horrorszenarien über den Anstieg des Strompreises würden verbreitet. Man wolle offensichtlich die Energiewende zu Gunsten des Weiterbetriebs der Atomkraftwerke bremsen, kritisierte Robert Grashei in seiner Rede. Das EEG sei jedoch aktive Industriepolitik, die mittlerweile 300 000 Arbeitsplätze geschaffen habe. Dieses Gesetz sei gut für die Umwelt, für die Arbeitsplätze und die Verbraucher. „Wir schaffen die Energiewende – es bleibt beim Atomausstieg“, betonte Grashei unter großem Beifall der Kundgebungsteilnehmer. Ausbau und Förderung der Erneuerbaren Energien haben zusammen mit effizientem Energieeinsatz und konsequentem Energiesparen absoluten Vorrang. Die Kosten müssen gerecht geteilt werden. Regierung, Wirtschaft und private Verbraucher müssen in einem transparenten und nachvollziehbaren Prozess an der Festlegung und Verteilung der Preise und Umlagen beteiligt werden. Grashei forderte deshalb ein Strompreis-Monitoring.

Mit Windkraft zur Energiewende

Sebastian Bauer, Regierung von Niederbayern, (links) und Dr. Herbert Barthel, Bund Naturschutz, referierten zur Windkraftnutzung

Sebastian Bauer und Dr. Herbert Barthel informierten beim Bund Naturschutz über landschaftsverträgliche Windkraftnutzung  

Im Rahmen ihrer Veranstaltungs- und Informationsreihe „Pfade in eine erfolgreiche Energiewende“ organisierten die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und die Landshuter Energie-Agentur (LEA) eine Informationsveranstaltung über Windkraft und Landschaftsschutz. Dazu konnte der Energie-Fachbeirat der BN-Kreisgruppe, Dr. Herbert Jans, am 11. Dezember 2012 im Gasthof zur „Insel“ in Landshut neben zahlreichen Gästen als Referenten Sebastian Bauer und Dr. Herbert Barthel begrüßen.  

Sebastian Bauer von der Regierung von Niederbayern, zuständig für Raumordnung, Landes- und   Regionalplanung, erklärte zu Beginn, dass Bayern bis 2021 den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch verdoppeln wolle. Derzeit betrage er am Gesamtverbrauch in der Bundesrepublik Deutschland sowie in Bayern 17 Prozent, in Niederbayern bereits 32 Prozent, wobei die Photovoltaik den größten Anteil beitrage. Ziele der Steuerung auf regionaler Ebene seien, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, die  Nutzung der Windkraft auf „gute Standorte“ zu lenken mit möglichst    geringen Beeinträchtigungen für Mensch, Natur und Landschaft. Durch eine Konzentration auf Windparks soll eine „Verspargelung“ der Landschaft verhindert werden. Eine einheitliche Herangehensweise bringe Rechtssicherheit und diene der Verwaltungsvereinfachung. Wichtig bei der Windkraftnutzung seien Wirtschaftlichkeit, Akzeptanz und Raumverträglichkeit, betonte Bauer.  

Ausgehend vom Bayerischen Windatlas mit Gebieten, die in 140 Meter Höhe (Nabenhöhe geeigneter Windkraftanlagen) eine mittlere Windgeschwindigkeit von 5,5 Meter pro Sekunde aufweisen und unter Berücksichtigung der Ausschluss- und Restriktionskriterien wie Siedlungsgebiete, Verkehr und Infrastruktur, Wasserwirtschaft, Natur- und Artenschutz, Landschafts- und Denkmalschutz, Tourismus, Bodenschätze sowie sonstiger Belange sind in der Region Landshut nach intensiven Untersuchungen etwa 0,8 Prozent als  potentielle Vorrang- und  Vorbehaltsgebiete sowie etwa sieben Prozent als unbeplante Gebiete („weiße Flächen“) geeignet. Gemeinden können die im Regionalplan unbeplanten Gebiete durch Flächennutzungsplanungen für die Windkraftnutzung weiter entwickeln. Mit dem Hinweis, dass sich auf Grund neuer Erkenntnisse beziehungsweise Rahmenbedingungen noch Änderungen im Anhörungsverfahren zum Regionalplan ergeben können, beendete Bauer seine Ausführungen.

Dr. Herbert Barthel, Energiereferent des BN in Bayern, stellte zu Beginn seiner Ausführungen klar, dass man neben Energiesparen und Energieeffizienz (Einsparpotential 40 Prozent in den nächsten 20 Jahren) alle Möglichkeiten regenerativer  Energien nutzen müsse,  wobei die Windkraft auf dem Land und gerade auch in Bayern im Hinblick auf eine dezentrale Stromerzeugung eine wichtige Rolle spiele. Der erzeugbare Strom pro Hektar Fläche liege bei Windkraft etwa um den Faktor drei höher verglichen zur Fotovoltaik und sogar um den Faktor 100 höher im Vergleich zur Agrargasverstromung. Windkraftanlagen haben eine gute energetische Amortisationszeit (etwa fünf Monate), sind leicht rückbaubar, haben einen geringen ökologischen Fußabdruck und bedrohen nach vorliegenden Daten keine Populationen von Arten in Deutschland. Barthel verwies auf eine Studie, nach der durch Windkraftanlagen in Deutschland etwa 1000 Vögel, jedoch 10 Millionen im Straßenverkehr oder durch Stromleitungen sterben.

Der Bund Naturschutz fordert, den Windstromanteil in Bayern um mindestens den Faktor zehn zu steigern, das heißt die Anzahl von derzeit etwa 600 meist kleinen Windrädern auf über 2000 bis 2500 große Windräder zu erhöhen. Das seien im Mittel etwa 30 bis 40 Windräder pro Landkreis, betonte Barthel. Dabei seien entsprechende Abstandsflächen zu Tabuzonen wie etwa Nationalparke, Naturschutzgebiete oder ornithologisch relevante Gebiete (Flugkorridore von Zugvögeln, Wiesenbrütergebiete oder Brutstätten gefährdeter Arten) aber auch zu Fledermaus-Populationen sowie natürlich ein ausreichender Abstand von mindestens 800 Metern zur nächsten Wohnbebauung frei zu halten. Würden alle regionalen Potentiale regenerativer Energien konsequent genutzt, sei der gigantische Netzausbau von Norden nach Süden im derzeit diskutierten Umfang gar nicht erforderlich, so Barthel abschließend. Eine rege Diskussion schloss sich den Ausführungen der Referenten an.

Blockheizkraftwerk im Wohnhaus

Gerhard Scholz (links) informierte über den Einsatz von Mikro-Blockheizkraftwerken in Einfamilienhäusern; rechts: Professor Dr. Herbert Jans, BN-Fachbeirat
Gerhard Scholz zeigt ein kleines Modell eines Stirlingmotors. Mikro-BHKW’s werden von einem Stirlingmotor angetrieben.

Gerhard Scholz stellte Einsatzmöglichkeiten, Kosten und Amortisationszeiten von Mikro-BHKW vor

Landshut. Auf sehr großes Interesse stieß der am 27. November 2012 im Kompetenzzentrum der Firma Mann in Landshut gehaltene Vortrag über Blockheizkraftwerke (BHKW) im Wohnhaus, der im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wege in eine erfolgreiche Energiewende“, veranstaltet vom Bund Naturschutz (BN) und der Landshuter Energie-Agentur (LEA), stattfand. So konnte der Energie-Fachbeirat der BN-Kreisgruppe Dr. Herbert Jans mehr als 150 Teilnehmer begrüßen, bevor der Referent Gerhard Scholz, Energieberater und Mitbegründer der LEA, die Einsatzmöglichkeiten, Kosten und Amortisationszeiten so genannter Mikro-BHKW’s aufzeigte.

Am Anfang befasste sich der Referent mit der Energiepreisentwicklung sowie Fragen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Einsatzmöglichkeiten sowie technischen   Voraussetzungen für den Einsatz von KWK. KWK-Anlagen (z. B. Blockheizkraftwerke) gibt es schon seit über 100 Jahren und wurden bis vor wenigen Jahren in erster Linie in der Industrie und in großen Fernwärmenetzen betrieben. Sie sind erst seit dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auch in kleineren Objekten rentabel. Durch die Entwicklung von Mikro-BHKW’s sind sie nun auch in Ein- und Zweifamilienhäusern einsetzbar.

Weitere Vorteile sind: Darlehen und Zuschüsse für Anschaffung und Einbau der   Kreditanstalt für Wiederaufbau (kfw), Zuschüsse von Gasversorgern, Befreiung von der Energiesteuer (0,0055 €/kWh) und die Reduzierung des Primärenergiebedarf eines Gebäudes (wichtig für die Einstufung im Energieausweis). Für jede Kilowattstunde (kWh) erzeugten Strom (egal ob selbst genutzt oder ins Netz eingespeist) gibt es einen Bonus von 5,41 Cent über einen Zeitraum von 10 Jahren so der Referent.

Obwohl BHKW’s mit unterschiedlichen Brennstoffen betrieben werden können, beschränkten sich die weiteren Ausführungen auf Erdgas- oder Flüssiggas betriebene Anlagen. Die technischen Voraussetzungen zum Einsatz von BHKW‘s bei der Gebäudeheizung entsprächen im Wesentlichen denjenigen einer modernen Gasheizung, wobei ein Pufferspeicher (typ. 1.000 Liter) unbedingt erforderlich sei, um ein zu häufiges Ein- bzw. Ausschalten (Taktung) zu verhindern. Hinzu komme die Netzeinspeisung, damit der bei der Wärmeerzeugung produzierte Strom, der nicht gerade selbst verbraucht wird, ins Netz eingespeist werden kann, betonte Scholz. Denn BHKW’s werden Wärme geführt, dass heißt das BHKW läuft nur dann, wenn Wärme gebraucht wird. Der Strom ist ein „Abfallprodukt“. Er wird im Gebäude verbraucht und nur der Überschuss wird ins Netz eingespeist.

Scholz zeigte im Anschluss eine Marktübersicht derzeit verfügbarer Anlagen. Für Einfamilienhäuser besonders geeignet seien Mikro-BHKW’s mit typischerweise 1 kW elektrischer und circa 6 kW thermischer Leistung sowie einer integrierten Gastherme mit 20 kW um den Spitzenbedarf an Wärme decken zu können. Statt eines klassischen Verbrennungsmotors verfügen sie über einen Stirlingmotor, der bereits 1816 von Robert und James Stirling erfunden wurde. Alle BHKWs seien mit einer modernen Regelung erhältlich, die in der Regel das komplette Heizsystem eines Hauses steuern könne, so Scholz.

Bei der Auslegung von BHKWs (welches BHKW passt für mein Haus?) komme es auf den Wärme- und Warmwasserverbrauch (kWh/Jahr) und den Stromverbrauch pro Jahr (kWh/Jahr) an. Weitere Faktoren seinen Nutzergewohnheiten, Besonderheiten des Gebäudes (Schwimmbad, Sauna) und ob Sanierungsarbeiten zur Reduzierung des Energieverbrauchs innerhalb der nächsten zehn Jahre geplant seinen (Verbesserung der thermischen Hülle, solarthermische Anlage, Kachelofen usw.). Die wesentlichen Kriterien für die Wirtschaftlichkeit von Wärme geführten BHKW’s seien: Betriebsstunden pro Jahr, Vergütung für die Stromeinspeisung, der Anteil der Eigenstromnutzung, die Brennstoff-, Investitions- und Wartungskosten, die richtige Dimensionierung des Pufferspeichers sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen, gab Scholz zu bedenken.

In einem anschließenden Beispiel verglich Scholz den Austausch einer bestehenden Ölheizung gegen ein Mikro-BHKW in einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Wohnfläche. Der jährliche Überschuss im Vergleich hänge vom Eigenstromanteil ab und liege bei einem Anteil von 50 Prozent bei circa 1.800 Euro. Dem stünden  jedoch in etwa 15.000 Euro höhere Kosten bei der Installation sowie die höheren laufenden Wartungskosten gegenüber. Im Vergleich zu einer Gastherme reduziere sich der jährliche Überschuss eines BHKWs auf etwa 700 Euro, stellte Scholz fest. Deshalb würden jährlich in der BRD ungefähr 650.000 Heizkessel eingebaut aber nur 4000 BHKW’s.

Ein BHKW, eine Photovoltaik- und eine Solarthermie-Anlage in Kombination seien jedoch der Königsweg in Richtung Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und ein wichtiger Beitrag zur Energiewende und bei weiter steigenden Energiepreisen auch Kostendeckend zu betreiben. „Fragen Sie nicht was es kostet, fragen sie lieber was es bringt. Ein Heizkessel generiere jährlich Kosten, so lange er laufe. Ein BHKW spare jährlich Kosten- bei steigenden Energiepreisen umso mehr“, stellte Scholz  abschließend fest.

Ideen für Erneuerbare Energien geholt

Die japanischen Gäste waren bei ihrem Rundgang mit Bürgermeister Dieter Gewies (2. v. rechts) überrascht von der Vielzahl von Solaranlagen zur Warmwasser- und Stromgewinnung in der Gemeinde Furth

Japanische Delegation auf Exkursion in Furth – Besonderes Interesse am Hackschnitzelheizwerk

Furth. Über die Möglichkeiten erneuerbarer Energien wollte sich am Mittwoch, 23. November, eine japanische Delegation erkundigen, die auf Vermittlung des Bundes Naturschutz die Gemeinde Furth besuchte. In einem längeren Gespräch berichteten die japanischen Gäste zuerst von der Lebenssituation in ihrer Heimat nach dem Atomunglück in Fukushima. Masako Hasginoto aus der Region Fukushima erzählte vom völligen Versagen des Staates nach der Katastrophe, den Manipulationen mit den Grenzwerten und den Unwahrheiten von so genannten Experten.

Von ihrer Arbeit berichtete anschließend Akito Yoshida, die, wie ihre Kollegin, sehr gut deutsch spricht. Sie arbeitet für die Organisation „Freunde der Erde“ in Japan, einer Partnerorganisation des Bundes Naturschutz. Ihr Anliegen ist besonders der Schutz der von der Strahlung betroffenen Bevölkerung. So müsse unbedingt die 20-Kilometer-Sperrzone ausgeweitet werden, da die Belastungen für mindestens zwei Städte mit etwa 600 000 Einwohnern viel zu hoch seien. Die dringendste Forderung der „Friends of the Earth“ in Japan sei deshalb, Kinder und Jugendliche auf jedem Fall in sichere Gebiete zu bringen. Angesichts der Reaktorkatastrophe noch von „Glück im Unglück“ zu sprechen, mute makaber an. In der Tat hätten aber die Folgen noch viel dramatischer ausfallen können. Radioaktive Wolken waren nämlich auch über das nur 250 Kilometer entfernte Tokio gezogen, regneten dort aber nicht ab. Akiho Yoshida berichtete aber auch vom Meinungsumschwung in der japanischen Bevölkerung. Während vor Fukushima die Atomkraftwerke weites gehend akzeptiert waren, möchten jetzt über 60 Prozent der Japaner aus der Atomenergie aussteigen. Als erster Schritt dazu wurde – nach deutschem Vorbild – ein eigenes „Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG)“ erlassen. Es tritt ab 2012 in Kraft.

Schließlich erzählte Kenichi Hasegawa, Bezirksbürgermeister und Milchbauer aus der Region Fukushima von seinem Schicksal. Er musste seinen Hof aufgeben, die Kühe wurden getötet, landwirtschaftliche Produkte dürfen nicht mehr verkauft werden. Mit Leib und Seele sei er Bauer gewesen, jetzt seien ihm und seiner Familie die Lebensgrundlagen entzogen. Er forderte ein Umdenken, den Einsatz erneuerbarer Energien und das Abschalten aller Atomkraftwerke.

Nach seinem Bericht und vor der Besichtigung verschiedener Energieerzeugungsanlgen bei einem Spaziergang durch Furth trug er sich noch in das Gästebuch der Gemeinde Furth ein. Besonderes Interesse fand bei der Delegation das Hackschnitzelheizwerk, das große Teile der Gemeinde umweltfreundlich mit Heizwärme und demnächst auch mit Strom versorgen wird. Diese Weiterentwicklung sei, so Bürgermeister Dieter Gewies, ein neuer Mosaikstein auf dem Weg zu einer Gemeinde mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien. Gerade über dieses 100-Prozent-Ziel diskutierten die Teilnehmer auf deutscher Seite, Kathy Mühlebach-Sturm und Paul Riederer vom Bund Naturschutz Landshut sowie BN-Energieexperte Dr. Herbert Barthel noch ausführlich mit ihren japanischen Gästen. Man war sich dabei einig, dass gerade Japan und Deutschland mit ihrer innovativen und hoch entwickelten Industrie, ihrer demokratischen Staatsform und motivierten Bevölkerung besonders gut in der Lage wären, den Atomausstieg schnell und planvoll schaffen können.

Quelle: Landshuter Zeitung, -bac-, 1. Dezember 2011

Japan auf dem Weg zum Solar-Staat

Eine japanische Delegation aus der Präfektur Fukushima informierte sich bei Ergoldings Bürgermeister Heckner über die Photovoltaik-Technik; v. l. Günter Pogodda, Dr. herbert Barthel, Bgm. Kenichi Hasegawa, Bgm. Josef Heckner, Akiko Yoshika, Masako Hashimoto, Paul Riederer, Kathy Mühlebach-Sturm - Foto: Rebecca Kufer

Bürgermeister aus Fukushima besichtigt Photovoltaikanlage in Ergolding

Ergolding. Ergoldings Bürgermeister Josef Heckner konnte seinen Amtskollegen Kenichi Hasegawa aus dem Bezirk Maeda in Präfektur Fukushima in Japan am Mittwoch, 23. November 2011 in Ergolding begrüßen. Die japanische Delegation, die von den Vertretern der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut – Kathy Mühlebach-Sturm und Paul Riederer und von Dr. Herbert Barthel, Energiereferent Bund Naturschutz Bayern, begleitet wurde, zeigte großes Interesse an der Ergoldinger Photovoltaikanlage, zumal nach der Atomkatastrophe auch in Japan regenerative Energien in Zkunft eine Rolle spielen sollen. Geschäftsleitender Beamter Günther Pogodda erläuterte die technischen Daten, die von Hasegawas Begleiterinnen Masako Hashimoto und Akiko Yoshika eifrig notiert wurden. Danach hat die Anlage eine Gesamtmodulzahl von 7050, eine Leistung von 1304 kWp und liefert einen jährlichen Ertrag von rund 1,2 MWh. Mit dem erzeugten Strom werden 354 Dreipersonenhaushalte mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3500 kWh im Jahr versorgt. Der Markt Ergolding schaffte hierzu das Baurecht im Rahmen der Bauleitplanung innerhalb von etwa vier Monaten. Auch die CO2-Bilanz kann sich sehen lassen. Die jährliche Einsparung an CO2 beläuft sich auf 804 Tonnen. Nachdem die Anlage für mindestens 20 Jahre betrieben werden soll, ergibt sich in diesem Zeitraum eine CO2-Einsparung von etwa 16 000 Tonnen. Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima dokumentiert Bezirksbürgermeister Kenichi Hasegawa die Situation in Fukushima per Video, um der Bevölkerung davon zu berichten.

Der Wohnort Iitate des japanischen Bürgermeisters wurde als geplante Evakuierungszone festgelegt; fast alle Bewohner verließen das Dorf. Hasegawa kehrt täglich in das Dorf zurück. Er ist eine der Wachen, die dort 24 Stunden tätig sind. Während seines Besuches in Deutschland hält er in verschiedenen Orten Vorträge über seine Erfahrungen und den Zustand in Fukushima.

Quelle: Landshuter Zeitung, 26. 11. 2011

„Atomausstieg so wie in Deutschland“

Wollen die Erinnerung an Fukushima aufrecht erhalten und setzen sich für einen schnellen Atomausstieg ein: Kathy Mühlebach-Sturm (BN), Masako Hashimoto, Kenichi Hasegawa und Akiko Yoshida aus Japan sowie Dr. Herbert Barthel und Paul Riederer, ebenfalls vom Bund Naturschutz - Foto: LZ Veronika Maucher

Delegation aus Japan berichtete beim Bund Naturschutz über Fukushima- Katastrophe

Landshut. „Atomausstieg so schnell wie möglich“ – diese Forderung hat der Bund Naturschutz am Mittwoch, 23. November, bei einem Pressegespräch im Gasthaus zur Insel mit den Berichten einer Delegation aus Fukushima unterstrichen. Masako Hashimoto und Kenichi Hasegawa gehören zu den Menschen, die durch die Atom-Katastrophe im März alles verloren haben. Mit ihnen unterwegs ist Akiko Yoshida von Friends of the Earth (FoE), einer japanischen Umweltorganisation, die sich dort für den Atomausstieg einsetzt. Die drei Japaner weilten auf Einladung des Bundes Naturschutz in Landshut.

Hashimoto lebte mit ihrem Mann und der heute 13-jährigen Tochter rund 15 Jahre in der Präfektur Fukushima. Erst vor drei Jahren hatten sie begonnen, ein neues Haus zu bauen – aus Holz und möglichst umweltfreundlich. „Wir konnten nicht einmal zwei Jahre darin wohnen“, sagt Hashimoto. Trotz des Unfalls mussten sie zunächst aber bleiben, da die Schulen schon Anfang April den regulären Betrieb wieder aufnahmen. Um das trotz der Strahlung zu ermöglichen, wurde der Grenzwert der erlaubten Strahlenbelastung für die Bevölkerung um das Zwanzigfache hochgesetzt, sagt Hashimoto. Obwohl später auf den Protest der Eltern hin in der gesamten Region Schulen geschlossen wurden, haben von 330 000 Kindern bis heute gerade mal 16 000 das verstrahlte Gebiet verlassen.

Auch Hasegawa hat durch den Gau alles verloren. Fukushima ist eine Agrarregion, er selbst war Milch-Bauer. Er musste seine Kühe schlachten, sein Land ist  verseucht, seine Familie in Japan verstreut. Wo er lebt, betrug die Strahlenbelastung im März das Hundertfache dessen, was in Deutschland erlaubt ist. „Und das Schlimme ist, dass Japan derzeit die Wiederinbetriebnahme mehrerer alter AKW diskutiert, ja sogar Atomenergie exportieren will.“ Diese Haltung ist für ihn und Hashimoto völlig unverständlich – genauso wie für Yoshida, die sich mit FoE intensiv für den Ausstieg aus der Atomkraft, mehr Entschädigung für die Opfer des Atomunfalls und eine Herabsetzung der Grenzwerte für Evakuierung einsetzt. Bisher bekommen nur Bewohner in 20 Kilometern Umkreis des Reaktors Entschädigungen bezahlt. Menschen wie Hashimoto und Hasegawa, die circa 50 Kilometer entfernt wohnen, bekommen nichts, obwohl sie dort nicht mehr leben können.

Die drei Japaner sind sich einig: „Besonders am Herzen liegen uns aber die Kinder.“ Für sie und für Schwangere müssten die Grenzwerte unbedingt so weit es geht herabgesetzt werden. Und das wichtigste Ziel: „Wir möchten einen Atomausstieg, genauso wie Deutschland ihn beschlossen hat“, sagte Yoshida. Auch in Deutschland müsse der Atomausstieg weiter verfolgt werden, sagte Kathy Mühlebach-Sturm, Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. Sie, ihr Stellvertreter Paul Riederer und Dr. Herbert Barthel, BN-Referent für Energie und Klimaschutz, sind sich einig: „Wenn man nicht weiterhin darüber wacht, gerät das alles wieder in Vergessenheit.“ Bereits werde das in Japan Geschehene verharmlost. „Auch wir in Landshut sind vor einer solchen Katastrophe nicht so sicher, wie wir meinen“, sagte Mühlebach-Sturm. Man bedenke nur, was passieren könnte, wenn ein Flugzeug in das Atomkraftwerk in Ohu stürze.

Japan soll indes durch eine weltweite Petition unterstützt werden: Zehn Millionen Unterschriften für den Atomausstieg werden gesammelt, um sie Japans Premier zu überreichen. Für Hasegawa und Hashimoto ein guter Anfang, aber nur ein schwacher Trost. „Ich möchte gerne wieder heim“, sagte Hasegawa, „Aber wie soll das möglich sein – ohne Beruf, ohne Familie und in einem Dorf ohne Kinder und Jugend?“

(Quelle: Landshuter Zeitung, Veronika Maucher, 28. 11. 2011)

Erlebnisberichte in der VHS

Am Mittwochabend (23. November) berichteten die drei japanischen Gäste auch im großen Vortragssaal der Volkshochschule Landshut bei einer öffentlichen Veranstaltung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe vor rund 100 Zuhörern eindrucksvoll über die schrecklichen Auswirkungen der Reaktorkatastrophe in Fukushima auf ihr Leben und ihre Heimat. Auch informierten sie über den nach dem Reaktorunfall auch in Japan wachsenden Widerstand gegen die Atomkraft. So fanden in letzter Zeit in japanischen Städten Demonstrationen mit jeweils großer Teilnehmerzahl statt, auf denen der Ausstieg aus der Atomkraft gefordert wurde. Allein in Tokio nahmen über 60000 Menschen an einer Demonstration und Kundgebung teil, auf der BN- und BUND-Vorsitzender Professor Dr. Hubert Weiger als einziger nicht japanischer Redner auftrat und viel Beifall für seine Worte bekam.

Bund Naturschutz bei Anti-Atomkraft-Demo in Landshut

Sebastian Schönauer (links) und Paul Riederer (rechts) vertraten den Bund Naturschutz als Redner bei der Kundgebung; in der Mitte: Jürgen Buchner (Haindling)

Bei der Groß-Demo gegen die Atomkraft am 28. Mai 2011 in der Landshuter Altstadt vertraten stellvertretender Landesvorsitzender Sebastian Schönauer und stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer als Redner den Bund Naturschutz in Bayern beziehungsweise die BN-Kreisgruppe Landshut. Paul Riederer erinnerte daran, dass schon seit Mitte der 70-ger Jahre in Landshut die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe in der Anti-Atom-Bewegung aktiv ist. Der BN hat schon sowohl gegen den Bau von Isar 1 als auch von Isar 2 gekämpft. Ab dem Jahre 1980 bekam der BN große Unterstützung vom Landshuter Bürgerforum gegen Atomkraftwerke. Schon 1977 habe der BN auf die katastrophalen Auswirkungen eines Flugzeugabsturzes auf Isar 1 hingewiesen. Ist doch das Lagerbecken für die  abgebrannten, aber nach wie vor hochradioaktiven Brennelemente oberhalb des Sicherheitsbehälters installiert, also gewissermaßen auf dem Dachboden des Reaktorgebäudes. Ein Flugzeugabsturz oder ein terroristischer Anschlag hätte die Freisetzung radioaktiver Stoffe über weite Teile unserer Heimat zur Folge. Das habe auch der Unfall in Fukushima gezeigt: Hier wurden die Brennelementelagerbecken beschädigt. Radioaktive Stoffe gelangen ins Freie und machen das Land in einem weiten Umkreis unbewohnbar, stellte Riederer fest.

Aus einer Reklamebroschüre zu Isar 1 vom Jahr 1979 zitierte Riederer: „Die Absturzwahrscheinlichkeit von Flugzeugen über dem Kernkraftwerk ist gering, da es weder in Einflugschneisen noch in der Nähe von Militär- und Zivilflughäfen liegt.“   Außerdem wurde von den Betreibern damals behauptet, dass das  Reaktorgebäude gegen den Absturz eines Starfighters geschützt sei. Der Starfighter war zu dieser Zeit der modernste Kampfjet. Beide Aussagen, so Riederer, haben schon lange keine Gültigkeit mehr, denn Isar 1 liegt in einer Einflugschneise, in der Einflugschneise des Münchner Großflughafens, und der Starfighter fliegt seit 1991 nicht mehr.  Inzwischen gibt es wesentlich schwerere und schnellere Militärmaschinen, wie beispielsweise den Tornado. Täglich fliegen viele Großflugzeuge in Richtung Großflughafen über Isar 1 und Isar 2  hinweg. Und gegen diese Flugzeuge ist weder Isar 1 noch Isar 2 geschützt – das stellte auch die Reaktorsicherheitskommission in ihrem jüngsten Bericht fest,  betonte Riederer.

Eine weitere große atomare Gefahrenquelle, das sogenannte Brennelementezwischenlager auf dem Reaktorgelände in Niederaichbach, sprach Riederer auch an. In einer einfachen Halle, die ebenfalls nicht gegen einen Flugzeugabsturz gesichert ist, sind bereits 22 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll abgestellt. Platz ist für 152 Castoren! Das Zwischenlager wiederum liegt in der Nähe zu einem Nachttiefflugkorridor der Bundeswehr.

Unter großem Beifall von mehreren Tausend Demoteilnehmern forderte Riederer: Das abgeschaltete Atomkraftwerk Isar 1 muss für immer abgeschaltet bleiben, und die Stilllegung von Isar 2 und den weiteren Atomkraftwerken in Bayern und Deutschland muss sofort beginnen. Die Atommüll-Produktion muss endlich beendet werden! Es ist moralisch nicht verantwortbar, nachfolgende Generationen mit den hochgiftigen radioaktiven Abfällen über Tausende von Jahren zu belasten!

Größte Anti-Atom-Demonstration Deutschlands

Kathy Mühlebach-Sturm, 1. Vorsitzende der Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut bei ihrer Ansprache in München am 26. März 2011 (Foto: Flickr)

Am 26. März gingen im mehreren deutschen Großstädten rund 250.000 Menschen gegen die Atomkraft auf die Straße - es waren die größten Anti-Atom-Proteste, die es in Deutschland bislang gegeben hat. In München forderten circa 40.000 Menschen, die AKW abzuschalten. Die Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut beteiligte sich mit vielen Aktiven an der Anti-Atomdemonstration in München.

Unter dem Motto "Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten" protestierten die Menschen zeitgleich in Berlin, Hamburg, Köln und München. Um 14.15 Uhr gedachten die Teilnehmer mit einer Schweigeminute der Opfer von Erdbeben und Tsunami in Japan.

In München war die Stimmung trotz schlechten Wetters mit starkem Regen bestens. Immer wieder riefen die Demonstranten: "Abschalten! Abschalten!". Die Menschen waren aus ganz Bayern nach München gekommen, um klarzumachen, dass endlich Schluss sein muss mit der gefährlichen Atomkraft. Vor 40.000 Zuhörern forderte Kathy Mühlebach-Sturm, 1. Vorsitzende der BN Kreisgruppe Landshut, die Bundes- und Bayer. Landesregierung zum Umdenken in der Energiepolitik und zur sofortigen Stilllegung des Atommeilers ISAR 1 auf.

Ein Fotostream von der Anti-Atom-Demonstration ist zu sehen unter http://www.flickr.com/photos/anti-atom-demo/page3/

Konsequenzen ziehen - AKW abschalten

Als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan fordert der Bund Naturschutz den Sofortausstieg aus der unverantwortbaren Atomenergie. „Neben der Sofortabschaltung von alten Atommeilern aus den siebziger Jahren wie Isar 1 bei Landshut, Grafenrheinfeld oder Gundremmingen müssen spätestens in zwei Jahren alle deutschen Atomkraftwerke stillgelegt sein“, fordert der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger.

Bundesregierung und der Staatsregierung müssen Initiativen starten für drastische Energieeinspargesetze, eine Abwrackprämie für Strom fressende Elektrogeräte, die Fortführung der ökologischen Steuerreform mit Kappung der Ausnahmen für bestimmte Industriebranchen und den massiven Ausbau der Stromerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung und Blockheizkraftwerken.

ISAR 1 für immer abschalten - Landshuter Zeitung vom 16.3.2011

Mahnwache Plattling 14. März 2011

Foto: Baumann

Mulmiges Gefühl in der AKW-Nachbarschaft

Paul Riederer vor dem AKW Isar 1

Essenbach - Am Montag wird es vor dem Kernkraftwerk Isar I wieder Proteste von Atomkraftgegnerngeben. Die Gefahr sitzt den Anwohnern im Nacken.

Paul Riederer macht vor allem der alte Reaktor Isar I Sorgen Jeden Montag versammelt sich ein kleines Häuflein von 150 bis 300 Atomkraftgegnern vor dem Tor 13 desbetagten Kernkraftwerkes Isar I, das seit 1977 Strom liefert. Dahinter speit der mächtige Kühlturm des elf Jahrejüngeren Reaktors Isar II eine mächtige Dampfsäule in den Himmel. „Diesen Montag werden wir sicher vielmehr sein“, hofft Paul Riederer (81). „Die Reaktorkatastrophe von Fukushima ist ein Menetekel. Ich hoffe, dasshier die Leute aufgerüttelt werden.“Sorgen bereitet Riederer vor allem das alte Kraftwerk, ein Siedewasser-Reaktor wie in Fukushima: „Wenn hierein Flugzeug draufstürzt, dann ist die Hölle los. Isar II ist zwar ein bisschen besser geschützt. Aber was ist beieinem Sabotageakt oder einem Terrorangriff?“

Neben dem Reaktorgebäude von Isar I befindet sich eine unscheinbare Halle, doch die hat es laut Riederer insich: „Das ist ein Lager für 152 Castor-Behälter. In einem befindet sich so viel radioaktives Material, wie inTschernobyl freigesetzt worden ist. Der Betrieb ist für 40 Jahre genehmigt, aber es gibt nirgends auf der Weltein Endlager. Man stelle sich vor, die alten Ägypter hätten Kernkraftwerke gehabt, man müsste noch heute auf den radioaktiven Müll aufpassen!“

In Niederaichbach und Essenbach sagen nur wenige ihre Meinung. Viele arbeiten im Kraftwerk, sie haben sichan die Dampfschwaden gewöhnt, die ihnen oft die Sonne nehmen. „Wir verdienen unser Geld damit“, sagt Peter Reißner, Chef der Gaststätte Kirchenwirt. Das Unglück von Japan stimmt ihn nachdenklich: „Wenn es eine vernünftige Alternative gäbe, wäre ich fürs Abschalten.“Wenn Lydia Wolf (62) aus ihrem Fenster schaut, sieht sie beide Reaktoren. „Man braucht ja den Strom. Aber mir wäre wohler, wenn ich die nicht vor der Nase hätte“, sagt sie. „Ich hoffe doch, dass unsere Atomkraftwerke sicherer sind als die in Japan.“„Die Diskussion wird noch heiß werden aufgrund der Geschehnisse in Japan.“ Die Eheleute Alois und AnnaBummer (beide 47) hoffen darauf, dass zumindest Isar I rasch abgeschaltet wird: „Das ganze Maschinenhaus ist kontaminiert“, sagt Alois Bummer. „Man muss alles versuchen, dass man so rasch wie möglich von derKernenergie wegkommt. Aber die Stromkonzerne bemühen sich noch, den Stromverbrauch zu fördern.,

Quelle: http://www.tz-online.de/aktuelles/bayern/mulmiges-gefuehl-akw-nachbarschaft-1159372.html vom 14.03.2011

Count Down für Isar 1

Der Bund Naturschutz jetzt sich mit allen Mitgliedern aktiv für die Abschaltung der Atomkraftwerke gemäß dem politischen Konsens von 2002 ein. Eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, wie sie von der derzeitigen Bundesregierung angestrebt wird, lehnt der Bund Naturschutz ab.

Da insbesonders bei Siedewasserreaktoren der Baureihe 69 (u. a. ISAR 1) erhebliche Sicherheitsrisiken bestehen, fordert der Bund Naturschutz die Abschaltung dieser Kraftwerke zum ursprünglich vereinbarten Termin.

Die BN Kreisgruppe Landshut unterstützt daher die Initiative "Cont Down für Isar 1".

Nachfolgend eine Auswahl von Bildern der Demonstration von 18. November 2010 in Landshut:

 

Anti-Atom-Demo in München am 9. Okt. 2010

Bis zu 50.000 Menschen - darunter viele BürgerInnen aus Stadt und Landkreis Landshut - bildeten am 9. Oktober auf einer Länge von zehn Kilometern eine Menschenkette quer durch die Münchner Innenstadt. Damit ist die Protestaktion für den Atomausstieg und für Erneuerbare Energien die größte Anti-Atom-Demo in Bayern seit Wackersdorf Mitte der 80er Jahre.

Die zehn Kilometer lange Menschenkette reichte von der CSU-Parteizentrale im Westen der Stadt über die e.on-Zentrale bis zum Umweltministerium im Osten Münchens und war oft mehrere Reihen stark. Die Menschen waren mit Sonderzügen und -bussen aus ganz Bayern angereist, auch aus Österreich kamen viele Bürger, die sich gegen die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke wandten.

Die Aktion startete am Mittag an den drei Sammelpunkten Staatskanzlei, Königsplatz und Prinzregentenplatz. Anschließend reihten sich die mehreren Zehntausend Bürger zur Menschenkette aneinander. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Odeonsplatz sprach als Hauptredner der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) und Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hubert Weiger. Die Menschen seien enttäuscht, erklärte Weiger, dass sie sich in den Gräben der 80er Jahre pro oder contra Atomenergie wiederfänden – obwohl längst klar sei, dass wir die Atomkraft nicht brauchten. Eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten bedeute mehr Risiken, mehr Giftmüll und weniger erneuerbare Energien. Mit der Atomkraft müsse jetzt Schluss sein, forderte Weiger.

„Müssen viele Jahre mit dem atomaren Risiko leben“

Bund-Naturschutz-Kreisgruppe gegen Laufzeitverlängerung von Isar 1

Der Bund Naturschutz (BN) kritisiert die Beschlüsse der schwarz-gelben Bundesregierung zur Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Diese Beschlüsse seien ein trauriges Dokument für die Abhängigkeit dieser Regierung von den Gewinninteressen einiger weniger Atomkonzerne zu Lasten zukunftsfähiger regionaler und mittelständischer Unternehmen im Energiebereich sowie auch selbständiger Stadtwerke, stellt Kathy Mühlebach-Sturm, die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, fest. Noch nie habe sich eine Bundesregierung so den Interessen einer bestimmten Branche der Wirtschaft unterworfen. Die Entscheidung, Atommeiler im Durchschnitt zwölf Jahre länger laufen zu lassen als bisher vorgesehen, sei ein Milliardengeschäft für die vier großen Energieunternehmen, die 80 Prozent des deutschen Strommarktes beherrschen. Die Mehrheit der Bevölkerung lehne die Atomenergie ab. Das werde sich auch nicht ändern, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Politiker von CDU/CSU und FDP jetzt versuchen, ihre fragwürdigen energiepolitischen Entscheidungen vom Wochenende schön zu reden, so Mühlebach-Sturm.


Nachdem sogar für die älteren Atommeiler, wie Isar 1, eine Verlängerung der Laufzeit von acht Jahren vorgesehen sei und dafür nicht einmal mehr eine Nachrüstung verlangt werde, hätten die Betreiber einen hohen finanziellen Profit, die Bevölkerung müßte jedoch über Jahre hinaus mit dem atomaren Risiko leben, betont stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer. Die Verlängerung der AKW-Laufzeiten bedeute nicht nur mehr Risiko, sondern auch immer noch mehr Atommüll, der tausende nachfolgende Generationen belasten wird. Dieses Problem sei in Berlin genauso wenig ein Thema gewesen wie die Bauweise der alten Atomkraftwerke. Es sei kein Geheimniss, dass das Reaktorgebäude von Isar 1 weder gegen einen Absturz einer Militärmaschine noch schon gar nicht gegen den Absturz eines Verkehrsflugzeugs geschützt ist. Beim Absturz eines Flugzeugs auf Isar 1 komme es zur katastrophalen Freisetzung radioaktiver Stoffe. Ebenso wenig sei das Atommüllzwischenlager auf dem Werksgelände gegen Einwirkungen von außen geschützt, gibt Riederer zu bedenken.


Der Bund Naturschutz werde mit seinem Widerstand gegen die Atomkraft nicht nachlassen und ruft zur Beteiligung an den Großdemonstrationen am 18. September in Berlin und am 9. Oktober in München gegen die längeren Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke, insbesondere von Isar 1, auf. Jeden Montag findet in Ohu vor Isar 1 und 2 eine Mahnwache statt. Treffen ist jeweils um 18 Uhr beim Rathaus in Niederaichbach, gegenüber der Kirche.

KettenreAktion: BN-Kreisgruppe-Landshut fordert "Atomkraft abschalten!"

Mit einer 120 Kilometer langen Aktions- und Menschenkette vom AKW Krümmel quer durch Hamburg bis zum AKW Brunsbüttel demonstrierten am Samstag, den 24. April 2010 BN-Aktive der Kreisgruppe Landshut gemeinsam mit über 120.000 Menschen gegen die geplante Verlängerung der Atomlaufzeiten.

Landshuter BN-Aktive bei der KettenreAktion am 24. April 2010 in Elmshorn

"Atomkraft abschalten . . . Klimaschutz einschalten"

Niederbayerische Naturschützer, darunter auch aus Stadt und Landkreis Landshut, demonstrieren mit einer „Super-Steckerleiste“ für einen schnellen Atomausstieg

Mit einem großen Modell einer Steckerleiste mit Kippschalter demonstrierten Naturschützer – auch von der BN-Kreisgruppe Landshut – am 9. Februar in Plattling beim Halbjahrestreffen der niederbayerischen Kreis- und Ortsgruppen des Bundes Naturschutz (BN), wie es möglich ist, sowohl den Atomausstieg als auch den Klimaschutz voranzubringen.

„Standby ausschalten“ heißt Atomkraft abschalten und den Klimaschutz einschalten. Das sei in jedem Haushalt schnell umsetzbar, stellte BN-Landesvorsitzender Professor Dr. Hubert Weiger fest. Immerhin laufen von den 17 gefährlichen Atommeilern allein in Deutschland zwei ausschließlich wegen des unnötigen Standby-Betriebes von Fernsehern, HiFi-Anlagen, DVD-Playern und anderen Haushaltsgeräten. In Bayern seien allein fünf Atomkraftwerke in Betrieb, unter ihnen der Altreaktor Isar 1. Kein Mensch wisse, wo der Atommüll für mindestens eine Million Jahre sicher gelagert werden kann. Derzeit werde die hochradioaktive Hinterlassenschaft auf dem Reaktorgelände in einer einfachen Halle gelagert, so auch in Ohu bei Landshut. Die Atommüllproduktion müsse in Verantwortung vieler nachfolgender Generationen gegenüber sofort beendet werden. Die Atomkraft stehe aber auch dem Ausbau der alternativen Energien und dem Marktzugang von Solarstrom und Windkraft entgegen und hemme somit maßgeblich den Klimaschutz. Auch mit ein Grund, das AKW Isar 1 sofort, spätestens aber wie beschlossen im Jahr 2011, abzuschalten, betonte Kathy Mühlebach-Sturm, die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Landshut.

Die niederbayerischen Naturschützer appellieren an die umweltbewussten Verbraucher, den Atomausstieg und den Klimaschutz selber in die Hand zu nehmen. Mit einer einfachen Steckerleiste mit Kippschalter ab fünf Euro aus jedem Elektroladen ließen sich die Geräte nach der Nutzung vollständig abschalten und damit Geld und Atomstrom sparen.

Konsequenzen aus Tschernobyl

Bund Naturschutz fordert Ende der Atommüllproduktion

Am 26. April 1986 zerreißt um 1.23 Uhr eine gewaltige Explosion den Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Eine große Menge an Radioaktivität wurde durch die Reaktorkatastrophe freigesetzt. Tausende Menschen sind bis heute durch die Auswirkungen des Unfalls in der Ukraine und Weißrussland gestorben. Tausende – insbesondere Kinder – erkrankten an Krebs. Der radioaktive Staub wurde vom Wind aber auch über weite Gebiete Europas verteilt. Noch heute seien die Folgen in Bayern zu spüren: Wildfleisch und Pilze sind in manchen Regionen noch hoch radioaktiv belastet. Darauf weist der Bund Naturschutz (BN) in einer Pressemitteilung anlässlich des Atomunfalls in der Ukraine vor 23 Jahren hin.

Dass ein atomarer Unfall auch in Deutschland stattfinden kann, sei keinesfalls unwahrscheinlich, betont Kathy Mühlebach-Sturm, die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Landshut. Berichtet doch die „Risikostudie Kernkraftwerke“ der Bundesregierung von 14000 Soforttoten und Hunderttausenden so genannter Langzeittoten bei einer nicht auszuschließenden Reaktorkatastrophe. Der Schadensumfang würde mehr als 5000 Milliarden Euro betragen. Diese Summe werde von keiner Haftpflichtversicherung abgedeckt. Die Risikostudie gebe nur die Wahrscheinlichkeit einer Reaktorkatastrophe an, über deren Eintrittsdatum mache sie keine Aussage. Ein  Reaktorunfall könne schon morgen passieren, gibt Mühlebach-Sturm am Tchernobyl-Gedenktag zu bedenken.  

Für den Bund Naturschutz sei es völlig unverantwortlich, den beschlossenen Atomausstieg wieder rückgängig zu machen und den Atommüllberg durch Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke weiter wachsen zu lassen, obwohl die Entsorgung des hochgiftigen Atommülls völlig ungelöst sei. Das Atommüll-Zwischenlager in Niederaichbach würde damit als „provisorisches Endlager“ weiter bestehen, betont stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer. Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke blockiere auch den Ausbau der Erneuerbaren Energien und unterlaufe die Bemühungen, den Energieverbrauch effektiver zu gestalten. Damit würden auch Hunderttausende  zukunftsträchtige Arbeitsplätze gefährdet, die Deutschland als Vorreiter bei den modernen Energietechnologien bieten könnte, meint Riederer. Als Konsequenz aus Tschernobyl und insbesondere aus Gründen der moralischen Verantwortung gegenüber den vielen nachfolgenden Generationen, die die enorme Last der Atommüllendlagerung über viele tausend Jahre zu tragen haben, fordert der Bund Naturschutz das Ende der Atommüllproduktion.

Atomenergie - Veto gegen Temelin

Foto: atomstopp-oberösterreich

Im Vorverfahren zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zum Ausbau des tschechischen Atomkraftwerks Temelin um zwei weitere Reaktorblöcke hat die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) Einwendungen erhoben. In ihrem Brief an den tschechischen Umweltminister begründen die Naturschützer die Möglichkeit, am grenzüberschreitenden UVP-Verfahren teilnehmen zu können, da schließlich die Auswirkungen eines Atomunfalls grenzüberschreitend seien. Das von zahlreichen Pannen begleitete Atomkraftwerk Temelin mit derzeit zwei im Betrieb befindlichen Reaktorblöcken ist nur 170 Kilometer von Landshut entfernt. Die „Bekanntmachung des Vorhabens“ durch das tschechische Elektrizitätsunternehmen CEZ ist aus Sicht des Bundes Naturschutz, der den Bau weiterer Reaktoren ablehnt, nicht ausreichend. >> mehr

Kinderkrebsrisiko um Atomkraftwerke

Karin Wurzbacher stellte bei der von Dr. Wilfried Attenberger organisierten BN-Veranstaltung die KIKK-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz vor

Karin Wurzbacher informierte über Studie zum Krebsrisiko für Kinder in Reaktornähe

Bei einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Bundes Naturschutz im Gasthof „Zur Insel, stellte Karin Wurzbacher vom Umweltinstitut München die Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) über Kinderkrebs in der Umgebung von Atomkraftwerken (KIKK-Studie) vor. Die Diplom-Physikerin beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Auswirkungen von Radioaktivität auf den Menschen. Sie wurde deshalb vom Bundesamt für Strahlenschutz in das Expertengremium berufen, das die KIKK-Studie wissenschaftlich begleitete. Als Veranstaltungsleiter führte Diplom-Physiker Dr. Wilfried Attenberger, Fachbeirat der BN-Kreisgruppe Landshut, vor zahlreichen Zuhörern in das Vortragsthema ein.

Zuerst erinnerte Karin Wurzbacher an Vorgängerstudien in mehreren Ländern, die alle ein signifikant erhöhtes Krebsrisiko für Kleinkinder, die in der Umgebung von Kernkraftwerken wohnen, gezeigt hatten. Dies habe das Bundesamt für Strahlenschutz bewogen, die KIKK-Studie, die weltweit aufwändigste und genaueste Untersuchung zu diesem Thema, in Auftrag zu geben. Beauftragt war das Kinderkrebsregister in Mainz. Das Ergebnis dieser Studie sei leider ernüchternd, so Wurzbacher. Die Studie beweise, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Kind an Leukämie oder Krebs zu erkranken, um so höher sei, je geringer der Abstand seines Wohnortes von einem in Betrieb befindlichen Atomkraftwerk ist. Im Nahbereich bis fünf Kilometer verdopple sich das Leukämierisiko. Auch außerhalb der fünf Kilometerzone sei das Risiko im Untersuchungsgebiet erhöht. Dieser Effekt sei bei Standorten mit alten Siedewasserreaktoren, wie beispielsweise Isar 1 in Ohu, stärker ausgeprägt als bei Standorten mit neueren Druckwasserreaktoren (Grafenrheinfeld).

Die gesetzlichen Grenzwerte für Radioaktivität seien in der Umgebung der Atomkraftwerke nicht überschritten worden, gab die Referentin zu verstehen. Dies sorge bei Fachleuten für die Diskussion, ob die Grenzwerte überdacht werden müssen. Zum einen gehen die Schädigungsmodelle auf Untersuchungen in Hiroschima und Nagasaki zurück, die aber nur für Erwachsene gelten und erst ab etwa dem Jahr 1950 begonnen wurden. Effekte einer dauerhaften Belastung mit einer niedrigen Dosis seien hierbei nicht erfasst. Zum anderen basieren die Modelle auf einer direkten Strahleneinwirkung von außen und betrachten nicht die Aufnahme von radioaktiven Isotopen wie Tritium in den Körper, zum Beispiel durch Nahrungsaufnahme oder Einatmen. Neue Untersuchungen zeigen, dass unser Wissen über die Reaktion von Körperzellen auf radioaktive Strahlung bei geringen Dosen unvollständig sei, meinte abschließend die Physikerin.

Dem Referat schloss sich unter der Leitung von Dr. Attenberger eine rege, sachliche Diskussion an. Insbesondere wurde die Forderung nach einer schnellen Abschaltung der älteren Reaktoren laut.