MenuKreisgruppe LandshutBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Umbau in klimastabile Mischwälder nötig

Waldbegang von BN, WBV und AELF in einen Bauernwald bei Schalkham fand großen Zuspruch

Führten durch den Bauernwald (von rechts): Wolfgang Forstenaicher, Susanne Ritter und Klaus Wiedmann

Einen großen Zuspruch von Waldbesitzern und Naturschützern fand der Waldbegang in einen Bauernwald im Revier Schalkham

21.05.2018

Der Bund Naturschutz (BN), die Waldbesitzervereinigung (WBV) und die Forstverwaltung (AELF) organisierten am 18. Mai 2018 unter dem Motto “Waldumbau im Bauernwald“ eine Exkursion in einen Bauernwald bei Schalkham. BN-Fachbeirat Klaus Wiedmann begrüßte neben rund 80 Besuchern namentlich WBV-Vorsitzenden Ludwig Huber, Michael Veicht als stellvertretenden Leiter der Abteilung Forst am AELF Landshut sowie Martin Lackermeier vom Naturland-Verband und BBV-Kreisobmann Georg Sachsenhauser. Als Referenten der Waldführung stellte er den Förster Wolfgang Forstenaicher vom AELF Landshut und die Försterin Susanne Ritter von der WBV Landshut vor. Eingangs betonte Wiedmann, daß gerade dieses Jahr uns zeige, daß der Klimawandel nicht ein Ereignis ferner Zukunft sei, sondern buchstäblich heiße und trockene Realität. Der wärmste April seit den frühesten Wetteraufzeichnungen und die hochsommerlichen Temperaturen mit lang anhaltender Trockenheit  im Mai zeigten uns auf dramatische Weise, daß es dringend geboten sei, die fichtendominierten Wälder in klimastabile Mischwälder umzubauen.

Wolfgang Forstenaicher, der seit 2006 Jagdpächter in der Jagdgenossenschaft Schalkham ist, stellte kurz das Revier vor: Seit er die Jagd übernommen habe, sei die wichtigste Forderung des Jagdvorstandes und der Waldbesitzer, daß sich die Verbißsituation verbessern müsse. Aktuell bejage er zusammen mit Susanne Ritter und Gästen gut 500 Hektar, wobei bei der Jagd das Wichtigste sei, daß sich nachweisbar die für den Umbau nötigen Mischbaumarten ohne Verbissdruck verjüngen könnten. Die häufigste Baumart in den Altbeständen sei immer noch die Fichte mit etwa 80 Prozent. Durch die Folgen des  Klimawandels, wie Trockenheit,Wärme, vermehrte Stürme und  Borkenkäferbefall habe die Fichte im Reinbestand kaum eine Chance zum Überleben und auch die Kiefer als zweithäufigste Baumart bekäme Schwierigkeiten.

Beim Rundgang durch das Revier erläuterten die Forstleute anhand verschiedener Waldbilder, wie auch der bäuerliche Waldbesitzer kostengünstig und erfolgreich seinen Wald für den Klimawamdel umbauen könne. Zum Glück gebe es verstreut im Revier immer wieder ältere Weißtannen, die sich vorzüglich verjüngten, wenn die jungen Bäumchen nicht durch Rehwild verbissen würden. Deshalb sei eine grundlegende Voraussetzung für den Waldumbau eine an der Waldverjüngung orientierte Rehwildbejagung, die für ein ausgewogenes Verhältnis von Wald und Wild sorgen müsse, erläuterte der Jagdpächter. Den Erfolg dieser „waldgerechten Jagd“ konnten die Exkursionsteilnehmer praktisch überall als gesunde, unverbissene Naturverjüngung bewundern, die eine Grundlage für einen Mischwald von morgen sei und vielen Pflanzen und Tieren, darunter auch dem Rehwild, einen vielfältigen Lebensraum biete.

Die Tanne sei auf jeden Fall geeignet, die Fichte in großem Umfang als Wirtschaftsbaumart zu ersetzen. Zwar gebe es bei uns noch einen zehnprozentigen Tannenabschlag seitens der Sägewerke, weil bei der immer noch weit überwiegenden Menge an Fichtenholz die Tanne in der Minderzahl wäre. Trotzdem sei der Ertrag so hoch wie bei der Fichte, da die Tanne vollholzig, das heißt, bis in den Wipfelbereich walzenförmig bleibt und damit mehr Masse bringt als die Fichte, die sich zum Wipfel hin stärker verjüngt, führte Susanne Ritter aus. Auch der Schadholzanteil bei der Tanne sei erheblich geringer, so die Försterin. Auch biete ein Weißtannenbestand dem Waldbesitzer einen doppelten Produktionsraum, da der Zuwachs auf einer gegebenen Fläche nicht nur im Kronenraum, sondern zeitgleich als Vorausverjüngung im Schatten schon sehr früh am Boden stattfinde. Die Tanne stabilisiere zudem den ganzen Bestand durch ihre tiefreichende Herzwurzel und erschließe damit, im Gegensatz zur Fichte, die tieferen Bodenschichten. Von großer Bedeutung sei zudem, betonten die Forstleute und Naturschützer mit Nachdruck, daß ausreichend Humus gebildet werde, um die jungen Sämlinge der aufkeimenden Mischbaumarten mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen. Dafür sei ein Anteil von etwa einem Drittel Laubholz, vor allem Rotbuche, nötig, um die „Basenpumpe“ in Gang zu bringen, die eine Versauerung des Bodens verhindert. Der Holzertrag pro Hektar werde in solchen Mischbeständen gegenüber Nadelholzreinbeständen zudem nicht verringert, bestätigte Michael Veicht vom AELF Landshut.

Die Vitalität der Weißtanne zeigten  Forstenaicher und Ritter an der Stammscheibe eines älteren Baumes. Dort war an den Jahresringen deutlich abzulesen, wie die Tanne den sauren Regen der 70-er Jahre zwar überlebte, aber ihr Wachstum einstellte. Nach  der Einführung von Filtern an Großfeuerungsanlagen in den 80-er Jahren, einem großen Erfolg des Umweltschutzes, sanken die Schwefelemissionen, dieTanne erholte sich und wuchs weiter, was deutlich an den  Jahresringen zu sehen war. Am Schluß zeigte der ehemalige Forstwirtschaftsmeister Prieler Zweige 20 verschiedener Baumarten, die er während des Rundganges gesammelt hatte – ein Zeichen für die bunte Vielfalt unsere Wälder und ein Anreiz, diese auch für kommende Generationen zu erhalten. Bei einem gemütlichen Zusammensein in einem nahegelegenen Gasthaus wurden die lebhaften Diskussionen über die Zukunft des Waldes und die Jagd fortgesetzt.