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Landwirtschaft muss ökologisiert werden

Bund Naturschutz und Öko-Schule organisierten Vortragsveranstaltung mit langjährigem Biobauern

Biobauer Stephan Kreppold sprach beim Bund Naturschutz über Landnutzung und Tierhaltung; rechts: BN-Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier.

13.03.2017

Landshut. 13. Februar 2017. „Eine Tendenz zu mehr Ökologie in der Landwirtschaft wäre positiv. Ökologischer Landbau auf der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ist aber derzeit noch nicht machbar.“ Dies war eine Aussage von Stephan Kreppold bei seinem Vortrag zum Thema „Landnutzung und Tierhaltung im Spannungsfeld zwischen Qualität und Masse“ im Gasthof „Zur Insel“ in Landshut. Die Veranstaltung mit sehr vielen Besuchern war Teil der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“, welche derzeit von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) und der Fachschule für ökologischen Landbau Landshut/Schönbrunn durchgeführt wird.

Martin Lackermeier von der BN-Kreisgruppe ging in seiner Einführung auf die gravierenden Veränderungen in der heimischen Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren ein. Diese würden von den verantwortlichen Politikern und auch von der landwirtschaftlichen Interessenvertretung seit jeher als notweniger Strukturwandel bezeichnet. Ein eher verharmlosender Ausdruck für das was geschehe, fand Lackermeier. Richtig wäre die Bezeichnung „massives Bauernsterben“, bei dem der Grundsatz „wachse oder weiche“ vorherrsche mit immer negativeren Auswirkungen auf das Klima unter den Bauern. 

Der Referent des Abends, Stephan Kreppold, kommt aus Wilpersberg im Landkreis Aichach-Friedberg. Dort bewirtschaftet er mit seiner Familie einen Hof seit 35 Jahren nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Der Hof umfasst etwa 100 Hektar. Der Viehbestand besteht aus einer Mutterkuhherde. Zu Beginn seiner Ausführungen ging der Referent auf das wichtigste Kapital der Bauern, dem Boden, ein. Hier gebe es inzwischen Entwicklungen, die einen sehr nachdenklich machen sollten. So würden in Bayern täglich 18 Hektar Nutzfläche der Landwirtschaft entzogen. Aussagen von verantwortlichen Politikern, den Flächenverbrauch für Wohnsiedlungen, Gewerbegebiete und den Straßenbau drastisch zu reduzieren, seien leider seit Jahren nur Lippenbekenntnisse, denen keinerlei Taten folgten, stellte der engagierte Biobauer bedauernd fest. „Kommunalpolitiker betrachten landwirtschaftliche Nutzfläche oft leider nicht als wichtige Lebensgrundlage, sondern eher als Freiwild, über das bedenkenlos verfügt werden kann.“

Kreppold ging aber nicht nur auf den substantiellen, sondern auch auf den qualitativen Bodenverlust ein. Die Bodenstruktur vieler landwirtschaftlicher Flächen leide unter einseitigen Fruchtfolgen und dem Gewicht überdimensionierter Erntemaschinen und Güllefässern. Die Folge seien, fuhr Kreppold fort, ein schlechteres Wasserrückhaltevermögen, höhere Erosion, Verdichtungen bis in tiefe Bodenschichten und die Abnahme des Bodenlebens. Mehr Kleegrasanbau (im ökologischen Landbau unerlässlich), mehr Zwischenfruchtanbau und organische Düngung brächten hier eine bessere Durchwurzelung, ein höheres Regenwurmaufkommen und einen aktiveren Boden.

Auch auf die immer intensivere und spezialisierte Tierhaltung in der heutigen Landwirtschaft ging der Referent ein und stellte die Frage: „Wie gut leben unsere Nutztiere in der Intensivhaltung?“ Er habe nicht den Eindruck, dass sich Mastschweine in einer reinen Spaltenbodenaufstallung wohlfühlten. Die öffentliche, inzwischen doch stärker am Tierwohl orientierte Diskussion zeige, dass immer mehr Verbraucher eine andere Tierhaltung wollen. Einstreu, Ausläufe ins Freie und gentechnikfreie Fütterung seien hier wichtige Kriterien, verdeutlichte Kreppold. Einem sich an der Diskussion beteiligendem Schweinemäster riet der Biobauer: „Verzichten Sie auf eine weitere Intensivierung, lassen Sie Ihre Tiere ins Freie und versuchen Sie einen Metzger zu finden, der bereit ist, Ihnen für so gehaltene Tiere mehr zu bezahlen.“ Der Verbraucher müsse hier natürlich auch mitmachen.

Stephan Kreppold, der Sprecher des BN-Landesarbeitskreises Landwirtschaft ist, ging auch noch auf sein landwirtschaftliches Leitbild ein. Unsere Landwirtschaft sollte naturverträglich, bäuerlich strukturiert, stark am Tierwohl orientiert und gesellschaftlich akzeptiert sein. Er ging auch noch darauf ein, wieviel Ökolandbau derzeit möglich und sinnvoll sei. Er habe, so der Referent, zu einer Zeit umgestellt, als der Öko-Landbau noch ein untergeordnetes Thema gewesen sei. Heute, nach 35 Jahren, habe die ökologische Landwirtschaft einen Anteil von etwa sieben Prozent. „Ich hätte gedacht, die Entwicklung geht schneller.“ Umstellungszahlen im größeren Umfang seien deshalb nur dann sinnvoll, wenn auch die Vermarktung Schritt halte. Der Öko-Landbau müsse auch noch die eine oder andere notwendige Hausaufgabe machen. Unsere gesamte Landwirtschaft jedoch müsse – unabhängig vom Anteil des strikten Öko-Landbaus – ökologisiert werden, betonte Kreppold abschließend.

Veranstaltungsleiter Martin Lackermeier wies nach Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum noch auf weitere Veranstaltungen des BN in der Reihe „Landwirtschaft heute und morgen“ und auf den von der Kreisgruppe neu erstellten Einkaufsführer für ökologisch erzeugte Lebensmittel hin. Dieser ist erhältlich sowohl in der BN-Geschäftsstelle als auch bei allen Veranstaltungen des Bundes Naturschutz.