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Mit Ultraschall auf Insektenjagd

Viele Streicheleinheiten bekam eine lebende Zweifarbfledermaus von den Kindern. Diese Fledermaus hat ihren Namen von ihrem schwarzbraun-silberweißen Fell. (Foto: Riederer)

Bund Naturschutz organisierte Veranstaltung zur „Nacht der Fledermäuse“

Auch heuer wieder stieß die „Nacht der Fledermäuse“ auf großes Interesse, die am 20. August vom Bund Naturschutz veranstaltet wurde. Bei einem Vortrag im Vereinsheim des Landshuter Rudervereins auf Mitterwöhr und einer Nachtexkursion zum Isarspitz vermittelten Martin Leitner und Christian Winkler Wissenswertes über die heimlichen Jäger der Nacht. Die Fledermauskundler zeigten in ihrem Lichtbildervortrag, welche Maßnahmen sie in Stadt und Landkreis Landshut in den vergangenen Jahren zum Schutz der Fledermäuse unternommen haben. Dazu zählt die Erfassung von Fledermausvorkommen und das Anbieten von „Fledermausbehausungen“ genauso wie auch die Pflege von Findlingen. So wurden zahlreiche Fledermauskästen verschiedenster Ausführungen von den Fledermausschützern vor allem in Wäldern aber auch an Gebäuden installiert. Erst vor kurzem wurden in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauamt der Stadt Landshut an einem Gebäude im Hofgarten zwei große Fledermauskästen aufgehängt, die für bestimmte Fledermausarten natürliche Wochenstubenquartiere ersetzen sollen.

Sommer- beziehungsweise Wochenstubenquartiere befinden sich außer in Fledermauskästen je nach Fledermausart unter anderem auf Dachböden von Dorfkirchen, hinter Holzverkleidungen und Fensterläden von Gebäuden oder in ehemaligen Spechthöhlen. Die Sommerquartiere werden im Frühjahr von den Fledermausweibchen bezogen und als sogenannte Wochenstuben genutzt. Hier können dann bis zu 200 Weibchen leben, die ein bis zwei Junge gebären und aufziehen. In Bildern zeigten die Fledermausexperten, wie eng es oft in solchen Wochenstuben, zu denen Männchen keinen Zutritt haben, zugeht. Im Herbst suchen die Fledermäuse ihre Winterquartiere meist in natürlichen Berghöhlen, Spalten, Dachböden, Baumhöhlen, Holzstapeln oder auch in Bergkellern auf. Allerdings hätten Fledermäuse seit vielen Jahren durch das Dichtmachen der Gebäude und ehemaliger Bergkeller große Schwierigkeiten, sowohl natürliche Sommer- als auch Winterquartiere zu finden. Als Beitrag zur Linderung der Quartiersnot wurde auf Initiative und mit Unterstützung der Landshuter Fledermausschützer ein ehemaliger Bunker in der Nähe des Uppenborn-Kraftwerks bei Moosburg von den Stadtwerken München wieder geöffnet, mit einem Gittertor versehen und die Innenräume fledermausfreundlich zum Winterquartier umgestaltet.

Durch Feststellung von Fledermausquartieren aber auch durch Beobachtungen und Funde einzelner Tiere, konnten Leitner und Winkler von den 21 in Bayern vorkommenden Fledermausarten bisher 16 Arten in Stadt und Landkreis Landshut nachweisen. Eine von Christian Winkler zur Veranstaltung mitgebrachte Zweifarbfledermaus – sein derzeitiger Pflegling – war selbstverständlich für die zahlreichen Kinder die Attraktion. Ist es doch sehr selten, eine lebende Fledermaus direkt vor Augen zu haben. Um diese nachtaktiven Tiere im Flug zu beobachten, führte anschließend bei Mondenschein eine Wanderung entlang der Isar zum Isarspitz. Die großen und kleinen Exkursionsteilnehmer waren ausgerüstet mit Taschenlampe und die Fledermausexperten mit „Bat-Detektoren“. Solche Detektoren machen die hohen Frequenzen der Ultraschalllaute, die die fliegenden Säugetiere beim Jagen auf Insekten ausstoßen, für das menschliche Ohr hörbar. Lange mussten die Nachtwanderer nicht warten, bis aus den Lautsprechern der Detektoren die typischen Laute von Fledermäusen – die Fledermausspezialisten sprachen von drei verschiedenen Arten – zu hören waren. Mehrere Tiere zeigten sich sogar, indem sie nur knapp über den Köpfen der Exkursionsteilnehmer hinwegflogen. Beeindruckt schauten diese den Flattertieren nach, bis sie zwischen den Bäumen verschwanden. Fasziniert von dem während der „Nacht der Fledermäuse“ Gehörten und Gesehenen traten die Fledermausbeobachter erst spät wieder den Rückweg an.

Wer noch mehr über das Leben, das Vorkommen und den Schutz heimischer Fledermäuse wissen will, für den liegen in der Geschäftsstelle des Bundes Naturschutz, Altstadt 105 (geöffnet Dienstag bis Donnerstag, jeweils von 14.30 bis 17 Uhr) kostenlose Info-Schriften auf. Meldungen von Fledermaus-Funden oder -Beobachtungen nimmt der Bund Naturschutz unter der Telefon-Nummer 0871/23748 oder 22390 entgegen.

Martin Leitner ließ mit Hilfe eines Detektors die Rufe von Fledermäusen hören, die über die Köpfe der Exkursionsteilnehmer hinwegflogen. (Foto: Riederer)

Von Beißschrecken und Warzenbeißern

Der Warzenbeißer, eine gefährdete Heuschreckenart des Naturschutzgebiets „Ehemaliger Standortübungsplatz“ (Foto: Heim)

Bund Naturschutz-Exkursion in das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“

Kürzlich fanden sich zahlreiche Naturinteressierte im Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ ein, um Wissenswertes zu Vorkommen und Lebensweise heimischer Heuschreckenarten zu erfahren. Die Exkursion im Rahmen des Bund Naturschutz Bildungsprogramms wurde vom Biologen Christian Kainz geleitet.

Nachdem der ursprüngliche Termin für die diesjährige Heuschreckenexkursion des Bund Naturschutz aufgrund schlechter Witterung verschoben werden musste, blitzte am Ausweichtermin pünktlich vor Exkursionsbeginn die Sonne hinter den Wolken hervor. Nachdem die meisten Heuschreckenarten ausgesprochene „Sonnenanbeter“ sind, konnten die Exkursionsteilnehmer zahlreiche Arten aufspüren und bewundern.

Gleich beim Treffpunkt am Eingang des Naturschutzgebietes durften die Teilnehmer versuchen, einige Heuschrecken mit den bloßen Händen zu fangen. Der Referent erklärte anhand der gefangenen Individuen den Körperbau dieser faszinierenden Tiergruppe. Neben den typischen Insektenmerkmalen wie den sechs Beinen sowie der Gliederung in Kopf, Rumpf und Hinterleib fielen bei den Heuschrecken hauptsächlich die muskulösen Hinterbeine mit enormer Sprungkraft auf. Daneben seien vor allem die komplexen und variantenreichen Gesänge einzigartig unter den Insekten. Der Biologe Christian Kainz erklärte hierzu die unterschiedliche Lauterzeugung bei den Langfühler- und Kurzfühlerschrecken: Während bei den Langfühlerschrecken das Zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel erzeugt wird, reiben die Kurzfühlerschrecken ihre Hinterbeine an den Flügeln. Damit die Laute der Heuschrecken, die der Partnerfindung und Revierabgrenzung dienen, auch gehört werden können, sind natürlich entsprechende Hörorgane nötig. Diese sitzen bei bei den Langfühlerschrecken an den vorderen Schienbeinen, während die „Ohren“ der Kurzfühlerschrecken seitlich am Hinterleib angeordnet sind.

Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz“ bietet mit seiner ausgedehnten, extensiv bewirtschafteten Graslandschaft, sowie mit den immer wieder vorkommenden fast vegetationslosen Stellen, aber auch durch die etwas feuchteren Mulden, das Gebüsch und die Waldbereiche hervorragende Lebensbedingungen für zahlreiche Heuschreckenarten. Beim Aufspüren und Einfangen der Heuschrecken waren vor allem die Kinder unter den Exkursionsteilnehmern dem Referenten Kainz eine große Hilfe. So konnte der Biologe neben häufigen Arten wie dem Gemeinen Grashüpfer und Roesels Beißschrecke heuer auch das prachtvolle Grüne Heupferd zeigen und Interessantes zu dessen Lebensweise erläutern.

Die Westliche Beißschrecke wird in der Roten Liste der Gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt. Diese äußerst agile und mit seiner bräunlichen Färbung gut getarnte Art erreicht im Landshuter Bereich seine südliche Verbreitungsgrenze und ist auf nährstoffarmes, extensiv bewirtschaftetes Weide- und Grasland angewiesen. Hier leistet das Naturschutzgebiet einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Arten in Bayern.

Als überregional gefährdete Heuschreckenart fand man auch in diesem Jahr den Warzenbeißer, einen wunderschön gezeichneten Vertreter der Laubheuschrecken mit gedrungenem Körperbau. Man ließ früher von dieser Heuschrecke Warzen abbeißen und durch den dabei von dem Insekt abgegebenen Darmsaft verätzen. Der Überlieferung nach soll dieses heutzutage etwas seltsam anmutende Hausmittel recht gut gegen Warzen geholfen haben.

Zum Abschluss der Exkursion durften die teilnehmenden Kinder noch zu einem kleinen Sprungwettbewerb gegen die Heuschrecken antreten, bevor sich die Gruppe auf den Rückweg zum Ausgangspunkt machte.

Christian Kainz (rechts) verstand es, bei den Exkursionsteilnehmern das Interesse für die Heuschrecken zu wecken (Foto: Brigitte Englbrecht)

"Fenster" für die Feldlerchen

Josef Priller, Bernhard Brunner, Martin Lackermeier, Jakob Mießlinger, Josef Bauer und Johannes Selmansberger (von links) bei der Besichtigung eines „Lerchenfensters“

Naturland-Bauern und Naturschützer tätig im praktischen Artenschutz

Die Feldlerche ist vielen Menschen als Frühlingsbote bekannt. Ihr Gesang ist einer der ersten, der im Frühjahr in der Feldflur zu hören ist. Vielerorts ist die Feldlerche jedoch inzwischen selten geworden. Seit den achtziger Jahren wird der Rückgang von Vogelschützern mit etwa 75 Prozent beziffert. Deshalb wurde die „Allerweltsart“ Feldlerche in die Rote Liste für bedrohte Arten aufgenommen. Es ist jetzt also höchste Zeit zum Handeln, um den Bestand der Feldlerchen zu sichern, stellt Johannes Selmansberger von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Landshut fest. Um den Feldlerchen verbesserte Lebensbedingungen zu bieten, wurden in Großbritannien die sogenannten "Lerchenfenster" entwickelt. Ein „Lerchenfenster“ ist eine Fehlstelle im Acker. Wie ein richtiges Fenster soll es vor allem Licht auf und in die Fläche bringen, da die Feldlerchen eine offene, lückige und nicht zu hohe Vegetation bevorzugen, erklärt der Naturschützer. Die „Fenster“ verschaffen den Alttieren die Möglichkeit, in die Pflanzenbestände einzufliegen. In unmittelbarer Nähe der „Fenster“ legen sie dann ihre Nester im Getreide an. Hier finden sie einerseits genügend Deckung für die Jungvögel, andererseits fällt durch die „Fenster“ noch genügend Licht ein. Dies sei für die Feldlerche von besonderer Bedeutung, da sie bei guten Bedingungen bis zu dreimal im Jahr brüten kann.                                                           

Die Anlage der "Lerchenfenster" ist nach Angaben von Martin Lackermeier, Naturlandbauer und BN-Fachbeirat für Landwirtschaft, einfach: Durch kurzzeitiges Anheben der Sämaschine bei der Aussaat werden künstliche Freiflächen von mindestens 20 Quadratmetern geschaffen. Diese Freiflächen sollten mehr als 50 Meter von Hecken und 25 Meter vom Feldrand entfernt angelegt werden. Ansonsten werde das Feld in der gewohnten Weise bewirtschaftet. Untersuchungen hätten ergeben, dass der Bruterfolg der Lerchen auf diesen Flächen dreimal höher ist als auf Flächen ohne "Lerchenfenster". Neben den Feldlerchen würden auch andere Arten wie zum Beispiel Rebhuhn oder Feldhase von der Anlage der „Fenster“ profitieren. Aufgrund einer Initiative des Naturland-Verbandes haben bayernweit etwa 70 Naturland-Bauern rund 600 „Lerchenfenster“  angelegt. Im Landkreis Landshut waren neben Martin Lackermeier auch die Naturland-Bauern Josef Bauer, Seepoint, Bernhard Brunner, Unterschönbach, und Jakob Mießlinger, Osterwind, mit etwa 45 „Lerchenfenstern“ beteiligt.

Bei einem gemeinsamen Treffen der Landwirte mit Vorstandsmitgliedern der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe auf dem Betrieb von Bernhard Brunner in Unterschönbach konnten die Maßnahmen in Augenschein genommen werden. Gleich beim ersten „Lerchenfenster“ ist den Artenschützern die große Insektenvielfalt aufgefallen. Neben den zahlreichen Schwebfliegen, Bienen und Hummeln konnten sogar einige Große Heupferde, eine Heuschrecken-Art und eine Lieblingsbeute des Neuntöters, entdeckt werden. In der herbizid- und insektizidfreien Ackerfläche mit dem reichen Bestand an Ackerwildkräutern findet die Feldlerche Insekten wie Schnaken, Blattwespen und Schmetterlinge. Johannes Selmansberger wies darauf hin, dass auch konventionelle Landwirte diese „Lerchenfenster“ anlegen können und er hoffe, dass sich im nächsten Jahr diese sinnvolle Naturschutzmaßnahme noch ausweiten werde. Informationen zu „Lerchenfenstern“ könne man bei ihm unter Telefon 08706/513 einholen.

Schillernde Kunstflieger bestaunt

Die Vierfleck-Libelle hat ihren Namen von den vier Flecken in ihren Flügeln. Auch sie zeigte sich den Exkursionsteilnehmern. (Foto: Herwig Leinsinger)

Herwig Leinsinger führte bei BN-Exkursion in die Biologie der Libellen ein

Zu Libellen-Lebensräumen in der Isarau bei Ergolding führte am 10. Juli eine naturkundliche Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. An einem Weiher und an der Isar hatten die Exkursionsteilnehmer Gelegenheit, die schillernden Kunstflieger unter der kundigen Führung von Herwig Leinsinger zu beobachten und Einblick in deren Lebenswelt zu erhalten.

Von den 80 in Deutschland vorkommenden Libellenarten, gibt es 75 in Bayern. Weltweit existieren rund 4000 Arten. Libellen leben seit 280 Millionen Jahren fast unverändert auf unserem blauen Planeten, das heißt, dass sie sich verändernden Umweltbedingungen gut anpassen können. Durch die Klimaerwärmung ändert sich allerdings die Artenzusammensetzung der in Niederbayern auftretenden Arten, informierte Leinsinger. So wurde die Feuerlibelle, die mit ihrem feuerroten Körper ihrem Namen alle Ehre macht, in Bayern erstmals 1991 gesichtet. Durch das wärmere Klima und weil sie gerne neue Teiche, die durch den Kiesabbau entstehen, besiedelt, sei sie unterdessen bei uns häufig anzutreffen. Auch das kleine Granatauge, so der Libellenkundler, profitiere von der Erwärmung während sein großer Bruder, das große Granatauge, in seinem Bestand  gefährdet sei.

In Kiesabbaugewässern kann sich eine sehr libellenreiche Fauna entwickeln. Viele, vor allem seltenere Arten vertragen sich aber nicht mit einem höheren Fischbesatz, gab Leinsinger zu bedenken. Die Biologie der Libellen ansprechend, wies er darauf hin, dass Libellen als Larven in stehenden und fließenden Gewässern aufwachsen. Als Wasserwesen atmen sie durch Kiemen, welche sich bei den Kleinlibellen außerhalb und bei den Großlibellen innerhalb des Körpers befinden. Ist ihre Entwicklungszeit, die beispielsweise bei der Quelljungfer fünf Jahre dauern kann, beendet, schlüpfen die Libellen aus ihrer Larve und sind fortan Luftlebewesen, deren Lebenszeit auf wenige Wochen beschränkt ist. Libellen ernähren sich ausschließlich räuberisch, nicht selten auch kannibalisch.

Während der Wanderung konnten die Teilnehmer Libellenarten wie Vierfleck, Blutrote Heidelibelle, Großer Blaupfeil, Azurjungfer, Südlicher Blaupfeil und die Große Pechlibelle bestaunen. An den Wasserpflanzen als auch am Ufer der Isar wurden außerdem viele Exuvien, die Schlupfhäute der Libellen, gefunden. Der Libellenkundige kann auch an den Exuvien erkennen, welche Libelle daraus geschlüpft ist.

Moore und Klima schützen

Großer Moorbläuling

Gärtnern ohne Torf – BN-Liste mit Herstellern torffreier Gartenerde

Wer denkt schon beim Einkauf von Blumenerde an die Folgen für die Natur? Die wenigsten wissen, was sich hinter der harmlosen Bezeichnung "Erde" verbirgt: Die meisten Produkte bestehen überwiegend aus Torf – der Stoff, aus dem die Moore sind, stellt der Bund Naturschutz (BN) fest. In den vergangenen Jahrtausenden habe sich in den Mooren eine einzigartige Lebensgemeinschaft entwickelt. Eine Vielzahl von Tierarten ist in diesem extremen Lebensraum zu Hause. Einige von ihnen kommen nur in Mooren vor, wie beispielsweise der Große Moorbläuling, und sind entsprechend selten oder sogar vom Aussterben bedroht. Außerdem, so der Bund Naturschutz, sind Moore wichtig für den Klimaschutz, denn Moore speichern jede Menge CO2.

Rund zehn Millionen Kubikmeter Torf werden laut Bund Naturschutz in Deutschland jährlich verbraucht, etwa zwei Millionen davon finden im Hobbybereich Verwendung. Heute wird in Deutschland vorwiegend in norddeutschen Mooren auf einer Fläche von 4000 Quadratkilometern Torf abgebaut. Werden die Moore im derzeitigen Tempo weiter zerstört, sind die in Deutschland zum Abbau genehmigten Torfvorräte in spätestens zehn Jahren erschöpft, gibt der BN zu bedenken.

Wer auf torfhaltige Blumenerde verzichtet, hilft mit, viele seltene Pflanzen und Tiere zu erhalten und das Klima zu schützen, versichert der BN. Und es gibt torffreie Alternativen für den Gartenfreund. Der Bund Naturschutz hat dazu ein Infoblatt herausgebracht, auf dem die Hersteller von torffreier Gartenerde und die Baumärkte oder Gartencenter, die diese Erde anbieten, aufgelistet sind. Der Einkaufsführer liegt in der Landshuter BN-Geschäftsstelle, Altstadt 105, geöffnet Dienstag bis Donnerstag von 14.30 bis 17 Uhr, zur Abholung bereit.

Eine Wanderung der besonderen Art

Der Kleine Fuchs wird immer seltener – möglicherweise eine Folge des Klimawandels

BN-Exkursion zu Faltern und Wildbienen am Hochwasserdamm bei Bruckberg

Zahlreiche Interessierte begleiteten die beiden Insektenkundler Helmut Kolbeck und Erwin Scheuchl auf einer Wanderung der besonderen Art am 8. Mai 2010 in die obere Isarau südlich von Bruckberg. Obwohl es bei dieser von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe organisierten Exkursion nur teilweise sonnig und etwas windig-kühl war, wurden viele Insekten aufgespürt, was auch daran liegt, dass diese Tiergruppe so ungemein zahlreich und allgegenwärtig ist. Im gemütlichen Schlendern, den Kopf meist leicht abwärts gerichtet, ging es am nördlichen Isardamm entlang – auf der Suche nach Kleintieren, die nur selten so auffällig sind wie die dicke Erdhummel und der leuchtende Zitronenfalter. Kolbeck erklärte Vieles zu Tag- und Nachtfaltern, insbesondere auch zu Kleinschmetterlingen, die oft sehr dekorativ und interessant, aber eben auch winzig klein sind. Schon deswegen sind sie gegen Wind oder Regen sehr anfällig und bleiben in der Vegetation verborgen.

Auch tagfliegende Nachtfalter wurden identifiziert, wie der schmucke, häufige Gitterspanner, der gelbliche Heidespanner und die Braune Tageule. Von letzterer wurde sogar ein Pärchen bei der Begattung gefunden. Während Falter Saugrüssel besitzen und damit oft sehr spezifisch Blüten bestäuben, gibt es noch ein paar Urmottenarten, die kauende Mundwerkzeuge haben und damit Blütenpollen fressen. Viel auffälliger sind natürlich die „großen Tiere“ wie Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs, die im Falterstadium – oft in ungeheizten Innenräumen – überwintern. Es wurde darauf hingewiesen, dass der bislang so häufige, allbekannte Kleine Fuchs seit wenigen Jahren richtig selten geworden ist, was möglicherweise mit dem Klimawandel zusammenhängt. Die Ursachen von Populationsschwankungen sind freilich oft sehr komplex. Wie die beiden Exkursionsleiter erläuterten, gibt es häufig Parasiten, zum Beispiel Wespen oder Fliegen, die die Raupen oder Puppen „anstechen“ und stark dezimieren können. Die Kuckuckshummel – der Name deutet es bereits an – schmarotzt etwa bei der Erdhummel und nimmt sogar deren Nestgeruch an.
Hummeln fliegen schon bei kühleren Temperaturen, wogegen die meisten anderen Insekten mindestens 17 Grad brauchen, um aktiv zu werden.                               

Scheuchl zeigte diverse Wildbienen vor, die im Gegensatz zur Honigbiene meist einzeln oder in lockeren Wohngemeinschaften leben. Ihre Eier legen sie in selbst gegrabene Erdlöcher, in Totholz oder auch in verlassene Schneckenhäuser. Mehr als 500 verschiedene Wildbienen gibt es in Deutschland, und weil die Honigbiene in den letzten Jahren in ihren Beständen besorgniserregend zurückgeht, werden die anderen Arten als Bestäuber immer bedeutsamer. So fliegt zum Beispiel die Rote Mauerbiene bereits bei niedrigeren Temperaturen als ihre domestizierte Verwandte und ist auch insgesamt fleißiger und effektiver als diese. Natürlich brauchen Insekten ganz bestimmte Nahrungs- und Nektarpflanzen; eine blütenarme, monotone Kultursteppe wird gemieden oder höchstens durchflogen. Gerade die Hochwasserdämme sind als sekundäre Halbtrockenlebensräume sehr wertvoll, auch als Wanderachsen im Sinne des Biotopverbunds. Eine geplante Dammerhöhung würde fast zwangsläufig viel an seltener Flora und Fauna zerstören. Sollte sie wirklich nötig sein, müsste sie behutsam durchgeführt werden – hier waren sich alle Exkursionsteilnehmer einig.

"Gute Jagd ist Dienstleistung am Wald"

Waldbesitzer und Naturschützer informieren sich über Waldumbau im Universitätswald

(Nachfolgender Artikel wurde übernommen mit freundlicher Unterstützung durch die Landshuter Zeitung, Ausgabe vom 12. Mai 2010)

Unbekannte Welt der Waldameisen

Michael Püls (links) fand bei den Exkursionsteilnehmern interessierte Zuhörer

Mit dem Bund Naturschutz auf Exkursion ins Reich der Nutzinsekten

Mehr als 40 Interessierte beteiligten sich an einer Exkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe ins Reich der Waldameisen. Unter der Führung von Michael Püls, einem Fachmann der Ameisenschutzwarte, ging es in einen Wald bei Weihbüchl, um Ameisenvölker zu besuchen. Im Schatten einer mächtigen Tanne wurde das erste Nest entdeckt. Ameisen bauen diese Hügel im Laufe mehrerer Jahre im Wald meist um einen alten Baumstumpf. Dazu schleppen sie Fichtennadeln, Holzästchen und oft auch Harzklümpchen herbei, um dieses Kunstwerk zu errichten. Dieser Hügel ist die Wohnung für das Volk der Waldameisen.  Nester sind unterschiedlich groß. Nester im Schatten sind größer als Nester in der Sonne oder am Waldrand. Das Nest wird alleine von den Arbeiterinnen gebaut, welche bis zu sechs Jahre alt werden können.

Königinnen befinden sich im Nest und sind mit der Eiablage beschäftigt. Sie sind viel größer als die Arbeiterinnen, besonders groß ist der Hinterleib der Königin. Darin sitzen die Eierstöcke und auch eine Samenblase ist dort vorhanden. Königinnen werden bis 25 Jahre alt. „Für Insekten ist das eine große Besonderheit, kaum ein anderes Insekt erreicht dieses Alter“, bemerkte der Ameisenexperte. Männchen gibt es nur im Frühjahr. Sie haben Flügel und sterben nach dem Begatten der Königinnen ab.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass ein Volk der Kahlrückigen Waldameise in einem Mischwald von April bis Oktober 10 Millionen verschiedener Insekten erbeutet. Darunter sind viele pflanzenfressende und forstschädliche Arten wie Kiefernspanner, Frostspanner und dergleichen. Wo Waldameisen heimisch sind, sind Schädlingsmassenvermehrungen unwahrscheinlicher. Außerdem wird von den Waldameisen bis zu 200 Liter von Blattläusen produzierter Honigtau ins Nest eingetragen. Ameisen sind aber  auch selbst ein begehrtes Nahrungsmittel für eine Vielzahl von Tieren. Besonders Grün- und Grauspecht ernähren sich von den kleinen Krabblern. Der seltene Wendehals lebe nahezu ausschließlich von Ameisen, so Püls.

Es sei eine ständige Abnahme von Waldameisennestern zu beobachten, stellte der Ameisenschützer fest. Dazu tragen sicher bei die unbeabsichtigte Nestzerstörung bei Forstarbeiten, besonders durch das Fällen, Rücken und Lagern von Stammholz. Auch Kahlschläge mit folgendem Reinanbau von Douglasie seien negativ zu beurteilen. Durch Straßen- und Siedlungsbau bedrohte Nester müssen durch geschulte Fachleute der Ameisenschutzwarte umgesiedelt werden. Schon Hunderte von Nestern konnten so vor der Vernichtung bewahrt werden, informierte Püls.

Andrea Attenberger vom Bund Naturschutz bedankte sich schließlich bei den Besuchern, unter ihnen zahlreiche Kinder, für das Interesse und beim Referenten für seine Ausführungen, die sicherlich dazu beitrugen, mehr Verständnis für die Waldameisen wachzurufen.

Die großen Abräumer

Paul Riederer (links) ehrte Rudolf Boesmiller (Mitte) für seine Verdienste um die Pilzkunde. Rechts im Bild Alfred Hussong, der zukünftige Leiter der pilzkundlichen BN-Exkursionen

Pilzkundliche Exkursion – Ehrung Rudolf Boesmiller

Als hervorragender Kenner der Materie leitet Rudolf Boesmiller seit 22 Jahren die stets im Herbst stattfindende Pilzexkursion der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe – heuer am 10. Oktober zum letzten Mal. Stellvertretender BN-Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer dankte vor Exkursionsbeginn Rudolf Boesmiller für seine langjährige Tätigkeit für den Bund Naturschutz und ehrte ihn für seine Verdienste um die Pilzkunde mit der BN-Linde-Kachel. Gleichzeitig stellte er den zukünftigen Leiter der pilzkundlichen Exkursionen, Alfred Hussong aus Niederaichbach, vor. Boesmiller hatte sich für die diesjährige Exkursion einen Hangwald südlich von Landshut ausgesucht, im Vorfeld die Gegend erkundigt und die zu erwartenden Arten auf einem Informationsblatt aufgelistet, zusammen mit der Systematik dieser rätselhaften Organismen.

Die zahlreichen Teilnehmer hatten also, als sie durchs herbstliche Gelände streiften, die lateinischen Pilznamen vor sich, und daneben jeweils die weniger aussagekräftigen deutschen. Boesmiller erklärte, dass man durch die lateinischen Namen sogleich die Gattungszugehörigkeit und damit die Verwandtschaften erkennt. Die deutschen Namen seien zwar leichter zugänglich und teilweise amüsant, dafür aber auch sperrig oder sogar irreführend. Pilze richten sich nämlich nicht nach den ihnen zugeteilten Namen, sie machen sozusagen, was sie wollen und variieren enorm in Aussehen, Form und Farbe. Daher sei auch die Bestimmung in vielen Fällen viel komplizierter als vom Laien vermutet, der sich gern einfach auf eine Abbildung aus dem Pilzbuch stützen möchte. Man müsse aber bereits den Fundstandort genau begutachten, ferner den ganzen Pilz und nicht nur den Hut mitnehmen und eventuell über einige Tage das Sporenpulver auf einem Papier sammeln und die exakte Farbe vergleichen. Neben den vier Sinnen Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten seien oft genug auch Lupe und Mikroskop erforderlich, um sich im Riesenreich der Pilze halbwegs zurechtzufinden. Wer etwas in seinen Korb legt und verzehrt, was er nicht ganz sicher kennt, darf nicht dem Pilz die Schuld geben. Dieser übernimmt keinerlei Verantwortung für Unverträglichkeit und Giftigkeit, betonte Boesmiller.

Systematisch werden Pilze in niedere und höhere Pilze gegliedert, und letztere wiederum unter anderem in Schlauchpilze (Ascomycetes) sowie Ständerpilze (Basiomycetes). Allein diese beiden Gruppen umfassen weltweit über 30000 Arten. Die Basiomycetes bilden die höchstentwickelte – und auch bei Menschen beliebteste – Gruppe. Hierzu gehören die „klassischen Schwammerl“ mit auffälliger, oft sehr dekorativer Fruchtkörperbildung. Vom wesentlichen Teil der Pilze, dem Myzel, sieht man freilich nichts. Unterirdisch verteilen sich die Pilzfäden, zum Teil in einem riesigen Geflecht, das Hunderte von Jahren alt werden kann. Bei der Begutachtung eines Hallimasches an einem Baumstumpf erklärte der Exkursionsleiter, dass ein in den USA beheimateter Hallimasch das vermutlich größte und mit 1500 Jahren das älteste Lebewesen auf unserem Planeten ist. Winzig klein und unscheinbar sind hingegen viele Ascomycetes, beispielsweise der auf vermodernden Zweigen häufige zinnoberrote Pustelpilz (Nectria cinnabarina), der unter der Lupe betrachtet einer Himbeere ähnelt.

Die ureigenste Aufgabe der Pilze besteht darin, Holz zu „fressen“, organisches Material wieder dem ewigen Kreislauf zuzuführen. Sie sind also in Wald und Flur die großen Abräumer, ohne sie würde alles im Abfall ersticken. Unerlässlich ist hierbei natürlich die Feuchtigkeit. Deshalb ist in einem so trockenen Spätsommer wie heuer bis Anfang Oktober die Speisepilzausbeute sehr dürftig, wie rasch festgestellt wurde: Trotz vieler Augen und gesenkter Köpfe wurde nur ein einziger Maronenpilz gefunden. Speisepilzsuche beziehungsweise die sehr menschlichen Merkmale „giftig, ungenießbar, essbar, wohlschmeckend“ standen allerdings ohnehin nicht im Mittelpunkt der pilzkundlichen Exkursion. Begeisterung für diese wundersamen und faszinierenden Organismen muss nicht durch den Magen gehen, und naturwissenschaftliches Interesse hat wenig mit Verwertbarkeit in Kochtopf und Pfanne zu tun.

 

     

Unterschriften-Aktion

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Landesverband
Bund Naturschutz
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Kreisgruppe Landshut

Vorsitzende:
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Paul Riederer
Dr. Uli Kaltenegger

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