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Wildbienen aus dem Mittelmeergebiet

Bund-Naturschutz-Exkursion zu Lebensräumen von Wildbienen und Schmetterlingen

Wildbienenkundler Erwin Scheuchl (3. v. r.) und Tagfalterexperte Wolfgang Willner (6. v. r.) informierten über das Vorkommen und Leben der Wildbienen und Schmetterlinge

Auch die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana), die Wildbiene des Jahres 2017, war bei der Exkursion zu sehen - Fotos: Selmansberger

03.08.2017

Landshut. Die diesjährige insektenkundliche Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe führte in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“, bei der Tagfalterspezialist Wolfgang Willner und Wildbienenkundler Erwin Scheuchl den Teilnehmern die spannende Lebensweise dieser Insektengruppen nahebrachten. Gleich am Treffpunkt wurden die dort vor einigen Jahren aufgestellten Nisthilfen, bestehend aus mit Bohrungen versehenen Baumscheiben, inspiziert. Zahlreiche Bohrlöcher waren von Wildbienen und Grabwespen mit Lehm verschlossen worden, um die dahinter befindlichen Brutzellen vor Parasiten und Fressfeinden zu schützen. In den Brutzellen entwickeln sich die Nachkommen dieser Insekten vom Ei über Larve und Puppe zum fertigen Insekt. Da einige der Teilnehmer sich beklagten, dass sie in ihrem Garten Nisthilfen aufgestellt hätten, diese aber nicht besiedelt würden, erläuterte Scheuchl die Faktoren, die für den Bau von funktionstüchtigen Nisthilfen wichtig sind. Im Handel erhältliche Nisthilfen würden häufig aus ungeeigneten Materialien und ohne jegliche Kenntnis der Biologie der „Mieter“ gefertigt, so dass der Frust oft vorprogrammiert sei. Das Faltblatt „BN-Ökotipp Wildbienen“ helfe hier weiter, so Scheuchl.

Einen der häufigsten Falter im Gebiet, den Braunen Waldvoge,l konnten die Exkursionsteilnehmer beobachten. Auch auf Schachbrettfalter, Kleinen Kohlweißling, Admiral und das Große Ochsenauge machte Schmetterlingsexperte Wolfgang Willner aufmerksam. Sehr viel seltener waren der Hauhechel-Bläuling oder der Zitronenfalter zu finden. An den für Wildbienen aufbereiteten Offenbodenbereichen war eine Besonderheit in größerer Anzahl zu entdecken, der Deutsche Sandlaufkäfer, eine Rarität der heimischen Laufkäfer, die im Naturschutzgebiet direkt von den Biotopverbesserungsmaßnahmen für Wildbienen profitieren. Neben der intensiven Landbewirtschaftung führe auch die warme und trockene Witterung im Zuge des Klimawandels gebietsweise zu vielen, zum großen Teil negativen Veränderungen im Auftreten von Schmetterlingen und deren Nahrungsgrundlagen, den Pflanzen, gab Willner zu bedenken.

Im weiteren Verlauf der Exkursion konnten etliche Wildbienenarten gesichtet werden, viele von ihnen extreme Spezialisten, wie die Knautien-Sandbiene, deren einzige Nahrungsgrundlage der Pollen von Knautien und Skabiosen ist, oder die Glockenblumen-Scherenbiene, die ausschließlich auf Glockenblumen sammelt. Einen der Gründe für den extremen Rückgang der heimischen Artenvielfalt konnten die Teilnehmer sozusagen am Wegrand beobachten: Wo vor einigen Jahren noch blütenreiche Säume standen, war nun fast alles von Gras überwuchert und nur wenige Blüten waren zu sehen. Selbst in Naturschutzgebieten, die wie der ehemalige Standortübungsplatz optimal gepflegt werden, bewirke der starke Stickstoffeintrag aus der Luft eine fortschreitende Überdüngung des Bodens, so dass am Ende nur noch stickstoffliebende Pflanzen wie Gräser überleben können. Artenreiche Lebensgesellschaften brauchen jedoch nährstoffarme Böden, so Erwin Scheuchl.

Gegen Ende der Exkursion führten die Referenten die Teilnehmer zu einem ganz besonderen Areal: Hier hat sich die erst seit 2009 in Bayern aufgetauchte Langlebige Schmalbiene angesiedelt. Anders als die meisten anderen Wildbienen lebt sie in Staaten, aber im Gegensatz zu den anderen sozialen Wildbienen, deren Nestgemeinschaft nur ein Jahr lang existiert, wird die Königin der Langlebigen Schmalbiene fünf bis sechs Jahre alt. Ihr Staat umfasst im ersten Jahr kaum ein Dutzend Tiere, wächst aber Jahr um Jahr, bis er im fünften Jahr über fünfhundert zählt. Erst in diesem Stadium werden auch Männchen produziert. Die Art stammt aus dem Mittelmeergebiet und hat ihren jahreszeitlichen Rhythmus beibehalten: Sie fliegt nur im Frühjahr und zieht sich im Frühsommer, wenn im Süden alles vertrocknet, in das Nest zurück, wo sie bis zum nächsten Frühjahr bleibt. Da sie im Landshuter Naturschutzgebiet optimale Lebensbedingungen vorfindet, fliegt sie im Frühjahr dort zu Zehntausenden herum – ein Naturschauspiel, das in Bayern sonst nur noch an der Donau bei Pleinting zu bewundern ist.