MenuKreisgruppe LandshutBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Landschaft nützen und schützen

2-Tageexkursion der BN-KG Landshut 2017

Hier in der Pupplinger Au erklärte Markus Henning vom Isartalverein den interessierten Exkursionsteilnehmern wie durch die Beweidung mit dem Murnau-Werdenfelser Rind die Pflanzengesellschaft Schneeheide-Kiefernwald sich wieder verjüngen kann und damit erhalten bleibt.

Frauenschuh in der Pupplinger Au

12.08.2017

Einmal jährlich macht sich ein Bus voll mit BN - Mitgliedern auf, bei einer 2-tägigen Exkursion Natur und Kultur in jeweils verschiedenen Landesteilen von Bayern kennen zu lernen. In diesem Jahr wurden verschiedene Projekte in Oberbayern aufgesucht, bei denen die Exkursionsteilnehmer u.a. erlebten, wie Landnutzung und der Schutz der Arten-vielfalt miteinander verbunden werden können. Als erstes Projekt wurden „Die Münchner Krautgärten“ im Münchner Stadtteil Pasing besucht. Hier erfuhren sie, dass Krautgärten eine sehr ursprüngliche Form des Gärtnerns auf gepachtetem Ackerland sind und den Nutzern zur Versorgung mit günstigem Gemüse dienen. Gleichzeitig entstehe durch die Bearbeitung verschiedener Kulturen auf engem Raum nach Biolandkriterien ein Refugium für viele Pflanzen und Tiere, erläuterte der Vereinsvorsitzende Herbert Hofmann, und weiter: „So gehen Landnutzung mit Naturschutz miteinander Hand in Hand.“ -  Dies konnte auch auf Wiesen in Lochhausen und Gröbenzell erlebt werden, zu denen Diplom-Agraringenieur Siegfried Pschibul-Markgraf die Gruppe nach dem Besuch der Krautgärten führte, und die von ansässigen Landwirten als sogenannte Ökokontoflächen gepflegt werden. Durch einen besonderen Mährhythmus bzw. durch die ganzjährige Beweidung mit Galloway-Rindern hat sich auf diesen Flächen eine hohe Struktur- und Artenvielfalt entwickelt (Nachtrag: Landwirt Oberhauser von Lochhausen hat in diesem Jahr mit einer artenreichen Wiese die Wiesenmeisterschaft des BN gewonnen!).

Nach dem Mittagessen und der Kaffeepause ging es weiter in die Isarauen bei Wolfrats-hausen. Nach einer ca. einstündigen Wanderung durch eine lichtdurchflutete Auenland-schaft gelangte die Gruppe unter der Führung von Markus Henning vom Isartalverein zu einer besonderen Pflanzengesellschaft, dem Schneeheide-Kiefernwald. Herr Henning  erklärte den Besuchern, warum es notwendig geworden sei, die früher praktizierte Waldweide wieder aufzunehmen. Mit dem Bau des Sylvensteinspeichers seien die Hochwasserwellen der Isar seltener und schwächer geworden, so dass kaum mehr neue offene Stellen entstehen. Zudem sei die Waldweide schon vor vielen Jahren eingestellt worden. Das Alles habe zu einer Verbrachung der Aue in Form einer dichten Decke aus Altgrasfilz geführt, was wiederum den Fortbestand der Schneeheide - Kieferwälder bedrohe, da die Kiefer offene Bodenstellen für die Keimung ihrer Samen benötige. „Durch das Beweidungsprojekt des Isartalvereins mit dem robusten und genügsamen Murnau-Werdenfelser Rind“ erzählte er weiter, „konnte in den letzten Jahren die bis zu 25 cm dicken Grasfilzdecke zurückgedrängt werden.“ Davon hätten neben der Kiefer auch viele andere Arten wie z.B. der konkurrenzschwache, stängellose Enzian profitiert. Die Besucher gerieten, versorgt mit den fundierten Informationen über die Zusammenhänge dieser einzigartigen Pflanzengesellschaft, bei ihrer weiteren Wanderung ins Staunen und ins Schwärmen. Man hörte viele Ahs und Ohs beim Anblick des seltenen Frauenschuhs, des Zweiblattes, des Knabenkrauts und des Heideröschens.

Am zweiten Tag war eine Besichtigung im „Tölza Garten“ angesagt, einem preisgekrönten BN - Projekt im Franziskanerzentrum von Bad Tölz. „Mit der Idee, hier einen Gemein-schaftsgarten einzurichten, wurde der zuvor brachliegende Garten aus dem Dornröschen-schlaf erweckt und ein Ort der Begegnung für Jung und Alt geschaffen,“ so Frau Thannberger, die uns durch den Garten führte. Hier können Kinder und Erwachsene bei verschiedenen Angeboten durch das ganze Jahr lernen und natürlichen Kreisläufe erleben und erfahren.

Weiter ging es nach Benediktbeuren, wo nach dem Mittagessen die Einen in der Kloster-kirche und die Anderen in der historischen Fraunhofer Glashütte viel Wissenswertes über diesen Ort und das Wirken der Benediktiner erfuhren. Im Anschluss ging es nochmal hinaus in die Natur. Bei einer ca. dreistündigen, von zwei Experten des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) geführten, erlebnisreichen Wanderung in den Loisachmooren erfuhren die Teilnehmer die Geschichte und die wechselhafte Nutzung dieser Landschaft und ihrer Wertigkeit als ausgedehntes Feuchtgebiet, welches vielen bedrohten Lebewesen wie dem großen Brachvogel, dem Bekassin, dem Eisvogel und dem Kiebitz einen Lebensraum bietet. Voll von den Erlebnissen der beiden Tage ließ man sich danach gerne im Bus zurück nach Landshut fahren.