MenuKreisgruppe LandshutBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Atomgefahren vor der Haustür

Bund Naturschutz erinnert an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986

In dieser Halle auf dem Reaktorgelände in Ohu/Niederaichbach werden die abgebrannten Brennelemente von AKW Isar 1 und 2 – die hochradioaktive, gefährliche Hinterlassenschaft der Atomenergie – in Castoren über Jahrzehnte gelagert.

30.04.2017

Landshut. Vor einunddreißig Jahren, am 26. April 1986, ereignete sich in Tschernobyl eine atomare Katastrophe enormen Ausmaßes. Die dortige Todeszone weit um den Reaktorstandort bleibt weiterhin unbewohnbar. Auch in manchen Gegenden Bayerns und des Landkreises Landshut ist die Belastung beispielsweise von Wildschweinen nach wie vor so hoch, dass sie wegen Überschreitung der Radioaktivität nicht zum Verzehr geeignet sind. Heute sind in Europa noch immer 90 Atomkraftwerke am Netz, in Bayern sind es, nach  Abschaltung von AKW Isar 1 und AKW Grafenrheinfeld noch drei und zusätzlich ein Forschungsreaktor mit hoch angereichertem Uran, verweist der Bund Naturschutz in einer Mitteilung.

Den Gedenktag zur Atomkatastrophe in der Ukraine nehmen die Naturschützer zum Anlass, an die atomaren Gefahren direkt vor der Haustür  zu erinnern. So befindet sich in Ohu das AKW Isar 2, welches erst im Jahr 2022 den Betrieb einstellen muss. Ein Reaktorunfall in Ohu wäre auf jeden Fall keine lokale Angelegenheit: Es würden große Landesflächen radioaktiv kontaminiert und dauerhaft unbewohnbar sein. Hunderttausende von Menschen verlören Heimat und Lebensgrundlage, sie wären plötzlich Flüchtlinge im eigenen Land, warnt Kathy Mühlebach-Sturm, die BN-Kreisgruppenvorsitzende.

Hier befindet sich auch das abgeschaltete AKW Isar 1, bei welchem kürzlich mit dem Rückbau begonnen wurde, obwohl im ungenügend geschützten Nasslager unterhalb des Flachdaches noch 1734 abgebrannte, teilweise verbogene oder zerbrochene hochradioaktive Brennstäbe gelagert sind, so Mühlebach-Sturm. Schließlich befinde sich am Reaktorstandort eine als Brennelementezwischenlager deklarierte Lagerhalle für Castoren, in denen sich abgebrannte Brennelemente befinden. Dieses Zwischenlager sei für 152 Castoren ausgelegt. Ein Castor beinhalte laut Informationen des Bundesamts für Strahlenschutz dabei mehr Radioaktivität, als der gesamte radioaktive Abfall in der Schachtanlage Asse aufweist. Der Prozess der Endlagersuche und des Endlagerbaus in Deutschland werde noch viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen, so dass das oberirdische Zwischenlager in Niederaichbach mit der gefährlichen hochradioaktiven Hinterlassenschaft der Atomenergie möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert entleert und zurückgebaut werden kann. So sei die Bevölkerung noch einer jahrzehntelangen Bedrohung ausgesetzt, durch einen Unfall – das Zwischenlager liegt in der Einflugschneise des Münchner Großflughafens – oder einen Terroranschlag radioaktiv verseucht zu werden, stellt Kathy Mühlebach-Sturm fest.